KOSTENLOSE TRAUMDEUTUNG

Traumsymbole

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Didymos Lexikon der Traumsymbole für das deutsche Volk 

Vorwort 

"Und da er auf dem Richterstuhl saß, schickte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe heute viel erlitten im Traum seinetwegen." (Matthäus 27,19) Die profane Geschichte der Menschheit ist ebenso wie die geistliche immer stark beeinflußt gewesen von Traumprophezeiungen. Genauso wie andere große Bücher historischer oder geoffenbarter Religionen zeugt die Bibel von einem allgemeinen, tief verwurzelten Glauben an Träume. Plato, Goethe, Shakespeare und Napoleon sprachen gewissen Träumen prophetische Bedeutung zu. Joseph sah elf Sterne des Tierkreises sich vor ihm, dem zwölften Stern, verbeugen. Das SchicksalÄgyptens wurde angekündigt durch eine Vision von fettem und magerem Vieh. Die Eltern Jesu wurden durch einen Traum vor demgrausamen Edikt des Herodes gewarnt und flohen mit dem göttlichen Kind nach Ägypten. Die Frau des Pilatus empfahl ihrem Mann, angeregt durch einen Traum, sich nicht an der Verurteilung Jesu zu beteiligen. Die Propheten und diejenigen, die stets dem Quell des universellen Wissens am nächsten standen, machten sich die Träume weitaus häufiger zunutze als jeder Form der Erleuchtung. Plutarch berichtete, wie Augustus während einer Krankheit durch den Traum eines Freundes dazu bewegt wurde, sein Zelt zu verlassen, welches wenige Stunden später vom Feind eingenommen wurde -das Lager, auf dem er gelegen hatte, wurde von Schwertern durchbohrt. Wäre Julius Caesar offener für Träume gewesen, hätte er den Warnungen seiner Frau Calpurnia geglaubt, die diese in ihren Träumen erfahren hatte.

 Es gibt drei reine Arten von Träumen, nämlich subjektive, physische und spirituelle. Sie beziehen sich auf die Vergangenheit, auf die Gegenwart und auf die Zukunft, und sind beeinflußt durch vergangene oder subjektive, physische und spirituelle Beweggründe. Die letztere Art des Traums wurde in alter Zeit stets als tief prophetisch angesehen, besonders dann, wenn ein solcher Traum einen lebhaften Eindruck im bewußten Denken hinterließ. Auch der subjektive Traum beinhaltet nach dem Glauben der Völker ein Element der Warnung und Prophezeiung, obgleich die wahre Bedeutung hier in Symbolen oder Allegorien verborgen ist. Diese beruhen auf geistigen Bildern aus der Vergangenheit, die im Bewußtsein des Träumenden vorhanden sind. Auf dieser Weise findet er sich wieder in seinem alten Elternhaus und sieht seine Mutter grau und gealtert, oder frisch und gesund, den Rasen verwelkt oder grün. All dies verheißt, entsprechend dem Aspekt, den das Traumbild nahelegt, schlechte oder gute Erlebnisse. Physische Träume sind hinsichtlich ihrer prophetischen Kraft mehr oder weniger 

bedeutungslos. Sie sind für gewöhnlich bestimmt vom Alltagsleben des Wachzustandes und können hierbei aber dem Träumenden eine Hilfe sein, wenn es um lange aufgeschobene Entscheidungen geht -das Unbewußte kann sich in solchen Träumen zu Wort melden und dem Träumenden mitteilen, was das Bewußte eigentlich will, ohne es zu wissen. Das vorliegende Buch ist eine Sammlung von Traumsymbolen und ihre Bedeutungen, wie sie sich im Glauben der Völker über Jahrtausende festgeschrieben hat.

Dies bezieht sich auf den "Volkstümlichen" Aspekt der Deutung.

Als Quelle dienen der arabische, der europäische und der indische Kulturkreis, in denen sich naturgemäß für ein- und dasselbe Traumbild zum Teil völlig gegensätzliche Interpretationen durchgesetzt haben. Doch gerade der Vergleich 

dieser unterschiedlichen Kulturen, in denen sich so vieles Alltägliches, aber auch Religiöses und Weltanschauliches widerspiegelt, macht heutzutage die Beschäftigung mit der Traumdeutung interessant. Natürlich können nicht alle Traumbilder, die irgendwann einmal auftreten könnten, in einem Buch oder in einer Datenbank wie dieser aufgeführt werden, doch bietet die Fülle der Stichwörter, die hier aufgeführt sind, sicherlich in den meisten Fällen die Möglichkeit, sich zu vergewissern, was die traditionelle Traumdeutung mit dem jeweiligen Traum verbindet. Davon ausgehend möge der Leser selbst entscheiden, ob er sich von der einen oder anderen möglichen Interpretation des Traumes 
in seinen Entscheidungen leiten läßt, oder ob er sich lieber auf seinen gesunden Menschenverstand verläßt und die Interpretation seiner Träume als kuriose, aber immer interessante Nebensächlichkeit betrachtet.

 Anlehnung an das Vorwort aus "Lexikon der Traumsymbole" von Helmut Werner Einleitung 

Träume begleiten uns von unserer Geburt bis zum Tode. Diese ganz persönlichen "Kinovorstellungen" stammen aus der Tiefe unserer Seele und sind symbolische Bilderschriften, die übersetzt werden müssen, wenn wir ihren Sinn verstehen und ihre Hilfe annehmen wollen. Wir erfahren und erleben in unseren Träumen eine Welt, die ganz anders ist als die unseres Alltag- Bewußtseins. Die Seele eines jeden Menschen 
ist viel umfassender als die Welt seines Alltags, den die wache Vernunft erkennen kann. Träume sind Boten unserer Seele, Meldungen aus unserem Unbewußten, die an die Tür unseres Schicksals klopfen. Wir sollten auf diese Zeichen achten und sie zu verstehen lernen. Es ist äußerst hilfreich, diese "innere Stimme" nicht zu überhören – auch wenn es nicht immer ganz leicht ist, ihre Wahrheiten und Botschaften zu entschlüsseln oder zu befolgen.Träume zu deuten heißt, daß der Mensch mit all seinen Äußerungen ernst genommen wird – nicht nur der aktive Mensch im Alltag mit all seinen überlegten und bewußten Handlungen, sondern auch der passive Mensch mit all seinen unbewußten seelischen Leben, die sich im Traum spiegeln. 
Wir verbringen ein Drittel im Schlaf, und was in diesem Zeitraum geschieht, sollte uns nicht gleichgültig lassen! 
Den Träumen selbst ist nichts zu groß oder zu klein: Sie behandeln auch die geringsten Kleinigkeiten des Lebens ebenso deutlich wie die größten Probleme und wichtigsten Fragen der betroffenen Seele. Oft tritt im Traum sogar Verborgenes zutage, das dem Betroffenen vorher gänzlich unbewußt war.

Die Welt des Traumes ist deshalb genauso wahr und real wie die Welt unseres alltäglichen Lebens. Wir erfahren unsere Gefühle und Emotionen sowohl bei Tag als auch bei Nacht in all unseren Beziehungen und in unserem Verhalten zu den Dingen und Mitmenschen.

 Aus "Träume – Seelenbotschaften und Zukunftsvisionen" von Roswitha Edinger DIE TRAUMDEUTUNG ZUR BIBLISCHEN ZEIT. Wie wurden Träume bisher gedeutet? – Die Geschichte der TraumdeutungDie ältesten Überlieferungen von Träumen, die uns erhalten sind, stammen aus dem späten 4. Jahrtausend v. Chr. Babylonische 

Keilschrifttäfelchen enthalten immer wieder Warnungen, die Götter den Königen und Priestern in ihren Träumen gesandt hatten. In den großen Dichtungen des 1. Jahrtausends v. Chr., dem Gilgamesch- Epos und Homers Ilias, wimmelt es von Göttern, die den Menschen im Traum Botschaften senden, sei es, daß sie vor Gefahren warnen, sei es, daß sie Siege ankündigen. Diese Traumbotschaften sind zunächst direkt und unverschlüsselt, unmittelbare Mitteilungen eines verständlichen Ereignisses oder Auftrages. Derartige Begegnungen kennen wir 
auch aus einem uns viel näher stehenden, wenn auch wahrscheinlich zu wenig gelesenen Buches, der Bibel. Sie enthält im Alten Testament bekanntlich die Geschichte des Volkes Israel. Und sieht man einmal von der Genesis ab, die die prähistorischen Ereignisse von derErschaffung der Welt bis zur Einwanderung des Volkes Israel in Ägypten schildert, dann läßt sich diese Erzählung auch in historischeZeiträume einordnen: Der Auszug der Israeliten aus Ägypten fand etwa um die gleiche Zeit statt wie der Krieg der Griechen gegen Troja, 

nämlich um 1250 v. Chr., die Babylonische Gefangenschaft begann 598 v. Chr. Träume sind in der Bibel ausschließlich Mitteilungen Gottes an Menschen. Sie können verschiedene Formen annehmen, auf einenbestimmtenäußerenRahmen,ja, sogar auf bestimmte Personen beschränkt sein. Sie können Zwiegespräche sein, Anweisungen oder verschlüsselte Prophezeiungen. Nicht immer steht dabei, daß es sich um 
Träume handelt, manchmal werden sie als Visionen bezeichnet, manchmal spricht Gott scheinbar direkt mit einem Menschen. Die Form der Kommunikation zwischen Gott und den Menschen decken etliche Formen von außersinnlichen Wahrnehmungen ab. Da sie in der Bibel nicht ausdrücklich unterschieden werden, seien sie hier zunächst einmal in chronologischer Reihenfolge untersucht. Abrahams Gesprächspartner oder: Die Allgegenwart Gottes "Der Herr sprach zu Abraham ...", "Nach diesen Ereignissen erging das Wort des Herrn in einer Vision an Abraham ...", "Bei Sonnenuntergang fiel auf Abraham ein tiefer Schlaf; große unheimliche Angst überfiel ihn. Gott sprach zu Abraham: ... " – Mit solchen oder ähnlichen Worten beginnen in der Frühzeit Berichte über außersinnliche Wahrnehmungen. Diese Einleitungsformeln sind auf die handelnden Hauptpersonen beschränkt. Das Wort Traum kommt dabei nicht vor. Das es sich dabei um einen Traum handelt, ist kein Thema. Zu selbstverständlich ist diese Art der Kommunikation mit dem eigenen Gott, als daß er ihre Form eigens jedes Mal bekannt würde. Es ist auch nicht wesentlich, ob es sich um einen Traum, der mit Schlaf verbunden ist, um eine Vision, wie sie manchmal beim Namen genannt wird, um einen Tagtraum oder um eine Halluzination handelt. Wo derselbe Gott mit Fremden Kontakt aufnimmt, wird in der Erzählung allerdings angegeben, daß das in der Form eines Traumes geschieht. Das diese Träume aber nicht ganz in das Schema der göttlichen Verbindung an einen Schlafenden passen, sei an einem Beispiel illustriert. Die Situation ist folgende: Nach der Zerstörung Sodoms und Gomorrhas zog der in der Nähe ansässige Abraham nach Gerar in den Negeb. Er gab seine Frau Sara als seine Schwester aus, damit er nicht als ihr (störender) 

Mann erschlagen, sondern um seiner schönen Schwester willen am Leben gelassen werde. Abimelech, der König von Gerar, schickte prompt seine Leute und ließ Sara zu sich holen. "Nachts kam Gott zu Abimelech und sprach zu ihm im Traum: Du mußt sterben wegen der Frau, die du dir genommen hast; sie ist 
verheiratet. Abimelech aber war ihr noch nicht nahegekommen. Mein Herr, sagte er, willst du denn auch unschuldige Leute umbringen? Hat er mir nicht gesagt, sie sei seine Schwester? Auch sie selbst hat behauptet, er sei ihr Bruder. Mit arglosem Herzen und mit reinen Händen habe ich das getan. Da sprach Gott zu ihm im Traum: Auch ich weiß, daß du es mit einfältigen Herzen getan hast..." Die Fortsetzung dieser Verhandlung kann jeder im 20. Kapitel der Genesis nachlesen. Das besondere an diesem Traum, und nicht nur diesen, 
ist aber, daß der Träumer mit Gott verhandelt. Nicht passiv läßt er eine Verkündigung über sich ergehen, sondern erarbeitet im Dialog eineLösung für ein Problem. Ähnliche Verhandlungen kennen wir auch von Abraham, der sich bemühte, Sodom zu retten, denn vor den Toren Sodoms hatte sich sein Neffe Lot niedergelassen. Er rang Gott im Gespräch das Versprechen ab, die Stadt um zehn Gerechter willen zu schonen, falls er sie in der Stadt fände. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Nur Lot, seine Frau und seine Töchter wurden gerettet, Sodom 
und Gomorrha wurden zerstört. Die Jakobsleiter oder: Traumbotschaft aus Distanz Qualitativ andere Träume finden wir zwei biblische Generationen später, immer noch geraume Zeit vor der Einwanderung des Volkes Israel 

in Ägypten. Ein kurzes Resümee der Geschichte: Abrahams einziger Sohn von Sara war Isaak. Als dieser 40 Jahre alt war, nahm er sich Rebekka zur Frau, die 20 Jahre lang unfruchtbar blieb. Erst als Isaak für sie gebetet hatte, wurde sie schwanger. "Als seine Frau Rebekka schwanger war, stießen die Söhne aneinander im Mutterleib. Da sagte sie: Wenn das so ist, was soll dann aus mir werden? Sie ging, um den Herrn zu befragen. Der Herr gab diese Antwort: Zwei Völker sind in deinem Leib, zwei Stämme trennen sich schon in deinem Schoß. Ein Stamm ist dem anderen überlegen. Der ältere muß dem jüngeren dienen. Als die Zeit ihrer Niederkunft 
gekommen war, zeigte es sich, daß sie Zwillinge in ihrem Leib trug." Bemerkenswert ist die Art, in der der Umgang Rebekkas mit dem "Herrn" geschildert wird. Um ihn zu befragen, muß sie (wo auch immer) 
hingehen, und sie erhält eine halb verschlüsselte Antwort, deren Sinn ihr erst deutlich wird, als sie die Bestätigung bekommt: Sie trug Zwillinge im Leib. Hier ist nichts von dem unmittelbaren Umgang eines Abrahams mit seinem Gott im Tagtraum zu spüren, nichts von einem achtungsvoll- vertrauten Zwiegespräch oder gar von Verhandeln. Rebekkas Zugang ist der einer Bittstellerin, und sie bekommt eine Antwort zugeteilt wie andere vom Delphischen Orakel. Eine ähnliche Art der Mitteilung erlebte Jahre später ihr Sohn Jakob. Zwar brauchte er sich nicht an eine orakelhafte Instanz zu wenden, um seine Verkündigungen zu erhalten, doch die Mitteilung selbst erfolgte genau so 
einseitig wie bei Rebekka. Wieder kurz die Geschichte: Jakob kaufte seinem Bruder Esau das Erstgeburtsrecht um ein Linsengericht ab und betrog ihn später, mit Hilfe seiner Mutter, die ihre Rechtfertigung dazu aus besagtem Orakel vor der Geburt ihrer Söhne zog, um den Segen des todkranken Vaters. Um der Rache des Betrogenen zu entgehen, drängte ihn die Mutter, das Elternhaus für einige Zeit zu verlassen. Jakob machte sich auf den Weg zu seinen fernen Verwandten, um eine Frau zu finden. An einem unbewohnten Ort, an dem er übernachtete, hatte 
Jakob einen Traum. "Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder. Und siehe, der Herr stand oben und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, will ich dir und 
deinen Nachkommen geben..."Als Jakob aufwachte, richtete er den Stein, der ihm als Kopfkissen gedient hatte, als Steinmahl auf und goß als Opfer Öl darüber. In einem Gelübde versprach er, nach seiner Rückkehr aus dem Stein ein Gotteshaus entstehen zu lassen. Ein reiner Verkündigungstraum, in dem der Träumer passiv empfängt. Und erstaunlicher noch: Dieser Gott stellt sich zunächst einmal vor. Von der Vertrautheit im Umgang mit der 
Gottheit, die noch Jakobs Großvater eigen war, ist hier nichts mehr zu spüren. Es ist der ferne Gott, der von oben herab einseitige Botschaften sendet, und der Träumer steht am nächsten Morgen auf und errichtet ihm zu Ehren ein Heiligtum. Die Garben auf dem Feld oder: Allegorische Träume 

Joseph war der erste Sohn von Jakob und seiner geliebten Frau Rahel, für die Jakob 14 Jahre bei seinem Onkel Laban gedient hatte. Von Rahels älterer Schwester Lea und den Mägden der beiden Schwestern hatte Jakob weitere Söhne, doch Joseph war Jakobs Lieblingssohn, und er bevorzugte ihn sichtbar. Da Joseph außerdem seine Halbbrüder bei seinem Vater verpetzte, haßten sie ihn zusätzlich "und konnten mit ihm kein gutes Wort mehr reden". Als Joseph nun etwas träumte, geschah etwas Eigenartiges. Joseph erlebte nicht Gott den Herrn im 
Traumdialog, und er erhielt auch keine einseitige Botschaft wie sein Vater von einem Gott, der sich erst vorstellen mußte. Joseph erlebte einen allegorischen Traum. Das heißt, einen Traum, der mit Symbolen arbeitet und der einer Deutung bedarf. 


 


"Einst hatte Joseph einen Traum. Als er ihn seinen Brüdern erzählte, haßten sie ihn noch mehr. Er sagte zu ihnen: Hört, was ich geträumt habe. Wir banden Garben mitten auf dem Feld. Meine Garbe richtete sich auf und blieb auch stehen. Eure Garben umringten sie und neigten sich tief vor meiner Garbe." Was Joseph nicht klar gewesen sein dürfte, war die Bedeutung dieses Traumes. Denn sonst hätte er ihn nicht seinen Brüdern erzählt. Das 
seine Brüder mit der Deutung keinerlei Probleme hatten, geht aus dem unmittelbaren anschließenden Text hervor: 
"Dann sagten seine Brüder zu ihm: Willst du etwa König über uns werden oder dich als Herr über uns aufspielen? Und sie haßten ihn noch mehr wegen seiner Träume und seiner Worte. Er hatte noch einen anderen Traum. Er erzählte ihn seinen Brüdern und sagte: Ich träumte noch einmal: Die Sonne, der Mond und elf Sterne verneigten sich tief vor mir. Als er davon seinem Vater und seinen Brüdern erzählte, schalt ihn sein Vater und sagte zu ihm: Was soll das, was du da geträumt hast? Sollen wir vielleicht, ich deine Mutter und deine Brüder, kommen und 
uns vor dir zur Erde niederwerfen?" Wieder sind die anderen in der Lage, Josephs Traum zu deuten, und diese Deutung ist für sie kein Problem: Joseph hat die Träume eines Königs, das kann nur jemandem widerfahren, der auch in Wahrheit ein echter König ist. Die Träume machen den Brüdern klar, daß Joseph 
sich über sie erheben will. Um dies zu verhindern, beschließen sie, ihn umzubringen. Nur Ruben zeigte Erbarmen: "... denn er ist doch unser 
Bruder und unser Verwandter. "Die anderen ließen sich überzeugen, warfen ihn zunächst in eine leere Zisterne und verkauften ihn dann anmidianitische Kaufleute, die auf dem Weg nach Ägypten vorbeikamen. Joseph kam so nach Ägypten als Sklave des Potiphar, des Obristen 
der Leibwache des Pharao. 

Karriere in Ägypten oder: Der Beruf des Traumdeuters 
So wie Träume zu Josephs Versklavung geführt hatten, so waren auch Träume, wenngleich die Träume anderer, für seinen Aufstieg inÄgypten verantwortlich. Im Lied von der "Bar zum Krokodil" wird die Situation geschildert, wenn auch nicht gerade bibeltreu. Joseph, der 
Sklave, wurde Verwalter im Hause Potiphars, eine ausgesprochene Vertrauensstellung. Dessen Gattin begehrte ihn und brachte ihn in eine 
fatale Situation, als deren Folge er so dastand, als habe er sie nicht etwa abgewiesen, sondern das Vertrauen ihres Gatten mißbraucht. Joseph 
landete im Gefängnis und wurde alsbald mit der Betreuung seiner Mitgefangenen betraut. Eines Nachts hatten zwei hohe Beamte des 
Pharaos, die in Ungnade gefallen und ins Gefängnis gekommen waren, Träume, die sie beunruhigten. Auf Josephs Aufforderungen erzählte 
der Obermundschenk Joseph seinen Traum. 
"Im Traum sah ich vor mir einen Weinstock. Am Weinstock waren drei Ranken, und es war mir, als triebe er Knospen. Seine Blüten 
wuchsen, und schon reiften die Beeren an seinen Trauben. Ich hatte den Becher des Pharaos in meiner Hand. Ich nahm die Beeren, drückte 
sie in den Becher des Pharaos und gab dem Pharao den Becher in die Hand." 
Joseph schickte eine aufschlußreiche Bemerkung vorweg: "Ist nicht das Träume deuten Sache Gottes?" Er hatte dann aber mit der Deutung 
dieses Traumes eines Fremden ebenso wenig Schwierigkeiten wie seine Familie bei der Deutung seiner eigenen Träume. Er deutete die drei 
Ranken als drei Tage und die Geste des Becherüberreichens als Vorzeichen der bevorstehenden Wiedereinsetzung des Mundschenks in sein 
Amt. Auch den Traum des zweiten Gefangenen, des Oberbäckers, konnte er richtig deuten, wenngleich die Deutung für den Träumer nicht 
günstig war. Als zwei Jahre später der Pharao zwei lebhafte, aber beunruhigende Träume hatte, fiel dem Mundschenk Josephs Fähigkeit 
richtig zu deuten, wieder ein. Der Pharao ließ ihn aus dem Gefängnis holen und sagte zu Joseph: 
"Ich hatte einen Traum, doch keiner kann ihn deuten. Von dir habe ich aber gehört, du brauchst einen Traum nur zu hören, dann kannst du 
ihn deuten... In meinem Traum stand ich am Nilufer. Aus dem Nil stiegen sieben wohlgenährte, stattliche Kühe und weideten im Riedgras.
Nach ihnen stiegen sieben andere Kühe herauf, elend, sehr häßlich und mager. Nie habe ich in ganz Ägypten so häßliche Kühe gesehen. Die 
mageren und häßlichen Kühe fraßen die sieben ersten, fetten auf. Sie verschwanden in ihrem Bauch, aber man merkte nicht, daß sie darin 
waren: sie sahen genauso elend aus wie vorher. Dann wachte ich auf. Weiter sah ich in meinem Traum: Auf einem einzigen Halm gingensieben volle, schöne Ehren auf. Nach ihnen wuchsen sieben taube, kümmerliche, vom Ostwind ausgedörrte Ähren. Die kümmerlichen Ähren 
verschlangen die sieben schönen Ähren. Ich habe das den Wahrsagern erzählt, aber keiner konnte mir die Deutung sagen." 
Joseph deutete die Träume als Mitteilung Gottes und erklärte dem Monarchen, daß Gott ihm im Traum ansagte, was er vorhabe. Die sieben 
fetten und sieben mageren Kühe bedeuten sieben Jahre Überfluß, gefolgt von sieben Jahren Hungersnot. Die vollen und die tauben Ähren 
sagten dasselbe voraus, die Verdopplung des Traumes sei ein Hinweis auf Gottes Entschlossenheit und darauf, daß diese Ereignisse bald 
eintreffen werden. Auch der Deutung dieses Traums geht etwas voraus, was einen Hinweis auf die Quelle dieser Träume und natürlich auch 
die Quelle ihrer Deutung andeutet: "Nicht ich, sondern Gott wird zum Wohle des Pharaos eine Antwort geben." Beim ersten Mal konnte der 
Hinweis, es sei Gott, der die Träume deute, noch als mehr oder minder aufgesetzte Bescheidenheit aufgefaßt werden. Durch die 
Wiederholung ist das nicht mehr möglich. Die Aussage, Gott sei der wahre Deuter der Träume, ist ernst zu nehmen. Damit wird der Deutung 
auch ein viel größeres Gewicht verliehen, als wenn es sich nur um die persönliche Interpretation Josephs handelte. Joseph stellt sich hier 
nicht als Privatperson hin, die die Träume zu deuten in der Lage ist, sondern implizit als Sprachrohr Gottes. Der Rest der Geschichte ist 
bekannt. Joseph schlug Maßnahmen zur Vermeidung der Hungersnot vor. Der Pharao war beeindruckt und gab ihm alle Vollmachten, dienotwendigen Vorbereitungen zu treffen. Er stellte in "über ganz Ägypten". Als die Hungersnot kam, war sie nicht auf Ägypten beschränkt, 
auch die Familie Josephs litt unter der durch die lang anhaltende Trockenperiode verursachte Hungerkatastrophe. Und so sandte Jakob zehn 
seiner Söhne von Kanaan nach Ägypten, um dort Getreide einzukaufen. Nun verknüpfte sich die Geschichte von Josephs Verhandlungen mitseinen Brüdern mit seinen eigenen Träumen von den Ähren auf dem Feld und den sich verneigenden Gestirnen. Es ist sehr schwierig, den 
historischen Zeitpunkt, zu dem diese Geschichte spielt, zu bestimmen. Anhand der in den Texten erwähnten Sitten und Gebräuche, läßt sichkeine exakte Periode der ägyptischen Geschichte erkennen. Aufgrund der konservativen Gesinnung der alten Ägypter, die ihre Kultur über 
Jahrhunderte hinweg unverändert ließen, kann man nur Vermutungen anstellen. Auch wird der Name des Pharaos nicht erwähnt, und so ist es 
sehr schwierig, einen Zusammenhang zwischen der Joseph-Erzählung und einem bestimmten Zeitpunkt in der ägyptischen Geschichte 
herzustellen. Doch so verlockend es auch wäre, die Geschichte Josephs mit historischen Ereignissen in Verbindung zu bringen, die biblische 
Erzählung zielt auf etwas ganz anderes ab: Um das in volkstümlichen Erzählungen häufig vorkommende Motiv eines scheinbar 
unbedeutenden Menschen, in diesem Falle Jakobs jüngster Sohn, dessen wahre Größe schließlich zutage tritt. Diese verschlüsselten 
biblischen Träume lassen sich auch im Licht der modernen Traumdeutung deuten. Psychologen wie Jung und Erich Fromm haben alte 
Träume analysiert, um zu ermitteln, wie viel sie von ihren Traummustern enthüllen oder bis zu welchem Grad die Alten ihre Erfahrungen mit 
Träumen dazu nutzten, Einblick in den Traumprozeß selbst zu gewinnen. Und wenn wir annehmen, daß in unseren Träumen Gedanken und 
Möglichkeiten aufscheinen, von denen wir im Wachleben nichts wissen, können wir die Träume Josephs und des Pharaos auch als Beispiele 
intuitiven Wissens ansehen, die sich in der Symbolsprache des Traumes äußern. Josephs Traumbild von den sich niederbeugenden Garben 
kann sowohl das innere Erkennen seiner Talente enthüllen als auch seinen Ehrgeiz, der ihn zu hohen Würden führen soll. Der Pharao 
dagegen könnte "unbewußt" klimatische Veränderungen wahrgenommen haben, die zu einer siebenjährigen fruchtbaren Periode und sieben 
nachfolgenden Hungerjahren führen müssen. 
Das Sprachrohr des Herrn oder: Das Ende der Prähistorie 
Nach diesen allegorischen Träumen, wie sie auch Thema der Psychoanalyse sein könnten, kommt eine neue Ebene der Kommunikation 
zwischen Menschen und Gottheit auf den Plan. Ein bestimmter Mensch wird zum Sprachrohr Gottes. Das ist zunächst Moses. DieGeschichte seiner wunderbaren Rettung aus dem Binsenkörbchen durch die Tochter des Pharaos ist wohl bekannt; später bekam er Ärger,
weil er sich mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn in Streitigkeiten einmischte und einen Ägypter erschlug. Er floh nach Midian, mischte sich 
schon wieder in einen Streit ein, diesmal als Helfer der Töchter eines Priesters, woraufhin er eine der Töchter heiratete und dort blieb. Die 
Kommunikation zwischen Gott und Mose beginnt recht spektakulär: 



"Moses weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters... Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum 
Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da 
brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. Mose sagte: Ich will dort hin gehen und mir die außergewöhnliche Erscheinung ansehen. 
Warum verbrennt denn der Dornbusch nicht? Als der Herr sah, daß Mose näher kam, um sich das anzusehen, rief Gott ihm aus dem 
Dornbusch zu: Mose! Mose! Er antwortete: Hier bin ich. Der Herr sagte: Komm nicht näher heran! Lege deine Schuhe ab; denn der Ort, wo 
du stehst, ist heiliger Boden. Dann fuhr er fort: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da 
verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen." 
Hier wird der Traum also nach einem beinahe theatralischen Einstieg mit der Vision vom brennenden Dornbusch, die als äußerer Rahmen für 
die Berufung des Mose erhält, endlich wieder unverschlüsselt. Allerdings kommt ein neuer Zug hinein, der sich am Ende der langen Debatte 
zwischen Mose und dem Herrn unverhüllt zeigt: die Individualität der außersinnlichen Wahrnehmung. Mose ist nicht austauschbar. Moseversucht bekanntlich, sich vor Gottes Auftrag, das Volk Israels aus Ägypten zu führen, zu drücken. Sein letztes Argument ist, er sei keiner, 
der gut reden könne, seine Zunge sei so schwerfällig, und der Herr möge bitte einen anderen schicken. 
"Da entbrannte der Zorn des Herrn über Mose, und er sprach: Hast du nicht noch einen Bruder, den Leviten Aaron: Ich weiß, er kann 
reden;... Sprich mit ihm, und leg ihm die Worte in den Mund! Ich aber werde mit deinem und seinem Mund sein, ich werde euch anweisen, 
was ihr tun sollt, und er wird für dich zum Volk reden. Er wird für dich der Mund sein, und du wirst für ihn Gott sein." 
Mose werde für Aaron Gott sein. Etwas später kommt diese Formulierung erneut, allerdings auf den Pharao bezogen: 
"Der Herr sprach zu Mose: Hiermit mache ich dich für den Pharao zum Gott; dein Bruder Aaron soll dein Prophet sein. Du sollst alles sagen, 
was ich dir auftrage; dein Bruder Aaron soll es dem Pharao sagen, und der Pharao muß die Israeliten aus seinem Land fortziehen lassen." 
Das diese Geschichte zunächst daran scheitert, daß der Herr Mose und Aaron lauter Probleme ihrer Gottgesandtheit ablegen ließ, die die 
ägyptischen Wahrsager mit Hilfe ihrer Zauberkunst wiederholen konnten, ist ein amüsantes Detail am Rande. Interessanter ist die 
Arbeitsteilung zwischen Mose und Aaron: Der Herr spricht manchmal zu beiden, meist jedoch zu Mose, mit dem Auftrag, es Aaron zu 
sagen, und dieser wird zum handelnden Teil dieses ungleichen Paares. Die Berufung des Mose beruht offenbar auf einer Fähigkeit, die dieser 
ausgeprägter als andere besaß: die Fähigkeit zu außersinnlichen Wahrnehmungen. Er sah den brennenden Dornbusch, er hört den Herrn. Das 
er auch handeln kann, ist nicht so wichtig, das können andere für ihn tun; wichtiger ist, daß er Gott wahrnimmt. Die Fähigkeit zu 
außersinnlichen Wahrnehmungen war demnach im ägyptisch- vorderasiatischen Raum um 1250 v. Chr. nicht mehr allgemein verbreitet. Wo 
sie vorhanden war, funktionierte die Aufnahme allerdings ausgezeichnet. Die Rolle des Mose beschränkte sich lange Zeit auf die des reinen 
Hörenden, die Kommunikation war also über lange Strecken einseitig. Dafür aber, und das macht Mose besondere Begabung aus,
funktionierte sie "auf Knopfdruck". Denn bei allen Problemen, die auf Mose während des Auszugs des Volkes Israel aus Ägypten zukamen, 
erhielt er fast immer unmittelbar eine Antwort Gottes. Möglicherweise gibt es für die Kommunikation "auf Knopfdruck" zwischen Mose und 
Gott eine wissenschaftliche Erklärung, die auch einige Ungereimtheiten der Erzählung aufklären würde. Sigmund Freud hatte in einer sehranregenden Schrift aus der strikten Aufgabenteilung zwischen Mose und Aaron den Schluß gezogen, daß Mose eigentlich Ägypter war, als 
solcher wird er bei seiner Ankunft bei seinem Schwiegervater auch in der Bibel bezeichnet, und Aaron schlichtweg als Dolmetscher 
benötigte, und daß es Mose war, der als Religionsstifter den Juden eben jene monotheistische Religion gab. Sie erlebte unter dem Pharao um 
1350 v. Chr. in Armana in der ausschließlichen Verehrung des Sonnengottes Aton eine kurze Blütezeit, fiel dann aber einer religiösen 
Säuberung zum Opfer. Diese Theorie hat etliches für sich, wirft allerdings die Frage auf, ob das "Volk Israel" hier wörtlich noch als die 
Nachkommen Jakobs (= Israel) zu verstehen sind, als Anhänger des Atonkultes (mithin eine religiöse, unterdrückte Minderheit unter denÄgyptern), oder als Anhänger des Mose, die dieser unter den unteren Schichten der Bevölkerung Ägyptens sammelte. In diesem Fall käme 
der Vision des brennenden Dornbusch besondere Bedeutung für die Legitimation des Mose als Werkzeug Gottes zu, auch wenn er laut Bibel 
Aaron und dem Pharao als Gott erscheinen solle. Der Gedanke, Mose habe sich die Vision und die Aufträge Gottes nur ausgedacht, um seine 
persönliche Macht über das Volk Israel zu festigen, ist ausgesprochen modern und daher von der Hand zu weisen. Zumindest zu Mose 
Legitimation vor sich selbst muß eine solche Initiationsvision stattgefunden haben. Moses Rolle als Religionsstifter (und was sonst ist 
jemand, der sein Volk die Tafeln mit den Zehn Geboten gibt?) würde auch seinen "direkten Draht" zu seinem Gott erklären. Dieses 
Verhältnis ändert sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte erheblich, wie der folgende Abschnitt zeigt. 

Die Rolle des Propheten oder: Das Ende der Kommunikation 
Im ersten Buch Samuel gibt es einen Hinweis, der zu denken gibt, was die damals aktuelle Kommunikationsform zwischen Gott und Mensch 
anbelangt. Kurz die Geschichte: Samuel war von seiner Mutter, die sich sehnlichst ein Kind wünschte, Gott versprochen worden, und so 
lebte er von frühester Jugend an im Tempel unter dem Hohepriester Eli. 
"In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine 
Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im 
Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: Hier bin ich. Dann lief er zu Eli und 
sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen! Da ging er und legte sich wieder 
schlafen. Der Herr rief noch einmal: Samuel! Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Eli erwiderte: 
Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen! 
Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, 
zum drittenmal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Da merkte Eli, daß der Herr den Knaben gerufen 
hatte. Eli sagte zu Samuel: Geh, leg dich schlafen. Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: Rede, Herr; denn dein Diener hört. Samuel 
ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: Samuel! Samuel! Und 
Samuel antwortete: Rede, denn dein Diener hört. Der Herr sagte zu Samuel: Fürwahr, ich werde in Israel etwas tun, so daß jedem, der davon 
hört, beide Ohren gellen. An jenem Tag werde ich an Eli vom Anfang bis zum Ende alles verwirklichen, was ich seinem Haus angedroht 
habe... Samuel blieb bis zum Morgen liegen, dann öffnete er die Türen zum Haus des Herrn. Er fürchtete sich aber, Eli von der Vision zu 
berichten." 
Eli bringt ihn dazu, ihm die Worte des Herrn mitzuteilen, und so ist es möglich, daß Samuels Auserwähltheit offenkundig wird: 
"Samuel wuchs heran, und der Herr war mit ihm und ließ keines von all seinen Worten unerfüllt. Ganz Israel von Dan bis Beerschebe 
erkannte, daß Samuel als Prophet des Herrn beglaubigt war. Auch weiterhin erschien der Herr in Schilo: Der Herr offenbarte sich in Samuel 
in Schilo durch sein Wort." 
Was für eine Veränderung! Die Worte des Herrn waren selten in jenen Tagen (wir befinden uns in der Zeit um 1080 – 1040 v. Chr.) und 
Visionen waren nicht häufig. Der Herr muß in einem eigenen Akt kennen gelernt werden, sein Wort muß sich offenbaren. Der Traum wird 
als Vision bezeichnet (ein Grund mehr für uns, die Trennung zwischen Traum und anderen Formen der außersinnlichen Wahrnehmung nicht 
zu stark zu betonen). Zu einem Dialog kommt es nicht, sondern zu einer reinen Verkündigung, einer reinen Vision eines zukünftigen 
Ereignisses. Der Träumer ist rein auf die Rolle des Empfängers beschränkt, die Vision hat auch mit ihm selbst nichts zu tun. Der erste 
Prophet ist geboren, der zum auserwählten Sprachrohr herangebildet wird. Durch das Eintreffen der Prophezeiungen ist seine Beglaubigung 
als Prophet des Herrn gesichert. Soweit die offenkundige Aussage über das Verhältnis Gott – Mensch. Was sagt diese Erzählung von der 
Berufung Samuels über die Beziehung Mensch – Gott aus? Die Mehrheit der Menschen ist nicht mehr in der Lage zur Wahrnehmung Gottes 
oder des Göttlichen in ihrer Umwelt. Die Fähigkeit zur außersinnlichen Wahrnehmung, zur Vision, zum Traum, muß erst gelernt werden. 
Und dann bleibt sie zunächst auf eine reine Rolle als passiver, aufnehmender Empfänger beschränkt. Vorbei das traute, völlig 
selbstverständliche Zwiegespräch zwischen Abraham und seinem Gott. Die Form, in der die Wahrnehmung des Wortes Gottes abläuft, wird 



zunehmend ritualisiert. An einer Stelle heißt es: "Der Herr aber hatte Samuel, einen Tag bevor Saul kam, das Ohr für eine Offenbarung 
geöffnet...", an anderer Stelle sagt Samuel zu Saul: 
"... Wenn du dort in die Stadt hineingehst, wirst du eine Schar von Propheten treffen, die von der Kulthöhe herabkommen, und vor ihnen 
wird Harfe, Pauke, Flöte und Zither gespielt. Sie selbst sind in prophetischer Verzückung. Dann wird der Geist des Herrn über dich kommen, 
und du wirst wie sie in Verzückung geraten und in einen anderen Menschen verwandelt werden. Wenn du aber all diese Zeichen erlebst, 
dann tue, was sich gerade ergibt; denn Gott ist mit dir." 
Die Kommunikation mit der Gottheit ist also nur noch möglich, wenn das Ohr eigens geöffnet wird, der spontane Gedanke an eine Trance 
oder "prophetische Verzückung", in die der Prophet zum Hören des Wortes Gottes versetzt werden (oder sich versetzen) muß, wird durch die 
Beschreibung eben dieses Zustandes bei anderen Propheten bestätigt. In diesem Zustand ist für einen geübten Propheten offenbar auch einDialog mit Gott möglich, sofern die Überlieferung hier verläßlich genau ist. An einer späteren Stelle (1 Sam 16, 1-3) erhält Samuel von Gott 
einen Auftrag, stellt eine Rückfrage und erhält daraufhin genauere Handlungsanweisungen. Vom Feilschen eines Abraham um dasÜberleben von Sodom und Gomorrha ist hier aber nichts mehr zu spüren, und dem entspricht völlig die an jener Stelle nachfolgende 
Formulierung: "Samuel tat, was der Herr befohlen hatte." Für den nicht zum Propheten berufenen Menschen gab es zu dieser Zeit mehrere 
Möglichkeiten, ein Zeichen der Götter zu erbitten. Sie waren für ihn selbst jedoch unerreichbar, wie das Beispiel Sauls lehrt, der ab 1010 
einige Jahre lang König über Israel war: 
"Da befragte Saul den Herrn, aber der Herr gab ihm keine Antwort, weder durch Träume noch durch die Losorakel, noch durch die 
Propheten. Daher sagte Saul zu seinen Dienern: Sucht mir eine Frau, die Gewalt über einen Totengeist hat; ich will zu ihr gehen und sie 
befragen." 
Die Frau, an die er verwiesen wurde, die Hexe von Endor, holte ihm den inzwischen verstorbenen Samuel aus dem Totenreich herauf, der 
ihm Gottes Entscheidung in der fraglichen Angelegenheit noch einmal erläuterte. Die Szene ist nicht ohne Spannung und sei zur 
selbständigen Lektüre empfohlen. Nachher war Saul so erschöpft (und die Frau wohl auch), daß sie mitten in der Nacht ein rasches Mahl 
zubereiteten. An dieser Art der mittelbaren Kommunikation zwischen Mensch und Gott ändert sich auch bei einem Wechsel der 
Protagonisten nichts. Daniel, der mit Gottes Segen 1006-966 regiert, hat die Möglichkeit, den Herrn zu "befragen" oder zu ihm zu beten. 
Antworten auf Fragen bekommt er entweder durch Losorakel; dann sind sie kurz und knapp und besagen nicht viel mehr als "Ja" oder 
"Nein"; oder durch Propheten. In diesem Fall ist das Natan, zu dem der Herr in der Nacht "sein Wort ergehen läßt". 

Weisheit auf dem Thron oder: Das geträumte Regierungsprogramm 
Die Zeit von Salomos Herrschaft (ca. 966-922 v. Chr.) war eine Periode des Friedens und Wohlstandes. Salomo wird vor allem als 
Verkörperung der Weisheit dargestellt. Und Weisheit war im israelitischen Denken eine praktische Qualität, etwas, das alle Menschen 
brauchten, um Erfolg in ihrem Leben zu haben. Bald nach dem Beginn seiner Herrschaft besuchte Salomo Gibeon, die "angesehenste 
Kulthöhe", die damals von Jerusalem noch nicht verdrängt worden war. In Gibeon hatte er einen Traum, in dem ihm Gott erschien und ihn 
aufforderte: 
"Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll. Salomo antwortete: Du hast deinem Knecht David, meinem Vater, große Huld erwiesen; 
denn er lebte vor dir in Treue, in Gerechtigkeit und mit aufrichtigem Herzen. Du hast ihm diese große Huld bewahrt... Verleih daher deinem 
Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht. Wer sonst könnte dieses 
mächtige Volk regieren? Es gefiel dem Herrn, daß Salomo diese Bitte aussprach. Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte 
ausgesprochen hast und nicht um ein langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das 
Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen... Da erwachte Salomo und merkte, daß es ein Traum war." 
Vorn und hinten wird betont, daß es sich bei diesem Dialog um einen Traum handelt. Vom Charakter her ist der Dialog zwar ganz 
vertrauensvoll und erinnert an das Zwiegespräch Abrahams mit seinem Gott. Es braucht aber, um stattfinden zu können, den abgesonderten, 
wohl umgrenzten Rahmen des Traums. Im lauten Tagesgeschehen wäre dieses Gespräch nicht mehr möglich gewesen. Bei Abraham ging es 
allerdings auch noch nicht um die Regierung eines großen Volkes. Das Tagesgeschehen war bei Abraham viel "leiser". Von der Funktion her 
ist dieser Traum als Initiationstraum zu bezeichnen. 

Die gezielte Traumdeutung oder: Traumdeutung in Babylon 
Haben Sie Verdis "Nabucco" vor Augen? Nicht nur den "Gefangenenchor", sondern auch die Verrücktheit des Königs? Dorthin begeben wir 
uns jetzt. Wir befinden uns nach einem Zeitsprung von fast 400 Jahren in Babylon, dem Zentrum des chaldäischen, neubabylonischenReiches. Die Juden hatten sich mit Ägypten verbündet, das mit Babylon im Krieg lag, woraufhin Nebukadnezar II., der von 604-562 v. Chr. 
regierte, 598 v. Chr. Jerusalem besetzte und die Stadt im Jahr darauf zerstörte. Die Bevölkerung wurde nach Babylon in die Gefangenschaft 
gebracht. Das Schicksal des Volkes Israel ist ab nun die Zerstreuung, die Diaspora, symbolisiert durch den Turmbau zu Babylon. Babylon 
war damals ungebrochen die hohe Schule der Weissagekunst. Sterndeuter und Wahrsager aller Art standen in hohen Ansehen. Die Chaldäer 
führten die alten babylonischen Traditionen ungebrochen fort, so daß die Bezeichnung "Chaldäer" bis in griechisch-römische Zeit, als 
Babylon längst vom Perserkönig Kyros und später von Alexander dem Großen erobert worden war, ein Synonym für Wahrsager oder 
Sterndeuter war. In Babylon entstand im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. auch die größte Sammlung heiliger jüdischer Schriften, der 
babylonische Talmud. Er enthält neben rein jüdischer Traditionen auch Hinweise auf Träume, Regeln für die Deutung und Ratschläge, wie 
böse Träume zu vermeiden seien. Die Babylonier betrachteten den Kosmos als ein Ganzes. Sie glaubten, daß Ereignisse, die in einem seiner 
Teile stattfanden, in einem anderen Teil reflektiert würden, und suchten daher ständig nach solchen Vorgängen. Sie meinten, einem Ereignis 
folge immer ein bestimmtes anderes. Und die Wiederkehr des Ersten konnte ein Zeichen dafür sein, daß sich das Zweite ebenfalls 
wiederholen würde. Das betraf den Bereich der Sternenkunde, in dem sie große Meister waren, ebenso wie den der Träume. Träumte zumBeispiel ein Priester von Kranichen, die über seinen Kopf kreisten, und es gab kurz darauf eine Überschwemmungskatastrophe, schloß man 
sofort auf eine bevorstehende Überschwemmung, wenn wieder einmal ein Priester von Kranichen träumte. Aus einem zufälligen "Wenn – 
dann" – Zusammentreffen wird ein "Immer wenn –dann" und schließlich ein "Weil". Diese Logik beschäftigte später die griechischen und 
europäischen Philosophen. Dieser Glaube verlieh in der Praxis jedem Omen eine besondere Bedeutung. Die Träume bedeutender Männer 
wurden geprüft und in "heilige" Träume, deren Botschaften unbedingt Folge geleistet werden mußte, und "gewöhnliche Träume", die sowohl 
von Göttern als auch von Dämonen gesandt sein konnten, unterscheiden. "Gute" oder "böse" Träume zu beurteilen, oblag Priestern oderMagiern. Die Juden waren zur Traumdeutung in besonderem Maße befähigt, wie das Beispiel Josephs in Ägypten gezeigt hatte. Ihr Gott, der 
Gott der Juden, war für sie alleinige Quelle der in den Träumen enthaltenen Offenbarungen. 
"Im Traum, im Nachtgericht, wenn der Schlaf auf die Leute fällt, wenn sie schlafen auf dem Bette, da öffnet er das Ohr der Leute und 
schreckt sie und züchtigt sie", heißt es etwa im Buch Hiob (33,15-16). 
Daniel gehörte zu einer Gruppe junger Leute aus Israels vornehmen Familien, die zum Zweck der "Umerziehung" als Geiseln an den 
babylonischen Hof gebracht worden waren. Dieses Verfahren wendeten auch die Römer bis in die Spätantike an; noch der Hagen des 
Nibelungenliedes wurde zu diesem Zweck als junger Mann an den Hof eines Siegers verschleppt, in seinem Fall an den des Hunnenkönigs 
Attila/Etzel. Die biblische Erzählung schildert Daniel als gottesfürchtigen Menschen. Er schützte sich und seine Freunde durch eine 
vegetarische Diät vor der Verletzung der jüdischen Speisevorschriften, und 
"Gott verlieh diesen vier jungen Leuten Wissen und Verständnis in jeder Art Schrifttum und Weisheit; Daniel verstand sich auch auf 
Visionen und Träume aller Art... So oft der König in Fragen, die Weisheit und Einsicht erforderten, ihren Rat einholte, fand er sie allen 
Zeichendeutern und Wahrsagern in seinem ganzen Reich zehnmal überlegen." (Daniel 1,17,20) 



"Im zweiten Jahr der Herrschaft Nebukadnezars hatte dieser einen Traum. Sein Geist wurde davon so beunruhigt, daß er nicht mehr schlafen 
konnte. Da ließ der König die Zeichendeuter und Wahrsager, die Beschwörer und Chaldäer zusammenrufen; sie sollten ihm Aufschluß geben 
über seinen Traum. Sie kamen und traten vor den König. Der König sagte zu ihnen: Ich habe einen Traum gehabt; mein Geist ist voll 
Unruhe, und ich möchte den Traum verstehen. Die Chaldäer sagten zu ihm: O König, mögest du ewig leben. Erzähl deinen Knechten den 
Traum, dann geben wir dir die Deutung..." (Daniel 2,1ff.) 
Soweit, so gut, das klingt auch alles sehr vertraut. Nun aber zeigt sich, daß der König seinen Traum nicht erzählen konnte, ein Problem, das 
Ihnen durchaus vertraut sein wird. Er konnte dies natürlich nicht zugeben, ohne sein Gesicht zu verlieren, sondern überspielte sein eigenes 
Unvermögen, indem er die Fachleute scheinbar auf die Probe stellte und wilde Drohungen gegen sie ausstieß. Der Text geht nahtlos weiter 
wie folgt: 
"Der König antwortete den Chaldäern: Das ist mein unwiderruflicher Entschluß: Wenn ihr mir nicht den Traum und seine Deutung sagen 
könnt, dann werdet ihr in Stücke gerissen und eure Schultern werden in Schutthaufen verwandelt. Sagt ihr mir aber den Traum und seine 
Deutung, dann empfangt ihr von mir Geschenke, Gaben und hohe Ehrungen. Gebt mir also den Traum und seine Deutung an!" 
In dieser Form ging das Gespräch noch zweimal hin und her, bis die Chaldäer das Handtuch warfen: 
"Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der sagen könnte, was der König verlangt... Was der König verlangt, ist zu schwierig. Es gibt auch 
sonst niemand, der es dem König sagen könnte, außer den Göttern; doch diese wohnen nicht bei den Sterblichen. Darüber wurde der König 
so wütend und zornig, daß er befahl, alle Weisen in Babel umzubringen." 
Nun trat Daniel auf den Plan, denn als einer der Weisen in Babel war er nun selbst in Gefahr. Er ging zum König und bat um eine Frist, um 
ihm die Deutung des Traumes zu geben. 
"Dann eilte Daniel nach Hause, teilte seinen Gefährten Hananja, Mischael und Asarja alles mit und sagte, sie sollen wegen dieses 
Geheimnisses den Gott des Himmels um Erbarmen bitten, damit nicht Daniel und seine Gefährten samt den anderen Weisen in Babel 
umkämen. Darauf wurde ihm das Geheimnis in einer nächtlichen Vision enthüllt, und Daniel pries den Gott des Himmels dafür. Er betete: 
Der Name Gottes sei gepriesen von Ewigkeit zu Ewigkeit..." 
Was sagt diese Erzählung über das Verhältnis der handelnden Personen zu ihren Träumen aus? Eine ganze Menge, wie Sie sicher bereits 
bemerkt haben. Der König kann sich ganz wie ein heute Lebender nicht an seinen Traum erinnern, weiß aber, daß er einen beunruhigenden 
Traum gehabt hat. Daniel ist zwar mit Gottes Hilfe in der Lage, diesen Traum zu erfahren und zu deuten, doch dazu bedarf es der Hilfe seiner 
drei Gefährten, die gemeinsam beten müssen, damit ihm Gottes Mitteilung an Nebukadnezar in einer nächtlichen Vision enthüllt werden 
kann. Von den Menschen aus und mit heutigen Worten formuliert, heißt das: Vier Personen müssen ein starkes Energiefeld aufbauen, das 
einem von ihnen zu seiner Vision verhilft. Von der "prophetischen Verzückung" eines Samuel ist hier keine Rede mehr, das Suchen nach 
dieser Vision ist ein konzentrierter und streng rationaler Akt von vier Weisen, was bedeutet: vier Wissende, vier Personen, die wissen, wie es 
geht. Das Verhältnis zu Gott als der Quelle dieser Vision ist auch entsprechend distanziert, im Dankgebet fehlt die direkte Anrede, Gott 
scheint sehr weit weg zu sein. Auch Daniels drei Freunde, die später im Feuerofen landen, bleibt Gott selbst weit entfernt, er sendet einen 
Engel zu ihrem Schutz in die heißen Flammen. Fast schon uninteressant ist in diesem Zusammenhang der eigentliche Traum: Es handelte 
sich um einen allegorischen Traum von der Art, wie er bereits zu Josephs Zeiten überliefert war. Interessanterweise handelte es sich bei 
Nebukadnezar wie beim Pharao um Vertreter einer alten Hochkultur, bei den Träumern aus dem Volke Israel aber vorwiegend um Hirten 
und einfache Menschen. 

Das Herz eines Tieres oder: Die Stimme vom Himmel 
In einem Text desselben Buches Daniels schildert Nebukadnezar in der ersten Person in einem schreiben "an alle Völker, Nationen und 
Sprachen auf der ganzen Erde" einen weiteren Traum und dessen Deutung durch Daniel. Hier allerdings fehlt der Hinweis darauf, daß die 
Deutung des Traumes durch Gott gesandt war, was wohl mit der veränderten Erzählperspektive zu erklären ist. Nebukadnezar träumte von 
einem Baum, der so groß war, daß er allen Lebewesen Nahrung und Schatten spendete. 
"Während ich auf meinem Lager noch das Traumbild sah, stieg ein Wächter, ein Heiliger, vom Himmel herab. Er befahl mit mächtigerStimme: Fällt diesen Baum, und schlagt seine Äste ab! ... Sein Herz sei nicht mehr ein Menschenherz; ein Tierherz soll ihm gegeben werden, 
und sieben Zeiten sollen über ihn hingehen..." (Daniel 4, 1ff. 10,11,13) 
Daniel deutete den Traum. Der Baum, sagte er, symbolisiert Nebukadnezar, der seines Amtes enthoben und für sieben Jahre verstoßen 
werden müsse. Er werde bei den wilden Tieren des Feldes leben. Im folgenden Text schildert Nebukadnezar "eine Stimme vom Himmel", 
die ihm das Eintreten dieser Prophezeiung ankündigte. Und dann folgt ganz offen der Hinweis auf seine Verrücktheit: 
"Als die Zeit verstrichen war, erhob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel, und mein Verstand kehrte zurück... Zu derselben Zeit 
kehrte mein Verstand zurück, und ich erhielt zum Ruhm meines Königtums auch meine Herrlichkeit und meinen königlichen Glanz 
zurück..." (Daniel 4, 31ff) 
Wenn man berücksichtigt, daß damals als Sitz des Verstandes das Herz galt, so ist deutlich, was die Formulierungen "ein Tierherz soll ihm 
gegeben werden" und "er werde bei den wilden Tieren des Feldes leben" bedeutet. Nichts als vernunftbegabtes Wesen, sondern wie ein 
wildes Tier verbrachte er diese sieben Jahre. Bei Verdi und in der Bibel wird diese Erzählung auf Nebukadnezar bezogen. Vom historischen 
König Nebukadnezar II. ist nichts Derartiges bekannt, aber es könnte sich um seinen Nachfolger Nabonid handeln, einen Emporkömmling, 
der 555-539 regierte und als "Archäologe auf dem Thron" bezeichnet wird. Er mußte Babylon verlassen und begab sich in die Oasenstadt 
Teima, neueren Forschungen zufolge weniger wegen Streitigkeiten mit der Priesterschaft, sondern weil er an einem Geschwür litt. Nach 
vergeblichen Gebeten zu verschiedenen Göttern heilte ihn ein jüdischer Exorzist, der ihn sein Gebet zum Ruhm des wahren Gottes schreiben 
ließ. Noch zwei weitere Arten außersinnlicher Wahrnehmungen werden in diesem an großen allegorischen Träumen und Visionen so reichen 
Buch erzählt. Die eine hatte der "Nachfolger" Nebukadnezars, König Belsazar. Bei einem großen Gastmahl, bei dem die Gäste aus eroberten 
heiligen Gefäßen aus dem Tempel von Jerusalem tranken und die "Götter aus Gold und Silber, aus Bronze, Eisen, Holz und Stein" lobten, 
erschienen die Finger einer Menschenhand und schrieben gegenüber dem Leuchter etwas auf die weiß getünchte Wand des königlichen 
Palastes. Daniel wurde gerufen und konnte die hebräischen Buchstaben mühelos als "mene, mene tekel upharsin" entziffern (ja, davon 
kommt die Sache mit dem Menetekel!). Es deutet auf eine Verurteilung des Königs durch Gott und eine bevorstehende Teilung des Reiches 
hin. Der Herrscher wurde noch in derselben Nacht getötet, als sein Nachfolger bestieg der Meder Darius den Thron. (Daniel 5+6) 

Der Erzengel Gabriel oder: Der Streß der Vision 
In den späten Kapiteln des Buches entwickelt sich Daniel vom Traumdeuter zu jemandem, der selbst Träume hat. Es handelt sich um 
apokalyptische Visionen, in denen es um Endzeitgeschehen oder einen Messias geht, um einen "Menschensohn". Der griechische Ausdruck 
"apokalypsis" bedeutet "Enthüllung" einer geheimen Botschaft, kurz bevor sie eintritt. So wurde Daniel aufgefordert, seine Worte 
niederzuschreiben, und "diese Worte bleiben verschlossen und versiegelt bis zur Zeit des Endes". "Apokalyptische" Werke enthalten oft 
Rückblicke auf die Weltgeschichte in Form von Voraussagen. Da diese vergangenen Ereignisse stattgefunden haben, belegen sie die 
Vertrauenswürdigkeit des Sehers bei echten Voraussagen. Bemerkenswert ist an diesen Visionen zweierlei: zum einen die verschlüsselte 
Form der Aussage; diese Visionen sind genauso allegorisch wie die Träume Nebukadnezars oder des ägyptischen Pharao; zum anderen der 



äußere Rahmen, in dem sie stattfinden; sie nehmen Daniel körperlich stark mit. Ein paar Textzitate mögen das belegen, sie sind im Buche 
Daniel in den Kapiteln 7 bis 12 nachzulesen. 
"Ich hatte während der Nacht eine Vision... Hier endet die Mitteilung. Mich, Daniel, erschreckten meine Gedanken sehr, und ich erbleichte." 
"Ich hatte eine Vision... Während ich, Daniel, noch diese Vision hatte und sie zu verstehen suchte, da stand vor mir einer, der aussah wie ein 
Mann. Und über den Ulai-Kanal hörte ich eine Menschenstimme, die rief: Gabriel, erkläre ihm die Vision! Da kam er auf mich zu. Als er 
näher kam, erschrak ich und fiel mit dem Gesicht zu Boden... Während er mit mir redete, lag ich ohnmächtig da, mit dem Gesicht am 
Boden... Die Vision... die dir offenbart wurde, ist wahr; doch du sollst sie geheimhalten... Darauf war ich, Daniel, erschöpft und lag mehrere 
Tage krank zu Bett..." 
Im dritten Jahr des Königs Kyros von Persien empfing Daniel.. eine Offenbarung. Das Wort ist zuverlässig und kündigt große Not an. Er 
suchte das Wort zu verstehen, und das Verständnis wurde ihm in einer Vision gegeben. In jenen Tagen hielt ich, Daniel, drei Wochen lang 
Trauer. Nahrung, die mir sonst schmeckte, aß ich nicht; Fleisch und Wein kamen nicht in meinen Mund; auch salbte ich mich nicht, bis drei 
volle Wochen vorbei waren..." Hier wird also eine weitere Schicht in die Kommunikation zwischen Gott und Mensch eingeschoben: Die 
Vision wird in der Vision gedeutet, der Vermittler zwischen dem Sender der Botschaft und dem Träumenden ist der Erzengel Gabriel. Daniel 
seinerseits hatte diese große Vision nicht einfach im Schlaf, sondern er bereitete sich in einer dreiwöchigen Fastenperiode gezielt darauf vor. 
Die Zeiten eines Dialogs wie zwischen Abraham und seinem Gott sind endgültig vorbei. 

DIE TRAUMDEUTUNG IN DER ANTIKE 

Artemidor von Daldis (2. Hälfte des 2. Jh. n. Chr.) 
(Traumdeuter und Schriftsteller aus Daldis (Lydien); von seinen Werken sind die "Oneirokritika" (Traumdeutung) in 5 Büchern erhalten) 


Die Traumdeutung war ein lebendiger Bestandteil des antiken Alltags und der Traumdeuter ein einträglicher Beruf, nicht nur auf Märkten 
und bei öffentlichen Spielen, sondern ebenso an königlichen Höfen. Während die heutige Traumanalyse der tiefenpsychologischen 

 


Erkenntnis und der Therapie dient, strebte man in der Antike nach ganz praktischer Nutzanwendung: Der Traum zeigt dem Träumenden an, 
was ihm und seiner Familie im Guten wie im Bösen zustoßen wird. Die Traumdeutung war zwar Teil der Wahrsagerkunst, doch ist ihr 
Ausgangspunkt dem der modernen Traumanalyse nicht unähnlich: nämlich die Erkenntnis, daß sich aus Träume Schlüsse auf das Leben des 
Träumenden ziehen lassen und den Traumsymbolen Gesetzmäßigkeiten innewohnen. 

Vorwort 
Oft fühle ich mich gedrängt, an die Abfassung des vorliegenden Werkes zu gehen, doch zögere ich immer, "nicht von Trägheit besiegt noch 
Unverstand des Geistes", wie der Dichter (Homer: Ilias 10,122) sagt, sondern weil ich von der Großartigkeit der darin enthaltenen 
Erkenntnisse, besonders aber von der Fülle des Stoffes überwältigt war und die Kritik der Leute fürchtete, namentlich jener, die der festenÜberzeugung sind, es gäbe weder eine Weissagekunst noch eine göttliche Vorsehung, und dementsprechend argumentieren, oder jene, diesich lediglich Übungsstoffe und Themen für rhetorische Zwecke verschaffen wollen. Jetzt aber bewog mich die gegenwärtige Nachfrage, die 
sich wegen des Nutzend nicht nur für uns selbst, sondern auch für die kommenden Generationen als zwingend erweist, nicht länger 
abzuwarten und das Vorhaben aufzuschreiben, sondern die Dinge, über die ich durch Erfahrung, ein Urteil besitze, aufzuzeichnen. Ich werde 
damit, wie ich glaube, zweierlei erreichen; einerseits werde ich denen, die die Weissagekunst selbst und ihre Disziplinen beseitigen wollen, 
ohne jede Polemik, aber mit einem Rüstzeug entgegentreten, das nicht gewöhnlicher Art ist, indem ich die Erfahrung, ins Feld führe und 
Zeugnis der Traumerfüllungen, das ausreichen dürfte, um aller Welt gegenüber standzuhalten. Andererseits werde ich denen, die zwar von 
der Weissagekunst Gebrauch machen, die aber, weil sie keinen zuverlässigen Leitfaden in die Hand bekommen haben, völlig ratlos und 
schon daran sind, dieselbe zu verachten und ihr den Rücken zu kehren, eine heilsame Anleitung geben, die statt der bisherigen Ratlosigkeit 
Rettung verspricht. Fast alle meine nur wenig älteren Vorgänger haben in ihrem Streben nach schriftstellerischem Ruhm und in der Meinung, 
sich einzig dadurch einen Namen zu machen, wenn sie Bücher über Traumdeutung hinterließen, voneinander abgeschrieben; dabei haben sie 
entweder die trefflichen Darlegungen der Alten verkehrt ausgelegt oder zu deren knappen Ausführungen eine Menge unwahrer Zusätze 
gemacht; denn sie ließen sich nicht von der Erfahrung leiten, sondern schrieben aus dem Stehgreif, so wie einem gerade der Sinn stand, und 
die einen bekamen die gesamte Fachliteratur der Alten in die Hand, die anderen nur einen Bruchteil; denn einige Werke, die wegen ihres 
hohen Alters selten und verderbt sind, entgingen ihnen. 
Was meine Person (Artemidoros) anbetrifft, so gibt es kein Buch über Traumdeutung, das ich nicht erworben hätte, weil ich in dieser 
Hinsicht von einem großen Ehrgeiz erfüllt bin. Außerdem habe ich viele Jahre hindurch mit Wahrsagern, die auf Märkten ihre Kunst 
anbieten, verkehrt, obwohl sie verschrien sind und von den Herren mit den ehrwürdigen Mienen und den hochgezogenen Augenbrauen 
Landstreicher, Schwindler und Bettelpack tituliert werden; ich gab aber nichts auf diese Verleumdung und unterzog mich in den Städten und 
auf dem Festversammlungen Griechenlands, in Kleinasien, Italien und auf den größten und bevölkerten Inseln die Mühe, alte Traumgesichteund ihre Ausgänge in Erfahrung zu bringen. Es war rein unmöglich, auf andere Weise Übung in dieser Kunst zu erwerben. Daher kommt es, 
daß ich aus dem vollen schöpfen und über jede einzelne Frage Auskunft geben kann und so, daß ich ohne unnützes Geschwätz die reine 
Wahrheit sage; zu allen Punkten, die ich vorbringe, werde ich einleuchtende und allgemeinverständliche Nachweise geben, in einfacher 
Form, von den Fällen abgesehen, wo etwas so klar ist, daß man eine Bemerkung darüber für überflüssig halten müßte. 

Die Unterscheidung zwischen Traum (enhypnion) und dem Traumgesicht (oneiros) ist von grundlegender Wichtigkeit, und ich habe darüber 
auch in anderen Büchern geschrieben. Das Traumgesicht unterscheidet sich vom Traum dadurch, daß jenes die Zukunft, und letzteres 
Zustände der Gegenwart enthüllt. Du kannst dir die Sache folgendermaßen begreiflich machen: Es gibt gewisse Affekte, die so geartet sind, 
daß sie im Schlaf wieder emporsteigen, sich der Seele wieder darbieten und Träume hervorrufen. (Oneirogmoi, eigentlich Pollutionsträume) 
So träumte z.B. der Liebhaber zwangsläufig von einem Zusammensein mit seiner Liebsten, der von Angst Geplagte vom Gegenstand der 
Angst, der Hungrige wieder vom Essen, der Durstige vom Trinken und einer, der sich den Magen überladen hat, vom Erbrechen oder 
Ersticken. Daraus kann man erkennen, daß Träume, deren Grundlage Affekte bilden, nichts über die Zukunft aussagen, sondern nur an 
Zustände der Gegenwart erinnern. Bei diesem Sachverhalt sind die einen Affekte offensichtlich rein körperlicher, die anderen seelsicher, 
andere wiederum körperlicher und seelsicher Natur, so wenn der Kranke träumt, behandelt zu werden und Ärzte zu konsultieren; das sind 
Vorgänge, an denen Körper und Seele beteiligt sind. Erbrechen und Schlafen aber, andererseits Trinken und Essen sind ebenso dem Körper 
wie Freude und Schmerz der Seele zugeordnet. Daraus erhellt, daß körperliche Zustände aus Mangel oder Übermaß, seelische aus Furcht 
oder Hoffnung geschaut werden. 
So viel sei über den Traum gesagt. Der Name selbst ist zutreffend, nicht weil jedermann im Schlaf nur Träume schauen würde – denn auch 
das Traumgesicht ist eine Leistung des Schlafs -, sondern insofern der Traum nur solange wirksam ist, wie der Schlaf andauert, in dem 
Augenblick aber verschwindet, wo jener endet. Das Traumgesicht aber wirkt als Schlaferleben in der Weise, daß es die Aufmerksamkeit des 
Träumenden auf die Vorhersage der Zukunft lenkt; nach dem Schlaf aber erweckt und erregt (Oneiros (gesprochen oniros) wird fälschlich 
von oreinein (= orinein) = erregen abgeleitet.) es seiner Natur gemäß die Seele, indem es zu aktivem Handeln antreibt; deshalb wurde ihm 
auch von Anfang an der Name gegeben, oder weil man es von den Bestandteilen "on" und "eirein", das soviel wie "legein" bedeutet, 
ableitete; (To on eirein (gesprochen irein) = das Seiende sagen (eirein = legein) heißt es doch bei dem Dichter: "Dieses verkünde ich 
untrüglich". (Homer: Odyssee 11,137) Und die Bewohner von Ithaka nannten den Bettler Iros, "weil er gerne mit Botschaften ging, wenn es 
einer verlangte". 

Von den Traumgesichten sind ferner die einen theorematisch, die anderen allegorisch. Theorematisch heißen diejenigen, welche ihrem 
Erscheinungsbild vollkommen entsprechen. So träumte z.B. jemand, der auf See war, er erleide Schiffbruch, und tatsächlich geriet er in diese 
schlimme Lage. Denn als er aus dem Schlaf erwachte, sank das Schiff und ging unter, er selbst aber wurde nur mit Mühe und Not mit 
wenigen Begleitern gerettet. Ein anderer wiederum träumte, er sei von einem Mann, mit dem es für den folgenden Tag eine Jagdpartie 
verabredet hatte, verwundet worden. Tatsächlich wurde er bei diesem Zusammentreffen von jenem an der Schulter verletzt, genau dort, wo 
es ihm auch im Traum erschienen war. Einem dritten träumte, er nehme von einem Freund Geld entgegen, und am Morgen darauf übernahm 
er von jenem einen Betrag von zehn Minen (Gewichtseinheit des alten Orient; als Rechnungseinheit = 100 Drachmen; Die Kaufkraft war zu 
verschiedenen Zeiten sehr verschieden; so z.B. war unter Perikles (443-429 v.Chr.) ? Drachme das Existenzminimum einer Familie für 
einen Tag.) zu treuen Händen. Noch viele ähnliche Beispiele ließen sich anführen. Allegorisch sind diejenigen Traumgesichte, die ein Ding 
durch ein anderes anzeigen, wobei die Seele auf natürliche Weise in ihnen mit verhüllten Anspielungen spricht. 
Nun halte ich es für notwendig, so gut ich es kann, über die Ursache zu sprechen, warum man die Traumgesichte so schaut, warum sie so 
ausgehen, und auch die wahre Bedeutung des Namens anzugeben. Zuerst will ich eine allgemeine Begriffsbestimmung des Traumgesichtes 
geben, wobei ich keine lange Rede zu machen brauche, ausgenommen, ich hätte es mit Leuten zu tun, die gerne in Worten streiten. 
Das Traumgesicht ist eine Bewegung oder ein vielgestaltiges Bilden der Seele, das das bevorstehende Gute oder Böse anzeigt. Unter dieser 
Voraussetzung prophezeit die Seele alles, was sich im Laufe der Zeit über kurz oder lang ereignen wird, durch eigene natürliche Bilder, die 
auch Grundformen genannt werden, weil sie glaubt, wir vermöchten in der Zwischenzeit mit Hilfe vernünftigen Denkens die Zukunft 
erkennen. Aber wenn Geschehnisse keinen Aufschub erleiden, weil die Seite, wer immer sie ist, die uns zum Nachdenken über sie anleitet, 
keine Verzögerung zuläßt, dann zeigt uns die Seele die Dinge unmittelbar so, wie sie wirklich sind; denn die Voraussagung, so glaubt sie, 
nütze uns nichts, wenn wir Dinge nicht eher begreifen, als bis wir durch die Erfahrung klug geworden sind; und so wartet sie nicht erst auf 
Aufklärung von außen, die uns die Zeichen deutet, sondern ruft gewissermaßen einem jeden von uns zu: "Schau dies und laß dich von mir 
belehren, so gut du kannst!" Und das dem tatsächlich so ist, werden alle bestätigen. Denn nie wird jemand behaupten wollen, daß solche 



Dinge nicht unmittelbar nach dem Traumgesicht oder bald danach in Erfüllung gehen; verwirklicht sich ja einiges davon sozusagen im 
Augenblick, während das Traumgesicht noch gegenwärtig ist. Daher bekam sie sehr zutreffend ihren Namen, weil Schau und Erfüllung fast 
gleichzeitig erfolgen. 
In dieselbe Kategorie wie der Traum, der für die Voraussage der Zukunft bedeutungslos ist, gehört das Phantasma (Die Erscheinung von 
unnatürlichen Wesen im Zustand zwischen Wachen und Schlafen), zu denen auch der Alp gehört; die Vision (= horama) ist ein 
Traumgesicht, das das Zukünftige unmittelbar offenbart, das Orakel (= chrematismos) eine Offenbarung, die von einer bedeutenden Person 
oder selbst von einem Gott gegeben wird.), über das unter vielen anderen Artemon von Milet und Phoibos von Antiocheia gehandelt haben; 
in die Kategorie des Traumgesichts gehören die Vision und das Orakel. Ich habe mit Absicht darauf verzichtet, eine schärfere 
Unterscheidung dieser Phänomene zu geben; denn wem ihre Bedeutung nicht klar ist, der ist meines Erachtens auch nicht imstande, den 
Gedankengängen eines Erklärers zu folgen. 
Innerhalb der allegorischen Traumgesichte unterscheidet einige fünf Klassen. Erste Klasse: Die persönlichen Traumgesichte, in denen man 
sich selbst handelnd oder leidend wähnt; sie gehen einzig und allein für den Träumenden in Erfüllung, gleichviel ob sie Gutes oder 
Schlechtes bedeuten. Zweite Klasse: Die fremden Traumgesichte, in denen man einen anderen tätig oder leidend schaut; sie erfüllen sich nur 
für den Betreffenden, gleichviel ob sie Gutes oder Schlechtes bedeuten, vorausgesetzt, man kennt denselben und es besteht ein gewisser Grad 
von näherer Beziehung. Dritte Klasse: Die gemeinsamen Traumgesichte bedeuten, wie schon der Name besagt, die Handlungen, die wir 
gemeinsam mit irgendeinem Bekannten zu verrichten glauben. Diejenigen Traumgesichte, die sich auf Häfen, Mauern, Marktplätze, 
Gymnasien und öffentliche Bauten der Stadt beziehen, nennt man die politischen; sie gehören in die vierte Klasse. Fünfte Klasse: Das 
Verschwinden oder die vollständige Finsternis von Sonne, Mond und den übrigen Gestirnen sowie außergewöhnliche Umwälzungen von 
Land und Meer sind Vorboten kosmischer Veränderungen und heißen deshalb zutreffend kosmische Traumgesichte. 
Diese allgemeine Einteilung ist aber nicht schlechthin verbindlich, weil persönliche Traumgesichte durchaus nicht immer nur für die 
Träumenden in Erfüllung gehen, und es Fälle gibt, wo etliche schon für die nächsten Angehörigen einen Ausgang nahmen. So träumte z.B. 
jemand, er sterbe. Es geschah aber, daß sein Vater starb, der an Körper wie an Geist gewissermaßen sein anderes Ich war. Einem anderen 
träumte, er wäre geköpft worden. Auch hier trat der Fall ein, daß der Vater starb, der, wie der Kopf für den gesamten Körper, der Urheber 
seines Lebens und Webens war. So bedeutet z.B. der Traum, erblindet zu sein, nicht dem Träumenden selbst, sondern seinen Kindern den 
Tod, und noch viele andere Beispiele dieser Art könnte man anführen. Ach die fremden Traumgesichte erfüllen sich, wie jeder feststellen 
wird, der aus der Erfahrung lernt, gelegentlich für die Träumenden selbst. So träumte z.B. einer, er sehe seinen Vater in den Flammen 
umkommen. Nun geschah es, daß der Träumende selbst starb, so daß sein Vater, aus Gram darüber und vom Schmerz wie vom Feuer 
sozusagen verzehrt, den Tod erlitt. Ein anderer wiederum träumte, seine Geliebte sei gestorben. Bald darauf schied er selbst aus dem Leben, 
seines angenehmsten Verkehrs beraubt. Ebenso verhält es sich, wenn man träumt, die Mutter oder Gattin seien krank, was schmale oder 
unregelmäßige Einkünfte im Berufsleben anzeigt. In der Tat ist diese Auslegung keineswegs ungereimt, vielmehr stimmen alle darin überein, 
daß der Beruf der Mutter gleicht, weil er ernährt, der Gattin, weil er das Persönlichste ist, was der Mann sein eigen nennt. Ferner bringt es 
Kummer, wenn man seine Freunde betrübt sieht, Freude dagegen, wenn sie heiter sind. Nach demselben Grundsatz kann man auch die 
gemeinsamen Traumgesichte untersuchen, von denen schon etliche entgegen ihrer Wesensbestimmung nur für den Träumenden in Erfüllung 
gingen. Indessen hat doch obige Einteilung, wie die Alten sie vorgenommen haben, im großen und ganzen ihre Gültigkeit. 
Die zuletzt angeführten Fälle kommen zwar selten, aber doch dann und wann, wie bemerkt, vor und können selbst Fachleute in Verlegenheit 
bringen. 
Hier ist folgender Unterschied zu beachten: Die persönlichen Traumgesichte, die sich nicht auf die nächsten Verwandten beziehen, einzig im 
Träumenden Mittelpunkt und Ziel haben, nicht für andere und um andere willen wirken, diese nehmen für den Träumenden selbst einen 
Ausgang, z.B. sprechen, singen, tanzen; ferner boxen, wettkämpfen, sich erhängen, sterben, gekreuzigt werden, schwimmen, einen Schatz 
finden, [Aus dem Traumbuch des Chrysippos (um 280-206 v.Chr.) entnommen: Ein Mann träumte, daß ein Ei am Gurt seiner Bettstelle 
hinge. Der Traumdeuter erklärte, unter dem Bett sei ein Schatz vergraben. Der Mann gräbt nach und findet ziemlich viel Gold (= Eidotter), 
und zwar von Silber (= Eiweiß) umgeben. Cicero ("Von der Weissagung" 2,134) kritisiert, daß der Traum auf so dunkle Weise dem Mannandeute, daß eine Ähnlichkeit zwischen Ei und Schatz bestehe.] sich den Freuden der Liebe hingeben, erbrechen, Notdurft verrichten, 
schlafen, lachen, weinen, mit den Göttern sprechen und ähnliches. 
Alles aber, was den Körper oder einen Körperteil und die Dinge um uns herum betrifft, z.B. Ruhelager, Truhen, Kästen oder sonstiger 
Hausrat, Kleidungsstücke und ähnliches, geht gewöhnlich, obwohl es rein persönliche Dinge sind, infolge der Gemeinsamkeit der 
Bedürfnisse oft für unsere Angehörigen in Erfüllung. So weist der Kopf auf den Vater hin, der Fuß auf den Sklaven, die rechte Hand auf den 
Vater, den Sohn, den Freund und den Bruder, die linke auf die Gattin, die Mutter, die Freundin, die Tochter und die Schwester, das 
Geschlechtsglied auf die Eltern, die Gattin, die Kinder, das Schienbein auf die Gattin und die Freundin. Was die übrigen Dinge angeht, so hat 
man, kurz gesagt, jedes einzelne auf diese Weise aufzufassen. Alle gemeinsamen und fremden Traumgesichte, die für uns und um 
unsertwillen entstehen, muß man als Gesichte beurteilen, die uns persönlich betreffen; diejenigen aber, welche nicht für uns oder um 
unsertwillen entstehen, gehen für andere in Erfüllung. Sind letztere Freunde und ist das Bezeichnete etwas Gutes, bringt es ihnen und zum 
Teil auch uns Freude und Vergnügen. Ist es etwas schlimmes, trifft es die Freunde, uns aber erwächst Kummer, doch nicht wegen ihres 
Mißgeschicks, sondern ein rein persönlicher. Sind es Feinde, so muß man auf das Gegenteil von dem Gesagten schließen. 
Und dann habe ich über die politischen und kosmischen Traumgesichte folgendes zu sagen: Worüber sich einer keine Gedanken gemacht 
hat, darüber wird er auch keine Traumgesichte haben, da ja schon etliche Leute selbst über persönliche Dinge, wenn sie nicht darüber 
nachgedacht haben, kein Gesicht geschaut haben. Daß aber ein Mensch aus kleinen Verhältnissen über seine Fähigkeiten hinaus ein Gesicht 
über große Staatsaktionen erhält, ist unmöglich. Denn es ist gegen die Vernunft, weil diese Traumgesichte persönlicher Natur sind und sich 
nur für die Träumenden erfüllen, ausgenommen, es schaute sie ein Herrscher, ein hoher Beamter oder einer von den Mächtigen. Denn diese 
tragen Sorge für das Gemeinwesen und können auch im Gegensatz zu einfachen Bürgern, die nur wenig Verantwortung haben, in ihrer 
Eigenschaft als Gebieter und als Männer, die sich im Interesse des Allgemeinwohls mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigen, ein 
derartiges Traumgesicht erwarten. Derselben Ansicht über sie ist auch der Dichter; äußern sich doch die Greise in der Ratsversammlung über 
das Traumgesicht des Agamemnon folgendermaßen: "Hätte von solchem Traum ein anderer Mann uns erzählet, Lug wohl nannten wir ihn 
und wendeten uns mit Verachtung. Doch ihn sah, der den ersten vor allem Volk sich rühmet." (Homer: Ilias 2, 80-82) 
Er will sagen: Brächte ein einfacher achaiischer Krieger das Traumgesicht vor, so würden wir ihn gewiß nicht für einen Lügner halten, wohl 
aber glauben, das Traumgesicht sei ein Trug und werde sich für uns nicht erfüllen. Deshalb würden wir es nicht weiter beachten. Jetzt aber 
müsse es unter allen Umständen für uns in Erfüllung gehen, da es ja der König geschaut hat. Nun hört man den Einwand, es hätten schon 
etliche einfache und arme Leute aus dem Volk politische Traumgesichte gehabt, sie öffentlich bekannt gemacht oder aufgezeichnet und 
verbreitet, und man habe ihnen Glauben geschenkt, weil die Ausgänge den Traumgesichten entsprachen. Indessen blieb ihnen selbst der 
wahre Grund davon verborgen. Denn noch nie hat sich ein Traum für das Gemeinwesen erfüllt, wenn es nur ein einzelner Bürger schaute, 
sondern wenn es viele über ein und dieselbe Sache hatten, wobei die einen es öffentlich, die anderen im privaten Kreis bekanntmachten. 
Somit ist es nicht ein einzelner Bürger, der davon träumte, sondern das Volk, das in keiner Weise an Bedeutung einem hohen Beamten mit 
militärischer oder ziviler Gewalt nachsteht. Wenn irgend etwas Gemeinnütziges dem Staat bevorsteht, so bekommt man unzählige 
Traumgesichte zu hören, die alle durch eine andere und verschiedene Schau die Zukunft voraussagen. Ebenso verhält es sich, wenn ein 
Unheil sich ankündet; träumen nicht viele davon, sondern nur ein einzelner, braucht derselbe die Traumerfüllung nicht auf sich allen zu 
beziehen, ausgenommen, er sei Träger eines hohen militärischen oder zivilen Amtes, ein Priester oder Weissager des Gemeinwesens. 


10 


Derselben Meinung sind Nikostratos von Ephesos und Panyais von Halikarnassos (5. Jhr. v.Chr.), Männer, die allseits bekannt und berühmt 
sind. 
Ferner erklären die Sachkenner, daß man alles günstig beurteilen muß, was im Einklang mit Natur, Gesetz, Sitte, Kunst, Namen und Zeit ist; 
dabei haben sie jedoch nicht bedacht, daß Traumgesichte, die der Natur entsprechen, für die Träumenden schwerere Folgen haben als die, 
welche nicht der Natur gemäß sind, wenn sie durch die zugrundelegenden Tatbestände sich als nicht günstig erweisen. So ist für Reichen 
nicht günstig und für die in Heimlichkeit wirkenden, klare Tage, nachts "der hell leuchtende Reigen der Gestirne", Aufgang von Sonne und 
Mond und ähnliches mehr. Und was dem Brauch und der Sitte entspricht, ist ganz und gar nicht passend, wenn es zu den Zeitumständen in 
Beziehung gesetzt wird. Entsprechendes hätte ich von den übrigen Kategorien zu sagen. Man hat aber auch auf das richtige Verhältnis zu 
achten. Da diese sechs Kategorien keineswegs alle Fälle erfassen, erklärten einige, es seien in Wirklichkeit achtzehn, andere hundert, und 
wiederum andere zweihundertfünfzig. Mit dieser Behauptung ernteten sie jedoch bei den Leuten nur reichlich Gespött, denn niemandem 
entgeht es, daß, was immer sie sagen, letztlich doch auf eine der sechs Kategorien zurückzuführen ist. Diese Bemerkungen dürften als 
Ergänzung zu den spärlichen Hinweisen der Alten genügen. Man hat aber zwei universelle Arten von Traumgesichten anzusetzen, erstens die 
allgemeine, zweitens die besondere. Bei der ersten verfährt man folgendermaßen: 

Von den Traumgesichten weissagen die einen vieles durch vieles, die anderen weniges durch weniges, die dritten vieles durch weniges und 
die vierten weniges durch vieles. 
Vieles wird durch vieles geweissagt: Es träumte z.B. einer, er schwinge sich in die Lüfte und fliege aus freiem Entschuß zu einem 
vorgesteckten Punkt, den er unbedingt erreichen wollte. Dort angekommen, kam es ihm vor, als ob ihm Flügel gewachsen wären und er mit 
den Vögeln auf und davonfliege, und danach sei er wieder nach Hause zurückgekehrt. Es traf sich, daß er wegen des Flugs die Heimat 
verließ und, weil er das Ziel nicht verfehlt hatte, seine Unternehmungen, die er mit großer Energie betrieben, erfolgreich abschloß. Nach 
Erwerb eines stattlichen Vermögens – man nennt ja die Reichen die Beflügelten – und nach einem Aufenthalt in der Fremde – denn die 
Vögel sind von anderem Schlag als wir Menschen – ließ er sich wieder in der Heimat nieder. 
Weniges wird durch weniges geweissagt: Es träumt z.B. einer, er habe Augen aus Gold. Der Mann erblindete, weil Gold den Augen 
unverträglich ist. 
Vieles wird durch weniges vorausgesagt: Es träumte z.B. einem, er habe seinen Namen verloren. Es geschah, daß er seinen Sohn verlor 
(nicht nur weil er das Teuerste verlor, was er besaß, sondern weil der Sohn ebenso hieß wie der Vater). Dazu büßte er noch sein gesamtes 
Vermögen ein, denn es wurden Prozesse gegen ihn angestrengt, auf Grund derer er wegen politischer Vergehen angeklagt und verurteilt 
wurde. Ehrlos und landesflüchtig geworden, machte er seinem Leben durch den Strick ein Ende, so daß er nicht einmal nach dem Tod mehr 
einen Namen hatte. Denn Selbstmörder werden von den Verwandten bei den Totenmählern nicht mit Namen herbeigerufen. Es dürfte jedem 
klar sein, daß alle Geschehnisse von ein und demselben Traumerlebnis ausgingen, weil sie ein und dieselbe Bedeutung haben. 
Schließlich wird weniges durch vieles vorausgesagt: Es träumte z.B. einer, Charon (der Fährmann der Totenwelt, der die Seelen der 
Verstorbenen in seinem Nachen über die Unterweltströme setzt. Im neugriechischen Volksglauben der Totengott.) spiele mit einem Mannein Brettspiel (galt bei den Ägyptern als Hauptzeitvertreib im Jenseits), er selbst aber kiebitze zum Vorteil dieses Mannes, wodurch Charon 
die Partie verliere, wütend werde und ihn verfolge. Er aber suche eilend das Weite, gelange zu einer Herberge, "Zum Kamel" benannt, 
flüchtete dort in ein Zimmer und verriegelte die Tür. Der Dämon entferne sich schnell, ihm aber wachse aus einem Schenkel Gras heraus. 
Alle diese Traumvorgänge erfüllten sich in einem einzigen Geschehen: Es stürzte das Haus ein, in welchem der Betreffende wohnte, und die 
zusammenbrechenden Balken zerquetschten ihn völlig einen Schenkel. Denn der mit dem Brettspiel beschäftigte Charon zeigte die 
Beziehung auf den Tod an. Der Umstand aber, daß der Gott ihn nicht eingeholt hatte, offenbarte ihm, er werde zwar nicht sterben, doch 
werde ihm wegen der Verfolgung der Schreck in die Beine fahren. Die Herberge "Zum Kamel" kündigte den Schenkelbruch an, weil das 
Tier, das Kamel heißt, die Schenkel in der Mitte krümmt und dadurch seine langen Beine verkürzt; daher trägt es zu Recht den Namen 
Kamel, d.h. "Schenkelbeuger", wie Euenos in seinen dem Eunomos gewidmeten Liebesgedichten sagt. Das Hervorsprießen des Grases 
schließlich besagte, er werde den Schenkel nicht mehr rühren können, weil Gras gewöhnlich auf nicht beackertem Boden sprießt. Wer sich 
über diese Dinge ein sachliches Urteil zu bilden vermag, wird die Aufzählung in allem als zutreffend bezeichnen. 

Vier Klassen unterscheidet man auch bei der besonderen Art von Traumgesichten: Die einen sind nach innen wie nach außen günstig, die 
anderen in beider Hinsicht ungünstig; die dritten nach innen günstig, nach außen ungünstig, die vierten nach innen ungünstig, nach außen 
günstig. Unter dem "nach innen" hat man Traumgesicht, unter dem "nach außen" die Traumerfüllung zu verstehen. 
Nach innen wie nach außen günstige Traumgesichte sind z.B. folgende: Man schaut die olympischen Götter – sie selbst oder ihre aus 
unvergänglichem Material geschaffene Standbilder – mit heiterer Miene, lächelnd, etwas Gutes geben oder sprechend; ebenso die Eltern, die 
Freunde, die Haussklaven, wie sie den Wohlstand des Hauses vermehren, ein Vermögen von ziemlicher Größe, ein ansprechendes Äußeres, 
Körperkraft und anderes mehr. Ist schon der Anblick dieser Dinge überaus erfreulich, so gilt das in noch viel höherem Maß von ihrer 
Erfüllung. 
Nach innen wie nach außen ungünstige Traumerlebnisse sind folgende: Man glaubt, von schroffen Felsen herabzustürzen, unter die Räuber 
zu fallen, einen Kyklopen oder dessen Höhle zu sehen, gelähmt zu sein, krank daniederzuliegen oder etwas zu verlieren, was einem lieb und 
teuer ist. Denn den Affekten, die durch das Traumerlebnis in der Seele ausgelöst werden, müssen den Traumausgänge entsprechen. 
Nach innen günstig, nach außen ungünstig sind folgende Gesichte: Es träumte einer, mit Kronos (ein Titan, Vater des Zeus) zu speisen; tags 
darauf wurde der Mann hinter Schloß und Riegel gebracht. Der Anblick eines Mahles mit dem Gott ist ohne Zweifel angenehm, nicht aber 
der von Fesseln und Kerker. Einem anderem träumte, er bekomme von Helios (der Sonnengott) zwei Brote; ebenso viele Tage blieb er noch 
am Leben; denn für eine solche Frist reichte ihm der von dem Gott gewährte Lebensunterhalt. Dasselbe Schicksal erleidet man, wenn manträumt, aus Gold zu sein, einen Schatz zu finden, von einem Toten Salböl, eine Rose oder etwas Ähnliches zu bekommen. 
Nach innen ungünstig, nach außen günstig sind folgende Traumgesichte: Wenn ein Armer träumt, vom Blitz getroffen zu werden, oder ein 
Sklave, als Soldat zu dienen, oder einer, der eine Seereise antreten will, auf dem Meer zu wandeln glaubt, oder wenn ein Junggeselle träumt, 
als Gladiator aufzutreten. Von diesen Traumgesichten prophezeit das erste Reichtum, das zweite Freiheit, das dritte eine günstige Seefahrt 
und das vierte Hochzeit. Hierbei sind die Traumgesichte ungünstig, die Erfüllung aber günstig. 

Man hat darauf zu achten, daß Traumerscheinungen, die Leuten zuteil werden, die sich Sorgen um etwas machen und deswegen von den 
Göttern ein Traumgesicht fordern, dem Gegenstand ihrer Sorge nicht ähneln, weil Wunschbilder für die Vorhersage der Zukunft 
bedeutungslos und vom Traum eingegeben sind, wie die vorhergehende Untersuchung gezeigt hat. Einige nennen sie deswegen von Sorgen 
hervorgerufene oder geforderte Traumgesichte; dagegen heißen diejenigen, welche ganz unverhofft sich einstellen und ein bevorstehendes 
Glück oder Unglück voraussagen, gottgesandt. Für mich gibt es nicht mehr das Problem wie für Aristoteles, ob die Ursache des Träumenden 
außerhalb von uns liegt und göttlichen Ursprungs ist oder ob in unserem Innern der Grund ist, das die Seele dazu befähigt und einen 
natürlichen Vorgang in ihr auslöst, vielmehr nennen wir schon in der Umgangssprache alles Unerwartete gottgesandt. (Aristoteles (384-322 
v.Chr.), Erzieher und Lehrer Alexander des Großen, Begründer und Organisator der abendländischen wissenschaftlichen Arbeit bis zumBeginn der Neuzeit. Er hat in zwei kleineren Schriften über die Träume gehandelt, in "Über Träume" und "Über die Weissagung im Schlaf". 
Im Gegensatz zu den früheren Theorien sucht er Entstehung und Wesen der Träume nicht außerhalb des Menschen, sondern erklärt sie aus 
den Seelentätigkeiten selbst. Nach ihm haben die Träume nur mittelbar einen göttlichen Ursprung, insofern sie aus den natürlichen Gesetzen 
des allerdings mit der Gottheit verwandten menschlichen Geistes folgen.) 


11 


Sodann muß man auf alle Gesichte sein Augenmerk richten, deren Veranlassung nicht ganz deutlich ist, gleichgültig, ob man sie des Nachts 
oder am Tag geschaut hat, da hinsichtlich der Vorhersage kein Unterschied zwischen Tag oder Nacht, noch zwischen Morgen-oder 
Abenddämmerung besteht, falls der Träumende, bevor er sich schlafen legte, Maß im Essen hielt. Denn ein überladener Magen macht es 
einem selbst in den Morgenstunden unmöglich, das Wahre zu schauen. Um Träume in ihrer vollen Reinheit aufzunehmen, war es geboten,
den Körper von störenden Einflüssen, z.B. Überladung des Magens, zu bewahren. Setzt der Mensch, so folgert Platon (Staat 9, 571E – 
572B), den begehrlichen Seelenteil weder dem Mangel noch der Übersättigung aus, wird er am besten die Wahrheit erfassen und reine 
Traumerscheinungen schauen.) 

Sodann besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen den allen Menschen gemeinsamen Sitten und Gebräuchen und denen, welche 
individueller Natur sind. Beachtet das einer nicht, können ihm dadurch große Irrtümer unterlaufen. Zu den allen gemeinsamen Sitten und 
Gebräuchen gehören Götterfurcht und Götterverehrung; denn es gibt kein Volk auf Erden, das nicht an Götter glaubte, so wenig als es eines 
ohne Obrigkeit gibt, nur verehren die einen diese, die anderen jene Götter, alle aber meinen schließlich dasselbe. Ferner ist zu nennen: das 
Aufziehen von Kindern, Schwäche für Frauen und der Verkehr mit ihnen, tagsüber zu wachen, nachts zu schlafen, Nahrung zu sich zu 
nehmen, nach der Arbeit auszuruhen, unter einem Dach und nicht unter freiem Himmel zu wohnen. Das sind also gemeinsame Sitten und 
Gebräuche. Die anderen aber nennen wir individuelle oder Völkersitten. So werden z.B. bei den Thrakern die freigeborenen Kinder tätowiert, 
bei den Geten die Sklaven; die einen wohnen im Norden, die anderen im Süden. Die Mossyner am Schwarzen Meer üben denGeschlechtsverkehr in aller Öffentlichkeit aus und begatten sich wie die Hunde, ein Verhalten, das bei den übrigen Menschen als schamlos 
gilt. Fische essen alle Menschen mit Ausnahme der Syrer, welche die Astarte verehren. Tiere und alle Arten von giftigen Schlangen verehrenals Abbilder der Götter einzig die Ägypter und beten sie an, doch nicht alle dieselben. Ebenso ist bei allen anderen Sitten und Gebräuche von 
Fall zu Fall zu unterscheiden, ob sie nur bei einzelnen Völkern beobachtet werden, weil die einheimischen Gutes, die fremdländischen 
dagegen Schlimmes bedeuten, ausgenommen, es würden besondere Umstände dem Traumausgang eine andere Richtung weisen. (Die Syrer 
enthielten sich des Fisches ebenso ängstlich wie die Juden des Schweinefleisches.) 

Es ist für den Träumenden und für den Ausleger nützlich, und nicht nur nützlich, sondern geradezu notwendig, daß der Traumdeuter genau 
weiß, wer der Träumende ist, daß er über dessen Beruf, seine Herkunft, seine Vermögensverhältnisse, seinen Gesundheitszustand und über 
sein Alter unterrichtet ist. Sodann hat er das Traumgesicht seinem Inhalt nach genau zu untersuchen. Denn daß ein Zusatz oder eine 
Auslassung, so geringfügig sie auch sein mögen, den Ausgang verändern, werden die folgenden Ausführungen zeigen. Wenn einer diese 
Regeln nicht beachtet, so sollte er sich selbst, nicht aber mir Vorwürfe machen, falls er einen Schnitzer macht. 

Der Traumdeuter muß die Traumgesichte in der Weise auslegen, daß er sein Augenmerk einmal vom Anfang auf das Ende, das andere Mal 
vom Ende auf den Anfang lenkt; denn mitunter erhellt der Anfang das dunkle und schwer zu deutende Ende, bisweilen ist es umgekehrt. Bei 
den Traumgesichten, die verstümmelt sind und die man sozusagen nicht in den Griff bekommt, ist eine gewisse Kombinationsgabe vonnöten, 
ganz besonders bei denen, in welchen etwas Geschriebenes geschaut wird, das keinen selbstständigen Gedanken enthält, oder nur einsinnloses Wort; hier kann durch Umstellung, Änderung oder Zugabe von Buchstaben oder Silben, zuweilen auch durch Auffinden eines 
gleichwertigen Wortes der Zusammenhang geklärt werden. (Griechisch Isopsepha; da die griechischen Zahlen durch Buchstaben dargestellt 
werden, kann man jedes Wort als die Summe von Ziffern ansehen. So kann man jedes beliebige Wort durch Addition der Buchstaben in 
einen Zahlenwert umwandeln. Dabei können ganz verschiedene Wörter den gleichen Zahlenwert ergeben. Diese Isopsepha setzt die 
Traumdeutung auch sachlich gleich und gewinnt auf diese Weise neue Auslegungsmöglichkeiten. Siehe auch "Lebensalter", "Wiesel" usw.) 

Deshalb muß der Traumdeuter, so behaupte ich, von Haus aus eine gute Anlage mitbringen, er muß gesunden Menschenverstand und nicht 
nur ein Buchwissen haben; denn glaubt jemand, er könne nur mit Kunstgriffen, ohne natürliche Begabung ein Meister in diesem Fach 
werden, so wird er stets ein ausgemachter Stümper bleiben, und um so mehr, je festgelegter er in seiner Arbeit ist. Denn hat man schon von 
Anfang an die falsche Richtung eingeschlagen, dann führt der Weg immer in die Irre. Ferner halte man solche Traumgesichte für undeutbar, 
welche nicht vollständig wiedergegeben werden, sei es, daß dem Träumenden die Mitte oder das Ende entfallen ist. Denn der Ausgang jeder 
Traumwahrnehmung ist auf einen heilen Zusammenhang hin zu untersuchen, einzig das lückenlos Wiedergegebene aber erschließt sich dem 
Verständnis. So wie die Opferpriester in den Fällen, in denen die Zeichen zweideutig sind, nicht behaupten, dieselben wären unwahr, 
sondern erklären, sie könnten sie aus den Opfern nicht beurteilen, so darf auch der Traumdeuter sich nicht über Traumgesichte äußern, über 
die er sich kein klares Urteil zu bilden vermag, noch sie aus dem Stegreif deuten, weil er selbst dadurch um seinen guten Namen kommen, 
der Träumende aber Schaden erleiden wird. Folgendes ist noch zu beachten: Alle Traumgesichte, die etwas Unheilvolles bedeuten, haben für 
den Träumenden weniger unheilvolle oder vielleicht gar keine Folgen, wenn seine seelische Stimmung dabei gehoben ist. Umgekehrt gehen 
alle Traumgesichte, welche etwas Gutes bedeuten, nicht in Erfüllung oder jedenfalls in geringerem Maß, wenn seine seelische Stimmung 
gedrückt ist. Deswegen soll man jeden einzelnen danach befragen, ob er in guter oder schlechter Gemütsfassung geträumt hat. 

Sollte einer meiner Leser der Ansicht sein, das eine oder andere sei aus fremder Quelle und nicht aus eigener Erfahrung geschöpft, so irrt er; 
befaßt er sich einmal eingehender mit dem Vorwort zu eben diesen Büchern, wird er meine Absicht verstehen lernen. Wenn es ferner jemand 
dünkt, er müsse in dieser oder jener Frage einen meinem Urteil entgegengesetzter Standpunkt vertreten, weil ihn irgendein 
Wahrscheinlichkeitsgrund zu dieser Annahme bewegt, so mag er wissen, daß es mir ein leichtes wäre, Argumente zu finden und mit 
Scheingründen zu arbeiten, doch sind Effekthascherei und Phrasendrescherei nie meine Sache gewesen, vielmehr rufe ich immer die 
Erfahrung zum Zeugen und als Richtschnur meiner Aussagen auf. Ich bin also in jeder Beziehung durch die Schule der Erfahrung gegangen, 
weil ich mich keiner anderen Aufgabe hingab, sondern mich immer, bei Nacht und bei Tag, mit der Traumdeutung befaßt habe. 
Um eine kleine Gefälligkeit bitte ich noch meine Leser: Sie möchten weder Zusätze machen noch etwas von dem Inhalt streichen. Wenn er 
aber einige Aufzeichnungen in diesen Büchern für überflüssig halten sollte, möge er nur das nutzen, was ihm zusagt, das andere aber nicht 
tilgen, aus Ehrerbietung vor dem alles schauenden und schützenden Gott, dessen Ruf als mein Stammgott folgend, ich an die Abfassung 
dieses Werkes heranging, der mich wiederholt dazu aufforderte und der mir besonders in dem Augenblick sichtbar erschien, als ich mit dir 
bekannt wurde (Cassius Maximus; vermutlich Maximos von Tyros, ein bekannter Sophist und Wanderredner des 2. Jh. n. Chr.), und der mir 
geradezu den Befehl gab, diese Bücher zu schreiben. Es ist aber kein Wunder, das Gott, in Bedacht deiner Trefflichkeit und Bildung mich 
dazu bewogen hat. Denn es sagen die Sachkundigen, die uns die väterlichen Sitten und Bräuche erklären, es bestehe eine gewisse 
Gastfreundschaft zwischen Lydern und Phoinikern. 

Man mache sich einmal klar, daß nichts so schwierig und mühevoll ist, als die Verschlingung und Verdichtung der Traumbilder zu 
durchschauen und alle in einer einzigen Aussage zusammenzufassen, weil sie vielfach einander widersprechen und nichts Gemeinsames 
haben. Es ist aber schlechthin ausgeschlossen, daß die gegebenen Zeichen im Widerspruch zueinander stehen, wenn ja, die Traumgesichte 
alles, was sich in Zukunft ereignet, vorhersagen. Vielmehr, wie es im Tagesgeschehen eine Ordnung und Reihenfolge gibt, so müssen auch 
die Traumgesichte einer gewissen Ordnung unterliegen. Wenn jemand also Gutes und Schlechtes zugleich schaut, so überlege er, was er 
zuerst sah, das Gute oder das Schlechte. Denn im täglichen Leben gehen zuweilen viel versprechende Hoffnungen übel aus, während langgehegte Befürchtungen Ursachen großen Glücks werden. Ferner ist es manchmal von Nutzen, statt großer Übel kleine zu erleiden, und 


12 


umgekehrt erweist sich so manche kleine Erwartung auf Glück oder Unglück als trügerisch und vergeblich. Auf diese Weise sind 
begreiflicherweise auch die Traumgesichte infolge der Verdichtung der in ihnen auftauchenden Zeichen vieldeutig und für die meistenunergründbar. Für Leute, die Erfahrung und viel Übung haben, ist die Darstellung leicht faßlich und völlig ausreichend, um die Bedeutung 
einer jeden Erscheinung aufzuzeigen. 
Im ersten Buch sagte ich, daß der Kopf den Vater des Träumenden bezeichne, im zweiten, daß der Löwe den Kaiser oder eine Krankheit 
versinnbildlicht, und in dem Abschnitt über den Tod zeigte ich, daß das Sterben für Arme glückbringend und nützlich sei. Wenn nun ein 
armer Mann, der einen reichen Vater hat, träumt, sein Kopf sei ihm von einem Löwen abgerissen worden und er komme dadurch zu Tode, so 
steht zu erwarten, daß sein Vater sterben und ihn als Erben einsetzen wird, und auf diese Weise dürfte er sorgenfrei und wohlhabend werden, 
weil er nicht länger seinen Vater als Last noch drückende Not zu ertragen hat. Es bedeutet nämlich der Kopf den Vater, das Abreißen des 
Kopfes den Verlust des Vaters, und der Löwe die Krankheit, an der der Vater stirbt; der Tod hingegen bezeichnet den Wechsel in den 
Lebensverhältnissen und die durch den Reichtum erworbene Unabhängigkeit. Auf diese Weise hat man bei allen vielschichtigen 
Traumgesichten die Deutungen herauszufinden, indem man jedes einzelne Kernstück zu einem abgerundeten Ganzen fügt und verschmilzt. 
Man muß seine Auslegungen nach Art der Opferpriester geben, die einerseits genau wissen, wohin jedes einzelne Zeichen paßt, andererseits 
ihre Urteile ebensosehr aus jedem einzelnen als aus allen Zeichen zusammen schöpfen. Möchte doch meine verehrten Leser diesen Büchern 
ihr freundliches Wohlwollen schenken und nichts bekritteln, bevor sie gewissenhaft geprüft haben; ich könnte einen Schwur darauf ablegen, 
daß meine Bücher aufmerksame Leser so in ihren Bann ziehen werden, daß diese künftig nicht mehr von der Beschäftigung mit diesem 
Wissensgebiet ablassen. 

Es lebt aber einmal auf Erden ein gewisser Momos (Der personifizierte nörgelnde Tadel, der selbst nichts kann, aber alles besser wissen 
will.), ein aus der Gemeinschaft der Götter und Dämonen ausgestoßener Unhold, dem man nach Kräften entgegenwirken muß, weil alle Welt 
weiß, daß er gerade die besseren Leistungen mit mehr Waffen bekämpft. Denn es kommen mir jetzt Vorwürfe von Leuten zu Ohren, die 
erklären, der Inhalt der Bücher entspreche durchaus der Wahrheit, doch wäre nicht alles ausgearbeitet noch begründet, ja es gäbe sogar Fälle,
wo Dinge, die für das Verständnis der Sache unentbehrlich seien, ausgelassen worden. Deswegen bin ich nach langer Überlegung in meinem 
und deinem (Cassius Maximus) Interesse daran gegangen, dieses Buch (IV Buch) zu verfassen, damit du für alle Fälle gewappnet bist, wenn 
es einzig auf die Deutung ankommen sollte, und den Kritikern gegenüber ohne weiteres eine Antwort zur Hand hast. 
Jenen Leuten, die erklären, es wäre nicht alles begründet, wirst du treffend diese Worte entgegenhalten: "Von den Fällen abgesehen, wo die 
Sache so klar ist, daß man eine Bemerkung darüber für überflüssig halten müßte." Denen wiederum, die einwenden, es sei nicht alles 
ausgearbeitet und einiges weggelassen, wirst du entgegenhalten, daß Dinge, die gewissen anderen ähneln, als selbstverständlich übergangen 
oder nicht behandelt worden sind, wie z.B. das Kopfband neben der Stirnbinde, der Hase neben dem Hirschen, das Kamel neben dem 
Elefanten, der Safran neben dem Myrtensaft und den anderen Arten von Wohlgerüchen, und das, was das Schwein und die Vögel bedeuten, 
auch deren Fleisch bedeutet. 
Berücksichtige ferner, daß Leute, die einen guten und gesitteten Lebenswandel führen, weder Träume noch irgendwelche sinnlosen 
Trugbilder bekommen, sondern ausschließlich Traumgesichte, und zwar meistenteils theorematische; denn ihre Seele wird weder durch 
Befürchtungen noch durch Hoffnungen verwirrt, und dann sind sie auch Herr über die sinnlichen Leidenschaften. Kurz und gut, einem 
verantwortungsbewußten Menschen erscheint weder ein Traum noch sonst ein sinnloses Trugbild. Damit du dich aber nicht täuscht, so wisse, 
daß die große Menge nicht dieselben Träume hat wie jene, die sie zu deuten vermögen. Was nämlich die große Menge wünscht oder fürchtet, 
dergleichen schaut sie auch im Schlaf, während Leute mit Sachverstand und Schulung auf diesem Gebiet ihre Wünsche durch Symbole 
kundtun. Wenn aber ein Laie etwas schaut, hat man seine Erlebnisse nicht als Träume, sondern als Traumerscheinung aufzufassen. 
Wenn sich z.B. einer, der von Traumdeutung etwas versteht, entweder weil er Traumbücher studiert hat oder weil er mit Traumdeutern 
verkehrt oder weil er ein sicheres Gespür für Auslegungen hat, in eine Frau verliebt hat, so wird er nicht die Geliebte schauen, sondern ein 
Pferd, einen Spiegel, ein Schiff, das Meer, das Weibchen von einem Tier, ein Frauenkleid oder sonst etwas, was eine Frau bedeutet. Ist er im 
Begriff, eine Reise anzutreten, wird er nicht etwa von Fahrzeugen träumen oder von Schiffen, von Bettsäcken, fertigem Reisegepäck oder 
von einer Reisevorbereitung, sondern er wird zu fliegen glauben, er wird ein Erdbeben, einen Krieg, einen Blitz oder sonst ein Symbol einer 
Reise schauen. Und wenn er vor jemand Angst hat oder einem Menschen zu entkommen sucht, wird er nicht den Betreffenden selbst zu 
Gesicht bekommen, sondern wähnen, einem wilden Tier zu entrinnen, Ketten zu sprengen, Räuber zu töten, den Göttern zu opfern oder sonst 
ein Traumerlebnis haben, wie es für Menschen charakteristisch ist, die einem Schrecken und einer Aufregung entronnen sind. So erging es 
auch dem Maler aus Korinth, der häufig träumte, er begrabe seinen Herrn; das eine Mal glaubte er, das Dach des Hauses, in dem er sich 
aufhielt, stürze ein, das andere Mal, sein eigener Kopf sei ihm abgeschnitten. Nichtsdestoweniger blieb sein Herr am Leben und lebt noch 
heute. Weil der Mann aber von solchen Zeichen etwas verstand, trieb seine Seele kunstgerecht mit ihm ihr Spiel; denn dieselben Gesichte 
hätten einem anderen den Tod seines Herrn prophezeit. Damit dir aber die Entscheidung in solchen Fällen nicht schwer falle, so wisse wohl, 
daß viele und fast die meisten, um nicht zu sagen alle, zu jenen gehören, die Träume allgemeiner Art haben, während nur ganze wenige und 
einzig Traumdeuter die übrigen Gesichte schauen, über die im vorhergehenden gehandelt worden ist. 

Alle Traumgesichte zerfallen in zwei Gruppen; die einen nennt man die theorematischen, die anderen die allegorischen. Theoremtische 
Traumgesichte heißen diejenigen, welche ihrem Erscheinungsbild entsprechend ausgehen, allegorische dagegen jene, die das Angedeutete 
durch verhüllte Anspielungen kundtun. Da es aber auch hier die Möglichkeit eines Irrtums gibt, wenn man im ungewissen darüber ist, ob 
man sich an das Geschaute selbst halten soll oder an irgendeinen anderen Ausgang, so bestehet gleichwohl für dich die Möglichkeit, eine 
Entscheidung zu treffen. Erstens gehen theorematische Traumgesichte auf der Stelle und sehr bald in Erfüllung, allegorische dagegen erst 
nach Ablauf einer längeren oder kürzeren Zeitspanne. 
Sodann wäre es einfältig, Wunderzeichen und Vorgänge, die einem im Wachzustand niemals zustoßen können, als theorematische 
Traumgesichte aufzufassen. Als Beispiel nenne ich, wenn jemand träumt, er wäre ein Gott geworden, er fliege, er habe Hörner, oder er sei in 
den Hades hinabgestiegen. Anders verhält es sich, wenn man träumt, man wäre von einem Hund gebissen worden man übernehme eine 
Hypothek, erblicke einen Freund, spüre einen entlaufenden Sklaven auf, tafele im eigenen Haus oder zeche, mache eine Anstrengung oder 
verliere etwas; dies und ähnliche Gesichte gehen bisweilen so aus, wie man sie schaut, bisweilen auf allegorische Weise. Wenn sie 
augenblicklich in Erfüllung gehen, erübrigt sich ihre Deutung, ist das nicht der Fall, bilde für jedes Gesicht die zutreffende Auslegung aus 
den vorausgehenden Büchern. 
Sodann behandele Vorgänge, die selten sind und vielleicht nur einmal eintreten, als Wunderzeichen und Ausnahmefälle von den obigen 
Regeln; halte die Möglichkeit ihres Vorkommens für gegeben, doch benutze sie nicht als überall und in jeder Beziehung gültige Fälle. So 
träumte Druson aus Laodikeia, er habe das Haus seines Freundes gekauft; er kaufte es aber erst drei Jahre später. Dieses ist jedoch das 
einzige theorematische Traumgesicht, das unseres Wissens erst spät und nicht augenblicklich in Erfüllung gegangen ist; was die 
persönlichen, gemeinsamen, fremden, politischen und kosmischen Traumgesichte betrifft, so hast du im ersten Buch einen ausgearbeiteten 
Leitfaden zur Hand. Doch bedeuten auch bei dieser Betrachtungsweise Leute, die denselben Beruf ausüben, die Berufe selbst. 
Dementsprechend bedeutet ein Lehrer einem Lehrer nichts anderes als die Lehrtätigkeit, ein Rhetor (Die höchste Stufe im Schulsystem war 
die Rhetorenschule; sie vermittelte besonders für eine politische oder juristische Laufbahn die geforderte Beredsamkeit.) einem Rhetor nichts 
anderes als die Redekunst, und ebenso bei den Handwerkern der Schmied dem Schmied das Schmiedehandwerk und der Zimmermann dem 
Zimmermann die Zimmermannskunst. So sah z.B. der Rhetor Philagros im Traum den Rhetor Varus krank daniederliegen, und er konnte auf 
lange Zeit wider Willen seinen Beruf nicht ausüben. Und in Kyzikos (bedeutende Handelsstadt in Phrygien) träumte ein Zimmermann, sein 


13 


Tür an Tür wohnender Zunftgenosse sei gestorben und werde zu Grabe getragen; nun mußte er selbst unter dem Druck seiner Gläubiger 
seine Werkstatt räumen und die Stadt verlassen. 

Damit du den gegenüber eine Antwort zur Hand hast, die der Ansicht sind, die Zahl von sechs Kategorien wäre in polemischer Absichtangegeben, und damit du selbst dich von jenen, die eine größere Zahl verfechten, nicht irremachen läßt, mag folgende Überlegung förderlich 
sein. Alles Seiende verdankt teils der Natur, teils dem Brauch seinen Ursprung. Es sind dies die ersten und wichtigsten zwei Kategorien. 
Was nun der Natur gemäß ist, muß immer gleich und unveränderlich verharren, während das, was als Brauch gilt, auf gemeinsamerÜbereinkunft beruht und menschliche Satzung ist; man nennt es Sitte. Es ist das, wie Phemonoe sagt (Phemonoe soll die älteste Prophetindes delphischen Orakel gewesen sein.), das ungeschrieben Gesetz, jene Verhaltensregeln aber, die man aber aus Furcht vor Übertretungen 
niedergeschrieben hat, heißen Gesetze, weil nach allgemeiner Anschauung das von ihnen Erfaßte so sein müsse.
Auf allgemeiner Übereinkunft beruhen Mysterien, religiöse Feiern, Festversammlungen, Wettkämpfe, Heerwesen, Landwirtschaft, 
Gestaltung des öffentlichen Lebens, Ehe, Kindererziehung und andere ähnliche Einrichtungen, während jeder einzelne aufgrund eigener 
Entscheidung seinen Lebensstil, seine Kleidung, Schuhe, Nahrung, Frisur und sonstige Ausstattung, seinen Beruf und seine Lebensführungwählt. "Überall gilt eine andere Sitte, jedweder aber lobt die eigene Art", sagt Pindar (Fragment 215 (Snell)). 
Die Macht der geschriebenen Gesetze aber bleibt immer dieselbe, und demjenigen, der nach den Gesetz handelt, werden Anerkennung, 
Auszeichnungen, ein guter Ruf und eine große Sicherheit zuteil, während der Gesetzesübertreter Strafen, Züchtigungen und Gefahren zu 
gewärtigen hat. Das Gebiet des Gesetzes läßt sich nicht weiter teilen außer durch die Kategorie der Zeit, während die Sitte in Zeit, Kunst und 
Namen Unterteilung hat; denn alles, was in Übereinstimmung mit dem Gesetz oder im Widerspruch zu ihm getan wird, geschieht, geschah 
oder wird in jedem Fall innerhalb eines gewissen Zeitraumes geschehen; die Zeit wiederum zerfällt in Zeitabschnitte und Stunden. Bei allen 
Betätigungen gehen die Menschen ferner entweder kunstgerecht oder kunstlos vor, und zwar kunstgerecht die Geschulten, kunstlos aber 
diejenigen, die es nicht sind. Zur Ausübung einer Kunst benötigt man Werkzeuge, mechanische Vorrichtungen und all die Hilfsmittel, die für 
eine jede für nützlich und passend gehalten werden. 
Das alles Seiende einen Namen hat, ist unnötig zu sagen. Von den Namen sind nach allgemeiner Ansicht die einen von guter, die anderen 
von schlechter Vorbedeutung. Wenn nun einer zu den sechs Kategorien noch andere hinzufügt, so wird er doch der Bedeutung, wenn auch 
nicht dem Laut nach etwas sagen, was zu diesen gehört. So wird z.B. Freude, Schmerz, Haß, Liebe, Krankheit, Gesundheit, Ausscheidung 
und Nahrungsaufnahme, Schönheit, Häßlichkeit, Wachstum, Hinschwinden, Geburt, Tod und alle ähnlichen Begriffe naturgemäß; denn sie 
sind weder von der Natur verschieden, noch verhalten sie sich wie Kategorien; die Natur ist nämlich kein leerer Name, vielmehr wird sie der 
Kreislauf all dessen genannt, was überall und allenthalben sein oder nicht sein wird. 
So sind auch Gesetz und Sitte nicht an und für sich bloße Namen wie die Bezeichnungen für bedeutungslose Laute oder Töne, sondern 
Gesetz und Sitte sind an etwas Konkretes gebunden. Wenn daher jemand sagt Ehe, Ehebruch, Räuberei, anvertraute Hypothek, Frevel oder 
aber Frisur, Kleidung oder irgendein Nahrungsmittel, so äußert er unbewußt den Begriff Gesetz oder Sitte wie irgendeine andere Kategorie. 
Ebenso wenn er von einem Gerät, einer mechanischen Vorrichtung oder einem Werkzeug als eine Kategorie spricht, meint er die Kunst oder 
den Namen oder die Zeit; und zwar die Kunst, wenn er die Tätigkeit mit den Werkzeugen im Sinn hat; den Namen, wenn er die 
mechanischen Vorrichtung oder das Gerät meint, die Zeit hingegen, wenn er beides äußert, wie z.B. Sichel und Hacke. Zu bestimmten Zeiten 
benötigen die Menschen sowohl die Sichel als auch die Hacke. 
Allgemein gilt also die Regel, daß alles, was im Einklang mit Natur, Gesetz, Sitte, Kunst, Namen oder Zeit geschaut wird, von guter 
Vorbedeutung ist, während das Gegenteil davon Unheil und Schaden heraufbeschwört. Bedenke aber, daß diese Regel durchaus nicht 
allgemeingültig ist, sondern nur für die Mehrzahl der Fälle gilt; denn es gibt viele Traumerlebnisse, die im Widerspruch zur 
Seinswirklichkeit manchem glücklich ausgehen, obwohl sie nicht mit der Natur und den anderen Kategorien im Einklang stehen. So träumte 

z.B. jemand, er schlage seine Mutter. Seine Handlungsweise war gesetzwidrig, aber gleichwohl brachte sie ihm Nutzen, weil er Töpfer von 
Beruf war; denn wir nennen die Erde Mutter, die der Töpfer durch Schlagen bearbeitet. Infolgedessen brachte ihm seine Arbeit viel ein. 
Merke dir ferner, daß die häufiger vorkommende Sitte gegenüber der selteneren den Ausschlag gibt. So hatte der Rechtsgelehrte Aristeides 
(Vermutlich der bedeutende Redner P. Ailios Aristeides von Smyrna (um 117-189 n.Chr.)) die Gewohnheit, weißgekleidet in derÖffentlichkeit zu erscheinen. Als er während einer Krankheit träumte, er trage weiße Kleider, zog er aus dieser Gewohnheit keinen Nutzen; 
kurze Zeit darauf starb er nämlich; denn ausschlaggebend war die mächtigere Sitte, nach der die Toten in weißen Kleidern zu Grabe getragen 
werden. 
Sodann nehmen berufliche Tätigkeiten, deren Wirkung auf das gleiche hinausgehen, denselben Ausgang, mögen sie auch hinsichtlich ihres 
Verfahrens verschieden sein. So träumte der Chirurg Apollonides, er agiere bei der Aufführung homerischer Szenen und verwunde viele, 
worauf er viele chirurgische Eingriffe vorzunehmen hatte. Denn die Darsteller homerischer Szenen verwunden und vergießen Blut, haben 
aber nicht die Absicht zu töten; ebenso verhält es sich mit dem Chirurgen. Betrachte auch die im ersten Buch besprochenen Arten als wahr, 
und du wirst nicht fehlgehen. Da sie dort klar und lehrhaft behandelt worden sind, erübrigt es sich, hier darauf einzugehen. 
Zu den von Sorgen hervorgerufenen Gesichten zähle diejenigen, die Menschen schauen, die sich wegen persönlicher Dinge den Kopf 
zerbrechen oder von einem unvernünftigen Trieb oder einer Leidenschaft leiten lassen. Wir nennen dieselben auch geforderte Träume. 
(Oneiraitetein ist der technische Ausdruck für die mit magischen Mitteln ausgeführte Forderung an göttliche oder dämonische Mächte um 
einen offenbarenden Traum.), weil man von der Gottheit ein Zeichen bezüglich der bedrängenden Schwierigkeiten fordert. Denke aber daran: 
Wenn du um Traumgesichte bittest, bringe weder Weihrauch dar noch sage Zaubersprüche her und, um das Wichtigste zu sagen, stelle an die 
Götter keine überflüssigen Fragen. Es wäre fürwahr lächerlich, wenn verantwortungsbewußte Menschen, Leute, die mit Zwang und Gewalt 
von den Göttern fordern, ihnen ihr Ohr zu leihen, die Antwort zurückweisen, sich anständigen Personen gegenüber aber entgegenkommen 
zeigen. Nach dem Traumgesicht bringt ein Opfer dar und sage Dank. 
Sodann spotte ruhig über jene, die den Göttern Vorschriften machen wollen, ich meine Leute, die folgendermaßen beten: "Soll ich das tun?" 
und "Werde ich das bekommen?" und "Könnte ich doch jetzt die Frucht der Demeter sehen, wenn nicht die des Dionysos" und "Wenn es mir 
förderlich und nützlich ist, möchte ich etwas bekommen, wenn nicht, geben"; bei solchen Sprüchen wird dem Irrtum Tür und Tor geöffnet. 
Denn die Gottheit ist es, die der Seele des Schauenden, die von Natur aus eine seherische Kraft besitzt – oder wenn irgend etwas anderes 
Ursache des Träumens ist -, im Hinblick auf die kommenden Ereignisse, Traumgesichte sendet. Derjenige nun, der das Geträumte mit seiner 
Frage in Zusammenhang bringt, irrt sich, falls jenes das Gegenteil bedeutet. So verursacht z.B. ungebackenes Brot, obwohl es eine Frucht der 
Demeter ist, weil es erst gebacken werden soll, bei einem Kranken ein heftiges Fieber, während der Rebstock und der Wein für einen, der 
heiraten oder sich einer Gemeinschaft anschließen möchte, günstigere Vorzeichen sind als Weizen und Gerste, und zwar der Rebstock wegen 
der Ranken, der Wein wegen der Mischung. Und für denjenigen, der sich wegen seines Weiterkommens Gedanken macht, ist es besser, 
etwas zu schenken und zu geben als zu empfangen, ausgenommen, er bekomme etwas von Bessergestellten; denn wer viel hat, kann anderen 
davon geben, ein Mittelloser hingegen hält die Hand offen. Man soll also die Gottheit um das bitten, worum man sich Sorgen macht. Das 
"Wie" der Weissagung aber muß man der Gottheit selbst oder der eigenen Seele überlassen. 
Für gottgesandte Traumgesichte halte diejenigen, die sich plötzlich einstellen, so wie wir auch alles Unerwartete gottgesandt nennen. Lege 
aber nur solche Traumerlebnisse aus, deren Inhalt vollständig wiedergegeben wird, von denen der Träumende eine klare Vorstellung hat und 
an die er sich genau erinnert; denn man wird es dir ankreiden, falls das Geschaute in Erfüllung geht und es sich herausstellt, daß du nur 
Einbildungen gedeutet hast. Man muß aber den Eindruck der Unwissenheit zu meiden suchen. 


14 


Falls du über örtliche Sitten und Gebräuche und über Land und Sitten nicht Bescheid weißt, so informiere dich. Reisen und Belesenheit 
werden dir am ehesten ein Wissen darüber verschaffen; denn Bücher über Traumdeutung allein reichen nicht aus, um dich zu fördern es 
müssen alle anderen Wissensgebiete dazukommen. Z.B. Eine verheiratete Frau träumte, sie betrete den Tempel oder die Wohnstätte der 
Ephesischen Artemis (Die Göttin hat mit Artemis ursprünglich nichts zu tun, sondern war eine kleinasiatische Fruchtbarkeitsgöttin (= Magna 
Mater). Man stellt sie mit mehr als zwanzig Brüsten dar.) und speise dort. Bald darauf starb sie; der Tod ist nämlich die Strafe für eine 
verheiratete Frau, die dort hineingeht. (Artemidoros Erklärung wird beglaubigt durch Achilleus Tatios (3. oder 4. Jh. n .Chr.), der in seinem 
Roman "Von der Liebe der Leukippe und des Kleitophon" (7,13) erwähnt, daß es Ehefrauen unter Todesstrafe untersagt war, das Heiligtum 
der Göttin zu betreten; Männer und Jungfrauen durften es aufsuchen.) Hinsichtlich der übrigen lokalen Sitten und Gebräuche triff deine 
Auslegung bei jeder Stadt oder jedem Land entsprechend den örtlichen Verhältnissen. Scheue keine Mühe, jede Einzelheit des 
Traumerlebnisses gewissenhaft zu erfragen, denn bisweilen ändern sich schon Zusatz oder einer unbedeutenden Auslegung die 
Traumausgänge. 

Suche alles zu begründen und jeder einzelnen Deutung eine vernünftige Erklärung zu geben und einige beweiskräftige Belege hinzuzufügen; 
denn wenn du auch die reine Wahrheit sagst, aber nur einfache und trockene Auslegungen gibst, wirst du den Eindruck erwecken, als ob du 
weniger Erfahrung besitzt; doch gib dich selbst nicht der Täuschung hin, als ob die Begründung das A und O der Traumerfüllung wäre. Denn 
viele Dinge erfüllen sich für manche Leute in ständiger Folge, und daß sie regelmäßig ablaufen, wissen wir daher, daß sie jedesmal den 
gleichen Ausgang nehmen, doch die Gründe, warum sie so ausgehen, vermögen wir nicht herauszufinden. Deshalb hat man, wie ich meine, 
die Traumausgänge aus der Erfahrung zu schöpfen, die Begründungen aber entsprechend der Fähigkeit eines jeden einzelnen aus der eigenen 
Einsicht. 
Hier noch folgender Hinweis: Rückwirkungen, die überall und auf jeden Fall nach gewissen realen Vorgängen eintreten, müssen sich 
unausbleiblich auch nach Träumen einstellen. So träumte z.B. ein Maler, er lasse sich mit seiner eigenen Stiefmutter ein. Er verfeindete sich 
darauf mit seinem Vater; denn Eifersucht und Feindschaft sind die Folge eines jeden Ehebruchs. Beachte diese Regel auch bei allen anderen 
Traumgesichten, und du wirst keinen Fehler machen. 

Denjenigen, die behaupten, die bösen Traumgesichte erfüllten sich rascher, die guten langsamer oder gar nicht, kannst du getrost antworten, 
daß das nicht der Wahrheit entspricht. Der Grund ihres Irrtums ist folgender: Entweder schauen die Leute unheilvolle Traumgesichte in 
Gestalt guter Bilder und glauben, wenn das Unheil eintrifft, sie wären von glückverheißenden Traumgesichten genarrt worden – deswegen 
wirst du auf die Traumgesichte besonderer Art hinweisen, die nach innen von guter, nach außen von übler Vorbedeutung sind -, oder sie 
schauen, wenn über ihren augenblicklichen Verhältnissen ein Unstern waltet, böse Traumgesichte, die gegenwärtigen Unsegen anzeigen, und 
gute, die bevorstehenden Segen ankündigen; weil aber die guten sich noch nicht erfüllen, glauben sie, sie wären getäuscht worden. Es 
werden auch Leute, die in glücklichen Verhältnissen leben, von üblen Träumen heimgesucht, die gewöhnlich nicht ernstgenommen werden, 
weil sie noch nicht in Erfüllung gehen. Und doch erfüllen sie sich auf jeden Fall. Von den Traumgesichten sind die einen für alle von übler 
Vorbedeutung, indem sie jedem einzelnen nach Vermögen irgend ein Unheil anzeigen; es sind das die nach innen wie nach außen bösen 
Traumgesichte, die im ersten Buch behandelt wurden. Die anderen sind für alle ohne Unterschied von guter Vorbedeutung, jene, die nach 
innen wie nach außen Gutes anzeigen. Sodann gehen diejenigen Traumgesichte, die in einer Hinsicht Gutes, in anderer Böses ankündigen, 
für die einen gut, für die anderen schlimm aus. In welchen Fällen sie gut, in welchen schlecht ausgehen, wirst du jeweils aus der 
Lebensstellung der Träumenden oder ihrem Lebensalter erschließen. 

Alles was langsam wächst und langsam reift, und zwar von den Pflanzen die Eiche, der Ölbaum, die Zypresse und ähnliche Gewächse, von 
den Tieren der Elefant, der Hirsch, die Krähe und ähnliche Tiere, führt sowohl das Glück als auch das Unglück langsamer herbei. Alles aber, 
was schnell wächst und schnell reift, wie z.B. von den Pflanzen der Weinstock und der Pfirsich, von den Tieren das Schwein und ähnliche 
Tiere, führt sowohl das Glück als auch Unglück rasch herbei. Derselbe Gesichtspunkt kommt auch bei Terminen zu Geltung. Ebenso setze 
alle Feldfrüchte zu den Gartengewächsen in Beziehung und den Bauern, den man im Traum schaut, zum Gärtner. Alles, was lang ist, z.B. 
Zypressen, Fichten, Stangen, hochgewachsene Männer und ähnliches besagt, man solle in allem ausreichen sein und keinen blinden Eifer 
zeigen; alles Gestutztes und Kurze aber mahnt zur Eile. 

Was die öfter wiederkehrenden Traumgesichte betrifft, so sei überzeugt, daß sie immer dasselbe bedeuten, falls sie sich in kurzen Abständen 
und immer wieder einstellen, und daß man sie deswegen öfters schaut, damit man ihnen erhöhte Aufmerksamkeit und Glauben schenke. Wir 
pflegen ja auch im täglichen Leben, wenn wir etwas Wichtiges sagen, es mehrmals zu wiederholen. So weist auch die Seele auf dieselbenDinge mehrmals hin, entweder weil sie Wichtiges und Bedeutsames und keineswegs Überflüssiges vorauszusagen hat, oder weil sie diese 
Dinge lange vor ihrer Erfüllung in den Blick bekommen und dauernd vor Augen hat. Sind aber die zeitlichen Abstände größer, innerhalb 
derer man dasselbe Traumgesicht hat, so sei überzeugt, daß es jedesmal etwas anderes bedeutet. Denn angenommen, es schauten viele ein 
und dasselbe Traumgesicht, so würde es sich doch für jeden einzelnen in verschiedener Weise erfüllen, weil nicht alle in denselben 
Verhältnissen leben; ebenso wird das selbe Traumgesicht, falls jemand es in verschiedenen Lebenslagen schaut, für ihn einen verschiedenen 
Ausgang nehmen, weil er nicht gänzlich in denselben Verhältnissen lebt. 
(Nach Herodot (Buch 7,12-18) träumte Xerxes, ein großer, schöner Mann trete ihm zu Hauptes und sage, er solle seine Absicht, gegen 
Griechenland zu Felde zu ziehen, trotz der Warnung des Artabanos nicht ändern. Am folgenden Tag versammelte Xerxes die Perser und 
erklärte, er habe die gleiche Meinung wie Artabanos gewonnen und wolle nicht gegen die Griechen in den Kampf ziehen. In der Nacht 
träumte Xerxes wieder von dem großen, schönen Mann, der seine Warnung wiederholte. Als schließlich Artabanos dasselbe Gesicht schaute, 
beschließen Xerxes und Artabanos, durch die nächtliche Erscheinung erschreckt, den Feldzug zu unternehmen. Sophokles wurde durch ein 
sich wiederholendes Traumgesicht veranlaßt, den Dieb einer goldenen Schale aus dem Tempelschatz des Herakles dem Areopag anzuzeigen. 
(Cicero: Von den Weissagungen 1,54) 

Alles, was jemand einem anderen über Dinge sagt, die nicht zu seinem Beruf gehören, geht für ihn selbst in Erfüllung; was aber in seinen 
Beruf schlägt, betrifft den anderen und keineswegs den Sprecher selbst. Wie es bei den niederen Handwerkern ein gutes Zeichen ist, wennjemand das betreibt, was er erlernt hat, so ist es auch bei den übrigen Berufen. Denn alles, was Ärzte über Rechtsfragen oder Weissager über 
die Medizin oder Rechtsanwälte über die Weissagekunst einem anderen sagen, geht für die Sprechenden selbst in Erfüllung; was aberRechtsanwälte über Rechtsfragen oder Ärzte über die Medizin oder Weissager über die Weissagekunst äußern, das halte für Aussagen von 
Fachleuten, die in ihrem Gebiet genau Bescheid wissen. Ein Arzt träumte, er sage zu jemand: "Als Römer solltest du keine Griechin 
heiraten!" Er heiratete selbst und wurde von der Frau völlig ruiniert. Menschen auf deren Hilfe man angewiesen ist, soll man im Traum 
Gutes erweisen oder jedenfalls nicht schädigen, weil man sonst keinen Nutzen von ihnen erwarten kann. Herakleides aus Thyateira, der in 
Rom am Wettbewerb der Tragödien teilnehmen wollte, träumte, er schlachte Zuschauer und Preisrichter ab. Er fiel durch: denn niemand 
wird wohl seine Freunde umbringen, sondern nur seine Feinde. Das Traumerlebnis sagte ihm gewissermaßen, daß er Zuschauer und 
Preisrichter gegen sich haben werde; übrigens hätten sie, abgeschlachtet, ihm unmöglich ihre Stimme geben können. 

Leuten, die dich fragen, ob es möglich ist, zur selben Zeit gute und böse Traumgesichte zu schauen, und im ungewissen darüber sind, 
welchen von beiden man Glauben schenken soll, den guten oder den bösen, und ob die einen die anderen aufheben oder bestätigen, kannst du 


15 


antworten, daß es nicht nur möglich ist, zur selben Zeit, sondern auch in ein und derselben Nacht in ein und demselben Traumgesicht 
vielfach Gutes und Böses zu schauen. Du wirst dann auf die Traumgesichte verweisen, die vieles durch weniges oder vieles durch vieles 
ankündigen. Und das ist nicht weiter verwunderlich, wenn schon die menschlichen Verhältnisse und das tägliche Leben so beschaffen sind; 
denn häufig widerfährt einem zur selben Zeit Gutes und Schlechtes. 
Sei überzeugt, daß die Traumgesichte, die in Erfüllung gegangen sind, sich wiederum auf dieselbe Weise erfüllen, halte aber ebenso an den 
Grundsatz fest, daß sie noch etwas Neues anzeigen. Und so wirst du dich nicht damit begnügen, nur auf die alten Traumerfüllungen 
zurückzugreifen, sondern versuchen, immer noch etwas Neues analog den früheren Fällen herauszufinden: Denn es wäre wirklich lächerlich, 
es der großen Menge gleichzutun und nur das in Erinnerung zu bringen, was längst niedergeschrieben oder ausgesprochen worden ist. 
Den Leuten, die fragen, in welchem Zeitraum Traumgesichte in Erfüllung gehen, kannst du antworten, daß jedes Geschehen, das in der 
Wirklichkeit innerhalb eines begrenzten Zeitraumes abläuft, wenn es im Traum gesehen wurde, sich in dem selben Zeitraum erfüllt, wie z.B. 
Wettkämpfe, Festveranstaltungen, zivile und militärische Ämter und ähnliches. Dagegen nimmt jedes Geschehen, das sich in nicht 
begrenzten und festgelegten Zeiträumen abspielt, einen unbestimmten Ausgang, wie z.B. Geschlechtsverkehr, Mahlzeiten, Entleerung und 
diesen entsprechende Vorgänge, mit Ausnahme von Tiere; denn diese Gesichte erfüllen sich in einem ebenso langen Zeitraum, wie jene bis 
zur Geburt brauchen, das heißt, im Mutterleib getragen werden. Sodann gehen Traumgesichte von Göttern, Herrschern, Eltern und Herren in 
keinen begrenzten Zeiträumen in Erfüllung. Erschließe die entsprechenden Ausgänge und Zeitbestimmungen aus den Begleiterscheinungen 
des Geträumten oder aus des Träumers eigenen Erwartungen; denn es wäre lächerlich, wollte man einem, der vor dem nächsten Tag in 
Furcht oder Hoffnung schwebt und ein Traumgesicht geschaut hat, das auslegen, was im nächsten Jahr sich ereignen wird. Sodann gehen alle 
Dinge, die nur für den Tagesgebrauch bestimmt sind, im Laufe von Tagen in Erfüllung, jene aber, die auf längere Zeit angelegt sind, in 
einem längeren Zeitraum. Und alles, was man in großer Entfernung schaut, wie die Vorgänge am Himmel, nimmt wegen des Abstandes 
einen langsameren Ausgang. 
Hier noch folgender Hinweis: Sowohl die guten als auch die bösen Traumgesichte bringen mächtigen Männern und Frauen großes Heil und 
auch großes Unheil, Leuten aus dem Mittelstand mittelmäßiges, denen aus den unteren Schichten aber ganz geringes; das gilt besonders von 
den glückverheißenden Traumgesichten; und das ist ganz begreiflich, weil diese Menschen für das erste beste dankbar sind und sich darüber 
überschwenglich freuen. Treffend sagt das Wort des Kallimachos: "Immer geben die Götter Kleines den Kleinen." (Kallimachos aus Kyrene 
(310-240 v.Chr.), Haupt der alexandrinischen Dichterschule; Kallimachos Fragment 475 (Pfeiffer)) 


Zusammengesetzte Traumgesichte zerlege in ihre Kernstücke und deute jedes einzelne für sich allein. Träumt z.B. jemand, er mache eine 
Seefahrt, steige darauf aus dem Schiff und wandle auf dem Meer einher, so lege sowohl die Seefahrt wie das Wandeln auf dem Meer für sich 
allein aus. 
Nichts Starres bringt Nutzen, wenn es den Körper umschließt. Ein Mann träumte er trage Kleider aus Erz; ganz folgerichtig starb er. Denn 
die Masse, die ihn umgab, war starr und von Art wie sie die Götterbilder umgibt. Letztere aber sind ohne Leben.
Alles, was von gleicher Farbe ist, nimmt denselben Ausgang. Jemand, der im Traum einen Äthiopier als Geschenk bekam, erhielt am Tag 
darauf einen Behälter voll Kohlen. 
Das Geschehen, das den Mysterien zugrunde liegt, führt ganz ähnliche Traumerfüllungen herauf, die in dem gleichen Zeitraum geschaut 
werden. 
Alle Dinge, die sich auf dieselbe Weise bewegen, haben, im Traum geschaut, dieselbe Bedeutung. So träumte jemand, er sei von einem 
Drachen in den Fuß gebissen worden. Der Betreffende erlitt durch ein Rad auf der Straße eine Verletzung, genau an dem Fuß, an welchem er 
im Traum gebissen worden war; denn wenn ein Rad sich dreht, bewegt es sich mit seiner ganzen Masse gleich wie der Drache. 
Alles Gute und alles Böse, was im Hinblick auf den Körper wahrgenommen wird, mindert, wenn es nicht ganz, sondern zur Hälfte geschaut 
wird, sowohl das Glück als auch das Unglück. So träumte eine Frau, sie habe auf der rechten Wange einen Bart. Während dieses 
Traumgesicht allen Frauen, die verheiratet sind, Kinder haben und nicht guter Hoffnung sind, Witwenschaft prophezeit, endete es im 
vorliegenden Fall so, daß die Frau weder mit ihrem Mann zusammenlebte, noch durch den Tod von ihm getrennt wurde, sondern daß sie 
lange Zeit, während ihr Mann verreist war, sich in der Heimatstadt auf sich allein gestellt sah und das Haus besorgte. Es macht nun bei einer 
Frau keinen Unterschied, ob sie träumt, einen Bart oder männliches Geschlechtsteile oder die Kleidung, den Haarschnitt oder sonst etwas 
von einem Mann zu haben; das Traumgesicht wird sich auf dieselbe Weise erfüllen. Ebenso verhält es sich umgekehrt für einen Mann. 


Das die Traumgesichte nicht gänzlich den Inhalt der Geschichten und Sagen widersprechen, kannst du aus folgendem Beispiel ersehen. Eine 
Frau träumte, sie habe die Taten des Herakles vollbracht. Bald danach wurde sie von einem Feuer erfaßt und verbrannte bei lebendigem 
Leib. Man sagt nämlich, daß auch Herakles dem Leib nach vom Feuer verzehrt worden sei. (Herakles, der Sohn des Zeus und der Alkmene, 
verbrannte sich nach Vollbringung seiner zwölf Arbeiten selbst auf dem Berg Oeta. Er wurde unter die Unsterblichen aufgenommen.) Alles, 
was einem bestimmten Zweck dient, wird unbrauchbar, wenn es für andere Zwecke mißbraucht wird. Ein Großkaufmann träumte, er wasche 
sich das Gesicht mit Wein. Der Wein verdarb ihm; denn Waschwasser ist ungenießbar und zu nichts zu gebrauchen. 
Hier noch folgender Hinweis: manche Einzelheiten in den Traumgesichten dienen nur der Ausschmückung; man lasse sie deswegen beiseite. 
Betritt jemand ein Haus, so erblickt er auf jeden Fall den Hausflur, den Türpfosten und den Türsturz, aber er geht nicht ihretwegen hinein; 
ebenso darf man sie auch nicht zum Ausgangspunkt der Deutung nehmen, sondern das Haus selbst. 
Beachte noch folgendes: Dinge, die man nicht am richtigen Platz stehen sieht, prophezeien das Gegenteil, von dem was sie gewöhnlich 
bedeuten. 
Alles, was ständig mit einem bestimmten Körperteil in enger Berührung ist, hat dieselbe Bedeutung wie die natürlich gewachsenen Teile 
selbst. So träumte jemand, aus seinen Fingern sei Holz gewachsen; er wurde Steuermann, denn als solcher hatte er immer das Holz der 
Steuerruder in den Händen. 
Alles, was ins Gebiet der Wunderdinge fällt und ganz und gar unmöglich vorkommen kann bedeutet, daß man sich in seinen Erwartungen 
getäuscht sehen wird. Bisweilen lassen solche Erscheinungen zwar die Hoffnungen nicht in Erfüllung gehen, doch bewirken sie, daß der 
Kern der Dinge dem Inhalt nach jenen einigermaßen entspricht. 


Denke auch daran, daß du nur solchen Überlieferungen Beachtung schenkst, die durch viele gewichtige Zeugnisse als echt erwiesen sind, wie 


z.B. der Krieg gegen die Perser und, zeitlich früher, der gegen Troja und ähnliche Feldzüge. Von diesen zeigt man noch heute 
Soldatenunterkünfte, Stellungen, Lageranlagen, Städtegründungen, Altäre, die dort errichtet wurden, und anderes mehr. Wenn nun jemand 
etwas derartiges schaut, so wird ihm in jedem Fall etwas ähnliches widerfahren. Ferner muß man auch diejenigen Sagen berücksichtigen, die 
allen gut bekannt sind und bei den meisten Glauben finden, wie z.B. die von Prometheus, von Niobe und von denen, die den Stoff der 
Tragödien bilden; denn wenn es auch nicht wahre Begebenheiten sind, so gehen sie doch dem Inhalt entsprechend in Erfüllung, weil sie von 
den meisten als solche aufgefaßt werden. Alle Sagen aber, die längst vergessen und von leerem Gerede und von Faselei strotzen, wie die vom 
Kampf der Giganten und von den Sparten (Das Märchen von den Sparten, die aus den von Kadmos gesäten Drachenzähnen entstanden, ist 
phoinikischen Ursprunges.) in Theben und Kolchis und ähnliches, erfüllen sich entweder überhaupt nicht oder machen aus dem oben 
angegebenen Grunde jede Erwartung gänzlich zunichte und prophezeien eitle und leere Hoffnungen, ausgenommen den Fall, daß eine von 
diesen Mythen eine natürliche Erklärung zulasse. So träumte z.B. jemand, er sei Endymion und werde von der Selene geliebt. (Endymion 
war der schöne Sohn des Zeus und der Nymphe Kalyke. Eines Nachts schlief er in einer Höhle, als ihn Selene zum ersten Mal erblickte, sich 
zu ihm legte und ihn sanft auf seine geschlossene Augen küßte. Später soll er in die Höhle zurückgekehrt und in einen tiefen Schlaf gefallen 

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sein, aus dem er nie mehr erwachte.) Es geschah, daß er großen Ruhm und ein ansehnliches Vermögen erwarb, indem er aus den Sternen 
weissagte; denn nach verbreiteter Sage pflegt Endymion als Geliebter der Selene vertrauten Umgang mit ihr; nach der Auffassung derjenigen 
aber, die derlei Fabeln auslegen, sei er am meisten von allen Menschen der Sternenkunde zugetan, wache die Nacht hindurch und habe 
dadurch die Vorstellung hervorgerufen, als verkehre er mit Selene. 

Was den Titel anbetrifft, so wundere dich nicht, daß der Verfasser Artemidoros aus Daldis und nicht aus Ephesos geschrieben steht, wie auf 
vielen Büchern, die ich über andere Gegenstände geschrieben habe. Ephesos besitzt schon an und für sich einen großen Namen und hat viele 
bedeutende Herolde seines Ruhmes gefunden, während Daldis, ein nicht sonderlich angesehenes Städtchen Lydiens, bis auf unsere Zeit 
unbekannt geblieben ist, weil es keine solchen Geistesgrößen hervorgebracht hat. Deshalb widme ich ihm als meiner Heimatstadt 
mütterlicherseits voller Dankbarkeit diese Bücher als Lohn für meine Erziehung. 

Achmet ben Sirin (9. Jh. n. Chr.) 

Achmet Ben Sirin Traumbuch machte im Mittelalter dem klassischen Traumbuch des Artemidor aus der Zeit des Kaisers Hadrian stärkste 
Konkurrenz: Oneirocriticon des Achmet ben Sirin, arabisch Ahmad ihn Sirin (Sereim).
Über die Person des Verfassers des zuletzt genannten Werks sind wir völlig im unklaren und nur auf Hypothesen angewiesen. Ein paar 
spärliche Angaben in seinem Traumbuch sind die einzige Quelle für unsere Kenntnis. So findet sich in einigen Handschriften folgender Titel: 
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Traumbuch, das Achmet, der Sohn des Sirin und Traumdeuter des Kalifen 
Mamun, dies zusammengestellt und verfaßt hat. Gemeint ist offenbar der berühmte arabische Traumdeuter Mohammed ibn Sirin, gestorben 


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728 n. Chr., der zum Traumdeuter des später lebenden Kalifen Mamun, gestorben 833, gestempelt wird. Die seinerzeit heiß umstritteneFrage, ob Achmets Traumbuch wirklich arabisch und das griechische Werk nur eine spätere Überarbeitung sei oder umgekehrt das 
griechische Original auch in das Arabische übertragen wurde, kann heute dahin beantwortet werden, daß der Name Achmet in der 
griechischen Bearbeitung nur ein Deckname ist, so wie auch etliche arabische Traumbücher unter dem Namen des Mohammed ibn Sirin 
kursierten, der selber nie solche verfaßt hat. Das Traumbuch ist sicherlich nicht aus dem Arabischen übersetzt, sondern stammt aus der Feder 
eines griechischen Christen, der auch arabische Quellen benutzt hat. Dafür zeugt der Charakter der Schrift, die christlich geprägt ist und 
zahlreiche unverkennbare Spuren christlichen Bekenntnisses aufweist. Für die Entstehungszeit haben wir in dem Abfassungsjahr derlateinischen Übersetzung des Leo Tuscus, des Dolmetschers und Vertrauten Kaiser Manuels I. (1143-1180), das Haskins (!!) auf das Jahr 
1176 festgelegt hat, einen sicheren "terminus ante quem". Als "terminus post quem" wird von der Wissenschaft übereinstimmend die 
Regierungszeit des Kalifen Mamun (813-833) betrachtet. 

Der Traumdeuter: Mit Gott sei begonnen! 

Vorwort 
Viel Mühe und Arbeit habe ich darauf verwendet, um meinem Herrn die treffende Deutung der Träume zu erschließen, so wie es seinem 
heißen Wunsch entsprach, und ich entdeckte sie bei denen, welche diese Kunst wahrheitsgetreu bewiesen haben, nämlich bei den Indern, den 
Persern und den Ägyptern. Diese haben den wahren Sachverhalt mit wissenschaftlicher Genauigkeit und Scharfsinn dargelegt und die 
vorliegende Deutung der Träume niedergeschrieben. Von jedem dieser Gewährsmänner habe ich das Wichtigste ausgewählt und die 
Deutungen und Auslegungen der drei Völker in je einem Kapitel aufgezeichnet, damit mein Herr mit deren Hilfe die Wahrheit erschließen 
und erkennen und die Süße, Tiefe, Wonne und Macht der hier sich offenbarenden Weisheit erfahren kann, mit deren Hilfe man die Zukunft 
vorausschaut. 

Aus der Lehre der Inder 
So spricht Syrbachan, der Traumdeuter des Königs der Inder: Die tiefste Weisheit offenbart sich in der Deutung und Auslegung der Träume 
und in der Gabe der Weissagung, die Gott allen verheißen hat, so wie es in dem heiligen Evangelium geschrieben steht: "Wer mich liebt, zu 
dem werden ich und mein Vater kommen, und wir werden Wohnung bei ihm nehmen." Diese Verheißung erfüllt sich im Traum. Das bezeugt 
Josef, dem Maria, die Mutter des Lichtes, anvertraut wurde; denn in einem Traumgesicht erhielt er diese Weisung. Ebenso wurden Danielund die Mehrzahl der Propheten in Träumen von Gott erleuchtet. Diese Beispiele mögen jeden in der Überzeugung bestärken, daß das 
Traumgesicht für alle Menschen eine göttliche Botschaft über alles und jedes ist, über Gutes und Böses. Man darf aber nicht meinen, es gäbe 
für ein und denselben Traum, den verschiedene Personen träumen, nur eine einzige Deutung und Lösung. Denn die Träume der Kaiser haben 
ihre eigene Deutung und Lösung, ebenso die der Vornehmen und Reichen, und entsprechend die der Mittellosen und Armen? Ebenso sind 
die Träume von Frauen anders zu deuten als die von Männern, und wieder anders diejenigen, die in der Sommer-beziehungsweise 
Winterzeit geschaut werden. Deshalb muß der Traumdeuter klug, gebildet und immer gottesfürchtig sein. Unter dieser Voraussetzung wird 
die Deutung untrüglich sein, weil sie ein Geschenk Gottes ist. Gott sendet aber nicht nur den Guten Träume, sondern auch den Bösen und 
Sündern, wegen seiner reichen Barmherzigkeit, so wie er auch denjenigen Nahrung spendet, die ihn verleugnen und lästern. Nun will ich in 
der Kraft der heiligen Dreifaltigkeit, die ewig und ungeteilt ist, mit der Auslegung beginnen. 

Aus der Lehre der Perser 
Der Traumdeuter Baran an den Perserkönig Saanisan: Aus der Traumdeutung habe ich das reichste Wissen und Vorherwissen gewonnen, 
über Leben und Tod, Armut und Reichtum, Krankheit und Gesundheit, Freude und Leid, über Sieg und Niederlage im Kampf gegen Feinde, 
und deshalb vermag ich die Zukunft untrüglich vorauszusagen, und zwar müheloser, als wenn ich sie mit Hilfe der Sternkunde zu ergründen 
suchte. Voraussetzung freilich ist, daß der Traumdeuter äußerst gewissenhaft arbeitet. Denn das rechte Verständnis für die Sternkunde kostet 
viel Arbeit, ist häufig dem Irrtum unterworfen, schwierig und verwickelt. Nach meiner Erfahrung sind nämlich heutzutage viele Sterndeuter 
untereinander zerstritten und bekämpfen sich, indem einer den andern zu widerlegen sucht. Die Deutung der Träume aber, die ich vorlege, 
trägt in jedem Fall das Merkmal der Untrüglichkeit. Jeder, der diese Kunst erreichen möchte, sollte Scharfsinn besitzen und von Liebe zu den 
Herrschern der Gestirne erfüllt sein. Jetzt will ich über alles wahrheitsgemäß und zuverlässig sprechen. 

Aus der Lehre der ÄgypterSo spricht Tarphan, der Traumdeuter des Pharao, des ägyptischen Königs: Es haben schon die Könige der Ägypter in den Traumbüchern, die 
sie vorfanden, geforscht, aber niemand vermochte die Gesichte so scharfsinnig zu erklären wie ich dank der Persönlichkeit meines Herrn. 
Denn er schaute Träume in großer Zahl und in ständiger Folge. Es erfüllte ihn nämlich eine große Liebe zu den Göttern, die alles, was ihm 
im einzelnen widerfahren sollte, in Träumen anzeigten. Diese entschlüsselte ich stets genau. Auch sah er selbst mit meiner Hilfe die 
Wahrheit voraus und erkannte sie. Jetzt veröffentliche ich die Erfahrungen, die ich selbst, die alten Pharaonen und ihre Weisen gemacht 
haben. Alles, was Menschen träumen können, werde ich deuten und darlegen. 

Über die Unterscheidung und Deutung von Träumen nach der übereinstimmenden Lehre der Perser und Ägypter 
Die Träume bedeuten, wie schon gesagt, einer bestimmten Person durchaus nicht dasselbe, was sie einer anderen bedeuten. Denn handelt es 
sich auch um ein und denselben Traum, so bedeutet er doch dem Kaiser etwas anderes als einem gemeinen Mann, einem Bauern etwas 
anderes als einem Soldaten, einem großen Herrn oder einem Armen. Sodann besteht ein Unterschied zwischen Träumen, die von Männern 
oder von Frauen, im Sommer oder im Winter, bei beginnendem oder sinkendem Tag, bei zunehmendem oder abnehmendem Mond geschaut 
werden. Einige Träume erfüllen sich bald, andere erst nach geraumer Zeit. Diese Regeln habe ich, wie schon erwähnt, bei der Auslegung 
eines jeden Traumes befolgt und dementsprechend das Gesicht eines Kaisers anders gedeutet als das eines Armen, das eines Mächtigen 
anders als das eines einfachen Mannes, und wieder anders den Traum eines Mannes oder den einer Frau, eines Bauern oder Soldaten. 
Darüber braucht nun nicht weiter gehandelt zu werden; denn jeder dieser Punkte ist bei der Auslegung berücksichtigt worden. 
Sodann ist noch zwischen Sommer und Winter zu unterscheiden; denn diese Jahreszeiten sind bei Gesichten von Bäumen und Gewächsen 
wohl zu beachten. Hat jemand z. B. einen Traum von Bäumen und ist es Frühling, wo alles zu sprießen beginnt, geht dieser zum Guten aus, 
ist es aber Spätherbst und die Blätter fallen, zum Gegenteil. Bei Tagesbeginn ist die Deutung der Träume von größerem Wahrheitsgehalt, bei 
sinkendem Tag von geringerem. Ebenso ist zwischen den Mondphasen zu unterscheiden und den Träumen, die bald oder erst nach geraumer 
Zeit sich erfüllen. 
Wenn dich jemand wegen eines Traumes befragt, erkundige dich nach der Stunde, in der er das Gesicht geschaut hat. Von der ersten bis zur 
dritten Nachtstunde erfüllt sich der Traum innerhalb von zwanzig Jahren; von der dritten bis zur sechsten, innerhalb von fünfzehn, zehn oder 
acht Jahren; von der sechsten bis zur neunten, in einem Zeitraum von fünf, vier oder drei Jahren; von der neunten bis zum Morgen, innerhalb 
eines Jahres oder binnen sechs, drei oder einem Monat oder innerhalb von zehn Tagen.
Bei Tagesanbruch noch am selben Tag oder nach zwei oder drei Tagen. Über die Tagesstunden gebe ich keine nähere Bestimmung; denn bis 
zum siebenten Tag erfüllt sich in der Regel der Traum, gleichgültig, zu welcher Stunde man ihn geschaut hat. Alle Tagesträume gehen 


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nämlich, soweit sich einer ganz sicher an sie erinnert, vollständig oder unzweideutig in Erfüllung; die von der neunten Stunde bis zum 
Morgen sind am wahrsten und erfüllen sich am schnellsten. 
Was den Ausgang derjenigen Träume betrifft, die sich erst nach geraumer Zeit und spät erfüllen, so habe ich jeden einzelnen schriftlich 
aufgezeichnet. Haben sie sich erfüllt, rufen wir Traumdeuter sie unseren Herren ins Gedächtnis zurück und sagen: "Das und das hast du 
geträumt; so und so wird es gedeutet, und genauso, wie wir es vorhersagten, hat sich der Traum erfüllt." Dies haben wir getan, um unsere 
Widersacher zu widerlegen. Deswegen sei man überzeugt, daß alle Träume eine Botschaft und Vorankündigung von Gott für alle Menschen 
sind, über Böses und Gutes. Sei du, Kritiker, aber noch mehr von der schnellen und täglichen Erfüllung und dem untrüglichen Ausgang der 
Träume überzeugt. Lerne daraus die langwierigen und späten Erfüllungen, die ich hinsichtlich unserer Herren und Kaiser aufzeigte. 

DIE TRAUMDEUTUNG IN DER NEUZEIT – ALLGEMEINES 
Ernst Aeppli (20. Jh. n. Chr.) 
DAS WESEN DES TRAUMES 
Das Erlebnis des Traumes 


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Das Erlebnis des Traumes gehört zu den persönlichsten, sich wiederholenden Erfahrungen des Menschen. Er und kein anderer träumt seine 
Träume, erlebt dieses oft fremdartige Nachtgeschehen. Fremdartig, weil es ohne sein Zutun sich ereignet and sich abspielt in einer Welt, die 
gar nicht die ihm vertraute Welt des Tages ist. Es gibt auch Nichtträumer. Einige wenige behaupten, sie hätten überhaupt noch nie einen 
Traum gehabt, wüßten nicht, was damit eigentlich gemeint sei. Doch leugnet keiner die Existenz dieses Phänomens, obwohl es ihm nie 
passierte. Er scheint durchaus zu begreifen, worum es sich handelt; ja die meisten Nichtträumer haben offenbar tief innen die Erfahrung 
eignen Traumes doch gemacht. Dennoch werden sie, falls sie überhaupt ein Gelüsten ergreift, in das ihnen verhüllte Land zu wandern, es 
schwer haben, dieses Buch zu verstehen. Doch könnte es sich ergeben, daß sie während oder nach der Lektüre dieses Buches anfingen, selbst 
zu träumen. Damit wäre dieser kleine Führer der beiläufig gefundene Schlüssel, der sie hinabsteigen ließe in das innere Haus der 
Traumschauspiele. Und sie hätten von nun an Teil an dem Auftreten von Gestalten und Mächten, von denen sie sich zuvor eben nie haben 
träumen lassen. 
Den meisten Menschen reicht die Seele aus ihrer unerschöpflichen Natur im Schlaf das herrliche Geschenk der Träume, wobei ihnen von 
diesem Schenken am hellen Tage nur noch eine flüchtige Erinnerung, eine leise Stimmung der Freude, der Trauer, der Unruhe zurückbleibt. 
Der Traum der Nacht ist ein natürliches Unternehmen der Seele. Er sagt uns nicht, warum er da ist und es scheint ihm gleichgültig zu sein, 
ob er beachtet wird oder nicht, ob ein Gespräch des Bewußtseins mit seinen am Morgen erinnerten Inhalten anhebt. Er scheint seinen 
Zuhörer and Zuschauer, das bewußte Ich, nicht besonders wichtig zu nehmen. Er geht selbständig, autonom seiner nächtlichen Wege. In 
einem modernen Gleichnis sagt C. G. Jung, daß man sich einen Traum immer vorzustellen habe als ein Gespräch, das in der unbewußten 
Seele vor sich geht. Daraus fangen wir, wie am Radio oder am Telephon, einzelne Teile auf : "Plötzlich sagt irgend einer etwas, Sie hören 
einen Satz aus einem Gespräch heraus, dann bricht das Gespräch wieder ab, und nun sollen Sie rekonstruieren, wem etwas gesagt wurde." 
Hier mag beigefügt werden, daß der große Forscher annimmt, daß die Seele immer träume, was nur wegen des "Lärms", den das Bewußtsein 
macht, überhört werde. 
Im Traume herrscht eine erstaunliche Selbstverständlichkeit. Und solange man noch nicht dem Aufwachen zu nahe ist, solange noch kein 
Strahl durch die geschlossenen Fensterläden vom Tagesbewußtsein in die Traumlandschaft fällt und damit das Bewußtsein aufdämmert; daß 
man ja "nur" träume, nimmt der Träumer auch an den sonderbarsten Traumvorgängen keinen Anstoß. 
Man ist vielleicht erschreckt, aber nicht erstaunt, wenn ein Löwe durch unsere Traumgassen schreitet, Feuer unter dem Fußboden glimmt,
eine Überschwemmung unser Haus bedroht. Längst verstorbene einstige Lebenskameraden sind da, und wir sprechen mit ihnen, als wären 
sie nie dahin gegangen von wo keiner zurückkehrt, uns Kunde zu bringen. Wir sind sehr mangelhaft oder phantastisch gekleidet, und keine 
Umwelt regt sich darüber auf. Es ist selbstverständlich - so fern es in den Absichten und Notwendigkeiten unseres täglichen Lebens auch 
liegen mag - daß wir, mit der Furcht zu spät zu kommen, nach einem sehr fremd anmutenden Bahnhof eilen, um nach einer fernen Stadt zu 
fahren, mit der uns nichts verbindet als das unwahrscheinlichste Traumgeleise. Wer wundert sich darüber, daß er längst erledigte 
Schulprüfungen noch einmal zu bestehen hat, wer findet es auch nur beglückend, wenn er, wie im Märchen, einen Goldschatz entdeckt? Und 
im tiefen Traume kann auch der Kinderlose, kann die ungestillte Sehnsucht einer alternden unverheirateten Frau ihr eigenes Traumkind an 
der Hand führen, im Schoße halten. Es ist einfach so, daß man in einem unbekannten Berufe steht; es kann ein dringender Wunsch jenes 
Träumers sein, die Kirche auf dem Berge oder am unbekannten Ort in unbekannter Stadt zu erreichen, selbst wenn er bewußt außerhalb alles 
Religiösen und jeder Kirche wohnt. Ist man nicht im Traume ein Kind, das barfuß geht, Süßigkeiten haben möchte, ein milder Soldat oder 
einsamer Forscher in fernen Weltteilen? Es ist einfach so, daß man krank ist, es ist einfach so, daß man in einer unmöglichen 
Lebensbeziehung sich vorfindet. Es ist so, daß sich alles wandelt und das Geschehen nach vom Bewußtsein nicht erfaßbaren Gesetzen 
abläuft. 

Traum und Schlaf 
Der Traum geschieht im Schlaf. Echter Traum kann ohne Schlaf oder schlafähnlichen Zustand weder entstehen noch bestehen. Rank sagt in 
einer neueren Schrift: "Bedingung des Traumes ist der Schlaf, diese nahezu vollkommene Abschneidung des Ichs von der Realität, mit seiner 
tiefen Verwandtschaft zum Tode, die dem Traum zugleich die hohe Subjektivität des Auf- sich- selbst- gestellt-seins und die 
unausschöpfliche Tiefendimension des Allverbundenseins verleiht." 
Man hat heute erkannt, daß der Schlaf eine der großen Notwendigkeiten des Lebens ist. Jedermann weiß, daß man wohl ein zwei Tage 
dursten, mehrere Tage, ja einige Wochen ohne Speise sein kann, daß aber bei schlaflosen Ganztagen schwere Störungen eintreten. 
Es ist nicht Aufgabe dieser Darstellung, über den Schlaf, in den der Traum sich einbettet, durch den hindurch er sich unserm Bewußtsein 
nähert, ein mehreres auszuführen. Schlaf ist nicht Traum, Traum ist nicht Schlaf. Traum ist psychisches Leben im Schlafzustande des Leibes. 
Es kann uns nicht entgehen: Das Ich verhält sich stets etwas mißtrauisch gegenüber den Ansprüchen des Schlafes. Nur ungern gibt es den 
Stab seiner Macht aus der Hand; ist es doch nie Herr des Schlafes. Es neigt dazu, den Schlaf zu entwerten, und die Feststellung, daß wir fast 
ein Drittel unseres Lebens im entbewußteten Schlafe liegen, hat für den Intellekt vieler Menschen etwas außerordentlich Störendes. Im 
Leistungsbuch manches Menschen figuriert der Schlaf auf der Seite der unnötigen Dinge, der verlorenen Zeit. Vielleicht fügt er bei, daß 
gerade in diesen Stunden, da man nicht selbst die Führung hat, so närrische Dinge wie der Traum sich ereignen können. Vielleicht versucht 
er es mit Steigerung des Wachbleibens, nicht zum Gewinn für seine Gesundheit. Es gibt freilich anderseits auch unfreiwillige Schlafrekorde, 
die weit in das Tagesleben hineindauern. Diesen Leuten verläuft auch ihr sogenannt bewußtes Leben wie ein wertarmer Traum, in dessen 
Ablauf sie nicht einzugreifen vermögen. 
Wer den Schlaf aus einer Bewußtseinsüberheblichkeit heraus mißachtet, der wird erst recht den Traum entwerten. Das hindert nicht, daß er 
wie jeder andere schlafen muß, und daß die Träume ungerufen ihr Gespräch mit ihm beginnen. 
Die Physiologen unterscheiden zwischen dem flachen und dem tiefen Schlafe. Es ist zu vermuten, daß das Unbewußte stets, auch im 
Tiefschlafe, im großen Spiele seiner Traumbilder steht. Einer der einsichtigsten Traumforscher des neunzehnten Jahrhunderts, Pfaff, kam zur 
Gewißheit: "Nur der Körper bedarf des Schlafes, nicht die Seele!" Jene Bilder der Seele werden uns aber nicht bewußt. Die uns bewußt 
werdenden Träume geschehen im flachen Schlaf. 
Nur wenige Menschen schlafen abends, kaum haben sie sich hingelegt, auch sogleich ein. Wo es so ist, sind die Träume selten! Es ist, als ob 
die Sofort-Einschläfer, es sind fast immer Schizothyme, eben gleich in den Tiefschlaf fielen. Der Hauptteil der Einschlafenden aber wird 
zuerst an hypnagogischen, an Einschlafbildern vorbeigeführt, welche aus der Tiefe aufsteigen; er ist eine Zeitlang im Zustande des 
Eindämmerns, da Stimmungen und Erlebnisse des Tages, allerlei Phantasien und jene Bilder durcheinander gehen. Dieses Ineinanderfließen 
von Einschlafbildern wird der nicht stören, der einschlafen möchte; er wird die Bilder nicht bewußt festhalten wollen, sonst wird er wieder 
"taghell" wach. 
Man hat immer wieder Menschen beobachtet während sie schliefen, hat eifrig festgestellt, wie oft sie ihre Lage verändern, sich drehen, sich 
strecken oder zusammenziehen. Viele Autoren, die ihr Interesse nur den Begleiterscheinungen des Traumgeschehens zuwenden, stellen fest, 
daß der träumende Schläfer sein lebhaftes Träumen dem Betrachter durch Unruhe verrät. Es zeigen sich Versuche körperlicher Bewegung.
Dazu hat Hoche auch eine Änderung der ruhigen Atemtiefe konstatiert: "Der Ablauf des Atmens war oft so, daß der Schläfer träumen 
mußte." 
Es hat sich selbstverständlich schon öfters die Frage erhoben, ob der Traum nicht zur Störung des Schlafes führe. Uns scheint, daß es dort 
geschehe, wo das Problem, das sich im Traum ausdrückt, eine übermäßige Konfliktspannung besitzt, der Traum also zu sehr energiegeladen 
ist. - Schlaf und Traum haben je eine lebenswichtige Funktion. Man wird nun in Anbetracht der regulierenden Fähigkeiten unserer totalen 
menschlichen Natur vernünftigerweise nicht annehmen wollen, daß es dem Traume erlaubt sei, ein Störer des Schlafes zu werden. Im 


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Ganzen scheinen vielmehr die beiden Funktionen, die physiologische des Schlafes und die psychologische des Traumes, miteinander gut 
auszukommen. Jeder Träumer aber hat es schon öfters erfahren, daß ihm aus schwerer Traumsituation als Rettung nur das Erwachen blieb. 
Der erste wissenschaftliche Traumforscher der Neuzeit, Sigmund Freud, hat mit seinen Schülern angenommen, daß alle Träume in gewissem 
Sinne als "Bequemlichkeitsträume" aufzufassen seien, da sie "der Absicht dienen, den Schlaf fortzusetzen, anstatt auf die Einwirkung eines, 
sei es äußern, sei es somatischen oder psychischen Reizes zu erwachen." 
Freud behauptete geradezu, der Traum sei mit seiner "Verhüllung" und Verharmlosung der meist sexuellen Triebgewalten - auf ihnen blieb 
leider der Blick dieses großen Forschers, seltsam fasziniert, dauernd haften - ein Hüter des Schlafes. Als würden ohne die Beschwichtigung 
durch den zensurierten Traum im Menschen unaufhörlich die Hunde der Triebbegierde durch die Nacht bellen.
Der Übergang von Schlaf und Traum ins Erwachen vollzieht sich, wie das Einschlafen, nach der Wesensart des Schläfers. Der eine erwacht 
rasch und unvermittelt, die letzten Traumfetzen vom sofort sich klärenden Bewußtsein wegwischend; der andere gleitet, noch halb im 
Traume, aber doch schon mit dem Wissen, daß er träumt, in den Tag hinüber. Das Aufwachen ist die eigenartige Durchgangsstelle von der 
Schlaf- and Traumwelt hinüber in die bewußte Tagwelt. Wie viele zögern, aus der nächtlichen Existent hinauszuwandern in ihren 
alltäglichen Morgen, wenn die Türe des hellen Tages aufgeht. Gerne möchten sie im Raume ihrer Träume bleiben, mit allen Mitteln 
versuchen sie die unangenehme Helligkeit zu verscheuchen. Andere aber wachen mit der frischen Empfindung auf: nun ist die Nacht zu 
Ende und mit ihr auch der törichte Traum. 
Jeder Traum, den wir behalten, scheint erst in der Nähe des Erwachens zu uns zu kommen. Der Philosoph Schelling war schon vor einem 
Jahrhundert der Meinung "Träume sind die Vorboten des Erwachens. Die Träume der Gesunden sind Morgenträume." Es ist klar: Wäre das 
Bewußtsein nicht ans Lager getreten, könnten wir die Träume nicht behalten. Von den Träumen des Tiefschlafes wissen wir nichts. Wir 
merken nur als Zuschauer, wie etwa ein Schläfer zu reden beginnt, jemanden ruft, abwehrende Gebärden tut, aufstehen möchte. 

Dauer des Traumes 
Manche Menschen sind in ihrer Fragestellung an die Erscheinungen des Lebens von einer rührenden Bescheidenheit. Im Grunde interessiert 
sie nur das Kuriose, auf das manche "Briefkasten" der Zeitungen und Zeitschriften und das "Wissen sie schon . . . ?" kleiner belehrender 
Rubriken freundliche Antwort gibt. So wollen viele Leute, gerät das Gespräch auf Träume, nur noch einmal die merkwürdige Tatsache 
bestätigt hören, daß der Vorgang des Traumes, an der Uhrzeit gemessen, ganz kurz dauert. 
Es ist wirklich und erstaunlicherweise so: selbst Träume, die uns durch viele Ereignisse hindurchjagen, sich in immer neue Situation hinüber 
verwandeln, geschehen in sehr kurzer Zeit, in wenigen Sekunden; selten ist es mehr als eine halbe Minute. 
Darüber bestehen Versuche und unfreiwillige Erfahrungen. Es kann vorkommen, daß ein Schläfer von seinem Lager herunterfällt und sofort 
ob seinem Fall erwacht. Nun erzählt er einen kurzen Traum, der ihn sehr zielsicher, etwa auf einer Bergwanderung, in die Situation eines 
möglichen und im Traume auch geschehenden Absturzes führt. 
Immer wieder wird die tatsächlich sehr bezeichnende Geschichte eines Adeligen aus den blutigsten Tagen der französischen Revolution 
angeführt. Diesem Herrn fiel, während er schlief, eine Stange des damals üblichen Bettvorhanges auf den Nacken, woran er erwachte. Vorher 
aber träumte er eine lange Leidensgeschichte. Er wurde darin gefangen genommen, er stand vor dem Revolutionstribunal. Zum Tode 
verurteilt, führte man ihn hinaus nach dem Schaffot -das Beil der Guillotine sauste auf sein Genick nieder - er erwachte entsetzt am 
Nackenschlage jener Stange des Betthimmels. Man hat auch schon in die Nähe eines Schlafenden einen Schuß abgefeuert, worauf dieser 
erschreckt auffuhr, nicht ohne hernach eine Traumgeschichte vorzubringen, welche in einer Schießerei endete.
Man hat Schläfer mit Wasser begossen, welche dann einen längeren Traum, der sie vom Quai ins Wasser fallen ließ, erzählen. Ähnliches 
geschieht, wenn irgend ein Gehörseindruck, ein Lichtreiz das Erwachen verursacht. Jeder äußere Reiz kann aus dem Vorrat der Bilder undAbenteuer, der Freuden und Ängste, die in der Seele bereitliegen, eine ganze Erzählung zusammenbringen, die dann als Traum in kürzester 
Zeit abläuft. Vermutlich dauert ein Traum nur wenige Minuten, gelegentlich auch nur einige Sekunden. Innenzeitlich, seelenzeitlich aber ist 
das Traumgeschehen oft von langer Dauer. Eine kleine Erfahrung dieser Art macht mancher, der während einer Sitzung oder im abendlichen 
Konzerte für einen Augenblick einnickt, in eine geringe Schlaftiefe hinabsinkt und dabei, fallend und wieder aufsteigend, durch eine ganze 
Bilder- oder Erlebnisreihe hindurchgeht. 

Traumstimmung 
Viel bedeutsamer als die Traumdauer - ihr tiefstes Problem bleibt das Verhältnis von objektiver Außen- und von subjektiver Innenzeit - ist 
das Vielen vertraute Erlebnis der Traumstimmung. Es ist damit nicht die Stimmung während des Träumens selbst gemeint, sondern die 
Stimmung, welche der Traum zurückläßt. Diese Traumstimmung bleibt oft stundenlang zurück, auch wenn der Traum versunken, schon am 
Morgen nicht mehr erinnerbar ist. Es ist eine Atmosphäre des Glückes oder des Erschreckens, eines stärkern Lebensgefühles oder einer 
unbegreiflichen Beengtheit. Man ist am Morgen schweren Herzens erwacht, und das schwere Herz bleibt der Begleiter den ganzen Vormittag 
hindurch. Man hob die Augen in das Licht eines neuen Tages, wunderbar gestärkt von einem Geschehen, an das man sich nicht mehr 
erinnert, das aber aus seiner nicht erreichbaren Ferne noch hineinglänzt in das Tun des Tages. 
Diese Nachstimmung läßt schließen auf die Stimmung im Traume selbst. Wie oft wird beiläufig am Morgentisch bemerkt: "Ich hatte einen 
schönen Traum. Den Inhalt weiß ich nicht mehr, aber es war ein guter, ein beglückender Traum." 
Jeder Träumer erwacht nach traumreicher Nacht -falls er nicht belangloses Kleinzeug geträumt hat -mit einem positiven oder einem 
negativen Gefühl. Dessen Intensität veranlaßt ihn vielleicht, den Traum möglichst zu behalten oder aus Resten zu rekonstruieren. Mit Recht 
scheint ihm etwas, das solche Wirkung auf sein Gemüt und dessen Stimmung hat, von Wichtigkeit zu sein. Entgegen den Erfahrungen des 
Verfassers dieses Buches betonen manche Traumforscher, daß die Traumstimmungen unangenehmer Art bei weitem überwiegen. Hoche 
meint etwas trübselig: "Auch darin ist das Stimmungsleben des Traumes ein Spiegelbild des Tages, in dem mehr unangenehme, gereizte 
Zustände vorherrschen." Aber auch Kant hat in einer Zeit schwerer Träume unwillig in sein Tagebuch geschrieben: "Es muß keine 
Nachtschwärmerei geben!" Was versuchte da wohl, aus nicht anerkannten Seelenbezirken in das Leben des einsamen Denkers zu kommen? 
Der Romantiker Novalis dagegen, früh schon nahe der Tiefe eines leisen und reinen Todes, bezeichnet den Traum als eine Erholung, als ein 
Wegfahren vom Alltäglichen. Ist es nicht wirklich so, daß viele Menschen immer wieder dankbar sind, sich aus der grauen Monotonie eines 
doch nicht zu umgehenden Alltags in schöne nächtliche Träume begeben zu dürfen? 

Das Traumgeschehen 
Der Betrachter eigner Träume fragt sich nicht nur: Warum kam ich wohl zu diesem Traume? Er fragt auch: Warum scheinen im Traume zwei 
Geschehnisse, die für unsern Verstand nicht das Geringste miteinander zu tun haben, einander zu bedingen? Sein Bewußtsein wird irritiert 
durch die unlogischen Zusammenhänge von Ursache und Wirkung. So darf eine jüngere verheiratete Träumerin eine Brücke nicht 
überschreiten - es wird ihr dies von einer Art Polizei verwehrt -, weil sie ihre Handtasche zu Hause im Schrank versorgt hat. Oder es träumt 
jemand, er habe mit zwei unbekannten Kindern nach dem Bahnhofe zu gehen. Dort stehen zwei Züge zur Abfahrt bereit. Der Träumer 
verliert auf dem Wege seine kleinen Begleiter, sucht aber nicht nach ihnen, da er in Eile ist und ihn die Kinder nichts anzugehen scheinen. 
Wie er auf dem Bahnsteig ankommt, sind beide Züge nicht mehr da, sie sind weggefahren. Der Bahnhofinspektor erklärt, weil die Kinder 
verloren gingen, seien auch die Züge davon gefahren. Als hätten diese Kinder eine entscheidende Beziehung zur Abfahrt der Züge gehabt. 
Solche Begründung wird dem Kopfe nie einleuchten. Und doch ist es so - um dies vorweg zu nehmen - daß der, der seine innern jungen,
werdenden Möglichkeiten, deren Symbol das Kind häufig ist, aus den Augen verliert, nicht weiter kommt. Ähnliche Zusammenhänge finden 
wir in allen Märchen, die den Träumen aufs Tiefste verwandt sind. Wie im Märchen erging es jenem Träumer, der vor einem verschlossenen 


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Hause einen Bettler traf. Dieser glich einem einstigen armen Schulkameraden, den er längst vergessen hatte. Als er mit ihm einige Worte 
sprach, öffnete sich die Tür des Hauses von selbst. Aber es war nun nicht ein Hausinneres, in das er trat, sondern ein Garten, in dem eine sehr 
schöne unbekannte Frau saß. Das Gespräch mit dem Bettler erst ermöglichte ihm einzutreten. Ein anderer Träumer bestand sein Examen 
nicht, weil er unrichtige Schuhe trug. Ein dritter hatte den Namen eines Tieres vergessen und geriet deshalb in die Haft eines sonderbaren 
Gefängnisses. 
All diese Begründungen sind dem Träumer während des Traumes durchaus genügend, ja einleuchtend. Er unterwirft sich den Konsequenzen 

- das Bewußtsein aber findet sie von einer absurden Sinnlosigkeit. 
Der deutsche Psychiater Hoche hat sich viel mit der Erforschung des Traumvorganges, des Traumerlebnisses beschäftigt, ohne freilich, was 
uns bei so viel Bemühen fast tragisch anmutet, einen Traumsinn zu finden. So führen seine Beobachtungen am Wesentlichen vorbei und 
bleiben an dem hängen, was mehr den Physiologen angeht. Er behauptet, daß im Traum der visuelle Eindruck, die Augenerlebnisse, die 
Erlebnismöglichkeiten des Gehörs, des Tastsinnes oder anderer Sinne bei weitem überwögen. Ganz besonders selten würde im Traum ein 
Geruch wahrgenommen. Häufiger dagegen sei das Empfinden von Wärme und Kälte, von Feuchte oder von Trockenheit. Dies alles sind 
Konstatierungen am Traumrande bloß! 
Hoche hat auch bemerkt, daß im Traume sich das Geschehen in einem erleuchteten Mittelfeld abspielt, daß aber "den meisten Träumern das 
Bestehen des großen, einrahmenden Dunkelfeldes gar nicht zum Bewußtsein kommt". Das wäre also, wie jedem Leser sofort auffällt, die 
Situation der erleuchteten Bühne während einer Aufführung, sei es Oper oder Drama! In welch umfassenderem Sinne das Traumgeschehen 
vor dem meist einzigen Zuschauer, dem Träumer, der freilich auch gleichzeitig Schauspieler auf der Bühne sein kann, einem Drama gleich 
abläuft und wie sehr der Traum in seinem Aufbau und in seiner Szenenfolge solchem Schauspiele vergleichbar ist, wird ein späteres Kapitel 
dartun. 
Hoche glaubt auch feststellen zu können, daß im Traume wenig eigentliche Bewegung, etwa ein Marsch, die Fahrt eines Wagens, wirklich 
geschieht. Es sei nur das Wissen darum da, daß die Leute marschieren, daß der Wagen fährt. Dabei sieht Hoche die Traumgestalten, im 
Gegensatz zu sehr vielen uns berichteten Träumen, nicht von links oder rechts herkommend, sondern immer vom dunkeln Hintergrund in die 
erhellte Bühnenmitte hineintreten. 
Vom Vergessen und Behalten 
Die Träume sind trotz ihrer großen Lebhaftigkeit, ihrer auffälligen Originalität, ihrer Eindrücklichkeit dem Behalten nicht günstig gesinnt. 
Der Traum wird bald vergessen. Dieses flüchtige Gebilde der Seele ist rasch dem Verderben ausgesetzt. Es gleitet zurück in die unbewußte 
Tiefe, die seine Herkunft und seine Heimat ist. Wie mancher, der in seinem Traume auf einer ereignisreichen Reise sich befindet, versucht, 
schon halb erwacht, weiter zu reisen, fort zu träumen. Er hält sich ganz stille, stets in der Furcht, der Traum gehe sonst nicht mehr weiter. 
Wie jeder weiß, der schon Ähnliches versuchte, gelingt diese Überlistung des Unbewußten selten -nämlich nur dann, wenn dieses mit 
seinem Traume wirklich noch nicht zu Ende ist. Meist aber ist der Morgen des Erwachens, feindlich dem Traume, unerbittlich da. " 
Der junge Gottfried Keller legte sich ein kleines Traumbuch an und notiert darin, daß er sich in "Träume verlor, die sehr schön waren; denn 
es reut mich sehr, daß ich alles vergessen habe. - Ich glaubte, ich träumte von der Winterthurerin, weil mich noch immer eine Sehnsucht 
treibt, diese Träume auszugrübeln, aber es ist vergebens. Man sollte sich während besonderer Träume besondere Kennzeichen machen 
können." 
Man vergißt seine Träume meist sofort, beim Ankleiden schon, sicher im Laufe des Vormittag. Mit einer Ausnahme, von der später die Rede 
sein wird. Aber es kann geschehen, daß mitten in der Arbeit, während eines Gespräches, in der Straßenbahn, bei häuslicher Hantierung, ja 
während des Geklappers eifriger Büromaschinen, der Traum wieder auftaucht. "Jetzt fällt mir plötzlich der Traum von heute Nacht ein", sagt 
man wohl zur Arbeitskollegin. Und wenn möglich muß sie ihn rasch mitanhören. Oder es ragt ein kleines rotes Fädchen aus dem 
Nichtmehrwissen des Traumes heraus, ein winziger Traumteil, und es ist möglich, an diesem Faden den ganzen Traum "herauszuziehen". 
Wem es aus noch darzulegenden Gründen wichtig sein muß, die Träume zu behalten, der merke sich im Aufwachen rasch ein paar 
Stichwörter; etwa so: Haus des Onkels, Markt, Postkarte, Theater, Fahrrad vorm Haus, die jungen Katzen, Regen, Inserat, der gelbe Brief . . . 
Will man seine Träume behalten, aus eigenem Antrieb - und das wird für einen Menschen in der zweiten Lebenshälfte oft notwendig sein oder 
weil der Berater nach Träumen fragt, dann sollte auf einem nahen Tischchen Blatt und Schreibstift bereitliegen. Aber man hüte sich, auf 
Traumjagd auszugehen. Es bedeutet eine Schädigung des vielleicht schon labilen seelischen Zustandes, wenn man nachts sich immer wieder 
aufwachen heißt, damit man ja sich oder einem therapeutisch interessierten Andern den gewünschten Traum vorweisen kann. 
Der im Wachzustand aufnotierte Traum, in sehr vielen Stichworten festgehalten und hernach ausgeführt, läßt uns immer ahnen, wie manche 
Feinheit, wie manche Differenzierung uns schon verloren gegangen ist. Der Traum und das Wachbewußtsein sind nun einmal nicht Freunde. 
Man kann freilich auch in einem genaueren Behalten der Träume Übung gewinnen, die sich reichlich lohnt. Dennoch: haben wir einen 
Traum in seinen wesentlichen Zügen aufgeschrieben und lesen wir ihn nach einigen Tagen wieder durch, dann sind oft nur Worte und Sätze 
da, aber keine zusammenhängenden Vorstellungen mehr. Es ist geschriebene, aber nicht recht wiedererlebbare Erinnerung. 

Die Sprache des Traumes 
Der Traum ist die nächtlich vernehmbare Sprache des Unbewußten. Wohl scheint die unbewußte Seele nur für sich selbst zu träumen, wir 
aber glauben uns vom Traume angesprochen. Wir nehmen den Traum auf als eine Mitteilung, bei der, wie Felix Mayer bemerkt, "niemand 
sichtbar zugegen ist oder in Gedanken vorgestellt wird, außer der eigenen Person". 
Wer immer sich mit dem Traume praktisch beschäftigt, kommt zur Vorstellung einer übergeordneten, den Traum aufbauenden und leitenden 
Instanz; dabei dürfen wir nicht annehmen, daß es die Absicht dieses Traumschöpfers ist, unser Ich anzureden. Doch darüber an anderer 
Stelle. 
Ob nun die Traummitteilung eigenartiges Selbstgespräch der Seele ist, das wir mit anhören dürfen, oder ob sie wirklich uns anredet, bleibe 
dahingestellt. Offensichtlich aber besteht die Traumsprache viel weniger aus dem, was wir Sprache nennen - wohl vernehmen wir im Traum 
etwa eine Stimme, oder es werden sprachliche Formulierungen wiederholt - vielmehr besteht sie in Bildern und Handlungen, die eingebettet 
sind in eine besondere Atmosphäre, die von uns eben als Traumstimmung empfunden wird. Die Traumerzählung, welche wir uns am Morgen 
wiederholen, ja vielleicht sogar niederschreiben, halten wir allzu leicht für den Traum selbst, während sie doch nur einen Bericht über den 
Traum darstellt. Das Traumgeschehen stellt, entgegen der Auffassung Freuds, eben den Traum selbst dar; es ist der Traum nicht bloß die 
sichtbar gewordene Erscheinung einer hintergründigen Absicht. Für uns ist der Traum die in sich ruhende nächtliche Aussage der Seele. Wir 
sprechen deshalb nicht wie die Psychoanalyse von einer Traumfassade, hinter der erst die eigentlichen Traumgedanken als "latenter Traum" 
sich tarnen. Jeder Traum ist eine psychische Einheit. Wenn uns am Morgen nur einige wenige Bruchstücke als Traumerinnerungen 
zurückbleiben, so behaupten wir, leider nicht den ganzen Traum zusammenbringen zu können. Wir glauben damit von vorneherein an eine 
Ganzheit, an eine geschlossene, sinnvoll gefügte Traumgestalt, von der uns eben nur Einzelheiten im Gedächtnis geblieben sind. Der 
Baustoff dieser seelischen Erscheinung, genannt Traum, das, worin sie sich ausdrückt, kann von verschiedenster Herkunft sein, doch ist 
selbstverständlich alles Material psychisch erlebt. Der Traum hat offenbar die umfassendste Kenntnis aller psychischen Geschehnisse und 
Möglichkeiten. Es ist, als wohne er in einem Zentrum, von welchem der Blick über das Allernächste bis in die dunkelste Menschheitsferne 
geht, und es scheint, als ob er sich immer wieder die eine Frage stelle: Wie bilde ich die gesamtseelische Situation meines Menschen im 
Material persönlicher und überpersönlicher Erfahrung ab? Wie kann ich durch ein richtig gesetztes Nacheinander der Traumelemente den 
derzeitigen innerseelischen Ablauf im Einzelmenschen besonders deutlich machen? Man möchte die Instanz, welche das Traummaterial heraufholt 
und mit sicherer Hand aneinanderfügt, gerne vergleichen mit dem allwissenden Leiter eines mächtigen Archivs, einer gewaltigen 


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Bibliothek. In dieser Bibliothek stehen die Berichte von allen Geschehnissen unseres gegenwärtigen Lebens, die kleinen Notizen unseres 
Alltags und die Darstellung der Abläufe unserer Unternehmungen. Da sind auch die Aufnahmen, die unsere Sinne machten. Kaum 
angesehen, haben wir sie wieder weggelegt - seien es Beobachtungen auf der Straße, draußen in der Natur, sei es, was wir flüchtig uns in 
Bildzeitschriften ansahen. Was je uns in kurzer Lebenszeit begegnete, die tausend und abertausend oft unwichtigen Einzelheiten, die unsere 
Biographie vor allem ausmachen, eingeschlossen unsere Bildungserlebnisse, die ganze Vergangenheit, die als ein Vergessenes in uns ruht, 
greift der Schöpfer des Traumes mit rascher Hand auf: den längst vergilbten Brief, jenes Gespräch in Ferientagen, die interessante Notiz oder 
politische Meldung aus Buch oder Zeitung, die verblaßten kleinen Taten unserer Jugendzeit wie die vielen, vielen Worte, die wir je hörten 
oder lasen. Keiner weiß, was im Archiv seiner Seele scheinbar für immer begraben liegt. Jener "Archivar" aber hat alles, was sich 
angesammelt, um sich, hebt es empor in unsern Traum, belebt es aufs neue mit seiner Kraft. Anders gesagt: Das von uns selten geöffnete, 
vieltausendseitige Tagebuch unseres Lebens ist dem Dichter unserer Träume Seite für Seite wohlvertraut. All das, was einst unser war, in 
irgend einer Beziehung zu uns stand, bildet den Inhalt des persönlichen Unbewußten. Es ist verarbeitetes oder unverarbeitetes Damals, vom 
Nachdrängen neuer Erlebnisse beiseite geschoben, unbewußt geworden. In den Magazinen und Vorratskammern der Seele und in 
bewußtseinsnahen Abstellräumen wartet, was wir erlebten, darauf, ob der Traum seiner Inhalte, seiner Gestalten wieder bedarf. 
Ein Mensch ohne Erinnerung ist bekanntlich ein psychisch Schwerkranker, einer, der nicht mehr in seiner eigenen Dauer lebt, einer, der nicht 
zurückgreifen kann auf das, was ihm die Lebensjahre vorher zufallen ließen. Ihm fehlt das Gedächtnis, das ihn mit dem Leben verbindet, 
welches ja immer gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und sich entfaltende Zukunft ist. Dem normalen Menschen werden, wenn er ihrer 
aus gewissem Grunde bedarf, jederzeit die zur Stunde wichtigen vergangenen Dinge lebendig. Kann doch nicht einmal ein Gespräch ohne 
Vergangenheitsbezug, ohne stetes Wiederanknüpfen bestehen. 
Die meisten Menschen sind in ihren Wohnräumen von Bildern, Gegenständen und oft auch von Menschen umgeben, die nur Vergangenheit 
verkörpern. Auch da bleibt der Zusammenhang mit der eigenen Entwicklung, mit der Entwicklung der Familie gewahrt. Diese Tradition 
umgibt uns aber auch dann, wenn wir ihrer nicht bedürfen; sie kann uns sogar von einer lebendigem Gegenwart und vor den Möglichkeiten 
der Zukunft stehen. Nicht so jene Vergangenheitsinhalte, welche der Traum aus uns hervorholt. Erfahrungsgemäß, und man kann da nur von 
Erfahrungen sprechen, bringt er nämlich bloß das herauf, was mit unserem "Jetzt" zu tun hat. Sei es, daß das Vergangene wohl geschehen, 
aber noch nicht verarbeitet ist und wir deshalb davon träumen müssen, um es zu überwachsen, sei es, daß irgendeine vergangene Situation 
den Keim zum heutigen Inhalt gelegt hat und wir, um dieses Heute zu verstehen, auf jenen seinen Ursprung zurückgreifen müssen; sei es, 
daß in einer vom Traum scheinbar wiederholten und doch lebendig veränderten Situation das zutreffendste Bild und Gleichnis gewonnen 
werden kann für all das, was uns jetzt geschieht. In der Sprache der persönlichen Erinnerungen reden viele, bei manchen Leuten die meisten 
Träume. Dabei kann diese Erinnerung reichen vom Vortagserlebnis, dessen rasches Wort uns noch auf der Zunge liegt, bis hinüber in die 
allerfrühste Kindheit, zurück also, wie man weiß, bis ins zweite Lebensjahr. Einige Traumforscher vermuten, daß schon der bedrängende Akt 
des Geborenwerdens und all das, was weiter dem kleinen Kinde geschah, in dem Traume als schwer deutbares, aber höchst gewichtiges 
Element auftaucht. 
Der Traum ist ein Hüter der Tradition, aber er geht mit deren Inhalten höchst frei um. Alles, was je geschah, alles, was einmal lebendige 
Form gewonnen, dient ihm nun als Material, um die Gegenwart abzubilden oder das Bild der Zukunft anzudeuten. Es ist eine der 
Selbsttäuschungen des Träumers, wenn er glaubt, Träume, die ihn zurückführen in Tage, die vielleicht schöner waren, Träume, die geliebte 
Menschen zu ihm zurückbringen, wollten ihm damit eine Zuflucht schenken, in der er sich von der konfliktreichen Gegenwart abwenden 
darf. Vielmehr meint der Traum immer Gegenwart. Vielleicht wollten die erwähnten schönen Erinnerungsträume gerade aus ihrer Fülle 
heraus etwas in unsern gegenwärtigen Tag hineintragen, das zum Keim einer neuen Lebenseinstellung, zum Anfang einer neuen Lebensepoche 
werden könnte. Indem ohne unser Dazutun im Traume das Vergangene heraufgeholt wird, werden Vergangenheit und Gegenwart 
aneinandergeknüpft, es wird die Kontinuität, die Einheit unseres Lebens, durch den Ablauf der Zeit hindurch aufrecht erhalten. Wir sind aber 
nicht nur nach rückwärts verbunden mit unsern persönlichem Erlebnissen, sondern wir gehören als Menschen der Menschheit und ihrer 
Geschichte an. Jener große Archivar hat, um im Gleichnis zu bleiben, nicht nur die Bilder und Berichte unserer individuellen Vergangenheit 
zu seiner Verfügung, nein, er scheint zudem alles zu kennen, was je geschah; er ist mächtig umstellt von den Urbildern der ganzen 
Menschheitsgeschichte. Ihrer bedient er sich, wenn in uns sich ein Grunderlebnis der Menschheit individuell wiederholt. 

Archetypen"Warum so viel Aufhebens vom Neuesten machen? Das Älteste ist mehr als das Neueste!", so fragt und behauptet der kulturpolitischeAufsatz einer Zeitschrift. Das Älteste und das Neueste sind Pole, die sich entsprechen. Dabei ist das Älteste in uns bereit, in seinem Bilde das 
Neueste, das, was wir eben erleben, zu spiegeln. Die ältesten Bilder der Menschheit, in unserm kollektiven Unbewußten aufbewahrt zu stetsneuem Dienst, enthalten den Keim und das Gleichnis gegenwärtigen und zukünftigen Lebens. In den Träumen tritt dieses Älteste an uns 
heran, und wir verbinden damit unsere Gegenwart und unsere Zukunft.
Diese Überlegungen führen uns an die Betrachtung der großen Bedeutung dessen, was die Komplexe Psychologie die "archetype Situation", 
das "archetype Symbol" nennt. Erst von der grundlegenden Tatsache dieser seelischen Erscheinung aus läßt sich die Möglichkeit der 
Traumdeutung überhaupt verstehen. Uns umschließt die große Außenwirklichkeit. Wir vermeinen sogar, in ihrer Mitte zu stehen. Ihre Güter 
werden von uns täglich erlebt und nach Möglichkeit genützt. Wir greifen da stets frisch zu. Dabei sind wir mit ihr nicht identisch; wir stehen 
der Welt vielmehr gegenüber, auch wenn sie in unser bewußtes und unbewußtes Leben hineinflutet. Die Bilder und Taten der Welt stehen als 
Erlebnisstoff jedem Menschen zur Verfügung. Sie sind auch die eine große Bezugsquelle für das Aufbaumaterial des Traumes. Die tiefste 
Innenwelt der Seele aber, das "kollektive Unbewußte", in welchem unser Ich wurzelt, ist die andere allgemeine Großwelt. Auch diese gehört 
allen und flutet aus ihrer Tiefe in jede persönliche Seele. Und doch sind wir auch mit dieser Großwelt nicht identisch. Auch sie steht uns 
gegenüber, obwohl ihr Reichtum hinaufströmt in unser persönliches Unbewußte, in unsere Phantasien und Träume und sehr oft das Ich auch 
ohne dessen Wissen beeindruckt. Diese innerste kollektive Welt ist die andere Quelle herrlichsten Traummaterials. Dieses wird im Traume 
sichtbar als urtümliches Bild, als archetypes Symbol. 
Solche Formulierung einer großen, durch die moderne Psychologie erfaßten Tatsache enthebt uns nicht der mühsamen Aufgabe, das Wesen 
und die Herkunft dieses urtümlichen Traummateriales klar zu machen. Man kann sich diesen Elementen des Unbewußten, deren Gestalt in 
ihrem steten Wechsel und deren reicher Inhalt eigentlich nur intuitiv zu erfassen sind, eben auch nur umschreibend nähern. In den 
urtümlichen Bildern, wie sie Jung nach einem Ausdruck Jakob Burckhardts nennt, erscheint all das bildhaft, was die Psyche der Menschheit 
seit ihrem Anbeginn in Wachstum und Niedergängen, in Glück und Gefahren, in der Begegnung mit den Naturmächten, den Tieren, den 
Menschen und in Erlebnissen jeder Art immer wieder erfahren hat. Der Archetyp enthält auch die traditionellen und die verlorengegangenen 
Bilder der menschlichen Beziehungen zu den "obern" und den "untern" Mächten; damit birgt er in sich die großen Symbole des Religiösen. 
Durch alle Zeiten hindurch haben die Menschen die Helle des Tages und die Dunkelheit der Nacht erlebt, und dieser ewige Rhythmus hat 
sich der Seele aufs tiefste eingeprägt. Die Menschen erfuhren die Fülle und die Armut der Jahreszeiten. Mit dem unaufhaltsamen Werden, 
Sein und Vergehen der Vegetation blieben sie aufs innigste verbunden. Sie holten einst das Feuer in ihre Existenznot hinein, sie bändigten 
Tiere in ihren Dienst und fürchteten viele tausend Jahre lang den Winter und die Wildheit jener andern Tiere, die ungezähmt blieben. 
Innerhalb der engem oder weitem Gemeinschaft der Familie, der Sippe, des Stammes erlebte der Mensch Jugendzeit und Erwachsenwerden, 
erlebte die Eltern und deren Sterben; er erlebte seine Geschlechtsbestimmtheit als Mann und Weib und deren zeugendes Zusammengehören; 
Mutterschaft und Vatersein wurden zu bedeutsamen Lebensformen, denen sich nur wenige entzogen. Das Wunder des Kindes, das 
Aufblühen der Jünglinge und Mädchen wurde von den Erwachsenen als Beglückung empfunden. Die Gemeinschaft, aber auch der Kampf 
des Einzelnen wie der großen natürlichen Verbände schufen immer wiederkehrende Situationen, in denen sich ein bestimmtes typisches 


23 


Verhalten und Erleben entwickelte. Werdende Kultur erreichte mit dem Wagen und auf dem Tier die nahe Ferne; der Kahn und die Schiffe 
fuhren über die gefürchteten Wasser, die Brücke wölbte sich erst primitiv, dann kunstvoll über den Strom. Es entstanden gesellschaftliche 
Lebensformen und erhielten sich bei allem Wandel ihrer äußern Gebärde durch die Zeiten hindurch. 
Man könnte fortfahren, freilich nicht endlos! Denn es besteht eine nur begrenzte Zahl menschlicher Grunderlebnisse, so wie auch der 
Einzelmensch nur durch wenige große Begegnungen mit dem Dasein geht. Diese sind im Archetyp zum Bild, zum sich wiederholenden 
Vorgang geworden, sozusagen ein Destillat aus allem Wesentlichen, was immer auf Erden geschah, geschieht und immer wieder geschehen 
wird. Es scheint so zu sein, daß die tausendfältige Wiederholung diese urtümlichen Bilder mit innerer Kraft angereichert hat. In ihrer Kraft 
werden die urtümlichen Bilder von Generation zu Generation weitergereicht. Die Zahl der archetypen Symbole ist also beschränkt. Dafür 
sind sie wahre Energiezentren. Jung weist in einer kleinen Bemerkung einmal darauf hin, daß es sich bei den typischen Gestalten desUnbewußten um prinzipiell Ähnliches handle, wie in dem stetigen Wiederholen von gewissen morphologischen und funktionellenÄhnlichkeiten der Natur. Es sind von vorneherein "vorhandene Formen oder biologische Normen seelischer Tätigkeiten." Nicht unser Ich 
verfügt über sie; vielmehr sind sie als ein Ahnenerbe jedem Menschen von Anfang an mitgegeben. Ohne es zu wissen, handeln wir nach 
ihnen. Und wenn wir nach ihnen handeln, handeln wir richtig. Nicht nur das körperliche Funktionieren, das sich ja zum größten Teil ohne 
unser Willenszutun nach überlieferten biologischen Gesetzen vollzieht, nein auch das seelisch-geistige Leben hat offenbar seine von Urzeiten 
her tief eingegrabenen "Bahnen", die man ohne Schädigung kaum verlassen darf. In den wesentlichen Dingen tun wir, was der Mensch 
immer getan hat, im Glück und in der Not, im Zusammenleben der Familie, im Werk des Tages und vor allem dann, wenn eine ungewohnte 
Entscheidung an ihn herantrat. Der tiefste Lebensgrund und das typische Verhalten des Menschen bleiben sich gleich, wenn sie auch die für 
jeden Einzelmenschen bezeichnende individuelle Gestaltung haben. Deshalb können wir, beiläufig bemerkt, die Berichte vom Tun der 
Menschen in vergangenen Zeiten, also deren Geschichte und vor allem die großen Dichtungen verstehen, in denen das Bild des allgemein 
menschlichen Tuns gestaltet wurde. Vielleicht noch zutreffender, wenn auch einer Sphäre entstammend, die manchem Leser fremd sein wird, 
ist der Vergleich mit jenen Formkräften, welche in einer höchst gesetzhaften Weise auskristallisierende Flüssigkeiten in ganz bestimmte, für 
sie typische Kristallformen zwingt. Man denke nur an das Wasser, das zu Schneekristallen wird. So verläuft auch das psychische Leben unter 
den Gesetzen unsichtbarer, leitender Formkräfte. Die Psychologie sucht diese bewußt zu erfassen; im Traume und in der Vision stellen sie 
sich uns als Bilder des Unbewußten vor das bewundernd erlebende innere Gesicht. 
Solche Groß-, solche Urbilder treten im Traume unter sehr bezeichnenden Umständen auf: nämlich dann, wenn es sich in der Entwicklung 
des Träumers nicht mehr um rein persönliche, sich bloß auf die private Lebensgestaltung beziehende Angelegenheiten handelt. 
Der Traum antwortet bekanntlich auch auf die Tageserlebnisse. Er tut es, wovon noch zu sprechen ist, meist mit einem sogenannten kleinen, 
einem Alltagstraum. Archetype Bilder und Symbole erscheinen also nicht dann, wenn es um dieses oder jenes Stellenangebot geht; sie 
äußern sich nicht zur Frage, ob wir nächste Woche in die Ferien fahren oder besser zu Hause arbeiten sollen. Es ist dem kollektiven 
Unbewußten in uns gleichgültig, ob wir unsere Verlobung anfangs September oder anfangs Oktober bekanntgeben werden, wie es sich auch 
nicht um den Termin unseres Wohnungswechsels kümmert. Es überläßt die Bewältigung kleinerer Probleme dem dafür zuständigen 
Bewußtsein. Mächtig strömen die urtümlichen Bilder uns dagegen zu, wenn allgemein menschliche Motive, Grunderlebnisse, wenn die 
Hauptprobleme der Persönlichkeitsbildung in Frage stehen. Sie tauchen dann auf, wenn in unserm Leben eine Stufe überwunden, eine höhere 
Stufe gewonnen werden muß. Dieses innere Geschehen, das in den meisten Menschen im Laufe ihres Lebens geschehen muß, wird nun 
begleitet von diesen Bildern, die den Glanz ewiger Frische haben. Das "Kind" war zu jeder Zeit da, Weiterleben und Zukunftsmöglichkeit 
verkörpernd. Frauen werden in die Nähe ihres tiefsten Wesens getragen, wenn sie im Traume ein Kind erwarten (es wird später davon zu 
reden sein, daß auch Männer ihr "Kind" in sich erwarten dürfen). Durch alle Zeiten hindurch haben Mütter ihre Liebe und ihre Sorge nie 
ausgehen lassen, aber auch nicht ihr Behaltenwollen dessen, was ihrem Reich entspringt. Darob sind sie als allgemeine Gestalt, als "die große 
Mutter" zeitlos geworden. Der "Krieger" hat jederzeit das Sterben angenommen oder annehmen müssen, und der "Wanderer" ist zu jeder Zeit 
durch Landschaften und Menschengruppen hindurchgegangen. Stets war man "jung", stets war man "alt", Armut und Angst waren immer da, 
und immer wieder hat das Leben seine Früchte den Menschen dargeboten. Das "Haus" wurde gebaut, und das "Feuer" verzehrte es. Strom 
und See waren jederzeit Gleichnisse des Lebens. 
Dies alles sind urtümliche Symbole. Wenn wir drinnen oder draußen an einem typisch gefährlichen Ort anlangen, in sehr tiefe Konflikte 
geraten, aber auch wenn die paar wenigen großen Freuden des Daseins aufblühen, dann greifen die Träume zurück auf die Urbilder, auf 
archetype Handlungen und Gedanken einer Menschheit, die sich selbst aus allen Nöten und in allen Erschütterungen immer wieder zurecht 
gefunden hat. Wir verbinden uns mit ihrem uralten Wissen, das sich freilich sehr selten in verstandesgemäßer, einfacher Formulierung, 
sondern eben in großen Gleichnissen mitteilt. 
Das Traumbild, das sich auf diese innern Inhalte bezieht, verstehen wir freilich oft nur mit der Hilfe eines Deuters, der sich in diesen 
Gleichnissen ein wenig auskennt. Selbst oder mit seiner Hilfe kommen wir in Berührung mit den Energien, die sich im Gefäß jener Urbilder 
sammeln. Nach einem Worte Nietzsches, der freilich manche Zusammenhänge nur ahnte, machen wir "in Schlaf und Traum das Pensum 
frühem Menschentums noch einmal durch" und speisen uns dabei aus dem Lebensvorrat, den Tausende von dahingegangenen Generationen 
als den Gehalt ihrer Erfahrung im Symbol aufspeicherten. Die tiefere Beschäftigung mit diesem Phänomen, notwendig zum Verstehen des 
Traumes, festigt uns immer mehr in der Auffassung, im Archetyp sei Leben in eine große bildhafte Ordnung zusammengeronnen. Die 
Begegnung mit ihm -sie geschieht im Traum und seiner Deutung -führt in die innere Ordnung. Wir gewinnen dabei die Haltung desDauernden, des im höchsten Sinne "Üblichen". 
Das allgemein und ursprünglich Menschliche, das unsichtbar hinter dem Einzelmenschlichen und dessen scheinbar zufälligem Tun steht und 
immer gestanden hat, spricht sich in den Träumen in allgemein verbindlichen Bildern aus. Es ist also nicht mehr ein Herr B., der in unser 
Zimmer tritt, sondern ein großer grauer Mann, vielleicht trägt er einen Kremphut und ist von einem Mantel umweht, der den großen 
Wanderer anzeigt. In uns erregt er, was zuviel Ruhe und Bequemlichkeit suchte. - Wir waren vielleicht noch nie am Meer, standen noch nie 
auf wilden Bergeshöhen, wanderten nie durch endlose Schneefelder der Ebenen oder der Firne; nicht alle haben das Schrecknis des Krieges 
durchgemacht und manche haben es verlernt, im Raume einer Kirche ihre Seele zu sättigen. Im Traume aber wogt es um unser gefährdetes 
kleines Schiff; wir überschreiten eine wilde Gletscherspalte, haben uns verirrt in eisiger Winterlandschaft. Wir befinden uns in einem 
fürchterlichen Krieg und wissen nicht, ob wir aus seinem Blut und Feuer unser Leben retten. Schöne Dome umschließen uns, und das Antlitz 
der Götter oder des Gottes leuchtet. Wer von uns hat schon einen Goldschatz gefunden? Im Traume sehen wir ihn schimmern, vielleicht 
bewacht von einem Drachen oder einem fürchterlichen Riesen. Dieses ist die eine, die Großsprache der Träume. Sie ist weit entfernt vom 
Lebensstil unserer Gegenwart mit ihren Schreibmaschinen, normierten Haushaltsgegenständen, der Zeitung, dem Postscheck und den 
landwirtschaftlichen Geräten einer entwickelten Technik. Freilich in den letzten Jahren ist diese elementare Welt in ihrer entsetzlichsten 
Form über die europäische Menschheit hereingebrochen und hat viele an die bittersten Anfänge menschlichen Seins zurückgestellt. 
Es beginnt allmählich Gemeingut psychologischer Auffassung zu werden, daß Großträume in der Sprache und ihrer Erzählung den Mythen 
und Märchen höchst verwandt sind. Diese sind denn auch nichts anderes als gestaltete, geformte, durch die Jahrhunderte weitergegebene 
Erfahrung menschlichen Schicksals. Von ihnen unterscheidet sich der Traum nur darin, daß er nicht ihren geordneten, sichtbar sinnvollen 
Zusammenhang besitzt. Er stellt sich dem Bewußtsein nicht so annehmbar eindrücklich dar, wie die Geschichten von Herkules, die Mythen 
von Baldur und dem bösen Loki, wie das Märchen vom Zwerg, der seinen Namen nicht nennen will, vom Dornröschen, das aus seinem 
Schlafe erweckt werden möchte. Im Traum und im Mythos ist die gleiche formende Bildkraft am Werke. Sie sprechen, auch wenn ihre 
Kausalität nicht als dieselbe erscheint, doch die gleiche Sprache. Man kann deshalb die erstaunliche, gegenwartsfremde Sprache der großen 
Träume besser verstehen, wenn man die großen Mythologien der Völker, etwa die sogenannt griechischen und germanischen Sagen, die 
Märchen Europas und Asiens kennt und wenn möglich erfährt, was primitive Völker, die noch in der magischen Welt leben, sich erzählen. 


24 


Nicht zu vergessen ist die Lektüre der Legenden von den Heiligen, mögen diese nun dem westlichen oder dem östlichen Seelenraum 
zugehören. Die Sprache des Traumes wird auch dem leichter eingehen, der die Werke der großen Dichter kennt. In ihnen allen ist ja nichts 
anderes dargestellt als das Geschick des Menschen in der individuellen Gestalt des Helden. In der Dichtung wird erzählt, was uns geschehen 
kann von der Geburt bis zum Tode. 
Die Bedeutung der archetypen Bilderwelt, dieser großen Galerie aller wesentlichen Lebenssituationen, kann gar nicht überschätzt werden. 
Denn diese Schicht der lebendigen, richtunggebenden und Kräfte spendenden Menschheitserinnerung ist ein maßgebendes Organ des 
psychischen Lebens selbst. Man kann sich dieses seelischen Urgrundes überhaupt nicht entledigen. Könnte man es, man dürfte es nie tun.
Übrig bliebe sonst ein nur sehr schmales Ich mit seinem kleinen Schrein persönlicher Erinnerungen. Jedes Wesen wäre für sich eine 
verlorene winzige Einheit, eine Insel, die nicht unter den Wellen des Tages verbunden ist mit den andern Inseln, den Mitmenschen. Wir 
wären ohne Zusammenhang nach rückwärts, und wir lebten ohne die Keime des Künftigen. Zurück bliebe ein Menschlein, das auf alles 
Vorfahrenerbe verzichtet, das sich selbst aus dem großen Plane alles Lebendigen herausgenommen hätte. Es ist freilich nicht zu bestreiten,
daß es Menschen gibt, die in einer lächerlichen Übersteigerung ihrer Ich-Persönlichkeit so tun, als wäre vor ihnen auf der Welt nichts da 
gewesen, als geschehe nach ihnen nichts mehr. Wie mancher Mensch glaubt, und scheinbar ohne jeden Hochmut, seine individuellen 
Konflikte seien eine noch nie dagewesene Not; so wie er habe noch kein Mensch begehrt, keiner so geliebt, keiner so gehaßt wie er. Unerhört 
sei, was ihm geschehe, einmalig sein Schicksal. Wer, sich umschauend in den Schicksalen der Mitmenschen, blätternd in den Werken der 
Historie, nicht zu einer andern Erkenntnis kommt, dem wird diese in den Träumen in großen, oft sehr dunkeln Bildern vorgeführt. Seine 
Sache ist es, den Sinn dieser Bilder anzunehmen oder abzulehnen. Aber er könnte immerhin erfahren, daß Leben schon immer so geschah, 
seit Jahrtausenden und Jahrtausenden. Damit ist er eingereiht in die große Bruderschaft aller Menschen durch alle Zeiten hindurch. C. G. 
Jung bemerkt als Arzt: "Archetypen waren und sind seelische Lebensmächte, welche ernst genommen sein wollen und auf die seltsamste Art 
auch dafür sorgen, daß sie zur Geltung kommen. Sie waren immer die Schutz- und Heilbringer, und ihre Verletzung hat die aus der 
Psychologie der Primitiven wohl bekannten "Perils of the soul" - die Bedrohung der Seele - zur Folge. Sie sind nämlich auch die unfehlbaren 
Erreger neurotischer oder sogar psychotischer Störung, indem sie sich genau so verhalten wie vernachlässigte oder mißhandelte 
Körperorgane oder organische Funktionssysteme." Die Sprache der Archetypen ist Menschheitssprache. Wenn die Antwort unserer 
bewußten Lebensführung ihr entspricht, dann sind wir in Ordnung. Aber es ist für den Traum-Laien nicht leicht, diese Großsprache wirklich 
zu verstehen, zu vernehmen, was in so unpersönlichen Bildern in ihm selbst zu ihm selbst gesprochen wird. 
Wenn in den Träumen die urtümlichen Symbole einsetzen, haben wir dies als ein Anzeichen der beginnenden Reife anzusehen. Da steigt, 
damit eine andere Seite der Welt in uns wirksam werden kann, das Tiefste unserer Seele durch den Schacht des Traumes zu uns herauf. Wir 
begegnen dem, was auch zu unserm Leben gehört, und werden angeschlossen an die Totalität unseres Seins. Wir können damit "ganz" 
werden. 

Das Symbol 
In jedem Traumbuche, das wissenschaftliche Geltung beansprucht, steht der Begriff des Symbols an erster Stelle. Dieses vor allem, dieses 
mächtige, in sich geschlossene Element des Traumes soll ja gedeutet, d. h. in die logische Sprache des Bewußtseins nach Möglichkeit 
umgesetzt werden. 
Wir sprechen von Symbol und symbolischer Handlung. Wo kirchliches Leben noch intensiv gelebt wird, ist es keine Frage, was ein Symbol 
sei. Man hat nicht nötig zu erklären. Im christlichen Seelenraum ist beispielsweise das Kreuz zu einem gewaltigen Symbol geworden. Eine 
Fülle von Inhalten sind darin vereint, es hat eine Reihe wirksamster Vorstellungen, einen dunklen Reichtum seelischer Erlebnisse um sich 
gruppiert. Schon früh ist das Kreuz mit seinen vier Armen ein Zeichen der Orientierung, weist es doch nach den vier Himmelsrichtungen. In 
ihm kreuzen sich aber auch die Richtungen unseres Daseins. Dazu teilt es den Raum auf. Als Swastikakreuz ist es ein Gleichnis desSonnenrades, d. h. die Sonne und in ihrem Lauf die Zeit selbst. Überragende Bedeutung aber erlangte das Kreuz, einst ein übles Marter- und 
Strafmittel, durch den Leidenstod Christi. Das Niedrigste wurde so in ein Höchstes hinaufgeheiligt; es wurde aus totem Stamm mit 
furchtbarem Querholz zum Lebensbaum, zu einem Ort der Erlösung und damit selbst zum Zeichen der Erlösung. Schwerstes Leiden geschah 
an ihm, und es steht deshalb in übertragenem Sinn für jedes großes Leiden selbst: Man nehme sein Kreuz auf sich! Im Kreuzestod wurde 
nach christlicher Auffassung der Tod überwunden; damit ist es gleichzeitig zum Zeichen des Todes, aber auch des Sieges geworden, des 
Sieges nämlich über jeden Tod - eine tröstliche Versicherung der Auferstehung, eines neuen Lebens. Die christliche Kirche jeden 
Bekenntnisses hat das Kreuz zu ihrem Großsymbol erhoben und unter ihm ihre Siege erkämpft. Welche Inhalte haben sich vereint im Zeichen 
dieses armen Holzes! 
Wie viel psychische Erfahrung, wie viele lebendige Gedanken vereinen sich in der symbolischen Gestalt der "Mutter", des "Kindes", 
umwehen die Schwelle der "Pforte", des Aus- und Einganges, werden wachgerufen, wenn die Gestirne, wenn "Sonne", "Mond" und "Sterne" 
am Himmel der träumenden Seele aufleuchten! Am schönsten hat der Basler Mythenforscher J. J. Bachofen vom Wesen des Symbols, das 
begrifflich oder gar verstandesmäßig nie ganz erfaßt werden kann, in einer Abhandlung über Gräbersymbolik geschrieben: "Das Symbol erweckt 
Ahnung; die Sprache kann nur erklären. Das Symbol schlägt alle Saiten des menschlichen Geistes zugleich an; die Sprache ist 
genötigt, sich immer nur einem einzigen Gedanken hinzugeben. Bis in die geheimsten Tiefen der Seele treibt das Symbol Wurzeln; die 
Sprache berührt wie ein leiser Windhauch die Oberfläche des Verständnisses. Jenes ist nach innen; diese nach außen gerichtet. Nur dem 
Symbol gelingt es, das Verschiedenste zu einem einheitlichen Gesamteindruck zu verbinden; die Sprache reiht Einzelnes aneinander und 
bringt immer nur stückweise zum Bewußtsein, was, um allgemein zu ergreifen, notwendig mit einem Blicke der Seele vorgeführt werden 
muß. Worte machen das Unendliche endlich; Symbole entführen den Geist über die Grenzen der endlichen, werdenden in das Reich der 
unendlichen, seienden Welt." 
Im Symbol verdichtet sich seelische Erfahrung, wird zu strömendem Leben in einem besonderen Gefäß. Es ist viel mehr als nur ein Begriff; 
man denke nur etwa an das Symbol der Jungfrau, des "göttlichen Mädchens", an die Tiersymbole, an Wein und Brot. Damit, daß im Symbole 
menschliches Urerlebnis zu einer Gestalt zusammengefaßt wurde - es ist selbstverständlich unbewußt geschehen -, ist auch die Energie, die 
Kraft, welche in diesen Erfahrungen lebte, in das Symbol hineingeströmt. Wo wir im Traume oder im Erleben des Tages mit einem großen 
Symbol zusammentreffen, da übt es denn auch oft eine faszinierende Wirkung auf uns aus. Anderseits können Symbole für einige Zeit 
untergehen. Sie machen den Gestaltwandel der Götter mit. Jedes Symbol ist ein Ausdruck für seelisches Geschehen, für einen seelischen 
Inhalt, der sonst nicht erfaßbar wäre. Das Leben kann zutiefst nur erlebt und im Gleichnis erschaut werden. Nie aber begibt es sich völlig in 
den kleinen Machtbereich des Intellektes; denn der Teil begreift wohl das Ganze, ist aber nie das Ganze. Auch das Symbol hat seine 
Grenzen; es kann nur einen zwar vielschichtigen und kräftigen Inhalt umschließen, aber nicht für alles stehen; deshalb gehen im Traume die 
Symbole ineinander über. Im Traume genügt das erstgeträumte Symbol oft nicht mehr, um eine andere Seite, einen andern Aspekt des 
Seelischen auszudrücken. Es wird abgelöst von einem zweiten, dritten Symbol. Jung betont, vom kultischen Symbole sprechend, daß dieses 
ein beschränkter und nur bedingt gültiger Ausdruck für einen übermenschlichen Inhalt sei. Das Symbol sei zwar der bestmögliche Ausdruck, 
stehe aber unterhalb der Höhe des durch ihn selbst bezeichneten Mysteriums. Das Symbol ist wirklich das "eindrücklichste Unternehmen"
der Seele, das Mysterium des Lebens in seinem steten Gestaltswandel und seinem doch ewigen Ähnlichbleiben. Das Symbol nacherleben 
und, wenn es nötig ist, seinen zu erahnenden Sinn in bewußtseinsverständliche Sprache übersetzen, heißt, uns dem Mysterium Leben, in 
welchem wir sind, näher bringen. Damit können wir uns in dessen Rhythmus einordnen und damit in Ordnung sein. 
Die Seele ist im Erschaffen von Symbolen unermüdlich. Sie zögert auch nicht, neue Gebilde, etwa der Technik, zu Symbolen werden zu 
lassen. Man lese im entsprechenden Teil dieses Buches nach, welche symbolische Gestalt in die technischen Erscheinungen etwa des 
Bahnzuges, des Autos, des Kraftwerkes hineinströmt und nun im Bilde einer modernen Welt allgemein Menschliches verdichtet. Ebenso 


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benützt der Traum das Erlebnis des Kinos, des Radios auf eine symbolische Weise. Freilich werden die heutigen Mythenforscher den 
Gleichnissen aus der Welt der Technik, des Handels, der Wissenschaften die Qualität echter Symbole absprechen; aber die Seele kümmert 
sich nicht um Klassifikationen! Noch haben die erwähnten Neusymbole die Intensität der archetypen Symbole, der ursprünglichen Bilder 
nicht. Das hindert sie aber nicht, sich immer mehr anzureichern. Einst nach Jahrtausenden werden sie Symbole sein, auf welche auch der 
strengste Mythenforscher der fernen Zukunft nicht ohne die Freude am schönen Funde oft hinweisen wird. 

Redensarten 
Die menschliche Umgangssprache ist durchsetzt von Redensarten. In der Redensart hat sich das Bild einer im allgemeinen Leben häufig 
wiederkehrenden Situation zu einem sprachlichen Gleichnis verdichtet, das bald im ursprünglichen, bald im übertragenen Sinne täglich 
benutzt wird. Was Vergleich war, wird zur Redewendung, in der die Grundvorstellung nicht mehr bewußt ist. 
Wer beispielsweise in einer Angelegenheit ein "Hintertürchen" offen läßt, meint damit bloß die Möglichkeit eines unbeachteten Entweichens. 
Er sieht nicht die offene kleine Hintertür des Hauses, durch die man, unangenehme Begegnung vermeidend, in die Nebengasse entschlüpfen 
kann. Bemerkt man von einer Sache oder von einem Menschen, sie seien "auf ein falsches Gleis geraten", dann ist höchstens die Vorstellung 
des unrichtigen Weges, nicht aber die an einer Kreuzung nach dem richtigen oder unrichtigen Orte führende Wagenspur gemeint. 
Leute mit bildkräftiger, rascher Phantasie übersehen das Vergleichselement in der Redensart selten ganz; Bildschwache halten sich bloß an 
die Redensart. Bei beiden aber hat sich der Gleichnischarakter erhalten in allen Träumen, die Redensarten benutzen. Der Leser erinnert sich 
vielleicht eines hübschen Spieles harmloser Kindereinladungen, der Scharaden. Da kletterte eines der Kinder dem andern auf den Rücken 
und rutschte gleich hernach wieder herab; es war nun herauszufinden, was das bedeuten sollte. Die Scharade war richtig gedeutet, wenn man 
jenes Tun als eine Darstellung der beiden Redensarten "Du kannst mir den Buckel hinaufsteigen!" und "Du kannst mir den Buckel 
hinabrutschen!" bezeichnete. 
Manche kleine Traumhandlungen sind solche Scharaden. Sie sind nichts anderes als das der Redensart zugrunde liegende Situationsbild. Mit 
etwas Übung versteht man diese einfache Traumsprache sehr rasch - natürlich nur, wenn man die volkstümlichen Redensarten kennt. Sie sind 
einem Unbewußten, das dem Bewußten noch nahe wohnt, wohl bekannt; auch dann, wenn der Träumer, unvertraut mit volkstümlichen 
Redewendungen, davon selbst nichts mehr weiß. Es kann ein Träumer "am Rande seiner Kräfte" sein, und dann sitzt er im Traume wirklich 
erschöpft am Rande eines Abhangs oder auf seinem Bettrand. Ein etwas starrsinniger unglücklicher Liebhaber, dessen Angebetete, die von 
ihm nichts wissen wollte, in einem Landhause oberhalb der Stadt wohnte, sah in seinem Traume einen jungen Ochsen etwas blöde nach 
diesem Hause hinauf "stieren". Da stand er, der "Ochs am Berg"! Ein Mann träumte, daß Zimmerleute vor seinen Augen eine etwas 
verlotterte, vielfach geflickte Brücke abbrachen; herbeigerufen, mußte er die schwersten Balken wegtragen. Im deutenden Gespräche erwies 
es sich, daß dieser Mann daran dachte, die von Anfang an wenig vernünftige Beziehung zu seinem Geschäftspartner, diese "Brücke 
abzubrechen". Daß man in ihm selbst schon tüchtig am Werke war, und daß er selbst den Hauptteil der Last dieses Abbruches auf sich zu 
nehmen hatte, wurde ihm erst jetzt klar. 
Man kann sich im Traum "zuviel aufladen" und schleppt dann die unmöglichste Last mit sich herum. Wie vieles wird im Traume "klar" 
gemacht! Den oder jenen muß man "in die richtigen Schuhe stellen", oder er steckt wirklich noch in seinen zu engen "Kinderschuhen". 
Bei der Betrachtung von Träumen, die fast kindische Handlungen vor uns oder mit uns geschehen lassen, hat man stets die Möglichkeit zu 
erwägen, ob nicht hier menschliches Handeln uns in einer Redensart oder in einer sprichwörtlichen Fassung vorgeführt werde. Man ist eben 
"hängen geblieben", oder es hat uns "den Ärmel hineingenommen", wie die volkstümliche Wendung sich ausdrückt. Statt höchste Zeit ist es 
"fünf vor Zwölf", in einem drolligen Falle "höchste Eisenbahn". Nicht nur junge Menschen wagen sich gerne zu weit "auf die Äste" hinaus 
und hocken im Traume auf sich senkendem Ast. Man kann sich "den Mund" oder "die Finger verbrennen", und dann brennt es im Traume 
wirklich schmerzhaft. Oder man kommt "fast nicht darüber hinweg" und sieht sich im Traume mühsam über eine Hecke oder Barriere klettern, 
steht im Versuche, einen breiten "Bach" zu überschreiten. Im Traume zieht man mühselig einen Wagen, sei es, weil man "den Wagen 
selbst schleppen muß" oder "sich selbst an den Wagen spannen" sollte. Mancher "hinkt" Kameraden schwerfällig hinterher. Mehrfach haben 
junge Leute schon im Traum "einen Korb bekommen", ehe das Betrübliche Tageserleben wurde. Im Traume wurde jemand genötigt, "die 
andere Seite" einer Sache, hier eines Gegenstandes, sich anzusehen. Was jener andere im Traume soviel zu pfeifen hatte, wurde erst klar, als 
er über sein Problem eine Reihe abschätziger Bemerkungen machte, er "pfiff" darauf. Eine Dame, die alles sehr trübselig beurteilte, merkte 
plötzlich, daß sie im Traume eine dunkle Brille trug; durch solch "dunkle Brille" betrachtete sie vor allem die Menschen ihrer näheren 
Umwelt. Auch jener Mann bleibe nicht unerwähnt, der nach tüchtiger Männerart von seinen geschäftlichen Aufgaben und Erfolgen völlig 
erfüllt war. Er träumte zu seinem Schrecken, er hätte einen Herzklappenfehler. Sein Eifer ließ ihn am Morgen, für einen Herzkranken allzu 
eilig, den Arzt aufsuchen. "Das würde mir jetzt gar nicht passen!" Es fand sich kein körperlicher Defekt; ihm selbst kam auf dem Heimweg 
die Erleuchtung, daß es mit seinen Gefühlen, mit all dem, was das Herz angeht, wirklich nicht "klappte". 
All diese Beispiele lassen erkennen, wie gerne und oft mit welchem Humor sich die innere Instanz, eine Einsparung an Selbsterfindung inhübscher Ökonomie damit verbindend, schon geprägter Redensarten bedient, um eine Situation bewußt zu machen. Deshalb läßt sie im 
Traume eine Sache vergraben und darüber "Gras wachsen", schönes grünes Traumgras. Man könnte leicht einige Dutzend solcher durch eine 
kleine Handlung illustrierter Redensarten aufführen, doch möge dies genügen. Denn im Traume ist es so wie im Leben: wo es um große 
Dinge geht, wo Sein oder Nichtsein auf der Waage steht, da wird ein Mensch von Geschmack auf Redensarten und billige 
Allerweltsweisheiten verzichten. Auch der Seele verbietet der Takt in all jenen Träumen, die uns ergreifen, weil Großes und Schweres sich in 
ihnen ausdrückt, den harmlosen Scherz solcher Redensarten. Die Aristokratie des echten Leidens wird auch vom Traume, der seinen 
Ausdruck sorgfältig zu erwägen scheint, streng gewahrt. Dafür sprudelt es von originellen Sprachfiguren, ja von Scherzen und witzigen 
Vergleichen, in all den harmlosen Träumen, welchen der Dienst kleiner Korrektur an der Lebenseinstellung des Träumers aufgetragen ist. 

Im Gleichnis des Sexuellen 
Kein einsichtiger Mensch wird die große Bedeutung der Sexualität und des erotischen Geschehens im Leben der Menschen verkennen. Er 
wird deshalb auch nicht annehmen, die Träume sprächen nicht von diesen Grundbegebenheiten menschlicher Existenz und Arterhaltung. 
Aber er wird, beeindruckt von der Fülle aller Lebenserscheinungen, reichend von der schweren Erde bis in die schwerelosen Räume des 
Geistes, anderseits niemals annehmen können, die Träume sprächen nur von sexuellen Dingen. 
Wer sich mit Träumen beschäftigt, darf nicht prüde sein; er darf nicht zu einer der großen Daseinsmächte, die Hand vor die Augen pressend, 
sagen: Dich schaue ich nicht an, und wenn die andern wie ich täten, dann würdest du überhaupt nicht mehr da sein! Als ob sich je die Natur, 
auch die psychische Natur, danach richten würde, welches Zeugnis wir ihr ausstellen, oder sich gar einfach, weil uns diese Richtung primärer 
Lebensenergien nicht paßt, durch den Machtspruch unseres verwirrten, armen Kopfes wegdeklarieren ließe. Der Traum nimmt kein Blatt vor 
den Mund, hält nicht schamhaft die Hand vor die Augen. In ihm, als dem einen Vertreter unserer Gesamtpsyche, ist das reife Wissen, daß die 
natürlichen Dinge weder gut noch böse, sondern einfach sind; daß sie ihre Großaufgabe haben, mit sehr großen Kompetenzen und wenn 
nötig erschreckenden Mitteln der Gewalt ausgestattete Diener der Lebenserhaltung sind. Leben hat die Aufgabe zu leben. Und dazu bedarf es 
auch der Sexualität und ihrer psychischen Ausstrahlungen. Nur verlangt das Leben, daß, wie jede andere Kraft, auch die Sexualität an ihrem 
Orte bleibe und der Eros seinen Zauberkreis nicht ungehörig übersteige. Dazu behält die innerste Instanz unseres Seins sich das Recht vor, 
wie jede andere auch, die letzte und fernste Erscheinung als Gleichnis benützen zu dürfen, in der Sprache des sexuellen Gleichnisses auch 
alles Schöpferische überhaupt auszudrücken. 
Wir können an jeden Traum die Frage stellen: Meinst Du etwas Sexuelles? Sprichst Du, vielleicht verhüllt, im Gleichnis eines andern, von 
dessen Begehren, dessen notwendigen, beglückenden oder verheerenden Gewalten? Wo aber der Traum in der Welt sexueller Bilder vor uns 


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tritt, haben wir erst einmal einfach uns anzusehen und uns zu fragen, was damit für uns gemeint sein könnte. Weshalb mußte diese Welt 
auftauchen, was hat sie dazustellen, zu kompensieren, zu reduzieren, welche Verbindung mit den Grundkräften des Daseins will sie 
herstellen? Da wir alle geneigt sind, uns sehr konkret an das vorgewiesene Bild zu halten, sehr konkret zu denken, ist es nötig, die andern 
Möglichkeiten nicht aus den Augen zu verlieren: daß nämlich sexuell sich Gebendes Nichtsexuelles meinen könnte. Wie wir wissen, fährt 
freilich der Deutungswagen der Freudschen Psychoanalyse fast ausschließlich in umgekehrter Richtung - auch das Nichtsexuelle wird zum 
Sexuellen. In seinem klugen, menschlich herzlichen Buche "Das Träumen als Heilungsweg der Seele" sagt der schwedische Psychiater 
Bjerre: "Die eventuelle Feststellung auf elementaranalytischem Wege, daß die Sexualität in jedes Traumbild eingeht, hat im Grunde so wenig 
Interesse, wie das Aufweisen von Geschlechtsorganen bei jedem Menschen oder von Kohlenstoff als notwendigem Bestandteil jeder 
organischen Verbindung." Dennoch ist die Rolle der Sexualität und ihrer differenzierten Erlebnisformen, der Erotik, von so großer 
Bedeutung für jedes Leben, daß ein völliges Fehlen sexueller und erotischer Traumbilder und Traumerzählungen entweder auf ein höchstes 
In- Ordnung- Sein in bezug auf diese Naturforderungen oder auf eine völlige Abgespaltenheit vom natürlichen Lebensziel der Arterhaltung 
weisen würde. 
Es spiegelt sich selbstverständlich jener unterschwellig gebliebene Wechsel von Ebbe und Flut der erotischen Bereitschaft, jenes 
erotisch-physiologische Ein-und Ausatmen des sexuellen Lebensrhythmus auch im Traum. Dazu gehören ebenfalls die Mondphasen der 
Frau; ihre Regel darf bei der Betrachtung und Deutung von Träumen jüngerer Frauen nicht übersehen werden. Die Träume sprechen dennoch 
seltener als man annimmt eine rein sexuelle, man möchte sagen eine leibliche Organsprache. Das hat Freud mitverführt zu glauben, das 
nackte Lustbegehren werde aus Rücksicht auf die Moralität und die mehr oder weniger gefestigte Wohlerzogenheit des Träumers verhüllt, 
verharmlost, durch die Zensur frisiert. Dem ist kaum so. Vielmehr scheint für den Regisseur, für den Bildner des Traumes das Instinkthafte, 
die Tiernähe des Triebes wesentlich zu sein, weshalb die Tiere ja so häufig zu Gleichnisträgern werden. Der Stier, das Pferd, der Hund, die 
Schlange in uns sagen über die so oder so geformte Triebgewalt und Triebgröße aus. Aus der Deutung dieser Träume ist die Situation unserer 
sexuellen Kräfte und Begehren leicht zu deuten. 
Die eigentlichen Sexualorgane werden vom Traumbildner dem vegetativen Formkreise zugeordnet. Deshalb sind bestimmte, im Aussehendurch ihre Ähnlichkeit hinweisende Gemüse und Früchte ihr Gleichnis. Darüber ist in der Zusammenstellung der Symbole in diesem Buche 
manche Auskunft zu finden. Daß jene Organe sich noch in andern Bildern darstellen, ihre Funktion in bestimmte Tätigkeiten von den 
Menschen scherzhaft hineingesehen werden, ist jedem klar, der die volkstümliche Redeweise kennt. Man hat schon darauf hingewiesen, daß 
es in der französischen Sprache über sechshundert Bezeichnungen für die Funktion der geschlechtlichen Vereinigung gibt. Das sexuelle 
Geschehen drückt sich infolge seiner ungeheuren Bedeutung eben auch sprachlich in der größten Mannigfaltigkeit aus. Die Bezeichnungen 
dafür sind volkstümlich, gelten aber im allgemeinen als unanständig. Der Traum verwendet sie dennoch häufig, oft zur Empörung mancher 
Träumer und Träumerinnen. In ihrer derben Differenzierung liegt der Ton bald auf dem, bald auf jenem Erlebnis und Erlebnisbegleitung der 
körperlichen Vereinigung. Da diese Variationen selten von schicksalhafter Bedeutung sind, hat man sie auch nicht zu ernst zu nehmen; sie 
sind mehr Liebesspiel als Liebestragik. Beiläufig: Es ist wertvoller, im Erlebnis einer guten, einer wertvollen Liebesgemeinschaft zu 
wurzeln, als in einem Traumbuche der dort notwendigen Erwähnung sexueller Symbole nachzuspüren. Nur wenn die Träume, weil die 
erotischen Beziehungen nicht in Ordnung sind, oft sehr drastisch von diesen reden, hat man sich um die Deutung dieser Traumbilder wenig 
anständigen Inhaltes zu kümmern. Die psychoanalytische Literatur hat manche Jünglinge und dazu Frauen jeden Alters in eine intellektuelle 
Schamlosigkeit hineingezogen. - Sexuelle Träume junger Menschen hat man meist auf der Ebene der Natur zu deuten. Sexuelle und erotische 
Träume im lebenserfahrenen höheren Alter meinen sehr oft eine andere Schöpferkraft als die des Leibes. 
Wer einer Sexualpsychologie huldigt, deren Kern das Inzestmotiv ist, wird in einem berühmten Traum Cäsars einen besonders gewichtigen 
Beleg für die Inzesttheorie finden. Cäsar erzählt bekanntlich, daß er, bevor er den Rubikon überschritt und den Angriff auf seine Geburtsstadt 
Rom einleitete, im Traume seine Mutter beschlafen habe. Dieser Inzest entsprach wohl kaum einem konkreten, latenten Wunsche des 
Feldherrn, zu seiner leiblichen Mutter unerlaubte Beziehungen zu haben. Vielmehr ist Rom seine Mutterstadt, Rom hat ihn geboren. Es war 
ein Ungeheures, ein unnatürlicher Frevel, den er ihr damit antat, daß er sie in der empörerischen Männlichkeit seines Machtwillens mit Krieg 
überzog. Aber dieser Vereinigung von Rom und Cäsar ist ein gewaltiger Sohn entstiegen: das großrömische Reich. 
Ein sehr einleuchtendes Beispiel eines sexuell aussehenden Traumes, der aber niemals sexuell gedeutet werden durfte, erzählte eine Frau: Sie 
war durch großes Leid, das sie sowohl als Mutter wie als Gattin getroffen hatte, mehrere Jahre psychisch gelähmt. Nun trat eine bedeutende 
Aufgabe von außen an sie heran. Da träumte sie, ein undeutlich sichtbarer, sehr ernster Mann habe sie in den Arm begattet. Wie Feuer 
durchströmte es Arm und Hand. Natürlich stand hinter diesem Traum nicht ein perverses Bedürfnis -nein, ihre eigene latente 
männlich-ernste Kraft hatte den Weg zu Arm und Hand gefunden, diese war befruchtet worden - jetzt konnte sie wieder handeln, arbeiten. 
Ihre große Leistung in sozialem Werke gab hernach Auskunft über die Intensität dieser "Armzeugung". - Solche Träume scheinbar 
unnatürlichster erotischer Begegnungen kommen häufig vor. Sind sie zu abstrus, so beunruhigt sich der Träumer, wieder einmal 
vollkommenen Unsinn geträumt zu haben - nur hätte es anständigerer Unsinn sein dürfen! Lernt er mit seinen Nachtgesichtern umzugehen, 
dann wird auch das Sexuell-Abstruse ihm seinen Sinn offenbaren. Dazu aber bedarf es vieler psychologischer und kulturgeschichtlicher 
Kenntnisse. Es ist durchaus natürlich, wenn der tiefenpsychologisch wenig geschulte Mensch sich über manche Trauminhalte entsetzt. So 
vielen Menschen zarten Gewissens und anständigster Gesinnung bereiten die gar nicht zarten Träume, in denen sie tief in die Abenteuer des 
Fleisches und in höchst unerlaubte Beziehungen hineingeraten, tiefen Kummer. Wie war selbst eine so starke Persönlichkeit wie Augustin erstaunt 
darüber, daß ein Mensch da ist, der im Wachen so denkt und handelt, wie er es vor seinem christlichen Gewissen, dem Ethos seiner 
Weltanschauung verantworten kann, im Traume aber Dinge sieht, überlegt und tut, die er sich selbst nie erlauben würde. "Zwischen mir und 
mir, welch ein Unterschied!" ruft er aus. "Nicht durch mich ist es geschehen, aber in mir." Man weiß, daß Augustin Gott dankt, nicht verantwortlich 
zu sein für den Inhalt seiner Träume. 
Hier schon die kleine Frage: Sind wir wirklich für unsere Träume in keiner Weise verantwortlich? Könnte es nicht sein, daß die Träume, 
freilich in stärkster Intensivierung, jene Triebwelt an uns heranführen, zu der wir keine richtige Haltung haben; daß sie heraufholen, was zu 
unbeachtet blieb? Unsere Träume können anders werden, wenn wir in unserm bewußten Leben unsere Ganzheit soweit nur möglich erfüllen. 
Oft sind heikle, obszöne Träume ein Aufruf, in den Keller des Unbewußten, in den kleinen innern zoologischen Garten zu gehen, um zu 
sehen, was dort ein ungehöriges Leben führen muß, weil es ihm an Raum, an Atemluft und an der Freiheit des Kreatürlichen fehlt. Vielleicht 
ist es zu unserm Heile, daß das Unbewußte uns nicht erspart, was es uns sagen muß. Es kommt sehr häufig vor, daß wir im Traume erotische 
Beziehungen, sexuelle Erlebnisse haben mit Menschen, an die unser Begehren sich nie heranwagen würde, sei es, daß wir ehelich gebunden 
sind, sei es, daß sie uns unerreichbar erscheinen, sei es, daß wir umgekehrt mit so "niedern" Wesen nichts zu tun haben wollen. Im Kapitel 
von der Objekt- und Subjektstufe wird zu zeigen sein, daß es sich vielleicht gar nicht um diese Menschen handelt, sondern mit ihnen nur 
etwas in uns selbst gemeint ist. Das ist für manche ein Trost - für alle aber eine neue Aufgabe. Wer immer daran Anstoß nimmt, daß der 
Traum auch in Sprache und Bildern des Sexuellen spricht und handelt, der möge die Rolle der Sexualität und des Erotischen möglichst 
objektiv bedenken. Die Sexual-Symbole sind deshalb so eindrücklich, weil sie Ausdruck sind für das Schöpferische, das mächtig 
geschlechtlich Zeugende, welches das Leben erhält und mit Lust beschenkt. Er versuche, die selbstverständliche, auf notwendige 
Lebenserfüllung gerichtete Sachlichkeit auch in diesen Lebensgebieten zu erreichen. Dann wird er das Sexuelle weder unterschätzen, noch, 
wie es jetzt in vielen Kreisen geschieht, überschätzen. Wer tiefere Einsicht ins Leben und in die Psychologie des Traumes gewinnt, der wird 
auch in diesem Geschehen, von dem der Traum in der Sprache des Sexuellen redet, das Gleichnis der urtümlichen, schöpferischen 
Lebenskräfte, ihren Ernst und ihr menschliches Spiel schauen. Damit wird er in jener Freiheit wohnen, die ihn das Notwendige, 
verantwortlich sich und einem menschlichen Du, erfüllen läßt und ihn nicht zum Gefangenen seiner Sexualität macht. 


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Der Verstärker 
Aus der Technik der Tonübermittlung ist uns der Begriff des Verstärkers bekannt. Durch das Zuströmen seiner größeren Energiemenge wird 
das Leise lauter, oft überlaut. Ein solcher Verstärker scheint im Traume wirksam zu sein. Er macht das, was ausgesprochen wird, lauter, 
eindeutiger, vereinfacht es auf große Hauptlinien. Ganz offensichtlich entnimmt er seine Kräfte den in den archetypen Erfahrungen der 
Menschheit aufgespeicherten Energien, an denen ja die Psyche auch des Einzelnen teil hat. Er bringt unsere persönliche innere Situation an 
jene großen allgemein menschlichen Situationen heran, deren Teil sie ist. Dann strömt aus dem Akkumulator jener Ursituationen Energie ab 
in das Gefäß unserer kleinern augenblicklichen Lage. Wenn man nicht begriffe, daß es sich bei alle dem um eine Gleichnissprache handelt, 
müßte man von einer unerlaubten Aufbauschung reden. 
Es geht uns beispielsweise nicht gerade gut. Wir sind verletzt worden. Daraus macht der Traum, im Sprachbilde bleibend und es von innen 
erweiternd, eine gefährliche Verletzung, wir bluten sehr und fühlen uns bedroht. Wir sind manchmal genötigt, unseren Willen, der allzu sehr 
verfließen möchte, zusammen zu nehmen, irgend ein Erlebnis drängt uns in eine gewisse bedrückte Einsamkeit. Daraus macht der Traum 
Gefängniszeit. Wir sind eingeschlossen, abgetrennt vom harmlosen Tage der Mitmenschen. Die Ablösung von der Mutter vollzieht sich, weil 
wir Erwachsene geworden sind, mit Notwendigkeit, wie sehr wir auch widerstreben. Im Traume sehen wir nun unsere Mutter ganz klein 
werden, ja sterben. Ihre Bedeutung verkleinert sich eben, oder die Mutter rückt für einige Zeit aus unserem aktiven Seeleninhalt. Wie erblüht 
dem, der ein kleines Glück erlebt, im Traume gleich eine Frühlingswiese! Weil man nicht nach dem innern Gesetz gehandelt, werden wir vor 
Gericht zitiert, ja uns droht Hinrichtung. Unrichtiger Lebensweg kann eben unserm Wesen tödlich werden. Reiche Speise wartet auf unsanderseits, eine Tafel des Festes, des Überflusses, wenn in uns neue Kräfte aufbrechen dürfen. Entscheidungen aber drücken sich in Krieg-
und Waffenträumen aus. 
Diese Großzeichnung, diese Verstärkung verwirrt den naiven Traumbetrachter. Er weiß meist nicht, daß seelisches Leben auch energetisches 
Geschehen ist, ahnt kaum, daß unser kleines Tun trotz seiner Harmlosigkeit sich im Scheine der großen Lebensmächte vollzieht und deshalb 
auf die Traumwand große Schatten wirft. Daraus ist erst zu verstehen, obwohl die Sache ohne viel Bedeutung bleibt, weshalb kleine 
physikalische Einflüsse auf den Schläfer von nicht unbedeutenden Traumbildern begleitet werden. Eine Kleinigkeit hat gleich eine intensive 
Warnung zur Folge. Die zu schwere Bettdecke, die freiliegende, etwas erkühlende Schulter werden als schwere Last, als nacktes Gehen in 
schlimmer Kälte traumerlebt. Wer droht von seinem vielleicht modern niedern Lager herabzufallen, hat das Gefühl, an einem Abgrunde zu 
liegen. Diese Träume sind ins eindrückliche Bild gesteigerte Schutzimpulse. Freilich, wenn man diese Träume samt den sich einstellenden 
Einfällen untersucht, dann wird man erfahren, daß bei dieser Gelegenheit körperlicher Gefahrempfindung viel bedeutendere innere 
Gefahrenherde angerührt worden sind. Denn jedes Traumerlebnis ist von vielschichtiger Bedeutung. 

Die Funktion des Traumes 
Versucht man, die große Vielfalt der Träume zu ordnen nach dem, was sie wahrscheinlich darstellen, was ihre zu vermutende Bedeutung ist, 
so wird man auf folgende Gliederung kommen: 
Der Traum gibt erstens ein aktives Bild unserer Lebenssituation. In diesem Bilde, in der Traumerzählung, antwortet die Auffassung des 
Unbewußten dem Erlebnis des Tages. Daraus ergibt sich eine Art Bilanz; man erfährt, wie die ganze Angelegenheit aussieht. Der Traum ist 
da durchaus bezogen auf das Gegenwartserlebnis des Träumers. Dieses hat ihn herbeigerufen, und was er dazu aussagt, kann als Urteil der 
unbewußten Seele gelten. "So ist es!" sagt er in seiner Gleichnissprache. Das Material seiner Aussage ist entnommen vor allem den 
Erfahrungen des Träumers, dessen äußeren Erlebnissen und seinem persönlichen Unbewußten. Zudem kann sich das Urteil auch ausdrücken 
in allgemein bekannten Symbolen. 
In den Träumen der zweiten Gattung fügt das Unbewußte den Erlebnissen und Konflikten des Tages das bei, was unbeachtet, damit 
unbewußt geblieben ist und doch mit dazu gehört. Der Traum, schöpfend aus umfassenderer Einsicht, ergänzt die Situation aus den 
Erlebnisinhalten, die, wenn auch nicht beachtet, doch miteinbezogen werden müßten. Er kompensiert also die Einseitigkeit der bewußtenHaltung. Er reduziert Überwertungen, betont das Entwertete und stellt damit den Träumer an den richtigen Ort, nämlich in die unsichtbare 
Mitte des Erlebens. Ein Großteil aller Träume hat offenbar diese zurechtstellende Funktion. Sie drücken sich aus vor allem in 
biographischem Material, wozu die Erinnerung an Lektüre und Zeitungsartikel kommen. Ferner in der Erscheinung anderer Menschen, 
welche die unbewußte Seite des Träumers darzustellen vermögen. Auch in diesen Träumen finden wir die einfachen bewußtseinsnahen 
Symbole. Ist in der ersten Gruppe das Bewußte "bestimmend", das, was nämlich die Stimme des Unbewußten herbeiruft, so wird in dieser 
zweiten Gruppe ein Gleichgewicht zwischen bewußter und unbewußter Haltung hergestellt. Das Unbewußte umringt sozusagen das bewußte 
Erlebnis mit seinen eigenen Erfahrungen. Die Deutung dieser Träume ermöglicht dem Bewußtsein, sich aus der gewonnenen größeren 
Einsicht in bewußte und unbewußte Zusammenhänge richtig einzustellen und zu einer Lebensführung zu gelangen, welche eigenem und 
fremdem Leben gerecht wird. Zu dieser Gruppe gehören auch die Träume, die man als Warnungsträume bezeichnen möchte. 
In einer dritten Gruppe von Träumen sehr anderer Art macht die unbewußte Psyche, indem sie andere und stärkere unbewußte Situationen 
dem bewußten Geschehen gegenüberstellt, den Versuch, im Menschen seelische Spannungen zu erzeugen, ein psychisches Gefälle 
herzustellen, welches die Lebensenergie nach fruchtbaren Zielen führt. Es schalten sich innere Kräfte ein, und es kommt zum Konflikt 
zwischen dem Ich und der innern Seite des Menschen. In diesen Träumen begegnet man dem "Anderen" in sich, sie führen zur Begegnung 
mit dem Schatten, aktivieren die unbewußt gebliebene psychologische Einstellung - sei es Extraversion oder Introversion - und holen auch 
die wenig entwickelten psychologischen Funktionen herbei. So erweitern sie das Bewußtsein. In diesen Träumen setzt der Gegenlauf der 
Seele ein, das noch nicht Gelebte versucht, sich durchzusetzen. Neue In halte der Persönlichkeit dringen aus der Tiefe herauf und ersetzen 
das, was ohne rechte Kraft mehr zur persönlichen Konvention geworden ist. Solche Träume erscheinen dann, wenn sich eine Wandlung 
vorbereitet. So in den Initialträumen am Anfang einer analytischen Behandlung, in denen sich Kommendes abzeichnet. In diesen Träumen 
hat das Unbewußte die Führung, und die bisherigen bewußten Inhalte schrumpfen zusammen. Solche Träume enthalten oft Aufforderungen 
zur Lebensänderung, und sie zögern nicht, ihren Menschen in Marter und Glück einer Wandlung zu schicken. Die Träume dieser Gattung 
benutzen für ihre Aussage vor allem symbolische Bilder und Archetypen, welche Gleichnisse des Vergehenden und des Werdenden sein 
können. Da es aber noch um die persönliche Entwicklung des Träumers geht, weisen sie auch biographisches Material auf, benützen die 
Erinnerung des persönlichen Unbewußten; aber dazwischen glänzt immer wieder das, was allgemein menschliche Erfahrung zum 
Groß-Symbol werden ließ. 
In den Träumen der vierten Gruppe besitzt allein das Unbewußte die Aktivität. Diese Träume kümmern sich nicht um die bewußte Situation, 
um den Alltag des Träumers. Dieser findet oft nicht die leiseste Beziehung zwischen seinem privaten Ergehen und den Geschehnissen seiner 
eigenartigen, seiner fremdartigen Träume. Diese ermangeln natürlich jeden persönlichen Traummateriales, sie sprechen sich nur aus in 
großen Bildern, Symbolen und archetypen Handlungen. Als Großträume bedeuten sie für das schmale Bewußtsein des Träumers oft eine 
wirkliche Gefahr. Hier öffnet sich der Vorhang zu den Großinhalten und den Urkräften der Menschheitsseele. Mancher, der einen Blick 
dahinter getan und das Bild des Lebens schlechthin geschaut hat, erträgt wie jener Schillersche Jüngling vor dem verschleierten Bilde zu Sais 
das, was er gesehen, nicht. Denn da diese Träume nur Material des kollektiven Unbewußten heranführen, tragen sie mit diesem auchgewaltige psychische Energien an die kleine individuelle Seele heran. Ihr droht Überschwemmung durch die jahrtausendalten Großinhalte 
der Seele, und - bei besonderer Veranlagung des Träumers - kann dieser in einer Schizophrenie auseinanderbrechen. Wo das Gewaltige aber 
einem Starken geschieht, der auch bewußt eine bedeutende Persönlichkeit ist, da kann es ihn zum Repräsentanten und Verkünder einer neuen 
oder erneuten wissenschaftlichen oder religiösen Schau werden lassen. Das Material dieser Träume besteht, wie in dem Kapitel über 
Großträume ausgeführt wird, mit Ausnahme der Traumeinleitung fast ausschließlich aus Symbolen und archetypen Vorgängen urtümlichster 


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Art. Diese Träume sind schwer anzugehen. Man kann und darf sich nicht allein an die Deutung dieser seiner unbegreiflichen Träume wagen. 
Bekanntlich sind sie auch ungedeutet von großer Wirkung. 
Neben diesen vier Haupttypen des Traumes, in denen jeweils das besondere Verhältnis vom Unbewußten zum Bewußten bezeichnend ist, 
sind noch jene Träume zu erwähnen, die mit den physiologischen Gegebenheiten und Entwicklungen zusammenhängen. Da kann der Traum 
Ausdruck, Darstellung und Antwort der Psyche auf körperliche Vorgänge sein. In diese Gruppe gehören die Pubertätsträume junger 
Menschen, die Frauenträume der Menstruationstage, ferner Träume, welche von dem reden, was als Folge des weiblichen und männlichen 
Klimakteriums ins psychische Leben hineinwirkt. Auch die Träume, welche zusammenhängen mit körperlichen Erkrankungen oder 
Beziehung haben zum hormonalen Schicksal des Menschen, müssen hier einbezogen werden. 
Man kann auch, jenseits jeder Absicht, für andere träumen müssen. Wie viele Kinderträume spiegeln die Ehetragik ihrer Eltern, die 
Komplex-Schwierigkeiten von Geschwistern und Hausgenossen wider! Wer sich beraterisch mit dem Schicksal anderer Menschen 
beschäftigt, träumt hie und da für die, welche sich ihm anbefohlen, und ahnt oft im Traume den Weg der Lösung. Aber man kann auch völlig 
fremdes Schicksal träumen, Unheil, das sich auf die Andern niedersenkt. Politisches Großgeschehen, das uns persönlich und bewußt gar 
nicht beschäftigt, findet oft seinen Niederschlag in Träumen recht harmloser Menschen. Solchem Traume ist scheinbar schwer 
beizukommen. Wo aber der Deuter eine gute und weitgehende Kenntnis des gegenwärtigen Kultur- und Unkultur- Geschehens besitzt, wird 
er diese Träume, die ihren Träumer gar nichts angehen, von diesem ablösen können, sie ihm bewußt machen als ein Bild des 
Weltgeschehens, das sich in seine kleine Traumstube hineingehängt hat. 
Es bedarf wohl kaum noch der kurzen Erwähnung, daß selbstverständlich physikalische Einflüsse, die Lage des Schläfers, allfälliger Druck, 
Wärme, Lärm, Zimmerluft und das Wetter einen kleinen, früher allzu überschätzten Einfluß auf den Traum auszuüben vermögen. 
Zusammenfassend ist zu sagen, daß die Träume der vier ersten Gruppen bei weitem überwiegen. Sie sind es wert, beachtet und gedeutet zu 
werden. 

Der kompensatorische Traum 
Der Situationstraum sagt einfach aus: So ist es, unter diesem Bilde könnte man Deine Lage sehen! Anders der Traum der Ergänzung, der 
Kompensationstraum. Er besagt: So ist es auch noch! Er fügt also dem Erlebnis des Ichs und dem Urteil des Bewußtseins das Erlebnis des 
Unbewußten und dessen aus größerer Erfahrung gewonnene Beurteilung bei. Wir wissen, daß das Ich nur eine Teilpersönlichkeit der ganzen 
Psyche darstellt; für uns, die wir bewußt mit dem Ich identisch sind, scheint es der bedeutendste Teil zu sein. Tiefere Erkenntnis der 
psychischen Natur aber zwingt uns die Erkenntnis auf, daß die unbewußte Persönlichkeit viel größer ist an Kräften und Einsichten. Aus 
diesem ihrem bedeutenden Wissen heraus fügt sie im Traume zu, was sie zur Lage zu sagen hat. 
Da Bewußtes und Unbewußtes an sich in einem gegensätzlichen, aber meist auf Ausgleich gerichteten Verhältnis stehen, wird eine 
übertriebene, einseitige Haltung des Bewußtseins durch ein gesteigertes, die nicht beachteten Seiten des Tagesgeschehens betonendes 
Traumbild kompensiert. Man wird sich deshalb bei der Deutung von Träumen vorerst fragen: Welcher zusätzlichen Mitteilung bedarf der 
Träumer? Welchen Aspekt, welches übersehene oder von ihm noch gar nicht einzusehende Zugehörige mußte der Traum an das Bewußtsein, 
das mit seinen Konflikten und Problemen beschäftigt ist, heranführen? 
Jung sagt in seiner "Energetik der Seele": "Wir können eine balancierende Funktion des Unbewußten erkennen, welche darin besteht, daß 
diejenigen Gedanken, Neigungen und Tendenzen der menschlichen Persönlichkeit, welche im bewußten Leben zu wenig zur Geltung 
kommen, andeutungsweise in Funktion treten im Zustand des Schlafes, wo der Bewußtseinsprozeß in hohem Maße ausgeschaltet ist." 
Im Traume werden wir mit dem kräftig vorhandenen Gegensatz, dem Gegenlauf zu unserm Tageserleben bekannt gemacht. Unsere Aufgabe 
ist es, zu einer diese Gegensätze versöhnenden Einstellung, zu einer Resultante der auseinandergehenden Richtungen zu kommen. Es kann 
uns auch eine besondere, notwendige Ergänzung zugeschoben werden, welche sich als Steigerung oder Verminderung der Intensität unseres 
Erlebens auswirkt. Gerade hier wird besonders deutlich, daß der Traum unter anderem die Aufgabe einer richtigen Verteilung der 
psychischen Energien hat; in ihm wird der Ausgleichsversuch der Seele sichtbar. Die Traumsymbole sind die großen 
Energietransformatoren. 
Im Traume hören wir nächtlicherweise die Stimme jener Seeleninhalte, die wir im Lärm des Tages überhören, denen wir bewußt nicht Raum 
geben, weil wir mit wertvollen oder auch nur überwerteten Tagesdingen beschäftigt sind. 
Der Traum redet von der andern Seite her zu uns herüber; oft als ein Tröster! Gottfried Keller schreibt in seinem Traumtagebuch: 
"Auffallend ist mir, daß ich hauptsächlich, ja fast ausschließlich in traurigen Zeiten, wo ich den Tag über in kummervoller Betrübnis lebte, 
solch heitere und einfach liebliche Träume habe!" Die psychologische und psychiatrische Praxis weiß auch, daß die seelische Gesundheiteines Menschen dann gefährdet ist, wenn er von den Mühen und Schrecknissen des Tages, sei es in der Überarbeitung oder im Kriege, nachts 
weiter träumt. Von jeher hat es als besondere Qual gegolten, wenn man von den Sorgen des Tages auch nachts nicht los kommt. 
Die kompensatorische Bedeutung des Traumes ist an einer Menge von Beispielen leicht zu veranschaulichen - manchmal so leicht, daß es 
scheinen könnte, jeder Traum sei im Handumdrehen zu verstehen. Dem ist freilich nicht so! Die folgenden Beispiele sind, aus Tausenden 
von Träumen so ausgewählt, daß ihr Sinn auch dem Traumlaien ohne allzu große Mühe aufgehen kann. Dies mag den Vorwurf aufkommen 
lassen, nur allzu einfache und damit nicht ganz typische Träume anzuführen; aber es werden wirklich viele solcher Träume geträumt, die 
dem Träumer leicht eingehen, wenn er das Gesetz der Ergänzung erfaßt hat, wenn er eine Ahnung davon besitzt, was Traumgestalten auf der 
Subjektstufe - davon später - auszudrücken vermögen, wenn er dazu eine gewisse Kenntnis der wichtigsten Symbole hat. Selbstverständlich 
ist der kompensatorische Kern der Traumerzählung, den wir hier allein herausheben, eingebettet in viele, näher bestimmende Einzelheiten, in 
verfeinernde Abwägungen und Zusätze, die sich auf das persönliche Schicksal des Träumers, auf seine einmalige innere Situation beziehen. 
Der Mensch kann ein ihm wichtiges Erlebnis unter dem Gesichtspunkte von Lust und Unlust, angenehm oder unangenehm, gesellschaftlich 
erlaubt oder unerlaubt betrachten. Das Unbewußte aber stellt seine Frage nach der dadurch bewirkten Steigerung oder Verminderung der 
seelischen Kräfte und fügt den Gesichtspunkt der zukünftigen Entwicklung des Träumers, der zu wenig beachtet blieb, auch noch bei. 
Eine junge, unverheiratete Frau von ausgesprochen mütterlicher Begabung hatte viele Jahre hindurch in der innigen Beziehung zu einem 
Freunde ihr so natürliches Bedürfnis nach Mutterschaft beiseite geschoben. Sie hatte geopfert, was sie nicht hätte opfern dürfen. In ihren 
Träumen nun gebar sie immer wieder ein Kind und hielt es beglückt in den Armen. Doch jedesmal erschien auch ein Mann, der denselben 
Hut trug wie der Freund, und entriß ihr grausam das Kind. (Der "Hut" ist in diesem Traume offenbar Ausdruck für die 
Empfängnisverhütung.) Ungern gestand sie, daß sie die Einstellung des Freundes, der die wirtschaftlich durchaus tragbare Ehe ablehnte, von 
Zeit zu Zeit als sehr egoistisch empfand; doch sagte sie sich immer wieder: Wo werde ich einen Gatten von solcher Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit, 
einem fast sentimentalen Gefühle finden? Es ist klar: Dieser Frau wird die Möglichkeit zur Mutterschaft immer wieder entrissen. 
Angedeutet wird die Beziehungslosigkeit seiner Lust (der fremde Mann). Dazu hat sie noch nicht erkannt, daß sentimentale Leute besonders 
hart, im tiefem Sinne gefühllos sind. 
Es ist hier wie immer zu betonen, daß Träume nicht moralisieren; aber sie weisen auf Lebensgesetze hin, die man, ohne zu Schaden zu 
kommen, nicht verletzen darf. Zu Schaden aber kommt der, welcher durch eigenes Verhalten oder unter dem freiwillig ertragenen Druck der 
andern -auch Liebe kann terrorisieren - nicht zu dem wird, was er anlagegemäß ist. Im angeführten Beispiele stellten sich psychische 
Störungen ein, weil diese Frau nicht in der Richtung der ihr gemäßen Natur lebte. Die innere Lebensrichtung und die Absichten des Kopfes 
oder auch die eines törichten Herzens, das nicht gewinnen kann, weil es nicht zu verlieren versteht, liegen oft jahrelang miteinander im 
Streite. Aber zuletzt will es in uns einfach nicht mehr und wir versuchen, unser Wünschen einfach durchzusetzen. Dann manövriert uns das 
Unbewußte, das ja das größere Energiepotential besitzt, in Situationen, in denen wir psychisch erkranken, und aus denen wir uns nur unter 
Aufgabe der früheren Einstellung wieder herauszufinden vermögen. 


29 


Häufig genug ist außen Streit, innen aber wird der Gegner geschätzt. Es ist eine wiederkehrende Erfahrung des psychologischen Beraters, 
daß Gatten, welche über ihren Lebenspartner klagen, Träume aufzuweisen haben, in denen von eben diesem Partner Gutes ausgesagt wird. 
Offenbar hat der Träumer wertvolle Seiten seines Schicksalsgenossen noch nicht oder nicht mehr sehen können; jetzt soll er es einmal mit 
dem Gesichtspunkt des Traumes versuchen! Dasselbe gilt natürlich auch von den Konflikten in anderen Gemeinschaften, die Menschen im 
Büro, Fabriksaal, in Klinik oder Schule zusammendrängen. 
Einen sehr ergreifenden Traum hatte ein Mann, dessen Gattin im Unfrieden, nach viel Quälereien, freiwillig von ihm weg in den Tod 
gegangen war. Im Traume trat er zu ihr, küßte sie leise und verließ sie. - Das war nicht etwa ein Wunschtraum; denn im Bewußtsein war 
dieser Träumer noch immer äußerst erbittert und blieb erst einmal dabei, daß jener Tod ein gegen ihn gerichteter Racheakt gewesen sei. In 
ihm drin aber begann sich der Friede auszubreiten, ein tieferes Verstehen ihrer unglücklichen Natur. Mit der reinsten Gebärde dieses 
Friedens löste sich seine Seele von jener Unglücklichen, nicht mehr boshaft Enteilten. Der Träumer hat dann gelernt, seinen zornigen 
Schmerz anders zu erleben. Er hat das, was ihm geschah, in sein Schicksal eingebaut, seinen Schuldteil auf sich genommen und 
überwachsen. 
Es kann in mancher Ehe, in mancher menschlichen Nahbeziehung auch allzu billiger Friede sein. Dann bringen die Träume die 
Gegenmeinung herbei. Hier heißt es dann: "Jetzt hab ich es satt!" Welche Aufgabe, zwischen der eingefahrenen, die Auseinandersetzung 
scheuenden Einstellung des Bewußtseins und der erzürnten Stimme der Tiefe den rechten Weg zu finden! Wer aber selber "recht" ist, der 
findet, um Einsicht und um lebendige Leistung bemüht, das Rechte. Bei anderen Menschen aber: Welche Mittel der Drohung, des Leidens 
und der Strafe muß die Seele anwenden, bevor ein verhärtetes Herz zur Vernunft kommt, die mehr ist, als nur das Arrangement eines 
kleinen, eigensüchtigen Verstandes!
Immer wieder geschieht es, daß Menschen ihren natürlichen Reaktionen auf Ungerechtigkeiten, Übermüdung, Enttäuschung nicht Raum 
geben können. So bleiben diese unbewußt und rumoren von dort aus. Im Traume aber spricht das mißhandelte Gefühl sehr deutlich und 
mahnt zu einer Haltung, die unvollkommen, aber menschlich ist. Die andere Seite kommt im Traume zu Wort. Es wurde schon erwähnt, daß 
ein Mann klagte, er träume nie seine glückliche Ehe in der Nacht weiter. Der Traum hatte aber einen bedeutenden Nachsatz: " . . . dagegen 
träume ich viel von jenem Mädchen, das vor vielen Jahren mit mir im selben Büro arbeitete." Man tut nun gut, nach dem Wesen dieses 
Mädchens zu fragen. Spontan bekommt man die Antwort, daß sie sehr anders gewesen sei - gemeint ist: anders nämlich als die Gattin! - daß 
sie gar keine mütterlichen Interessen gehabt, dagegen Bücher geliebt, leidenschaftlich gern Musik gehört (früher hat der Träumer selbst nicht 
schlecht musiziert, auch gerne gelesen; dies alles ist nun eingeschlafen). "Sie war so lebendig, fröhlich und sah auch bei allen 
Arbeitsschwierigkeiten immer wieder einen Weg." Sie ist längst verschwunden, hie und da aber träumt er von ihr. Sie lebt eben noch, tief in 
ihm drinnen. Und ihre Traumgestalt bringt an den Träumer seine eigene einstige Lebendigkeit heran, all das, was er vernachlässigt hat. Sie 
wird er nicht mehr finden - aber sich selbst sollte er finden, seine andere Seite, die ihm ein gefällearmes Dasein - denn was hilft ihm seine 
materielle Gesichertheit! - wieder lebenswert macht. 
Wer wüßte übrigens nicht von den Reiseträumen der Menschen, die in der Enge eines arbeitsamen, aber sehr kleinen Lebens gefangen sind; 
wer nicht von den Heimatträumen derer, die fern sind jenem Orte, in dem ihr Dasein Wurzel geschlagen. Jeder Berater erhält viele, oft sehr 
leidenschaftliche, aber nur zögernd erzählte Träume erotischen Inhalts gerade von Männern und Frauen, die in ihrer Lebensführung dem 
Erotischen besonders ferne sind. Wie oft erzählt der Traum von Dingen, die wir im Leben gering achten! Wo die Lebensführung des Tages 
unachtsam oder gar skrupellos ist - da versucht der Traum, wenigstens die moralische, die ethische Position zu wahren. Er bejaht, was das 
Bewußtsein bei Seite schiebt, und stellt so die Ordnung des Ganzen wieder her. Er bringt zu Furcht und Angst die Freude und die 
Leichtigkeit heran, zum Gefängnis die Freiheit, zur schrankenlosen Freiheit aber die Pedanterie und das Gefängnis -dem gesteigert 
Intellektuellen die gesteigerte Triebhaftigkeit, zur Trauer die Tröstung, in der "Wegelosigkeit" den Schein einer sich erhellenden Straße. Dies 
alles ist eben auch noch da. Nimmt man beides zusammen, nimmt man von beidem das Gesteigerte weg, dann kann die Einstellung zum 
Leben und zur derzeitigen Situation klarer, weiter und differenzierter werden - wir nähern uns der persönlichen Ganzheit. Man darf die 
Ergänzung, den Ausgleich im Traum nicht allzu verstandesmäßig auffassen, so etwa, daß der Traum stets das Gegenteil der bewußten 
Situation sicher beifüge. Auf Schmerz antwortet nicht immer Freude, dem vermeinten Reichtum im Bewußtsein wird nicht immer innere 
Armut gegenübergestellt. Die Erwiderung kann vielmehr in die gleiche Richtung gehen. Beispielsweise ist man wohl betrübt, aber trotz allen 
Kummers weiß man nicht, wie schlimm die Sache wirklich steht, wie tief etwa der Ehekonflikt geworden ist. Man hat das Gefühl, in einem 
Abgrund sich zu befinden, aber in diesem Abgrund kann noch ein tiefes Loch sein, und da unten ist man. Was das Bewußtsein als ungut 
bezeichnet, nennt das Unbewußte kurz und bündig katastrophal. 
Anderseits kommt es vor, daß man glaubt, seine Freude in gemäßigten Grenzen halten zu müssen, im Innern aber ist ein Aufruhr der 
Begeisterung und Hingabe. -Es hat einer sein Staatsexamen bestanden und läuft nun herum mit der Miene höchster Selbstsicherheit. Im 
Traum aber wird ihm nahegelegt, auch daran zu denken, daß er im Grunde sehr daran gezweifelt, je durch die monatelange Prüfung desÄrzte-Examens durchzukommen. Das Gesetz des innern Gegenlaufes, die ergänzende Tendenz der Seele wird besonders deutlich, wo es sich 
um unsere psychologische Grundhaltung handelt. Es ist heute allgemein bekannt, daß jeder Mensch anlagegemäß entweder mehr nach außen 
oder mehr nach innen lebt. Der eine Mensch verhält sich so, als ob alles Lebenswichtige im Außen läge; wir nennen ihn extravertiert. Der 
andere scheint immer wieder angezogen von den Inhalten seiner Seele; introvertiert, kann er der Welt draußen nur zweitrangige Bedeutung 
zuerkennen. Je nach der introvertierten oder extravertierten Einstellung wird nun die andere Seite vernachlässigt. Entweder wird die 
Außenwirklichkeit, in der ja auch der Innengewandte eben leben und angepaßt wirken sollte, ungenügend angenommen, bleibt sehr 
Wesentliches nur ein Bild, das ins Unbewußte fällt, oder aber es verkümmern beim Extravertierten, der ja alle Werte in der Welt draußen 
sucht, die innerseelischen Wirklichkeiten. Diese Gefährdung einer lebendigen Ausgeglichenheit macht der Traum sehr häufig bewußt. 
Beachtet man die Träume, dann begegnet man in ihnen der weniger entwickelten Seite; in der Beschäftigung mit den Trauminhalten strömt 
diesem unentwickelteren Teile unseres Wesens seelische Energie zu, und auch er kann jetzt seine freilich bescheideneren Blüten und Früchte 
treiben. Die Gefahr der Einseitigkeit wird durch Gefahrenträume deutlich gemacht: verliert sich der eine etwa angstvoll in einer 
Menschenmenge, in einem Warenhause, fühlt sich der andere unbegreiflich einsam, steht er statt bekannten Menschen und Dingen großen, 
unmenschlichen Gestalten gegenüber. Extravertierte Menschen sind in ihren Träumen viel allein, auf Lebenspilgerschaft, zu der sie 
ungenügend ausgerüstet sind. Oder sie finden sich in innern Räumen vor, die sie wenig kennen; es fällt schwer, diese Traumbilder mit dem 
so hübschen Eingespieltsein, mit dem sichtbaren Betrieb ihres von Leistung und menschlicher Beziehung erfüllten Tages 
zusammenzubringen. Nach und nach aber werden sie die Symbole größerer Innerlichkeit zu betrachten versuchen und die Blickrichtung ihres 
Wesens geht nicht mehr fasziniert von der Fülle der Außenerscheinungen nach der Welt. Den Gewalten der Seele, die er im Außenleben 
floh, stellt sich nun der Träumer und merkt, daß zur Persönlichkeitsstärkung wird, was Drohung gewesen oder lange als törichtes, 
unpraktisches Zeug beschimpft worden ist. Der Introvertierte hat nach unserer Erfahrung oft erstaunlich inhaltsreiche Träume. Außen "läuft" 
nichts - Innen flutet es von Abbildern der Welt. Außen bestehen nur einige wenige, dafür treu festgehaltene Beziehungen zu Menschen und 
Dingen der Umwelt - innen aber eine Menge von Gestalten. Dazu freilich immer wieder die Angst vor dem, was man auch annehmen müßte 

-die entwertete Außenwelt - oft als Schlachthaus, als Bahnhof mit vielen Zügen, verwirrenden Geleisen, durcheinanderströmenden 
Reisenden gesehen. In den Träumen ist auch etwas von der nicht gestandenen großen Sehnsucht, dem unbewußten Hunger nach Speisung 
durch ein tüchtig und zugriffig gelebtes Leben, nach Gemeinschaft und sichtbarer Leistung in der uns zugewiesenen "Welt". Daß dies in ihm 
ist, erfährt der Introvertierte oft erst durch seine Träume. Gleich wie der ergänzende Traum unseren psychologischen Einstellungstypus 
bewußt machen kann, so belebt er auch die unentwickelt gebliebenen "psychologischen Funktionen". Es ist bekannt, daß die Komplexe 
Psychologie der Auffassung ist, daß die seelische Energie des Menschen innerhalb ihrer Gewohnheiten der Extraversion und Introversion 
sich in vier typischen Verhaltungsweisen betätigt. Diese Auffassung nimmt also in beweiskräftiger Begründung an, daß das Denken und sein 

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Gegensatz, das Fühlen, die realistische Wahrnehmung (Empfinden) und deren Gegensatz, das Ahnen oder die Intuition, die wesentlichen 
Organe seien, womit die Psyche die Außen- und Innenwelt erfaßt und sie bewirkt. Es hat sich herausgestellt, daß der Mensch in den ersten 
Jahrzehnten sich natürlicherweise einer, höchstens zweier dieser Funktionen bewußt und vielfältig bedient, also etwa der Empfindung und 
des Denkens. Die beiden andern Funktionen, die Intuition und das Gefühl, bleiben unbewußt, stehen nicht deutlich beherrschbar zur 
Verfügung, so daß dieser gedachte Mensch da, wo er fühlen sollte, sich lieber seiner vertrauteren Funktion des Denkens oder der einfachen 
Wahrnehmung bedient. Damit wird er aber der Situation, die eben eine Gefühlssituation ist, nicht gerecht. Da kann nun kompensatorisch der 
Traum, der die unbewußt gebliebene Seite, hier das Gefühl, vertritt, die Gefühlshaltung an den Träumer heranbringen. Er läßt ihn etwa in 
bezug auf die in Frage stehende menschliche Beziehung in einen Garten treten, von Blumen träumen; die rote Farbe wiegt in seinen Träumen 
vor, ja er selbst trägt Rot in seinem Kleide. Oder er begegnet Menschen, die sich durch eine besonders intensive Gefühlskraft auszeichnen es 
sind bei Träumern meist weibliche, bei Träumerinnen vom seltenen Denktypus weibliche und männliche Gestalten. Der Traum besagt 
dann einfach: Hier handelt es sich um ein Gefühlsproblem. Verhalte Dich richtig, entwickle hier, was wenig entwickelt ist! 
Wer eine ausgesprochene Intuition besitzt, vielleicht verbunden mit dem Gefühl als einer Hilfsfunktion, neigt dazu, die einfachen 
selbstverständlichen Realitäten des Lebens zu übersehen. Er spürt die Möglichkeiten, hat die Witterung für das, was hinter den Menschen 
und Dingen ist; die Keime des Zukünftigen leuchten durch das Kleid der Gegenwart, das er nicht beachtet. Träume führen ihn an diese 
Realität, führen ihm sehr derbe Bilder vor, lassen ihn arbeiten, Gewöhnlichstes tun. Auch betonen die Träume die grüne Farbe als die Farbe 
des natürlichen Lebens. Er hat einfache Menschen zu herbergen, muß seinen Stall, den Ort der Triebe aufsuchen, damit er sieht, was auch 
noch da ist. Dann hat er, besonders häufig vor der Lebensmitte, Geschäfts- und Geldträume; denn ihm muß man vor Augen halten, daß das 
Wirtschaftliche auch wichtig ist, daß unter anderem Geld die Welt regiert. Da der Traum mit Verstärker arbeitet, führt er seinen Intuitiven oft 
in eine höchst derbe Traumwirklichkeit. Nimmt er diese ernst, so gelingt ihm eine gewisse Anpassung an die "Tatsachen" des Lebens. 
Die unentwickelteren Funktionen werden gerne an Gestalten des Gegengeschlechtes erlebt, in der Tageswelt auf solche projiziert. So, daß 
dem Manne die Gattin, die Geliebte, eine Bekannte oder eine Unbekannte, welche tiefen Eindruck macht, Trägerin des Gefühles sind. Im 
Traume können diese Gestalten nun eigenartig intensiv werden. -Die Psychologie dieser Funktionsbeziehungen zwischen Bewußt und 
Unbewußt wird durch die Tatsache der Haltung nach innen oder nach außen noch mehr kompliziert. Das Leben ist eben nicht einfach, was 
klar wird, sobald wir sein Gewebe aufzudecken genötigt sind. Wer selbst nur "Lebensablauf" ist, der bleibt als Nur- Natur- Wesen freilich 
außerhalb dieser Problematik. Er wird sich auch nicht um seine Träume kümmern! 

Situationsträume 
Ganz allgemein formuliert läßt sich behaupten: Im Traume stellt sich unsere menschliche Situation dar. Dargestellt wird sie mit den 
Ausdrucksmitteln des Unbewußten in dessen typischer Sprache. Dabei sagt eine Gruppe von Träumen einfach: "So ist es." In seinem tätigen 
Leben hält der Mensch selten einen Augenblick inne, um zu fragen: "Welches ist der derzeitige Ort meines Lebensweges? Welches ist die 
Konstellation meiner heutigen Gegenwart? Wer bin ich und wo stehe ich jetzt?" Das Gleichnis des Traumes gibt Antwort ungefragt: "Da 
stehst Du und das bist Du." 
Ein Mann hatte am Vortage zufällig gesehen, wie ein Hund fortwährend an seinem Herrn hochsprang, sein Interesse zu erreichen suchte. 
Doch auf dem ganzen Wege würdigte jener Herr, vertieft in eine umfängliche Zeitung, seinen Hund keines Blickes. Davon träumte nun der 
Mann, aber diesmal war er selbst der Leser. Er studierte ein betriebsorganisatorisches Buch, während der Hund durstig und winselnd ihn 
umsprang. So ist es: Dieser Mann geht seines Weges, übereifrig im Bedürfnisse zu rationalisieren, und merkt dabei nicht, wie seine 
menschlich- animalische Triebseite an ihm aufspringt, bittend um sein Interesse. - Eine Frau träumte sich als Käuferin in einem Laden. Sie 
ließ sich eine Menge Dinge vorlegen und bemühte das ganze Personal, um dann, ohne etwas gekauft zu haben, wegzugehen. Es war ein 
Gleichnis ihres Tun: so bemühte sie mit ihren steten Ansprüchen ihre ganze Umwelt, ohne dieser unter Gegenleistung wirklich etwas 
abzunehmen. 
Der Situationstraum überzeugt uns immer wieder davon, daß die Seele eine große Einsicht in Wesen, Richtungen und Gewichte der 
Lebenszusammenhänge besitzt, und daß sie viel besser weiß, wie unsere Dinge stehen, als wir selbst. Sie hält mit ihren Erkenntnissen nicht 
zurück: Ein Mann, der eben eine offenbar bedeutende junge Dame kennen gelernt hatte, erwartete von dieser Begegnung ein großes, ein 
dauernd bindendes Gefühlserlebnis. In dieser Spannung verbrachte er, in seinen Gefühlen immer wieder leise enttäuscht, unruhige Monate, 
bis er im Traume in den Garten seiner Freundin tritt. Es wachsen da eigenartige Pflanzen, doch blüht es nirgends. Nur über dem Weg zu 
ihrem Hause sind einige dürftige Girlanden kleiner, sehr blaßroter Röschen. Jemand sagt zu ihm: "Das ist das Einzige, was Fräulein M. Ihnen 
bieten kann." Die Situation wird von unserer innern Instanz sehr überlegen und, was besonders hilfreich ist, auch differenziert bewußt 
gemacht. Die Werte verteilen sich dabei, wenn auch nicht so, wie es unser Wille haben möchte, offenbar doch sehr richtig. So kann man in 
einem Traume wie Herkules am Scheidewege stehen und erfahren, was auf der Straße, die nach links hinführt, was auf der Straße, die nach 
rechts geht, zu erreichen ist. - Hie und da will die Seele rasch zugreifen, ehe Unglück geschieht. Im Psychischen aber geschieht Unglück, 
wenn der Mensch einen Weg einschlägt, etwas ergreifen will, das ihn von seinem innern Ziele abhält, ihm nicht schicksalsgemäß ist. Ein 
jüngerer Mann hatte sich in eine sehr unpassende, aber eindrucksvolle Frau aussichtslos verliebt. Es war da eine typische Animaprojektion 
geschehen. Im Traume trat ein Arzt zu ihm und sagte: "Nicht wahr, mein Lieber, diese Herzoperation nehmen wir am besten gleich vor." Das 
war die Situation, eine Herzerkrankung, heilbar durch rasches, aber schmerzhaftes Opfern. 
Viele Menschen sind ihrer wirklichen Situation durchaus nicht bewußt. Zwischen ihrer nachlässigen, vielleicht etwas deprimierten seelischen 
Haltung und der ernsten Auffassung der Tiefe herrscht große Spannung. Diese Tiefe kann im Traum melden: "Du bist ein Lump!" und hat 
auch das nötige Bild, entnommen irgend einer frühem Bekanntschaft des Träumers, gleich zur Stelle; oben aber hält man sich für einen Kerl, 
besser oder mindestens nicht besser oder schlechter als die anderen. So manchem muß der Traum die innere Situation vorführen, ihm 
beispielsweise mitteilen, daß Totes in ihm ist, daß er in einem gefährlichen Kreise steht, ihm überhaupt klar machen, welche Tatsachen des 
Lebens er schuldhaft übersieht. In den Träumen führt die Psyche manches auf das richtige Maß zurück. So glaubte ein Offizier, der im 
Traum am Rande eines Platzes stand, ihn müsse jedermann beachten. Doch nur die Soldaten grüßten ihn, sonst nahm von ihm keiner Notiz. 
Wer meint, mit einem übernommenen Auftrage sehr leicht fertig zu werden, erfährt nächtlicherweise, daß vor ihm ein Berg der Mühe und 
der Gefahr steht. So ist es nämlich in Wirklichkeit. Durch den Traum erhalten wir vor allem ein richtiges Bild unserer Beziehung zur 
Umwelt. Die Seele läßt sich nichts vormachen. Und ohne immer kompensatorisch herabzusetzen oder zu steigern, stellt sie die einfache 
Wirklichkeit dar. Wie mancher, der aus seiner Mutter- oder Vaterbindung nicht loskommt, erfährt im Traume, daß die Eltern weder Götter 
noch Dämonen sind. Als schlichte, vielleicht arme alternde Menschen gehen sie an ihm vorüber - ihres Weges. Durch die Darstellung der 
Situation kann eine richtige Einstellung des Bewußtseins und seines Willens erreicht werden. Man wird immer wieder feststellen, daß vor 
einem Unternehmen, vor einer Reise, dem Antritt einer Stelle, einem Wiederbeginn militärischen Dienstes, dem Zusammenkommen mit 
schwierigen Partnern Träume herbeieilen, welche auf ihre Weise die Situation vorausnehmen und uns probeweise in dieses Nächste 
hineinstellen. Hübsch war das Zweideutige von Befehl und Freiwilligkeit im Traume eines Studenten, der vor seinem Examen die 
Sommertage allzu schrankenlos genoß. Nachts erhielt er den Traumbefehl, sich in freiwilligen Arbeitsdienst zu begeben. 
Wir leben im Ablauf der Zeit. Diese Zeit eilt vorwärts, und wir erwandern in ihr unsern Lebensweg. Es sollte freilich eine Wandlung sein, 
hin zu der Reife, die jede Lebensstation von uns erwarten kann. Aber so mancher weiß nicht, welche Uhr es geschlagen hat, wie es mit seiner 
Seelenzeit bestellt ist. Deshalb träumt er sich mehrmals im späten Nachmittag an einem Bahnhofe. Er sieht die Sonne schon Abendschatten 
werfen, und die Bahnuhr zeigt sechs Uhr abends. Angst packt ihn; denn er merkt, daß sein Lebenstag sich in den Abend gesenkt hat. Und so 
Vieles ist unerledigt und ungetan geblieben! - Wie schön ist der Gegentraum einer Frau, die bewußt glaubte, ob vielen Enttäuschungen alt 
geworden zu sein, der sich aber eine Tür aus dunklem Hause in ein helles Mittagsland öffnete. Manchmal hat der Traum dem Träumer 


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klarzumachen, daß er Unmögliches versucht; dann nämlich, wenn er Gegensätze vereinen möchte, die unvereinbar bleiben. So vermeinte ein 
Mann, große charakterliche Gegensätze in der Ehe müßten sich auf den Wunsch seines Bewußtseins hin unverwandelt vereinen lassen. 
Nachts erhält er von einem, wie uns scheint, mephistophelischen Ingenieur den Auftrag, aus einem Gemisch von Schnee und Asphalt eine 
Straße zu bauen. Im Traume selbst quälte ihn die Einsicht, daß Asphalt nur heißflüssig verwendet werden kann, daß dann aber der Schnee 
schmelzen müsse. Er nahm Anlaß, über diesen seinen Traum, der die Gegensätze von heiß und kalt, von weiß und schwarz, den Schnee von 
oben und das Erdpech aus der Tiefe vereinen möchte, lange zu meditieren - wie er nach aller Unruhe merkte, sehr zu seinem Heil. 
Situationsträume sind oft Gefahrträume. In ihnen steht der Träumer am Rande eines Abgrundes; er merkt, daß er tief verwundet, daß er ein 
Gefangener und nicht ein Freier geworden ist. "So ist es!" sagt der Traum. Ein Autor kam von der bewußt böswilligen Kritik seines Werkes 
fast nicht mehr los. Was sein Kritiker aus häßlichen persönlichen Gründen hatte erreichen wollen, schien er vollkommen erreicht zu haben: 
eine lähmende Kränkung. Die Seele des Autors aber, bedacht auf die Gesundheit ihres Menschen, konnte die um sich greifende Verbitterung 
nicht dulden. Sie teilte deshalb dem Gekränkten im Traume durch die Schlagzeile einer Zeitung mit: "Wenn Herr N." - es war sein Name – 
"bis in zehn Tagen die Erbitterung nicht abgelegt hat, wird die Hauptstadt bombardiert werden." Die Hauptstadt, das ist in der Geographie 
der Seele der innerste Kern unserer Persönlichkeit, unser Selbst. Der Situationstraum stellt uns vor die Wirklichkeit. "So ist es!" sagt er. 
Damit ermöglicht er uns die richtige Haltung. Aber noch mehr: Wenn wir in der Wirklichkeit leben, leben wir in der Wahrheit, und diese 
macht uns, weil sie uns nicht mehr sinnlos die Kräfte verbrauchen läßt, weil sie an die großen Gesetze des Daseins heranführt, wirklich und 
wahrhaft frei. 

Reduktionsträume 
Alle Erfahrung lehrt, daß unsere unbewußte Persönlichkeit eine ganz ausgezeichnete Witterung in der Unterscheidung von Echtem und 
Unechtem, von Nötigem und Unnötigem hat. Mit einer erstaunlichen Empfindlichkeit für Maße und Gewichte der psychischen 
Erscheinungen registriert sie, was, vom Ganzen aus gesehen, zu groß oder zu klein ist, was von uns zu ernst genommen, und was in 
unangemessener Weise von uns vernachlässigt wird. Der Traum verfehlt nicht, in oft sehr eindrücklichen, wenn auch gelegentlich 
beleidigenden Vergleichen die dem Bewußtsein wichtigen Dinge auf ihr richtiges Maß zurückzuführen. Er tut es, weil er die Fähigkeit hat, 
das Leben aus seinem großen, an der Erfahrung von mehr als einem Menschenleben gewonnenen Realismus darzustellen. Eine junge Dame 
war dermaßen in einen Herrn ihrer Bekanntschaft vernarrt, daß sie, besessen von dieser komplexhaften Bindung, seinen Namen überall 
hintrug, sein Bild in mehreren Ausgaben in ihren Räumen hängen hatte, wobei der Gott ihres Herzens, selbst in einem sehr unbedeutenden 
Erlebnis gefangen, sich um diese Anbeterin nicht kümmerte. Sie sah ihn dann im Traume mit jener andern Frau gehen. Es war ein ganz 
normaler, eher etwas kleinwüchsiger Mensch, der da unter Bäumen eines fremden Gartens wandelte. Als man sie im Traume fragte, wie 
jener Herr hieße, wußte sie seinen Namen nicht mehr. - Der Traum hatte die Situation der einfachen Wirklichkeit näher gebracht und sie 
selbst ahnen lassen, daß ihre Erregung vielleicht ein Inneres, sicher aber nicht jenen Namen und dessen harmlosen Träger meinte. Es war 
einem jungen Kaufmann gelungen, sich selbständig zu machen. Sein kleines Unternehmen gedieh in einer allgemeinen Konjunkturzeit 
besser, als er erwartete. Das erzeugte bei ihm eine Aufblähung seines Selbstbewußtseins, führte zu einer großen Einbildung, in der sich ihm 
eben ein Bild seines Unternehmens und seiner eigenen Bedeutung einbildete, das der Wirklichkeit nicht mehr entsprach und ihn deshalb in 
seiner seelischen Gesundheit bedrohte. Schlaflosigkeit und ungewohntes Mißtrauen ließen ihn Rat suchen. Im Traume hatte er nun einen 
Film von seiner kleinen Fabrik zu drehen. Als er diesen einem kleinen Kreise von unbekannten Herren vorführte, da mußte er sehen, daß 
seine Fabrik, unbedeutend und kleiner geworden, am Rande einer gewaltigen Stadt voller Hochkamine stand. Sich selbst aber sah er im 
Arbeitsgewand seiner Lehrjahre - in solchen Lehrjahren stand er offenbar noch und hatte seine kleine Leistung an den mächtigen 
Gegebenheiten der Welt zu messen.
Solche Reduktionsträume haben oft ein übertriebenes Selbstgefühl, eine gefährdende Überbewertung von Mitmenschen, das Wichtignehmen 
von Dingen, die sich den Tag hindurch allzubreit machen, auf das richtige Maß zurückzuführen. Dabei wird natürlich manches, weil derTraum sich energisch ausdrückt, scheinbar zu sehr entwertet. Übersteigerungen entstehen da, wo ein Komplex, etwa unser Geltungsgefühl, 
die erotische Spannung, das Empfinden, Unrecht erfahren zu haben, projiziert wird. Dabei verläuft der Traumprozeß der Reduktion je nach 
Notwendigkeit in entgegengesetzter Richtung. Wenn ein Mensch glaubt, der Ärmste der Armen zu sein, dann kann ihn ein Traum an Inhalte 
heranführen, die auch zu seinem Leben gehören und es reich machen. So hat ein verzweifelter Mann im Traume plötzlich erkannt, daß er ja 
gesunde und fähige Kinder habe, und die verachtete Frau stand groß und schön da.
Reduziert wird, was im Bewußtsein gefährlich viel Bedeutung und Gewicht hat, entwertet, was Überwert besaß, verdunkelt, was zu hell 
geworden. Die Reduktion stellt den Versuch dar, all dem, was zuviel psychische Energien an sich zieht - sei es eine Lust, ein Beruf, eine 
menschliche Beziehung, ein intellektuelles Unternehmen -, den Betrag an Energie, der diesen Dingen und Beziehungen nicht zukommt, 
wieder zu entreißen. Bei der Deutung dieser reduzierenden Träume darf ein Gesichtspunkt nie außer Betracht bleiben. Es handelt sich fast 
nie um diese Dinge und Menschen selbst, sondern um unsere Beziehung, unsere eben oft falsche, übersteigernde oder entwertende 
Einstellung zu ihnen. Wenn ein junger Liebhaber, der um seiner Verliebtheit willen alle Berufsverpflichtungen und seine ethische 
Auffassung aufgab, von seiner Geliebten träumt, sie habe ihm eine große Summe Geldes gestohlen, so ist dieser Geliebten selbst objektiv der 
Vorwurf der Diebin durchaus nicht zu machen. Geld ist ein Ausdruck für psychische Möglichkeiten und Energien. Nicht das Mädchen, 
sondern die in diesem Falle verblendete Beziehung zu der Geliebten wirkt sich aus, als ob der junge Mann bestohlen worden wäre. Er opfert 
seiner Verliebtheit eben zu viel. Die Psyche weiß um die tatsächliche innere und meist auch um die äußere Wirklichkeit. Sie ist, anders als 
das Bewußtsein, ohne Vorurteil, dafür von um so größerer Urteilskraft. Ihr Richterspruch geschieht in Bildern, Gleichnissen, Symbolen und 
oft sehr ausführlichen Szenen. Man kennt jenes hübsche, sehr leise moralisierende Märchen, in dem ein Mann, auf Jahrtausende hin bedacht 
mit den hübschen kleinbürgerlichen Annehmlichkeiten seines einstigen Lebens, glaubt, sich im Himmel zu befinden, um dann zu erfahren, 
daß er ganz besonders tief in der Hölle sitzt. Diese Wahrheit der andern Seite erfährt mancher im Traum. Er glaubt, oben zu sein, und ist tief, 
sehr tief unten. 

Absicht des Traumes 
Je tiefer man in die erstaunlichen Zusammenhänge zwischen Traummitteilung und Lebenssituation des Träumers, zwischen Traum und 
Schicksal, eindringt, desto mehr drängt sich uns der Gedanke an eine erzieherische, an eine führende Absicht des Traumes auf. Was den 
Traum erregt, verliert an Bedeutung gegenüber dem, worauf er hinzuzielen scheint. Leicht gerät man in die Formulierung: der Traum will 
mir sagen, daß . . . Will er es wirklich? Einerseits besteht die nicht unbegründete Vermutung, daß unsere unbewußte Seele immer träumt. 
Anderseits widerstrebt es uns, bei jener sichtlichen Verbindung zwischen Trauminhalt und Traumintensität und unserem übrigen 
Lebensgeschehen, anzunehmen, daß die Seele nur für sich selbst das immer erneute Schauspiel ihrer Träume sich vorführe. Viel lieber wird 
der Dienst, den unser Traum durch seine als an uns gerichtete Mitteilung aufgefaßten Bilder zu leisten vermag, als ein beabsichtigter Dienst 
aufgefaßt, als eine Leistung der Seele an ihren Menschen, dessen richtige Lebensführung, dessen Heilung ihr wichtig sein muß. Ist es wohl 
so? Offensichtlich erleben wir es so, eben als eine für unser Wohlergehen höchst wichtige Tat der Seele. 
Der Traum ist eine Erscheinung der Gesamtpsyche. Die Seele ist Natur und, wie alle Natur, einfach da, von einer letztenSelbstverständlichkeit. Diese Erscheinung begegnet unserem Ich während des Schlafes. Beim morgendlichen Überlegen des Traumes stellen 
wir Wirkungen fest, die zu keinem andern Schlusse führen können als zu dem, daß eine große Ordnung, eine spürbare Richtung in diesem 
seelischen Naturvorgang des Traumes sich sinnvoll ins Lebensganze einfügt, mag manches noch so bewußtseinsfremd aussehen. Der Traum 
hilft uns, das ist wohl klar geworden! Dennoch ist die Helferabsicht des Traumes nicht zu erweisen. Der Traum wird uns eine Hilfe, und er 
wird, wenn sich das Bewußtsein um seinen Sinn bemüht, in eine anreichernde Beziehung zu diesem innenseelischen Ablauf treten. Der 


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Traum geschieht ohne unser Zutun. Er ist einfach da. Augustin hat Gott dafür gedankt, daß er für seine Träume nicht verantwortlich sei: Man 
hat dafür wirklich keine Verantwortung. Denn in solcher stehen wir nur für das, wozu wir die Freiheit und Möglichkeit einer bewußten 
Einstellung, eines beabsichtigten Tuns haben. Abgesehen davon, daß unsere Lebensführung manchmal bestimmtes Träumen hervorruft, 
deren Erscheinung doch ein wenig von uns abhängt, und für die wir teilweise verantwortlich sind, haben wir allerdings die große 
Verpflichtung einer richtigen Einstellung zum Traum. Hier darf das wenig bekannte und doch so herrliche Wort Gotthelfs über den Traum 
und unsere Verantwortung für eine richtige Verwendung unserer Träume angeführt werden: "Wenn Gott sich kündet in der Morgenröte, im 
Tau der Blume, in des Windes Spiel, und des Frommen Auge den Ewigen erkennet in allem Vergänglichen, warum soll dasselbe ihn nicht 
auch erkennen in des Traumes Spiel, diesen Offenbarungen des innersten Lebens des Menschen, diesen Weissagungen von Kraft und 
Schwäche, diesem wunderbaren Leben, das, wenn die Sinne ruhen, die Welt verhüllet ist, sich gestaltet als eine eigene Welt, bald verbunden 
mit dieser Welt und bald abgerissen von allem Bekannten, eine nie sichtbar werdende Insel im ungeheueren Meere des unsichtbaren innern 
Lebens, das in der Menschheit nach unbekannten Gesetzen ebbet und flutet! Wenn jede gute Gabe von Gott kämmt, dem Vater der Lichter, 
und dem Frommen alles zur guten Gabe werden soll, und wenn wir Rechenschaft zu geben haben von jeder, sind da nicht auch Träume gute 
Gottesgaben, und haben wir sie nicht anzuwenden zu unserem geistigen Wachstum?" 
Ob der Traum die Absicht hat, uns beizuspringen, uns zu beglücken, uns zu erschrecken, Belehrung und Einsicht zu schenken, uns zu 
verbinden mit den Grundlagen unserer inneren Existenz -wir wissen es nicht. In seiner Wirkung aber sieht es so aus. Der Traum erhebt 
keinen Anspruch, uns ein Führer oder Lehrer zu sein. Noch nie hat ein Traum dies selbst ausdrücklich von sich gesagt. Aber er kann dazu 
werden, wenn wir unsere Absicht, ihn zu verstehen, an ihn herantragen. Er ruft uns nicht, auch wenn wir in ihm etwa angerufen werden. Wir 
aber rufen, uns seiner am Morgen erinnernd, ihn herbei, weil wir auf seine Weisheit nicht verzichten möchten. Sein Wissen - das wird uns 
nach und nach wertvolle Erfahrung - hat Anteil am tieferen Wissen der Ganzseele, jenem Wissen, das in der fernsten Vergangenheit wurzelt, 
unsere Gegenwart kennt und auch um die Zukunft weiß. Als ein Organ der Seele und als ein Sprecher der Seele nimmt er Teil an ihrem 
ewigen Gespräch, teilt uns davon mit, was zu erfahren uns zur Zeit offenbar not tut. So sieht die Absicht des Traumes aus: Noch bevor es uns 
bewußt wird, welchen Weg wir durchwandert haben, welche Frucht uns nach einer schweren Auseinandersetzung der Seele mit ihren 
Konflikten geschenkt wurde, berichtet der Traum von diesem Fortschritt, von dieser unserer fruchtbaren Wegfindung. Wo dem Menschen 
Unglück zustieß, der Tod ihm das Liebste nahm, wo Einsamkeit die armselige Speise seiner Tage war, Krankheit ihn niederwarf und 
wirtschaftliche Gefahr ihm drohte, da greift die heilende Seele mit den gewaltigen Möglichkeiten des Unbewußten auf das zurück, was die 
Menschen immer in schwerer Situation als Bestes gefunden und wonach sie gehandelt haben. Die Seele befragt im Traum die Urweisheit des 
Lebens. Die Urweisheit des Lebens offenbart sich im Traum, und es kommt Antwort herauf, die sagt, wo man steht, die Wege andeutet, 
welche man jetzt am besten zu gehen hat. Aus ihren Energien heraus hilft die Seele das Schwere einzubeziehen in unser Leben, seinen Sinn 
zu erkennen, und wirklich zu assimilieren, was doch angenommen werden muß. Der Traum teilt das Wissen der Seele mit, ob mit Absicht 
oder ohne Absicht, wir wissen es nicht. Wir erfahren durch ihn, falls wir es noch nicht wissen, daß die Welt nicht gut, sondern voll des 
Bedrohlichen, des Gemeinen und Häßlichen ist. Es gibt wirklich Menschen, die das nicht sehen wollen, und diesen muß es besonders gesagt 
werden, damit ihr allzu idealistisches Weltbild in Ordnung kommt. Er sagt es auch dem, der es wohl weiß, aber die bittere Wirklichkeit noch 
nicht genügend angenommen hat. Anderseits weiß die Seele auch um das Helle, um das Helfende in der Welt und um die 
Unerschöpflichkeit, den Reichtum des Lebens, seine Inhalte und Formen; sie weiß um die Güte, um das Glück, um Liebe und Freundschaft, 
und sie sagt es im Traume dem, der diese glücklichen Tatsachen unserer allgemeinen Existenz ob seinen persönlichen Niederlagen und 
Bitternissen vergessen hat. Sie tröstet das Kind, das erschüttert ist vom schrecklichen Anblick der Welt, gequält von der unvernünftigen 
Härte und Launenhaftigkeit derer, die seine Eltern, Geschwister und Lehrer sind; sie hilft dem, der, noch ein Kind, allzu früh in den 
Daseinskampf hinausgestellt wird. Die Seele bedroht jene Kinder mit schrecklichen Träumen, die in einer allzu glücklichen und völlig 
sorgenfreien Jugend leben, welche alles Erdendunkle, jede Daseinshäßlichkeit von ihnen fernhalten möchte. Denn das Dasein ist weder ein 
Paradies noch eine Hölle, sondern eine Wegwanderung durch die dunkeln Täler der Schmerzen und Nöte, durch das Feld feiner oder 
kräftiger Genüsse, auf der breiten Straße der Leistung, des Erfolges. Wenn wir um beides wissen und für beides gerüstet sind, dann werden 
wir diese Wanderung mit ihren Prüfungen und ihren Glücksgeschenken bestehen können. Auch diese Weisheit, in einem Jahrtausende alten 
Leben gewonnen, vermittelt die träumende Seele, mögen wir nun zuhören oder nicht. 
Wir wissen oft nicht, wie groß die Bedrohung ist, in der wir innerlich oder auch in der Außenwelt eben stehen. Wir merken es kaum, in 
welche Enge wir uns hineinmanövriert haben, welch unnötige Last auf uns zu nehmen wir im Begriffe sind, ahnen noch nicht, welche 
Konsequenzen unser Tun hat. Aber die Seele weiß es, sie schaut uns zu und stellt uns im Traum die Gefahr sehr eindrücklich vor. Jung gibt 
eine sehr einleuchtende Parallele, wenn er anläßlich von Kinderträumen sagt: "So wie die Natur auf körperliche Infektionen reagiert, 
obgleich das Bewußtsein davon nichts weiß, daß die Infektion stattgefunden hat, so reagiert auch das Unbewußte in seiner sichern Steuerung 
unserer Persönlichkeit auf psychische Gefährdungen. Der Traum ist eben ein Informations- und Kontrollorgan und darum das wirksamste 
Hilfsmittel beim Aufbau der Persönlichkeit." Das Unbewußte darf nicht als Diener unseres Bewußtseins betrachtet werden, sondern es 
leistet, wie es auch dieses tun sollte, den notwendigen Dienst an unserem Gesamtleben. Wesentlich bleibt, daß dieses Bewußtsein, nämlich 
unser Ich, das seine besondere Tagesaufgabe hat und diese niemals vernachlässigen darf, um endlos seine Träume zu meditieren, diesen doch 
für eine kurze halbe Stunde Gehör schenkt und als Gegengeschenk in der Deutung des Traumes Einsicht und Kraft erhält. 
Von Origenes stammt das Wort: "Gott straft niemanden, ohne ihn vorher gewarnt zu haben". Manche träumen solche Warnungen. Man darf 
sie nicht harmlos und unverbindlich deuten. Jede seelische Beratung von Menschen, welche auch die Träume zu Wort kommen läßt, kann 
diese Behauptung, wenigstens nach der weltlichen Seite hin, bestätigen. Man macht da gelegentlich bedrückende Erfahrungen - bedrückend, 
weil die Warnung nicht verstanden, oder, wenn verstanden, nicht angenommen wurde. Da mußte man dem Unheil seine Straße freigeben. Es 
gibt viele Träume, die wir als Warnungsträume auffassen könnten. Der Traum freilich sagt nur: "So ist es zur Zeit, oder so wird es werden". 
Unser Bewußtsein erst erlebt diese Mitteilung als Warnung und kann seine Konsequenzen ziehen. Da ist der Traum, und wir versuchen mit 
dem Träume etwas "anzufangen". Im wörtlichen Sinn wird mit der Deutung einer Gruppe von Träumen, die um ein bestimmtes Problem 
kreisen, ein "Anfang" gemacht zu einer neuen Einstellung, zu einem Verhalten, das der Gesamtrichtung der Seele weniger zuwiderläuft. 
Notwendigerweise müssen wir Menschen, wie die andern Lebewesen, das, was uns die äußere Natur bietet, nutzen; wir sind dankbar für 
deren Gaben, die sie scheinbar für uns bereit hält. Dabei denkt die Natur, soweit man überhaupt von "denken" sprechen kann, nicht an uns, 
sondern sie ist einfach da, ohne Absicht ihrerseits. - So nehmen wir auch die Träume, die in sich selbstverständliche Gabe der psychischen 
Natur, dankbar entgegen, in der Absicht, von ihnen genährt zu werden. Wer sich wirklich mit seinen Träumen beschäftigt, ihre Botschaft 
anhört, ihren Sinn aufnimmt, um im Einklang mit dem Weltbild der Seele, auch wenn damit das Leben erst besonders schwer wird, seine 
Wege zu gehen, der besteht vor jener großen inneren Instanz, die uns im Traume ihre Stimme kund tut. Damit aber hat er sich dem Ethos des 
Lebens unterstellt. Er will mit seinen bewußten Kräften das Beste erreichen, das zu erreichen ihm unter der Sonne eines gnädigen Schicksals 
möglich ist, nämlich die Verwirklichung des ihm persönlich anvertrauten eigenen Lebens, seiner einmaligen Persönlichkeit. Damit ist die 
höchste Absicht des Lebens, der auch der Traum dient und die er andeutet, erfüllt. 

ARTEN DER TRÄUME 

Alltagsträume 
Von jeher haben die Menschen in echter Witterung für das Wesentliche unterschieden zwischen dem kleinen alltäglichen Traum, dem Traum 
von größerer persönlicher Bedeutung und dem seltenen Großtraum. So weiß bei Homer schon Penelope, die Gattin des Odysseus, davon, daß 
es harmlose, sie nennt sie "nichtige", und wertvolle Träume gibt, Träume des Alltags und Botschaften der Götter. Der römische Schriftsteller 


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Makrobius sagt in einem vielverbreiteten Kommentar zum berühmten Traum des römischen Feldherrn Scipio, es gebe gewöhnliche, kleine 
Träume, welche der Deutung überhaupt nicht würdig wären, denn sie seien nur die Wiederholung des Alltags, redeten von unsern Freunden 
und Feinden, von kleinen Dingen der Liebe, vom Essen, vom Gelde, dem Ansehen auf der Straße - im Grunde aber seien sie gleichgültig, da 
ihnen das Göttliche der Großträume fehle. Der mittelalterliche Gelehrte Albertus Magnus betont dasselbe, daß es nämlich gewöhnliche, 
natürliche Träume gebe, die sich auf das Alltägliche bezögen. Ihnen ständen jene Träume gegenüber, die Gott schenkt, in denen also etwas 
von göttlicher Führung sich ankündet. 
Wer gewohnt ist, nach dem Erwachen noch einmal den Blick zurückzuwerfen in die entgleitende Landschaft der Träume, rasch noch einmal 
den Vorhang zu heben von der Traumbühne, auf der nun ohne unsere Zuschauerschaft weiter gespielt wird, der weiß, daß unsere Nacht oft 
von kleinen, ganz in der Sprache des Alltags sich äußernden Träumen begleitet wird. Sie beziehen ihr Aufbaumaterial vorwiegend aus einer 
uns vertrauten Welt. Es gibt sehr einfache, alltägliche Träume. "Ich war im Laden, aber hatte kein Geld bei mir, was mich sehr beschämte", 
"Ich traf eine Nachbarin und bekam dann einen Brief"; oder: "Ich sah einem Vorbeimarsch von Soldaten zu", "Die Wäscherin teilte mit, daß 
sie schon heute komme". Kleinere Symbole wohnen auch in diesen Träumen. Ein Beispiel verdeutlicht dies: "Mich wollte eine Freundin aus 
der Zeit, da ich einen Ausbildungskurs in Genf absolvierte, unerwartet besuchen. Ich war aber noch nicht angezogen und konnte meinen 
Kamm nirgends finden. Ich schickte nun mein kleines Mädchen, die Tür zu öffnen, die Freundin aber kam nicht, doch hielt ich eine Karte 
von ihr in der Hand, die mir aber nicht mein Mädchen gebracht hatte. Die Karte war wie ein Stück Brot, und ich versuchte davon. Mein 
Mann sagte: "Das ist doch kindisch, Du bist wie Tante Lena", aber ich habe keine solche Tante. Ich begann mich anzuziehen, fand aber nur 
ungleiche Schuhe. Ich war dann in einem kleinen Garten, wollte jäten, mochte es aber doch nicht tun, sah einen struppigen Vogel, 
verscheuchte ihn und ging dann zu meiner Mutter, die aber nicht mehr lebt; auch das wußte ich im Traume, ging aber dennoch hin." In 
diesem einfachen Traum ist das Erlebnismaterial verbunden mit einigen kleinen Symbolen: dem Kamm, dem Brot, den Schuhen, dem Garten 
und dem Vogel. Typisch ist die nicht sichtbare Gestalt der Freundin und die verstorbene Gestalt der Mutter. 
Alle diese Träume beziehen sich auf das Hin und Her, Auf und Nieder unseres täglichen Lebens. Wenn man ihren Sinn erfaßt, mag man 
lächeln darüber. Diese kleinen Träume spiegeln die Situation des Gestern, des Heute und des nächsten Morgens, ergänzen sie nach der 
unbeachteten Seite hin. Jung bemerkt dazu: "Handelt es sich um kleine Einstellungsänderungen, so verwendet der Traum keine offenkundige 
mythologische Sprache. Statt des Drachens ist es dann ein Automobil, statt des Drachenbauches ein unheimlicher Keller, bei der 
Spiritualisierung ein Lift, statt des Opfermessers eine medizinische Spritze, statt der Tortur ein mühsames sich Durchklettern oder eine 
schwierige Kletterpartie." 
Der Hellhörige vernimmt aber auch in diesen kleinen Dingen die leise Stimme des Wesentlichen unserer Existenz. Denn auch der 
gegenwärtige schmale Abschnitt unseres Lebensbandes ist durchzogen von der "Kette" unseres typischen Schicksals, während die kleinen 
täglichen Ereignisse wohl den queren "Schuß" bilden. Es gibt sehr selbstverständliche kleine Träume, die man üblicherweise hat, wenn man 
eine junge, glückliche Frau in einem eben begonnenen Haushalt ist, die man als Student träumt, wenn man allzu sehr auf ein Examen zu 
arbeiten hat und dabei jene hübschen Güter des Lebens vernachlässigt, die der liebe Gott für seine jungen Leute besonders beiseite gelegt hat. 
Dazu gehören alle jene Träume, die sich beschäftigen mit unsern kleinen oder größeren Unarten, mit den Versuchen, uns besser an die 
Außenwirklichkeit anzupassen. Es gibt alltägliche Träume fast jeden Berufes, jeder Stellung; sie ergänzen und korrigieren und sind oft ein 
Ventil im Druck kleinerer Konflikte und Komplexe. 
In den gewichtigeren Träumen wird mehr der Weg der kommenden Entwicklung erörtert, werden Lebensbegegnungen in die richtige 
Bewertung hineingerückt; man erhält in ihnen Hinweise und sieht Situationsdarstellungen auf weitere Sicht. In ihnen ist oft schon ein großer 
Symbolgehalt, sie enthalten schon mythische Motive, führen in archetype Situationen, bedienen sich aber doch noch der Sprache unserer 
Wirklichkeit und benützen reichlich das Erlebnismaterial des Träumers. In diesen gewichtigeren Träumen kann ein Löwe in unsern 
Arbeitsraum eintreten, wir finden eine Kostbarkeit irgendwo in unserm Haus, wir gehen durch einen dunklen, fremden Wald und kommen 
auf die Straße, die nach L. führt. Unbekannte Gestalten und eine sehr vertraute, menschliche Umwelt leben durcheinander. In diesen 
Träumen glänzt eine tiefere mythische Schicht durch die Bilder des uns bekannten Lebens hindurch. Die ganz alltäglichen Träume wird man 
sich nur gelegentlich ansehen. Sie sind eine einfache Begleitmusik. Die gewichtigeren Träume aber wird man besonders in Konfliktzeiten 
sich jeden Morgen notieren, man wird sie zu deuten versuchen so weit man es vermag, um durch sie zu erfahren, wo man steht, was einem 
fehlt, wohin man geht. In diesen Träumen, denen das Faszinierende und das Gefährliche der Großträume noch abgeht, begegnen wir unsern 
persönlichen Konflikten und Komplexen. Sie deuten an, welche Schritte der Weiterentwicklung wir zu tun haben. Sie machen die 
Hauptgruppe der Träume aus, die dem psychologischen Berater, der es ja viel mit akuten Lebensschwierigkeiten zu tun hat, jeweils vorgelegt 
werden. Die Deutung beschäftigt sich immer wieder mit dieser mittleren Gruppe von Träumen. Denn wir sind einerseits hineingestellt in die 
Aufgaben unseres Tages, in die Problematik der Wochen und Monate, haben zu verarbeiten, was das Leben an uns heranträgt. Anderseits 
aber stehen wir unter dem Bogen größerer Lebenszusammenhänge, die in unsern Träumen das sich Wandelnde und das zu Erfüllende in 
bedeutenden Symbolen uns nahebringen. Die kleineren und mittleren Träume nehmen Bezug auf das meist wenig bewußte Programm 
unserer persönlichen Gegenwart, mit der wir allzu identisch sind. Großträume handeln von den paar wenigen umfassenden Lebensaufgaben, 
die uns in den Ablauf allgemein - menschlichen Schicksals hineinstellen. Welche Kräfte uns dafür zur Verfügung stehen, wie weit wir diese 
Aufgaben lösen, worin wir uns verfehlen, und was uns auf diese Wege die Gnade des Lebens mitgibt, davon spricht der Großtraum in seinen 
uns ergreifenden überzeitlichen Symbolen. 

Der Wecktraum 
Er reiht sich bescheiden unter die kleinen Träume, stellt sich also zu jenen Äußerungen des Unbewußten, in welchen das alltägliche Leben 
sich spiegelt, und von denen dieses manchen Antrieb erhält. Für solch kleine, aber zur Stunde - man nehme dies hier nur wörtlich! - wichtige 
Handreichung ist er als ein getreuer Aushilfsdiener fast immer rechtzeitig da, noch rechtzeitig da, denn der Wecktraum nähert sich dem 
Schläfer erst dann, wenn die Wahrscheinlichkeit des Sich-Verschlafens schon recht groß ist. Es gibt Menschen mit einem sehr 
differenzierten Empfinden für die Uhrzeit. Wann immer sie sich selbst nach der Stunde fragen, antwortet ihnen ihr Zeitgefühl sofort richtig, 
vergleichbar der mechanisch sprechenden Uhr im Radio. Diese Leute wachen auch zur gewünschten Nacht- oder Tagesstunde auf. Andere 
aber, welche die Neigung haben, sich zu verschlafen, werden, falls sie nicht für rechtzeitiges Gewecktwerden gesorgt haben, wie es in den 
Städten sogar das Telephonamt übernimmt, vom Traumamt geweckt. 
Der einsetzende Wecktraum hat seinen besonderen Ablauf und seine sich steigernde Intensität. An seinem Ende muß das Wachwerden des 
Träumers stehen. Verwendet werden Verspätungsträume, Träume der Hemmnisse, ein Geräusch von außen wird verstärkt oder der Träumer 
von jemand energisch angerufen. Man träumt sich beispielsweise als Schüler und ist - wie einst so häufig - äußerst knapp in der Zeit. Man 
eilt also, aber es stehen Hemmnisse im Wege, jemand will uns den Weg nicht freigeben -nämlich unser Schlaf und dessen angenehmeBequemlichkeit. Man gerät also in Angst und - erwacht darauf! Ähnlich sind die Träume der Furcht, nicht rechtzeitig in den Militärdienst 
einzurücken: man sucht vergeblich seine Ausrüstung zusammen. Noch fehlt etwas, man ist eben "noch nicht beieinander", man liegt ja noch, 
seiner selbst nicht mehr Herr, im Bett. Frauen sollten im Traume das Morgenessen rüsten, auf den Markt gehen, haben frühen Bürodienst. 
Am häufigsten verwendet der Traum, neben der gelegentlichen Ausmalung der Gefahr, zu spät zu einer Prüfung zu kommen, die Drohung 
mit dem Zugversäumnis. Damit macht er dem Schläfer, wie man so drollig sagt, endlich "Beine"! Daß diese Versäumnisträume oft nicht zum 
Aufwachen führen sollen, sondern einen viel ernstem Sinn haben, wird unter dem Symbol der "Zugsträume" ausgeführt. 
Der Wecktraum erzeugt im Träumer eine unangenehme Situation und sammelt kleine Energiemengen um diese Situation. Es entsteht 
Unruhe, ein Riß in den bewußtseinsnahen Schichten; die Energie strömt durch die kleine Bresche ein und sprengt die Decke des Schlafes. 
Man könnte annehmen, der Wecktraum führe dem Schläfer einfach vor, was jetzt zu geschehen hätte: sich vom Lager erheben, sich 


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ankleiden, frühstücken, das kleine Tagesgerät zusammennehmen und an die Arbeit, in den Dienst, auf den Markt, in die Praxis oder zum 
Morgenzug zu eilen. Dem ist aber nicht so! Vielmehr ist es geradezu eine List des halb wach gewordenen Schläfers, zu träumen, man sei 
schon aufgestanden und im Begriffe zum Frühstück zu gehen - so wie mancher, der von einem Angehörigen geweckt wird, zurückruft: "Ich 
komme gleich, ich stehe sofort auf!", um nach dieser Feststellung aus einem Augenblick geringster Schlaftiefe, wieder beruhigt in seinen 
wohligen Morgenschlaf zurückzufallen. 
Der Traum muß ganz andere Situationen schaffen, muß Unlustspannung hervorholen. Die Traumsituation scheint auch um so gefährlichem 
Charakter zu haben, je notwendiger sofortiges Erwachen ist - etwa in direkter Lebensbedrohung, sei es überfall, Feuer, Reisegefahr. Von 
solchen aufrüttelnden Träumen wissen vor allem die Soldaten und Reisenden zu erzählen. Die einfachen Weckträume vollziehen sich nicht 
in großer Tiefe, stehen sie doch schon in direkter Beziehung zu den Verpflichtungen des anhebenden Tages. Aber sie verhindern durch ihrDazwischentreten mögliches Mißgeschick, Ärger und die kleine Entwertung, welche der Zuspätkommende sonst von seiner Umwelt erfährt. 
So hat der und jener allen Grund, dankbar zu sein für die kleine, aber präzise Fürsorge des Unbewußten gegenüber seinem Schläfer im 
bescheidenen Wecktraum. 

Großträume 
In den seltenen Großträumen begegnet der Träumer seelischen Inhalten von umfassender Bedeutung und von höchst eindrücklicher 
Gestaltung. Aus solchen Träumen verschwindet nach kurzer Einleitung, die noch an Tageserlebnisse, an die gegenwärtige Welt des 
Träumers anknüpft, im Verlaufe des Traumgeschehens allmählich fast alles persönliche Erlebnismaterial. Die Gegenwartsproblematik tritt 
zurück, und der Traum tritt in eine Welt der elementaren Natur- und Geisteserfahrung, sich abbildend in einem großen Traumerlebnis. Der 
Großtraum spricht, worauf wir schon hinwiesen, nur noch die Sprache des ganz zu Symbolen verdichteten allgemein menschlichen Erlebens; 
er ergeht sich in der überzeitlichen, ergreifenden Gebärde der urtümlichen Bilder. Hie und da fügen sich als Brücken und Verklammerungen 
kleinere, bewußtseinsnähere Elemente ein, die noch mit unserem persönlichen individuellen Sein zu tun haben. Auch kann der Träumer, dem 
der Großtraum geschieht, mit seinem Ich in diesen hineinbezogen werden. Er ist dann der Erwanderer dieser an Mythen und Märchen 
erinnernden großen Schau, die ihn sonst, außer seiner Mitanwesenheit, nichts anzugehen scheint. Was er aber schaut, ist oft von einer 
erstaunlichen Schönheit, gemahnend an ganz große Dichtung, oft aber auch von einer furchtbaren Düsternis, hineinführend in dunkelstes 
Lebenschaos. Er kann ins verzehrende Licht einer gewaltigen Sonne, in herrliche Landschaften und Begegnungen mit noch nie gesehenen 
Menschen und menschenähnlichen Wesen geführt werden; er kann hinabgleiten in ein erschütterndes Urerschrecken. In diesen Träumen 
erfährt man die Mächte des Lebens. In ihnen beginnen die Tiere zu reden, die Lebensbäume wölben sich grün über ein unfaßliches Blühen, 
nie gekannte Meerfahrt wird unternommen, Gefahren der Wüste werden überwunden -wenn der Traum als Gleichnis des Schicksals uns 
gnädig ist -, und das uns sonst nie mögliche Werk wird geleistet. Man findet sich vor im Blutdunst des Krieges, in der wilden Dämmerung 
der Verbrechen, in der lichten Welt einer geistigen Atmosphäre; man geht vorüber am Tode und ahnt die wenigen großen Dauergeschenke, 
die das Leben zu vergeben hat. Zwei Beispiele mögen denen, die sich eigener Großträume nicht erinnern, von solchen Möglichkeiten eine 
Ahnung vermitteln: In einem solchen Traume kam der Träumer aus seinem dunkeln Hause hinaus in einen großen Rebberg; die blausten 
Trauben hingen an den Stöcken, und der Träumer selbst trug das Gewand eines antiken südlichen Gutsherren. Unterhalb des Weinberges zog 
sich die kleine Straße der Rebfuhren hin. In der Tiefe lag eine Stadt. Wie der Träumer durch den Weinberg zur Straße hinabsteigen wollte, 
sah er auf dieser einen mächtigen Löwen, ein königliches Tier. Der Träumer im vornehmen Gewand und dieser herrliche Löwe sahen sich 
sehr lange an; es wurde von ihnen dann der Beschluß gefaßt - solche Beschlüsse sind in Großträumen fast wie Gottesbeschlüsse -, daß dem 
Träumer der Weinberg, dem Löwen vorläufig diese Straße gehören sollte. -Man darf hier vielleicht beifügen, daß Weinstock und Wein 
Symbole geistiger Fruchtbarkeit sind, der Löwe dagegen die mächtigste Triebintensität darstellt. 
Von einem Manne -nach großer Depression, in welche ihn allzu einseitige Verstrickung in wissenschaftliche Arbeit und eine 
energieverzehrende menschliche Beziehung gestürzt hatten - stammt der folgende, in den Anfängen seiner psychischen Wiedergeburt erlebte 
Traum: Aus einem Klumpen schwarzbrauner Erde steigt eine Kugel, herrlich wie eine blaue Sonne. Sie öffnet sich und wird zu einem 
kugeligen Kristallgefäß. Vier Schlangen erheben sich daraus und tragen eine Schale; die Schlangen wenden sich nach innen. Aus dieser 
Schale steigt eine Kristallsäule, sich erweiternd zu einer zweiten Schale. Diese wird getragen von vier Löwen, die nach den vier 
Himmelsrichtungen schauen. Aus der Löwenschale erhebt sich noch einmal eine Säule, auf der zuoberst ein strahlender, vielgeschliffener 
Diamant ruht. 
Es gibt ein sehr einfaches äußeres Kennzeichen dafür, ob man in der Nacht von einem Großtraum heimgesucht wurde. Großträume muß man 
nämlich jemandem erzählen, man kann sie nicht für sich behalten. Bei primitiven Völkern werden sie dem Stamme als eine Botschaft der 
Götter oder Dämonen vorgetragen, der Stamm erlebt sie mit; denn sie wurden für ihn geträumt und enthalten Weisungen für das Verhalten 
des Stammes in einer offensichtlich wichtigen nahen Zukunft.
Auch bei uns sagt wohl jemand plötzlich: "Übrigens, ich hatte doch einen seltsamen Traum!" Und dann wird dem zufälligen Zuhörer der 
Traum vorgetragen. 
Es ist durchaus am Platze, daß Großträume angehört werden, denn sie gehören ja, um beim Wortspiel zu bleiben, allen an. Mit dem Erzählen 
wird auch der Bann, der über dem Erzähler lag, gemildert; die große Lebensenergie, welche sich in diesem Traume zusammenballte, löst 
sich, und die Spannung läßt nach, weil Abfluß geschaffen wurde. Selbstverständlich wäre es besser, man könnte einen solchen Großtraum 
einem wirklich traumkundigen Menschen erzählen. Im ersten Fall wird zwar die Spannung vermindert, wird im Traumbericht noch einmal 
bewußt, was geschehen, und es wird damit eine bewußte Wirkung, wenn auch geringen Maßes, auf den Träumer erreicht. Aber die Früchte 
dieses großen und vielleicht schrecklichen Traumes fallen einem eben nur zu, wenn man sie sorgfältig sammelt und eingehend betrachtet; 
dann aber werden sie erstaunlich reiche Nahrung auf dem Lebenswege. 
Die meisten Menschen haben ihr Leben hindurch nur einige wenige Großträume. So können sie vielleicht einen Traum aus der Kindheitnicht mehr vergessen. Großträume erscheinen vor oder nach bedeutsamen Änderungen der Lebensführung, vor allem aber um die 
Lebensmitte und wieder an der Schwelle des Alters, dann nämlich, wenn eine große, allgemein menschliche Neueinstellung von der Seele 
gefordert wird. Die meisten Menschen behalten ihre Großträume als einen sonderbaren, scheinbar sinnlosen Besitz im Gedächtnis. 
Um es zu wiederholen: Großträume sind Gestaltungen dessen, was wir als bedeutend, ergreifend, reichhaltig, lebendig bezeichnen. Sie 
erscheinen als Einheit, als Gestalt, der wir gegenüberstehen. Dieser Größe gegenüber können wir uns sehr ängstigen, und es droht vielleicht 
das schmale Bewußtsein zu zerbrechen, denn jene enthalten in ihren Symbolen die Kraft oft zwingender Wandlungen, enthalten Sterben und 
Wiedergeburt, sie sind Großurteile über das Vergangene, Plan und Botschaft eines neuen Lebensauftrages. Vor diesem so Bedeutenden, das 
unsere Seele anruft, manchmal furchtbar wie die Stimme Gottes, fürchtet sich der Mensch mit Recht. In der Geschichte haben die Propheten 
und Künder einer neuen innern Lebenshaltung nur unter Erschauern den Auftrag angenommen, den ihnen die Gottheit in Visionen und 
Großträumen übermittelte. 
Hier ein Wort zu den sogenannten "schönen" Träumen. Man begegnet öfters Menschen, deren bewußte Lebensführung sich nicht gerade 
durch Intensität und Ordnung auszeichnet. Manchmal sind sie selbst von einer sehr harmlosen Persönlichkeit, manchmal freilich versteckte 
Künstlernaturen. Ihnen passieren nun öfters die großartigsten Träume. Auf sie starrt nun der Träumer in unerlaubter Faszination, dankbar, 
dem Alltag enthoben zu werden. Nach und nach scheint alle Energie dem Unbewußten und seinen Träumen zuzufließen. Es besteht also die 
Gefahr einer völligen Wirklichkeitsentfremdung: der Mensch wird zum "Träumer!" Jeder Mensch hat sich aber in seinem täglichen Leben 
mit den einfachen und schlichten Dingen des Alltags abzugeben. Wer vom Morgen bis zum Abend nur von großen Ideen und ewigen 
Gedanken redet, alles als letzte Entscheidung betrachtet und nicht begreift, daß sein seelischer Alltag und seine Umwelt des täglichen Opfers 
bedürfen, ist immer verdächtig. Wer Sonne und Sterne und die Gewalt des Meeres in Idee und Traum fortwährend in Bewegung setzt, der ist 


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"verrückt"! Großträume als fast allnächtliches Erlebnis lassen eine gefährliche Anlage zu Schizophrenie vermuten. Da hat sich ein Schacht 
geöffnet hinab zu den Urbildern der unpersönlichen Seele. Allzuleicht könnte das kleine, unachtsame Ich einmal hinabstürzen und nie mehr 
zurückkommen. 
Für den einfachen Menschen, dem nicht als Gegengewicht eine große Geistigkeit, ein höchst waches Bewußtsein zur Verfügung steht, fest 
verankert auch in einem an äußeren Tatsachen, an tätiger Arbeit reichen Leben, bilden die Großträume eine Gefahr. Diese Gefahr besteht 
darin, daß solche Großträume aus der Tageswirklichkeit wegreißen können, daß also hier das Bedeutende nicht erlöst, sondern uns in seine 
mythologische Welt hineinzieht und damit die dem Menschen notwendige Verbindung mit seinem kleinen, aber doch eben zu erfüllenden 
Alltag, unterbricht. Im Energiegleichnis ausgedrückt: Großträume sind Starkstrom- Akkumulatoren; für manche Leute heißt es darum: 
"Berührung verboten"! Wer in eine solche Gefahr tritt, wird in den kleinen Träumen der nächsten Zeit sehr viele Warnungen und Mahnungen 
finden. Denn es kann ja nicht die Absicht der Seele sein, ihren Träger unvernünftig aus dem einfachen Leben zu rücken. 
Großträume sind normalerweise selten. Viel weniger selten ist der bedeutsame Traum, in dem bewußte Inhalte des Traumes ineinander 
gewirkt sind mit rein symbolischen Inhalten. Da fällt vom Symbol her Licht auf die Geschehnisse unseres gegenwärtigen Lebens, und diese 
menschenähnlichen Geschehnisse wiederum bringen das Symbol mit seinem Allgemeingültigen in die Nähe unserer persönlichpsychischen 
Existenz. Eine kleine Bemerkung zu den Träumen schöpferischer Menschen ist hier vielleicht am Platze. Man nimmt gerne an, daß die 
Träume der Künstler, vor allem der Dichter, viel großartiger seien als die der sogenannten "gewöhnlichen" Menschen. Dem ist nicht ganz so. 
Natürlich haben sie einige Großträume drängendster Art, ehe ihr Schöpfertum ins Werk durchbricht. Auch sie werden an entscheidenden 
Stationen ihres Lebens von Großträumen beglückt, gleich wie die andern Menschen, mit denen das Leben etwas vor hat. Im übrigen, und das 
macht beispielsweise ihr Dichtertum aus, träumen sie aus der Fülle ihrer Phantasie das Bedeutende in ihren Werken und nicht in ihren 
Nächten. Wo Träume Bestandteile der Dichtung sind (etwa bei den Romantikern), da sind dies Phantasien und Nachtgesichte, deren 
herrliches Material aus dem Bildergrund der Seele stammt, an dem wir alle teilhaben. Der Dichter aber bearbeitet seine Träume und läßt sie 
als höchst ausgewogene Kostbarkeiten im besonnenen Sprachglanz des dichterischen Kunstwerkes aufleuchten. Niemand wird annehmen, 
die vorliegende Probe aus den "Heimatträumen" des "Grünen Heinrich" von Gottfried Keller sei unberührt wiedergegebenes Traumgesicht 
des Dichters; niemand aber wird anderseits behaupten, diese eindrückliche Vision der Heimkehr sei vom künstlerischen Geiste des Dichters 
rein erfunden oder gar konstruiert worden. Diese "Heimatträume" sind vielmehr eine eigenartig schöne Einheit, geboren aus bewußt 
geleiteter Phantasie und dem Bilde verströmenden psychischen Naturgeschehens im nächtlichen Traum. 
"Seit ich nämlich die Phantasie und ihr angewöhntes Gestaltungsvermögen nicht mehr am Tage beschäftigte, regten sich ihre Werkleute 
während des Schlafes mit selbständigem Gebaren und schufen mit anscheinender Vernunft und Folgerichtigkeit ein Traumgetümmel in den 
glühendsten Farben und buntesten Formen. Ganz wie es wiederum jener irrsinnige Meister und erfahrene Lehrer mir voraussagt, sah ich nun 
im Traume bald die Vaterstadt, bald das Dorf auf wunderbare Weise verklärt und verändert, ohne je hineingelangen zu können, oder wenn 
ich endlich dort war, mit einem plötzlichen freudlosen Erwachen . . . Ermüdet eilte ich den Schlaf zu suchen und verfiel auch gleich wieder 
dem geschäftigen Traumleben. Ich näherte mich der Stadt, worin das Vaterhaus lag, auf merkwürdigen Wegen, am Rande breiter Ströme, auf 
denen jede Welle einen schwimmenden Rosenstock trug, so daß das Wasser kaum durch den ziehenden Rosenwald funkelte. Am Ufer 
pflügte ein Landmann mit milchweißen Ochsen und goldenem Pfluge, unter deren Tritten große Kornblumen sprossen. Die Furche füllte sich 
mit goldenen Körnern, welche der Bauer, indem er mit der einen Hand den Pflug lenkte, mit der andern aufschöpfte und weithin in die Luft 
warf, worauf sie als goldener Regen auf mich niederfielen..." 

Kinderträume 
Ein besonderer Umstand läßt uns das schwierige, der Laiendeutung unzugängliche Gebiet der Kinderträume doch nicht ganz umgehen. 
Immer wieder greifen Erwachsene, in der psychologischen Beratung beschäftigt mit ihren gegenwärtigen Träumen, auf einen Traum aus 
ihrer Kindheit zurück. Sie bemerken dazu, dieser Traum - etwa von der grau-dunklen grenzenlosen Masse, die auf sie zukam, von der 
großen Frau, die an der Schlafzimmertüre stand, vom großen Wasser, das über die Straße lief - habe sich mehrmals wiederholt. Auch seien 
sie immer wieder in einen Kampf verwickelt worden. Sie erinnern sich vielleicht auch an den herrlichen, buntfarbigen Vogel, der sich 
mehrmals auf das Fensterbrett gesetzt hat, der im Gartenbassin sich spiegelte. Manche Träume hören sich an wie ein Stück, herauserinnert 
aus einem Märchen. 
Um das dritte Lebensjahr beginnt das Kind relativ bewußt zu werden. Da erzählt es wohl, daß es in der Nacht "etwas gesehen habe". 
Natürlicherweise ist dieses innere Geschehen seines kindlichen Traumes gegen das Tageserleben nicht genau abgegrenzt. Ist doch in diesen 
Jahren sein Leben noch selbst fast wie ein Traum -ein Traum, in welchen es einst als alternder Mensch viel Sehnsuchtsglück 
hineinprojizieren wird. 
So erzählt Spitteler in der Rückschau auf seine "Frühesten Erlebnisse": " . . . wie golden schön die Landschaftsbilder in den Träumen der 
Erwachsenen leuchten mögen, die Landschaften, die der Traum des Kindes malt, sind noch seliger und süßer. Meine zwei ersten Lebensjahre 
sind meine schönste Bildersammlung und mein liebstes Poesiebuch." Das ist rückschauende, sehnsüchtige Betrachtung. Die Kinder zwischen 
drei und sieben Jahren erzählen etwa am Morgen ihren Traum, wobei sie sich vielleicht so ausdrücken: "Ich habe diese Nacht etwas ganz 
Komisches gedacht." Oder: "Es ist mir heut nacht, wie ich geschlafen habe, etwas Schönes in den Sinn gekommen." Oder: "Ich habe Angst 
gehabt in der Nacht. Aber ich habe doch geschlafen. Die Mutter ist nicht mehr dagewesen, dafür drei alte Frauen, die mich böse anblickten. 
Sie wollten mir etwas geben, ich sollte es essen. Aber ich wollte nicht. Ich glaube, ich habe es aber dann doch gegessen." Es fällt eben 
manchen Kindern schwer, das Leben, das ihrer wartet, anzunehmen, es zu verdauen. Die drei Parzen werden nur von kindischen Malern und 
Dichtern in einer Harmlosigkeit dargestellt, die der Qualität ihres eigenen Geistes entspricht. 
Es ist hier nicht der Ort, ausführlich über die Psychologie des Kleinkindes zu handeln. Sie wird bestimmt von der Tatsache, daß das 
neugeborene Kind das aller älteste menschliche Wesen ist, weil es ja noch nichts ist als unpersönliche Vergangenheit -nämlich seine 
Erbmasse und eine noch völlig unentwickelte Entelechie (nach Aristoteles die Fähigkeit, sich nach der ursprünglich angelegten Form zu 
entwickeln; zielstrebige Kraft eines Organismus, die seine Entwicklung lenkt), die eben beginnt, sich in einen Lebensablauf hinein zu 
verwirklichen. Es lebt noch in magischer Verbundenheit mit einer anderen Welt, die ihm im Traumbild das Gleichnis seines zukünftigen 
Lebens aus dem unerschöpflichen Vorrat ihrer Bilder menschlichen Lebens verleiht. Nur dies sei angemerkt: Gerade Kinder, denen das 
Schicksal eine besonders glückliche, sorgenlose Jugend gab, zwischen Eltern, die sich zärtlich lieben, werden in den Nächten oft von 
schweren Träumen heimgesucht. Es ist, als ob sie auf diese Weise darauf vorbereitet werden sollten, daß das Leben, das menschliche Dasein, 
auch ein böses Schrecknis sein kann, daß es ein Mühen werden kann, das nur unter Angst, Blut und Tränen sich bewältigt. Das müssen sie 
vielleicht unbewußt lernen. Nietzsche vermutet einmal, daß der Mensch sich in den Vorgängen seiner Träume für das kommende Leben übe. 
Das unbegreifliche Tun der Erwachsenen schaut oft ängstigend in die Träume der Kinder - die einst auch Erwachsene sein werden, 
unbegreiflich in ihrem Tun und noch unbegreiflicher im Erleiden ihres Geschickes. In manchen Kinderträumen werden auch die spätere 
Lebensunsicherheit, Mangel an Vitalität, vorzeitiger Tod, in ersten Träumen aus dem Wissen des nicht kindlichen Seelengrundes, das stets 
über die Gegenwart hinausgreift, vorweggenommen. Auf diese Tatsache ist in einem anderen Zusammenhange noch hinzuweisen. 
Träume aus der Kindheit, die wir auch als Erwachsene nicht vergessen können, die aus dem Dämmer der fernen Jugend schön und 
gespenstig herleuchten, waren und sind von höchster Bedeutung. In ihnen hat sich damals zu Beginn des Lebens - dies ist eine viel belegte 
Praxiserfahrung - ein ganzer Lebensplan in symbolischem Ausdruck angedeutet. Nachträgliches Vergleichen zeigt, wie oft die Seele bis in 
die wichtige Einzelheit hinein vorauswußte, welches die Richtung, die Art des Welterlebens, die Schicksalsschwierigkeiten ihres Menschen 
sein würden. Was uns als Kind tief beeindruckte, hat die latente Richtung unseres Wesens angerührt. Freilich bleibt es schwierig, hinterher 
all das Material beizubringen, in das jener Kindertraum damals eingebettet war, das Anlaß geworden ist zu Einzelheiten jenes fernen 


36 


Traumes. Die vielfach belegte Erfahrung, daß Kinderträume im Ausdruck allgemeiner Symbole oft einen Plan des künftigen Lebens 
enthalten, darf Eltern und Erzieher nicht dazu verführen, die Kleinen nach ihren Träumen auszufragen, noch weniger dazu die mitgeteilten 
Träume mit ihnen zu besprechen. Dagegen werden sie das Gefühl haben, ihr Söhnchen werde mit dem Leben auf längere Zeit hin schon 
fertig, wenn dieses erzählt: "Ich ging in den Wald. Da kam der Wolf. Ich habe Angst gehabt. Er hat mich aber nicht gefressen, ich habe ihn 
gefressen. Mein Bauch war nachher ganz dick!" 
Wo Kinder immer wieder Angst-, Feuer- oder Einbrecherträume haben, sollen sich, wie anderswo angedeutet wird, die Eltern selbst 
befragen, ob ihr eigenes Leben in Ordnung sei, ob es richtig gelebt werde, ob nicht ungelöste Spannungen, latente schwere Ehenot in das 
Unbewußte des Kindes hinüberfluten. Denn das Kind ist wirklich mit dem Unbewußten der Eltern verbunden, nimmt, ohne es zu wissen, an 
deren Erlebnissen als ein Ort des Widerhalls teil. Freiwillig erzählte Träume des Kindes können den Eltern die Augen darüber öffnen, wie 
sehr sie sich verrannt haben, können ihnen Anlaß werden, einer neu überprüften Ehegemeinschaft wertvolleren Gehalt und schönere Form zu 
geben. Die amerikanische Kinderpsychologin F. G. Wickes schreibt: "Es ist ein gutes Zeichen und ein Beweis dafür, daß sich ein Kind wohl 
und behaglich zu Hause fühlt, wenn es ohne sichtliche Angst oder Erregung aus einem Traume aufwacht oder von ihm erzählt." Solch einen 
kindlichen Traumbericht soll man anhören wie eine heitere, seltsame oder traurige Geschichte, mit der entsprechenden, dem Kinde 
sichtbaren Gefühlsbegleitung. Wenn wir den schwerwiegenden, den leidvollen Sinn des Traumes ahnen, werden wir dessen Mitteilung für 
uns behalten, dafür, so gut wir es tun können, das Kind an Gefahren, die ihm drohen, vorbeiführen, es stärken für Gefahr und Not, die ihm 
das Leben offenbar einst bringen wird. Nie aber wird der Zuhörer gewichtig ernst dem Kinde andeuten, was seiner vielleicht harrt, es gar in 
neue Ängste seines dem Leben noch nicht gewachsenen kindlichen Geistes stoßen. Die Deutung der Kinderträume ist das allerschwierigste 
Unternehmen auch der wissenschaftlich und psychologisch fundierten Traumdeutung. Am besten läßt man die Hand davon. 
Dafür suche man als Erwachsener zu einer Neubegegnung mit seinen Kindheitsträumen, zu einem möglichst tiefen Verstehen der einstigen, 
weil bedeutsam in der Erinnerung gebliebenen Träume der eigenen Kindheit zu kommen. Man wird erstaunt erkennen, wie viele Motive und 
Probleme des bisherigen Weges sich schon zu Anbeginn unseres Lebens im Frühtraum der Kindheit ankündeten und stets dieselben geblieben 
sind. Wenn es gut kam, haben wir uns mit ihnen, Stufe um Stufe, aufsteigend in immer bewußterer Weise fruchtbar 
auseinandergesetzt. Vielleicht ist uns auch die Gnade zu Teil geworden, zu lösen, was sehr verworren uns gegeben worden ist. 

Pubertätsträume 
Jede Altersstufe hat für sie typische Träume. Es ist sogar ein Zeichen seelischer Gesundheit, zur richtigen Zeit von entsprechenden Träumen 
begleitet zu werden. Diese Träume beschäftigen sich mit dem Lebensproblem, das nun im seelischen Erfahren des eigenen Lebens als Folge 
der körperlichen und seelisch-geistigen Entwicklung an erster Stelle steht; mit dem also, was als Lebensaufgabe dieser Zeit zu bewältigen ist. 
Dabei müssen stets eine Ablösung vom bisherigen Zustand und das Annehmen der neuen Lebensform geleistet werden. 
Der junge Mensch, ob Knabe oder Mädchen, gerät in der Pubertätszeit in die oft erschreckende Begegnung mit seiner vordrängenden 
Geschlechtsnatur. Aus dem biologischen Sein steigt, nachdem die spätere Kinderzeit meist einige schöne, ruhige Jahre erlaubt hat, ein Neues, 
eine gewaltige Naturmacht herauf. Der junge Mensch wird von seiner Sexualität überfallen und gerät in den Kampf mit bisher unbekannten 
Triebgewalten. Das halberwachsene Ich muß den Ansturm der mächtigen Wirklichkeit seiner jungen Jahre aushalten, die in oft dumpfen 
Wellen aus dem körperlichen Reifeprozeß in die jugendliche Seele einbricht. Mit den bisherigen knaben-und mädchenhaft glücklichen 
Zeiten der Vorpubertät scheint das Neue keine Beziehung zu haben. Der junge Mensch wird - obwohl die Forderungen der Gesellschaft mit 
strenger Schulausbildung und größerer Bindung an erste kleine soziale Aufgaben einsetzen - primitiver, naturhafter. Er schwankt zwischen 
Ängstlichkeit und Grobheit, zwischen Scheu, Zärtlichkeit und oft frechem Protest. Jungens werden in mehrfacher Beziehung "haarige" 
Kerle; sie haben es wie auch die Mädchen schwer, in dieser erregten Naturzeit sich selbst anzunehmen. Dies bezeugen auch die Träume. Sie 
zeigen das Kommende schon früh an, wie eben alles im Unbewußten früher "geschieht" als im Bewußten. 
Da es sich um ein naturhaftes Grundgeschehen handelt, sprechen die Träume der Pubertät und deren Ankündigung einerseits in allgemeinen 
Symbolen. Anderseits hat der junge Mensch, zum Erwachsenen werdend, in dieser Zeit eine tiefere Ablösung von Mutter und Vater zu 
vollziehen - obwohl er meist noch in deren Schutzkreise, in der Familie bleibt. Manche jungen Leute versuchen auch erst, aus dem Sturm des 
Unbegreiflichen, aus der großen, scheinbar zielberaubten Unruhe in die Familie, besonders zu einem Elternteil zurückzuflüchten. 
Gleichzeitig haben sie sich auch mit den sehr realen Forderungen der Umwelt, sei es Lehrzeit, sei es höhere Schule, auseinanderzusetzen. 
Deshalb sind die Träume auch wieder voller Motive, Gestalten und Dinge der Tageswirklichkeit, der menschlichen Umwelt. Vor allem wird 
viel von den Eltern geträumt, wobei diese bald als die wirklichen Eltern, bald als das "Mütterliche" das "Väterliche" schlechthin zu gelten 
haben. Alltägliches mischt sich in diesen Träumen mit allgemeinsten Symbolen, in denen das Blinde des Triebes wie auch das zeugend 
Schöpferische Gestalt gewinnt. Vorwiegend aber enthält der Traum die Bedrängnis eines Druckes; als das wird der Einbruch aus der 
Naturtiefe empfunden. Deshalb die vielen Träume, es fahre ein mächtiger Zug auf halbdunklen Geleisen auf den hilflosen Träumer zu. 
Untiere wollen ihn verschlingen; es sieht aus, als wäre alles darauf angelegt, sein eben gewonnenes junges Ich wieder zu zerstören, ihn in die 
Tiefe der Unbewußtheit zu ziehen. 
Mit der Verstärkung der Triebnatur geht normalerweise in dieser Zeit eine Verstärkung der Bewußtwerdung, der praktischen Einsicht in die 
vielen Erscheinungen und Möglichkeiten der Tageswelt, des "Lebens", parallel. Diese Forderung nach gesteigerter Bewußtwerdung ist 
ebenfalls im Traume ersichtlich: So steht der junge Mensch selbst als Träumer zwischen den Mächten des Lichtes und der dunklen Welt 
seiner Sexualität, die hinauf in seinen Tag drängt. Dieses Triebverlangen kann sich in sehr deutlichen Gleichnissen ausdrücken, in 
Gleichnissen, deren sexueller Charakter uns heutzutage, wie früher dem instinktiv empfindenden Volk, sofort klar wird. Es ist übrigens 
bezeichnend, daß der erste Traum, den Freud einer eingehenden Deutung unterzog, der sexuelle Traum einer jungen Dame war. Den Traum 
selbst betitelte Freud: "Irmas Injektion". Solche Träume, deren Deutung auf der Hand liegt, sind bei jungen Mädchen nicht selten - meist aber 
geben sie sich nicht im Rahmen ärztlicher Hantierung. Von einem noch jungen Mädchen, das eben im Begriffe war, die Grenze zwischen 
Kinderland und beginnender Geschlechtsreife zu überschreiten, stammt folgender Traum: Es spielt auf einer schönen ergrünenden Wiese. Da 
erhebt sich ein Turm, auf dessen Plattform Knaben spielen. Ein schönes braunes Schiff naht dem Strand. Ein gütiger, der Träumerin 
bekannter älterer Mann weist auf die vielen Spieltierchen, diese Stofftierchen aus der Jugend des Mädchens hin. Es selbst soll einen 
Kriegsruf erfinden. - Die Deutung liegt nahe: Das Männliche und das Weibliche sind im Turm und Schiff beisammen. Die Triebwelt ist 
vorläufig spielerisch und noch nicht belebt da, aber der erfahrene Alte in ihr weist darauf hin. Es aber muß den richtigen Ruf finden für den 
wohl in nächster Zeit anhebenden Kampf mit den Triebgewalten. Dann werden die Tiere keine Stofftiere mehr sein! 
Besonders häufig sind bei beiden Geschlechtern Schlangenträume. Schlangen haben natürlich nicht ganz den gleichen Sinn für Jüngling und 
Jungmädchen. Beim jungen Manne ist die Schlange gleichzeitig das Gleichnis des eigenen Organs. Jedenfalls ist auf der Pubertätsstufe die 
Schlange sexuell zu deuten. In den Träumen der pubertierenden Knaben, wie später noch viele Jahre lang, geht männliche Zeugungskraft und 
dumpfes Triebbegehren als einzelner Stier, Stier- oder Büffelherde über das Weideland der unbewußten Seele. Oft muß der junge Mensch 
Früchte essen, deren phallische Form deutlich sagt, was gemeint ist. Es können auch Brötchen sein, die seit uralten Zeiten eine Nachbildung 
des weiblichen oder männlichen Organs sind. Häufig sind auch die Feuerträume. In ihnen ist das Angreifende, das Verzehrende, aber auch 
das Wärmende, die Glut des neuen, nach Liebe suchenden Lebensgefühles. Manche jungen Leute fühlen sich ausgeschlossen, andere haben 
Pferde zu bändigen, viele träumen von Flußübergängen. Der Zwischenzustand zwischen Kindheit und Erwachsensein wird durch originelle 
oder durch ungenügende Bekleidung gelegentlich besonders betont. Hie und da werden auch kleine Götter der inneren Berauschung sichtbar. 
Der Gegensatz zwischen der Naturforderung des Leibes und der durch die Kulturforderung zurück gedämmten Erfüllung des Naturtriebes 
schafft natürlich viel Unruhe und Leid. Davon reden die Träume der Pubertät in sehr deutlicher Sprache. Sie zeigen aber ebenso den Versuch 
der Psyche, auch diese Problematik zu verarbeiten. Immerhin liegt ihr Akzent auf den Naturzielen des heranreifenden jungen Menschen. Sein 


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erweitertes Bewußtsein wird kompensatorisch versuchen, die neugewonnenen Kräfte in den Dienst seiner persönlichen Ausbildung und in 
gesteigerte menschliche Beziehungen zu stellen. Die kleineren Träume dieser Zeit äußern sich zu diesem Bemühen. Pubertätsträume haben 
einen in sich selbstverständlichen Charakter. Sie bedürfen bei normalen jungen Leuten keiner Deutung. 

Individuationsträume 
In Literatur und Praxis der Komplexen Psychologie spielen die Individuation und deren Träume eine höchst bedeutende Rolle. Da wir darauf 
verzichten müssen, eine Darstellung der besagten Psychologie und dieses ihres Hauptproblems zu geben, kann hier im Hinblick auf eben jene 
Träume nur dies erläuternd bemerkt werden: Es scheint eine psychologische Tatsache zu sein, daß der Mensch nach der Lebensmitte 
innerlich gezwungen wird, seine seelischen Hauptenergien nach und nach aus der Außenwelt langsam zurückzunehmen, um sie in den Dienst 
eines innerseelischen Vorganges zu stellen, welcher die Entwicklung zur reifen Persönlichkeit, welcher die Ganzheit erreichen will. "Das 
Ziel der Individuation ist es, daß der Mensch zum wahren, einmaligen Einzelwesen werde, zu einer Individualität, und insofern wir unter 
Individualität unsere innerste, letzte, unvergleichliche Einzigartigkeit verstehen, zum eigenen Selbst werden (Jung)." Es ist in den Menschen 
von einigem Wesensgewicht also eine Tendenz da, sich zu verinnerlichen, sich selbst zu finden, der zu sein, der man eigentlich ist, aus der 
eigensten Mitte heraus zu leben. Wir haben das Gefühl -und die tiefenpsychologische wie die religiöse Erfahrung bestätigen dessen 
Richtigkeit - daß in uns eine Persönlichkeit als Herr unserer eigenen Mitte wohnt, eine gestaltete und gestaltende Kraft, die nicht im Ich 
aufgeht, nicht von diesem umschlossen wird, vielmehr dieses Ich mit umschließt. Man kann von ihm, diesem innern Herrn, der seine 
Autorität nicht vom kleinen Ich, sondern vom Herrn des Lebens überhaupt empfangen zu haben scheint, nur in Gleichnissen reden. Dies tun 
die Träume. Der Weg zu dieser Mitte führt, nachdem die Außenwelt für den gereiften Menschen einigermaßen erlebt und im eigenen 
Umweltkreise bewußt und gestaltet worden ist, in die innere Welt, zur Selbstbegegnung. Ehe aber die Begegnung mit dem Selbst geschehen 
kann, wird der Mensch mit seinen inneren Teilpersönlichkeiten bekannt, mit symbolischen Gestalten, die Einstellungen und Kräfte seiner 
Seele verkörpern. Eine sehr genau durchgeführte, auf längere Zeit sich erstreckende Analyse der Träume, bei der man ohne die Hilfe des 
geschulten Deuters nicht auskommt, bringt die nötige Auseinandersetzung mit diesen inneren Gestalten. 
In einer ersten Schicht sind es gleichgeschlechtliche Traumfiguren, die meist einen minderwertigen Charakter aufweisen. Von ihnen, 
zusammengefaßt unter dem Begriff des Schattens, ist in den Erörterungen über die Subjektstufe, sowie im Symbolkatalog mehr die Rede. 
(Eine umfassendere Darstellung des Schattenproblems, wie auch der Gestalten der nächstfolgenden Schicht hat der Verfasser in seinen 
"Lebenskonflikten" gegeben.) Auf dieser Stufe des "Schattens" gewinnt der Mensch, dem es um seine Individuation geht, die richtige 
Beziehung zu dem dunklen Andern in ihm, den er bisher so gern übersehen hat. 
Tiefer hinein in den eigenen Seelenraum führt die Begegnung mit den gegengeschlechtlichen Kräften in uns, mit dem, was beim Manne als 
Anima, bei der Frau als Animus bezeichnet wird. Nimmt die Anima im Individuationstraum des Mannes die Gestalt des schönen jungen 
Mädchens, der zarten oder wilden Frau, der Mutter, der Hexe, der Dirne oder der Göttin an, so stellen sich anderseits die Animusfiguren in 
der Psyche der Frau als Männer jeder Stufe der Natur und der Kultur dar, immer verkörpernd, was auch noch in der Frau ist. Dem mehr 
polygamen Wesen des Mannes entspricht eine eher monogame unbewußte Einstellung, die Anima erscheint meist in der Einzahl, höchstens 
als helle und dunkle Anima. Das bewußt monogamere Wesen der Frau hat seine Entsprechung in der Männervielheit ihrer Träume. Seltener 
ist die Gestalt des Weisen, häufiger die große Erdmutter, die noch tiefer im Unbewußten unserer Seele wohnen. Der fortbestehende 
Individuationsprozeß, die Reifung der Persönlichkeit, wird, wozu später Belege anzuführen sind, im Bilde der großen Wanderung, aber auch 
als alchemistische Prozedur dargestellt. In den entsprechenden Träumen werden Symbole sichtbar, die keinen bewußten Zusammenhang mit 
dem Leben des Träumers mehr haben. Sie sind vielmehr sehr selbständige Gleichnisse seiner inneren Entwicklung, welche an ihr Wesen, in 
ihre Mitte kommen möchte. Diese Mitte kann nun in den Träumen sich abbilden als Mitte eines umschlossenen Gartens. Als solche ist sie oft 
ein Baum, der Lebensbaum, oder sie ist die nach den vier Richtungen verströmende Quelle. Wiederum ist sie dargestellt als herrliche Blüte, 
im chinesischen Erleben als "goldene Blüte" geschaut. Wiederum ist dieses "Selbst" der Mitte ein fester Turm, eine Burg, die himmlische 
Stadt. Sie kann auch die von zentralem Gebäude gekrönte Insel sein, aufsteigend aus dem Meer des kollektiven Unbewußten. Der Weg zu 
ihr, diese Heimfindung, geschieht nicht ohne Schwierigkeit. Oft hat der Held, diese unsere zielgerichtete innere Persönlichkeit, große 
Gefahren zu überwinden. Er steigt hinab in die Unterwelt, wie Dante, dessen Divina Comedia eine Individuationsdichtung ist, er überquert 
das Nachtmeer des Unbewußten, oft geleitet von einem Freunde, einem Weisen, oder von einer Animagestalt. In Dantes Werk sind es 
bekanntlich Vergil und Beatrice, welche den Dichter begleiten. Aus der bewußten, immer mehr beengten bisherigen Lebenssituation hat man 
auf die andere Seite zu kommen. Aber die Pforte ist eng, die in die Mitte der Seele führt; nicht alle erreichen diesen ihren innersten Ort. 
Eine ganze Reihe von Individuationssymbolen enthält der hier folgende Traum eines hochgestellten Mannes. Seine tiefe Bedeutung für den 
Träumer ahnt auch der unbeteiligte Leser: Der Träumer geht mit einem einstigen Schulfreunde, der seither eine Persönlichkeit geworden ist, 
den Weg zu jenem Schlosse hinan, das herrlich über seiner westschweizerischen Heimatstadt thront. Die beiden haben die halbe Höhe 
erreicht und finden sich unerwartet auf schmalem Pfad unter einer Felswand. Mit einem Male dehnt sich zu ihren Füßen ein gewaltiges Meer. 
Der Weg geht nicht mehr weiter. Sie aber wollen und müssen zum Schloß kommen. Doch die einzige Treppe liegt auf der anderen Seite des 
Berges. Sie haben also um den Berg herum zu kommen. Der Begleiter springt in die Flut und umschwimmt mit kräftigen, sichern Zügen den 
Berg. Ihm folgt der Träumer in seiner Uniform des hohen Offiziers. Er spürt plötzlich, daß seine Sporen sich lösen wollen. Wenn sie sich 
lösen, werden sie unerreichbar in die Tiefe fallen. Der Träumer löst im Schwimmen selbst die Sporen von seinen Stiefeln, behält sie in den 
Händen. Endlich erreichen sie die schmale Treppe. Ganz durchnäßt ruhen sie einen Augenblick auf den Stufen zum Schloßturm, dem 
Bergfried, aus. Der Träumer sieht sich nach seinem Freunde um, dieser ist verschwunden. Er selbst aber ist naß wie ein neugeborenes Kind. 

Todesträume 
Todesträume sind nicht Träume Gesunder vom Tode und von Toten, sondern die Träume Schwerkranker, deren Zustand sie in die Nähe des 
Sterbens brachte. In solchen Nächten der Lebenskrise flutet das Meer des Unbewußten gewaltig herauf. Dazu strömen Jugenderinnerungen, 
längst Vergessenes und Begrabenes, heran, und gleichzeitig ertönt nach der Mitteilung derer, die in einem Unfall knapp am Tode vorbeigingen, 
häufig herrliche Musik. Oder es ist ein seltsames übermäßiges Licht um den Daliegenden, große Gestalten stehen an der Tür; manche 
hören Stimmen. Gegenwart und Vergangenheit werden zu einem unbeschreiblich Neuem. Manches ist ähnlich den Phantasieerlebnissen in 
Fieberträumen, aber größer, entschiedener, eben von letzter Bedeutung. 
Als ein getreuer deutscher Freund Gottfried Keller wenige Wochen vor seinem Hingange besuchte, erzählte ihm der Sterbende, wie "zwei 
ganz in gediegenem geschmiedetem Golde gepanzerte Ritter die ganze Nacht vor dem Schränkchen zwischen den Fenstern regungslos 
gestanden und ihn unverwandt angeschaut hätten"... Immer wieder kam er auf diese Erscheinung zurück und konnte sich nicht genug tun in 
der Schilderung des wunderbaren Glanzes. 
Wenn das Bewußtsein in Gefahr ist, sich aufzulösen, dann schauen viele Augen den Schwerkranken an. Man wird an die tausend Augen des 
Gottes Shiwa denken, der die Vielheit des Lebens ist. 
Mehrfach wird berichtet, daß eine sehr fremdartige Gestalt neben der Türe oder in einer Ecke des Gemaches unbeweglich stand, indessen die 
Erinnerungsbilder durch das Zimmer fluteten. Dieser Fremde wird als Mongole, auch etwa als Tibetaner bezeichnet; oder es ist einfach ein 
dunkelhäutiger Mann von unbeweglichem Antlitz, dessen Augen unter tiefschwarzem Haar - manche sehen auch einen priesterlichen 
Kopfschmuck -uns anschauen. Er ist nicht alt und ist nicht jung, und wohl zu deuten als das dauernde irdische Leben, als geformte 
menschliche Urnatur, die in ihrer großen Gleichgültigkeit - denn Leben und Tod scheinen ihr gleich viel und gleich wenig zu bedeuten ungerührt, 
aber nicht unedel am Lager des kleinen, individuellen Sterbens steht. Hie und da wird diese Gestalt auch als der große Augenarzt 
bezeichnet. Dem Todkranken tun sich große Landschaften, Lichtdurchbrüche durch wilde, finstere Felsentore auf, Stimmen reden aus nie 


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gesehenen Tiefen, glänzende Burgen stehen auf hell beleuchteten Bergen; jemand ruft zur Fahrt über Strom und Meer, was wohl einst zur 
Figur des Charon geführt hat. Nach den Träumen, die uns von Menschen erzählt werden, welche vor den Toren des Todes gestanden haben jene, 
welche durch dieses hindurchgeleitet wurden, kann man nicht mehr befragen - sind die Todesträume sowohl schrecklich wie auch nach 
und nach immer herrlicher, ja, wie mehrere das Unaussprechliche bezeichneten "von überirdischer Schönheit". Es scheint so zu sein, daß 
große Bilder den Sterbenden hinüberführen in jenes andere Leben, zu dem der leibliche Tod die bittere Bedingung ist. 
Von den dem Autor bekannt gewordenen Träumen aus schwerster Krankheit mag das schönste Beispiel hier angeführt werden. Der Träumer 
notierte sich nach fünf Tagen der Krise Folgendes: "Die fünf Tage waren von einer großartigen Bilderflut. Ich befand mich auf einem 
schmalen Wege, der entlang führte an wilden tiefblauen Bergen. Häufig mußte ich von einer Hochebene über die Kante an den Steilhanggelangen und Klippe um Klippe des Abgrundes übersteigen. Dann war ich wieder in einer Herbstlandschaft. Über südwärts fließende Ströme 
führten hochgewölbte uralte Brücken. Darauf bin ich plötzlich im Meere, stehe auf dem Meeresgrunde, ich sehe, wie die Sonne dunkelrot zu 
mir hinabsinkt. Zwischen mir und dem ungeheuren Ball sind grüne, feine Pflanzen, sie haben zartrote Blüten. Ich stehe am Strand, an einer 
mir wohlbekannten Stelle, gewaltige Fische haben sich im Wasser aufgerichtet, und ihre riesigen Köpfe neigen sich über die Ufermauer, sie 
kommen immer wieder herauf in wilder Bewegung, als wollten sie nach mir schnappen. Dann wieder bin ich an einem herbstlichen 
Waldbache. Aus den Felsen über den goldenen Bäumen neigt ein blaues, herrliches Rind oder eine Hirschkuh den Hals zum Wasser hinab 
und trinkt langsam, dann kehren Kopf und Hals in den Felsen zurück. Ich sage im Traume "Das ist das Felsenrind." Aus sehr schöner, 
brauner, krümeliger Gartenerde hebt sich der mächtige Rücken und Kopf eines riesigen Elefanten. Kein Krümchen Erde bleibt auf den freien 
stahlblauen Stellen seiner Haut. Ich bin in einer großen Parklandschaft. Aus den Blüten und Zweigen schauen mich Augen groß und ohne 
Beziehung an. In einer Felswand wird ein ergreifend schönes, totes Frauenantlitz deutlich, es blickt über den Waldfluß zu mir herüber. Es 
scheint eine geliebte Tote zu sein, aber sie ist blond, ihr Antlitz wie von goldhellem Marmor. Ich befinde mich in einer großen Umzäunung 
und in der Ecke steht breitschultrig und unbeweglich der Mongole. Er hat ein braungelbes Gesicht, darüber die schwarze Kappe seiner Haare, 
über der Stirne gerade abgeschnitten. Die Augen unter sichelförmigen schwarzen Brauen sind groß und grausam. Er verschwindet, und 
wieder starren Augen aus Tieren, aus Pflanzenblättern, jeder Stein im Straßenpflaster trägt ein Auge. Das dauert drei Tage lang. Ich habe das 
Gefühl, verrückt zu werden. Da schreie ich laut: "Es ist genug!" In diesem Augenblick bin ich in einem schönen Saale. Über mir ist eine 
lichte Decke mit braunen Sgrafittozeichnungen (wetterbeständige Wandmalerei, wobei die Zeichnung in die noch feuchte Tünche eingeritzt 
wird), das Linienwerk konzentriert sich auf die Mitte der Decke, aus ihr erstrahlt nun ein einziges großes Auge, veilchenblau, kühl und doch 
herzlich, ernst und doch heiter, das Auge eines Gottes oder einer jungfräulichen Göttin. Damit hörte der Augenspuk auf. Die Krise war zu 
Ende." 

Günstige und Ungünstige Träume 
Jacob Burckhardt bemerkt in seinem berühmten Aufsatze über "Glück und Unglück in der Weltgeschichte": "Unsere tiefe und höchstlächerliche Selbstsucht hält zunächst diejenigen Zeiten für glücklich, welche irgend eine Ähnlichkeit mit unserm Wesen haben. Sie hält 
ferner diejenigen vergangenen Kräfte und Menschen für löblich, auf deren Tun unser jetziges Dasein und relatives Wohlbefinden gegründet 
scheint, ganz als wäre Welt und Weltgeschichte nur unsertwillen vorhanden. Jeder hält nämlich seine Zeit für die Erfüllung der Zeiten und 
nicht bloß für eine der vorübergehenden Wellen. Alles einzelne . . . und wir mit, ist nicht nur um seiner selbst, sondern um der ganzen 
Vergangenheit und um der ganzen Zukunft willen vorhanden." 
Aus einer solchen Daseinsauffassung heraus hat man an die Frage nach dem günstigen oder ungünstigen Traum heranzugehen. Denn auch 
der Traum ist nicht um eines augenblicklichen Wohlergehens willen da, noch erschöpft ein befriedigtes und gesichertes Ich seine 
Traumaufgabe. Es geht vielmehr um die Entfaltung der Ganzheit, in der der Mensch eingebettet ist in sein Schicksal und in eine 
Gemeinschaft, für die er mitverantwortlich ist. 
In der beraterischen Deutung der Träume wird man sehr oft, kaum hat der Träumer seine Erzählung beendet, von der Frage bedrängt: "Ist das 
nun ein günstiger oder ist es ein ungünstiger Traum?" Sich stützend auf irgend eine Traumeinzelheit greift der Träumer einem Urteil, das 
sich erst aus einer Gruppe von Träumen ergibt, rasch vor und behauptet, je nach Stimmung, diesmal einen glücklichen oder wieder einen 
seiner Unheil verkündenden Träume gehabt zu haben. Dabei werden gerne "Glück" und "günstig", "Unglück" und "ungünstig" füreinandergesetzt. Nicht jeder vermag die Überlegung anzustellen, daß "Glück" ein Zustandsgefühl ist, daß "günstig" aber darüber hinaus die 
Wegrichtung nach einem wertvollen Ziele hin andeutet. Zutiefst wurzelt die Frage nach dem günstigen oder ungünstigen Traume in der 
Daseinsangst des Menschen, der im Gefühle lebt, einem von ihm unabhängigen Schicksale ausgeliefert zu sein. Selbst der, welcher 
unberechtigterweise annimmt, sein Leben sei auch sein eigenes Werk, sucht immer wieder den Schleier der Zukunft heimlich ein wenig zu 
lüften. Wir glauben nämlich Anrecht zu haben auf das Glück und spähen deshalb besorgt nach den Anzeichen des Unglücks. Manchem ist 
jedes Orakel willkommen, das vorgibt, den Plan unseres Lebens und unserer Zukunft dem Gutgläubigen zu verraten. Dabei ist es freilich 
gelegentlich so, daß durch Orakelmanipulationen -man weiß nicht wie dies zugeht -überraschende Einblicke in anhebende 
Schicksalsverläufe für einen Augenblick getan werden können. Man darf es auch dem Menschen nicht allzusehr verdenken, wenn er, der 
Vielgeplagte, der nur einen kleinen Lebenskreis übersieht, in Zeiten, da ihm das Vertrauen in eine gütige Führung seiner Daseinsfahrt zu 
entschwinden droht, nach den ziemlich dürftigen Wandel- und Wankelsternen eines Orakels ängstlich Ausschau hält. Denn nur schwer 
nimmt sich jenes große Wort vom Gott des Lebens an: "Meine Gedanken sind nicht Eure Gedanken, und meine Wege sind nicht Eure 
Wege." Als Orakel dient nun oft, allzuoft der Traum. Und als Orakelbücher werden von den meisten Traumbücher gewertet. Die große 
Verbreitung von sehr primitiven Nachschlagewerklein der Traumdeutung beruht darauf, daß in ihnen jedes zitierte Symbol und 
Traumelement entweder ein positives oder dann ein negatives Vorzeichen erhalten hat, also entweder günstig oder ungünstig in einem 
absoluten Sinne ist. Die Vieldeutigkeit und die hier wichtigste Einsicht, daß dem einen Günstiges verspricht, was dem andern zum Schaden 
wird, also die individuelle Bedeutung der Traumelemente, werden völlig außer acht gelassen. Nach solchen Traumbüchern gibt es nur gute 
oder schlechte, günstige oder ungünstige Träume. Damit aber steht man noch in einer sehr egozentrischen Einstellung zum Dasein und 
huldigt einer Weltanschauung, die nur schwarz und weiß kennt. Selbstverständlich wäre man nie zu einer so oberflächlichen Gruppierung 
gekommen, wenn nicht tatsächlich manche Symbole kaum anders als ungünstig, andere wieder ihrem ganzen Inhalte nach als günstig 
bezeichnet werden müßten. Es gibt Symbole, in denen sich sehr dunkle menschliche Erfahrung verdichtet hat. Das Auftauchen dieser 
Symbole besagt, daß diese dunkle Atmosphäre, daß diese erschreckende Konstellation wieder da ist. Anderseits gibt es eine Reihe von 
Symbolen, die ganz offensichtlich das gute Neue, das kräftig Beharrende, einen glücklichen Tag und Lebensweg in ihrem Gleichnis 
andeuten. Das enthebt uns nie der Pflicht, das eigenartige und vielschichtige Wesen der Psyche und ihres Traumes zu erarbeiten, bevor wir 
an eine rasche Deutung ganzer Träume herangehen können. 
Der ernsthafte Betrachter seiner Träume und jener, der aus dem Willen zu richtiger Lebensführung heraus einen Traumkundigen aufsucht, sie 
werden sich aus den Träumen nicht wahrsagen, sondern vielmehr die Wahrheit sagen lassen - nämlich die Wirklichkeit unserer seelischen 
Situation mit ihren Konsequenzen. Diese innere Wirklichkeit kann nun ein günstiges oder ungünstiges Vorzeichen haben. Sie ist vielleicht 
drängend voll neuer Lebensmöglichkeiten, sie zeigt sich uns vielleicht in einer großen Ebbe, arm an jeder Hoffnung. Dabei haben wir stets 
zu bedenken, daß Günstiges und Ungünstiges meist nur über einen bestimmten, vielleicht kleinen Lebensabschnitt ausgesagt wird. Nur in 
Großträumen werden auch Großräume unseres Lebens beurteilt. 
Der Traum wird in mehrfacher Wiederholung manchem Plane, der uns am Herzen liegt, sein sehr deutliches "Nein" gegenüberstellen. Er tut 
dies solange, bis wir unsicher werden, bis wir zu ahnen beginnen, in welche Schwierigkeiten zu geraten wir eben starrköpfig im Begriffe 
standen. Ist das nun ein günstiger oder ungünstiger Traum? Vorerst ist er uns sehr unangenehm, er paßt uns gar nicht; aber er war uns günstig 
gesinnt. Aus unsern Fenstern hängen die Fahnen einer voreiligen Freude - der Traum aber bringt den Klageruf dessen an uns heran, was um 


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dieser bewußten Freude willen verbannt und geopfert wurde. Auch dieser Traum wird uns wenig angenehm in den Ohren tönen. An 
manchem Scheideweg unseres Lebens zögern wir einen Augenblick, wir schrecken vor den Mühen und dem Neuen zurück, erfahren aber im 
Traume, daß in uns eine schmale, aber sichere Straße entstanden ist, welche in die Höhe führt. Der Tagesbefangene hat in einem günstigen 
Traume Trost und Richtung gefunden. Welche Gunstverweigerung aber liegt in jenen Träumen, die uns, die wir so genug haben von all den 
Schwierigkeiten mit unserm Geschäfts-, mit unserem Ehepartner, gerade das Aushalten in dieser Bindung als einen Hauptgewinn dieser Zeit 
betonen. 
Der Traum verschweigt uns nicht den Beginn einer sehr reichlich bemessenen Leidenszeit. Dem Kundigen sind die Anzeichen und 
Andeutungen solchen Leidensbeginnes sehr vertraut. Wird der Träumer, wenn man ihm Kommendes andeutet, nicht von einem sehr 
ungünstigen Traume sprechen? Es könnte aber freilich sein, daß diesem Träumer - vielleicht sind wir selbst dieser Träumer - zur Zeit nichts 
Besseres geschehen kann als ein kräftiges Leiden, das ihn zur Persönlichkeit verdichtet. Es kündet sich eine sehr schmerzhafte Gunst des 
Schicksals an, indem wir im Traume uns als Gefangene, als einsame Wanderer, sogar als Gemarterte und Sterbende vorfinden. Die 
Mitteilung solcher Träume, zu denen man nur sehr zögernd und ganz leise "Ja" sagt - wie mancher Träumer wacht tränenüberströmt auf! -, 
schenkt uns die Möglichkeit, uns bewußt auf eine solche Zeit der leidbegleiteten innern Wandlung einzustellen. Wir nehmen an, was 
geschehen muß, und leihen dem Plane des Lebens unsere bewußten Kräfte, damit wir ledig werden der Zerrissenheit, des 
Auseinandergerissenwerdens zwischen den großen Absichten unseres Selbst und dem leidenschaftlichen Glücksbegehren unseres Ichs. Die 
Psychologie der frühindischen Kultur sagt in der "Baghavagita": "Was dem Karma -der seelischen Schicksalsrichtung - in der Reihe der 
Wiederverkörperungen entspricht, bringt mir Glück." Es ergibt sich eine günstige Gelegenheit der Erweiterung unserer Persönlichkeit, wenn 
wir Inhalte, welche das Unbewußte an uns heranträgt, uns ansehen und ihr verborgenes Leben in uns münden lassen. Tun wir es nicht, dann 
entgeht uns ein Lebensgewinn. Dies hat jener Mann nicht bedacht, dem in seinem Traume fortwährend große Puppengestalten folgten, weil 
sie zu ihm wollten. Er hat sie ins Wasser geworfen, sie kamen wieder, er versuchte sich zu verstecken, sie waren auch da; dann warf er sie 
über eine Mauer in eine Straßenschlucht und konnte sie doch nicht umbringen. Dagegen verließen sie ihn hernach. Es waren dies 
Puppenzustände, Verpuppungen eigener Seelenkräfte, die begehrten, von ihm belebt zu werden. Er aber hat sich selbst um ein Stück seiner 
Persönlichkeit gebracht, die unbewußt viel weiter ist als sein ängstliches, sehr moralisches Ich. Nicht der Traum ist hier ungünstig, sondern 
das Verhalten des Mannes im Traum. Es zeigt einen gefährlichen Widerwillen gegen Lebensgewalten, die ihn hätten stärken können. 
Der Sinn der Beschäftigung mit dem, was wir mit "günstig" oder "ungünstig" zu umschreiben versuchen, kann also nur der sein, sich richtig 
einzustellen auf die durch den Traum verkündete helle oder dunkle Situation, auf das, was in uns aufbrechen will, auf das, was in Zeiten 
innerer Not nun durch Armut und Einsamkeit geht. Von solch armen Zeiten reden Träume, in denen ein Baum geknickt danieder liegt. Da 
sind Schalen ohne Speisen, Gefäße ohne Trank; Brunnen geben kein Wasser, man droht im Schlamm zu versinken, der Weg reißt ab, es 
beginnt endlos zu schneien. Schlimm ist es, wenn ein unbekanntes Kind uns stirbt, wenn wir Arm, Hand oder Fuß verlieren, wenn unsere 
Tiere zerhauen daliegen, wenn wir auf der Flucht sind und uns dem Verfolger nicht zu stellen wagen. Es hat wohl ein jeder erfahren: auch 
das Schwerste geht zu Ende. Die Schule des Schicksals mit ihren drückenden Zwischenprüfungen entläßt uns; man atmet auf, Energien, die 
sich verzweifelt um die Bewältigung der Konflikte bemühten, werden frei und strömen uns zu. Solche Wendung kündet sich eben in 
günstigen Träumen an und zwar zu einer Zeit, da wir uns noch tief im Kummer vermeinen. Im Traume aber ist eine Tür aufgegangen, 
Wasser strömen durch vertrocknete FIußbette, rauschen in Brunnen, wir haben wieder Brot und andere Speise, ein Krieg ist zu Ende, ein 
Neubau steigt aus dem Boden, wir finden den geliebten Freund, und ein Garten steht voller Blumen. Vielleicht haben wir auch am 
unwahrscheinlichsten Ort einen Schatz entdeckt, sind an den Beginn einer Treppe geraten, vor uns geht ein Kind -lauter Symbole der 
Erneuerung. 
Auch jene erwähnten Träume, die scheinbar nur von Schwierigkeiten reden, sind nicht ganz ungünstig, wenn sie nämlich in ihrem 
Traumende eine gewisse Lösung oder wenigstens die Andeutung einer Lösung geben. Ihr letzter Akt endet nicht im Hoffnungslosen, nicht in 
Grau und nicht im Grauen. Paradoxerweise ist auch dann eine Lösung da, wenn der Träumer aus diesem Furchtbaren sich mit einem 
Aufschrei ins Erwachen hinüber rettet. Oder es ist schon im Traum selbst irgend etwas Leitendes zum Vorschein gekommen. Es stand 
plötzlich neben uns ein stärkerer Freund, dämmrig tauchte das Antlitz eines Weisen auf, im Urwald zeigte sich eine Spur, und der Fuß fand 
im Gebirge einen Ort, wo er stehen konnte. Rettung bedeutet es auch, wenn man im Traume gegen das Fürchterliche arbeiten kann. Es ist 
nämlich wichtig, daß das Schreckliche vom Träumer als etwas Schreckliches, das auch ihn angeht, gesehen wird. Bleibt er völlig 
unbeteiligter Zuschauer, dann geschieht eine Katastrophe in ihm, an die er selbst nicht herankommt. Es gibt Menschen, die nicht 
einzuschlafen wagen, weil sie sich vor wiederkehrenden schlimmen Träumen fürchten. Da hebt ihnen die Seele immer wieder das Bild ihres 
unrichtigen, verzweifelten Lebens vor die Augen, aber sie können dieses Bild nicht recht auf sich beziehen und werden nur geängstigt durch 
das unbegriffene Schrecknis. Wer sich vor seinen Träumen fürchtet, der sollte diese einem berufenen und sehr erfahrenen Deuter erzählen. 
Wenn er nun mit diesem durch seine schrecklichen Träume geht, wenn er in der Deutung sie an das Bewußtsein anschließt und damit die 
Kräfte, welche das Traumbild zusammenhielt, befreit, dann wird der Träumer häufig aus einem zitternd schwachen Menschen ein Starker, 
der selbst mit seinen Dämonen umzugehen weiß. Es gibt wirklich sehr ungünstige Träume, die nicht nur zu überwindende Schwierigkeiten, 
sondern die Unmöglichkeit einer Wendung zum Bessern im Schicksal des Träumers ankünden. Sie sind freilich viel seltener als man glaubt. 
Sollte ein beschwerter, mißtrauischer, in seinem Leben wenig glücklicher Leser meinen, es treffe auf seinen Fall zu, dann täuscht er sich 
wohl zu seinen Gunsten; denn das Leben ist viel schöpferischer und die göttliche Gnade viel größer als das angstvollste und verbittertste 
Herz und der mißtrauischste Kopf es ahnen können. Die Großmacht des Lebens greift weit über das Einzelschicksal und seinen Ablauf 
hinaus; diese sind möglicherweise nur eine Phase in einem viel größeren Zusammenhange. Nach dem Ausweis der Träume ist aber diese 
gegenwärtige Phase oft weithin ungünstig, sie scheint ohne Heilung zu sein, und doch enthält sie für den, der sehr viele solcher Träume 
mitanhört, die Keime neuen Lebens. 
Dennoch gibt es sehr ungünstige Träume. Sie kommen oft so unheilverkündend daher - nie aber in Symbolen des Todes -, daß der Kundige, 
dem sie erzählt werden, lieber schweigt. Er muß schweigen, wenn man dem Träumer infolge seiner mangelnden Persönlichkeitsreife, zu 
schmaler Einsicht und fehlender Lebenstapferkeit nicht zutrauen kann, auch das Schwerste anzunehmen. Es ist aber selbstverständlich, daß 
man nie aus einem einzigen Traum heraus jene Schlüsse der Aussichtslosigkeit ziehen darf. Ausschlaggebend für die eigene Beurteilung ist, 
ob ganze Traumserien immer wieder ohne eine Erhebung, ohne die Andeutung einer Lösung enden. Sehr ungünstig, Leid und schlimme 
Gelähmtheit für die kommenden Monate verkündend, ist der Traum einer Dame, die berichtet: "Ich bin zu spät für meinen Zug, sehe ihn 
wegfahren, versuche beim letzten Wagen aufzuspringen und erreiche auch den ersten Tritt. Die Fahrgeschwindigkeit ist jedoch schon zu 
groß, so daß ich fühle, wie mir die nötige Balance fehlt, um auf den obersten Tritt zu gelangen. In dem Moment kommt der Kondukteur, will 
mich hochziehen, doch ich falle so unglücklich, daß ich unter die Räder gerate, die mir beide Beine wegfahren." Die Träumerin ist unter die 
Räder des Lebens geraten. Sie hat ihre Beine verloren, wird also lange nicht mehr gehen können. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß sie 
geheilt in einigen Monaten Träume von einer guten ersten Wanderung bringen wird. Im Gegensatz zu diesem ungünstigen Traume ein 
günstiger Traum: "... dann mußte ich plötzlich auf den Zug. Ich wußte, daß er um die und die Zeit abfährt und wollte ihn absolut noch 
erreichen. Merkwürdigerweise aber hatte ich erst einen Steilhang hinaufzuklettern und auf der andern Seite wieder hinabzueilen. Ich eilte und 
eilte, immer im Gedanken, den Zug noch zu erreichen. Als ich oben ankam, merkte ich, daß ich meine Handtasche nicht bei mir hatte; also 
mußte ich nochmals zurück, trotz der Verspätung. Doch auf einmal stand ich unten auf der Station und wußte beglückt, der Zug werde eben 
einfahren. Ich war doch nicht zu spät. Wie froh war ich darüber!" 
Nicht ohne Ergriffenheit erfährt man aus den Träumen noch sehr kleiner Kinder, daß ihnen, auf das Ganze hin besehen, ein besonders 
schweres Leben bevorsteht. G. G. Jung wie auch F. G. Wickes haben darüber einiges mitgeteilt. Daß solche Träume niemals mit dem Kinde 
selbst zu besprechen sind, bedarf keiner Erörterung. Es sind solche unheilvollen Träume auch beim Kinde selten. Doch wird man dann mit 


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der beginnenden Pubertät sehr schwere Entwicklungsstörungen beobachten. Oberhaupt werden Konflikte in der symbolischen Traumsprache 
lange vor ihrem Akutwerden angekündet. Oft ist ein ganzes kommendes schweres Leben in einem einzigen großen Kindertraum in seinem 
gesamten Grundriß und seiner deutlich dunklen Tönung erkennbar. Hie und da war es für das Kind sehr wichtig, daß ein Kenner von 
Kinderträumen den Eltern Winke geben konnte, um die Entwicklung des Kindes etwas günstiger zu gestalten. Etwas darf man nie vergessen: 
große, schwere Kinderträume, in denen viel Angst ist, die völlig ungünstig zu sein scheinen, enthalten sehr oft die wesentlichsten 
Elternkonflikte. Wird die elterliche Problematik von diesen selbst so anständig als möglich gelöst, so werden dem Kinde die ungünstigen 
Träume sicherlich abgenommen. 

DIE DEUTUNG DER TRÄUME 

Die Methode der Deutung in der komplexen Psychologie Jungs 
Die Psychologie C. G. Jungs hat sich eine bestimmte Methode der Deutung geschaffen, die selbstverständlich ausgeht von der von ihr 
gewonnenen Einsicht in das Wesen des Unbewußten und dessen Verhältnis zum Bewußtsein. In ihr wird mehr als in der Psychologie Freuds 
und Adlers die Tatsache der psychischen Energie und ihrer Gesetze berücksichtigt. 
Die bisherige Darstellung hat den Leser, wie nebenbei, in vielen Bemerkungen und in der Ausdeutung einiger in anderem Zusammenhang 
angeführter Träume erkennen lassen, in welcher Weise die Psychologie Jungs, innerhalb derer der Autor selbständig arbeitet, deutet. 
Dennoch muß auf einige besondere Sachverhalte, auf bestimmte Deutungsprinzipien und Deutungsschwierigkeiten, die man als Deuter nicht 
außer acht lassen darf, hingewiesen werden. Vor allem hat man den Sinn eines vorgelegten Traumes stets als unbekannt vorauszusetzen. Man 
begegnet ihm zwar mit dem Instrumente unseres Wissens und dessen Erfahrung, aber ohne Vorurteil. Er ist ein seelisches Gebilde, das seine 
eigentümliche, nämlich die für die Äußerung des Unbewußten bezeichnende Sprache hat. Diese Sprache gilt es in der Deutung zu verstehen, 
ihr Bild und Symbol, wie den eigenartigen, scheinbar unlogischen Ablauf des Traumgeschehens umzusetzen in die logische Sprache des 
Bewußtseins, in kausale Zusammenhänge. 
Der Traum ist zu Beginn der Deutung ein Fremdtext unbekannten Inhaltes und unbekannten Sinnes, verfaßt in einer nur zum Teil vertrauten 
Bilderschrift. Uns bekannt und vertraut sind bloß die freilich noch eigenwillig genug verknüpften Tatsachen aus der Welt unseres 
persönlichen Erlebens. Auch diese haben zudem, wie übrigens im Leben auch, sehr mehrdeutigen Charakter. Die Deutung beginnt mit den 
Elementen des Traumes, die bekannt sind, wendet sich also den Stellen des Traumes zu, für die man sofort eine Beziehung findet, weil man 
glaubt, sie vom eigenen Erleben her deuten zu können. Auch einzelne Symbole, etwa der Garten, der Krieg, die Brücke, die Prüfung oder das 
wilde Tier, geben ihren Sinn leicht her. Von diesen, nach ihrem Sinn begriffenen "Inseln" aus versucht man, den schwieriger zu erfassenden 
Text aufzuhellen. 
Auf jeder gewonnenen Deutungsstufe hat man sich dennoch bewußt zu bleiben, daß man vorerst bloß zu einer sich verfestigenden 
Vermutung über den Sinn des Traumes gelangt ist. Einzelne Abschnitte des Traumes sind klarer geworden, und sie werfen ihr Licht auf die 
dunklen Stellen. Manchmal geht man vor, wie bei der Lösung einer Gleichung mit mehreren Unbekannten. Da wird bekanntlich erst einmalein unbekannter Wert, x genannt, gesucht und, wenn gefunden, in seinem Wert in die Rechnung eingesetzt. Ähnlich kann man im Traumtext 
etwa die Bedeutung einer der Traumgestalten erkennen und dieses Bekannte in die ganze Traumhandlung neu einsetzen. Der Mathematiker 
sucht nach Bestimmung des x das unbekannte y, und in immer weitern Reduktionen wird der genaue Wert einer Unbekannten nach der 
andern gewonnen und an den entsprechenden Stellen eingesetzt. Die Aufgabe des Mathematikers ist gelöst, wenn alle Unbekannten in ihrer 
Funktion erkannt sind. Seine Lösung ist eindeutig. Auch der Deuter des Traumes kommt auf eine Lösung, nämlich an einen Sinn des 
Traumes. Wenn er sehr wach arbeitet und mit dem Träumer die noch zu besprechenden Hilfen des Kontextes und der Amplifikation (= 
Erweiterung, weitere Ausführung) geduldig um den Traumtext fügt, kommt er vielleicht sogar zum Hauptsinn des Traumes. 
In der Deutung der Träume ist sorgfältig darauf zu achten, in welcher Beziehung und Reihenfolge die Traumelemente zueinander stehen. 
Man spürt im allgemeinen, worauf der Hauptton des Traumes liegt; aber man wird nicht vergessen, daß eine kleine Einzelheit zum Eckstein 
und Ausgangsort der Deutung werden kann. Vor allem aber ist zu beachten, was aufeinander folgt; denn es ist das Vorangehende irgendwie 
eine Bedingung des Nächsten. Weil beispielsweise in einem Straßenbahntraum der Träumer das Bild einer Geliebten hervorholte, blieb der 
Wagen stehen! Erhebt sich im Traume ein Wind, dann weiß man: jetzt wird etwas besonderes geschehen! Es gibt eine Reihe solcher 
Ankündigungen, Schwellenfiguren und Schwellenereignisse. Oder man muß etwas Bestimmtes akzeptieren, ehe etwas anderes, das ohne 
Zusammenhang mit dem ersten zu sein scheint, in seine Richtigkeit kommt. Weil jene Träumerin sich weigerte, das armselig dunkle Brot, 
das ein Bauer ihr reichte, anzunehmen, fand sie hernach den Schlüssel zu ihrem Hause nicht mehr. 
Es ist auch bedeutsam, welche Personen im Traume neu herzutreten, und was daraus Unerwartetes geschieht. Diese herzutretenden, 
unerwartet auftauchenden Gestalten bringen mit sich einen neuen Inhalt in die Situation und verändern sie. Auffällig ist der Aufbau der 
Träume, die man als Ganzträume zu erinnern glaubt. Sie haben die Gliederung eines Dramas, eines in Akte gegliederten Bühnenstückes. Wie 
bei der Betrachtung einer dramatischen Dichtung stellen wir vorerst Ort und Zeit, sowie die handelnden Personen des Traumes fest. Der erste 
Traumakt gibt die Eingangssituation und deutet das Traumproblem an. Nach dieser Exposition tritt ein Neues hinzu, das eine besondere 
Richtung und Entwicklung des Geschehnisses bewirkt. Dies führt zum Höhepunkt, der oft durch ein Gefahrenmoment besonders betont wird. 
Dann steigt das Geschehen hinab, um im Schlußakt in ein gutes oder schlimmes Ende zu führen. 
Ein besonders einfaches Beispiel mag dies erläutern: Der Träumer sitzt in einer Art griechischen Rennwagens. Er fährt die große Straße 
hinunter, der Klinik zu, an der er Arzt ist. Plötzlich steht auf der kleinen Plattform seines Wagens ein herrlich schönes Mädchen, nimmt die 
Zügel der beiden Pferde entschlossen auf und führt das Gefährt. Der Wagen fährt sehr schnell und hat nun die Kurve um die Klinik zu 
nehmen. Der Träumer macht die Lenkerin darauf aufmerksam, daß der Wagen stürzen könnte. Sie beugt das Haupt zurück und lacht ihn 
strahlend an. "Es ist schon gut!" So gelangen sie in herrlicher Fahrt auf den Hauptplatz der Stadt. Ort: die Stadt des Träumers. Zeit: nach 
seiner Vermutung früher Nachmittag. Personen: der Arzt und diese junge Frau, offenbar eine Animagestalt, welche in seinem Leben nun die 
Führung übernimmt. Ausgangssituation: der Träumer ist auf der Fahrt nach seiner Arbeitsstätte. Etwas Neues tritt hinzu, die schöne 
Lenkerin, welche die Führung übernimmt. Nun droht Gefahr an der Straßenbiegung. Der Träumer muß um den Ort, in den er bisher all seine 
Kräfte hineingelegt hat, herumkommen, soll er den Anschluß an das allgemeine Leben wieder finden. Im dritten Teil folgt das kleine 
Gespräch. Der vierte Akt führt den Träumer auf den Hauptplatz der Stadt, der auch sein inneres Zentrum bedeuten könnte. Der Traum ist 
günstig, weil er ein klares gutes Ende bringt. 
Manche Träume sind drei-oder fünfaktig aufgebaut. Man muß annehmen, daß die Aufteilung in drei, vier oder fünf Akte beim 
Bühnendrama, auch wenn man die historische Entwicklung berücksichtigt, auf die viel ältere, einem psychischen Ordnungsgesetz 
entsprechende Traumgliederung zurückgeht. 
Es bleibt von höchster Wichtigkeit, wie der Traum endet. Das banale Wort: "Ende gut, alles gut" gilt auch für den Traum. Aber er darf nicht 
immer an ein gutes Ende heranführen. Er kann auch in der Katastrophe enden. Als Ausdruck innerer Wirklichkeit und Wahrheit wird er sich 
nie die Unwahrheit eines erzwungenen Happy-Ends gestatten. Denn er steht ja nicht unter der Diktatur seines Zuschauers, des Träumers. 
Dennoch: Den einzelnen Traum darf man, wie er auch ende, nicht endgültig deuten. Ob er einen guten oder einen bedrückenden Sinn ergibt, 
stellt erst die Kontrolle fest, welche nicht nur den einzelnen Traum deutet, sondern den Sinn einer ganzen zusammenhängenden 
Traumgruppe findet. 

Deutung der Traumserie 


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Eine Hauptregel methodischer Traumanalyse geht also dahin, nicht einzelne verstreute Träume zu betrachten, sondern jeweils eine Gruppe 
von Träumen, die zeitlich sich folgten, nach ihren Motiven, nach ihrem Sinn durchzugehen. Denn es hat sich gezeigt, daß Träume der 
gleichen Epoche um dasselbe Thema kreisen, mögen auch die einzelnen Traumbilder und ihr Ablauf unter sich noch so verschieden sein. Sie 
ordnen sich um die gegenwärtig wichtigste innere Angelegenheit, um einen Komplex, einen Konflikt, der zur Bewußtwerdung und zur 
Lösung reif ist. Wohl werden die Träume nacheinander geträumt, nacheinander erzählt. Aber man gewinnt oft den Eindruck, daß sie 
eigentlich gleichzeitig da sind, bezogen auf einen seelischen Erlebniskern, auf ein Bedeutungszentrum, und nur nacheinander ins Bewußtsein 
kommen. In der Traumreihe liegen Mitteilungen verschiedener Färbung und von wechselndem Akzent über dasselbe derzeitige 
Grundproblem vor. Es wird dieses also von verschiedenen Seiten angesehen, nach mehreren Richtungen hin erwogen. Als Deuter ist man 
immer wieder erstaunt darüber, wie wissend, wie sorgfältig die innere Instanz ihrem Träumer die verschiedenen Aspekte einer 
Lebenssituation klar zu machen sucht. Sie läßt längere Zeit nicht ab, den Menschen immer wieder drauf hinzuweisen, wie vielschichtig sein 
Problem in Wirklichkeit ist. Die Traumserie trägt das Für und Wider eines geplanten Unternehmens vor. Es verrät sich in einem Traume ein 
berechtigtes Zögern, und gleichzeitig kann ein anderer Traum aus gleicher Zeit höchst eindrücklich darauf hinweisen, daß man um das 
endliche Handeln nicht herumkommt. Natürlich kann eine ganze Traumserie in immer neuen Traumhandlungen stets die eine, nämlich die 
hier einzige Lösung vorschlagen. Da verstärkt ein Traum den andern; sie weisen alle nach derselben Richtung. Auch der nicht sehr 
differenzierte Träumer merkt, nachdem er in analytischer Beratung rasch das Bilddeuten wieder erlernt hat, daß in den Träumen "aus letzter 
Zeit" stets vom Gleichen gesprochen wird. Es muß offenbar vom Gleichen gesprochen werden, weil eine Weiterentwicklung erst die 
Bearbeitung dieses vorliegenden Problems zur Voraussetzung hat. Oft scheint es, als habe sich das Unbewußte fast zwanghaft auf ein 
einziges Thema konzentriert und verlange unerbittlich, daß der Mensch sich mit dieser einen Angelegenheit befasse. Wie oft bricht der 
Erzähler seiner Träume in die ärgerliche Klage aus: "Wann hören die Träume endlich auf, von dieser abgetanen Sache zu reden?" Es ist eben 
nicht abgetan, was unser Ich gern erledigt hinter sich sähe. Träume reden nach unserer Erfahrung solange - und oft wie lange! - von einer 
Sache, bis sich der Träumer ihrer ernsthaft annimmt, oder aber bis - darf man so sagen? - sich das Unbewußte vom Nichtwollen des Ichs 
überzeugt hat und hier resigniert. Da Träume aus gleicher Zeit zwar fast immer von den gleichen Dingen handeln, jeder Traum aber einen 
besonderen Aspekt, eine besondere Seite der Angelegenheit bewußt macht, stehen die Träume zueinander im Verhältnis gegenseitiger 
Aufhellung. Sie bilden für einander eine Art Kontext. 
Der Deuter, dem eine Gruppe von Träumen vorgelegt wird, dem bei der Deutung des einen Traumes gleichzeitig die typischen Vorgänge und 
Symbole der andern bewußt sind, wird viel eher vor Fehlleistungen bewahrt, als wenn er nur einzelne auffällige Träume analysiert. Dem 
Träumer aber wird in der Zusammenschau der mehrfachen Traumergebnisse eindrücklicher, worum es seiner Seele zur Zeit geht. Er wird 
sich leichter entschließen, seine bewußte Einstellung, seinen Willen in Einklang zu bringen mit der Richtung des innern unbewußten Lebens. 
Wird dem Ich nur ein Traum gegenübergestellt, dann scheint die Partie eins zu eins zu stehen. Mehrheit hat aber berechtigterweise etwasÜberzeugendes. 
Großträume freilich sind in ihrer überragenden Eigenart, obwohl seltene und vereinzelte Erscheinungen, von überwältigender 
Eindrücklichkeit. Wer über eine gewisse Deuter-Erfahrung verfügt, merkt rasch, wenn in den mitgeteilten Träumen ein neues Thema anhebt, 
wenn die Seele sich um eine Stufe ihrer Entwicklung -die freilich nicht immer in die Höhe führen muß -zu bemühen beginnt. Dieses 
Weiterschreiten erfolgt, wenn jene frühem Probleme, die den Kern einer Traumserie bildeten, von der Deutung im Wesentlichen erreicht, 
dem Bewußtsein angenähert und in einer neuen seelischen Haltung realisiert sind. Naiv möchte man es so darstellen: Die Seele reicht dem 
Bewußtsein in ihren Träumen eine Aufgabe nach der andern zur Bearbeitung herauf, Inhalte, aus denen man wenigstens eine Aufgabe 
herauslesen könnte. Sie hat dabei ihre eigene, sehr selbständige Reihenfolge. Diese Reihenfolge wird rückblickend am ehesten erkannt, wenn 
der Träumer die gute Gewohnheit hat, ein Traumtagebuch zu führen. In ihm heben sich die einzelnen Motive unseres Lebens, unserer innern 
Biographie als entsprechende Traumserien sehr deutlich von einander ab. An der Abfolge dieser um das wechselnde Lebensthema 
kreisenden Traumgruppen, denen vielleicht die in der Analyse gewonnene Deutung beigefügt ist, erlebt man beim Wiederlesen des 
Traumbuches noch einmal den Weg, den man in innerer Wandlung zurückgelegt hat. Zu unserm Erstaunen erweist dieser sich oft als ein 
Kreis, der sich um die paar Grundtatsachen legt und die für unser persönliches Wesen bezeichnenden Probleme umschließt. 

Der Träumer 
Man kann und darf Träume nicht deuten, ohne den Träumer zu kennen; mehr noch, man wird ohne dessen Mitarbeit kaum zu einem 
wertvollen Deutungsergebnis kommen. Davon machen Großträume, die sich nur aus allgemeinen Symbolen aufbauen, insofern eine 
Ausnahme, als die allgemein menschliche Situation des Träumers, von dem wir wenigstens das Alter und das Geschlecht wissen müssen, 
sich auch ohne weitere Mitteilung im Traume abzeichnet. 
Männer und Frauen können sehr ähnliche Träume haben. Aber meist bedeuten sie nicht das Gleiche. Das wird sofort klar, wenn man 
bedenkt, daß der Traum vor allem das herbeiholt, was unser Ich nicht ist und nicht hat, also etwa die in uns unbewußt vorhandenen 
Möglichkeiten des Gegengeschlechts. Wo einer Träumerin beispielsweise eine unbekannte Frau begegnet, ist diese ihrem weiblichen Ich 
nicht sehr fremd; stammt sie doch aus der Schicht gleichen, vertrauten Geschlechts. Es handelt sich für die Träumerin offenbar um das, was 
wir den Schatten, die gleichgeschlechtliche Hintergrundfigur nennen. Im Traume des Mannes aber auftauchend ist dieselbe unbekannte 
weibliche Gestalt etwas ganz anderes, ein Wesen von der "anderen Seite", nämlich aus einer sehr tiefen, gegengeschlechtlichen Schicht 
seiner Seele. Für ihn handelt es sich um eine Begegnung mit der weiblichen Seelenfigur, der Anima, deren Auftreten von sehr eigenartiger, 
bedeutsamer Wirkung ist. Umgekehrt wird ein Mann den Traum von einem Freund anders deuten müssen als die Frau, die mit einem 
unbekannten Freund im Traum sich verbunden fühlt. 
Es ist auch notwendig, das Alter des Träumers zu kennen. Hat doch jede Lebensstufe die ihr eigene Hauptaufgabe. Von dieser reden die 
Träume. Deshalb ist das, was dem jungen Menschen in seinen Träumen recht ist, dem alternden Menschen nicht mehr billig. Liebesträume, 
Träume sexueller Natur können beim alternden Menschen sexuell gemeint, auf einen gegengeschlechtlichen Partner bezogen sein - aber es 
muß der Traum nicht das bedeuten. Es kann sich um ein anderes seelisches Geschehen im Gleichnis des Sexuellen handeln. Wenn das Kind 
große Träume hat, so ist dies ein Zeichen dafür, daß es noch nicht recht in dieser unserer alltäglichen Wirklichkeit steht. Großträume 
jüngerer Erwachsener aber sind, wenn sie sich häufen, ein nicht ungefährliches Anzeichen. 
Der Mann und die Frau jenseits der Lebensmitte stehen in der Kulturzeit ihres Lebens; sie haben, nachdem die Naturziele einigermaßen 
erfüllt sind und das Schicksal ihnen den Schutz und die Pflege des Erreichten gestattet, nun an der Aufgabe ihrer Persönlichkeitswerdung zu 
arbeiten. Wie weit sie darin fortschreiten, welche innere Schulung zu leisten, welche Wege der Reifung zu erwandern sind, darüber gibt ihr 
Traum hinweisende und hilfreiche Auskunft. Dieser Traum ist notwendigerweise, auch wenn er sich ähnlich ausspricht, doch von anderer 
Artung, als der Traum der Jugend. 
Dafür ein kleines, eindrückliches Beispiel: Jene Dame um die vierzig war sehr irritiert darüber, daß sie nach der Aussage mehrerer Träume 
ein Kind zur Welt bringen sollte. Schmerzlich bewegt fügte sie bei: "Damals, ja, als ich eine junge Frau war, wartend auf Ehe und 
Mutterschaft, damals wäre mir dieser Traum ein günstiges Vorzeichen gewesen, die Erfüllung eines heißen Wunsches. Als ich mich den 
Grenzen der Möglichkeit näherte, noch zur Ehe zu kommen, als ich jenem verheirateten Manne begegnete, da habe ich in heimlicher 
Kühnheit wenigstens das Kind begehrt - sollte ich schon auf die Ehe verzichten, wollte ich doch Mutter werden! Wir erlaubten uns aber auch 
dieses schmerzliche Glück nicht, - und nun dieser sinnlose Traum!" Dennoch ist diese leidgeprüfte, aber noch nicht lebensgereifte Frau "in 
Erwartung", wie es die Sprache an der Tür des schöpferischen Lebenswunders so intensiv formuliert. Sie ist in Erwartung eines Kindes; nur 
erwartet sie noch immer etwas anderes als das, was ihr das Leben zu schenken bereit steht, nämlich ihre innere Reife, ein Leben im Geiste 
und in Gefühlen, die nicht mehr naturgebunden sind. Vielleicht ist es ihre eigene Persönlichkeit, die unter Schmerzen geboren werden will. 


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Wie viel einfacher, im natürlichen Bezirke jungen Weibesglückes verweilend, wäre die Deutung des gleichen Traumes für eine junge Frau! 
Dieser selbe Traum kann zu dessen größtem Erstaunen auch vom Manne geträumt werden. Oft ist es originellerweise eine Geburt aus dem 
Hals, aus dem Kopfe oder aus der Brust. 
Jeder Träumer hat seine bestimmte psychologische Wesensart. Ein anderes ist es, wenn der extravertierte, nach Außen gerichtete Mensch, 
der sich sein Schicksal in der Außenwelt glaubt holen zu müssen, sein "Genug ist nicht genug!" auch noch träumt. Wie viel verständlicher ist 
dieser Ruf als Sehnsuchtsschrei bei dem so introvertierten Dichter C. F. Meyer! Wie häufig ist die Traumwelt höchst belebt, während die 
Tagwelt des Träumers arm ist selbst an einfachstem Lebensgeschehen. Derselbe Traum bedeutet für den Introvertierten also etwas anderes 
als für den Extravertierten. Ebenso wichtig ist es für den Deuter, zu wissen, welchem Funktionstyp der Träumer zugehört. Er begreift dann 
leichter, daß beispielsweise die Blumen, bestimmte Farbenträume, wie auch das Auftauchen von Frauen im Traume des Denktypus mit 
seiner vernachlässigten, unbewußt gebliebenen Gefühlsfunktion zu tun haben. Man wird auch vom Funktionstypus her die oft derben Träume 
der Intuitiven, wie deren Geldphantasien besser verstehen können. - Manche Träume sind ohne die betont erlebte Leiblichkeit des Träumers vor 
allem ohne deren Mängel - nicht denkbar. 
Es ist nicht unwichtig, über die soziale Position des Träumers im klaren zu sein. Vor allem wird dieser in den Erläuterungen zu seinen 
Träumen sehr rasch von seinen Berufsanliegen, seiner wirtschaftlichen Situation, seinen Wünschen und Geltungszielen sprechen müssen. 
Selbstverständlich wird die Mitteilung der erotischen Situation, der Beschaffenheit der Ehe etwa, manche Träume erst verständlich machen. 
Der intuitive Deuter wird im Gespräch mit dem, der ihm seine Träume vorträgt, bald erkennen, was für diesen wertvolles Lebensgut ist, 
woran ihm besonders gelegen ist. Erst indem man die bewußte Lebenseinstellung, bei entwickelten Menschen die Weltanschauung kennt, 
wird man die Bedeutung bestimmter Traumsymbole aus dem Bereich des Religiösen gerade für diesen Menschen verstehen. Hier muß 
bemerkt werden, daß es nicht von der größeren oder kleinem Intelligenz abhängt, ob man häufig oder selten träumt; ebensowenig ist das nach 
außen einfache Leben eines wenig durchgebildeten Menschen dem Unbewußten ein Anlaß, die symbolischen Träume bloß dem sogenannt 
Gebildeten zukommen zu lassen. Dagegen hat die Deutung, hat der Deuter sich in seinen Darlegungen selbstverständlich an die 
Fassungskraft des Träumers zu halten. Es ist auch wenig ratsam, mit Menschen, die nicht in einem starken Bewußtsein verankert sind, 
während einer analytischen Behandlung immer tiefer in die Traumwelt einzudringen. Häufig vermag ein unentwickelter Geist die Fülle 
dessen, was ihm in seinen Träumen zuströmt, nicht zu fassen. Er wird vom Unbewußten überströmt. Das kann zu geistigen Störungen führen. 

- Beiläufig bemerkt: In einer ausgedehnten, einer therapeutischen Traumanalyse von Menschen, welche in ihren Konflikten auf die Darstellung 
und den Rat der Träume nicht verzichten möchten, zeigen die ersten Träume sehr oft an, wie sich die Behandlung entwickelt. Ist sie 
von Gefahr begleitet, verschweigen die einleitenden, die Initialträume dies nicht. Hier mag auch die Frage beantwortet werden: Wer soll sich 
mit seinen Träumen beschäftigen? 
Sicherlich nicht das Kind. Es hat wirklich anderes zu tun! Niemals darf der psychologische Berater oder irgend ein Psychotherapeut ein Kind 
oder einen noch jungen Menschen in eine intensive Traumanalyse hineinziehen, die mehr will, als möglichst rasch den Weg zu den nächsten 
Zielen in der Außenwelt freizulegen. Bei Kindern entsteht sonst die Gefahr, daß sie zurückgerissen werden in die Unbewußtheit, aus der 
herauszukommen gerade die Hauptaufgabe ihres jungen Lebens ist. Man soll Kinder ruhig ihre Träume erzählen lassen, sich mit ihnen 
wundern über das Originelle und Seltsame, dann aber die Kinder möglichst rasch in die morgendliche Helle ihrer beginnenden Bewußtheit 
entlassen. Auch der junge, halberwachsene Mensch darf seine Träume nur inhaltlich rasch zur Kenntnis nehmen. Hat er psychisch bedingte 
Schwierigkeiten in der Bewältigung seiner derzeitigen Lebensaufgabe, dann kann man zwar auf die Träume nicht verzichten, doch wird man 
in der Beratung nie mit der Traumanalyse beginnen, sondern mit der Erörterung bewußter Probleme, mit Fragen nach dem, was der junge 
Mann, das Mädchen in seiner Umwelt erlebt, was er oder sie darüber gedacht hat. Dann erst läßt man sich die erinnerten Träume erzählen. 
Sind diese blaß, undeutlich, dann dränge man nicht weiter. Es wäre ein Kunstfehler, würde man ausgeführte Zeichnungen der Träume 
erbitten. Vom Traume aus erörterte man die vorläufig noch schwierige Tagessituation des jungen Träumers. Setzen dann die normalen 
Träume junger Menschen ein, dann weiß man auch diesen Träumer auf dem richtigen Weg. Hier, wie übrigens bei den meisten Menschen, 
wird man das beraterische Gespräch mit der Anknüpfung an die nächsten Tagesziele abschließen. Zu den gegenwärtigen Aufgaben des 
bewußten Lebens führt der in der Deutung gefundene Traumsinn ja auch meistens von selbst hin. 
Vom Erwachsenen mittlerer Jahre ist ein Verweilen beim Traume zu fordern. Er darf Träume nicht überfliegen. Wer sich sehr ernstlich damit 
abgeben will, soll freilich darob seine Tagesaufgabe nicht vernachlässigen; er muß sie noch besser erfüllen als vorher. Er schafft damit ein 
Gegengewicht zur Begegnung mit seinem Unbewußten. Zu dieser Begegnung gehört nach der Deutung das Annehmen dessen, was der 
Traum mitgeteilt hat. Auch davon wird noch ein Wort zu sagen sein. 
Der Deuter 
Die Deutung der Träume ist, selbst wenn man viel Erfahrung hat und mit den Träumern Hunderte, ja Tausende von Träumen nach ihrem 
Sinn durchwanderte, ihre Ausdrucksmöglichkeiten und Symbole sich ansah und sie für die Träume anderer sich einprägte, doch eine 
beschwerliche, wenn auch beglückende Arbeit. Beschwerlich deshalb, weil das im Traume vorgebrachte persönliche Erlebnismaterial so 
vielschichtig und oft fast unübersehbar ist, die Symbole aber in ihrer Tiefe und Mehrdeutigkeit sich nie ganz ausschöpfen lassen. Beglückend 
ist diese Arbeit, weil man im Traume an die Quellen des schöpferischen Lebens selbst gerät, weil man dem Sinn des Daseins begegnet. 
Die Traumdeutung ist Gemeinschaftsarbeit zwischen dem Ich und dem Unbewußten, wenn man die Träume selber deutet - zwischen dem 
Deuter, dem Träumer und dem Unbewußten des Träumers, sowie den kollektiven Lebensmächten, die aus den Träumen des andern 
Menschen sprechen, wenn man die Träume deuten läßt. 
Jeder Traumdeuter, sei er nun Arzt, psychologischer Berater oder einer der wenigen auch tiefenpsychologisch ausgebildeten Seelsorger, hat 
die Funktion eines Geburtshelfers. Das Kind, welches geboren wird, ist der Sinn des Traumes. Träumer und Deuter suchen in sorgfältiger 
Arbeit ein Drittes zu verstehen, nämlich die Botschaft der Seele. 
Hier ein Wort zur Persönlichkeit des Deuters. Er steht unter derselben Forderung wie jeder, der glaubt, aus Beruf oder Berufung dem 
Mitmenschen, der seinen Rat sucht, Helfer sein zu können. Der Deuter soll eine ausgesprochene Persönlichkeit besitzen, er soll ein wissender 
Mensch sein, dem wenig Menschliches fremd geblieben ist. Gerade in das Gebiet der psychologischen Praxis, die so viel Intuition und einen 
beweglichen Geist verlangt, drängt es oft den Nur- Intuitiven von mangelndem charakterlichen Halt, ihn, der bei gelegentlich erstaunlicher 
Witterung für das innerseelische Geschehen leider so oft selbst gar nicht in Ordnung ist. Ein Deuter aber, der nicht nur auf Zufallstreffer 
abstellt, muß in sich seinen festen Grund gefunden haben, ehe er andern zu helfen vermag. Er selbst muß selbst in Ordnung, in seiner 
Ordnung angelangt sein. Albertus Magnus, der mittelalterliche fromme Gelehrte, verlangt vom Traumdeuter ein reines, innerliches und 
unabhängiges Leben. Wir sind der Meinung, daß der Deuter, um im Bilde des modernen Geburtshelfers zu bleiben, sich erst selbst seelisch 
"aseptisch" gemacht haben sollte. Es darf von ihm verlangt werden, daß er eine fruchtbare Auseinandersetzung mit sich selbst, was vor allem 
durch eine Analyse geschehen kann, hinter sich habe. Er soll seine eigene Struktur und die für seinen Charakter typischen seelischen 
Schwierigkeiten und Schwächen kennen, damit er nicht mit dem "Unreinen" seiner unentwickelteren Seite, des Minderwertigen in ihm, den 
Träumer auf dem Wege der Traumauslegung infiziere. Die Forderung, erst sich und seine eigenen Träume gut zu kennen, bewahrt ihn davor, 
den Träumen des andern seine eigenen persönlichen Wünsche und Absichten zu unterlegen, seine eigene Psychologie und das, was ihm 
selbst not tut, in die Seele seines Klienten zu projizieren. 
Er hat geduldig darauf zu warten, was dem andern durch dessen Traum gesagt werden will. Es ist dem Deuter nicht erlaubt, sich hastig auf 
fremde Träume zu stürzen; vielmehr soll er sich den Gebilden der Seele sorgfältig nahen, wie denn auch kein Gärtner sich hinter seine 
Pflanzen hermacht, der rechte Erzieher seine Kinder nicht anfällt und der Arzt nicht von der Schwelle ans Krankenbett rast. Er soll sich auch 
keine Phantasien über die zu erwartenden Träume gestatten. Das Wort des Paracelsus gilt dem Träumer wie dem Deuter: "Einer, der seine 


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Träume ernst nehmen, auslegen und sich darnach richten will, der muß mit dem siderischen (geistigen) Wissen um das Licht der Natur 
gesegnet sein und sich nicht mit seinen losen Phantasien abgeben, nicht hochmütig mit Träumen umgehen, denn solcher Art ist mit ihnen 
nichts zu erreichen." 
Durchaus verwerflich ist eine Haltung, welche durch eine erzwungene Mitteilung der fremden Träume die Distanz zum Mitmenschen 
verletzt, Geheimnisse aus ihm herauszulocken versucht. Wie der Traum nicht erzwungen werden kann, so darf man auch nie einen Menschen 
zwingen, diese Gabe seiner Seele uns auszuliefern. Der Deuter hat wohl sein Interesse auf die Träume zu richten, aber dieses Interesse darf 
nicht zur Neugierde werden, die in ihrer Ungeduld das feine Gespinst dieses seelischen Kunstwerkes, Traum genannt, zerreißt. 
Von ein paar Grundsätzen richtiger und deshalb fruchtbarer Einstellung zu seinem Tun darf der Deuter nicht abweichen. So soll er nie etwas 
voraus wissen wollen, nicht vorher verkünden, wovon der Traum nun wahrscheinlich reden werde. Ohne Vorurteil, ohne sein ganzes 
wissenschaftliches Rüstzeug zu einer Sektion, genannt Analyse, bereitzuhalten, ohne Kategorien und ohne das Besteck glänzender 
wissenschaftlicher Begriffe hat er einfach einmal hinzuhören mit der Achtsamkeit und der natürlichen Intelligenz, mit der wir an alle 
Lebenserscheinungen bewußt herangehen. Freilich erwarten wir einen Sinn; dieser Sinn aber kommt nach allem Erfahren nur zu dem, der 
bereit ist, im Traum, wie in allem psychischen Leben, einen Sinn zu finden. Es muß also eine innere Bereitschaft da sein, deutlich zu 
vernehmen, was der Traum sagen möchte. Der Deuter darf ganz natürlich sein; er legt den Wissenschaftler, soweit er Wissenschaftler ist, 
ruhig ab, um besser zuhören zu können. Bei diesem Zuhören läßt er seine Vorstellungskraft, seine Phantasie mitarbeiten, um ein lebendiges 
Bild des Erzählten zu gewinnen; bei aller Wachheit begibt er sich in das Traumgeschehen hinein. Er wehrt denn auch seinen eigenen 
Einfällen zu den Fremdträumen nicht, obwohl er sie erst, um nicht zu stören, für sich behält. Wo seine eigene Vorstellungskraft nicht recht 
mitkommt, oder wo der Erzähler undeutlich wird, läßt sich der Deuter durch eine kleine Skizze darüber belehren, wie es mit jener Kreuzung 
von Straße, Fluß und Bahngeleise stand, wie die Gäste im Traum um den Tisch saßen, was für ein originelles Mosaik farbig den Boden 
deckte. Dabei muß er es auch hinnehmen, daß gewisse Traumpartien dunkel bleiben, daß der Träumer überraschenderweise etwas anderes 
betont, als er eben selbst erwartet hatte. Jung glaubt geradezu, daß es ein Grund zu Mißtrauen wäre, wenn der gefundene Traumsinn sich mit 
dem erwarteten Sinne deckte. 
In einer psychologischen Beratung, in welche hinein die Traumanalyse sich baut, haben die ersten mitgeteilten Träume meist ein besonderes 
inneres Gewicht. Es sei nicht verschwiegen, daß man, ohne es auszusprechen, ohne dem Klienten begierig das Traumgepäck zur Durchsicht 
abzunehmen, doch besonders achtsam hinhört auf das, was einem diese ersten Träume zutragen. Sie bringen zumeist das seelische 
Hauptproblem, den wesentlichen Konflikt des Träumers, ja, sie enthalten oft den ganzen Weg sozusagen skizzenhaft angedeutet, welchen die 
zu leistende gemeinschaftliche analytische Arbeit zu begehen hat. Sie sagen sogar in dem Praktiker relativ rasch verständlichen Bildern und 
typischen Traumgeschehen, welches die Schwierigkeiten dieser analytischen Beratung sein werden, und wie der Erfolg aussehen wird. Jung 
äußerte einmal, er sei jedesmal gespannt, was der "alte Mann", nämlich der große Wissende im Träumer, zur Situation zu sagen habe. 
Dennoch gilt es, mit jedem Traum Neuland zu erwandern, gemeinsam mit dem erzählenden Träumer. Dabei hat man sich vom Träumer 
öfters belehren zu lassen; denn dieser hat, ohne sich selber darüber klar zu sein, eine feine Witterung dafür, ob man mit dem Versuch der 
Deutung auf richtiger Fährte ist. Ist man auf dieser richtigen Fährte, dann begleitet ein leises Wohlgefühl die Deutungsarbeit. Verrennt man 
sich, oder wird man dogmatisch, ja, behauptet man, dieses oder jenes müsse dem Traum zugrundeliegen, dann macht der Träumer wohl noch 
mit, aber so, als wäre das ganze eine technische Manipulation, die ihn im Grunde nichts angeht -eben weil sie seinen Seelengrund nicht 
"angeht". 
Ist man aber auf rechter Spur, dann hilft der Klient wieder kräftig mit. Das ist sehr wichtig, ist es doch seine Sache, sein Erkenntniskind, das 
geboren werden soll. Man ist wieder in der Nähe der Objektivität des Unbewußten und das hat immer etwas Befreiendes. Auf dem 
scheinbaren Umweg des Traumes ist man tiefer in die schöpferische Mitte der Seele des Träumers gekommen. 
Paul Bjerre weist darauf hin, daß es in der beraterischen Behandlung "viel leichter ist, über eine Sache zu sprechen, wenn sie im Traum 
vorkommt, als wenn man direkt darüber ausgefragt" wird. Der ausgezeichnete schwedische Psychiater fügt bei: "Die denkbar schlechteste 
Form der Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient scheint mir diejenige der dogmatischen Psychoanalyse - also die Methode Freuds - zu 
sein: Der Patient liegt auf einem Sofa und assoziiert - er holt Einfälle um Einfälle hervor - während der Arzt hinter ihm sitzt und eventuell 
über die Assoziationen Protokoll führt. Dabei ist es streng verboten, in irgend einer Beziehung die Führerrolle zu übernehmen und überhaupt 
in irgend einer Richtung auf den Analysanden einzuwirken." Wir selbst kennen Fälle, da die Patienten Stunde um Stunde Träume erzählen, 
unaufhörlich Einfälle projizieren müssen, ohne daß der Arzt überhaupt ein Gespräch einschaltet. Wir wissen auch um die entsetzliche Leere, 
die nach Monaten oder Jahren solcher Behandlung den verzweifelten Patienten erfüllt. 
Traumdeutung ist Gemeinschaftsarbeit. Am fruchtbarsten hat sich das gründliche Gespräch erwiesen, das sich, wie noch auszuführen bleibt, 
an den genauen Traumtext, an die nötigen Erläuterungen dazu und die auf Text und Erläuterungen sich beziehenden Einfälle hält. Dabei hat 
freilich der mitarbeitende Deuter insofern eine zwar zurückhaltende, nie ins Herrisch-Belehrende fallende Führerrolle, als er ein großes 
Wissen um viele Träume, eine genaue, persönlich gewonnene Kenntnis der modernen Tiefenpsychologie und ihrer Methoden besitzen muß. 
Dazu sollte er verfügen über eine möglichst umfassende Kenntnis der Welt der Mythen, Sagen und Märchen, dieser herrlichen Gefäße ewig 
jugendfrischer Menschheitssymbole. Zudem ist er kaum denkbar ohne Sinn für mindestens eine der Künste. Da der Traum als Material jede 
Erscheinung der Welt, alles, was es gibt und was sich erdenken läßt, benutzt, hat der Deuter auf sehr vielen Gebieten der 
Naturwissenschaften, der Technik, der sozialen und kulturellen Verhältnisse soweit wie möglich zu Hause zu sein. Dazu muß er selbst in 
einem starken, reichen und geistig konzentrierten Leben stehen. Er kann nie genug wissen, kaum genug erlebt haben! Zu diesem Wissen 
gehört auch; die Kenntnis der religiösen Erscheinungen, der Kulte und Riten. Aber noch wichtiger als das Wissen um die Sichtbarmachungen 
des Glaubens in Wort, Bild und religiöser Handlang bleibt dies: Er bedarf neben der Menschenliebe, um es klar zu sagen, einer eigenen, 
ursprünglichen religiösen Erfahrung. 
Wo dagegen der Deuter im Laufe seiner vorurteilslosen Beschäftigung mit dem Traum und dessen Sinn nicht zu einer oft erstaunt und 
erschüttert erlebten Gewißheit einer großen und schöpferischen Ordnung des Lebens gelangen konnte, da wird ihm, der vom Tiefsten, das 
diese Ordnung bewirkt, unangerührt und deshalb ungesegnet blieb, ein wirkliches Helfertum auf die Dauer versagt bleiben. 

Vom Selberdeuten 
Die bisherige Darstellung hat wohl die Gewißheit vermittelt, daß es ein besonders schwieriges Unternehmen bleibt, ohne fremde Hilfe sich 
die eigenen Träume selbst zu deuten. Die meisten Menschen kennen sich selbst, entgegen ihrer gelegentlichen Behauptung, nur ungenügend; 
denn im Erfahren des Lebens kommt man zuallerletzt an sich selbst heran. Ist es doch eine Tatsache der Kulturgeschichte, daß die Völker in 
ihrem wissenschaftlichen Bemühen mit dem Allerfernsten begonnen haben, nämlich mit dem Studium der Gestirne. Sehr langsam hat sich 
dann der Mensch in seinem Forschen auf jahrtausendlangen Wegen sich selbst genähert. Jetzt stehen wir im großen Versuche, endlich das 
Wesen der menschlichen Psyche und ihre Erscheinungen zu erkennen. 
Der Mensch von allgemeiner Bildung, der nicht in einer dem Selbstbewußtsein sehr schmerzhaften Persönlichkeitsanalyse sich mit seiner 
bewußten und unbewußten Struktur auseinandergesetzt hat, ist über sich selbst weitgehend unbewußt geblieben und möchte doch seine 
Träume selbst deuten. Wohl erfuhr er nach und nach seinen Charakter und, wie er zu den Lebenswerten steht, an sich selbst und in den 
Reaktionen der andern. Hat er schon ein großes Wegstück seines Lebens hinter sich gebracht, dann ist er natürlich sich selbst des öfteren 
begegnet. Vielleicht hat eine wissenschaftlich fundierte graphologische Begutachtung -es gibt noch andere aufschlußreiche 
Untersuchungsmethoden - ihm manche Vermutung über seine extravertierte oder introvertierte Grundhaltung bestätigt und ihm auch 
Aufschluß darüber gegeben, welches seine psychologische Hauptfunktion ist. Damit hat er für die Traumdeutung schon einigen festen Boden 
gewonnen. Eine Hilfe bedeutet es ferner, wenn er nicht identisch geblieben ist mit seiner männlichen oder weiblichen Geschlechtsrolle. 


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Zudem hat er vielleicht Einsicht in das, was die einzelnen Alters-und Entwicklungsstufen besonders auszeichnet. Jedenfalls hat der 
Selbstdeuter, der mit seinem Bemühen wirklich in die Nähe des Traumsinnes gelangen möchte, auch die Ergebnisse der modernen 
komplexen Psychologie zu kennen, die jetzt beginnen, langsam Allgemeingut des wirklich gebildeten Menschen zu werden. Dies alles 
erlaubt ihm, sich an die Selbstdeutung seiner Träume in aller Bescheidenheit heranzuwagen. Denn zur Zeit haben nur wenige die 
Möglichkeit, ihre Träume einem Psychologen vorzulegen. 
Es ist selbstverständlich eine Erleichterung für den Selbstdeuter, wenn er eine disziplinierte Phantasie und einen ausgesprochenen Sinn für 
das Gleichnishafte allen Lebens hat, wenn er eine rasche Intuition besitzt, der es selbstverständlich ist, hintergründige Zusammenhänge zu 
schauen. Eine gewisse Vertrautheit mit den Inhalten der allgemein menschlichen Symbole muß er sich nach und nach erwerben. Der 
Selbstdeuter wird manche Träume leichter deuten können als andere. So merkt er wohl recht den Sinn der Gefahr- und der Warnungsträume. 
Badeträume sprechen ihren Sinn selbst aus, während Träume von Gefängnis und Strafe erst sinnlos zu sein scheinen. Viel näher liegt das, 
was sich in Träumen von allerlei Fahrzeugen zu Wasser, zu Lande und in den Lüften ausdrückt. Schulträume erregen erst Befremden, hat 
man aber den naheliegenden Schlüssel, so geht uns das Licht einer oft bittern Erkenntnis unseres Ungenügens in der Lebensschule auf. Rasch 
begriffen werden Träume der Orientierung. Wo nicht moralischer Hochmut Abwehrstellung bezieht, werden Tierträume in ihrer 
Gewichtigkeit erkannt. Kurz, es gibt eine Reihe von Traumelementen und ganzen Träumen, die ihren Sinn, ihre Beziehung auf die 
Persönlichkeit des Träumers dem, der sich um sie bemüht, ziemlich rasch freigeben. Fremdartig und ohne viel Zugang sind dagegen für den 
psychologisch Ungeschulten die Träume der Individuation. Sie tauchen auf, bevor noch das Bewußtsein des Menschen eingesehen hat, daß 
ein zweiter innerer Weg anhebt. 
Wer ein wacher und kluger Mensch ist, wem es nicht fehlt an einer Witterung für die Zusammenhänge zwischen bewußt und unbewußt, wem 
von religiösen Vorstellungen und bildgewordenen Glaubensinhalten her große Symbole erlebbar sind, wem Dichtung und bildende Kunst 
nicht fremd sind, der wird, wenn er auch nicht den ganzen Traumbaum ohne fremde Hilfe abzuernten vermag, doch manche nährende Frucht 
der Seele staunend und erkennend in dankbaren Händen halten. 

Der Traumtext 
Grundlage aller Deutung ist selbstverständlich der möglichst genau wiedererzählte Traum. Dieser Traumtext hat nichts anderes zu enthalten 
als das reine Traummaterial. Er ist für uns ein Urtext der unbewußten Seele. Es gibt Menschen, die mit ihren Träumen gleich sorglos und 
unachtsam umgehen wie mit ihren übrigen Erlebnissen. Wer aber seine Träume ernstlich nach deren Wissen um seine Situation befragt, der 
muß auch die Antwort der Träume genau festhalten. Er darf also das Vernommene nicht nur so im ungefähren sich notieren. Denn jedes 
Element jener erstaunlichen Verdichtung innerseelischen Lebens, welche das Wesen des Traumes ausmacht, hat sein bestimmtes Aussehenund seinen bestimmten Platz und kann in der Wiedergabe nicht einfach durch Ähnliches ersetzt werden. Sonst wird die Traumwiedergabe 
verwischt, wir haben nicht das Original des Traumes vor uns, sondern eine schlechte und undeutliche Reproduktion. Es war also im Traume 
nicht irgend ein Haus, vor dem jene zwei Männer diskutierten, sondern es war jenes kleine Gebäude an der Gerbergasse, in dessen unterem 
Stockwerk sich ein Tabakladen befindet, in dessen Garten die abdorrende Ulme steht. Es waren übrigens nicht irgend zwei Männer, sondern 
ein Jüngling und ein älterer Herr. Es war in jenem andern Traume nicht irgend ein Kleid, das plötzlich auf dem Bette lag, sondern eine sehr 
schöne Abendtoilette mit einer kleinen goldenen Rose. Man befand sich nicht auf irgend einer Brücke, sondern es war die Themsebrücke, in 
deren Nähe man einst gewohnt. Man war nicht einfach krank, sondern hatte eine Wunde an der Hüfte, die sah mondförmig aus . . . So könnte 
man weiterfahren und darauf hinweisen, daß nicht irgend eine Schlange uns bedrohte, sondern ein schönes dunkelrotes Tier mit grünem Leib 
und blauem Kopf. Die Traumstimme rief uns nicht irgend etwas zu, sondern sie nannte uns mit unserm eigenen Namen und fügte ein Wort 
bei, das wie "Leso" oder "Ledo" tönte. Nicht irgend ein Ibsen-Stück wurde im Theater aufgeführt, sondern es war Ibsens "Baumeister 
Solneß", und man wunderte sich im Traum darüber, daß dieses Stück noch modern sei - noch tiefer aber darüber, daß ein Mädchen solche 
Gewalt über einen gereiften Mann zu haben vermag. 
Besondere Sorgfalt verlangt bei der Niederschrift des Textes die kleine Traumeinzelheit, das Drum und Dran, welches die im Gedächtnis 
fester verwurzelte Haupthandlung begleitet. Aber gerade diese kleinem Dinge sind Hinweis darauf, wohin das größere Geschehen des 
Traumes zielt. Man wird bei der Wiedergabe des Traumes nie vergessen, daß er uns nicht als geschriebener Text übergeben wurde. Wird 
doch das meist wortlose Geschehen des Traumes erst von Bewußtsein und Willen in die gesprochene und geschriebene Sprache umgesetzt 
und damit in einem anderen Medium ausgedrückt, das freilich erst die Bearbeitung und die Deutung ermöglicht. Gelegentlich hat ein 
Erzähler den hier nicht angebrachten Ehrgeiz, den Text seines Traumes stilistisch auszufeilen, an diesem Naturprodukt der Seele seine 
schriftstellerischen Fähigkeiten zu erweisen. Das aber bekommt weder dem Traum noch seiner Deutung gut. Gerade in seiner Natürlichkeit 
ist der Traum von so großer Wirkung. Als Deuter merkt man meist sofort, ob die vorgelegten Träume bewußt erfunden, also literarisch 
hergestellt wurden - obwohl auch diese Erfindungen das Material ihrer oft etwas mageren Phantasien aus der Gegend des Unbewußten 
bezogen haben. Es kann vorkommen, daß man den Träumer bittet, den Traum durch eine verbindende Phantasie zu ergänzen; denn sehr oft 
besteht eine große Erinnerungslücke zwischen den einzelnen Teilen des Traumes. "Es ist dann etwas passiert, aber ich kann mich einfach 
nicht mehr darauf besinnen." Da bittet man nicht ohne Vorteil den Träumer, die beiden Teilstücke des Traumes mit Einfällen darüber, was da 
wohl passierte, auszufüllen. Bleibt man sich bewußt, daß dieses Füllende uns eben jetzt vorgeträumt wird, und bedenkt man, daß auch diese 
kleine Phantasie aus dem Unbewußten kommt, in welchem die Träume zur Zeit um ein Hauptproblem kreisen, dann wird man auch diese 
sozusagen "punktierte" Verbindung doch nicht missen wollen. Auch sie sagt einiges aus. 
Sehr häufig greift der Erzähler, wie schon gesagt, von sich aus zum Hilfsmittel einer kleinen Skizze. Solche Verdeutlichungen sind eine 
große Hilfe. Oft begreift man erst nach dieser kleinen Unterstützung die Traumvorgänge. Größer ist die Hilfe, wenn in sorgfältig 
ausgeführten farbigen Bildern eine wichtige Traumepisode festgehalten wird. Ist schon die Niederschrift ein sehr treues Nacherleben des 
Traumes und damit ein ahnendes Erfassen dessen, was er meint, so hält die farbige Illustrierung, die aber auf jede sogenannte künstlerische 
Ausschmückung zu verzichten und ohne darstellerischen Ehrgeiz zu sein hat, den Traum besonders intensiv zusammen. Auch die 
bescheidenste farbige Zeichnung hinterläßt, da sie zugleich ein Geschenk des Willens an das Traumgeschenk des Unbewußten darstellt, das 
Gefühl einer schönen Beglückung. 

Erläuterungen und Einfälle 
Der Mitteilung des Traumes fügt der Träumer von sich aus meist einige Erläuterungen bei; er gibt die notwendige Erklärung zu den Teilen 
des Traumes, welche Personen, Dinge und Geschehnisse anführen, die sich auf sein gegenwärtiges Leben, auf seine Erlebnisse oder auf 
irgendwelche ihm bekannte Vorgänge beziehen. Er trägt also in diesen zusätzlichen Mitteilungen, im Kontext, all das herbei, was die 
geträumten Personen uns klarer vorstellen könnte; er stellt fest, was sie ihm bewußt bedeutet haben oder noch bedeuten, in welchem 
Zusammenhange sie in Wirklichkeit mit ihrer ihm bekannten Umwelt stehen. Von den vorkommenden Dingen wird der Träumer vielleicht 
eine Beschreibung geben, berichten, wie er zu ihnen kam, wem sie gehören, wie es sich mit ihnen überhaupt verhält. Dabei ist das Erstaunen 
oft groß darüber, daß längst vergessene Gegenstände, oft aus frühester Jugend, wieder herauftauchen. Besonders eifrig verweilt der Kontext 
bei der Schilderung von Landschaften und Örtlichkeiten, die mit dem Traumort offenbar in Zusammenhang stehen. Da manche Träume sehr 
lebhafte Erinnerungen wachrufen, führt der erläuternde Kontext, besonders in der gesprochenen Mitteilung, zum oft weitausholenden 
Erzählen von Erlebnissen, die jetzt plötzlich zu einer gewissen Bedeutung zu kommen scheinen. Der Traum wird also umgeben von einem 
Kranze bewußt gesehenen Materials, das zur nähern Bestimmung und Deutung des Trauminhaltes beizutragen vermag. Dabei wird man nie 
vergessen, daß im Traum von entscheidender Bedeutung sein kann, was im Bewußten bloß ein Nebenbei geblieben ist, und umgekehrt. 


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Wir sprachen anderswo davon, daß die innere Instanz, der Schöpfer und Bildner des Traumes, eigenmächtig in einem ursprünglichen Sinn 
des Wortes über den ganzen Erlebnisinhalt unserer bisherigen Existenz verfügt. Wir verglichen ihn mit dem Leiter eines Archivs, dem neben 
den umfassendsten Abbildern der ganzen Erscheinungswelt, dem ursprünglichen Geschehen der Zeiten, auch unser ganzes erinnertes oder 
vergessenes persönliches Erleben samt den Erfahrungen des gegenwärtigen Lebenstages zur Verfügung steht. Auf dieses persönliche 
Material bezieht sich der Kontext in seinen Erläuterungen. Er begeht dabei einen Weg der Aufhellung, der, verglichen mit jenem 
Unternehmen des Traumschöpfers, in umgekehrter Richtung verläuft. Jener hat für seinen Traum sich aus dem Leben des Träumers 
heraufgeholt, was immer ihm als Gleichnis der innern Situation seines kleinen Herrn dienen konnte. Gleichzeitig hat er auch die Atmosphäre 
jener Erlebnisse mit in seine Traumfigur hineingebracht. Der Kontext nun nimmt sozusagen das entsprechende Erlebnis zurück und stellt es 
bewußt in die Zusammenhänge unserer heutigen Lebenslage. Die Bedeutung dieses durch den Traum erinnerten Erlebnisses wird bewußt 
erfaßt und wieder in den Traum zurückgebracht. So entstehen im Traumtext verstandene "Inseln", von denen aus nach und nach der ganze 
Text sich erhellt. Aus der Zusammenstellung der Dreiheit: Traum, zugehörige Erinnerung und gegenwärtige Lebenssituation des Träumers, 
ergibt sich in der Bearbeitung als Viertes: der Sinn des Traumes. 
Ein in seiner Art nicht seltenes kleines Traumstück belege diesen Sachverhalt: Ein Mann träumt, er wandere auf einer erst endlos 
scheinenden Gebirgsstraße; endlich erreicht er die Paßhöhe. Hier aber hat er sich vor Grenzoffizieren auszuweisen; es kommt ihm dabei in 
den Sinn, daß er im letzten Quartier einen Teil seines Gepäcks unachtsam liegen gelassen hat. Er muß deshalb im Traume oben warten, bis 
das Gepäckstück nachkommt. Der Kontext lautet: Ich war vor bald acht Jahren in der Schweiz; eine Wanderung über den San Bernardino 
schien mir endlos zu sein. Auf der Paßhöhe angelangt, war ich sehr erstaunt, daß man hier italienisch sprach. - Die bewußte Situation des 
Träumers besteht zusammengefaßt darin, daß er sich, nach sehr viel Bemühen, endlich einem Erfolg nahe weiß. Er hat sich diesen Erfolg 
auch offensichtlich verdient. In letzter Zeit hat er aber, eine gewisse Sorgfalt außer acht lassend, seine Arbeit sehr beschleunigt und ist dabei 
auch in eine gewisse Rücksichtslosigkeit hineingeraten. Der Traum, die Erläuterung des Kontextes und die gegenwärtige Situation besagen, 
daß er bald "oben" sein wird, daß er sich aber dort über seine jetzt ein wenig bedrohte, ein wenig anfechtbare Persönlichkeit ausweisen muß, 
und daß er im neuen Lebensgebiete (es handelte sich um eine wissenschaftliche Stellung an einer Hochschule) erst weiter kommt, wenn er 
nachgeholt hat, was er im Kampf um den Endanstieg zurückließ. Der Sinn des Traumes enthält sowohl die Ankündigung eines nahen 
Erfolges -er ist auch eingetroffen -als auch eine gewisse Warnung vor unrichtigem Verhalten in dieser Endphase des beruflichen und 
wissenschaftlichen Aufstieges. 
Zu jedem Kontext gehört auch die Mitteilung der Traumstimmung. Hier setzt sie sich zusammen aus der Freude am Erreichten, einer leisen 
Ängstlichkeit vor der Prüfung der eigenen Persönlichkeit (im angeführten Falle vor der Wahlbehörde), der Ungeduld, mit der auf das 
Liegengebliebene gewartet wird; dazu gehört auch die Einsicht, fortan eine etwas andere Sprache sprechen zu müssen. Es wird hier nur eine 
Bedeutung des Traumes, die bewußtseinsnaheste, gegeben. Da auch dieser Traum innerhalb einer Serie geträumt wurde, ergaben sich noch 
einige andere Aspekte, die mit dem Schaffen und mit den weltanschaulichen Problemen des Träumers zu tun hatten. Auch seine 
undifferenzierte Gefühlsfunktion kam im Traum zur Sprache. Andere hierher gehörende Träume aus gleicher Zeit, sowie einige Einfälle zum 
Kontext deuteten auf den warnenden Charakter der Traumserie. Es wurde klar, daß dieser Wissenschafter nicht ohne neue Mühe sich auf der 
Höhe werde halten können. 
Jeder Traum ist mehrschichtig und daher auch mehrdeutig. Ein sorgfältiger Kontext, dazu Einfälle und der gewonnene Sinn anderer Träume 
aus gleicher Serie lassen aber doch vermuten, was zur Zeit der Hauptsinn der Träume und damit das Großproblem des Träumers ist. In der 
psychotherapeutischen Beratung entsteht bei der Behandlung der Träume die Gefahr, daß der Erzähler vom Kontext aus immer weiter 
abschweift, abschweift in sein ganzes übriges Leben! Er vergißt den Ausgangsort, den Traum, und hängt Berichte und Einfälle aneinander, 
die mit diesem seinem Traume nichts mehr zu tun haben. Freilich sind diese "Ergüsse" in ihrer Art aufschlußreich. Da es aber der Traum, die 
Traumserie ist, die von den gegenwärtig wichtigen Problemen redet, hat man immer wieder zu Traum und Kontext zurückzukehren. Die 
psychoanalytische Methode Freuds ließ allzulange uferlos einen Einfall dem andern folgen, es wurde immer weiter assoziiert, und dabei kam 
man fast ideenflüchtig auf alle möglichen Komplexe und Eigenheiten des Träumers, aber eben nicht genügend tief in das Problem hinein, aus 
welchem heraus der Analysand den Anschluß an die bewußte Lebensführung suchte. Freilich ist zu bemerken, daß diese Psychologie ja 
annimmt, es handle sich höchst wahrscheinlich stets um die eine sexuelle Frage. Man bleibt also bei dieser einförmigen Auffassung sowieso 
in dem einzigen Großproblem drin, das dieser Schule wichtig zu sein scheint. 
Dennoch darf man nicht verzichten auf die Einfälle, die sich zum Traum und seiner Erläuterung einfinden. Sie verfeinern und verdichten das 
Beziehungsnetz zwischen der Tagwelt des Träumers und seinem Traum. Wenn der Träumer dem Deuter erklärt, diese oder jene Einzelheit 
sei sicher sehr unwichtig und hinzufügt, er begreife nicht, warum ihm eben jetzt etwas einfalle, das wirklich keinen Zusammenhang habe mit 
den bisherigen Berichten, dann ist zu vermuten, daß man auf ein ganz besonders wichtiges Stück der im Traum vorgebrachten Problematik 
gestoßen ist. 
Kontext und einzelne Einfälle zu einem längeren Traum, dessen Bedeutung der Leser sich dann selbst zusammenreimen mag, mögen hier 
mitgeteilt werden. Der Träumer erklärte: "Jener Herr, den ich im Schalterraum einer Bank antraf, war mein erster Chef, damals, als ich in 
Brüssel als Volontär arbeitete. Wir hatten ein gutes Verhältnis zueinander; nur wünschte er, daß ich verbindlicher, dem Geselligen mehr 
geöffnet werde, - man muß doch auch leben! sagte er immer." - Solch ein Chef ist also im Traume wiederum da und zwar in der Halle einer 
Großbank, d. h. im Raume konzentriertester Energien. – "Die Bahnstation, an der mein Traumzug hielt, weil die Lokomotive, obwohl es ein 
elektrisches Fahrzeug war, Wasser aufnahm, erinnerte an den kleinen Bahnhof am Genfersee. Ich war dort vor meiner Maturitätsprüfung in 
den Ferien; dort bin ich mit Yvonne, der Tochter eines Arztes, bekannt geworden, wir fuhren einmal zufällig zusammen nach Genf; ich 
wagte leider nicht, sie zu einem gemeinsamen Gange oder zu einer Tasse Tee zu bitten. In letzter Zeit denke ich oft an sie zurück, sie war 
gleich alt wie ich. - Die Sache mit dem Geld, das ich im Traum in meiner Schublade fand, begreife ich nicht, sie hängt vielleicht mit einer 
Zeitungsnotiz zusammen; dort wurde berichtet, beim Umbau eines Hauses sei eine Geldkassette mit Maria-Theresiatalern bloßgelegt 
worden." Der Träumer fügte bei: "Nur weil es Silber war, hatte dies Geld noch einen Wert, Silber bleibt eben Silber." – "Die gesuchte 
Adresse in meinem Notizbuch ist mir nicht mehr in Erinnerung, nur ein Teil des Straßennamens und die Hausnummer. Die Straße trug den 
Namen eines Generals, und die Nummer des Hauses war sicher 39. Das erklärt sich leicht, denn ich überlege mir in den letzten Tagen immer, 
daß ich nun die Vierzig überschreite. Im Traume habe ich über die 3 und die 9 nachgedacht und gefunden, sie gehörten zusammen. - Die 
Badenden erinnern mich wieder an den Aufenthalt am Genfersee. Ich begegnete einmal der Tochter jenes Arztes, sie war auf dem Rad, hatte 
ihr Badezeug bei sich und fuhr an den Strand. Sie fragte mich: "Vous venez avec?" Ich sagte, ich käme später, doch ließ ich mich durch einen 
längern Brief nach Hause abhalten. Das hängt vielleicht mit dem Brief im Traum zusammen. - Ob ich, wie im Traume, schon am Meer war? 
Ja, öfters, aber die Traumgegend sah ganz anders aus als der Strand in Holland oder Schweden, wohin ich auf großen Einkaufsreisen kam. Es 
war ein südliches Meer mit viel Sonne. Da waren braungebrannte Burschen, sahen aus wie Neger, waren aber Pfadfinder. Dazu fällt mir ein 
Bild aus meiner Jugendzeit ein, dort trugen Schwarze einen weißen Mann, einen Kranken, an die Küste." Der Träumer schämte sich fast 
dieses Kontextes, er war dabei sichtlich ergriffen; möglicherweise wurde in ihm selbst ein Mann aus dem Dickicht des Unbewußten an eine 
hellere Küste getragen. - Erst nach einer Mitteilung fiel unserm Träumer zu der Straße, die nach einem General genannt wurde, vielleicht im 
Zusammenhang mit dem amerikanischen Sezessionskriege das Bild des Malers Frank Buchser ein: "The Song of Mary Blane". Offenbar 
ging es in dieser Zeit beim Träumer um eine dunkle und eine helle Seelenfigur, um eine Annäherung an die eigne dunkle und an die eigne 
helle Anima. Vielleicht war in ihm selbst eine Art Sezessionskrieg zwischen Nord- und Südstaaten. - Die Zeitungsnotiz vom zerstörten Haus 
war von einer Bemerkung begleitet, daß auch er sich zur Zeit wie verstört vorkomme. - Mit den Maria Theresiatalern, dem Silber mit 
eingeprägtem Frauenbild, konnte er nichts anfangen, und doch war es weibliches Silber, das ihm aus dem Umbau seines psychischen Wesens 
zufiel. - Von der Tochter des Arztes behauptete er, er könne sich im Berufe ihres Vaters geirrt haben; doch wenn er an sie denke, sei sie stets 


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die Tochter eines Arztes. Offenbar hat sie mit Ärztlichem zu tun und ist ihm aus schöner Erinnerung zur Heilung gesandt, aus der Tiefe der 
Seele, eine Art Nausikaa am Badestrande, nach deren Begegnung er vielleicht zu sich selbst zurückfinden wird. 
Es handelt sich bei diesem Träumer um einen Mann um die Vierzig, eher nach innen gewendet, der sich einen extravertierten 
Sekundärcharakter geschaffen, sein ethisches Problem nicht sehr gut gelöst hatte, und dem alles Weibliche außer und in ihm unbewußt 
geblieben war. Er war selbst nun eine Art Pfadfinder; ihm tönte der Gesang der noch nicht Einheit gewordenen Negerinnen um Mary Blane, 
die dunkle Anima, entgegen, und er suchte nun in Traum und Kontext an das hellere innere Wasser und in die Nähe einer geformten Anima 
zu kommen. 
Der Kontext und die Einfälle versuchen jedes Traumelement anzureichern und zu erweitern nach der bewußten Seite hin. Wir nennen diese 
Erweiterung wissenschaftlich Amplifikation. Eine solche Amplifikation wird z. B. der undeutlich gesehenen Gestalt des Bruders im Traume 
nicht nur beifügen, was für diesen leiblich besonders bezeichnend ist, nicht nur von der eigenen Beziehung zum Gefährten der Jugend 
sprechen, sondern sich auch überlegen, was jeder Bruder an sich dem andern Bruder bedeuten kann. Dieser wird dann auch als innere 
Gegenfigur erkannt, und die Gegensätze, die Ergänzungen werden zum Ausdruck dessen, was als Ergänzung so gegensätzlich in uns selbst 
drin wohnt. 
Oft tauchen in den Träumen historische Persönlichkeiten auf. Der Kontext besteht natürlich selten in persönlichen Erfahrungen, es wird sich 
vielmehr darum handeln, festzustellen, was der Träumer von diesen Persönlichkeiten ungefähr weiß. Diese hundert oder zweihundert 
historischen Persönlichkeiten, die im Gedächtnis der Menschheit haften bleiben, etwa die Künder einer neuen Weltanschauung, die Eroberer, 
die paar ganz großen Forscher und die Künstler, von denen jeder ein wenig weiß oder gesehen hat, bezeichnen, im Traum erscheinend, etwas 
allgemein Menschliches, Typisches. Ihr Bild ist geformt aus dem Urteil der Geschichte und der Schule. Von ihnen reden immer wieder 
Bilder, Schriften und Vorträge. 
Natürlich haben sich Träumer und Deuter zu fragen: Für welche seelischen Inhalte des Träumers selbst steht diese Gestalt? Wo der Name 
eines großen Mannes genannt wird, von dem der Träumer aber kaum etwas auszusagen weiß, hat er einmal nachzulesen, was ein 
Nachschlagewerk über ihn berichtet. Er wird bald merken, daß er mehr wußte, als ihm bewußt war, und daß aus dem unbewußten Wissen 
diese Gestalt aufgestiegen ist. Es gibt Träume sehr knappen Inhalts und auch solche, die, ohne Großträume zu sein, sehr wenig 
biographisches Material zu ihrem Aufbau verwendet haben. "Ich war in den Bergen und ging am Hang entlang, weiter oben sah ich einen 
hohen Offizier in sehr gefährlicher Lage. Dann hatte ich eine Zeitung in den Händen, sie gehörte einer Frau namens Edith. Sonst ist mir 
nichts geblieben. Doch, ich sah den Mond am Himmel, obwohl es Tag war, genau gesagt, war es nachmittags ein Viertel vor drei Uhr. Man, 
ich weiß nicht wer, befürchtete eine Überschwemmung." 
Der Kontext weiß von keiner Edith, außer von einem kleinen, ungezogenen Mädchen, einer Freundin; sie ist jedoch nach Ansicht der 
Träumerin viel zu klein, um etwas zu bedeuten. Alle andern Traumelemente müssen nun von Einfällen umgeben werden. Die Träumerin hat 
sich zu fragen, was heißt "am Hang sein"? Sie selbst kennt persönlich keinen Offizier von höherem Range, offenbar ist er also eine innere 
Figur; ihre Einfälle müssen versuchen, diese innere Figur und ihren Ort zu umschreiben. Sie wird nun auch erkennen, daß die Zeitung stets 
das Neueste bringt, aber auch reich ist an Skandalmeldungen. Bei dem Offizier könnte es sich um eine Animusfunktion in ihr selbst handeln, 
um ein wertvoll Männliches, vielleicht um eine geformte geistige, aber noch konventionelle Haltung. Offenbar ist etwas geschehen; die 
innere Zeitung bringt es als das Neueste. Es handelt sich um einen Zusammenhang zwischen dem kleinen, ungezogenen Mädchen, ihrer 
Persönlichkeit, die am Hange geht, und der übergeordneten - er ist oben - Funktion des Offiziers. Zum Mond, der am Tage scheint, fällt der 
Träumerin ein, daß ihr Kind sie erstaunt darauf aufmerksam gemacht habe, daß man ja den Mond sehe, obwohl die Sonne scheine. Unter 
welchen Bedingungen dies geschieht, wußte sie nicht. Es handelt sich dabei wohl um den zunehmenden Mond, um eine zunehmende 
unbewußte Weiblichkeit, mitten in den Tag hinein. Die Anfrage brachte sie denn auch auf den Zusammenhang zwischen dem Mond und dem 
physiologischen Mondwesen der Frau. Die Symbolik des Mondes gibt weitere Aspekte und neue Betrachtungsmöglichkeiten Offensichtlich 
haben ihr weibliches Wesen und der Mond, der hohe bedrohte Offizier und die Sonne am Himmel etwas miteinander zu tun. Die dritte 
Nachmittagsstunde holt Tageserinnerungen herbei: Einladungen, Besuche, das Kind muß in die Schule, sie war letzthin um drei Uhr 
besonders müde; aber das Gefühl einer befriedigenden Deutung stellt sich nicht ein. Dennoch bestand die Träumerin darauf, daß es 
dreiviertel drei Uhr gewesen sei. Der Deuter mußte amplifizierend bemerken, daß diese Stunde oft geträumt wird, wenn etwas Wichtigesgeschieht, wenn es sich um einen Übergang handelt, oft um ein erstes Eintreten des Abends. Das Überschwemmung stets eine Gefahrdarstelle, fiel ihr sofort ein. Das eine Überschwemmung auch aus der Tiefe der Seele heraufkommen kann, und was damit angedeutet sein 
möchte, wurde von der Träumerin nicht ohne Unruhe erkannt. Es war eine Gefahr ansteigender Dämmerung, eine Bedrohung durch das 
betont Weibliche, eine Situation, in der Wertvolles in Frage gestellt schien. 

Die Deutung auf der Objektstufe 
Man wirft der psychologischen Seelsorge, die den Menschen sich auch um seine Träume kümmern heißt, vor, sie ziehe eben diesen 
Menschen von seinen beruflichen und sozialen Aufgaben weg, steigere dafür seine Ichbezogenheit; sie verführe ihn dazu, sich zu wichtig zunehmen. Selbst wenn man davon absieht, daß eine echte und gehorsame Beschäftigung mit den Äußerungen der Seele das Ich eben über sich 
hinaus zur Arbeit an der viel größeren Ganzpersönlichkeit führt, muß man als Antwort auf jenen Vorwurf betonen: Es gibt für den 
Einzelmenschen wie für die Gemeinschaft, deren Glied er ist, nichts Notwendigeres, nichts Wertvolleres als dies, daß jeder Einzelne das 
wird, was er seiner Anlage gemäß ist. Er selbst ist sein Beitrag an das allgemeine Leben; er erfüllt sich nach innen und nach außen, weil dies 
die Aufgabe ist, die der Gott des Lebens damit, daß er ihn schuf, ihm auferlegt hat. Wie der Mensch bewußt sich und seine Welt wichtig zu 
nehmen hat, so nimmt die Seele ihren Menschen, dessen Lebensplan sie von Anfang an in sich zu tragen scheint, dessen Entelechie und 
Lebenskern sie ist, ungemein wichtig. Es scheint dieses ihr großes Bemühen in höherem Auftrag zu geschehen. 
Die bisherige Darstellung hat längst klar gemacht, daß die Seele für diese Bewußtmachung sich jeder Erscheinung des Lebens völlig frei 
bedient. Selbstverständlich wird sie im Traume, da, wo die Beziehung zur Umwelt, zum Lebenspartner, zu Freund oder Feind, zu Beruf und 
Interessen jeglicher Art steht, die Gestalten dieses "Du" der Außenwelt, die Dinge und die Geschehnisse unseres äußern Lebenstages 
verwenden. Der Traum, der von diesen Dingen spricht, scheint vorerst auch nur diese uns umgebende Außenwirklichkeit und unser 
Verhältnis dazu, soweit es uns nicht recht bewußt ist, zu klären. Der Traum mit solch vertrautem Inhalte ist in der Deutung auch auf diese 
Gegebenheiten unseres täglichen Lebens zu beziehen, er ist, wie wir es psychologisch nennen, auf der Objektstufe zu deuten. 
Das scheint den meisten Menschen selbstverständlich zu sein! Ein psychologisch naiv denkender Mensch, der von seinem Kinde, seiner 
Gattin, seinem Nachbarn oder Vorgesetzten träumt, nimmt ohne weiteres an, es handle sich ganz wörtlich und konkret um diese mit ihm 
schicksalsmäßig verbundenen Mitmenschen. Höchstens ist er befremdet darüber, daß sie im Traume oft so ganz anders handeln als in 
Wirklichkeit, daß er sich mit ihnen in Situationen befindet, wie sie nie vorkommen könnten. Auf der Objektstufe deutend müssen wir sagen: 
Offenbar handelt es sich wirklich um diese Menschen. Aber wir haben wohl fast immer einschränkend beizufügen: Nicht diese Menschen 
sind so, handeln so, wie wir von ihnen geträumt haben - freilich kann in selteneren Fällen auch dies richtig sein, und der Träumer erfährt 
dann eben, wie diese andern auch noch sind, wie sie in Wirklichkeit handeln - vielmehr wird die äußere Beziehung zu diesen Menschen 
durch das Bild und den Ablauf der Traumhandlung dargestellt. Jede Deutung auf der Objektstufe hat also zu fragen: Sind die bekannten 
Personen des Traumes und das, was im Traume geschieht, wirklich so beschaffen, wie dieser Traum es erzählt? Erfahren wir also durch ihn 
ein Mehreres über diese für uns wichtigen Mitmenschen, damit wir ihr Wesen besser erkennen und uns angepaßter einstellen? Wo ein 
Träumer von seinem Vorgesetzten oder Untergebenen, eine Frau vielleicht auch von einer Mitarbeiterin, Freundin oder Angestellten träumt, 
da hat man selbstverständlich sich in den Erläuterungen zum Traume im Kontext ein möglichst scharfes, differenziertes Erfahrungsbild von 
diesen Menschen geben zu lassen. Traumbild und Erfahrungsbild sind dann sehr sorgfältig miteinander zu vergleichen, und es wird sich 


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herausstellen, daß das Unbewußte von jenen Andern mehr weiß als auch das schärfst beobachtende Ich. Gewöhnlich eilen, nachdem man ein 
Bild gewonnen hat aus Traumgestalt und dem, was man bewußt über jenen andern weiß, auf einmal eine Menge kleiner Einfälle herbei - es 
geht dem Träumer nicht nur ein Licht auf, sondern jetzt sieht er diesen Menschen, zu dem er eine etwas komplexhafte Einstellung hatte, von 
verschiedenen Seiten angeleuchtet; er sieht dessen Wirklichkeit nun klarer. Damit kann er von nun an eine dem Tatsächlichen 
entsprechendere Einstellung finden und - eines der großen Geschenke aller Traumbetrachtungen - von nun an auch gerechter sein. Dasselbe 
gilt natürlich auch für all das, was mit unserm Tun in der Außenwelt zusammenhängt. 
Auf der Objektstufe betrachtet ist der Bruder des Träumers der wirkliche Bruder, die Mutter wirklich die Mutter, Herr Bühler ist identisch 
mit Herrn Bühler der Arzt ist eben jener uns bekannte Arzt, und selbst jene minderwertige Person, die wir nicht gut kennen und deren 
Auftreten in unserm Traume uns wenig paßt, könnte zur Not jene stadtbekannte liederliche Person sein, mit der wir einmal einen ärgerlichen 
Auftritt hatten. Könnte - denn diese eben angeführten Personen haben in jenen Träumen Züge, die man nie an ihnen findet. Sie sehen, genau 
besehen, auch etwas anders aus! Es ist manchmal noch etwas in oder an ihnen, das einem ganz andern Menschen zugehört, an jemanden 
erinnert, der mit ihnen in keiner Verbindung steht. Nach und nach überzeugt sich der Träumer, der etwa seinen Freund in minderwertiger 
Situation träumt, es könnte am Ende gar nicht sein Freund sein, der so üble Figur macht, sondern die Freundschaft zwischen ihnen, also die 
Beziehung zum andern, nicht der andere selbst. Zu einem ähnlichen Schlusse mußte recht widerwillig jener junge Mann kommen, der 
träumte, seine Braut sei krank. In Wirklichkeit fehlte ihr nichts als mehr Liebe und Vertrauen von Seite ihres Geliebten. Dessen Gefühle aber 
waren, in der Unfähigkeit, sich von einem frühem Erlebnis erotischer Art zu lösen, wieder zwiespältig geworden. Seine innere Beziehung zu 
seiner Braut litt an einer "Erkältungskrankheit". Für ihn war sie wirklich krank. Typischerweise hatte sie selbst einen ähnlichen Traum von 
ihm, nur handelt es sich um einen häßlichen Ausschlag, durch den sie sein Gesicht und vor allem die Hände entstellt sah. Sie fragte sich im 
Traume, ob man so heiraten dürfe. 
In den Träumen, die von Menschen unseres Schicksalsraumes reden, sind besonders die Größenverhältnisse, sind Kleidung und typisches 
Tun zu beachten. Wo der Träumer von einem andern beschenkt wird - es mag in Wirklichkeit solch ein Geschenk ganz ausgeschlossen sein 
-, da hat sich die innere Beziehung zu diesem "Du" bereichert, hat an beglückender Kraft gewonnen. Denn Kleinerwerden kann, woraufschon hingewiesen wurde, einer Überwertung im Tagesleben entsprechen, die korrigiert werden muß. Aber es kann dieses Kleinerwerden 
auch einfach besagen, daß die Beziehung zum andern an Bedeutung abnimmt. Das Trauerkleid der geträumten geliebten Gestalt teilt uns eine 
bisher nicht beachtete innere Trauer jener Frau mit - aber es ist vielleicht auch der inneren Wirklichkeit einzig entsprechende Ausdruck für 
die gemeinsame Beziehung. 
Alle Umstände des Traumes, und dazu gehören, es ist dasselbe Wort, auch die Umstehenden, geben der Beziehung jene Eigenart, die der 
Traum eben bewußt machen möchte. Wo die Außenwelt vorläufig das Objekt, das Ziel der Hauptenergien der menschlichen Psyche sein 
muß, also bei jüngeren Leuten, die in der Eroberung der ihnen zustehenden Welt sich befinden, ebenso bei Menschen um die Lebensmitte, 
die im äußern Daseinskampfe ihren Ort, ihre "Stellung" noch nicht gefunden haben, wird man die Träume vor allem auf der Objektstufe 
deuten. Erst in zweiter Linie geht man dem nach, was rein innerseelische Angelegenheit ist. 
Für die Deutung auf der Objektstufe gilt der Hauptsatz: Nicht das Objekt ist gemeint, wovon man träumt, sondern die eigene Beziehung zum 
Objekte, von dem man träumt. 

Die Deutung auf der Subjektstufe 
Der Versuch, die Trauminhalte konkret auf das Außenleben zu beziehen, etwa auf die tatsächliche Gemeinschaft mit den geträumten 
Personen, wird bei vielen Träumen nicht befriedigen, führt zu keinem annehmbaren Ergebnis. Denn die Traumerzählung hat keinen 
Zusammenhang mit unserm Handeln und Erleben in der Außenwelt; sie ist offenbar weder deren Spiegelung, noch deren Ergänzung. Die 
Bekannten, die als Traumfiguren auf unsere nächtliche Bühne geraten sind, führen sich da ganz anders auf als im Leben. Wohl kann jener 
Vater, der träumt, sein Kind gerate beinahe unter einen auf nie gesehenen Geleisen daherbrausenden Zug, annehmen, es drohe seinem 
Knaben in Wirklichkeit große Gefahr. Er wird diese beängstigenden Möglichkeiten sorgfältig überdenken. Dabei spürt er aber, daß es gar 
nicht um sein Kind geht, sondern daß er zur Zeit selbst in einer gewissen psychischen Gefahr drin steht. Damit wird sein Kind eine sehr 
wesentliche Gestalt seiner eigenen Seele. Kommt er zu dieser Deutung seines beunruhigenden Traumes, dann hat er diesen instinktiv richtig 
auf der Subjektstufe gedeutet. Die Unmöglichkeit, Träume, in denen Geschwister, Kameraden, Nachbarn oder selbst wenig bekannte Leute 
vorkommen, stets auf der Objektstufe zu deuten, hat zur notwendigen Annahme geführt, daß diese Gestalten vor allem gleichnisweise etwas 
über uns selbst aussagen. Besonders klar ist dies, wenn in unsern Träumen Menschen und ihre Schicksale aus Büchern, Bühnenstücken oder 
aus dem politischen Geschehen in fremden Ländern auftreten. Das berühmte "Das bist Du" indischer Selbsterkenntnis gilt für die 
Einstellung, welche diese Figuren und Begebenheiten des Traumes auf die eigene innere Persönlichkeit bezieht. Auf der Subjektstufe ist alles 
Ausdruck unserer innerseelischen Tatsächlichkeit. Die geträumten Menschen (und die tierischen und pflanzlichen Lebewesen, welche unsern 
Traum bevölkern) sind Verkörperungen, Sichtbarmachungen unserer innern Wesenszüge; die Traumhandlung wird zum Ausdruck unserer 
psychischen Funktionen und Entwicklungen. Auf der Subjektstufe ist man jenes sich in geformte Teilwesen auflösende Personenbündel, das 
im Bewußtsein durch unser Ich, soweit wir nicht geisteskrank oder in irgend eine Besessenheit geraten sind, zusammengehalten wird. Diese 
Teilpersönlichkeiten unserer im Traume auseinander- differenzierten Ganzheit sind gewöhnlich projiziert auf Bekannte. Solange wir 
unbewußt sind über die verschiedenen Seiten unseres Wesens, werden diese unsere Charakterzüge an Personen der Umwelt gesehen und 
erlebt. An diesen erleiden wir, was noch wenig beachtet in uns wohnt, an ihnen, die sich aus irgend einem Grunde zu Abbildträgern unserer 
Teilnatur eignen, hassen wir, was in uns selbst minderwertig ist. Unbegreifliche Anhänglichkeit, maßlose Verliebtheit, welche ohne das 
andere "Du" glaubt, nicht mehr leben zu können - weil eben dieser andere einen Teil unserer Seele verkörpert - beruhen ebensosehr wie nicht 
zu verstehende Abneigung auf dem Gesetze der Projektion. Alles Unbewußte ist, solange man es nicht als solches durchschaut, projiziert. 
Dies zu betonen wird die komplexe Psychologie nicht müde. Man wird im Werke Jungs sowie in Darstellungen seiner Psychologie durch 
andere manche Belege dafür finden, wie entscheidend für das menschliche Zusammenleben diese seelischen Vorgänge sind. Jede Person, die 
wir träumen, kann, wenn wir die Projektion in uns zurückgenommen haben und nur die verfeinerte Projektion auf innere Gestalten geblieben 
ist, in der Traumbetrachtung als ein unter dem Namen eines andern gehendes Gleichnis eigener innerer Haltung erkannt werden. Um selbst 
gleichnishaft zu reden: Die "chemische" Verbindung unserer Persönlichkeit wird bei der Traumanalyse in ihre Elemente aufgelöst. Wohl 
tragen diese Elemente noch die Namen von Bekannten und haben ungefähr ihre Erscheinung, oder sie heißen in allgemeinern Begriffen "das 
Kind", "der Bruder", "die Schwester", "der Bauer", "der Offizier", "das junge Mädchen", "der weise Mann" und so weiter. Im Kontext zum 
Traume haben wir, das Erfahrungsmaterial des bewußten Lebens um diese Gestalten zusammentragend, mitzuteilen, wofür diese bekannten 
Gestalten und die allgemein menschlichen Symbole stehen könnten. Erscheint beispielsweise in den Träumen mehrmals ein Kaufmann, uns 
kaum bekannt, von dem wir wissen, daß er sich aus dem Zusammenbruch seines Geschäfts tätig und ehrenhaft herausarbeitete, dann sagt der 
Traum nichts über diesen Kaufmann oder unsere kaum vorhandene Beziehung zu ihm aus, sondern er weist tröstlich darauf hin, daß in uns 
selbst noch eine Kraft am Werke ist, die uns befähigt aus großen und gefährlichen Nöten den Ausgang zu finden. Zeichnet sich die im 
Traume mehrmals erscheinende Kollegin durch eine schlaue Art aus, wesentlichen Verpflichtungen zugunsten billiger Vergnügen zu 
entweichen, dann ist wohl anzunehmen, daß wir eine solche Schwester oder Kollegin in uns haben, die von einer solchen menschlich wenig 
fruchtbaren Lebenseinstellung besessen ist. Im Traume begegnen wir unserm Schatten und werden uns, falls es uns um eine echte 
Persönlichkeit geht, mit diesem auseinander zu setzen haben. Als "Schatten", als eine Hintergrundsfigur wenig entwickelten Charakters, 
bezeichnen wir jene eigenen Wesenszüge, welchen wir in unserm bewußten Leben nicht genügend Raum geben können zu wertvollerer 
Gestaltung. Die Schatten haben Eigenschaften, die wir an uns noch nicht erkannt haben, die sich dafür unbewußt um so wirksamer in der 
Beziehung zum Mitmenschen betätigen. Statt an uns zu leiden und durch das Leiden an dem Dunkeln in uns reifer zu werden, erleben wir 


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diese Eigenschaften an den andern, bekämpfen sie - etwa den Geiz - an diesen andern. Und nun begegnen uns diese andern als Teil unseres 
eigenen Wesens im Traume, eben beispielsweise als der eigene Geizhals. "Die Subjektstufe interpretiert alle Traumfiguren und Situationen 
symbolisch, d. h. als Abbilder innerpsychischer Faktoren und Situationen des Träumers", formuliert Toni Wolff diesen Sachverhalt. 
Schon in den Träumen junger Menschen, welche man stets erst, weil der junge Mensch naturgemäß auf Außenobjekte bezogen ist, auf der 
Objektstufe zu deuten versuchen sollte, finden sich Elemente, die nur in der Deutung auf der Subjektstufe begriffen werden können. Es sind 
besonders jene Traumfiguren, die als Kameraden der Ausdruck des eigenen Schattens sind; ferner müssen Tiere, die selbstverständlich 
einfach über Art und Intensität der Triebrichtung etwas aussagen, auf dieser Stufe gedeutet werden. Je weiter der Mensch in sein viertes, 
fünftes Lebensjahrzehnt hineinwandert, desto mehr ist es angezeigt, seine Träume auf der Subjektstufe zu deuten. Zuletzt wird ja die ganze 
Lebensführung des alternden Menschen - in Beibehaltung der gewonnenen Anpassung an die noch immer berechtigten Forderungen der 
Außenwelt - zu einer innern Angelegenheit. Da werden Gestalten und Handlungen zu reichen Symbolen der innern Wandlung, wenn diese 
angenommen wird; zu Symbolen von erschreckendem Gehalt, wenn sich der Mensch den Forderungen der Persönlichkeitsreife entzieht. 
Manchmal werden die menschlichen Gestalten ausdrücklich als Verwandte bezeichnet; sie sind eben unseres Blutes. Es fällt leicht, dem 
Träumer zu erklären, daß er unter anderem dieser ihm Verwandte ist. 
Manchmal sind es urtümliche Gestalten, in denen man den Werten des innern Gegengeschlechtes begegnet. Dann handelt es sich um Anima 
und Animus, um die gegengeschlechtliche Figur in uns. Anima und Animus tragen selten das Antlitz eines uns bekannten Menschen, sie sind 
einfach "das schöne Mädchen", "die Herrliche", "die Strenge", "die kalt verführende Frau"; oder im Traum der Mädchen und Frauen "der 
schöne Jüngling", "der Offizier", "der Arzt" oder "Geistliche", "ein großer Sänger", "ein alter Weiser". Doch kann es auch geschehen, daß 
ein uns bekanntes Mädchen oder eine Frau, die uns Eindruck machte, als Anima, als Seelenbild uns erscheint. Es ist dann erst zu prüfen, ob 
es nur um die Klärung unserer seelischen Beziehung zu dieser wirklichen Frau geht, oder ob am schönen, oft auch gefährlichen Bilde ihrer 
Erscheinung sich einfach die Begegnung mit unserm eigenen, noch sehr unbewußten weiblichen Wesen vollzieht. Den Traum des Mannes 
jenseits der Lebensmitte wird man nach kurzer Prüfung der objektiven Bedeutung dieser geträumten wirklichen Frau doch vor allem auf der 
Subjektstufe deuten müssen, um damit dem Träumer den Zugang zum innern Reichtum seiner eigenen Seele freilegen zu helfen. Dasselbe 
gilt natürlich auch von den Männern, die in den Träumen von Frauen jenseits der Lebensmitte als Traumgestalten auftauchen. Mehr und 
mehr werden es unbekannte Männer sein, welche die verschiedenen Stufen der innerseelischen Entwicklung der Träumerin bezeichnen. 
Es gibt Gestalten, die noch tiefer hineinführen, Ausdruck sind noch tieferer Schichten unserer Seele; sie sind schon in der Nähe jener letzten 
Instanz, jener innersten Führung unseres Lebens. Von dieser aus wird unsere menschliche Ganzheit, bei aller Achtung und Respektierung 
einer gewissen Willensfreiheit des Ichs, geleitet. Von diesem innersten Zentrum kann der Traum nur in Gleichnissen, allein zu deuten auf der 
Subjektstufe, reden. Er tut es in den Symbolen des Selbst, etwa dem König, einem höchsten Priester; moderner erscheint etwa der höchste 
General, in zeitbedingter Färbung der Diktator, dem zeitlos der "große Mann" gegenübersteht; bei Frauen sind in der Nähe dieses Zentrums 
die Nornen, welche das Schicksal spinnen oder weben. Auch hier ist wechselndes Gleichnis. So kann dieses Innerste sich im Traum auch 
geben als Quelle, als kostbarer Stein, als goldene Blüte, abstrakt als Lebenskreis und seine Mitte, im Tiergleichnis sogar als Schlange. Hie 
und da leuchtet im Traume selbst ein Antlitz Gottes auf. 
Selbstverständlich sind auch Begebenheiten und Orte so wie Zeitangaben manchmal auf der Subjektstufe zu deuten. In uns selbst ist Krieg. 
In unserer Seele vereinen sich manchmal in kühnen sexuellen Bildern die Gegensätze. In uns selbst treten wir aus der Wirrnis des Waldes auf 
eine helle Straße hinaus, Ströme fluten voll Kraft durch unsere innere Landschaft. In uns selbst sind wir Gefangene unser selbst. Es könnte 
gerade dies nicht bezeichnender ausgesprochen werden, als es im Traume eines Mannes geschah, der, weil er seine seelischen Kräfte in 
falscher Richtung ausgegeben, zu einem halben Jahre Haft verurteilt wurde. Dabei war er im Traume der unglückliche Häftling, der 
wohlwollend kühle Gefängnisarzt und der strenge Gefängnisdirektor selbst. 
"Dies alles bist Du", sagt der Traum – "das ist deine innere, deine subjektive Situation." Einzig die Zeitangabe hatte in diesem Traume mit 
der objektiven Zeit zu tun: Genau nach einem halben Jahre oft bedrückender Introversion setzte im Leben dieses Träumers eine erstaunlich 
produktive Epoche ein. 
Abschließend ergibt sich die Erkenntnis: Die objektive äußere Welt um uns herum steht, wie die objektive Welt des kollektiven Unbewußten 
in uns, stets in engster Verbindung mit unserer Seele, die in beide Bezirke hinein erlebt, von beiden Bezirken offenbar berührt wird. Sie 
benötigt die Erscheinung beider Bezirke, um sich selbst ihr Wesen, ihr Tun, ihre Gegenwart und ihre Zukunft im Traume zu 
versinnbildlichen. Liegt der Akzent unseres Lebens noch auf dem Außen, dann sind die Träume erfüllt vom Erlebnismaterial der Außenwelt, 
bezogen auf dieses Außen. Sie sind deshalb zu deuten auf der Objektstufe. Liegt der Akzent auf der Entwicklung nach innen, dann besteht 
das Material der Träume aus Gleichnissen, die nur noch das Kleid des "Außen" benutzen, und aus den urtümlichen Bildern der Symbole. 
Diese Träume sind zu deuten auf der Subjektstufe. Zwischen äußerer und innerer Großwelt wohnt unsere individuelle Seele. Beide Welten 
reichen dieser die Bilder ihrer Erscheinungen, damit sie zum Gleichnis ihrer selbst kommt. 

Nach der Deutung 
Die beendigte Deutung hat die Traummitteilung des Unbewußten, welche erst wegen ihres symbolischen und vorlogischen Bildcharakters 
nur teilweise verstanden worden war, umgesetzt in die logische Sprache unseres Bewußtseins. Der fremdartige Text aus dem dunklen Lande 
der unbewußten Seele wurde nach und nach entziffert und ergab, selbst wenn einige Textstellen nicht ganz klar wurden und die 
Mehrdeutigkeit mancher Symbole sowohl in ihrem Gehalt an sich als auch in ihrem Bezug auf den Träumer noch leise beunruhigte, als 
ganzes den Sinn des Traumes. In diesem durch die Deutung erfaßten Sinne haben wir die Meinung unseres Innern zu bewußten und 
unbewußten Problemen unseres persönlichen Seins gewonnen. An uns ist es nun, die Folgerung aus dieser Mitteilung zu ziehen: das 
Ergebnis der Deutung fruchtbar zu machen. Binswanger stellt in seiner kleinen, klugen Schrift über die Träume fest: "Die wissenschaftliche 
Traumdeutung ist ohne Gewissensforschung nicht mehr denkbar." Man kann hinzufügen: Wer sich ernstlich mit seinen Träumen befaßt, wer 
ihre Bedeutung wirklich vernehmen will, der muß auch bereit sein, in seine erweiterte Lebensauffassung wie auch in sein bewußtes Handeln 
das aufzunehmen, was dem Sinne des Traumes entspricht. Das Traumergebnis, der erdeutete Sinn, vermag den Menschen zur 
Selbstbesinnung zu führen, aber gerade dies ist, nach einem Worte Jungs, "dem vorwiegend unbewußten Menschen das Schwerste und 
Widerwärtigste". Den Traum annehmen, das heißt, die eigene innerpsychologische Ordnung annehmen, bedeutet, sich in die Haltung und in 
die Bahn des Handelns hineinwagen, welche unser Leben an sein Ziel, in die Verwirklichung unserer Persönlichkeit führt. Es ist ein anderes, 
seine Träume anzusehen und deren Deutung anzunehmen, als das Erdeutete in der eigenen Lebensgestaltung zu verwirklichen. Wie oft 
würden wir uns am liebsten der im Traume gewonnenen Einsicht verschließen, zum Beispiel derjenigen, daß bestimmte Beziehungen zur 
Umwelt uns zum Schaden gereichen, daß wir lassen müssen von Menschen, Unternehmungen oder Auffassungen, an denen wir bisher aus 
Angst, sie zu verlieren, festhielten. Wir schließen gerne die Augen vor der nun erkannten Tatsache, daß wir im Grunde viel ärger und von 
geringerer Gesinnung sind, als wir es bisher gerne wahrhaben wollten, und daß es also an der Zeit wäre, sich des minderwertigen Bruders in 
uns anzunehmen. Wir wollen es nicht eingestehen, daß in uns so vieles wohnt, das von ungebändigter und ungeformter Triebhaftigkeit und 
Lebendigkeit ist. Nicht annehmen, ja nicht einmal vernehmen möchte der, welcher vor den Aufgaben der Außenwelt und ihrer Gesellschaft 
stets zurückweicht, den strengen Traumbefehl, endlich in diese ebenso gefürchtete wie entwertete Welt zu treten. Unser Gewissen wird vom 
Traume aufgerufen, und es hat zu antworten auf die Frage der Tiefe: "Wenn es so um dich steht, was tust du fortan, du traumbelehrter 
Mensch, damit es anders und du ein anderer wirst?" 
Wir erfahren, daß wir die Welt genossen haben, fast allzu lange an ihrem Tische saßen, und daß nun Fastenzeit gekommen ist, die Zeit der 
Hingabe an andere Werte. Welches ist unsere Antwort? Was werden wir sagen auf die erschütternde Mitteilung, daß der gegenwärtige 


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Konflikt, die Last eines fast nicht zu bewältigenden Lebens den einen Sinn hat, uns durch ein Sterben hindurch an eine innere Wiedergeburt 
heranzuführen? 
Es fällt dem Menschen oft schwer genug, den Einsichten des Verstandes zu folgen, das zu tun, was sich eigentlich von selbst versteht. 
Wieviel mehr ist er geneigt, dem auszuweichen, was die "ich- fremde" Stimme des Traumes zu fordern scheint. In seiner nächsten Nähe liegt 
der Einwand, Träume könnten ja Verschiedenes bedeuten, es könnte nicht gerade der Sinn gemeint sein, der dem Träumer so mühsame 
Verpflichtungen auferlegt. Wo jemand so spricht, da mag in seinem Ich umfassendste Intelligenz wohnen, aber es ist noch nicht erreicht vom 
Geist der Tiefe, vom Bewußtsein des Unbewußten. Bei der kleinsten Schwierigkeit, in der dieses Ich ein Opfer zu bringen hat, und sei es nur 
die im Traum angedeutete neue Bewertung seines Lebenspartners oder der Kampf gegen eine moralische, gesellschaftlich festgesetzte 
Verengtheit, beruft es sich auf seinen freien Willen, seine sogenannte Selbständigkeit. Wie oft hat der Deuter, wenn sich sein Träumer wehrt 
gegen Verpflichtungen aus dem zwar anerkannten Sinn der Träume, wenn er sich beleidigt fühlt vom andern in sich, diesem Träumer 
zuzurufen, der Traum zwinge ihn ja nicht, es bleibe die Freiheit bestehen, das oder jenes zu tun, so oder anders zu handeln. Es kann in einem 
solchen Falle freilich auch geschehen, daß die Abwehr nun auf den Deuter übertragen wird, der dem Träumer die betreffende Erkenntnis 
vermittelt hat. Dieser muß mitunter betonen, daß nicht er, sondern der Ratsuchende den peinlichen Traum gehabt hat. Ist aber dieser Träumer 
vom echten Willen erfüllt, seinen Weg klar zu erkennen und selbst unter Widerständen sein Bestes zu tun, dann wird der Kampf mit der 
Forderung des Unbewußten eine sinnvolle und fruchtbare Auseinandersetzung mit dem bisherigen Ungenügen. Dabei wird zuletzt doch eine 
tapfere Antwort gegeben auf den Situationsbericht der Seele. Diese Antwort gelingt nicht jedem. Oft ist der Träumer zwar vom völlig klaren, 
aus mehreren Träumen sich ergebenden Sinn des innern Geschehens umstellt. Jeder neue Traum besagt, in wechselndem Ausdruck das 
Problem von allen Seiten beleuchtend, stets dieselbe eine Notwendigkeit, richtig zu handeln. Und doch entschlüpft der schwache Mensch 
scheinbar der unausweichlichen Pflicht; denn das Leben läßt dem Menschen die Freiheit der Wahl, aber es entläßt ihn nicht aus deren 
Konsequenzen. 
Können wir in dieser Weise nicht akzeptieren, was die Seele mit uns vorhat, verschließen wir uns ihren größeren Zielen, dann gehen bewußte 
und unbewußte Lebensrichtung auseinander, und der Mensch gerät in einen Kräfte verzehrenden Konflikt mit sich selbst. In solcher Lage 
sind sehr viele Menschen, ohne Klarheit darüber zu haben, was in ihnen etwas anders sein will. Der aber, welcher seinen Träumen die 
Absicht des Unbewußten abzugewinnen versteht, der also, um ein wenig altertümlich zu reden, "das Gute weiß, aber nicht tut", der steht auch 
in größerer Schuld. Dabei gleicht das "Gute" manchmal so gar nicht dem, was eine moralische Auffassung darunter versteht. übrigens: Die 
Seele ist in ihren Forderungen nicht unbillig; sie weiß, was sie ihrem Menschen zumuten darf. Man ist in der psychologischen Beraterpraxis 
immer wieder darüber erstaunt, mit welcher Gerechtigkeit und wie großzügig sie die Gewichte des Lebens verteilt, wie unparteiisch sie sich 
an den großen, letzten Lebensgesetzen und Lebenswerten orientiert. Wer sich dieser Tatsache einmal bewußt werden durfte, dem wird das 
Annehmen dessen, was der Traum verlangt, nicht mehr ganz so schwer fallen. 
Dazu kommt, daß mit der Annahme der geoffenbarten inneren Situation und der Bejahung dessen, was zu geschehen hat, meist eine ganze 
Flut neuer seelischer Kräfte frei wird. Die bejahte Seele läßt ihren Menschen nicht im Stich. Etwas von diesem Zuströmen seelischer Kräfte 
hat der Träumer schon in dem Augenblicke erlebt, als sich der Sinn des Traumes in der Deutungsarbeit mehr und mehr erhellte. Man weiß, 
woher dieser Energiebetrag stammt; er entströmt dem Kraftfeld des Symbols, fließt uns zu in der Bewußtmachung des Traumes. Wir haben 
schon darauf hingewiesen, daß psychische Kollektivkräfte das allgemein verbindliche menschliche Symbol geformt haben. Gleichzeitig 
haben sie sich in das Gefäß dieser erschaffenen Bilder ergossen, es ist und enthält verdichtete psychische Energie; im technischen Vergleich 
könnte man von einem gewaltigen Akkumulator sprechen. Um im technischen Gleichnis zu bleiben: Gleichzeitig ist das Symbol ein großer 
Transformator dieser psychischen Kräfte, und die Verbindung mit ihm stärkt uns. Wird das Symbol richtig gedeutet, das archetype 
Geschehen in seine Elemente auseinandergelegt, die Traumhandlung in der Analyse richtig aufgelöst, und werden Traumsinn und 
Bewußtsein einander angeglichen, dann hält das symbolische Traumgeschehen die Kräfte, die es formten, nicht mehr zusammen. Nachdem 
der Traum "gelöst" ist, gibt er seine psychischen Energien frei, und sie strömen dem Bewußtsein des Träumers zu. 
In der beraterischen Praxis wird man immer wieder Zeuge der Dankbarkeit dafür, daß in uns eine höhere Instanz wohnt - die komplexe 
Psychologie nennt sie das "Selbst" -, die unsern Lebensweg klarer, als wir es tun können, miterlebt, an seinem Gelingen mitarbeitet und 
durch das Mittel des Traumes immer wieder meldet, wo wir uns auf der Schicksalsfahrt befinden, was uns bedroht, wessen wir bedürfen und 
wohin wir zu steuern haben. Durch das erlebte Vertrauen in das Wissen seines Selbst, aus dem Erfahren neuer Kräfte gewinnt der Mensch 
eine bisher nie gekannte Ruhe. Er weiß, wo immer er vor neuen Problemen steht, in Konflikten nicht weiter kommt, in die große 
Auseinandersetzung mit sich selbst geraten ist, da schickt ihm die Seele das Gleichnis ihres Traumes. Er kann nicht in der Verwirrung 
bleiben, denn er steht in der tiefer und umfassender geschauten Wirklichkeit des Lebens, hat höhere Bewußtheit gewonnen; er lebt in der 
Gewißheit, den Weg immer offen zu finden, der nach Hause führt. Manchmal scheint uns, wenn wir ergriffen sind vom tiefen Sinne eines 
großen Traumes, als seien wir jetzt schon in diesem großen Zuhause, dessen Herr sich auch der Träume bedient, damit wir ihm stets nahe 
bleiben. 

DIE TRAUMDEUTUNG IN DER NEUZEIT - EINFÜHRUNG 
Träume und Gesundheit 


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Durch langjährige wissenschaftliche Experimente ist inzwischen nachgewiesen, daß jeder Mensch träumt, und zwar in jeder Nacht – 
vermutlich sogar in jeder Stunde. Viele Menschen wissen jedoch nach dem Erwachen nichts mehr davon, doch auch dies hat seinen tieferen 
Grund: Wer nichts von seinen unbewußten Gefühlen, Bedürfnissen, Wünschen oder Trieben wissen will, sich davor vielleicht sogar ängstigt, 
wird seine Träume leicht vergessen oder gar leugnen. 
Bei allen höher entwickelten Tieren, als auch beim Menschen, gehört Schlafen und Träumen zu den lebenswichtigsten Grundbedürfnissen. 
Inzwischen hat man längst erkannt, daß unsere Träume unentbehrliche Voraussetzungen für unsere Gesundheit (seelisch, geistig und 
körperlich) sind. Verwehrt man einem Menschen das Träumen auf längere Zeit, so wird er unweigerlich krank. 
Wissenschaftler an der Universität von Chicago beobachteten zwei Studentengruppen: Die einen durften ungestört träumen, die andere 
Gruppe wurde ständig daran gehindert, denn sobald der Apparat den Beginn eines Traumes meldete, wurden sie geweckt. Als Folge dieser 
Aktion bemerkte man, daß die am Träumen gehinderten Menschen ständig nervöser und reizbarer wurden, während die anderen trotz der 
manchmal notwendigen Schlafunterbrechungen weiterhin ausgeglichen blieben. So weiß man inzwischen, daß wir Menschen unser 
nächtliches Traumleben dringend benötigen, denn nur so können wir unsere seelischen Spannungen ableiten und alle unverarbeiteten 
Eindrücke auf natürliche Weise bewältigen. 
Wer sich eingehend mit seinen Traumphänomenen beschäftigt, lernt wieder das Staunen! Der Reichtum unserer Seelen ist unbeschreiblich, 
den die Seele eines Menschen ist viel umfassender als die Welt seines Alltags. Erst die Erfahrung der eigenen Träume kann die meisten 
Menschen davon überzeugen, daß sie Kräfte in sich tragen, die ihnen bisher nicht bewußt geworden sind. Sie können viel über sich selbst 
lernen, wenn Sie Ihre Träume beobachten und analysieren! 
Trotzdem steht die Traumforschung immer noch am Anfang eines langen Weges. Die bis jetzt vorliegenden Ansätze reichen jedoch aus, 
unsere Träume für eine "seelische Gesunderhaltung" verwenden zu können, um über sie den Weg zu uns selbst zu finden! 
Träume, die in gewissen Zeitabständen immer wiederkehren, sind besonders bedeutungsvoll. Hier handelt es sich um eine "Seelen-
Schwangerschaft", einen längeren seelischen Prozeß, um ein ganz bestimmtes Problem Stück für Stück zu klären und einer Lösung 
zuzuführen. 
Träume bringen immer eine Entlastung unseres Seelenlebens, weil angestaute Spannungen, Konflikte, Gefühle und Triebe hierdurch 
abreagiert werden und so der innere Seelenfrieden wieder hergestellt werden kann. 
Inzwischen weiß man, daß das Hormon Vasotocin für unser Traumleben verantwortlich ist. Es wird in der Zwirbeldrüse unseres Gehirns 
produziert, und harmonisiert auch einen gestörten Schlaf- Wach- Rhythmus. Die Substanz erzeugt nach bisherigen Erkenntnissen wederunerwünschte Nebenwirkungen noch eine suchtartige Abhängigkeit wie bei chemischen Schlafmitteln. Übrigens unterdrückt Alkohol ganz 
erheblich unsere Fähigkeit zum Träumen. 
In der Praxis haben sich Bachblüten bestens bewährt, um das Traumleben wieder zu aktivieren, doch auch Vitamin B6 soll das menschliche 
Erinnerungsvermögen im Traum kräftigen. Wer häufig in Traumbüchern liest, aktiviert ebenfalls sein nächtliches Traumleben. Die beste 
Voraussetzung ist allerdings die Erkenntnis, daß unsere Träume wichtige Hilfsmittel sind, um unsere seelische Gesundheit zu erhalten – und 
diese positive Grundeinstellung, zusammen mit einer "freudigen Erwartung" des Traums ist die beste Garantie, daß Sie sich an die 
"Botschaften Ihrer Seele" wieder besser erinnern können. 

Träume als Seelenbotschaften 
Alle Traumforscher sind sich darin einig, daß unsere Träume aus dem Unbewußten (Es) stammen. Unser Seelenleben umfaßt drei Bereiche:
Das "Ich" (unser Bewußtsein), das "Über-Ich" (unser Gewissen), und das "Es" (unser Unbewußtes). 
Wesentliche Impulse, die unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmen, stammen aus dem unbewußten Bereich, in den wir alle 
Enttäuschungen, negative Gefühle und schlechte Erfahrungen hinein verdrängen. All dies verliert jedoch nicht an Einfluß, sondern tritt"maskiert" in anderer Form wieder auf. Diese verdrängten Gefühle erzeugen Ängste, Vorurteile oder bestimmen (unbewußt) unser Denken. 
Neigen Sie im Alltag oder Traumleben zu heftigen, manchmal explosiven Reaktionen auf minimal-negative Erlebnisse, dann dürfte ein 
wunder Punkt in Ihrem Unbewußten berührt worden sein: vielleicht eine früherer Enttäuschung, eine angstbesetzte Erinnerung aus der 
Kindheit? So setzt die menschliche Seele die Träume als "Mittler" ein, alle Erlebnisse und Gefühle des Alltags, aber auch längst verdrängte 
Erfahrungen und Erlebnisse abzureagieren. Unser Unbewußtes ist aber nicht nur "Mülleimer" für negative Lebenserfahrungen, sondern auch 
positiver Antrieb, um wichtige Ideale und Lebensziele, die eigene Kreativität und angeborene Talente zu beflügeln, und all diese positiven 
Gaben im Alltagsleben umzusetzen. 
Wenn wir nichts über unser Unbewußtes wissen, dann werden wir keine Selbsterkenntnis erlangen. Und wer keine Selbsterkenntnis besitzt, 
wird ein wesentliches menschliches Grundbedürfnis niemals befriedigen können: Selbstverwirklichung! 
Wir erkennen aus der Deutung unserer Träume, warum wir so sind, wie wir sind, welche Möglichkeiten in uns ruhen, wie wir Probleme und 
Konflikte im Alltag lösen und wie wir unsere Ziele am besten verwirklichen können. Die Traumdeutung ist ein Weg des Menschen zu sich 
selbst. Sie ist die beste Vorbeugung für Ihre seelische Gesundheit und somit eine wertvolle Lebenshilfe. 

Träume und Zukunftsvisionen 
Die Bilder des Traums aus den Tiefen der Seele melden uns nicht nur Wünsche, Hoffnungen und Befürchtungen – wir empfangen auch 
visionäre Botschaften: Hinweis auf kommende Ereignisse oder zukünftige Entwicklungen. 
Schöpferische Träume und traumähnliche intuitive Eingebungen sind ebenfalls keine Seltenheit. Für solche schöpferische Träume, in denen 
Lösungen von Problemen und lang gesuchten Ideen plötzlich kristallklar wurden, gibt es ein paar berühmte Beispiele: 
Der Chemiker August Kekule von Stradonitz hat seine Entdeckung der ringförmigen Molekularstruktur des Benzols (1865) auf ständig 
wiederkehrende Traumerlebnisse zurückgeführt. Er schildert das Entstehen seiner Benzolformel: 
"... Immer wieder gaukelten die Atome vor meinen Augen... Mein geistiges Auge unterschied jetzt sogar die größeren Gebilde... Lange 
Reihen, vielfach dichter zusammengefügt, alles in Bewegung, schlangenartig sich wendend und drehend... Und siehe da: Eine der Schlangen 
erfaßte den eigenen Schwanz..., blitzartig erwachte ich, und die Lösung war mir Stunden später bewußt!"
Ähnlich erging es Mozart, dem Melodien auf eigenartige Weise intuitiv "zufielen", und auch Goethe erzählte Eckermann, daß ihm vieleseiner Verse auf plötzliche und eigenartige Weise in den Sinn kamen – ohne vorherige Überlegung, in einem schlafähnlichen Zustand! 
Auch Georg Friedrich Händel hat den Schluß seines Oratoriums "Der Messias" im Traum ganz deutlich erlebt und konnte es sofort nach dem 
Erwachen niederschreiben. 
In den 15 Jahren meiner Beratertätigkeit (Roswitha Edinger) konnte ich immer wieder feststellen, daß etwa die Hälfte der mir berichteten 
Traumerlebnisse aus dem Reich der "visionären Botschaften" stammten und die andere Hälfte der Träume notwendig waren, um seelische 
Spannungen abzubauen oder Unverdautes zu bewältigen. 
Träume gehören zu den allerpersönlichsten Erlebnisse eines Menschen. Im Laufe der Jahrhunderte wichen zwar die Ansichten über das 
Wesen der Träume oft voneinander ab: Einige vertraten die Auffassung, die Träume seien wirklich Erlebnisse der Seele, die unseren Leib 
während des Schlafes verläßt. Andere wiederum glaubten, die Träume kämen von göttlichen oder dämonischen Mächten, und manche 
hielten Träume für dem Verstand nicht zugängliche Gefühle. Einig war man sich jedoch in der Auffassung, daß unsere Träume Sinn und 
Bedeutung hätten – auch wenn wir nicht immer fähig wären, diese zu verstehen. 
Frauenträume 
Großangelegte Studien amerikanischer Traumforschungsinstitute belegen es schwarz auf weiß: Frauen sind wahre "Traumakrobaten". Ihre 
Träume sind viel bunter und reicher als die der Männer. Die Netzhaut der Frauen ist für Farben wesentlich empfindsamer – deshalb sind 


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Frauenträume oft sehr farbenfroh, und sie können auch Musik hören. Frauen leben mehr nach ihren Gefühlen, sie sind viel phantasievoller – 
all das zeigt sich in äußerst lebendigen, gefühlsstarken Traumbildern. Die Traumerlebnisse werden bei Frauen (auch bei hochintelligenten) 
viel mehr von der Seele her verarbeitet als vom reinen Verstand. Frauen besitzen einen intensiveren Biorhythmus als Männer; deshalb wird 
ihr Traumverhalten sehr stark von den Mondphasen beeinflußt und ist um die Zeit des Vollmondes wesentlich lebhaftes als bei 
abnehmendem Mond. Frauen träumen viel öfter von vertrauten oder geliebten Menschen: vom Ehemann, Freund, der Freundin, den eigenen 
Kindern. Viele Frauen berichten, daß sie einige Tage vor der Periode besonders unruhig schlafen und sehr intensiv träumen. Danach wird ihr 
Traumverhalten wieder ausgeglichener. Da ihr Schlaf leichter ist als der von Männern, können Frauen im Traum wesentlich mehr 
Alltagsgeschehen verarbeiten. 
Ein Tip für Männer: Träumt Ihre Frau oder Freundin des öfteren von Röhren, schmalen Gängen und anderen Verengungen, dann sollten Sie 
Ihr Beziehungsverhalten schleunigst ändern: Ihre Geliebte fühlt sich durch Sie sehr eingeengt, und ist sexuell frustriert! 

Männerträume 
Männer werden weit weniger von Alpträumen geplagt. Sie sind in ihren Träumen viel aktiver als die Frau; sie träumen gerne und oft von 
Autos, von Motorrädern, von Eisenbahnen oder von Flugzeugen. Männer werden im Traum oft handgreiflich oder müssen sich verteidigen. 
Sie wollen siegen und benutzen ihre Ellbogen; hier geht es meist ums Überleben, um den Kampf oder um den Sieg. Die häufigsten Themen 
im Traumgeschehen eines Mannes sind Beruf, Konkurrenz, soziale Stellung, Ansehen, Geld und Besitz. Auch Erfindungen oder technische 
Verbesserungen sind Themen in ihren Träumen. Der Wunsch, berühmt oder bekannt zu werden, ist bei Männern viel stärker ausgeprägt als 
bei Frauen. Wenn Männer behaupten, nicht vom Sex zu träumen, dann lügen sie – behauptet C. G. Jung. Auch aus meiner Praxiserfahrungen 
kann ich dies bestätigen (Roswitha Edinger). Männer träumen viel häufiger als Frauen von sexuellen Wünschen oder Begierden. Und bei 
diesen symbolischen Liebeserlebnissen im Traum geht es bei Männern viel aggressiver zu als in den romantischen und gefühlsintensiven 
Träumen einer Frau. 
Männer können - besser als Frauen-Unangenehmes verdrängen, und zwar so gründlich, daß es nicht einmal im Traum wiederkehrt. 
Schwierige Alltagssituationen verarbeiten sie eher vom Verstand her – selbst diese Probleme tauchen nur selten Nachts im Traum auf. 
Ein Tip für Frauen: Träumt Ihr Mann oder Freund von vielen leeren Zimmern, deren Türen weit geöffnet sind, dann müssen Sie damit 
rechnen, daß es noch mehr Frauen in seinem Leben gibt, die ihm "die Türen aufhalten", und er sich kaum oder nur schwer für nur eine (Sie) 
entscheiden kann. 

Einarbeitung - Vom kreativen Umgang mit Träumen 

Traumerinnerung: Flüchtig und kostbar! 
Die meisten Träume vergessen wir. Es sind nur sehr wenige Träume, an die wir uns erinnern. Aber es genügt auch, sich nur an einen Traum 
jede Nacht zu erinnern, da die Träume die Tendenz zeigen, das gleiche Thema zu bearbeiten. An je mehr Träume wir uns aus einer Nacht 
erinnern, um so leichter sind sie als Variation auf ein Thema zu interpretieren. 


Traumserien in einer Nacht 
Inhaltlich gesehen ist es jedoch oftmals unerheblich, ob wir uns nur an einen oder ob wir uns an fünf Träume aus einer Nacht erinnern. Wenn 
wir beispielsweise von Problemen in unserer Beziehung träumen, dann wird der letzte Traum am Morgen eine Art Resümee der 
davorliegenden Träume dieser Nacht bieten. Und es ist wahrscheinlich dieser letzte Traum, an den wir uns erinnern. Sind wir jedoch in der 
Traumerinnerung geschult, daß wir uns zum Beispiel an drei Träume aus dieser Nacht erinnern, wird der Inhalt der Träume Beziehungsprobleme 
- kein anderer. Allerdings wird dieser Inhalt genauer zu fassen sein. Es ist wie bei einem Hologramm: Alle Träume 
einer Nacht stellen das Ganze dar. Jeder Einzelne Traum einen Teil. Jeder Teil spiegelt jedoch die Struktur des Ganzen wider. Je größer der 
Teil, um so genauer wird das Ganze widergespiegelt. Und da der letzte Traum am Morgen, den größten Teil darstellt, spiegelt er auch das 
Ganze am klarsten wider. Aus diesem Grund genügt es vollständig, sich an den letzten Traum zu erinnern und es ist meistens unnötig, 
Anstrengungen zu unternehmen, sich alle seine Träume zurückzuholen. Das ist zwar möglich, bringt aber im Vergleich zum notwendigen 
Aufwand wenig an Informationszuwachs. Die Frage stellt sich natürlich, was geschieht, wenn man sich am Morgen an überhaupt keinen 
Traum erinnert. 


Auch ein nichterinnerter Traum wirkt 
Jeder Traum wirkt, ob man sich an ihn erinnert oder nicht. Allerdings wirkt ein nichterinnerter Traum schwächer, weil wir nicht bewußt mit 
ihm umgehen können. Wenn Sie beispielsweise morgens aufwachen und sich an keinen Traum erinnern, sich den ganzen Tag jedoch auf 
unerklärlicher Weise niedergeschlagen fühlen, dann hängt das meist mit einem nicht erinnerten Traum zusammen, der unterhalb Ihrer 
Bewußtseinsschwelle wirkt. Da er unbewußt wirkt, ist es Ihnen nicht möglich, dieses Gefühl aufzulösen, es sei denn, Sie würden versuchen, 
diesen Traum in Ihre Erinnerung zu holen und zu bearbeiten. Nicht erinnerte Träume beeinflussen uns also in einer Weise, die wir nicht oder 
nur schwer zu ändern vermögen. Auch wenn uns nicht klar ist, was uns da beeinflußt, ist dieser Einfluß des vergessenen Traums auf die 
Psyche dennoch stark. Da die Elemente des vergessenen Traums jedoch für Sie unzugänglich sind, sind Sie zunächst Opfer seiner Wirkung. 
Es ist allerdings möglich, durch die folgende Übung Traumbilder aus dem Unbewußten ins Bewußte zu holen. 


Praxistip zur Traumwiederholung
Übung: Haben Sie das Gefühl, daß vergessene Träume Ihre Stimmung beeinflussen, dann legen Sie sich hin, entspannen sich tief und 
schließen Ihre Augen. Versuchen Sie sich nun so genau wie möglich an die Situation zu erinnern, wie Sie gestern Abend ins Bett gegangen 
sind. Wenn Ihnen das deutlich ist, stellen Sie sich vor, wie Sie eingeschlafen sind. Erinnern Sie sich noch, auf welcher Seite Sie 
eingeschlafen sind? Was waren Ihre letzten Gedanken und Gefühle vor dem Einschlafen? Ist Ihnen auch das deutlich geworden, stellen Sie 
sich genau vor, wie Sie am Morgen aufgewacht sind. Auf welcher Seite sind Sie aufgewacht? Was waren Ihre ersten Gedanken und Gefühle 
beim Aufwachen? Wenn Ihnen das alles klar ist, dann stellt sich normalerweise eine Erinnerung an den betreffenden Traum ein. Manchmal 
ist es nicht deutlich, ob Sie sich wirklich erinnern, oder ob es sich hierbei um eine Phantasie handelt. Das spielt jedoch keine allzu große 
Rolle, wenn Sie weiterhin sorgsam auf Ihre Gefühle und Gedanken achten. 


Der verstandene Traum 
Diese Übung versetzt Sie in die Lage, auch flüchtige Träume zu betrachten und damit die emotionale Wirkung zu verändern. Einen Traum, 
den wir verstanden haben, wirkt nämlich nicht mehr emotional zwingend auf uns. Er wirkt zwar noch auf uns, aber seine Wirkung ist die 
Einsicht. Er gibt uns den Hinweis, wie wir selbst aktiv werden können, und Aktivität ist der Schlüssel zu einer anderen Stimmung. Es ist 
nämlich die Passivität, der uns Niedergeschlagenheit empfinden läßt. Außerdem nehmen wir unsere Träume solange als ein ungeordnetes 
und bedeutungsloses Durcheinander nur schemenhaft wahr, als wir uns nicht bemühen, sich genau an sie zu erinnern und zu verstehen. Wenn 
wir unsere Träume zu verstehen beginnen, teilen sie sich auch dem Träumenden eindeutiger und klarer mit. Es scheint sogar, daß sich erst 
dann unsere Träume klar mitteilen, wenn wir auch bereit sind, uns in Frage zu stellen und zu ändern. 


Erinnerte Träume wollen gelebt und umgesetzt werden! 

 

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Der erinnerte Traum verlangt also stets nach Aktivität im alltäglichen Leben des Träumenden, der nicht- erinnerte Traum wirkt sozusagen 
aus dem Hintergrund heraus, und da wir diesen Wirkungsmechanismus nicht verstehen, erscheint uns unsere Situation als ein Chaos, dem 
wir hilflos ausgeliefert sind. Erinnerte Träume verlangen nach praktischen Konsequenzen. Sie geben uns Hilfestellungen, unser Leben 
produktiv zu gestalten und dahingehend zu verändern, daß wir werden, was wir sind. Der nichterinnerte Traum will uns das Gleiche 
vermitteln, aber wir können nicht aktiv und bewußt auf ihn reagieren, das ist wahrscheinlich letztlich die Ursache, warum mangelnde 
Traumerinnerung einen auf die Dauer launisch oder niedergeschlagen macht. 


Traumerinnerung ist erlernbar! 
Ob man sich an seine Träume erinnert oder nicht, ist jedoch nicht vom Schicksal abhängig, sondern erlernbar. Die Traumerinnerung ist eine 
der kreativsten Möglichkeiten, die Bewegungen des Geistes und des Bewußtsein zu studieren. Gehen Sie immer davon aus, daß Ihr Traum 
eine wichtige Bedeutung für Sie trägt -sonst würde sich ihr Unbewußtes nicht die Mühe der Traumproduktion machen. Verfallen Sie 
niemals dem Fehler, Ihren Träumen vorzuwerfen, sie seien sinnlos, nur weil zur Zeit Ihr Gefühl oder Ihr Verstand nicht aufnahmefähig 
genug ist, Ihre Träume zu erfassen. 


Achtsamkeit hilft 
Eine solche Einstellung erschwert jede Traumerinnerung, wenn sie diese nicht ganz vertreibt. Allerdings muß auch betont werden, daß wir in 
zyklischen Phasen träumen: Zu gewissen Zeiten fällt uns unsere Traumerinnerung leicht, zu anderen Zeiten erinnern wir uns nur schwerlich 
an einen Traum. 


Den eigenen Rhythmus finden 
Alle Lebensvorgänge verlaufen in Zyklen und so auch unsere Traumerinnerung. Der geübte Träumende erinnert sich jedoch täglich 
zumindest an einen seiner Träume, da sich die Traumerinnerung automatisiert, wenn man sie über einen längeren Zeitraum regelmäßig geübt 
hat. In diesem Fall wirkt kein Zyklus mehr auf unsere Traumerinnerung. 


Wie Sie besser einschlafen und besser träumen 
Gehen Sie mit einem klaren Kopf ins Bett. Begeben Sie sich ohne allzu starken Alkoholgenuß und den Gebrauch anderer Drogen ins Bett. 
Vermeiden Sie unbedingt Schlafmittel, da diese Ihrem Schlafrhythmus stören. (Außerdem führen die meisten Schlafmittel relativ schnell 
zumindest zu einer psychischen Abhängigkeit von ihnen.) 


- Gehen Sie nicht zu müde ins Bett. 
- Machen Sie einen Vertrag oder eine Verabredung mit sich selbst, daß Sie ihre Träume so klar wie 
möglich wahrnehmen und sich daran erinnern. Sie können hierzu auch eine Affirmation benutzen. 
- Nehmen Sie sich vor, Ihre Träume genau und bewußt zu betrachten. 
- Nehmen Sie sich vor, bei jedem Aufwachen Ihre Träume stichwortartig zu notieren. 
- Legen Sie sich Ihr Traumtagebuch und einen Stift ans Bett. (Oder nehmen Sie ein Diktiergerät, 
falls Sie lieber sprachlich als schriftlich Ihre Träume aufzeichnen.) Das ist ein Ritual, welches 
die Traumerinnerung sehr begünstigt. 
- Entspannen Sie sich vor dem Einschlafen. Beherrschen Sie Tiefenentspannungstechniken wie 
das Autogene Training nach Johann Heinrich Schultz oder die Progressive Muskelentspannung 
nach Jakobsohn, wenden Sie diese vor dem Einschlafen an. Sie können sich aber auch einfach 
vorstellen, daß Sie tiefer und tiefer in Ihre Matratze sinken und mit jedem Einatmen tiefe 
Entspannung einatmen und mit jedem Ausatmen all Ihre Spannungen ausatmen. 
- Es hilft dem ruhigen Schlaf und der Traumerinnerung sehr, wenn Sie sich vor dem Einschlafen 
massieren oder massieren lassen. Das braucht keine Ganzkörpermassage zu sein, auch eine 
Hand- oder Fußmassage kann sehr effektiv sein. 
- Gehen Sie den vergangenen Tag vom Aufwachen bis jetzt (kurz vor dem Einschlafen) genau 
durch, und betrachten Sie alles bewußt, ohne es zu bewerten. Am Schluß können Sie die 
Erfahrungen des Tages symbolisch in ein Couvert packen, daß Sie unter Ihr Kopfkissen legen, 
oder in einem Luftballon, den Sie wegfliegen lassen. 
Tip: 
Sie können Kräuter wie Rosmarin, Thymian und/oder Lavendel in Ihrem Schlafzimmer aufhängen oder als Getrocknete in ein Kräuterkissen 
stecken, das Sie neben Ihr Kopfkissen legen. Das reinigt nicht nur die Atmosphäre in Ihrem Schlafzimmer, sondern scheint auch die 
Fähigkeit zur Konzentration auf die nächtlichen Träume und deren Erinnerung zu steigern. 


Einschlafrituale 
Sie brauchen nicht alle die hier aufgeführten Übungen zu berücksichtigen - dann kommen Sie vor lauter Übungen vielleicht nicht mehr zum 
Einschlafen. Wichtig ist jedoch, mit verschiedenen Übungen und Haltungen einmal Erfahrungen gemacht zu haben, um das für Sie 
angemessene Einschlafritual zusammenstellen zu können. Wenn Sie dieses Einschlafritual einmal für sich gefunden haben, dann bleiben Sie 
dabei, und Sie werden sehen, daß es um so stärker wirkt, desto länger Sie es durchführen. 


Aufwachgewohnheiten kultivieren 
Neben dem Einschlafen ist die Arbeit des Aufwachens für die Traumerinnerung sehr wichtig. Wenn man sich nur schwer an seine Träume 
erinnert, dann sollte man zuerst einmal schauen, ob man "Fehler" beim Aufwachen macht, die leicht zu beheben sind. Probleme mit der 
Traumerinnerung liegen der Erfahrung nach bis zu siebzig Prozent an ungeschickten Aufwachgewohnheiten. 


Erinnerungsspur nicht unterbrechen 
Um sich an einem Traum erinnern zu können, ist es notwendig, daß er nach dem Aufwachen eine Erinnerungsspur bilden kann, die dann in 
das Langzeitgedächtnis aufgenommen wird. Daraus ergeben sich folgende Konsequenzen für das morgendliche Aufwachen: 
Lassen Sie sich durch einen Intervallton-Wecker wecken oder versuchen Sie Ihre innere Uhr zu aktivieren. Das Piepsen eines Intervallton-
Weckers birgt nur wenig Informationen und verdrängt deswegen nicht die Bildung einer Erinnerungsspur des nächtlichen Traums. Falls Sie 
jedoch täglich zur gleichen Zeit aufwachen müssen, können Sie sich daraufhin programmieren, daß Sie von alleine, ohne Hilfsmittel zu 
dieser Zeit aufwachen. Bleiben Sie nach dem Aufwachen noch zwei bis drei Minuten möglichst ruhig im Bett liegen und versuchen Sie sich 
an Ihre Träume zu erinnern. 
Allmähliche Erinnerung 
Bewegen Sie sich nicht plötzlich oder schnell nach dem Aufwachen, da dies Ihre Traumerinnerung empfindlich stört. Das liegt daran, daß 
eine plötzliche Bewegung ebenfalls die sich bildende Gedächtnisspur der nächtlichen Träume stört. Wenn Sie also nach dem Aufwachen 
sogleich auf die Toilette gehen oder unter die Dusche, verringert dies Ihre Erinnerung an die nächtlichen Träume. 

 

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Wieder in die bevorzugte Schlafposition 
Da die Lage im Bett als ein Schlüssel zur Traumerinnerung fungiert, können Sie sich vorsichtig wieder in die Lage bringen, in der Sie 
geschlafen haben. Jeder Mensch hat eine bevorzugte Schlafposition im Bett. In dieser Lage können Sie sich an die Träume leichter und 
vollständiger erinnern. 
Haben Sie nicht zu große Erwartungen an Ihre Träume. Ein Traum braucht keineswegs immer wie ein ausführlicher Film oder ein Drama zu 
sein. Manche Träume sind sehr kurz und erzählen keine Geschichte. Wenn Sie stets ausführliche Träume erwarten, entgehen Ihnen oft die 
"kleinen Träume", die genauso wichtig sein können wie die großen Träume. 


Merken, ohne zu bewerten 
Lassen Sie Ihre Gefühle, Ideen, Stimmungen und Bilder und Phantasiefetzen, die ihnen bei der allmählichen Traumerinnerung einfallen, 
ohne Bewertung in sich aufsteigen - ohne sogleich nach Deutung und Erklärung zu fragen. Formulieren Sie Ihre Traumerinnerung auch 
skizzenhaft und zunächst "ohne Punkt und Komma", daß heißt, ohne vorgegebene Logik. 


Alternative zu Notizen: Auf Cassette sprechen 
Schreiben Sie Ihren Traum erst dann nieder (oder, wenn Sie sich einen Cassettenrecorder neben das Bett stellen, sprechen Sie erst auf 
Cassette), wenn Sie ihn sich zumindest einmal vollständig verdeutlicht haben. Sonst kann es leicht geschehen, daß Sie zu schreiben beginnen 
und plötzlich kein Bild mehr davon haben, wie der Traum genau aussah und wie er sich fortsetzte. 
Wenn Sie in der Nacht aufwachen und einen Traum ganz klar im Gedächtnis haben, schreiben Sie ihn in Stichworten auf. Auch wenn Ihnen 
der Traum noch so klar erscheint, Sie würden ihn sonst am Morgen sicherlich vergessen haben. 


Wachwerden in der Nacht 
Es gibt noch einen anderen Trick, sich an solche Träume wieder zu erinnern: Vergegenwärtigen Sie sich den Traum fünf-bis sechsmal, 
während sie in der Nacht wach sind. Damit haben Sie eine gute Voraussetzung geschaffen, sich an diesen Traum auch noch am Morgen zu 
erinnern. Eine zwei oder dreimalige Rekapitulation des Traums genügt nicht, wenn Sie in der Nacht ein anderes Gefühl haben mögen. 


Über Träume reden 
Beschreiben Sie Ihre Träume und erzählen Sie von ihnen bei Ihren Freunden und Bekannten. Das hilft zur Erzeugung einer stabilen 
Traumerinnerung. Wenn man sich mit seinen Träumen in welcher Weise auch immer beschäftigt, lassen sie sich nicht nur leichter erinnern, 
sondern sie teilen sich auch zunehmend klarer und verständlicher mit. 


So kommen und bleiben Sie im Fluß 
Wenn Sie auf die hier beschriebene Weise einschlafen und aufwachen, sollte es Ihnen nicht schwerfallen, sich an Ihre nächtlichen Träume zu 
erinnern. Gelingt es Ihnen dennoch nach einigen Wochen und Monaten nicht, dann sollten Sie sich mit einem in der Traumarbeit erfahrenen 
Freund oder Psychotherapeuten unterhalten. Es ist eine innere Abwehr gegen die Welten des Unbewußten zu vermuten, die meist ohne 
großen Aufwand aufgedeckt und aufgearbeitet werden kann. Nach dieser Aufarbeitung fließen Ihnen wieder Ihre Träume zu, und Sie werden 
damit kreativer und sicherer Ihr Leben führen können, da Ihre innere Stimme wieder zu Ihnen durch Ihre nächtlichen Träume spricht. Falls 
Sie keinen Vertrauten haben und auch keinen Psychotherapeuten aufsuchen wollen, können Sie mit Hilfe der Tagtraumtechnik Ihre 
Traumerinnerung aktivieren. 


Traumerinnerung trainieren
Folgende Übung würde man in diesem Fall empfehlen können: 
Sie legen sich hin und schließen Ihre Augen. Atmen Sie tief und regelmäßig und lassen Sie alle Bilder, Gedanken und Phantasien 
hochsteigen, die hochsteigen möchten. Schauen Sie sich diese an, ohne Sie zu bewerten, einzugreifen und zu verändern. Kommen Sie nach 
zehn Minuten bis einer Viertelstunde wieder langsam in den Wachzustand zurück und sinnen Sie darüber nach, was Sie erlebt haben und wie 
Sie sich jetzt fühlen. 


Kommentar 
Wenn Sie diese Übung regelmäßig zwei- bis dreimal pro Woche durchführen, werden Sie bald in der Lage sein, sich an Ihre nächtlichen
Träume zu erinnern, da Sie mit dieser Übung die Traumerinnerung einüben und sich für sie öffnen. 


So behalten Sie Ihre Träume 
Unentbehrliches Hilfsmittel: Traumtagebuch 
Eine der Grundvoraussetzungen für die systematische Traumarbeit ist das Führen eines Traumtagebuchs. Ohne diese Bemühungen werden 
wir schwieriger einen Zugang zu unseren Träumen finden. Der Vorteil beim Führen eines Traumtagebuchs liegt darin, daß man seine 
Träume aufschreiben muß. Das bedeutet, daß man seine Träume in das Medium der Sprache überträgt. Immer wenn wir in unterschiedlichen 
Medien etwas ausdrücken, ist das mit einem Erkenntniszuwachs verbunden. Wenn wir den Traum aus unserer Erinnerung hervorholen, um 
ihn sprachlich auszudrücken, werden wir gezwungen, unseren Traum der Logik der Sprache folgend auszudrücken. Dabei werden uns erst 
diejenigen Stellen klar, an denen der Traum unlogisch verknüpft und wo er von einem Bild zum anderen Bild springt. Behalten wir unseren 
Traum nur im Gedächtnis und sagen ihn uns bestenfalls zwei- bis dreimal vor, bemerken wir Sprünge und unlogische Verknüpfungen im 
Traum oft gar nicht. 


Träume zeigen Entwicklungen 
Das Traumtagebuch ist aber auch deswegen wichtig, weil es uns die Möglichkeit gibt, neue mit alte Träume zu vergleichen. Sonst würden 
sich unaufgeschriebene Erinnerungen an Träume sehr schnell und fatalerweise völlig unmerklich verändern, wenn wir nicht den 
entsprechenden Traum ganz vergessen. Das Traumtagebuch hilft uns so, unseren Traum so weit wie möglich zu erfassen und vor dem 
Vergessen zu bewahren. 


Veränderungen in der Traumsymbolik 
Manchmal möchte man gerne betrachten, ob man sich denn wirklich nach all seinen Bemühungen in einem bestimmten Zeitraum verändert 
hat. Das ist im Grunde nur mit Hilfe des Traumtagebuchs möglich. Träumt man vorher beispielsweise oft von Verkehrsmitteln und jetzt von 
Häusern, dann drückt die Veränderung der Traumsymbolik auch eine innere Wandlung aus. 


Tips und Tricks zum Traumtagebuch 
Ein Traumtagebuch ist idealer weise ein kleineres Buch, das man überall mit hinnehmen kann. In diesem Buch schreibt man nur seine 
Träume auf und nichts anderes. Das ist wichtig, denn unser Traumtagebuch soll uns unbedingt an unsere Träume und an sonst nichts anderes 
erinnern. 

 

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Schreiben Sie jede Erinnerung auf! 
Wie wird ein Traum sinnvoll dokumentiert? Wichtig ist, alle Erinnerungen an die nächtlichen Bilder aufzuschreiben, auch wenn man noch so 
sehr meint, daß diese unwesentlich seien. Traumfragmente können genauso wesentlich wie jeder voll erinnerte Traum sein. Meistens 
erinnern wir uns an unsere Träume bruchstückhaft. Jeder Traum wird so niedergeschrieben, wie man sich an sie erinnert. Dabei sollte die 
Reihenfolge belassen werden, in der man sich an die einzelnen Episoden erinnert, auch wenn man hinterher meint, sie hätten in einer anderen 
Reihenfolge stattgefunden. 


Träume zuerst ohne Deutung notieren 
Es ist sinnvoll, nur den Traum niederzuschreiben und diese Niederschrift des Traumgeschehens auf keinen Fall mit einer Interpretation oder 
Deutung zu verbinden. Schreiben Sie also so wertungsfrei und objektiv wie möglich Ihre Träume nieder. Es genügen Stichworte. Nachdem 
der Traum niedergeschrieben wurde, versehen Sie ihn mit einer Überschrift, die Ihnen spontan einfällt, und die den Traum gut 
charakterisiert. 


Träume datieren 
Ferner gehört noch zu jedem Traumtagebuch ein Datum. Nehmen Sie stets das Datum des Morgens der auf die Nacht folgte, in der Sie Ihren 
Traum hatten. Das Datum ist sehr wesentlich, da oftmals Träume mit Alltagsereignissen verbunden sind. Über das Datum können Sie solche 
Verbindungen herausfinden. Das Datum des Traums gibt Ihnen ferner als Frau Hinweise über die Korrelation von bestimmten Träumen zu 
Ihrer Zyklusphase. Wer astrologisch interessiert ist, der findet womöglich interessante Verbindungen zwischen dem Geschehen in seinen 
Träumen und bestimmten Planetenstellungen und Transiten heraus. 


So nutzen Sie Ihre Träume 
Wenn Sie sich nach einer gewissen Zeit Ihr Traumtagebuch immer wieder durchlesen, wird Ihnen das helfen, Ihre Träume zunehmend besser
zu verstehen. Dabei können Sie einfach nach den Überschriften vorgehen und schauen, welche Themen Sie in welchen Zeiten geträumt 
haben. Gestalten Sie also Ihre Traumüberschriften so aussagekräftig wie möglich. 


Grundfragen der Interpretation 
Nach der Dokumentation des Traums sollte dessen Interpretation folgen, die ebenfalls nur in Stichworten niedergeschrieben werden braucht. 
Es hat sich bewährt, wenn man zuerst ein paar Stichworte aufschreibt, die einem spontan zu dem Traum einfallen. 


- Was fällt Ihnen zu der Erscheinung Ihres Traum-Ich auf (falls Sie überhaupt in diesem Traum vorkommen)? 
- Wie verhalten sich die anderen Traumpersonen im Traum (falls welche vorhanden sind)? 
- Welches war das vorherrschende Gefühl, welches Gefühl entstand nach dem Traum (als Sie aufgewacht sind)? 
- Gab es im Traum eine besondere Aufgabe zu lösen? 
- Woran erinnert Sie die Traumsituation, die Verhaltensweise des Traum-Ich oder anderer Traumpersonen? 
Hiernach lassen Sie den Traum ruhen und die Beschäftigung mit ihm wirken. Bevor Sie die folgende Nacht wieder einschlafen, können Sie 
sich Ihre Notizen zu diesem Traum noch einmal durchlesen, wodurch Sie nicht nur häufig auf neue Ideen kommen, sondern auch die 
Wahrscheinlichkeit erhöhen, daß neue Träume auf Ihren vorigen Traum Bezug nehmen. 
Beispiel: Traum-Notiz und Kurzinterpretation 
Ein typischer Eintrag eines Traums einer Träumerin, 24 Jahre alt, ledig: 
Der Turm: München, den 17.7.1995 
Ich fahre mit Fahrstuhl auf hohen Betonturm. Fahrstuhlkabine zuerst beängstigend. Als ich oben bin, sehe ich unten einen Mann, der hinfällt. 
Die Angst fällt mit zunehmender Höhe ab, ich werde mutiger, schaue ohne Probleme hinunter -im Gegensatz zum Alltagsleben 
(Höhenangst). Der Fall des Mannes irritiert mich, macht mich verwirrt und traurig. Ich habe das Gefühl, irgendwie an dem Fall Schuld zu 
sein. Hinweis darauf, daß ich meinen Freund vor einer Woche verlassen habe? Ich habe doch ungutes Gefühl - meine, der kommt ohne mich 
nicht zurecht. Aufpassen, daß ich selbst nicht falle (Hochmut kommt vor dem Fall!). Ich stelle mich zu hoch über andere Leute, will immer
den Überblick haben und mein kleines Ich da unten fällt. Es empfiehlt sich wie hier, den eigentlichen Traum und dessen Deutung 
voneinander abzusetzen. Das kann leicht im Traumtagebuch mit verschiedenfarbigen Stiften geschehen. 


Handbuch der Traum-Symbole 
Wenn Ihnen nun gar nichts oder nur sehr wenig zu Ihren Träumen einfällt, dann können Sie ein Lexikon der Traumsymbole zu Hilfe 
nehmen. Das hilft deswegen, da man oftmals in bezug auf seine eigenen Träume "betriebsblind" ist. Bei einem Lexikon oder Handbuch der 
Traumsymbole sollten Sie darauf achten, daß zu den meisten Traumsymbolen mehrere Bedeutungen angegeben werden. Die Symboldeutung 
bildet gleichsam ein Feld. Man kann sich das so vorstellen, daß dieses Bedeutungsfeld sich zwischen zwei oder auch manchmal mehreren 
Polen aufspannt. 


Traumsymbol Rose 
Nehmen wir das verbreitete Traumsymbol der Rose. Der eine Bedeutungspol dieses Symbols der Rose hängt u.a. mit Schönheit, Liebe und 
Selbstentfaltung zusammen, der andere Bedeutungspol mit den Dornen, die einschneidende Erfahrung, Leid, aber auch Erkenntnis
symbolisieren. So kann man sagen, daß die Rose ein großes Bedeutungsfeld (nicht nur) zwischen Liebe und Leid umfaßt. Ähnlich verhält es 
sich bei fast allen Traumsymbolen. 


Achtung, blinde Flecken 
Worüber wir träumen, stellt mitunter einen schwarzen Fleck dar, etwas, das wir normalerweise nicht sehen. So können wir bisweilen in 
unseren Träumen mit diesen Bildern nichts anfangen, weil sie uns fremd erscheinen. Auch in diesem Fall hilft uns oftmals ein Blick in ein 
Lexikon der Traumsymbole weiter. 


Beispiel einer Deutung 
Wenn nun zu dem eben angeführten Traum die Datenbank der Traum-Symbole konsultiert wird, kommen wir zu folgenden Ideen: 


- Turm: Wir finden die Spannung zwischen Macht und Hemmungen angesprochen. Die Macht kommt aus demÜberblick und der sicheren Distanz zum Geschehen und wurde auch von der Träumerin gesehen. Auf die 
Hemmungen wurde sie erst durch das Lexikon aufmerksam. Sie hatte diese zwar unbewußt erfaßt, indem sie 
die Angst im Fahrstuhl bemerkte, aber mit zunehmender Macht durch die Distanz von der Ebene, auf der der 
Mann fällt, verliert sie die Angst. Das erinnert sie an die Trennung von ihrem Freund. Mit der Entfernung zu 
ihm, fallen ihre Hemmungen ab. Sie fühlt sich freier und nicht mehr eingesperrt in ihrer Beziehung. Ferner 
gibt die Datenbank der Traumsymbole an, daß der Turm im Frauentraum auf sexuelle Hemmungen verweist. 
Das macht ihr klar, was sie sich nie vorher zu sehen getraut hat, daß sie sich mit ihm sexuell gehemmt fühlt. 

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Sie fühlt sich sexuell ausgenutzt von ihm. 

Fortsetzung der Beispiel-Deutung 
fallen: Mit "... sich fallen lassen" findet die Träumerin einen Eintrag, der sie blitzartig an ihre Sexualität denken läßt. Nach dieser Hingabe 
sehnt sie sich, aber zumindest mit diesem Mann ist es ihr nicht möglich. Dieser Eintrag erinnert sie aber auch daran, daß sie ihren Freud hat 
fallen lassen. Sie weiß, daß er unter dieser Trennung leidet, war nicht letztendlich er der Gehemmte? "Man träumt oft vom Fallen, wenn manam Übergang zu einem neuen Lebensabschnitt steht", findet sie gleich als nächsten Satz. Ohne den Freund, mit dem sie über drei Jahre 
zusammen war, fühlt sie sich schon sehr viel anders. Der neue Lebensabschnitt ist womöglich die Phase des Alleinlebens, auf die sie sich 
freut, vor der sie aber auch Angst hat. Die Trauminterpretation geht noch sehr viel weiter, streift die Vaterbeziehung der Träumerin, ihre 
Entjungferung, die Situation, in denen sie sich eingesperrt oder eingeengt gefühlt hat. Das auszuführen, würde hier jedoch zu weit führen. Es 
zeigt deutlich an diesem typischen Beispiel, daß ein geeignetes Traumlexikon zu einer tieferen Sicht des Traums führen kann. Wichtig ist, 
wie die Träumerin in unserem Beispiel, zu den Eintragungen im Handbuch der Traumsymbole zu assoziieren. Durch ihre eigene 
Beschäftigung mit dem Traum zuvor, hat sie sich dafür geöffnet, daß sie die Eintragungen des Symbollexikons spontan persönlich füllen 
kann. Dieses Vorgehen, das man einüben muß, kann man nur jedem empfehlen. Es bringt sehr schnell die Deutung zu einer Tiefe, die 
erstaunlich ist. Diese Tiefe kann man nur durch einen Außenimpuls bekommen. Dieser Außenimpuls mag wie in diesem Fall ein Lexikon 
sein, es kann ein Freund oder eine Freundin, eine Traumgruppe oder ein Therapeut sein. Wenn man jedoch alleine mit seinen Träumen 
arbeitet, kann dieser Außenimpuls durch ein Traumsymbol-Lexikon kommen. 

So finden Sie die richtige Deutung 

Nicht ohne eigene Beteiligung 
Ein Lexikon der Traumsymbole sollte man immer erst dann benutzen, wenn man sich - wie im Beispiel oben – mit dem Traum beschäftigt 
hat. Zuerst kommt es auf Ihre eigenen Ideen und Einfälle an, egal wie abgelegen Sie Ihnen auch scheinen mögen. Dann wird dieses Lexikon 
Sie auf neue Bedeutungsebenen aufmerksam machen - wie in unserem Beispiel auf die persönlicheren Ebenen -, die Sie vorher nicht gesehen 
und nicht bedacht hatten. Je mehr Dimensionen eines Traums Sie erfassen können, um so deutlich wird Ihnen die persönliche Mitteilung 
Ihres Traums und einzig und allein auf diese kommt es an. 


Ein Traum ist keine mathematische Gleichung... 
Es nutzt Ihnen jedoch keineswegs, die verschiedenen Ebenen intellektuell klar zu sehen, sondern Sie müssen sich von ihnen möglichst tief 
emotional berühren lassen. Schauen Sie zu schnell in ein Lexikon der Traumsymbole, kommt diese emotionale Berührung meistens nicht 
zustande und damit kann der Traum auch nichts bewirken. So verstanden, halte ich ein Handbuch der Traumsymbole für ein unentbehrliches 
Hilfsmittel eines jeden Träumenden, um der Komplexität und emotionalen Tiefe seiner Träume gerecht zu werden. 


Lohnend: Ein persönliches Symbollexikon 
Die individuelle Symbolbedeutung erkennen... 
Neben dem allgemeinen Bedeutungsfeld besitzt jedes Symbol ein persönliches Bedeutungsfeld, das an die Erfahrungen des jeweiligen 
Träumenden gebunden ist. Hätte die Träumerin aus unserem Beispiel wie die Heldin aus Kerri Hulmes Roman "Unter dem Tagmond" oder 
wie Rapunzel in einem Turm gewohnt, wäre dieser sicherlich mit noch sehr viel persönlichen Gefühlen aufgeladen und könnte eine ganz 
besondere Bedeutung gewinnen. Vielleicht hätte unsere Träumerin in diesem Fall auch schon öfters von einem Turm geträumt, und ihr wäre 
aufgefallen, daß der Turm in immer den gleichen Zusammenhang auftrat. In diesem Fall, hätte der Turm für sie eine ganz spezielle 
persönliche Bedeutung, die es wert wäre, sich zu merken. Im Grunde geht es jeden von uns wie dieser Träumerin. Wie oft träumen Sie nicht 
schon von den gleichen Symbolen und ihnen fiel plötzlich auf, daß diese Traumsymbole immer auf eine ganz spezielle Eigenschaft von 
Ihnen verweisen. Wäre es nicht leichter für kommende Traumdeutungen, sich diese Bedeutung aufzuschreiben? ...heißt persönliche 
Zusammenhänge verstehen. Wenn Sie schon häufiger von einem Traumsymbol träumten, können Sie fast davon ausgehen, daß dieses
Traumsymbol auch in Ihren zukünftigen Träumen eine Rolle spielen wird. Über die Jahre träumen Sie natürlich von vielen Symbolen, die 
entweder regelmäßig oder ab und zu wiederkehren. Schreiben Sie die Bedeutung dieser Symbole auf, dann entsteht Ihr ganz persönliches 
Symbollexikon. 


Praxistip zum persönlichen Symbollexikon 
Ist das Führen eines solchen persönlichen Symbollexikons nicht mit großen Aufwand verbunden? Man kann sich so ein persönliches 
Traumsymbol-Lexikon leicht selbst erstellen, indem man sich ein möglichst dickes Notiz- oder Ringbuch mit Alphabet kauft. Diese Bücher 
werden meist als Adreßbücher benutzt. Bei jedem Traum, an den Sie sich erinnern, unterstreichen Sie zwei der wesentlichsten oder schon aus 
früheren Träumen bekannte Symbole und tragen Sie diese unter dem entsprechenden Anfangsbuchstaben in Ihr persönliches Symbolbuch 
ein. Hinter diesem Eintrag mit einem kurzen Kommentar vermerken Sie noch den Titel dieses Traums, unter dem er in Ihrem Traumtagebuch 
zu finden ist, und das Datum. Der kurze Kommentar zu dem Eintrag sollte nicht mehr als zwei bis drei Sätze umfassen, die das individuelle 
Bedeutungsfeld dieses Traumsymbol charakterisieren. 


Beispiel: 
Im folgenden finden Sie ein Beispiel für einen derartigen Eintrag (Eintrag eines Träumers, 51 Jahre alt und geschieden): 


L: Linde: unser Garten früher, Sehnsucht nach Idylle der Kindheit. 
"Der große Regen" 25.6.1995 
Solange Sie sich mit dem gleichen Problem herumplagen, werden in Ihren Träumen vermutlich einige Symbole immer wiederkehren. Haben 
Sie das Problem gelöst oder ist es Ihnen zumindest bewußt geworden, wird sich auch die Symbolik Ihrer Träume ändern. Aus diesem Grund 
zeigt Ihnen das persönliche Traumsymbollexikon deutlich, wann Sie lernen und wann nicht. Da Träume sehr schnell auf Wandlungen 
reagieren, macht Sie das Führen des persönlichen Lexikons schneller als alles andere darauf aufmerksam, wann Sie beginnen zu lernen und 
sich damit zu verändern. Viele Jahre zuvor hatte der oben erwähnte Träumer, der von der Linde träumte, eine ganze Serie von Träumen, in 
denen er Linden sah. Das war in der Zeit als er sich gerade von seiner Frau getrennt hatte. Die Linde erinnerte ihn in den damaligen Träumen 
an seine ersten sexuellen Erlebnisse unter diesem Baum, die er als sehr positiv empfunden hatte. Diese Träume traten typischerweise auf, als 
er von Frauen nichts mehr wissen wollte. 

So trainieren Sie Ihr Know how 
Beispiel - ein Traum mit drei verschiedenen Methoden gedeutet 
Lassen Sie uns drei Deutungstechniken an einem Beispiel verdeutlichen: 
Der Traum eines 48 Jahre alten, ledigen Mannes: 

 

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"Ich fahre mit einem Fahrrad aus der Stadt hinaus. Da gelange ich an eine Schnellstraße und biege rechts ab. 
In der Ferne sehe ich die kargen Hügel, die mein Ziel sind." 


Assoziation: 
Deutung mit Hilfe der gebundenen Assoziation: 
Fahrrad: Vorwärtskommen aus eigener Kraft 
Stadt: der väterliche oder elterliche Teil, Lärm, Gestank und Dreck 
Schnellstraße: schnelles Vorankommen, für Autos 
rechts: männliche Seite 
karge Hügel: klarer Überblick 
Ich entkomme dem Streß der Stadt aus eigener Kraft, abschalten von Arbeit. Allerdings komme ich nur langsam 
voran, da ich es aus eigener Kraft versuche und keine Maschine (Auto) benutze. Ich gehe den männlichen Weg,
um zu einem Überblick über meine Situation zu gelangen. 


Dialog: 
Kommunikation mit einem Traumsymbol: 
Dem Träumer fällt gar nichts zu dem Symbol "karge Hügel" ein. So tritt er in Kommunikation mit diesem 
Traumsymbol mit Hilfe der Tagtraumtechnik. Er stellt sich den Traum noch einmal im Detail vor und als 
er die Hügel in der ferne sieht, spricht er sie an: 
Träumer: "Warum seid ihr ein Ziel?" 
Symbol: "Wir sind Deine höhere Bewußtseinsebene. Von uns aus besitzt Du nicht nur den Überblick über


 Deine Vergangenheit, sondern wir stehen auch für Genügsamkeit. Du willst Dich doch vom Streß 
der Stadt abwenden, der mit übertriebenen Luxus, das Naturferne, zusammenhängt. Werde 
einfach! Übe Askese und Du entkommst dem Streß der Stadt." 


Geschichte ausspinnen 
Das spontane Erzählen seiner Geschichte, für die die unterstrichenen Traumsymbole Stichworte bilden: 
Ein Mann setzte sich auf sein altes Fahrrad, das er schon richtig über die Jahre liebgewonnen hatte und fährt fröhlich im Sonnenschein zur 
Stadt hinaus. Endlich habe ich einige Tage Zeit für mich, denkt er, und freut sich schon auf sein Picknick, das er in den beiden Satteltaschen 
verstaut hat. Tief in Gedanken bemerkt er einen einsamen Feldweg, der geradewegs auf die kargen Hügel in der Ferne hinführt. Genau solch 
ein Weg hat er gesucht, auf dem er ungestört entlang radeln kann. Zu seinem Erstaunen kommen die Hügel auch schnell näher und der 
leichte Anstieg des Weges ist fast nicht zu bemerken. Dennoch legt er unter einem schattigen Baum erst einmal eine Pause ein und freut sich, 
so einfach und schnell seinem alltäglichen Leben entkommen zu sein. Hier in der Natur lebt er erst richtig auf. Und toll, denkt er, jetzt habe 
ich noch einige Tage hier vor mir, in denen ich in den Hügeln campieren werde. 

Die Stärke der unterschiedlichen Deutungsmethoden 
Während alle drei Arten der Deutung dieses Traums betonen, daß der Träumer seinem Alltagsstreß entkommen möchte, legt sich der 
Schwerpunkt der unterschiedlichen Methoden auf verschiedenen Aussagen. Die Assoziationsmethode betont, daß der Träumer seine 
Unternehmung aus eigener Kraft unternimmt. Die Kommunikation mit dem Traumsymbol ergibt, daß das Ziel des Träumers augenscheinlich 
das Erreichen eines höheren Bewußtseins durch Einfachheit ist. Die Geschichte betont hauptsächlich den Aspekt der Freude und der 
Naturverbundenheit des Träumers. Man kann sagen, daß letztlich alle drei Deutungen zusammen die eigentliche Deutung dieses Traums 
ausmachen. Alle drei Deutungen ergänzen sich. 

Tägliche Übung 
Praxistip: Die schnelle Traumdeutung 
Wenn ich keine Zeit zu einer ausführlichen Deutung habe, wie sie im Abschnitt zuvor beschrieben wurde, dann wiederhole ich mir meinen 
Traum beispielsweise auf der Fahrt zur Arbeit oder beim Einkaufen und schaue, welche Gefühle, Ideen und Assoziationen hochsteigen. Ohne 
mir intellektuell klar zu werden, was mein Traum bedeutet, wiederhole ich ihn mir immer wieder und beachte genau, in welche Stimmung 
ich dabei komme. Man kann sich auch schnell eine kleine Skizze von einem Traumsymbol machen. Ich versuche mich dann zu erinnern, 
woher ich die Stimmung meiner Träume und ihre Atmosphäre aus meinem alltäglichen Leben kenne. 

Träume überallhin mitnehmen 
Diese Art der Traumdeutung nimmt nicht nur Zeit ein, sondern kann auch in allen möglichen Situationen praktiziert werden. Sehr häufig 
muß man zum Beispiel im Alltagsleben irgendwo warten, das ist Gelegenheit für diese Art der schnellen Traumdeutung. Wenn Sie mehr Zeit 
haben, sollten Sie jedoch das Ergebnis Ihrer Traumdeutung niederschreiben, da nämlich der Nachteil einer solchen Deutung darin liegt, daß 
sie schnell wieder vergessen wird. Während die gerade beschriebene Form der Traumdeutung nicht gerade sehr systematisch vorgeht, gibt es 
auch Formen der schnellen Traumdeutung, die hochgradig systematisch vorgehen. Sie können bei jedem Traum frei wählen, ob Ihnen der 
weiblich intuitive oder der männlich systematische Weg mehr zusagt, der im folgenden beschrieben wird. Beide Wege sind auf jeden Traum 
anwendbar. 

Kurz und bündig 
Hier nun ein systematischer Weg, seine Träume in weniger als fünf Minuten hinreichend zu deuten. Das Erklären dieser Methode benötigt 
mehr Zeit, als sie praktisch anzuwenden. Die Methode baut darauf auf, daß Sie kurz und gezielt bestimmte Beobachtungen vornehmen. Als 
erstes machen Sie sich bewußt, wie Ihr Traum-Ich in dem entsprechenden Traum handelt. Fragen Sie sich: 

- Ist mein Traum-Ich aktiv oder passiv? 
- Wie kann ich seine Handlungsweise charakterisieren? 
- Woher kenne ich diese Handlungsweise aus meinem Alltagsleben? 
Dann fragen Sie sich, ob Sie in diesem Traum etwas befürchtet oder begehrt haben. Falls ja, charakterisieren Sie es und beziehen Sie es 
ebenfalls auf Ihr Alltagsleben. Welche zwei oder drei Symbole sind zentral in diesem Traum und was fällt Ihnen dazu ein? (freie 
Assoziationen) Diese Punkte kann man bei einem Traum sehr schnell durchgehen und die Beantwortung der Fragen führt Sie sofort in das 
Zentrum Ihres Traums. 
Kurzes Schema 
Man kommt so zu folgenden Schema der schnellen Deutung eines Traums:


- Überschrift des Traums 
- Datum 

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- stichwortartige Schilderung des Traums (so kurz wie möglich) 
- Beobachtung des Traum-Ich 
aktiv? 
passiv? 
typische Verhaltensweise?
- Wünsche/Ängste im Traum 
- Assoziation zu Symbol 1 
- Assoziation zu Symbol 2 
- Was sagt mir dieser Traum? 
Es empfiehlt sich immer, sich dieses Schema in sein Traumtagebuch zu schreiben. Wenn man nur wenig Zeit hat, geht man schnell die
einzelnen Punkte durch. Wenn Sie das öfters machen, werden Sie eine erstaunliche Übung bekommen, in wenigen Minuten nach diesem 
Schema Ihren Traum im Kern zu verstehen. Falls Sie etwas mehr Zeit haben, möchte ich Ihnen das folgende Deutungsschema empfehlen, 
dessen Anwendung etwas länger benötigt, dafür aber komplexeste Träume erstaunlich schnell erfassen kann: 
Ausführliches Schema: 

- Überschrift 
- Datum 
- stichwortartige Schilderung des Traums 
- Gefühl beim Erwachen 
- Beobachtung des Traum-Ich 
aktiv? 
passiv? 
typische Verhaltensweise? 
- Assoziationen zu Traumsymbol 1 
- Assoziationen zu Traumsymbol 2 
- Assoziationen zu Traumsymbol 3 
- Assoziationen zu Traumsymbol 1 
- Assoziationen zu Traumsymbol 2 
- erster Gedanke zu diesem Traum 
- Was sagt mir dieser Traum? 
Träume zu Ende bringen 

Techniken der Traumvollendung 
Bei vielen Träumen hat man das Gefühl, daß der Traum nicht zuende geträumt worden ist. Es scheint, als ob der Traum kein richtiges Ende 
habe. Das mag daran liegen, daß man sich entweder nicht mehr an das Ende des Traums erinnern kann oder daß der Traum selbst keinen 
eindeutigen Abschluß aufweist. Um jedoch zu wissen, was der Traum einem mitteilen möchte, ist es hilfreich, den entsprechenden Traum zu 
Ende zu führen. Dies geschieht wieder mit der Tagtraumtechnik, in dem der Träumer sich hinlegt und versucht, so klar wie möglich in tiefer 
Entspannung die Bilder dieses Traums zu visualisieren. Er läßt also den Traum vor seinem inneren Auge ablaufen. Kommt er zu dem Schluß 
des Traumes, folgt er einfach den Einfällen seiner Phantasie, die jetzt den Traum weiterspinnt. Vertrauen Sie dabei Ihrem kreativen Potential, 
das in für Sie sinnvolle Weise Ihren Traum weiterspinnt. Normalerweise macht das keine Schwierigkeiten und Sie werden merken, daß Ihre 
Phantasie Ihren Traum ohne Ihr bewußtes Zutun beendet. Dieses so gefundene Ende Ihres Traums gibt Ihnen in jedem Fall wichtige 
Hinweise, wie Sie diesen Traum besser verstehen können und worauf er hinausläuft. Daß dieses Ende in der Weise nicht geträumt wurde, 
spielt keine Rolle, denn Ihr Unbewußtes, das die Traumvollendung übernahm, weiß schon, worauf der Traum hinauswollte. Es ist bei dieser 
Technik der Traumvollendung allerdings unbedingt notwendig, so wenig wie möglich bewußt das Ende zu bestimmen. Es geht keineswegs 
darum, daß Sie gemäß Ihren Wünschen sich bewußt ein Ende des Traumes ausdenken, sondern daß Sie im Vertrauen auf die Kräfte Ihres 
Unbewußten dieses möglichst ungestört wirken lassen. 

So erfahren Sie noch mehr über Ihre Träume 
Deutung ohne Worte 
Es ist nicht nötig, einen Traum immer sprachlich zu deuten, es gibt auch andere Deutungsmöglichkeiten, die für einige Menschen viel 
fruchtbarer angewandt werden können. Man denkt hier speziell an künstlerische Techniken wie beispielsweise Malen, Zeichnen und 
Modellieren. Diese Techniken sind besonders für Träumer geeignet die in der Sprache zu Hause sind, und deswegen sich leicht hinter derSprache verstecken. Allerdings sind diese Deutungstechniken für Künstler eher ungeeignet, denn es geht hier nicht um Ästhetik, sondern um 
den psychologischen Ausdruck des Traumgehalts. 

Vorteile der künstlerischen Betrachtung 
Der Vorteil dieser Techniken liegt darin, daß Malen und Zeichnen wie alle künstlerischen Betätigungen, wie auch der Traum, eher 
rechtshirnig gesteuert werden. Sie sind also als Produkt unserer Phantasie den Traum wesensverwandt. Deswegen kann man Träume auch 
wie Kunstwerke interpretieren oder auch Kunstwerke wie Träume. Der Bauhauslehrer und Maler Wassily Kandinsky (1866-1944) sagte 
einmal, daß ein Künstler alles wissen müsse; wenn er sich jedoch im Schaffensprozeß befindet, muß er jedoch wieder alles vergessen haben. 
Das Wissen müsse dann aus seinem Unbewußten aufsteigen. Genauso verhält es sich beim Traum, daß nämlich alles Wissen aus dem 
Unbewußten aufsteigt und die entsprechenden Traumbilder formt. Ferner weisen Kunstwerke einen Selbstbezug auf. Das heißt 
beispielsweise, wenn es im Traum regnet, ist es unerheblich, ob es draußen regnet oder nicht. Es zählt, was diese Situation im Traum für eine 
Funktion hat. Genauso verhält es sich mit einem Gedicht oder einem Bild, wenn es dort um Regen geht, wird keiner schauen, ob es nun 
wirklich jetzt oder zur Entstehungszeit draußen geregnet hat, sondern was der Regen in diesem Bild oder diesem Gedicht ausdrückt. 

Künstlerische Umsetzung des Traums 
Als Beispiel soll hier kurz angeführt werden, wie man die Zeichnung eines Traums deuten kann. Das ist ein grundsätzliches Schema, 
nachdem man auch gemalte, modellierte, skizzierte und geschnitzte Träume deuten kann. Ferner kann man Träume mit Hilfe von Tanz, 
Gesang, Pantomime und anderen Kunstformen ausdrücken, letztendlich gelten dort die gleichen Aussagen wie zur Zeichnung. Was sich 

 

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beispielsweise rechts oder links in der Zeichnung befindet, entspricht einer Bewegung nach rechts oder links, oben entspricht einem Sprung 
oder einem Strecken, im Gesang einem hohen Ton und unten einem tiefen Ton oder einer Hocke oder Beuge. 

Tabelle der künstlerischen Formen und ihrer Bedeutung: 
Rechts: 

- Die rechte Seite drückt männliche Energie der Tat und der Analyse aus. 
Links: 
- Die linke Seite drückt die weibliche Energie der Intuition und der Synthese aus. 
Oben: 
- Oben ist der Ort des Kopfes und somit des Bewußtseins, des Intellekts und des Überblicks. 
Es ist der Himmel, in dem die patriarchalische Gesellschaft Gott ansiedelt. 
Unten: 

- Unten ist der Ort der Erdung, des Triebs und des Unbewußten. Unten finden wir die Erde, 
die für die materiarchalische Gesellschaft göttlich ist. 
Eckig: 

- Die eckigen Formen wirken männlich statisch und drücken eine zielgerichtete Lebensenergie aus, 
die allerdings nicht unbedingt harmonisch verläuft. In Tanz und Pantomime sind das plötzliche 
und unverhoffte Bewegungsänderungen, dem Stakato in der Musik entsprechend. 
Rund: 

- Die runden Formen wirken weiblich harmonisch und drücken das Bedürfnis nach Verbindung und 
Synthese aus. In der Musik und den Körperbewegungen entspricht das Runde dem Fließenden. 
Spitz: 

- Die spitzen Formen wirken aggressiv und entsprechen dem Schrillen in der Musik und den 
aggressiven Bewegungen. 
Isoliert: 

- Das Isolierte, Alleinstehende drückt Einsamkeit und auch oft fehlenden Kontakt zu sich selbst aus. 
Auf der Ebene der Bewegungen sind das die abgehackten Bewegungen und es sind die unverbundenen 
Töne in der Musik. Hierin drückt sich der männliche Archetyp des einsamen Helden aus. 
Verbunden: 

- Das Verbundene drückt den weiblichen Archetyp aus, der der Synthese verbunden ist. 
In der Musik ist oft die Melodie und auch das Lied Träger der Idee des Verbundenen, im 
Bereich der Körperbewegung ist es der Tanz. 
Rhythmisch: 

- Rhythmisch gesetzte Formen, Bewegungen und Töne sind ebenfalls Ausdruck der 
weiblichen Seite in uns. 
Plastisch: 

- Das Plastische drückt in der Zeichnung und anderen künstlerischen Ausdrucksformen das 
Komplexe und Differenzierte aus. 
Flächig: 

- Das Flächige hängt oftmals mit Eindimensionalität zusammen. 
Vieldimensional: 
- Das Vieldimensionale drückt wie das Plastische das Komplexe aus. In bezug auf die 
Psyche wird mit dieser Gestaltung auf deren verschiedenen Ebene verwiesen. 
Diese Tabelle mag Ihnen einen Anhaltspunkt bieten, wie Sie Ihre eigene Umsetzung des Traums deuten können. 

Traum und Spiel 

Offen für neue Deutungsweisen 
Oftmals wird die Traumarbeit mit einem Ernst durchgeführt, der eher abschreckend ist, als daß er uns freudig neue Chancen erkennen läßt. 
Man halte es da mehr mit Friedrich von Schiller (1759-1805), der in seinen Gedanken, daß der Mensch nur Mensch ist, wenn er spielt. Wenn 
wir uns zu ernst nehmen, dann vermindern wir die Chance unserer Veränderung, indem wir meistens nur verbissen alte Verhaltensschemata 
wiederholen. Der Traum spielt kreativ mit Bilder und Gefühlen und lockert somit unsere erstarrte Sichtweise der Welt auf. Ist es nicht 
absurd, wenn wir dann mit großen Ernst unsere Träume zu deuten versuchen? Eine nichtspielerische Traumdeutung geht unter Umständen 
am Wesen des Traums vorbei. Wir haben in diesem Kapitel schon eine Art, mit seinen Träumen spielerisch umzugehen, kennengelernt: Sie 
besteht darin, die Traumsymbole zu benutzen, um aus ihnen eine Geschichte zu bilden. Letztlich besitzt jede künstlerische Umsetzung eines 
Traums einen gewissen spielerischen Charakter. 

Traumtheater 

Nun soll noch eine andere Art der spielerischen Traumarbeit angeführt werden, die sehr effektiv sein kann. Dieser Umgang mit dem Traum 
besteht darin, daß man ihn wie ein Psychodrama als ein Theaterstück inszeniert. Allerdings brauchen Sie dazu eine Gruppe, denn Sie 
benötigen Mitspieler und es ist auch vorteilhaft, einige Zuschauer zuhaben. Zur Not können Sie den Traum als Ein-Mann- oder Eine-Frau-
Show spielen. Das ist jedoch viel schwieriger als den Traum mit einer Gruppe zu inszenieren. 

Wie gehen Sie hier praktisch vor? 
Zunächst erzählen Sie Ihren Traum und alle potentiellen Mitspieler hören sich ihn an und versuchen, diesen Traum nachzuträumen, als ob es 
ihr eigener wäre. Wenn allen Beteiligten Ihr Traum deutlich geworden ist, teilen Sie als Träumer entweder jedem seine Rolle zu, oder Sie 
lassen die Beteiligten eine ihnen genehme Rolle wählen. Als Träumender sollten Sie jedoch stets die Rolle des Traum-Ich spielen. Wählen 
die Beteiligten frei die Rollen - wobei auch Symbole, die keine Personen sind, wie beispielsweise Berg, Baum oder Vogel gespielt werden 
können -, dann ist es meist schon sehr aufschlußreich, wer spontan welche Rolle übernimmt. Es erhöht sicherlich noch den Spaß, wenn man 
sich mit kleinen Accessoires wie einen bunten Schal, ein Stock oder was auch immer im Sinne des Traums "verkleidet". Sind alle 
Vorbereitungen abgeschlossen, spielen Sie einfach los und versinken möglichst wie kleine Kinder in diesem Spiel. Indem Sie Ihr Traumstück 
selbst gestalten, gestalten Sie auch sich und Ihre Gefühle. Ob Sie nah am Traumgeschehen bleiben oder sich forttragen lassen, spielt der 
Erfahrung nach keine Rolle. Es ist einzig und allein wichtig, daß Sie sich vom Traumgeschehen mitreißen lassen und das Spiel genießen. Es 


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ist auch nicht notwendig, daß Sie dieses Traumspiel hinterher deuten. Sehen Sie das Spiel selbst als die nicht- intellektuelle Deutung Ihres 
Traumes an. 

Träume inszenieren - und beobachten 
Oft ist es allerdings sehr fruchtbar, wenn alle Beteiligten sich nach dem Spiel darüber austauschen, wie Sie sich gefühlt haben. Man ist auf 
die Idee zu dieser Art der Traumarbeit durch den englischen Regisseur und Gurdjieff- Lehrer Peter Brook gekommen. Ende 1972 und 1973 
unternahm Peter Brook mit einer internationalen Schauspielertruppe eine Reise durch Afrika, bei der spontan vor Menschen gespielt wurde, 
die kein Theater kannten. Bei dieser Theaterarbeit kam es darauf an, aus dem Spieltrieb heraus innere Gefühle darzustellen. Genauso stelle 
ich mir auch die Inszenierung eines Traums vor. 

Traum und Körperarbeit 

Assoziation und Körperbewegung 
Eine ebenfalls spielerische Möglichkeit mit seinen Träumen zu arbeiten, besteht darin, seine Traumarbeit mit der Körperarbeit zu verbinden. 
Um einen kleinen Vorgeschmack davon zu bekommen, nehmen Sie ein Symbol aus Ihren letzten Traum und versuchen Sie, dieses Symbol 
durch Körperbewegungen, die Ihnen spontan einfallen, auszudrücken. Experimentieren Sie mit den Körperbewegungen solange herum, bis 
Sie die passende Bewegung gefunden haben. Wenn Ihnen das gelungen ist, würde man empfehlen, aus dem gleichen Traum noch andere 
Symbole zu nehmen, um sozusagen körperlich zu diesen Symbolen zu assoziieren. Wir vergessen oft, daß man zu einem Symbol auch 
körperlich in Beziehung tritt. 


Jedes Gefühl schlägt sich körperlich nieder 
Man kann im Menschen ein somatisches Unbewußtes annehmen, indem wie im psychischen Bewußtsein alle Gefühle gespeichert sind. Das 
entspricht der These Wilhelm Reichs (1897 - 1957), der davon ausging, daß sich jedes Gefühl in Muskelverspannungen niederschlägt. Das 
somatische und das psychische Unbewußte sind durch die Traumarbeit zu verbinden. An einem Beispiel nach, kann das folgender Maßen 
aussehen: 


Traum und Körper: Verbindung von Gefühl und Sinnen 
Eine sehr gute Möglichkeit der Verbindung von Traum-und Körperarbeit besteht darin, die Traumarbeit mit seinen alltäglichen 
Körperübungen zu verbinden. Wenn Sie Yoga, Tai Chi, die fünf Tibeter, Aerobics oder Gymnastik praktizieren, können sie das ohne großen 
Aufwand leicht mit der bisher beschriebenen Traumarbeit verbinden. Jetzt soll anhand eines Beispiels von Yoga-Übungen gezeigt werden, 
wie solch eine sinnvolle Verbindung zwischen Traum- und Körperarbeit aussehen könnte. Das ist jedoch nur ein Modell beziehungsweise ein 
Vorschlag, der Sie anregen sollte, selbst kreativ mit der Verbindung von Traum-und Körperarbeit zu spielen. Praktizieren Sie wie die 
meisten Menschen nicht regelmäßig irgendeine Körperarbeit, dann sollten Sie zumindest einmal die Erfahrung mit der folgenden 
beschriebenen Yoga- Übung machen. 


Yoga und Traumarbeit
Man beginnt seine Yoga-Übung mit der Meditation, in der der zu bearbeitende Traum so genau wie möglich visualisiert wird. Falls man sich 
an diesen Traum nicht mehr klar erinnern kann, lesen Sie ihn im Traumtagebuch noch einmal kurz nach, bevor Sie mit der Meditation 
beginnen. Hat man den Traum im Detail visualisiert, fragt man sich, wie man sich jetzt fühlt. Welches Gefühl hat dieser Traum produziert? 
Man geht diesem Gefühl nach und lasse es wirken. Danach wende man sich seiner Körperübung zu. Man wählt diejenige Yogaübung aus, 
die einem spontan zu seinem Traum einfällt. Während man sich langsam in die vorgeschriebene Körperposition (asana) begibt, versucht man 
zugleich tief entspannt zu sein, rund und regelmäßig zu atmen (pranayama) und die Traumbilder vor seinem inneren Auge zu halten. 
Befindet man sich in der klassischen Körperposition, entspannt man sich noch tiefer mit runder und gleichmäßiger Atmung und konzentriert 
sich jetzt mit ganzer Kraft auf seinen Traum. Während die einzelnen Traumbilder visualisiert werden, achte man genau auf seine Atmung 
und die Spannung seiner Muskeln (Tonus). Man kann immer wieder feststellen, daß ein für sich wesentlichen Stellen des Traumes, sich die 
Muskeln häufig anspannen und sich zugleich der Atemrhythmus verändert. Wenn man bei einem "heiklen" Traumbild ist, das mit tief 
verdrängten psychischen Material zusammenhängt, merkt man das sofort körperlich. Hier verweilt man noch, atmet tief und regelmäßig in 
den Bauch hinein, ohne eine Pause zwischen Ein- und Aus- und Aus- und Einatmen einzulegen (verbundenes Atmen) und sei sich bewußt, 
welche Gefühle in einem hochsteigen. Man betrachte nun diese Gefühle, ohne sie zu bewerten oder zu verändern. 


Traumdeutung mit Leib und Seele 
Sie werden bemerken, daß Sie durch solche Körperübungen zu einem weitgehend nicht-sprachlichen Verständnis Ihrer Träume gelangen 
können. Es handelt sich hierbei um eine Traummeditation, bei der Sie Ihre Traumbilder und damit Ihre Projektionen durch die Atmung 
auflösen und Ihren Körper als Anzeiger benutzen, wo Sie etwas Wichtiges aufzulösen haben. Diese Art der Verbindung von Körperübungen 
und Traumarbeit erhöht Ihre Traumerinnerungsfähigkeit. Ferner werden Sie bemerken, daß wenn Sie regelmäßig Ihre Traumbilder auf dieser 
Weise auflösen, Sie zugleich beweglicher werden. 


Laufen (Joggen) und Traumarbeit 
Wenn Sie beispielsweise laufen, gehen Sie genauso vor: Während des Laufens konzentrieren Sie sich auf Ihre Traumbilder und lösen diese 
durch Ihren Atem auf. Beim Laufen können Sie sich auch vorstellen, daß Sie die Traumbilder durch Ihre Beine und Füße in die Erde fließen 
lassen, wo Ihre Projektionen sozusagen beerdigt werden. 


Praxistip zur Körperarbeit 
Bei der Verbindung zwischen Körper- und Traumarbeit sind also folgende Punkte zu beachten: 


- Halten Sie während der Körperübung Ihre Konzentration auf Ihre Traumbilder zentriert 
und schalten Sie jedes 
andere Bild und abschweifende Gedanken aus. 
- Benutzen Sie Ihren Körper als Anzeiger dafür, wo Traumbilder und somit Projektionen besonders hartnäckig sind. 
Kommen Sie an diese Traumbilder, spannt sich automatisch Ihr Körper an und Ihr Atemrhythmus ändert sich. 
- Lösen Sie jedes Traumbild nach dessen bewußter Wahrnehmung auf. Die Auflösung des Traumbildes geschieht 
durch ihren Atem. Sie atmen sozusagen das Traumbild und die damit zusammenhängende Projektionen aus. 
- Eine gelungene Auflösung Ihrer Traumbilder zeigt sich im Gefühl größerer Beweglichkeit. 
Eine so durchgeführte Traumarbeit findet jenseits des intellektuellen Verstehens statt und wirkt therapeutisch auf den Leib und die Seele. 
(Aus "Ratgeber Traum" von Klausbernd Vollmar) 
DER INDIANISCHE WEG DER TRAUMDEUTUNG – DAS MEDIZINRAD 
TRAUMDEUTUNG IM MILLENIUM 

 

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Vorwort: Die Vision eines Mannes - die Geburt einer Vision 

Die Vision des Medizinrads nimmt weiter Gestalt an. Sun Bear war der Visionär, der den Begriff und die Vorstellung des Medizinrads zu 
den Menschen zurückgebracht hat. Im Laufe der Jahre haben viele zu seiner ursprünglichen Idee beigetragen. All jene, die "Das Medizinrad“ 

- Eine Astrologie der Erde gelesen haben und danach in ihrem Zuhause oder auf ihrem Land ein Medizinrad gebaut haben, sind zu einem 
Teil der Vision geworden. Das Medizinrad ist inzwischen in über zehn Sprachen übersetzt und weltweit von einer halben Million Menschen 
gelesen worden. Unzählige Medizinräder sind als Ergebnis von Sun Bears Vision entstanden. 
Die Vision wurde darüber hinaus auch von jenen unterstützt, die ein Medizinradtreffen besuchten. Bisher hat es nahezu sechzig solcher 
Zusammenkünfte gegeben, und an jeder von ihnen nahmen im Durchschnitt fünfhundert Menschen teil. Sehr viele haben auch an den 
Workshops zum Medizinrad, die von Sun Bear, Wabun Wind oder ihren zahlreichen Schülern abgehalten worden sind, teilgenommen. 
Die Idee zum Medizinrad-Traumbuch ist zum Teil auf die Männer und Frauen zurückzuführen, die im Laufe der Jahre zu Sun Bear, Wabun 
Wind und Shawnodese kamen und ihnen ihre Traume über die Symbole des Medizinrads erzählten. Oft hatten diese Menschen bereits ihre 
Traume, bevor sie überhaupt von der Vision des Medizinrads wußten, und waren dann sehr erstaunt darüber, daß jemand ihnen erklären 
konnte, daß der Adler, den sie im Traum von Ost nach West hatten fliegen sehen, nichts anderes war als die Seelenkraft, die sich in der ihr 
angemessenen Weise bewegte. 
Mit der Zeit gelangten Sun Bear, Wabun Wind und Shawnodese zu der Erkenntnis, daß die Symbole des Medizinrads eine eigene, in sich 
geschlossene Sprache des kollektiven Unbewußten sein mußten. Das schien naheliegend, da doch der Geist eines Ortes seine Bewohner mit 
formt. Und nachdem sich die Europäer erst einmal in Nord-, Mittel- und Südamerika angesiedelt hatten, war es unvermeidlich, daß sie von 
der lebendigen, jahrtausende alten Symbolik dieses Kontinents beeinflußt wurden und daß diese Symbolik auf eine Weise in ihr Bewußtsein 
eindrang, wie sie es sich nicht hatten vorstellen können. Ohne Zweifel wurde dieser Prozeß dadurch unterstützt, daß so viele Symbole des 
amerikanischen Kontinents jenen verbotenen und unterdrückten erdverbundenen Sinnbildern des übrigen Planeten ähnelten. 
Als Sun Bear, Wabun und Shawnodese erstmals außerhalb der Vereinigten Staaten auf Reisen gingen, da hörten sie erneut von Menschen, in 
deren Träumen Symbole aus dem Medizinrad eine Rolle spielten, ohne daß sie zuvor von ihm wußten. Dieses Phänomen verwirrte sie einige 
Zeit lang. Dann fragten sie sich: Kann es sein, daß in einem Teil der Welt die Verschiebung des kollektiven Unbewußten, welches das 
Traumerleben formt, weltweit die gleiche Reaktion hervorruft? Sind wir in irgendeinem Teil unseres Seins miteinander verbunden? 
Genauso wie sich die Tiere, die von Europa nach Nordamerika gebracht wurden, geringfügig in ihrem Aussehen und Verhalten geändert 
haben, ist es auch mit den Menschen geschehen. Im Zentrum des Glaubenssystems von erdverbundenen Völkern steht der große Respekt vor 
den beseelten Wesen, die über das Land gehen; vor den Geistwesen, die es schützen und behüten. Wenn Menschen eine neue Landschaft 
betreten, dann werden sie automatisch auch von den ihr innewohnenden Geistwesen und Energien beeinflußt und sind nie mehr dieselben 
wie zuvor. Als die ersten Europäer in der Hoffnung nach Nordamerika kamen, hier ihre Religion so ausüben zu dürfen, wie sie ihnen in ihrer 
Heimat verwehrt wurde, da war es unvermeidlich, daß früher oder später ihre Philosophie, ihr Denken, ja ihr ganzes Sein aufgrund ihres 
Kontakts mit den Energien dieser neuen Welt beeinflußt wurde. Und so ist es geschehen. Ein großer Teil der Kulturen Nord-, Süd-und 
Mittelamerikas ist daher eine wunderschöne Mischbildung aus den Kulturen jener vielen Völker, die hierhergekommen sind und, ob gewollt 
oder nicht, von den Energien dieser großartigen Landschaft ergriffen wurden. 
Um nur ein kleines Beispiel zu nennen: Der Adler, den die Urbewohner dieses Landes als Boten des Schöpfers ansehen, wurde zum Symbol 
jener neuen Staatenföderation, die man später die Vereinigten Staaten von Amerika nannte. Der Adler erhielt für die Neuankömmlinge, die 
ihn als Symbol für sich vereinnahmten, die gleiche Bedeutung wie für die anwesenden Stämme: Dieser prachtvolle Greifvogel verkörperte 
nun eine zweifache Symbolität. Doch die Freiheit und die Macht, die verschiedenen Sphären der Realität zu verstehen, sind feste 
Bestandteile beider Bedeutungen. 
Eines Tages, mehrere Jahre, nachdem Frauen und Männer begonnen hatten, von ihren Medizinradträumen zu berichten, aßen Sun Bear und 
Wabun mit ihrer Lektorin Sheila Curry, zu Mittag. Sheila sprach über die Möglichkeit, ein Buch über Träume zu machen, das die Weisheit 
des Medizinrads beinhalten würde. Dies schien eine natürliche Folge ihrer eigenen Vorstellungen zu sein, und so stimmten sie zu. 
Sun Bear und Wabun Wind luden Shawnodese, der in westlicher Psychologie und in Traumarbeit ausgebildet ist, dazu ein, sich als Mitautor 
an dem Buchprojekt zu beteiligen. Sie wollten nicht auf seine Sachkenntnis verzichten, und daher ist ihm die Beisteuerung eines Großteils 
des Traummaterials zu verdanken, das in den Schulungsprogrammen des Bear Tribe verwendet wird. 
In der Zeit zwischen der Projektierung und der eigentlichen Niederschrift dieses Buches erfuhr Sun Bear, daß er Krebs hatte. Kurz nach 
dieser Diagnose übergab er Wabun seine Tonbänder und Notizen zum Thema Träumen und erinnerte sie und Shawnodese an die vielen 
Male, die sie bei ihm gewesen waren, als er über Träume allgemein und sein Traumerleben im besonderen gesprochen hatte. Er wollte 
sichergehen, daß das Projekt trotz seiner Krankheit weiterverfolgt würde. Dann unterzog sich Sun Bear seiner eigenen Behandlung, um den 
Krebs zu bekämpfen – tragischerweise ohne Erfolg: Im Juni 1992 verließ Sun Bears Geist seinen Körper. Sun Bear lebte sein Leben auf der 
Basis einer Vision. Wie hätten wir ihn besser ehren können, als ein Buch zum Abschluß zu bringen, das Träume und Visionen zum Thema 
hat? Seine Visionen vor allem waren es, die ihn in dieser visionslosen Gesellschaft so anders erscheinen ließen. Er hatte nicht nur die Gabe 
der Vision, die uns allen innewohnt, sondern er brachte auch den erforderlichen Mut auf, nach seinen Visionen zu leben. Und Sun Bears 
Visionen waren nicht solche, nach denen es sich leicht leben ließ. 
In einer seiner Visionen erkannte sich Sun Bear, wie er die Aufgabe erhielt, die Menschen aller Rassen und Nationalitäten das Heilen der 
Erde zu lehren. Damit wurde ihm klar, daß er seine Lehre nicht nur auf sein eigenes Volk, die Ojibwa, beschränken durfte oder auf die 
anderen amerikanischen Ureinwohner. Hätte er das getan, so wäre sein Leben viel leichter gewesen; aber seine Vision hatte schon zuvor von 
ihm verlangt, sein Wissen mit allen Menschen zu teilen, damit das Leben auf gute Weise weitergehen konnte. 
Sun Bear folgte seiner Vision trotz der Mißbilligung und Kritik seitens jener, die auf dem Standpunkt beharren, daß die Weitergabe des 
Wissens eines Volkes nur dessen Angehörigen untereinander erlaubt sei. Sun Bears Vision sagte ihm, daß wir auf der Mutter Erde in einer 
Zeit des Wandels leben, und ein Teil dieses Wandels habe in den Herzen der Menschen zu erfolgen. Wieder und wieder erfuhr Sun Bear in 
seinen Visionen, daß alles Leben den Naturgesetzen Folge leistet - mit Ausnahme des Menschen. In allem, was er lehrte, bemühte er sich 
darum, seine Brüder und Schwestern in das heilige Netz des Lebens zurückzuführen und ihnen zu vermitteln, wie wichtig sie für das 
Fortbestehen des Planeten sind. 
Sun Bear hat oft über seine Visionen gesprochen. Er erzählte, wie sie ihn jeden Morgen zum Aufstehen veranlaßten und ihn vorwärtstrieben. 
Sie waren für ihn die führende Kraft - bis zum Ende seines Lebens. Sun Bear machte sich noch bis zu seinem letzten Atemzug Sorgen um 
den Bear Tribe. Während viele Männer darauf hoffen, daß ihre Kinder ihren Namen und ihre Arbeit fortführen, wußte Sun Bear, daß das 
Kind seiner Vision, der Bear Tribe, die Botschaft, die er vom Schöpfer erhalten hatte, weiterverbreiten würde. 
Sun Bear redete oft über Träume und ihre Macht. Häufig träumte er von einem Menschen oder von einem Ort, bevor er tatsächlich auf diesen 
Menschen oder diesen Ort traf. Seine Träume waren ihm Führung und Hilfe. Sie ließen ihn auch Dinge erfahren, die einem im wachen 
Zustand verborgen bleiben. Sun Bear war ein Traummeister, jemand, der im Traumzustand lehren konnte, der anderen in ihren Träumen 
Botschaften schickte und auf eben diese Weise solche Mitteilungen empfing, die ihm gesandt wurden. Aus den Briefen, die wir von 
überallher aus der Welt erhalten, schließen wir, daß Sun Bear in seiner Arbeit über seinen Tod hinaus fortfährt. 
Um dieses Buch so verständlich wie möglich zu machen, entschied Wabun, mit einigen Personen zu sprechen, die aus ihrer und 
Shawnodeses Sicht als Experten in bestimmten Bereichen der Traumarbeit gelten. Unter ihnen waren Luke Blue Eagle, Twylah Nitsch, Page 
Bryant, Steven Foster und Brooke Medicine Eagle. Im ersten Teil dieses Buches fassen Wabun und Shawnodese die Worte dieser Lehrer in 

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einer fünf Tage dauernden Traumratsversammlung auf dem Vision Mountain, dem Bear Tribe's Retreat im Staat Washington, zusammen. 
Obwohl dieser Traumrat niemals tatsächlich zusammentrat, erwies er sich doch als gute Methode, um das Schulungsmaterial zu einem 
geschlossenen Bild zu verweben. 
Träumen ist für die meisten unter uns ein unbekannter Bereich. In der Vergangenheit war dem Menschen jedoch die Traumzeit ebenso 
wichtig wie der Wachzustand. Einer der Gründe für das heutige Ungleichgewicht der Erde beruht darauf, daß so viele Leute sich weder an 
ihre Träume erinnern noch mit dem Material, das ihnen durch ihre Träume zur Verfügung gestellt wird, arbeiten. Dieses Buch versorgt den 
Leser mit leicht nachvollziehbaren Richtlinien für den Umgang mit seiner Traumzeit. 
Einleitend werden unterschiedliche Ansätze, sowohl historische als auch zeitgemäße, zum Verständnis der Traumzeit vorgestellt; der 
Unterschied zwischen Traum und Vision, wenn er denn existiert, wird erforscht; und einige Träume und Visionen, wie sie dem Traumrat 
berichtet wurden, werden weitergegeben. In sich daran anschließenden Kapiteln zeigen die Lehrer Methoden auf, wie man sich auf den 
Traum vorbereiten und mit der Traumzeit umgehen kann, sowie, wie man Träume interpretiert und mit ihnen arbeitet. 
Im zweiten Teil des Buches findet sich eine Auflistung jener Symbole, auf die Wabun, Shawnodese und Sun Bear in ihren eigenen Träumen 
und in denen anderer gestoßen sind. Jede Eintragung in diesem Abschnitt wird unter den Begriffen Schlüsselworte, Beschreibung, 
Allgemeine Bedeutung, Assoziation und Transzendente Bedeutung behandelt. 
Am besten ist es, »Die Traumsprache der Erde« zunächst ganz durchzulesen, bevor man damit beginnt, sie auf die eigenen Träume 
anzuwenden. Auf diese Weise wird ein größerer Teil dieser Traumsprache in die Symbolik der eigenen Traumzeit übernommen. Wendet 
man sich dann in Verbindung mit einzelnen Träumen diesem Abschnitt erneut zu, so ist im eigenen Traumerleben bereits eine gute Basis für 
das Verständnis der Bedeutung jedes dieser Traumsymbole geschaffen. 

Die Traumratsversammlung 

Seid willkommen, Freunde! 
Kommt und setzt euch zu uns in die Traumratsversammlung. Wir wollen uns vorstellen, daß wir alle gemeinsam im Langhaus auf demVision Mountain Platz finden. Wir haben ein Redeholz (Siehe Anhang, 1. Übung) - einen Kiefernzweig, den Sun Bear von der Erde draußen 
aufgehoben hat -, das wir weiterreichen können. Während einer von uns spricht, hören die übrigen aufmerksam zu. Wir sind hier 
zusammengekommen, weil wir lernen wollen, aus einer Traumzeit einen aktiveren Teil unseres Lebens zu machen. Indem wir uns zur 
Traumzeit bekennen, wird es uns gelingen, ein größeres Gleichgewicht in unserem Leben und auf unserem Planeten herzustellen. 
Erdverbundene Völker überall auf der Welt respektieren die Traumzeit schon immer und tun dies heute noch. Sie wußten, daß die im 
Wachzustand wahrgenommene Realität nur eine von vielen Realitäten ist, die uns Zweibeinern offensteht. Die Sonne schickt sich an 
unterzugehen, und die Dämmerung setzt ein. Manche sagen, daß dies die beste Tageszeit sei, um einen »Bruch« zwischen den Realitäten zu 
erkennen. Wir hören unsere Brüder, die Donnerwesen, weiter entfernt. Sie bereichern unsere Traumratsversammlung mit ihrer guten 
Medizin. 
Dies ist die erste Nacht des Traumrats, es ist also an der Zeit, die Medizin des Traums miteinander zu teilen. Sun Bear ist in Begleitung 
zweier seiner Gehilfen gekommen, Wabun und Shawnodese. Wabun ist seit 1970 bei ihm, ist in ihre Kraft und ihr Verständnis 
hineingewachsen. Sie hat schon Hunderten von Menschen bei ihrer Visionssuche geholfen. Sie hat hart daran gearbeitet, um die Sprache der 
Träume zu verstehen, und sie verfügt über die ausgeprägte Gabe, Träume in die Wirklichkeit zu bringen. Einige der wichtigsten 
Medizinträume Sun Bears sind durch ihre Begabung Realität geworden. 
Shawnodese arbeitet seit 1979 bei Sun Bear. Das Verständnis von und die Beschäftigung mit Träumen war seit seiner Kindheit ein Teil 
seiner Medizin. Mittels seiner Träume hat er zur Entwicklung von Sun Bears Schulungsprogramm beigetragen und im Rahmen dieses 
Programms, aber auch in anderem Zusammenhang, viele Workshops über Traumarbeit geleitet. 
Shawnodese ist darüber hinaus auch ein Heiler für Körper und Geist. 
Sun Bear, Wabun und Shawnodese haben andere Lehrer eingeladen, sich ihrem Traumkreis anzuschließen und ihre Erfahrung hinsichtlich 
der Traumzeit beizusteuern. Luke Blue Eagle, ein junger Mann, der ein Jahrzehnt bei Sun Bear lernte, sitzt im Traumrat. Er unterrichtet jetzt 
einige Schüler. Er kommt aus dem Nordland, aus Kanada, und vermag sich gut in die Welt der Träume einzufühlen. Obwohl er Freunde in 
Spokane hat, die er besuchen möchte, wird er den überwiegenden Teil der fünf Tage unterrichten. 
Steven Foster wird nur heute und morgen abend bei uns sein. Als Leiter der School of Lost Borders vermittelt er den Menschen sein Wissen 
über Rituale in der Wildnis und Initiationszeremonien. Steven hat schon viele Menschen in diesen Ritualen unterwiesen und auch mehrere 
Bücher über solche Prozesse geschrieben. Auch er ist eigentlich hier, weil er ein paar Freunde besuchen will, aber er wird später 
wiederkommen, um uns zu helfen. 
Großmutter Twylah Nitsch gehört zur Lehrerloge des Wolfclans. Sie hat Wabun durch ein Tonbandinterview, das Wabun im Verlauf der 
Versammlung vorstellen wird, teilhaben lassen. In den achtzig Jahren, die Twylah nun auf der Erde geht, hat sie die Gelegenheit zu vielen 
Träumen gehabt und etliche davon wahr werden sehen. Sie vermochte zahlreichen Menschen dabei zu helfen, die Träume, die zu ihnen 
gekommen sind, zu verstehen. 
Brooke Medicine Eagle hat ihre Lehren ebenfalls mittels Tonbandinterview mit Wabun geteilt. Diese Schwester, eine Erdbewahrerin und 
Heilerin, weiß, wie man sich von seinen Träumen führen lassen kann und fähig ist, die Traumaktivität in anderen Menschen anzuregen. 
Page Bryant, Sun Bears erster Schüler und nun seit zwanzig Jahren Lehrer und Schriftsteller, hat schon früher mit Wabun eine Reihe von 
Geschichten aufgezeichnet, die Studien über das Traumleben des Menschen entspringen. 
Eine internationale Gruppe von Schülern, die gekommen ist, um besser mit der Traumzeit umgehen zu lernen, wartet gespannt darauf, was 
die Lehrer, sowohl jene im Kreis als auch die, welche vom Band sprechen, zu sagen haben werden. Von den dreißig Anwesenden haben 
achtzehn zuvor in der freien Natur gefastet, fünf von ihnen geleiten andere in der Wildnis durch den Initiationsprozeß. Elf Teilnehmerstammen aus Europa, zwei aus Kanada, während der Rest in den Vereinigten Staaten beheimatet ist. Zwei der Schüler arbeiten als Ärzte, 
sieben sind Therapeuten oder in der Lebensberatung tätig, einer ist Pfarrer. 
Es ist ein guter Kreis von Menschen. Alle Lehrer haben sich zuvor die Zeit genommen, zu träumen und in der Wildnis nach Visionen zu 
suchen – wie auch die meisten der übrigen Anwesenden. 
Aber die Lehrer und Schüler sind nicht die einzigen in diesem Kreis. Die Geistkräfte, die Traumbewahrer, weilen ebenfalls unter uns. Sie 
werden ihre Geschichte zwischen den Worten, die ihr hören werdet, erzählen und euch vielleicht zu einem neuen Leben gelebter Träume 
führen. 
Wabun nimmt das Redeholz auf und beginnt zu sprechen. »In einer Zeit, die so lange zurückliegt, daß die meisten Menschen sie völlig 
vergessen haben, lebten wir alle in der Traumzeit. Es spielte keine Rolle, ob wir wach waren oder fest schliefen. Wir wußten alle, woher wir 
kamen, wer wir waren und wohin wir gehen würden. Mit offenen Augen konnten wir so viel Schönheit sehen und spüren, wie sie die meisten 
Menschen heute nur im Schlaf mit geschlossenen Augen wahrzunehmen imstande sind. 
Wir konnten fliegen, mit den Tieren sprechen, verstehen, was sie uns antworteten. Wir konnten zu den Göttern gehen; wir konnten das 
Wasser teilen. Wir konnten ganz und vollständig lieben. Wir konnten uns versammeln, chanten, tanzen, die Trommel schlagen. Wir konnten 
erbauen, wir konnten gebären. Wir konnten die Schönheit der Mutter Erde fühlen. Wir lebten im heiligen Netz des Lebens. 
Es gab nur zwei Dinge, zu denen wir nicht in der Lage waren: Wir konnten nicht denken und sprechen. Aber es bestand auch keine 
Notwendigkeit für die Sprache. Was ich fühlte, das wußtet ihr. Und was ihr wußtet, das fühlte ich in mir. Wir vermochten auf eine solch 
vollkommene Weise miteinander Verbindung aufzunehmen, daß, wenn einer von uns ein Bedürfnis hatte, wir anderen ihm die erforderliche 


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Unterstützung gaben. War das Bedürfnis das Alleinsein, so konnten wir anderen uns zurückziehen. War das Bedürfnis die Unterstützung, so 
konnten wir anderen uns nähern. Hieß das Bedürfnis Ekstase, so konnten wir übrigen an der Freude teilhaben. Kam das Bedürfnis von einer 
unserer Schwestern oder von einem unserer Brüder aus dem Tierreich, so konnten wir das geben, was gebraucht wurde. Wenn eine Pflanze 
Probleme hatte, so versuchten wir, Abhilfe zu schaffen. 
Wenn das Gleichgewicht der Erde bedroht war, so trafen wir uns gemeinsam, um die Harmonie wiederherzustellen. 
Und die Zeit verstrich. Mit dem Vergehen kam der Wandel. Wir erkannten, daß wir allein waren. Wir erkannten den Unterschied zwischen 
dein und mein. In kürzester Zeit begannen wir nachzudenken. Und unsere Gedanken vergrößerten den Abstand zwischen uns. Als dies 
geschah, trennten wir uns auf eine Weise voneinander ab, wie es noch nie zuvor geschehen war. Wir begannen zu bewerten und zu messen. 
Gedanken waren anders als die Art von Kommunikation, die wir bis dahin gepflegt hatten. Jeder Gedanke war so einzigartig, daß unsere 
Einheit niemals wieder dieselbe war. Obwohl wir miteinander zu fühlen und zu träumen vermochten, konnten wir doch nicht wirklich 
miteinander denken. Einheit schien nicht in der Natur des Denkens zu liegen. 
Die Zeit verstrich weiter. Die Töne, die wir in der Vergangenheit hervorgebracht hatten, um Mutter Erde und die ganze Schöpfung zu ehren, 
veränderten sich. Statt der Töne der Gemeinschaft brachten wir nun die Worte der Einzigartigkeit hervor. Indem wir sie sprachen, schufen 
wir eine noch größere Distanz zwischen uns. Die Worte klangen zwar gleich, waren es aber nicht. Sie alle enthielten die gefühlsmäßige 
Bedeutung, mit der die sprechende Person sie versah. Obwohl wir meinten, uns in der gleichen Sprache zu verständigen, war dies niemals 
der Fall. 
Indem wir zu reden begannen, begriffen wir auch besser die Veränderungen, die sich ereignet hatten. Wir erkannten den Unterschied 
zwischen dem Wachzustand und dem Schlaf. Wir verloren unsere Gabe, mit den Tieren zu sprechen oder zu verstehen, was sie uns mitteilen 
wollten. Wir konnten die Pflanzen oder die Mineralien oder die Elemente nicht mehr wie zuvor erspüren, es sei denn, wir schlossen die 
Augen. Ein Teil von uns sehnte sich nach der früheren Gemeinschaft. Doch nur mit geschlossenen Augen kamen wir diesem Gefühl des 
Einsseins näher. 
Eines Tages drückte ein junges Mädchen etwas in ihren Worten aus, was keiner zuvor versucht hatte. Sie benutzte sie, um zu versuchen, 
dieses Gefühl von Einssein zu beschreiben, das sie zuvor bei geschlossenen Augen empfunden hatte. Sie benutzte sie, um anderen von ihren 
Träumen zu erzählen. 
>Was soll das heißen?< wunderten sich all die anderen zweifelnd. >Wie sollte diese Junge wie ein Vogel fliegen können? Wie sollte sie 
fähig sein, zu den Sternen und den Herzen der Tiere zu sprechen?< 
Sie aber forderte ihr Volk auf: >Schließt nur für einen Augenblick eure Augen und erinnert euch.< Und das taten sie. Sie riefen sich ins 
Gedächtnis zurück, wie sie im Schlaf mit den Tiere gesprochen hatten, wie sie eins mit dem, was sie jetzt als Gott kannten, gewesen waren. 
Sie erinnerten sich daran, wie es sich anfühlte, das ekstatische Glück des Einsseins zu erleben, das Wunder wahrer Gemeinschaft, die 
Leidenschaft jenseits der Leidenschaft von vollkommener Liebe. Sie erinnerten sich, und sprachen. Und indem sie dies taten, verwoben sie 
diese andere Realität mit jener, die nun ihr Alltagsleben ausmachte. Und sie wußten, daß es gut war. 
Die Zeit eilte dahin. Manche Menschen dachten daran, von ihren Träumen zu sprechen, andere vergaßen es. Einige Kulturen brachten der 
Macht der Träume Achtung entgegen, andere fürchteten sie. Das junge Mädchen wurde viele weitere Male geboren - manchmal als junger 
Mann, dann wieder als junge Frau. Immer war es ihr Schicksal, über das Wunder der Träume zu sprechen. Stets begegneten ihre Worte den 
negativen Gefühlen jener Menschen, die ihre Traumzeit verleugneten. Aber jene, die sich noch dessen bewußt waren, was ihre Herzen in der 
Realität ihrer Träume gefühlt hatten, hörten ihr beglückt zu. Diese Menschen fanden mehr Glück im Leben und verspürte weniger Angst vor 
dem Tod. Manchmal waren jene, die sich erinnerten, zugleich die Propheten, dann die Verkünder der Wahrheit, hin und wieder die 
Verfolgten. Immer jedoch verkündete sie ihre Wahrheit, und indem sie dies taten, halfen sie den Menschen, sich zu erinnern und somit zu 
leben. 
Vielleicht ist dieses junge Mädchen, das in einem männliche oder weiblichen Körper lebt, jemand, den ihr heute kennt. Möglicherweise ist 
sie eure Lehrerin, Großmutter, Frau, euer Kind. 
Diese junge Frau - und ihr Bruder aus der Traumzeit - ist sehr lebendig in unserer Zeit, und sie versucht zu lehren, daß wir das heilige Netz 
des Lebens flicken müssen, wenn das Leben weitergehen soll. Wir dürfen uns nicht nur unsere Individualität vergegenwärtigen, sondern auch 
unseren gemeinsamen Kern. Wir müssen neu erlernen, den Tieren, Pflanzen und allen Teilen des heiligen Netzes des Lebens zuzuhören. 
Kommt nun, Brüder und Schwestern, und laßt euch von diesem Traumkreis darin unterstützen, euch zu erinnern«, schließt Wabun und reicht 
das Redeholz an Sun Bear zurück. 
»Es ist gut, Schwester, ho!« sagt er. »Nun laßt uns alle zu Bett gehen und sehen, welche Träume heute nacht zu uns kommen.« 

Die Weisheit des Traums 

Die Menschen erwachen mit einem Gefühl der Vorfreude an diesem ersten Tag, der ganz und gar von der Traumratsversammlung bestimmt 
sein wird. Es ist ein heller, klarer und frischer Herbstmorgen, der von den Donnerwesen und vom Regen der vergangenen Nacht gereinigt 
wurde. Die Magie des Berges fängt -wie immer -an auf jene Teilnehmer zu wirken, die noch nicht hier waren. Viele stehen früher als 
gewohnt auf, um bei einem Spaziergang die Energie des Ortes und auch der Kiefern, die den Bereich, wo das Langhaus steht, zu beschützen 
scheinen, auf sich einwirken zu lassen. 
Die Lehrer haben sich darauf geeinigt, daß es keine feste Anfangs- und Endzeiten für die Traumratsversammlung gebe soll. Da dies eine Zeit 
des Nachdenkens über die Traumzeit ist und diese sich nicht nach der normalen Uhrzeit richtet, haben die Lehrer beschlossen, daß ihr 
Material seinen Zweck am besten erfüllen kann, wenn die Teilnehmer spazierengehen, reden sich gegenseitig beeinflussen und auch von der 
Magie des Berges beeinflußt werden. Außerdem bietet sich auf diese Weise auch Lehrern die Gelegenheit, sich des einen oder anderen 
Spaziergangs auf dem Vision Mountain zu erfreuen. 
Nachdem alle ihr Frühstück beendet haben, schlägt Sun Baer vor, die Morgenversammlung doch im Freien abzuhalten, um die Helligkeit 
und Wärme von Vater Sonne auszunutzen, bevor er zu hoch in den Himmel steigt. Es ist noch nicht besonders warm, und doch scheinen sich 
alle wohl zu fühlen, während sie mit leichten Jacken bekleidet in der Sonne sitzen. 
Sun Bear nimmt das Redeholz auf und erinnert seine Zuhörer daran, daß derjenige, der es hält, das Recht hat zu sprechen und alle übrigen 
solange schweigen müssen. Dann beginnt er: »Ich bin ein Träumer. Träumen ist meine stärkste Medizin, und auch ein großer Teil meiner 
übrigen Medizin kommt zu mir in meinen Träumen. Ich erfreue mich daran genauso, wie ich mich auch mit den Geistern oder Geistwesen 
gut fühle. Ich habe immer eine Kladde an meinem Bett, damit ich die guten Ideen aufschreiben kann, die durch meine Träume zu mir 
kommen. Das könnt auch ihr tun. Wenn mich Leute manchmal fragen, woher ich meine hervorragenden Ideen habe, dann antworte ich 
ehrlich: >Ich erträumte sie mir.< 
Für mich ist die Traumzeit eine Phase, in der wir mit den Geistwesen Kontakt aufnehmen. Sie ist eine Zeit, die wir uns freihalten, in der wir 
uns nicht von all der Eile und Hektik des Alltags beeinträchtigen lassen. Es ist möglich, sich zu Bett zu begeben und um starke Träume zu 
beten, um Träume, die uns berichten, was sich in der Welt ereignet; Träume, die uns in unterschiedliche Teile des Universums tragen, damit 
wir durch Dinge lernen können, die in unserem Leben und in unserem Verstand bisher noch nicht vorgekommen sind. 
Wir Ureinwohner von Nordamerika hatten immer das Gefühl, daß bestimmte Geistwesen uns besuchen. Dies sind Geister, die uns führen 
und beschützen. Manchmal ist es für sie leichter, zu uns zu kommen, während wir schlafen. Also beten wir darum, daß sie kommen mögen, 
und wenn sie uns hören, dann weisen sie uns auf sehr machtvolle Weise die Richtung und belehren uns. 


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Es gibt unter den Indianerstämmen der westlichen Vereinigten Staaten viele, in deren Gemeinschaft der Traum eine entscheidende Rolle 
spielt. Häuptling Joseph zum Beispiel entstammt einer sehr mächtigen Gemeinschaft von Träumern. Und unter den anderen Stämmen war 
Wovoka von den Paiute ein Prophet und großer Träumer. Wie viele Indianer verließ er sich weitgehend darauf, daß seine Träume ihn lehrten 
und ihm Wissen schenkten. 
Die australischen Aborigines sagen, daß ihre Geschichte seit über vierzigtausend Jahren in der Traumzeit andauert. Sie erträumen sich sogar 
ihre Kinder, bevor sie geboren werden. Sie erträumen, ob es Mädchen oder Jungen werden sollen; wie diese aussehen und welche 
Verhaltensweisen für sie typisch sein werden. Die Aborigines glauben daran, daß die ganze Schöpfung träumen kann. Vor einiger Zeit gab es 
einen Film, der >Wo die grünen Ameisen träumen< hieß. In ihm wurde gezeigt, wie australische Aborigines in großer Zahl dagegen 
protestierten, daß eine Minengesellschaft Uranabbau in einer Gegend betrieb, von der die Aborigines glaubten, daß dort die grünen Ameisen 
träumen. Sie wußten, daß die Schädigung dieses Gebietes der Beeinträchtigung der gesamten Natur gleichkommen würde. 
Wenn junge Aborigines ein bestimmtes Alter erreichen, dann ziehen sie hinaus auf einen Walkabout. Dies geschieht in einem heiligen 
Gebiet, wie zum Beispiel in der Umgebung des Uluru oder Ayers Rock, die lange Zeit bevorzugt wurde. Auch jetzt noch ernähren sie sich 
völlig auf die alte Weise von ihrem Land. Sie leben von, wie sie es nennen, "Bushtucker", also einfach von dem, was die Landschaft ihnen 
freiwillig gibt. Sie erjagen sich ihr Essen. Auf ihren Reisen wandern sie von einem Traumort zum nächsten. Sie gehen an jeden dieser Plätze 
und beten. Wie ich bereits erwähnt habe, ist der Uluru für die meisten Aborigine-Stämme ein sehr bedeutender Traumort. Bei ihren 
Wanderungen auf ihren Traumpfaden suchen sie alle möglichen heiligen Plätze auf. Ihre jungen Männer beten zu den Geistern, daß sie zu 
ihnen kommen mögen, um ihnen neues Wissen zu schenken. 
»Die Aborigines sind ungemein erfahren darin, wie man willentlich über jemanden oder über etwas träumen kann, und sie können im Traum 
die äußeren Umstände einer Person verändern oder ihre Gesundheit verbessern. Einige Aborigines, die ich kennengelernt habe, erzählten mir 
von einem Mann, der in einem bestimmten Gebiet ein Einkaufszentrum errichten wollte. Dann erfuhr er, daß an dieser Stelle die alten 
Männer zusammenkamen, um zu träumen. Also gab er seinen Plan auf, damit sie dort weiterhin träumen und beten konnten. Der Traum ist 
ein sehr wichtiger und respektierter Teil der australischen Kultur.« 
Als Sun Bear das Redeholz niederlegt und damit andeutet, daß er für den Augenblick genug geredet hat, bittet Luke Blue Eagle darum, es als 
nächster aufnehmen zu dürfen. Nachdem es zu ihm durchgereicht worden ist, beginnt er zu sprechen. 
»Traumwelt und Traumarbeit waren schon immer ein Teil der Ausbildung sämtlicher Medizinmänner und Schamanen, und sie sind auch 
Bestandteil aller Belehrungen. Wie die australischen Aborigines vermitteln viele nordamerikanische Indianerstämme die Geschichte ihrer 
Völker über die Traumzeit. Zum Thema Walkabout möchte ich gerne ergänzend hinzufügen, daß sie in den Träumen direkt durch die 
Vorfahren als Bestandteil ihres Vermächtnisses gelehrt werden. Dies ähnelt der ursprünglichen Betrachtungsweise der amerikanischen 
Indianer. Zu träumen war ein fester Bestandteil des Alltagslebens; nach dem Aufwachen besprach man seine Träume mit der Familie. Und 
die Menschen wußten von der Existenz unterschiedlicher Typen und Qualitäten von Träumen, daß es ernste Träume gibt und solche, die 
ohne tiefere Bedeutung sind. Unglücklicherweise ist der heutigen Gesellschaft dieses Wissen verlorengegangen. Aber früher hatten alle 
Mitglieder der Stammesgesellschaften Zugang zu dem Wissensschatz, der in der Traumwelt enthalten ist. Also wurde auch jeder als eine Art 
Autorität in Sachen Leben und spirituelle Angelegenheiten betrachtet, da ja jeder träumen konnte. 
Die Traumphase wurde als die wahre Realität angesehen, während der Wachzustand, das alltägliche Leben für viele Menschen, nur eine 
Illusion war. Die nordamerikanischen Ureinwohner betrachteten die Traumwelt als die wirkliche Welt, die tatsächlich der schöpferische 
Aspekt des Seins für sie war. Sie glaubten daran, daß das, was wir in der Traumwelt tun, unsere Handlungen im Wachzustand auf direkte 
Weise beeinflußt. Sie waren davon überzeugt, daß die Traumwelt oder die Traumzeit unmittelbare körperliche Konsequenzen nach sich 
zieht, daß das, was man in der Traumwelt tat, einem Schöpfungsakt für den körperlichen Bereich gleichkam. Sie meinten sogar, daß wir alle 
Bestandteil eines großen Traums seien, des Schöpfertraums, und daß auf diese Weise die Welt, in der wir leben, zustande kommt. 
Konsequenterweise gingen sie davon aus, daß man die Traumwelt über Dinge befragen kann, von denen man nicht weiß, ob sie wahr sind 
oder nicht. Und daß man den Antworten aus der Traumwelt stets vertrauen kann, während dies bei den Antworten, die uns unser 
Wachbewußtsein gibt, nicht immer der Fall ist. Ich glaube, daß dies auch heute noch gilt. 
Wenn Menschen mir von ihren Träumen erzählen, dann sind die Symbole, die darin am häufigsten vorkommen, Tiere. Ich meine, der Grund 
hierfür muß der sein, daß wir zum Tierreich eine engere Verbindung haben als zum Pflanzen - oder Mineralienreich. Die Tiere sprechen auf 
eine Weise zu den Menschen, die sehr erfrischend und wichtig für sie ist. Tiere haben eine Art zu leben, die einfach und äußerst stark auf den 
Augenblick bezogen ist. Diese Fähigkeit haben wir verloren, und wir sind unserer wahren Natur entfremdet, weil wir mit uns nicht im 
Augenblick sind. Was uns die verschiedenen Tiere lehren, hilft zu verstehen, wer wir auf einer viel grundlegenderen und einfacheren Ebene 
tatsächlich sind - eine Erfahrung, zu welcher der heutige Mensch zurückfinden muß. Also, wenn ich mit einzelnen Personen und ihren 
Träumen arbeite, dann fallen mir die darin vorkommenden vielen Tiere auf. Oft unterstützen sie die Person weitgehend darin, ein 
grundlegenderes und einfacheres Verständnis von ihrer Identität zu erlangen.« 
Wabun bittet als nächste um das Redeholz. »Diejenigen, die mit ihren Träumen zu mir kommen, berichten oft von Symbolen in Tiergestalt. 
Manchmal sind es auch Wesen aus dem Pflanzen - oder Mineralienreich, vor allem solche, die mit dem Medizinrad zu tun haben. Ich freue 
mich immer darüber, wenn Wesen aus den anderen Reichen der Schöpfung Menschen in ihren Träumen besuchen. Es ist so wichtig für den 
Menschen von heute, daß er die Notwendigkeit, wieder in die Harmonie des heiligen Lebensrades zurückzufinden, erkennt und begreift, daß 
Menschen auf diesem Planeten nicht die einzigen Lebewesen sind. Ich versuche jene, die ich unterrichte, immer daran zu erinnern, daß für 
die meisten Völker, mit denen ich mich befaßt habe, das Menschenreich nur eines unter anderen Reichen auf dieser Erde ist. >Reich< ist kein 
gutes Wort, aber ich muß erst noch ein besseres finden. 
Stammesgesellschaften überall auf der Welt scheinen schon immer geglaubt zu haben, daß die ersten Lebewesen auf der Erde die Mineralien 
beziehungsweise die Elemente waren: Erde, Wasser, Feuer und Luft. Die Elemente wurden als sehr unabhängig angesehen, weil sie die 
einzigen sind, die ohne die anderen Reiche der Schöpfung auf der Erde auskommen. Stammesgesellschaften empfanden auch die Pflanzen 
als sehr unabhängig, weil sie lediglich der Hilfe der Elemente bedürfen. Die Tiere lebten für sie in größerer Abhängigkeit als die Elemente 
und die Pflanzen, da sie ohne beide nicht existieren können. Und sie sahen die Zweibeiner, die Menschen, in der größten Abhängigkeit, weil 
es ihnen nicht möglich ist, ohne die Hilfe der anderen drei, der Elemente, der Pflanzen und der Tiere, zu überleben. Deshalb gefällt mir das 
System des Medizinrades so gut: Es lehrt die Menschen, die anderen drei Schöpfungsreiche auf der Mutter Erde zu respektieren. 
Als ich darüber mit unserer Schwester Page Bryant, die nicht bei uns sein kann, aber trotzdem ihren Beitrag zur Traumratsversammlung 
leisten wollte, sprach, da erzählte sie mir eine gute Geschichte über die Wesen des Tierreiches.« 
»Wabun«, ertönt Pages Stimme vom Tonband, »ich möchte dir eine Geschichte erzählen, die ich gehört habe, als ich die Skidi-Pawnee 
studierte. Skidi bedeutet Wolf, sie sind also innerhalb der Nation der Pawnee auf den Great Plains der Wolfsclan. Was seine handelnde 
Wirkung betrifft, so ist dieser Clan heute ausgestorben. Ich denke an ihn meist als den Sternkult der Great Plains: wegen seines großen 
Wissens über die Sterne und seinen vielen mit diesen in Zusammenhang stehenden Zeremonien. Die Kosmologie des Clans war derart stark 
mit den Sternen verknüpft, wie ich das bisher bei keiner einzigen anderen Stammesgesellschaft, über die ich gelesen habe, feststellen konnte. 
Die Skidi-Pawnee glauben, daß die Erde ohne Leben war, als sie aus der Verbindung zwischen dem Morgen-und dem Abendstern 
hervorging. Dann stiegen die Tiere, die eigentlich Sterne waren, auf die Erde hinab, und der Schöpfer lehrte sie all ihr ursprüngliches 
Wissen. Als die Menschen kamen, da lebten die Tiere schon hier; also waren die Tiere die Lehrer der Menschen. 
Eines ihrer heiligen Dörfer namens Pa'huk - das bedeutet Kürbisrankendorf - lag an der Stelle, wo sich Platte, Loop und Republican River 
treffen. Die Skidi-Pawnee glaubten, daß sich tief unter dem Steilufer des Republican River, weit unterhalb der Wasseroberfläche, die Hütte 
der Tiere befand. Hier lebte von jeder Tierart eines und ein Mensch. Der einzige Weg, der für den Menschen in die Hütte der Tiere führte, 


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war der über die Träume. Wenn es einem gelang, so wurden ihm die traditionellen Belehrungen und vielleicht auch Prophezeiungen und 
Zeremonien zuteil. In der Skidi-Pawnee-Tradition gibt es eine berühmte Geschichte über einen Jungen, der sich in die Hütte der Tiere 
träumte. Er kam zu den Menschen seines Stammes zurück und ließ sie an den Weisheiten teilhaben, welche ihm auf die Art der Tiere 
geschenkt worden war. 
Pahuk liegt außerhalb der Stadt, die heute Omaha genannt wird. Es heißt, daß über der Stelle, wo die Hütte der Tiere stand, eine große Zeder 
wuchs. Der Baum soll immer voll von Vögeln gewesen sein: Habichte, Krähen und Zaunkönige – die unterschiedlichsten Vogelarten. Noch 
heute behaupten die älteren Menschen dieser Gegend, daß es dort einen Baum gibt, in dem immer ungewöhnlich viele Vögel sitzen.« 
Sie hören nun auf dem Band, wie Wabun an Page die Frage richtet, ob es ihrer Meinung nach einen Unterschied zwischen der Traumzeit und 
dem Wachbewußtsein gebe. 
»Ja und nein«, antwortet Page. »Es ist offensichtlich, daß hinsichtlich des Bewußtseinszustandes, in dem man sich befindet, Unterschiede 
bestehen. Doch ich meine, daß die Informationen und die Führung, die wir durch den Traum erhalten, von der gleichen Qualität sind wie 
jene, zu der wir im sogenannten intuitiven oder im Alpha-Zustand finden. Aber ich persönlich finde auch, daß der Traumzustand für mich 
realer ist - einfach deshalb, weil bei ihm das Ich keine Rolle spielt. Für mich ist also die Traumzeit eine Arena der Wahrheit in meinem 
Bewußtsein.« 
Wabun stellt den Kassettenrecorder ab und fügt noch einmal betonend hinzu, daß sie den Traumzustand als eine ganz besondere Zeit 
erachtet, da Menschen in ihm sowohl die Wahrheit über sich selbst als auch über das Universum erfahren können. Sie fährt fort, indem sie 
sagt, daß es für sie wichtig sei, daß die Menschen die Wahrheit über sich selbst erkennen, damit das, was sie für universelle Wahrheiten 
halten, nicht von ihrer Fehleinschätzung verfärbt wird. 
Shawnodese bittet darum, etwas ergänzend bemerken zu dürfen, und das Redeholz wird an ihn weitergereicht. »Die meisten Traumseminare, 
die ich geleitet habe«, sagt er, »standen im Zusammenhang mit der Beschäftigung, mit der Philosophie und der Lebenseinstellung der 
amerikanischen Indianer. Ich bediene mich oft einer sehr psychologischen Herangehensweise bei dem Material, mit dem ich arbeite. So 
überrascht es mich kaum, wenn Seminarteilnehmer mich manchmal fragen: >Was hat all dieser psychologische Kram mit schamanischen 
Träumen, mit Medizinträumen, mit Visionen zu tun? Ich möchte, daß du mir beibringst, wie ich bedeutsame Träume haben kann, in denen 
ich Geistwesen als Verbündete gewinne, die mit mir an meiner persönlichen Medizin arbeiten und an der Entwicklung meiner persönlichen 
Macht.< Ich nehme an, viele von euch in diesem Traumrat beschäftigt vielleicht genau die gleiche Frage. 
Im allgemeinen eignet der Einstellung von Menschen, die spirituelle Wahrheiten zu verstehen suchen oder spirituelle Praktiken lernen 
wollen, die ihnen eine größere Bewußtheit über sich selbst und eine stärkere Verbindung zur Erde ermöglichen, ein Element, das ich als 
außerordentlich verblüffend empfinde. Von einem neugeborenen Baby erwartet niemand, daß es im Boston Marathon mitläuft. Zunächst 
muß das Baby lernen, sich auf den Bauch zu drehen, zu robben und zu krabbeln. Dann steht es auf und macht die ersten zögernden Schritte, 
wobei es viele Male hinfällt. Danach geht es sicherer. Und schließlich lernt es zu rennen, zu hüpfen und zu springen. Diese stetig 
zunehmende Meisterung der Erdanziehungskraft ist nur möglich, weil Stärke und Geschick sich gleichermaßen entwickeln können. Und 
doch leiden spirituell Suchende häufig unter der falschen Vorstellung, daß sie sofort wundersame Resultate erzielen müssen. 
Mit Ausnahme wirklich begabter und glücklicher Individuen trifft dies für die Mehrheit jedoch einfach nicht zu. Selbst der Begabteste 
benötigt eine Ausbildung - die Muskulatur muß gestärkt und das Talent gefördert werden. In dieser Hinsicht verläuft jede Entwicklung 
gleich. Bevor man rennen, springen und tanzen kann, muß man zunächst wissen, wie man sicher auf zwei Beinen geht. 
Das ist der Grund, warum ich als ersten Schritt in der Traumarbeit Informationen zur Verfügung stelle, die man als >psychologisch< 
bezeichnen könnte. Solange man nicht eine psychisch einigermaßen ausgeglichene Persönlichkeit ist, wird emotionaler Abfall den Träumen 
fortgesetzt eine andere Färbung geben und sie verschmutzen. Dies kann es mitunter fast unmöglich machen, täuschende, egoistische 
Wunscherfüllungen von wirklichen Medizinträumen zu unterscheiden. Die Aufforderung >Erkenne dich selbst!< gilt wahrscheinlich in 
direkterem Maße für das Studium der Traumzeit als für irgendeinen anderen Aspekt des Lebens. Erst wenn man sich tatsächlich selbst 
einschätzen kann, ist es möglich, den außerordentlichen Aspekt des Geschenks eines Geistwesens von den bizarren, einander 
widersprechenden, psychologischen Aspekten eines Traums zu unterscheiden. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß ein Traum gleichzeitig 
sehr starke Elemente psychologischer und spiritueller Natur enthält. Aber nur, wenn man sich selbst kennt, kann man die einzelnen 
Traumelemente herauslösen und entsprechend auf sie eingehen. 
Wenn ihr spirituell bedeutsame Träume haben wollt, dann schafft euren emotionalen Abfall beiseite. Man kann vor sich selbst nicht 
davonlaufen, nicht einmal in seinen Träumen. Aber durch seine Träume und die Arbeit mit ihnen kann man sich steigern und entwickeln.« 
Als der Kreis nach einer kurzen Pause wieder zusammenkommt, nimmt Shawnodese erneut das Redeholz auf und sagt: »Während einer 
Unterbrechung begrüßten wir alle den Vorschlag, uns jetzt ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um uns einander gegenseitig im Kreis 
vorzustellen. Wir sind heute morgen so sehr von unserem Stoff vereinnahmt worden, daß uns gar keine Zeit für eine Einführung blieb. Jetzt 
hätten wir gerne eure Namen erfahren und wo ihr herkommt, womit ihr euren Lebensunterhalt bestreitet und ihr euch in der Hauptsache 
beschäftigt, wenn es mit eurem Beruf nicht identisch ist, und euer Medizinradtotem nennt, wenn ihr es wißt.« 
Shawnodese reicht dann das Redeholz an die Person, die rechts neben ihm sitzt, und es wird von Teilnehmer zu Teilnehmer im Kreis herum 
weitergegeben, bis jeder die Informationen beigesteuert hat, um die Shawnodese gebeten hat. Personen aus helfenden Berufen bilden die 
Mehrheit: sieben Therapeuten beziehungsweise in der Lebensberatung Tätige, fünf Teilnehmer, die andere bei einer Visionssuche begleiten, 
zwei Ärzte und ein Pfarrer. Ebenfalls anwesend sind vier Studenten, zwei Hausfrauen, ein Rentnerpaar, zwei kaufmännische Berater, drei 
Sekretärinnen, ein Buchhalter und ein Arbeitsloser. Die Geburtstage von neun der Teilnehmer fallen auf Medizinradposition 
Schmetterlingsclan beziehungsweise auf das Luftelement, acht auf die Position des Donnervogelclans, sieben auf jene des Froschclans und 
sechs auf die des Schildkrötenclans. Wabun bemerkt dazu, daß es sich um eine Gruppe handelt, die sehr begierig darauf ist zu sprechen und 
dabei sehr inspiriert und aufgeregt ist, und daß sie dabei das Bedürfnis verspürt, sich emotional zu öffnen und es lernt, sich zu erden. Wabun 
ahnt, daß hier mehr Stoff zu verarbeiten sein wird, als es im Rahmen der zur Verfügung stehenden Zeit überhaupt möglich ist, und daß jeder 
Teilnehmer das Bedürfnis hat, sich dessen zu versichern, daß der Bereich, der ihn am meisten interessiert, auch zur Sprache kommen wird. 
»Da ich gerade das Redeholz habe«, sagte Wabun, »würde ich gerne noch ein paar Minuten über die Traumarbeit der Senoi in Malaysia 
reden. 
Mir ist klar, daß es eine Kontroverse über die Gültigkeit der Studien bezüglich der Senoi-Traumarbeit gibt. Aber wie immer auch die 
Wahrheit in dieser Sache aussehen mag -es ist eine faszinierende Theorie, die vielen Menschen geholfen hat, ihre Träume besser zu 
verstehen und sinnvoller mit ihnen zu arbeiten. 
Wie die Aborigines in Australien, so glauben auch die Senoi, daß Träume real sind und daß der Traum, den jemand hat, beendet und 
fortgeführt werden kann und muß, damit der Träumer Wissen erlangt, das sowohl für ihn als auch die übrigen Mitglieder seines Stammes 
von Nutzen ist. 
Die Anthropologen sagen, daß die Senoi ein sehr friedliebendes Volk sind, das kaum von Ängsten oder Krankheiten befallen wird und bei 
dem es die letzten Jahre keine Gewaltverbrechen gegeben hat. Die Anthropologen machen für diese Tatsachen unter anderem dieTraumarbeit der Senoi verantwortlich (Siehe Anhang, 2. Übung). Sie sagen, daß ihre Traumarbeit es ihnen gestattet, sich von Ängsten zu 
befreien, die sonst Disharmonie hervorrufen würden. Die Senoi glauben unter anderem daran, daß alle angenehmen Träume etwas zu geben 
haben, das auch für die Gruppe schön oder nützlich ist. 
Es heißt, daß die Senoi schon mit ihren Kindern Traumarbeit machen, um sicherzugehen, daß diese wissen, wie sie sich in ihren Träumen 
verhalten sollen. Zunächst ermutigen sie ihre Kinder dazu, sich an Träume zu erinnern. Dies tun sie vor allem durch ihr eigenes Beispiel, 
wenn sie jeden Morgen ihre Träume besprechen. Sie bringen ihren Kindern auch bei, die Handlung ihres Traums zum Abschluß zu bringen. 


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Wenn ein Senoi-Kind zum Beispiel Angst bekommt und aufwacht, dann wird es von den Erwachsenen ermuntert, sich zu entspannen und 
das Fallen in dem Wissen zu genießen, daß es, unten eingetroffen, auf ein Geschenk treffen wird, das für das Kind oder sein Volk bestimmt 
ist. Oder aber sie fordern das Kind auf, während des Falls mit dem Fliegen zu beginnen, bis es zu jemandem oder zu etwas gelangt, der oder 
das ein Geschenk für das Kind oder den Stamm bereithält. 
Wenn ein Kind von einem Monster oder einer ähnlich bedrohlichen Figur träumt, dann fordern die Senoi es auf, auf der Stelle zu verharren, 
das Wesen anzusehen und es um ein Geschenk für sich oder sein Volk zu bitten, anstatt fortzulaufen. Sie helfen dem Kind, den Wachzustand 
als Fortsetzung der Traumphase zu begreifen, indem es das Geschenk, das im Traum zu ihm gekommen ist, szenisch darstellt. Wenn also 
zum Beispiel ein Kind im Traum ein Lied hört, dann ermuntern es die Senoi, das Lied der ganzen Gruppe vorzusingen. Oder wenn es einen 
Tanz gelernt hat, dann wird das Kind aufgefordert, dessen Schrittfolge allen anderen zu zeigen. 
Wegen dieser Arbeit mit Kindern und Träumen werden Träume nicht zu einem angstmachenden, sondern viel eher zu einem wunderbaren 
Teil des Lebens -zu etwas, worauf man Vorfreude empfinden kann. Ich frage mich oft, wie viele Fälle von Schlaflosigkeit, von denen 
Erwachsene in unserer Gesellschaft berichten, man heilen könnte, indem man sich jener Traumarbeittechniken bedient, von denen behauptet 
wird, daß die Senoi sie angewandt haben. 
Im Laufe der Jahre habe ich viel über Traumzustände gelesen oder mit Angehörigen der unterschiedlichsten Stämme darüber gesprochen. 
Vor allem anderen wurde mir bei diesem vielen Lesen und diesen zahlreichen Gesprächen die Tatsache bewußt, welch ein wesentlicher 
Bestandteil des Lebens der Traum für Stammesgesellschaften ist. Indem ich dir zugehört habe, Sun Bear, ist mir klar geworden, wie sehr 
Träume dem Leben eine Richtung geben können und wie sehr sich dieser Ansatz von dem unterscheidet, was wir im Rahmen unserer Kultur 
beigebracht bekommen. Als ich aufwuchs, da wurde meinen Träumen keinerlei Beachtung geschenkt, und ich kann mich nicht einmal 
entsinnen, ob ich Unterstützung oder Hilfe gegen die Alpträume, die mich dann und wann befielen, erfuhr. Folglich machte ich mir nichts 
aus meinen Träumen, und es hat lange gedauert, bis ich erkannte, daß sie in meinem Leben ein unterstützender Aspekt sein konnten. Ich 
denke, meine Erfahrung ist recht weit verbreitet und sehr traurig. 
»Als ich damit begann, meinen Träumen und Visionen Aufmerksamkeit zu widmen, da eröffnete sich vor mir eine vollkommen neue Welt. 
Ich begann zu erkennen, daß man mir in meiner Erziehung die Grenzen dieser Welt sehr eng gesteckt hatte im Vergleich zu dem, was die 
Welt wirklich zu bieten hat.« 
Nachdem Wabun geendet hat, zeigt Steven Foster an, daß er gerne als nächster das Redeholz haben würde, und es wird zu ihm gereicht. 
»Meredith und ich haben uns ebenfalls lange mit den Aborigines beschäftigt«, beginnt er. »Sie sagen, am Anfang war der Traum, und all ihre 
Zeremonien sind Versuche, in diese Traumwelt und zu diesen Träumen zurückzukehren. Mir kommt es so vor, als ob dies auch heute noch 
zutrifft - nicht nur bei Stammesgesellschaften, sondern auch bei sogenannten zivilisierten Völkern. 
Vor kurzem haben Meredith, ein paar Freunde und ich unser jährliches Visionsfasten abgehalten. Während des Fastens waren wir in einem 
Traum. Wann immer man eine Schwelle mittels eines Übergangsrituals überschreitet, tritt man in einen Traum ein, der so lange anhält, wie 
man sich in diesem besonderen Zustand befindet. Eine große Menge Materials dringt in dieser Zeit aus dem Unbewußten, aus der Dunkelheit 
und den Schatten des Inneren nach oben. Der Traum wird aus dem Unmanifestierten geboren, aus dieser fruchtbaren Quelle der Phantasie 
und Schöpferkraft. Der Traum ist ursprünglich, und doch kommt er auch aus unserer DNA. 
Ich habe mich mit der Beziehung zwischen dem, was Stammesgesellschaften Traum nennen, und dem, was Biologen als DNA bezeichnen, 
beschäftigt. Ich bin davon überzeugt, daß der Traum oder die Stimme der Ahnen auf irgendeine Weise mit dem Schauspiel der DNA, dem 
Tanz der Gene in unserem Bewußtsein, verbunden ist. Wir alle haben eine Art ursprüngliche DNA gemeinsam; wir können sie Mutter 
nennen, wenn wir das wollen. Also kommt der Traum aus der Mutter- DNA; er entstammt diesem uranfänglichen Leben, von dem wir 
weiterhin träumen. Auf diese Weise haben wir das Träumen mit allen anderen Kreaturen gemeinsam. Wir teilen miteinander den Traum vom 
Leben und vom Tod, den Traum von den Jahreszeiten. 
Ich glaube nicht nur, daß außer uns auch alle anderen Tiere bewußt existieren, sondern auch, daß sie Gefühle haben, einen psychologischen 
und, wenn man es so nennen will, einen vernunftbegabten Anteil besitzen -jedoch eine Vernunft, die nicht mit dem identisch ist, was 
Menschen darunter verstehen. Und sie führen ein ganzheitliches Dasein im Lob der Natur und der Erleuchtung. Ich möchte sagen, daß wir 
auf vielen Ebenen Leben und Tod mit all den anderen Kreaturen teilen - auch den Traum, den uranfänglichen Muttertraum. 
Ich identifiziere das Träumen mit der Großen Mutter, der großen Geberin, mit dem Weiblichen, mit den Gezeiten, mit dem Fluß der 
Menstruation. Psychoanalytiker, insbesondere wenn sie durch C. G. Jung beeinflußt sind, sehen die Nähe zwischen Traum und der Anima, 
der aufnehmenden Qualität. In der chinesischen Gedankenwelt wird der Traum mit Yin, dem Einatmen, in Verbindung gebracht. Der Traum 
ist die Vorphantasie welche die eigentliche Phantasie gebiert. Träumen heißt auch Tagträumen. Genauso ist es mit den chaotischen, 
irrationale und ozeanischen Aspekten der menschlichen Erfahrung. Also ist der Traum uranfänglich. Er ist die Dämmerung an jener Stelle, 
an der die Sonne untergeht. 
Viele Dinge ereignen sich, während man sich im Traumzustand befindet, und das meiste davon wird kaum verstanden. Träume lehren Gefühl 
und Selbstbewußtsein; sie bringen uns etwas über die Initiation bei. Der Traum ist die mittlere Phase eines Übergangsrituals: zuerst dieAbtrennung vom vorherigen Leben, dann der Übergang oder die Traumschwelle und schließlich die >Einverleibung<. Die >Einverleibung<, 
die dritte Phase beinhaltet die Vision im Gegensatz zum Traum. Die Vision steht für das, wie die Menschen mit ihren Träumen umgehen. 
Vision ist also das, was durch den Traum manifestiert wird; sie ist bewußt. Sie kommt als Traum aus dem Unbewußten. 
In eine Vision wandelt sich der Traum erst, wenn er bewußt, dargestellt, demonstriert und gespielt, wenn er mit einer Ordnung, einem Ziel 
und mit Selbstdisziplin durchgeführt wird. Wir haben schon bei vielen Menschen miterlebt, daß sie ihre Visionen zwar beschrieben, sie 
jedoch nie in die Tat umsetzten. Zur Vision gehört ein aktives Element. Ja, wir sind jetzt soweit, daß wir Vision definieren, indem wir fragen: 
>Was tust du?< Weil die Menschen doch sonst nur fortwährend über ihre Visionen reden. 
Vision ist der Traum, der in die Tat umgesetzt werden muß. Vision heißt, es zu tun. 
Was für mich an der Vision von Black Elk wichtig war«, fährt Steven fort und nimmt damit Bezug auf den berühmten Visionär der Lakota, 
der uns in dem Buch Black Elk Speaks von John G. Neihardt an seinen Träumen hat teilhaben lassen, »war nicht die Tatsache, daß er 
Träume hatte (denn wir alle haben Träume), sondern daß er an ihnen den Menschen zeigte, welche Bedeutung den Träumen innewohnt. Und 
die Menschen wurden dadurch gesegnet. Die Vision hat also immer eine bestimmte begleitende Komponente, welche die Menschen dazu 
befähigt zu überleben. Folglich nützt die Vision ihnen auf sehr praktische Weise. Sie ordnet das Chaos des Traums, wandelt seine 
Ziellosigkeit in einen konkreten Plan um. Sie weist den Weg durch das Traumlabyrinth. Das ist es, was ich Vision nenne.« 
Wabun bittet für einen Augenblick um das Redeholz. »Steven, ich weiß, daß du mit Menschen sowohl aus den Vereinigten Staaten als auch 
aus Europa Visionssuche in der Wildnis betrieben und des weiteren, daß du diese Suche hier in den USA und in Europa durchgeführt hast. 
Ich frage mich, ob du Unterschiede feststellen konntest. Mir kommt es so vor, als ob ein Teil des Traums immer auch etwas mit dem Ort, wo 
er geträumt wird, zu tun hat. 
So ist zum Beispiel unser Vision Mountain hier, so weit wir das herausfinden konnten, seit Hunderten oder Tausenden von Jahren von den 
hier Ansässigen zur Visionssuche genutzt worden. Wenn Menschen heute zur Suche nach ihrer Vision aufbrechen, dann, so berichten sie, 
begegnen sie häufig Geistwesen, die speziell zu diesem Landstrich zu gehören scheinen. Es gibt ein weibliches Geistwesen, das in den 
Träumen vieler vorgekommen ist, die sich hier auf die Suche begeben haben, und fast immer wird dieses als Indianerin beschrieben. 
Offenbar existieren anscheinend jedoch noch andere dauernd anwesende Geistwesen, die ein Teil der Landschaft sind. 
Also habe ich aufgrund dieser Berichte und meiner eigenen Erfahrungen überlegt, ob der Ort vielleicht ein Teil des Traums ist, ob die 
Geistwesen der Landschaft seine Bewahrer sein könnten und den Traum jenen Menschen bringen, die sich aufgemacht haben, nach ihm zu 
suchen. Für mich würde das auch erklären, warum sich plötzlich so viele Amerikaner europäischen Ursprungs für die Lebensweise und den 


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Weg der nordamerikanischen Indianer interessieren. Die Vorfahren vieler dieser Leute lebten seit zwei, drei oder vier Generationen hier, und 
vielleicht hat auf irgendeine Weise der Traum dieses Landes einen Weg in ihre Gene gefunden, so wie der Traum, den ihre Vorfahren aus 
Europa mitgebracht haben. Es fällt schwer, das zu erklären - es ist wieder einer dieser Bereiche, den ich in meiner Muttersprache leichter 
ausdrücken könnte und für den englische Worte zu fehlen scheinen -, aber ich habe das starke Gefühl, daß der Ort den Traum beeinflußt, und 
ich wußte gerne, ob deine Erfahrung dieses Gefühl zu stützen vermag.« 
»Die Aborigines wären sicherlich deiner Meinung, nicht wahr?« bemerkt Steven, nachdem er das Redeholz zurückbekommen hat. »Ich bin 
geneigt, dir zuzustimmen. Jedes Land hat seinen eigenen, einzigartigen Charakter. Also nehmen auch die Pflanzen und Tiere den Charakter 
des Ortes an, in dem sie geboren wurden oder wo sie wachsen. 
Ich meine, wir haben das deutlich genug bei den Deutschen gesehen. Als wir mit ihnen in Deutschland arbeiteten, da hatten sie andere 
Träume als hier in Amerika. Ihre Träume dort ähnelten mehr den Märchen der Gebrüder Grimm. Sie handelten von dem kleinen Haus im 
dunklen Wald, dem schmalen Waldpfad, von sonnigen Bergschluchten, der bösen Hexe, sprechenden Tieren und anderen Erscheinungen, auf 
die man häufig in Fabeln und Märchen stößt. In Amerika träumen die Menschen nicht so sehr in Märchenbildern. Sie träumen überhaupt 
weniger in festgefügten Bildern. Ich rede hier aus dem hohlen Bauch heraus, aber mir will es so scheinen, als ob die Traumsymbole in 
Amerika konkreter sind. 
Wahrscheinlich stimmt es, daß die Geistwesen des Ortes und der Zeit das Ihre zum Traum beisteuern. In diesem Fall wäre Europa von den 
Geistern jener, die von uns gegangen sind, vollkommen übervölkert. Ich habe keine Ahnung, wie viele tausend Jahre das zurückreicht. 
Vermutlich sagen sie, mindestens Hunderttausende von Jahren. Im Gegensatz dazu gibt es hier in Amerika, einem neueren Kontinent, 
weniger Geister, da sie erst seit der Eiszeit hier sind, - jedenfalls wenn das, was die Forscher sagen, stimmt. Das könnte vielleicht als 
Erklärung dafür dienen, daß die Träume hier etwas nützlicher und nackter sowie weniger überfrachtet sind. 
In Europa kamen seit Abertausenden von Jahren alle möglichen Menschen zusammen. Ein Volk wurde von einem anderen besiegt, das sich 
seinerseits wiederum unterwerfen mußte. Im wesentlichen ist das, was sich in Europa vor langer Zeit abspielte, hier in Amerika den 
Indianern zugestoßen. Die weißen Europäer wurden hier und da von asiatischen und barbarischen Horden bei ihren Eroberungszügen 
überrannt. Aus dem gleichen Anlaß heraus sind die Indianerstämme dieses Kontinents von weißen Eindringlingen niedergemacht worden. 
Den Europäern ist das vor langer Zeit zugestoßen -eine Menge Inzucht, eine Menge erobern und erobert werden. Also sind ihre 
Traummuster überfrachtet mit Geistern, mit einem tieferen Gefühl für den Schmerz und für die dunkle Seite. Nach meiner Meinung hat es 
den Anschein, daß der europäische Kontinent auch mehr Träume hervorbringt, die dahingehend universeller sind, daß sie unterschiedlichste 
Volksgruppen mit einschließen. Im Amerika kommt das nicht so oft vor. Die Traumgeister des menschlichen Lebens im allgemeinen scheint 
es hier erst seit kürzerem zu geben.« 
Nach einer kurzen Pause nimmt Sun Bear das Redeholz für einen Moment auf. »Ich möchte mich dessen versichern, daß euch allen klar ist, 
daß ein Teil der Medizin, die ich in Träumen und in Visionen sehe, darin liegt, daß sie den Menschen neue Zeremonien bringen«, sagt er. 
»Diese Zeremonien sind sehr wichtig, weil sie helfen, die Mutter Erde zu heilen und alles auf der Erde auf gute Weise in Gang halten. Ich 
bin sehr dankbar dafür, wie Bruder Steven die Notwendigkeit hervorgehoben hat, mit den Visionen zu arbeiten. Das hat auch für mich große 
Bedeutung. Wie ihr alle wißt, versuche ich mein Leben nach meinen Visionen auszurichten. 
Wenn Menschen durch einen Traum oder in einer Vision ein Lied, ein Gebet oder einen Tanz erhalten, dann halte ich es für sehr wichtig, daß 
sie das Gebet tatsächlich sprechen, das Lied singen oder den Tanz tanzen, denn ihnen wurde ein Geschenk des großen Geistes zuteil, und sie 
müssen es an all ihre Verwandten auf der Erde weiterreichen.« 

Die Vision von der Welt 

Ein Blitz funkelt in das Langhaus, während der Donner über unseren Köpfen grollt. Es ist die zweite Nacht der Traumratsversammlung, und 
die Donnerwesen sind zurückgekehrt, um sich mit dem Kreis zu beraten. Steven hat sich auf den Weg gemacht, um Familienangehörige in 
der Nähe von Seattle zu besuchen. Alle übrigen sind geblieben. Der auf das dünne Dach trommelnde Regen vermag eine leise Stimme fast zu 
übertönen. Shawnodese legt ein paar weitere Holzscheite in den Ofen und sorgt dafür, daß die Kälte, die mit dem Regen gekommen ist, 
ausgesperrt bleibt. Wabun gießt Wasser in den Kessel mit dem Kräutertee, füllt die leeren Becher wieder auf und nimmt das Redeholz. 
»Für mich ist es besonders wichtig« beginnt Wabun, »daß die Menschen verstehen, daß wir nicht über etwas reden, was vor langer Zeit in 
einem weit entfernten Land geschehen ist. Ich möchte, daß die Menschen hier begreifen, daß sie auch heute noch spirituell bedeutsame und 
wichtige Träume und Visionen haben können und daß sie nach dem, was sie durch ihre Vision gelernt haben, zu leben imstande sind. Ich 
meine, daß wir dies den Menschen am effektivsten nahezubringen vermögen, wenn wir von den Visionen erzählen, die wir selbst hatten. 
Sun Bear, ich weiß, daß auf der ganzen Welt Menschen deine spirituell bedeutsamen Visionen kennen - und ich hoffe sehr, daß du sie auch 
heute abend in diesem Kreis mit uns teilen wirst -, aber zunächst möchte ich über meine eigenen Visionen sprechen. Ich will es tun, damit die 
Menschen wissen, daß man kein Indianer sein muß, kein Medizinmann oder Schamane, um Visionen haben zu können. 
Erinnerst du dich an meine ersten Visionen, Sun Bear? Ich hatte sie in den siebziger Jahren in New York City. Ich wußte nicht, was mit mir 
geschah. Ich spürte, wie die Erde bebte, und glaubte tatsächlich mitten in einem Erdbeben zu sein -, nur um herauszufinden, daß das nicht 
zutraf. Ich erinnere mich daran, daß ich einmal gesehen habe, wie das Wasser des East River stieg und die Stadt überschwemmte - und dann 
beim zweiten Hinblicken feststellen mußte, daß da nichts war. Sie machten mir Angst, diese ersten Visionen. Erst als ich auf dich traf, 
entwickelte ich eine Vorstellung von dem, was mit mir geschah. 
Ich hatte versucht, den Menschen, die ich in New York kannte, von meinen Erfahrungen zu erzählen, aber sie konnten mir dabei auch nicht 
weiterhelfen und blickten mich statt dessen merkwürdig an. Jetzt ist es leicht für mich, für diese außergewöhnlichen Erfahrungen eine 
Erklärung zu finden. Ich verstehe diese frühen Visionen durch das, was du mir vermittelt hast, Sun Bear, und durch eine Reihe von 
psychologischen Betrachtungsweisen, die ich später kennengelernt habe. Aber damals wußte ich nur, daß ich Dinge sah, die nicht >wirklich< 
existierten, obwohl ich von ihrem Vorhandensein überzeugt schien. Ich war ohne Zweifel sehr froh darüber, als die Visionen aufhörten und 
ich die Welt wieder so sehen konnte wie andere Menschen auch. Und ich bin froh, daß ich im Laufe der Jahre den Menschen helfen konnte, 
die mit ähnlichen Visionserfahrungen zu uns gekommen sind und nicht die Worte fanden, um sie zu beschreiben. 
Das waren meine frühesten Visionen, und sie waren beängstigend. Weitere folgten, nachdem ich angefangen hatte, mit dir zu arbeiten, Sun 
Bear. Ich erinnere mich gut an eine Phase, in der ich Lieder aus unterschiedlichen Kontinenten vernahm. Diese Lieder sind einfach in mein 
Wesen eingedrungen und aus meinem Mund wieder herausgeflossen. Ich entsinne mich noch einiger der Lieder, die ich auf diese Weise 
gelernt habe. Ich glaube, sie waren besondere Gaben, die Mutter Erde mir in der Anfangszeit meines Lernens überließ. Dann hatte ich diese 
Serie von Träumen und Wachträumen, in denen mich böswillige Energien scheinbar prüften. Erst als ich gelernt hatte, diese Energien nicht 
mehr zu bekämpfen, ließen sie mich in Ruhe. Diese Prüfungen waren ohne Zweifel ein wichtiger Teil meines Lernprozesses. 
Im Laufe der Jahre, aber ich glaube vor allem in dieser ersten Zeit, in der ich mit dir gearbeitet habe, Sun Bear, hatte ich viele Male kleine 
visionäre Erfahrungen, wenn ich in der Schwitzhütte war. In solchen Augenblicken hatte ich das Gefühl, daß sich mein Körper so weit 
ausdehnte, daß ich ein Teil von allem wurde, von jedem lebendigen Molekül innerhalb der Schwitzhütte. Und manchmal kam es mir sogar so 
vor, als dehnte ich mich sogar noch mehr aus und würde ein Teil von allem, was ist. Auch vor diesen Erfahrungen fürchtete ich mich; sie 
ähnelten so überhaupt nicht den Dingen, die ich bisher erlebt hatte. 
So sahen also meine ersten Erfahrungen mit Visionen aus. Dann kam diese große Vision, die ich eines Nachts in Nevada hatte und die ich 
detailliert in "Woman of the Dawn" beschrieben habe. In dieser Nacht sah ich eine Explosion von blauem Licht, und ich hörte Chanten in 
meinem Geist und roch den Geruch von Zederräucherung. Ich begann zu tanzen. Und dann - und nur dieses einzige Mal - gestattete ich der 


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Wesenheit, die zu mir sprach, so weit in mich einzudringen, daß sie mir klar mitteilen konnte, was es war, das ich zu lernen hatte. Ich weiß 
noch, daß es mir so vorkam, als flüstere dieser Geist in mein Ohr, als sage er mir zunächst, ich solle mir keine Sorgen machen, und er würde 
nur zum Besten wirken. Dann machte er eine Bemerkung darüber, wie schwierig es sei, mit mir zu arbeiten und wie die Klarheit meines 
Verstandes den Geist und die energetischen Kräfte dazu zwänge, ins Extreme zu gehen. Ich war so verstandesorientiert, daß ich mich allen 
Energien widersetzte, und dermaßen auf meinen Verstand fixiert, daß ich nicht einmal zwischen guten und weniger guten Energien 
unterscheiden konnte. Ich bekam zu hören, daß ich all die Prüfungen, denen ich mich ausgesetzt sah, selbst heraufbeschworen hatte, weil ich 
mich zu sehr auf meinen Verstand verließ. Dieser, sagte die Stimme in meinem Ohr weiter, würde es mir nicht gestatten, irgend jemandem 
zu vertrauen, nicht einmal dir, Sun Bear. 
Mit Liebe ließen sich meine Barrieren also nicht einreißen, da Liebe ohne Vertrauen ja schlecht möglich ist. Ich war zu sehr in der Erde 
verwurzelt, um durch Singen oder Tanzen in eine Trance ekstatischer Freude fallen zu können. Dieser Geist erklärte mir, daß keine andereMöglichkeit bestünde, als mich dermaßen in Angst zu versetzen, bis mein Verstand aussetzt (und so die Öffnung hin zu meinem bisher 
unbekannten Selbst zu ermöglichen. Es hat funktioniert. Ich fürchtete mich schließlich so sehr, daß ich wenigstens für ein paar Minuten hier 
und da die starke Macht, die mein Verstand auf mein Herz und den Rest meines Selbst ausübte, losließ. 
Die Stimme, die ich in jener Nacht hörte, erklärte mir, welches der Weg war, den ich nehmen sollte. Natürlich hattest du mir schon zuvor viel 
darüber gesagt, Sun Bear. Ich erfuhr, daß die Erde krank ist durch den Ausfluß, der dem menschlicher Verstand entströmt - jenem Verstand, 
der vom Herzen abgetrennt arbeitet. Mir wurde gesagt, daß Menschen die Krankheiten, welche die Menschheit der Erde gebracht hatten, 
heilen müßten, sonst würde unsere Art letztendlich aussterben wie eins die Dinosaurier. Die Stimme wies mich darauf hin, daß das 
Männliche der Verstand und das Weibliche das Herz sei und jetzt der Zeitpunkt gekommen sei, wo das Herz den Verstand unterstützen 
müsse. Die Stimme ermutigte mich dazu, in mir die Kraft zu finden, um die Spaltung in meinem Inneren zwischen männlich und weiblich, 
zwischen Verstand und Herz zu heilen, damit ich wußte, wie ich bei der Heilung der Erde helfen könnte. Mir wurde mitgeteilt, daß meine 
Hilfe erforderlich sei, und daß der Tanz, der in dieser Nacht in meinen Körper fließen würde, der Tanz des Lebens sei. Ich hörte, daß der 
Tanz von diesem Augenblick an immer in meinem Herzen sein und mir Leben und Vitalität schenken würde; daß ich mich mit jedem 
Herzschlag an den Tanz erinnern und daß ich ihn eines Tages mit anderen teilen und ihnen helfen würde zu erwachen. 
Die Stimme wiederholte immerfort: >Erinnere dich an den Tanz. Das ganze Leben ist ein Teil dieses Tanzes.< 
Nach dieser Nacht hatte ich eine Reihe anderer visionärer Erfahrungen. Ich bin in dieser Hinsicht wirklich gesegnet. Als ich mich mit einer 
Clanmutter, die mich mit unterrichtet hatte, auf eine formelle Visionssuche begab, sagten mir die Geistwesen, daß ich bereits genug zu tun 
hätte und ich wirklich nicht noch nach weiteren Aufgaben zu suchen brauchte. Sie schenkten mir Unterstützung und Mut, um mich an den 
Tanz zu erinnern und diesen weiterzugeben. Und das habe ich seither mehr und mehr getan, denn ich habe herausgefunden, daß der Tanz 
mehr ist, als zu tanzen. 
Es scheint mir so, daß die Geistwesen nach dieser dramatischen und wundervollen Nacht nicht mehr in einer solch bildhaften Sprache zu mir 
reden müssen. Jetzt kommen Visionen je nach Bedarf zu mir, um mich zu führen: manchmal in meinen Träumen, manchmal im 
Wachzustand, manchmal während meines Unterrichts, manchmal beim Schreiben. Es ist schwer, diese Erfahrungen in der harten englischen 
Sprache zu beschreiben. Verfügt ein anderer in der Runde vielleicht über die Worte, um dieses visionäre Wissen zu definieren und zu 
erklären wie es sich von normalen Träumen oder von intuitiven Einfällen unterscheidet?« 
Wabun legt das Redeholz nieder. Der Donner klingt nun weiter entfernt. Alle sitzen da, denken nach und schweigen. Schließlich ergreift 
Luke Blue Eagle das Redeholz. Er bringt seinen großgewachsenen, schlanken Körper im Stuhl in eine konzentrierte Haltung und hält das 
Redeholz einen Augenblick umfaßt, um seine Gedanken zu sammeln. 
»Die Franzosen kennen ein anderes Wort für diese Art Traum: "le songe". Hierbei handelt es sich um ganz besondere Träume. Es sind 
solche, an deren Anfang und Ende man sich ungewöhnlich deutlich erinnert. Der Traum ist sehr umfassend. Man entsinnt sich der 
Einzelheiten des Traums so klar, daß er einem realer erscheint als das wirkliche Leben, als der Wachzustand. Diese besondere Art Traum 
bleibt an dir haften, sie verfolgt dich am Tage; auch Wochen nach dem Traumerlebnis, denkt man noch immer darüber nach. Er ist eine 
Botschaft, die geradewegs aus der Geistwelt kommt. Es handelt sich um einen Traum, der einem Individuum nicht persönlich gehört. 
Normalerweise würde ein Indianer, der etwas Derartiges träumte, danach geradewegs zu seinem Medizinmann gehen, um es sich von diesem 
deuten zu lassen. Behielte ein Indianer einen solchen Traum für sich, so wäre es gefährlich, denn dies entspräche nicht der Natur des Traums, 
der eine spirituelle Botschaft ist. Wenn eine solche geradlinige spirituelle Botschaft einen einzelnen erreicht, dann gehört sie nicht ihm allein, 
sondern seiner Gemeinschaft. Der Begriff "le songe" enthält auch den Aspekt der Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft in sich, die 
verlangt, daß der Traum mit einer geeigneten Person besprochen wird, deren Entscheidung es dann obliegt, ob der Traum in den Besitz der 
Gemeinschaft übergeht oder nicht. Diese Art Traum stellt etwas ganz Besonderes dar; wenn er kommt, dann ist er nicht schwer zu erkennen.
Es besteht eine Übereinstimmung zwischen solchen Träumen und Visionen. Es gibt, so will es mir scheinen, außerdem unterschiedliche 
Formen von Visionen. Sie können als einzelne Bilder spontan zu einem kommen, Bilder, die zeigen, daß etwas mit einem geschieht oder in 
Zukunft mit einem geschehen wird. Sie erscheinen, ohne daß man nach ihnen sucht, und sie können wiederkehren. Manchmal taucht 
dasselbe Bild über einen bestimmten Zeitraum immer wieder auf - so lange, bis man es versteht. 
Dann gibt es diese andere Form von Vision, die du, Sun Bear, einmal scherzhaft als Breitwand- Technicolor- Vision beschrieben hast. Sie 
kann ebenfalls spontan kommen, doch meistens wird sie durch Fasten und Gebet, wie bei der Visionssuche üblich, gerufen. Diese Art 
tatsächliche Vision ist fast immer eine Erfahrung, die außerhalb des Körpers stattfindet, da man in ihr die lichtvolle Natur des Geistes direkt 
wahrnimmt, was die Geistwelt der betreffenden Person zeigen will. Und das ist dem Inhalt dessen, was der Begriff "le songe" umschreibt, 
sehr ähnlich.« 
Sun Bear sitzt da, als warte er auf einen Wink, der ihm zeigt, daß Luke seine Ausführungen beendet, und dann bittet er um das Redeholz. 
»Ich halte mich selbst für einen Träumer. Träume sind meine starke Medizin, und ein Großteil meiner übrigen Medizin kommt zu mir in 
meinen Träumen. Es fühlt sich gut an. Es ist immer gute Medizin, von den Geistwesen zu hören. 
Ich glaube, am meisten wird meine Traummedizin dadurch unterstützt, daß ich immer bereit für einen Traum bin. Ich gebe mir Mühe, 
jederzeit auf Träume und Visionen vorbereitet zu sein, egal ob ich schlafe oder wach bin. Ich halte stets einen Teil von mir bereit, diese 
Medizin zu empfangen. Ich habe in dieser Hinsicht sehr starke Gefühle. Ich spüre, daß die Geistwesen uns durch Träume lenken, um die 
Arbeit zu tun, die wir leisten müssen. Ich fühle, daß es für alle Menschen wichtig ist, in dieser Zeit Verständnis für Träume zu entwickeln. 
Jeder sollte auf seine Träume hören, weil Träume uns darin unterstützen, unsere ganze Kraft zu entfalten. Träume haben mir in meinem 
Leben wirklich geholfen. Und wie bei dir, Bruder, hatte ich meine ersten Träume schon als Kind. Ich erinnere mich daran - ich war damals 
erst drei Jahre alt - daß ich, wenn ich aufwachte, Geräusche von mir gab, von denen meine Mutter meinte, daß sie wie Kriegsrufe klangen. 
Sie waren so laut, daß sie ihr angst machten. Manchmal mußte mein Onkel, der Medizinmann war, kommen, um mit mir zu arbeiten, damit 
ich aufhören konnte. Ich erinnere mich vage daran, daß er mir sagte, meine Zeit sei noch nicht gekommen. Er nannte mich kleiner Bär und 
erklärte mir, daß ich meine Schlacht später schlagen würde. 
Ungefähr ein Jahr später verbreitete sich Diphtherie, und ich steckte mich an. Eines Tages fiel ich einfach auf den Boden. Meine Schwester 
holte meinen Bruder, und zusammen packten sie mich in Eiswasser, aber ich spürte nichts. Ich hatte mich zu einem anderen Ort begeben, wo 
alles blau war. Ich sah Bälle auf mich zukommen und wollte mit ihnen spielen. Es waren bunte Bälle, aber ich konnte nicht einen einzigen 
von ihnen fangen. Sie rollten an mir vorbei und legten sich in eine Reihe. Als es mir endlich gelang, einen von ihnen zu berühren, da rollten 
die übrigen um mich herum, schneller und schneller, bis ich sie nicht mehr voneinander unterscheiden konnte. Es war, als befände ich mich 
in einem Ball aus allen Regenbogenfarben; es war so schön, daß ich jede weitere Bewegung unterließ. 


68 


Außerhalb des Balls sah ich ein helles Licht, heller noch als Vater Sonne. Durch das Licht hindurch bewegte sich ein Tier auf mich zu. Es 
war ein großer Schwarzbär, umgeben von diesem Regenbogen. Der Bär berührte mich leicht an der Hand. 
In diesem Moment erwachte ich und sah, wie sich meine Mutter über mich beugte und sehr besorgt aussah. 
Ich weiß noch, daß ich zu ihr sagte: >Ich kann jetzt zurückkommen, Mutter. Ich bleibe bei dir.< Es war eine machtvolle Vision, die ich 
damals hatte, und manchmal gelingt es mir, zu dem Kraftplatz, an dem sie mir zuteil wurde, zurückzukehren. 
Als ich älter wurde, hatte ich ständig Visionen darüber, daß mein Volk sich wieder in den traditionellen ländlichen Gemeinschaften sammeln 
müßte. Im Alter von fünfzehn Jahren ging ich zu meinem eigenen Stamm und versuchte, meinen Leuten über meine Visionen zu berichten 
und ihnen zu erklären, wie sie ökonomisch unabhängiger sein könnten. Aber niemand wollte einen fünfzehnjährigen Jungen anhören. Später, 
während meiner Tätigkeit als ökonomischer Entwicklungsspezialist für den Staat Nevada, kehrte ich zu ihnen zurück, um ihnen und einer 
Reihe anderer Stämme das zu wiederholen, was ich schon mit fünfzehn in meinen Visionen gesehen hatte. Früher war das ganz anders. 
Damals schenkten sie auch jungen Männern Beachtung, die von der Visionssuche zurückkamen. 
Hier ist eine meiner Visionen, von der die meisten unter euch noch nichts wissen. Als ich in den Zwanzigern war, da arbeitete ich mit den 
südwestlichen Indianerstämmen und versuchte sie vor den Drogendealern zu schützen, die unten in Arizona in den Reservaten ihr Unwesen 
trieben. Den Drogendealern paßte das nicht, also schnappten sie mich eines Tages und hängten mich für ein paar Stunden an meinen Daumen 
auf. Seht ihr diese weißen Streifen hier an meinem Daumen? Sie stammen von diesem Tag. Vielleicht hätten sie mich hängen lassen, bis ich 
tot war. Aber einige der anderen, die mit mir arbeiteten, hatten sich auf die Suche nach mir gemacht, fanden mich und schnitten mich 
herunter. Aber die Zeit, die ich da oben hing, war wie ein Sonnentanz für mich. In einer Vision erfuhr ich, daß es nicht nur mein eigenes 
Volk sein würde, mit dem ich von da an zu arbeiten hätte. 
Manche dieser Drogendealer waren Indianer, die ihren eigenen Brüdern und Schwestern schadeten. Und ich erkannte damals, nur weil 
jemand Indianer ist, braucht er noch lange nicht ein guter Mensch zu sein, der sich automatisch um die Erde und das Wohl der 
Stammesgemeinschaften kümmert. Manchmal wünschte ich mir, von dieser Vision verschont geblieben zu sein. Mein Leben ist aufgrund des 
Umstandes, daß ich sowohl mit Indianern als auch mit allen anderen arbeite, komplizierter geworden. Es gibt Zeiten, in denen mich beide 
Seiten wegen dem, was ich tun muß, nicht leiden können. Damals also begann diese Vision, und sie entwickelte sich über die Jahre. 
Schließlich veranlaßte sie mich, den Bear Tribe zu gründen. 
Eine andere Vision brachte mich dazu, den ursprünglichen Bear Tribe zu verlassen, als die Dinge nicht so liefen, wie meine Medizin es 
voraussetzte. Das waren schwere Zeiten. Ich hatte fest daran geglaubt, daß es sich beim Bear Tribe in Kalifornien endlich um jene 
Gemeinschaft handelte, die mir so oft in meinen Visionen begegnet war. Als sie auseinanderbrach, ging ich allein auf einen Hügel. Ich 
verrichtete meine Gebete und bat um Zeichen und Hinweise. Ich fühlte mich, als ob meine ursprüngliche Vision außer Kraft gesetzt sei und 
erneuert werden müsse. Ich wußte nicht, was ich tun sollte. Ich betete zum großen Geist und wiederholte meine Bitte nach Zeichen. 
Aus südlicher Richtung flog ein goldener Adler heran und umkreiste den Hügel. Ich hatte gleichsam das Empfinden, als könne ich in die 
Seele des Adlers blicken und er in meine. Ich begriff, daß der Adler ein Bote war, aber ich verstand seine Botschaft nicht und betete deshalb 
noch intensiver. Im Südwesten bildete sich eine große Wolke und kam auf mich zu, obwohl der Himmel ansonsten wolkenlos war. Diese 
Wolke wurde zunehmend größer, und dann bewegte sie sich in Richtung Nordosten. Während dies geschah, löste sich eine kleine Wolke aus 
der großen und wirbelte herum. Sie drehte sich in immer schnelleren Wirbeln; es kam mir vor, als sei da oben ein Wirbelwind der die Wolke 
so in Fahrt brachte. Dann teilte sich diese kleine wirbelnde Wolke in zwei Hälften, von denen die eine verschwand und die andere wieder mit 
der großen Wolke verschmolz. 
Ich verstand sogleich, daß in dieser Wolke meine Antwort lag: Ein Teil dessen, was ich angefangen hatte, würde sich auflösen, aber der 
andere Teil meiner Vision würde sich erfüllen, auch wenn es vielleicht noch lange dauern sollte. Ich wußte, daß einige der Menschen, die 
mich begleitet hatten, noch nicht die Bereitschaft aufbrachten, meine Vision zum Leben zu erwecken; daß einige wieder dahin gehen 
würden, woher sie gekommen waren. Andere würden auf unterschiedliche Weise wachsen und schließlich eine Form des Gleichgewichtes 
finden. Mein Stamm würde auseinanderbrechen, und von einigen würde ich nie wieder hören, die anderen aber würden schließlich 
wiederkommen. Die große Wolke, der Kern meiner Vision, würde erblühen. In meinem Herzen war ich mir dessen sicher. 
Nach dieser Erfahrung kehrte ich nach Reno zurück, beschaffte mir eine kleine Druckmaschine und gab dort mit der Hilfe der guten 
Schwester Wabun erneut die Zeitschrift "Many Smokes" heraus. Wir bereiteten uns auf einen neuen Versuch vor. Wabun und ich zogen 
umher und verkauften Dinge auf den Pow-wow-Versammlungen und besuchten viele Indianerstämme. Ich fand mein Gleichgewicht wieder. 
Dann verbrachten wir eine Weile in Oregon. Aber ich wußte von meiner Medizin, daß wir unser eigenes Land finden mußten. 
Als wir anfingen, nach Land zu suchen, da hatte ich einen Traum, der mir einen Platz mit unglaublicher Kraft zeigte, an dem Weißtannen 
und Kiefern wuchsen, wo es Felsüberhänge mit vielen Höhlen gab und einen Ort, von dem man auf einen nicht allzu weit entfernten 
strömenden Fluß blicken konnte. Als wir nach Spokane im Staat Washington kamen, da spürte ich, daß der Platz ganz in der Nähe liegenmußte. Wir mieteten eine Ferienhütte an einem See und es war dort wunderschön, ein guter Platz zum Überwintern. Aber an einem 
Mietverhältnis hatten wir kein Interesse; für mich stand unverrückbar fest, daß das Land dem Bear Tribe gehören mußte, damit seine 
Menschen es in den vielen kommenden Jahren nutzen konnten. 
Wir schauten uns überall in der Gegend um, und schließlich fiel uns eine Anzeige in einem Lokalblatt auf. Sobald ich das angebotene Land 
das erste Mal zu Gesicht bekam, wußte ich, daß es das richtige war. Ich hatte das Gefühl, es müsse sich um einen Kraftort handeln, aber ich 
vermochte meine Empfindung nicht zu begründen. Erst viel später - wir hatten das Grundstück schon gekauft und zu bauen angefangen erfuhr 
ich, daß dort einmal ein heiliger Platz der Spokane-Indianer gewesen war, ein Platz, den ich über lange Zeit zur Visionssuche genutzt 
hatte. Am Fuß des Berges sind wir auf Felsmalereien gestoßen. Sie stellen die Visionssuche dar und die verschlossenen Höhlen in unserem 
Berg, die solange nicht zugänglich bleiben werden, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist. 
Nicht lange nachdem wir Vision Mountain erworben hatten, hatte ich eine weitere und nach Meinung vieler Menschen die bei weitem 
wichtigste Vision. In ihr sah ich eine baumlose Hügelspitze. Ein sanfter Wind wehte, und das Präriegras bewegte sich leicht. Ich sah einen 
Kreis aus Steinen mit einem kleineren Kreis in seinem Inneren, nicht weit vom Mittelpunkt entfernt. Verbunden waren die beiden Kreise 
durch weitere Steine, von denen mehrere zusammen Radspeichen bildeten. Sobald ich des Gebildes ansichtig wurde, wußte ich, daß es sich 
dabei um den heiligen Kreis meines Volkes handelte. 
Den Mittelpunkt des Kreises bildete ein Büffelschädel. Ich blickte mich um und vermeinte zunächst von allen Seiten Tiere auf mich 
zukommen zu sehen. Aber dann stellte ich fest, daß es sich um Menschen handelte, die den Kopfschmuck und die Felle von Tieren trugen. 
Sie bewegten sich hin zum Kreis, und jeder betrat ihn von der Sonnenrichtung her, folgte dem Kreisrund einmal und suchte dann seinen Platz 
auf dem Rad auf. Eine Gruppe ging zum Norden, dem Winter. Eine andere stellte sich in den Osten, den Frühling, das Erwachen. Eine 
weitere repräsentierte den Süden, den Sommer, das schnelle Wachstum. Und auch den Westen, den Herbst, in dessen Zeit wir ernten, was 
wir gesät haben, suchte eine Gruppe auf. All diese Menschen sangen die Lieder ihrer jeweiligen Jahreszeit, ihres Totems. Als sie ihren Platz 
im Rad erreichten, begannen sie, Lieder zur Heilung der Mutter Erde anzustimmen. 
Ein Anführer unter ihnen sagte: >Die Medizin des heiligen Kreises möge sich durchsetzen. Viele Menschen von überall aus dem Land 
mögen zu dem Kreis kommen und für die Heilung der Mutter Erde beten. Mögen die Kreise des Medizinrads zu uns zurückkehren.< 
In dieser Vision traten Menschen von allen Clans, aus allen Himmelsrichtungen und von allen Totems auf. In ihren Herzen war Frieden. Das 
war die Vision, die ich hatte. 
Aus dieser Vision hat sich eine Menge entwickelt. Ich habe keine Ahnung, wie viele Medizinräder es infolge dieser Vision auf der ganzen 
Welt gibt. All diese Räder sind Orte, an denen Menschen sich der Erde erinnern, um sich selbst und die Erde zu heilen. Diese Vorstellung 
verursacht ein gutes Gefühl in mir. Sie ist gute Medizin. 


69 


Als Konsequenz daraus entstanden die Medizinradtreffen, die Medizinradbücher und eine vollkommen neue Art für Menschen, um an ihrer 
Beziehung zur Erde zu arbeiten. Sie war wirklich gute Medizin für mich, diese Vision. Ich glaube, das Medizinrad wurde zunächst mir 
offenbart, dann in einzelnen Bestandteilen auch Wabun und anderen, damit wir den Menschen helfen konnten, sich selbst und die Erde zu 
heilen. Das Medizinrad ist ein gutes Werkzeug. Es bringt Leute dazu, sich der Erde wieder zuzuwenden. Ein ähnliches Gefühl habe ich auch, 
was diese Traumratsversammlung angeht. Der Traumrat wird die Menschen an die Erde erinnern, sogar in ihren Träumen. 
In meiner Vision kamen die Menschen von allen Clans, allen Rassen und aus allen Himmelsrichtungen zum Medizinrad. Es war wichtig für 
mich, das zu sehen und es den Menschen zu vermitteln. 
Anfang der achtziger Jahre hatte ich eine weitere Vision. In ihr befand ich mich wieder auf der Spitze eines Hügels, und alles um mich 
herum war dunkel. Es wirkte so trostlos und verlassen, also betete ich. Nachdem ich gebetet hatte, wurde meine Hand nach oben bewegt. Ich 
streckte meinen Zeigefinger aus, und ein Licht schien anzugehen. Ich tat es ein zweites Mal, und ein weiteres Licht erstrahlte. Gemeinsam 
erhellten sie die Leere. Ich drehte mich im Kreis, streckte immer wieder meinen Zeigefinger aus, und zunehmend mehr Lichter entflammten 
in der Dunkelheit. Die Lichter waren von unterschiedlicher Größe, Form und Farbe. Diese strahlenden, farbigen Lichter erleuchteten das, 
was mir zuvor als so hoffnungslos erschienen war. 
Diese Vision erinnerte mich an jene, die ich im Alter von vier Jahren hatte und in der ich mich von den Farben des Regenbogens umgeben 
fühlte. Doch in der neuen Vision sagte mir der Große Geist, daß die Lichter Menschen repräsentierten, die zu mir gekommen waren oder 
noch kommen würden, um zu lernen und dann wieder in die Welt hinauszugehen, um ihr neues Wissen anzuwenden. Somit würde nicht nur 
eine Handvoll von uns auf dem Vision Mountain versuchen, bei der Heilung der Erde zu helfen, sondern diese Aufgabe hätten sich viele 
Menschen da draußen zum Ziel gesetzt. 
Die Lichter hatten eine unterschiedliche Färbung, und diese Feststellung war wichtig für mich, denn wieder machte mir das klar, daß die 
Menschen, die kämen, um von mir zu lernen, Angehörige sämtlicher Rassen und Nationalitäten sein würden. 
Und so geschah es denn auch. Mit der Hilfe dieses guten Bruders Shawnodese, der dort drüben sitzt, und der manchmal etwas 
widerstrebenden Wabun bauten wir mein ursprüngliches Schulungsprogramm auf, das inzwischen zu unserem allgemeinen 
Ausbildungsprogramm geworden ist. Und es gibt viele Lichter da draußen in der Welt, weil so viele zu uns gekommen sind, um zu lernen. 
All diese Visionen zusammengenommen haben eine Kraft, die mich Tag für Tag vorantreibt, damit ich hier auf der Erde den Willen des 
Schöpfers erfüllen kann. Wenn ich nach einer Antwort suche oder bei irgend einer Angelegenheit in Bezug auf den Bear Tribe oder auf 
meine Arbeit nicht weiter weiß, dann gehe ich hinaus zur Erde und bete um eine Vision, wie es seit jeher die medizinkundigen Völker getan 
haben. Alles, was ich lehre, wurde mir durch eine Vision vermittelt. 
Einige der Alten haben mir gesagt, daß ein Medizinkundiger jemand ist, der Licht in der Dunkelheit sieht und daß ein solches Licht oft mit 
den Visionen kommt. Das trifft sicherlich auf mich zu. Und wollt ihr eine andere gute Sache wissen? Während der Jahre, in denen ich 
umhergezogen bin, um den Menschen von meinen Visionen zu erzählen, sind viele von ihnen später zu mir zurückgekommen und haben mir 
von ihren eigenen berichtet. Ich glaube, das ist der richtige Weg: Je mehr von uns Visionen haben und darüber reden, desto mehr Licht wird 
auf der Erde sein. 
Ich bin froh, daß ihr alle kommen konntet, um hier bei mir auf dem Vision Mountain zu sein und damit wir über unsere Träume reden und 
dazu beitragen können, den Menschen durch unsere Träume Heilung zu bringen.« 
Sun Bear legt das Redeholz in dem Moment nieder, als der lauteste Donnerschlag des Abends direkt über dem Dach des Langhauses die Luft 
zerreißt. Wabun wartet fast darauf, daß der Blitz in den kupfernen Bären, der im vorderen Hof steht, einschlägt, wie es schon vor vielen 
Jahren einmal geschehen ist. Sie schaut sogar nach dem Bären, doch der Blitz hat sich eine andere Stelle ausgewählt, und sie sieht nur das 
wunderschöne Glühen, das die Dunkelheit für einen Moment erhellt. 
»Es ist spät - Zeit, sich schlafen zu legen und zu träumen. Morgen wird der Traumrat die Schritte besprechen, denen ihr folgen könnt, wenn 
ihr, wie die Menschen in unserer Runde, eine Vision von der Welt erschaffen wollt.« 

Die Vorbereitung auf den Traum 

Ein neuer Morgen zieht herauf, der dritte Tag der Traumratsversammlung. Einige Teilnehmer sind gerade erst aufgestanden, der Schlaf 
beherrscht noch ihre Bewegungen, und die Träume spiegeln sich in ihren Augen wider. Ellie, eine Frau aus Connecticut, beharrt auf ihrer 
Behauptung, sich keines einzigen Traums entsinnen zu können. Sie möchte erfahren, was Shawnodese über die Kunst, Träume zu erinnern, 
zu sagen hat, weil darin bereits einige ihrer Freunde von ihm unterrichtet wurden. Shawnodese hört sich Ellie an und verspricht, daß er genau 
darüber heute reden will. 
Sun Bear kommt von einem Platz zurück, an dem er den Himmel betrachtet hat. Die Luft, die mit ihm in das Langhaus gelangt, riecht rein, 
frisch und ist belebend. Wabun geht für einen Augenblick hinaus in den Tag, bewundert die Wolken, die so sauber und leicht aussehen nach 
dem Unwetter des vergangenen Abends. Als sie das Haus wieder betritt, sitzen Sun Bear, Luke und Shawnodese im Wohnzimmer, warten 
auf das Frühstück und die sich ihm anschließende Ratsversammlung und wirken dabei ganz so, als ob sie zu stundenlangen Gesprächen 
bereit seien. Nach einem gemächlichen Mahl versammelt sich der Traumrat. Das Thema für den heutigen Tag ist die Vorbereitung auf den 
Traum. 
»Um sicherzugehen, daß ich gute Träume haben werde«, beginnt Sun Bear, (Siehe Anhang, 3. Übung) »nehme ich mir vor dem Einschlafen 
einen Augenblick Zeit, um über den vergangenen Tag nachzudenken. Manchmal lege ich ein besonderes Traumobjekt neben mein Bett einen 
Kristall, Stein oder ein besonderes Geschenk oder eine Maske -, das hilft zu träumen. Dann bete ich um Träume, die mir die Richtung 
weisen oder mir auf meinem Weg weiterhelfen. Ich halte mein Traumobjekt in den Händen und bitte um einen starken Traum. Ich bete um 
die Unterstützung des Schöpfers und der Geistwesen, die ich brauche, damit ich soviel wie möglich über meinen Lebenspfad erfahren kann 
und darüber, was ich tun soll, um in die richtige Richtung zu gehen. Ich bin davon überzeugt, daß ich mir gute Träume verschaffen kann, 
wenn ich sie wirklich suche und um sie bete. 
Ich bewahre auch ein oder zwei Traumnetze in meinem Zimmer auf. Bei meinem Volk, den Ojibwa, stellen wir diese Traumnetze 
normalerweise für junge Leute her. Sie werden auf einem kleinen Weidenrahmen gewoben und bestehen im allgemeinen aus Weidenrinde 
oder aus irgendeinem Garn. Sie haben in der Mitte ein Loch. Wir legen Traumnetze über die Wiege eines Kindes, um die schlechten Träume 
von ihm fernzuhalten; sie verschwinden durch das Loch in der Mitte des Netzes. Ich sage den Menschen, die zu mir kommen, daß sie ein 
solches Netz über dem Bett ihrer Kinder befestigen sollen, auch wenn sie älter werden, denn es fängt die guten Träume ein und hilft den 
Jungen zu lernen, wie man träumt. 
Es gibt noch etwas anderes, das ich tue, um meine Träume zu unterstützen«, sagt Sun Bear und füllt sich ein Glas aus unserem großen Krug 
mit Quellwasser. »Weiß jemand von euch; was es sein könnte?« fragt er und nimmt einen großen Schluck aus seinem Glas. 
»Beten?« erkundigt sich Richard, ein Therapeut aus Wisconsin. 
»Früh zu Bett gehen?« schlägt Tony, ein Student von der New York University, vor. 
»Eine andere Methode, mit der ich Träume unterstütze«, sagt Sun Bear, »ist, daß ich viel Wasser trinke, bevor ich mich schlafen lege, damit 
ich in der Nacht aufwachen und zur Toilette gehen muß. Dann ist es mir möglich, mich mehrerer Träume in einer Nacht zu erinnern.« 
Luke bittet um das Redeholz und beginnt zu sprechen. »Wenn man mit Träumen arbeiten will, besteht der erste Schritt darin, sich überhaupt 
an sie zu erinnern. Das ist der wichtige Teil. Es gibt neben Wasser noch eine Reihe anderer Dinge, die uns dabei unterstützen. Dazu gehört 
auch, euren Schlafplatz sauberzuhalten, damit eure Träume angenehmer und leichter zu erinnern sind. Den Platz zu reinigen fördert 
angenehme Träume. Es ist auch gut, vor dem Einschlafen zu beten und den Tag Revue passieren zu lassen. Wenn ihr einem Muster folgt, mit 


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dem ihr den vergangenen Tag noch einmal im Geiste durchgeht, bevor ihr einschlaft, dann wird es euch auch leichterfallen, beim Aufwachen 
auf eure Träume zurückzublicken. Wenn man morgens wach wird, dann sollte man sich nicht gleich bewegen, sondern ruhig daliegen und 
sich zunächst an seine Träume erinnern und ihren Ablauf durchgehen. 
Ich rate den Menschen, die Schwierigkeiten damit haben, ihre Träume ins Gedächtnis zurückzuholen, vor dem Einschlafen für sich neunmal 
zu wiederholen, daß sie sich an ihre Träume erinnern werden. Und dann lege ich ihnen nahe, die Ereignisse des Tages zu rekapitulieren, 
bevor sie einschlafen. 
Eine andere Methode, das Vergessen von Träumen zu verhindern, besteht darin, die verschiedenen Typen von Träumen voneinander zu 
unterscheiden. "Le songe" als eine Art von Traumerfahrung wurde bereits von mir erwähnt. Später werde ich noch mehr darüber sagen. 
Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Träume ihren Weg sehr schnell zu den Menschen zurückfinden. Viel schwerer ist es, die Kontrolle 
über sie zu erlangen. Normalerweise entwickelt sich diese Fähigkeit in einem sehr frühen Alter, in einem Lebensabschnitt, in dem junge 
Menschen der Traumzeit noch nahestehen, weil sie gerade aus der spirituellen Welt gekommen sind. Wenn sie früh darin unterwiesen 
werden, wie sie ihre Träume kontrollieren und ihnen Bedeutung zumessen können, dann fällt es ihnen später sehr viel leichter, das Meistern 
oder die Beherrschung ihrer Träume oder die Erinnerung an sie zu erlangen. Menschen, die der westlichen Gesellschaft entstammen, haben 
Probleme, sich an ihre Träume zu erinnern, weil sie diese ihr Leben lang außer acht lassen. Sich in dieser Hinsicht zu ändern und zu 
begreifen, daß Träume ein realer Aspekt unseres Selbst sind, ist nicht so schwer, weil wir auf einer instinktiven Ebene begreifen, daß dies 
zutrifft. Die Psychologie, insbesondere ihre Vertreter C. G. Jung und Sigmund Freud, hat diesen menschlichen Bereich und die Traumarbeit 
weitgehend wissenschaftlich erforscht und ihm damit auch zu mehr Glaubwürdigkeit verholfen.« 
Weil Luke nun eine Weile schweigt, bittet Wabun um das Redeholz, um für jene Besucher, die erst seit kurzem beim Bear Tribe sind, zuwiederholen, wie man einen Raum oder einen Platz reinigt. (Siehe Anhang, 4. Übung) 
»Ihr alle hattet wahrscheinlich schon einmal die Gelegenheit, eine Räucherung, ein Smudging, vorzunehmen«, erklärt sie, »und das ist ein 
gutes Mittel, um sich selbst und einen Ort zu reinigen. Smudging ist eine universell einsetzbare und unter mehreren Namen bekannte 
Zeremonie, die das Ziel verfolgt, Energie zu reinigen und zu zentrieren, indem es diese mit dem Rauch glimmender Kräuter >wäscht<. Wir 
benutzen meistens Salbei und Mariengras für diesen Zweck, aber auch andere Kräuter sind schon zur Anwendung gekommen. Was zählt, 
sind der Rauch und eure Absicht. 
Manche greifen auch zu Wasser, um einen Platz zu säubern, andere zu Salz oder bestimmten Klängen oder Gebeten. All diese Mittel erfüllen 
unseren Zweck und können den Schlafplatz reinigen. Es ist sinnvoll, ein wenig herumzuexperimentieren und selbst festzustellen, welche 
Methode einem am meisten liegt.« Bevor sie das Redeholz weitergibt, fragt sie Luke, ob in seinem Stamm Traumobjekte wie das Traumnetz 
oder andere Mittel eingesetzt werden, um sich auf die Traumzeit vorzubereiten. 
»Ja, Wabun«, antwortet Luke. »Wir benutzen insbesondere Herkimer-Diamanten (Siehe Anhang, 5. Übung) als Traumsteine. Sie schützen 
die Traumzeit und unterstützen ein klares Erinnerungsvermögen für Träume. 
Manche Menschen, die sich bereits Fähigkeiten in der Traumarbeit angeeignet haben, finden es anfangs entmutigend, mit dem 
Herkimer-Diamant zu arbeiten, weil sie sich zunächst gar nicht mehr an ihre Träume erinnern. Zu Beginn schickt der Herkimer-Diamant 
einen immer zu dem entgegengesetzten Aspekt des eigenen Selbst. Deshalb ist er sehr hilfreich für Menschen, die sich ihre Träume 
überhaupt nicht merken können, denn sobald sie ihn einsetzen, steht ihnen ihr Ablauf mit großer Klarheit vor Augen. Der Herkimer-Diamant 
muß mit Wasser gereinigt werden, das ein wenig, nur eine Prise, Salz enthält. Auf diese Weise wird dieser Kristall vom Ozean gesäubert. 
Zunächst reinigt man ihn für eine ganze Woche und dann jedesmal, bevor man den Stein einsetzt. 
Normalerweise raten wir den Leuten, den Herkimer-Diamant mit der Hand zu umschließen, sich an ihm festzuhalten. Möglicherweise 
verlieren sie ihn später im Schlaf, aber das ist nicht wichtig. Ruht der Kristall in der Hand, so beeinflußt er das Gehirn auf direktem Wege, 
und zwar jeweils die Gehirnhälfte, die mit der Hand, in der er liegt, in Verbindung steht. Manche nehmen den Herkimer-Diamant in die 
rechte, um die logische Gehirnhälfte, die linke, zu übertölpeln. Auf diese Weise lassen sie Gedankenformen los, die ihrem 
Traumerinnerungsvermögen im Wege stehen. 
Für einige Menschen ist Traumarbeit aufgrund von Konditionierung in der Vergangenheit nicht erfolgversprechend. Aber ich konnte 
andererseits auch miterleben, daß Menschen in der Traumwelt zur Bewältigung von Problemen fähig waren, für die ich Jahre gebraucht habe 

– und ihnen ist es einfach so gelungen. Es ging ganz leicht für sie.« 
Es ist einige Jahre her, seit Shawnodese seine Vorträge über Traumarbeit im Rahmen des Bear-Tribe-Programms hielt, aber die hier 
Anwesenden haben von seiner Arbeit gehört durch andere Lehrer und auch durch Schüler, die zu Anfang mit diesem Programm arbeiteten. 
Wabun reicht ihm das Redeholz und veranlaßt ihn auf diese Weise zum Sprechen. 
»Ich möchte mit einer Technik beginnen, die ich über viele Jahre hinweg entwickelt habe, um die Menschen darin zu unterstützen, sich an 
ihre Träume zu erinnern«, beginnt Shawnodese. »Ich war mit dieser Technik außerordentlich erfolgreich, selbst bei Personen, die jeden Eid 
darauf geleistet hätten, sich niemals an auch nur einen Traum erinnern zu können. Zu ihrem eigenen Erstaunen und zu meiner Freude gelang 
es vielen von ihnen schon nach der ersten Nacht, Träume im Gedächtnis zu behalten und aufzuzeichnen. Einige wenige Hartnäckige hatten 
erst Erfolg, nachdem sie die Technik ein zweites Mal anwendeten. In ganz seltenen Fällen brauchte ein Teilnehmer fünf oder sechs 
Durchgänge, bevor er sich seine Träume merken konnte. Unter den Hunderten von Menschen, die meine Methode befolgten, hat nie jemand 
länger als eine Woche gebraucht, um das gewünschte Resultat zu erzielen.« 
Shawnodese blickt sich im Kreis um, dann betrachtet er einen Moment lang nachdenklich das Redeholz in seiner Hand, bevor er fortfährt. 
»Ein paar warnende Worte an jene, die sich bisher nicht an ihre Träume erinnern konnten. Bevor man diese oder irgendeine andere Methode 
anwendet, um Traumerfahrungen ins Bewußtsein zu holen, sollte man folgendes bedenken. Im Verlauf der acht Jahre, während denen ich 
Traumseminare leitete, habe ich ohne Ausnahme festgestellt, daß es stets einen Grund dafür gibt, warum jemand sich an seine Träume nicht 
erinnert, und fast immer hängt dieser Grund mit der Ursache zusammen, wegen der die betreffende Person ursprünglich aufgehört hat, ihre 
Träume im Gedächtnis zu behalten. Um es knapp auszudrücken, der Trauminhalt hat mit einer Sache zu tun, an die sich die jeweilige Person 
nicht erinnern will. Als logische Folge davon erhält jener Teil der Person, der für das Erinnern von Träumen zuständig ist, eine klare 
Botschaft, dem Erinnerungsprozeß Einhalt zu gebieten. Wenn also im Verlauf der Nacht Träume kommen -wie es bei jedem gesunden 
Menschen geschieht -, bleibt die Verbindung, die den Traum in den Wachzustand hinübertransportiert, unterbrochen, weil der Träumer sich 
weigert, sich auf den Traum zu besinnen. Der Traum wird folglich entweder kurz vor oder unmittelbar nach dem Wachwerden vergessen. 
Der erste erinnerte Traum nach einer Phase des Vergessens ist sehr wichtig. Irgendwo in diesem Traum liegt der ursprüngliche Grund dafür 
verborgen, warum die Person ihre Träume nicht mehr im Gedächtnis behalten konnte oder wollte. Wenn also ein Mensch noch nicht dazu 
bereit ist, sich an etwas zu erinnern, das zu vergessen er schon einmal vorgezogen hat, dann sollte er die folgende Technik nicht anwenden. 
Ist der Betreffende aber bereit, einen Schritt vorwärts zu wagen und sich den Trugbildern der Nacht zu stellen, so wird er sich innerhalb einer 
Woche, vielleicht auch in kürzerer Zeit, wieder an seine Träume erinnern.« 
Eine der Teilnehmerinnen bittet um das Redeholz und fragt, warum ein Mensch, der einmal für sich beschlossen hat, seine Träume zu 
vergessen, nicht einfach seine Entscheidung umkehren kann, um sich wieder an sie zu erinnern. Sie gibt das Redeholz an Shawnodese 
zurück. 
»Das ist durchaus möglich«, antwortet Shawnodese, »wenn man mit dem Teil seiner Selbst in Verbindung treten kann, der absichtsvoll 
vergessen hat. 
Ich möchte behaupten, daß der Teil von euch, der träumt, viel umfassender ist, viel intelligenter als euer waches Selbst. Ihr habt sicher schon 
von der These gehört, daß wir nur einen kleinen Prozentsatz unserer Gehirnleistung nutzen. Vielleicht ist der Teil von uns, der unsere 
Träume produziert, dieses umfassende, ungenutzte Segment unseres Gehirns. Ich stehe mit dem Teil meines Selbst, das es mir gestattet, 

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einen Traum im Gedächtnis zu behalten, direkt in Verbindung - so als sei es eine andere Person, mit der ich mich unterhalte. Ich spreche von 
ihm als dem unbewußten, dem nichtbewußten oder unterbewußten Teil meines Selbst. Wollt ihr euch also an eure Träume erinnern und habt 
ihr das bisher noch nicht auf regelmäßiger Basis getan, so müßt ihr den unbewußten Teil eures Selbst davon überzeugen, daß es euch 
wirklich ernst ist mit eurem Wunsch. Damit meine ich, daß alles, was wir tun und sagen, von diesem unbewußten Teil gespeichert und 
verarbeitet wird. Deshalb enthält meine Technik zum Erinnern von Träumen eine Reihe von Schritten, die sämtlich dem Zweck dienen, 
direkt oder indirekt ernsthaft mit dem Unbewußten zu kommunizieren. (Siehe Anhang, 6. Übung) 
Der erste Schritt, um euch an eure Träume zu erinnern, besteht entweder darin, Papier und Stift in greifbarer Nähe neben das Bett zu legen 
oder aber einen Kassettenrecorder mit einer bereits eingelegten Leerkassette auf den Nachttisch zu stellen, um die Träume gleich nach dem 
Aufwachen auf Band zu sprechen. Selbstverständlich sollte eine Lichtquelle vorhanden sein, die das Schreiben oder Aufnehmen jederzeit in 
der Nacht möglich macht. Mittels dieser Handlung redet ihr indirekt euer Unbewußtes an und sagt: >He, du da unten, ich bin jetzt bereit, 
mich an meine Träume zu erinnern. Es ist mir ernst. Ich werde sie aufnehmen, und das ist mein Beweis.< Ich selbst kontrolliere gerne noch 
einmal, ob ich nicht meinen guten Vorsatz unbewußt sabotiere, indem ich mir einen Stift zurechtgelegt habe, der vielleicht nicht schreibt 
oder einen Recorder, der nicht aufnimmt. 
Im zweiten Schritt zum Erinnern von Träumen geht es darum, sich auf den Schlaf vorzubereiten und sich zu Bett zu begeben. Die Position, 
in der ihr liegt, ist von Bedeutung. Sie sollte bequem sein, aber auch nicht zu bequem. Ihr werdet jetzt in einem Zustand entspannterBewußtheit eine geistige Übung vollziehen. Um diese erfolgreich durchzuführen, braucht ihr sowohl Entspannung als auch Bewußtheit. 
Wenn ihr zu schnell einschlaft, dann verliert ihr die Bewußtheit. Ist die Position zu unbequem, so findet ihr keine Entspannung. Für mich 
habe ich herausgefunden, daß es mir am besten geht, wenn ich auf dem Rücken liege. Andere liegen lieber auf dem Bauch oder auf der Seite. 
Entscheidend ist die entspannte Bewußtheit. 
Wenn ihr bereits entspannt seid, dann könnt ihr den folgenden Schritt übergehen. Fühlt ihr euch jedoch angespannt, dann empfehle ich diese 
Übung für gesteigerte Entspannung, bevor ihr mit dem vierten Schritt weitermacht. Spannt und lockert im Wechsel beispielsweise eure Füße, 
atmet Entspannung in sie hinein; spannt und lockert dann eure Beine, atmet Entspannung in sie hinein ... und so arbeitet ihr euch den ganzen 
Körper hinauf bis zu den Händen, den Armen und den Gesichtsmuskeln. Besonders wichtig ist es, die Muskeln in den Füßen, Händen, im 
Bauch und Gesicht (dort insbesondere den Unterkiefer) zu entspannen. Sobald ihr einen angemessenen Grad der Entspannung erreicht habt, 
macht mit dem vierten Schritt weiter. 
Der vierte Schritt kann als selbstgesteuerte Meditation oder Visualisation erfolgen, mit der bislang viele Menschen Erfolg hatten. Er kann 
aber ebenso eine geleitete Meditation sein, wenn ein Freund oder Partner euch den Text vorliest. Oder ihr könnt die Visualisation auf eine 
Kassette aufnehmen und sie, bevor ihr einschlaft, abspielen. Mit dieser Methode funktioniert es gleichfalls gut. 
Es folgt nun die Visualisation. Stellt euch einen alten Steinbrunnen in einer Wiese vor. Es ist ein wunderschöner Tag, und ihr ruht euch 
neben dem Brunnen aus. Auf der Brunneneinfassung sind die Worte eingemeißelt: Die Quelle des Unbewußten von (Name). Setzt euren 
Namen an die freie Stelle. Zum Beispiel heißt es auf meiner Brunneneinfassung >Die Quelle des Unbewußten von Shawnodese<. Dann laßt 
ihr euch ein paar Minuten Zeit, um euch zu entspannen und die Wiese, den Brunnen und die Schönheit des Tages auf euch wirken zu lassen. 
Als nächstes stellt ihr euch vor, daß ihr einen Block und einen Stift habt. Schreibt die folgende Aussage nieder: >Ich, (Name), lasse nun los, 
was immer ich loslassen muß, damit ich empfangen kann, was ich empfangen muß, um mich hinfort an meine Träume zu erinnern. Du, 
(Name), läßt nun los, was immer du loslassen mußt, damit du empfangen kannst, was du empfangen mußt, um dich hinfort an deine Träume 
zu erinnern. Er oder sie, (Name), läßt nun los, was immer er oder sie loslassen muß, damit er oder sie empfangen kann, was er oder sie 
empfangen muß, um sich hinfort an seine oder ihre Träume zu erinnern.< 
Ich habe herausgefunden, daß ich mein Unbewußtes am erfolgreichsten programmieren kann, wenn ich es in all den Formen anspreche, die 
es gewohnt ist. 
Weil mein Unbewußtes ein fester Teil von mir ist, rede ich fortwährend in der ersten Person mit ihm: >Ich.< Es hört auch alles, was man zu 
mir in der zweiten Person sagt: >Du< Und es weiß einiges, was über mich geredet wird, und daher spreche ich mein Unbewußtes auch in der 
dritten Person an: >Er.< - oder >Sie<, wenn du eine Frau bist. 
Als nächstes ist es notwendig, die Notiz, die ihr gerade im Geiste geschrieben habt, mit Datum und Unterschrift zu versehen. Am besten tut 
ihr dies mit der gleichen Unterschrift, mit der ihr auch einen Scheck abzeichnet. Des weiteren ist es wichtig, das richtige Datum unter das 
Schreiben zu setzen, achtet also darauf, daß ihr es auch wirklich kennt. Dann faltet ihr die Notiz zu einem kleinen Rechteck und laßt dieses in 
den Brunnen eures Unbewußten fallen. Beobachtet das Papier, wie es langsam nach unten schwebt, wie es kleiner und kleiner wird, bis es in 
das Dunkel eures Unbewußten eintaucht. 
Nachdem die Notiz verschwunden ist, stellt euch vor, daß ihr im Bett liegt und schlaft. Es ist eine friedliche und erholsame Nacht. Stellt euch 
zunächst vor, wie ihr schlaft, und dann, wie ihr anfangt, einen Traum zu erfahren. Laßt es einen einfachen Traum sein, vielleicht ein 
Regenbogen nach einem Sommergewitter. Macht euch die Lebendigkeit der Regenbogenfarben in eurer Umgebung deutlich bewußt. Laßt 
den Geruch der Luft nach dem Gewitter in eure Nase aufsteigen. Hört das Singen der Vögel. Laßt eure Hände durch das nasse Gras gleiten. 
Setzt all eure Sinne dafür ein, daß der Traum so lebendig wie möglich wird. Dann stellt euch vor, wie ihr nach dem Traum aufwacht, wie ihr 
freudige Erregung und Zufriedenheit spürt, weil ihr euch an den Traum erinnert habt. 
Nun malt ihr euch aus, wie ihr das Traumgeschehen in möglichst vielen Einzelheiten sofort auf Band sprecht. Seht euch, wie ihr euch die 
Formen, Strukturen und Farben der Regenbogenszene vergegenwärtigt. Erweckt den Geruch der Luft in euch zum Leben und die Struktur 
des nassen Grases an eurer Hand. Nachdem ihr euch mit eurem inneren Auge dabei zugesehen habt, wie ihr euren Traum aufgenommen habt, 
laßt ihr nun ein Gefühl des Stolzes und Freude darüber zu, an dieses selbstgesteckte Ziel gelangt zu sein. Laßt dieses Gefühl durch euch 
hindurchfließen, und dann gestattet ihr es euch, in einen natürlichen Schlaf zu gleiten, in den traumerfüllten Schlaf der Nacht. 
Ich habe es erlebt, daß hinterher Menschen zu mir kamen und sagten, meine Technik habe keine Wirkung gezeigt. Wenn ich sie dann 
vorsichtig befragte, dann stellte ich meistens fest, daß sie irgendeinen Teil ausgelassen hatten, den sie nicht für wichtig hielten. Nachdem sie 
es noch einmal mit der vollständigen Methode, wie ich sie eben beschrieben habe, versucht hatten, berichteten sie mir von ihrem Erfolg. Die 
größte Schwierigkeit liegt für die meisten Menschen darin, nicht einzuschlafen, bevor sie die Visualisation beendet haben. Wenn ihrbemerkt, daß darin euer Problem liegt und euer Bett einfach zu bequem ist, dann schlage ich vor, daß ihr die Übung auf einem Stuhl sitzend 
durchführt. Folgt den Anweisungen der Visualisation bis zu der Stelle, an der ihr das Erfolgserlebnis verspürt, weil es euch gelungen ist, 
einen Traum aufzuzeichnen. Dann erst steht ihr auf und legt euch tatsächlich ins Bett.« 
Lucy, eine Lebensberaterin aus Florida, bittet um das Redeholz. »Shawnodese«, sagt sie, »es gelingt mir nicht zu visualisieren. Ich weiß 
nicht, wie es geht. Wie aber kann ich dann deine Technik anwenden?« 
Sie reicht ihm das Holz zurück. »Ich gebe dir den Rat, den ich vor vielen Jahren selbst erhielt, als ich mit den gleichen Schwierigkeiten zu 
kämpfen hatte«, antwortet er. »Wenn du nicht visualisieren kannst, dann stell dir vor, daß du es tust. Falls du es dir auch nicht vorstellen 
kannst, dann tue so, als ob du dir vorstellst, daß du visualisierst. Bei mir hat es funktioniert, doch sollte das bei dir nicht der Fall sein, so 
wiederhole einfach die Worte der Visualisation in deinem Kopf. Auch das ist schon ausreichend, um den Erfolg der Technik zu sichern. 
Ich würde gerne noch ein wenig über den ersten Traum sprechen, den ihr wahrscheinlich haben werdet, nachdem diese Meditation von euch 
angewendet wurde. Dieser Traum wird aller Wahrscheinlichkeit nach Informationen enthalten, die ihr auf der Basis eures Unterbewußtseins 
nicht erfahren wollt. Denkt noch einmal über die Meditation nach. Ihr sagt: >Ich lasse los, was immer ich loslassen muß<, und erteilt damit 
eurem Unbewußten die Erlaubnis, Material auf die Ebene des Bewußtseins zu heben, das unerfreulich sein könnte. Indem ihr sagt: >Ich 
empfange, was ich empfangen muß, um mich hinfort an meine Träume zu erinnern<, teilt ihr eurem Unbewußten mit, daß ihr bereit seid, die 
Aspekte eures Selbst anzunehmen, die bisher im Verborgenen ruhten. 


72 


Daher ist es sehr wichtig, den ersten Traum, den ihr haben werdet, nachdem ihr euch auf die Straße der Traumerinnerung begeben habt, 
aufzuzeichnen und mit ihm zu arbeiten. Unterlaßt ihr es, so übermittelt ihr eurem Unbewußten eine doppelte Botschaft. Auf der einen Seite 
investiert ihr viel Zeit in eine Meditation, die euch helfen soll, euch an eure Träume zu erinnern, während ihr auf der anderen Seite eurem 
Unbewußten sagt: >Ich erinnere mich an diesen Traum, aber er war nicht wichtig genug, um ihn aufzuschreiben< oder: >Er war nicht so 
wichtig, und obwohl er von mir aufgeschrieben wurde, habe ich mich nicht richtig mit ihm beschäftigt.< Die Meditation stellt für euch eine 
direkte Verbindung zu eurem unbewußten Selbst her, und dort ist alles aufgezeichnet, was ihr den Tag über gesagt oder getan habt. Also 
kann es geschehen, daß eure fehlende Bereitschaft, euch der Arbeit mit den Traumelementen zu stellen, eine durchdringendere Botschaft in 
eurem Unbewußten hinterläßt als die Meditation. Wenn ihr die Meditation ausübt, um euch an eure Träume zu erinnern, dann seid darauf 
gefaßt, daß der erste Traum unerfreulich sein kann. Aber gleichgültig, ob er unerfreulich ist oder nicht - es ist wirklich wichtig, daß ihr den 
Traum aufzeichnet und euch mit ihm beschäftigt, wenn ihr mit der Traumarbeit fortfahren möchtet.« 
Shawnodese legt das Redeholz auf den Boden. Der Gesichtsausdruck der meisten vermittelt den Eindruck, als ob sie gerne mehr hören 
würden. 
»Es gibt ein paar Alltagsbegriffe«, fährt Shawnodese fort, »die allgemein benutzt werden, um Traumprozesse zu beschreiben, die tatsächlich 
sehr wichtig sind. Ich meine Ausdrücke wie >in den Schlaf hinübergleitem, >einschlafen< und >aufwachen<. Diese Ausdrücke beschreiben 
wortwörtlich Prozesse des Schlafens, aber auch die Annäherung an den Schlaf und das Traumgeschehen. Der Mensch, der >in den Schlaf 
hinübergleitet<, ist viel eher dazu in der Lage, sich an seine Träume zu erinnern als jemand, der >einschläft< und förmlich in den Schlaf 
hineinfällt. 
Für manche ist das hektische und überfüllte Leben, das sie führen, ein Teil des Problems. Dieser Lebensstil betrachtet den Schlaf nur als 
notwendiges Übel. Solche Menschen gehen oft vollkommen erschöpft ins Bett, schlafen >wie ein Stein< und >sitzen senkrecht im Bett<, 
wenn der Wecker klingelt, noch bevor sie die Gelegenheit hatten, sich vollständig auszuruhen. Da wäre schon ein wahrhaftig mächtiger 
Traum notwendig, der diesen Kreislauf durchbricht und der Erinnerung würdig ist. 
Die beiden entscheidenden Phasen für die Traumarbeit sind die Zeit kurz vor dem Einschlafen, und jene, unmittelbar vor dem Aufwachen. 
Wer durch den Wecker aus einem Erschöpfungsschlaf herausgeholt wird, betrügt sich um genau diese beste Traumzeit. Wenn du jemand 
bist, der seine Träume bewußter erleben möchte, dann besteht eine Möglichkeit darin, daß du dein normales schnelles Einschlafen 
verlangsamst, indem du deinen Tag so planst, daß du mindestens zehn Minuten eher zu Bett gehst. Das allein könnte dir schon die Erfahrung 
ermöglichen, in den Schlaf hinüberzugleiten. Man kann den Prozeß des Einschlafens, bevor man in die Traumzeit eintritt, auch dadurch 
verlängern, indem man in Gedanken noch einmal den Tagesablauf nachvollzieht, und zwar ohne ihn dabei zu bewerten, wie Luke es 
vorgeschlagen hat. Eine dritte Methode besteht darin, im Bett zu liegen und sich vorzustellen, wie man tatsächlich in den Schlaf 
>hinübergleitet<. Oder ihr liegt mit geschlossenen Augen, aber wachem Verstand und beobachtet die Gedanken, die an die Oberfläche eures 
Bewußtseins gelangen. Dann gestattet ihr es euch, zum Handelnden innerhalb eines Gedankens zu werden, ein aktiver Teilnehmer. Und auf 
diese Weise geht ihr dann vom Wach- in den Traumzustand über. 
Ich selbst schließe manchmal die Augen und beobachte die wechselnden Muster und Farben, die dann in meinem Geist spielen. Wenn diese 
Farbmuster Symbole oder Bilder andeuten, dann erlaube ich mir, zwischen sie zu treten, sie zu ordnen, zu verändern oder ihnen nur zu 
folgen. So gelingt mir ein sanfter Eintritt ins Traumland.
Um die für die Traumerinnerung wichtige Zeit und Energie des Aufwachens nutzbar zu machen, ist es eine Überlegung wert, einen Wecker 
mit einem doppelten Alarmsystem oder mit einer >Snooze< - Funktion anzuschaffen oder aber einen zweiten Wecker. Stellt die Weckzeiten 
so ein, daß sie fünf bis zehn Minuten auseinanderliegen. Sobald der erste Wecker geklingelt hat, beginnt ihr mit dem Erwachen, bleibt jedoch 
noch liegen, bis der zweite klingelt. Während dieser Zeit geht ihr die Träume durch, an die ihr euch erinnert, und beobachtet die Bilder, die 
sich in einem solchen halbwachen Zustand entwickeln. 
In diesen Dämmerphasen, währenddessen man gerade in den Schlaf hinübergleitet oder aus ihm zurückkommt - im Fachjargon nennt man 
die beiden Phasen den hypnagogischen und den hypnopompischen Zustand -, erhält man oft Antworten auf quälende Fragen, die Deutung 
von Symbolen oder andere Formen der Inspiration. 
Wenn ihr auf einen Wecker verzichten wollt, dann könnt ihr die Technik zum Erinnern der Träume auch dahingehend abwandeln, daß sie 
euch bei der Veränderung eurer Schlafgewohnheiten unterstützt. Aber Achtung: Benutzt die eine oder die andere Methode, aber nicht beide 
zur gleichen Zeit. Setzt die Technik zuerst ein, um euch an eure Träume zu erinnern, und erst dann, wenn ihr bequem mindestens einen 
Traum pro Schlafperiode im Gedächtnis behaltet, könnt ihr die Technik abwandeln, um eure Schlafgewohnheiten zu ändern. Oder ihr 
vollzieht den zweiten Schritt vor dem ersten, und erst nachdem eure Schlafgewohnheiten drei Wochen oder länger in der veränderten Form 
überdauert haben, nutzt ihr die Technik, um euch an eure Träume zu erinnern oder um sie zu verstärken. 
Es folgt nun die Methode, die es euch erlaubt, zu einer gewünschten Zeit aufzuwachen und aufzustehen, ohne dafür einen Wecker benutzenzu müssen (Siehe Anhang, 7. Übung). Angenommen, eure normale Aufstehzeit ist sechs Uhr, aber ihr möchtet gerne zuvor noch zehn 
Minuten für euch haben, um den halbwachen Zustand im Bett liegend zu erfahren. Macht die Entspannung, wie ich sie zuvor beschrieben 
habe, und nutzt dazu die Visualisation, in der ihr euch in der Wiese am Brunnen eures Unbewußten seht. Dann, statt daß ihr im Geiste etwas 
über das Erinnern eurer Träume aufschreibt, benutzt ihr den folgenden Text: >Ich, (Name), werde morgen um zehn vor sechs erwachen. Du, 
(Name), wirst morgen um zehn vor sechs erwachen. Er oder sie, (Name), wird morgen um zehn vor sechs erwachen.< Unterschreibt das 
Stück Papier, nachdem ihr es noch einmal geprüft habt, und verseht es mit dem Datum. Dann laßt ihr es in den Brunnen eures Unbewußten 
fallen und schaut zu, wie es verschwindet, genauso, wie es zuvor mit dem anderen Papier geschehen ist. Anschließend stellt ihr euch vor, wie 
ihr einschlaft und am nächsten Morgen pünktlich um zehn vor sechs friedlich und natürlich erwacht. Ihr schaut auf euren Wecker und seht, 
daß die Zeiger genau in der Position dieser Uhrzeit stehen. Ihr seid glücklich, so früh aufgewacht zu sein und noch ein wenig Zeit mit euch 
selbst im Bett verbringen zu können, bevor der Wecker klingelt. 
Nachdem ihr damit über mehrere Wochen gearbeitet habt, werdet ihr feststellen, daß euer Körperrhythmus euch ganz natürlich zu der 
gewünschten Zeit erwachen läßt. Jetzt könntet ihr den Versuch wagen, eure Weckzeit nur um eine Minute vorzustellen, also auf eine Minute 
vor sechs. Auf diese Weise übt ihr, den Wecker auszustellen, gerade bevor er klingelt. Hierdurch vermeidet ihr diesen alarmierenden Effekt 
des Weckers vollkommen, was euch - das wage ich zu behaupten -, für den Rest des Tages in bessere Stimmung versetzen wird. Indem ihr 
euren Wecker nur um eine Minute vorstellt, werdet ihr nicht zu spät aufstehen - selbst dann, wenn es euch nicht immer gelingt, vor dem 
Weckerklingeln aufzuwachen -, und euer Körper kann sich seinem eigenen Rhythmus anpassen.« 
Der Tag scheint sich abzukühlen, also steht Shawnodese auf, dankbar für die Gelegenheit, sich zu bewegen und für ein paar Minuten nicht zu 
reden, und kümmert sich um den Holzofen. Die Teilnehmer des Kreises reden leise miteinander, bis er sich wieder auf seinen Platz begibt. 
Hans, ein Handwerker aus Deutschland, fragt, ob Shawnodese Erfahrungen mit Traumwerkzeugen wie dem Traumkissen, dem Traumnetz 
oder ähnlichem hat. 
»Ich habe schon viele Traumwerkzeuge gesehen«, antwortet Shawnodese. »Das Traumkissen, das nach landläufiger Meinung am besten 
wirken soll, dürfte das gebräuchlichste von ihnen sein. Traumkissen werden aus mehreren Gründen hergestellt. Zum einen natürlich, um 
einem zu helfen, sich an seine Träume zu erinnern; in diesem Fall sollten sie eines der folgenden Kräuter oder alle von ihnen enthalten: 
Beifuß, Lavendel, Rosenblätter und/oder Kamillenblüten. Um den Schläfer während der Traumzeit zu schützen, sollte das Traumkissen alle 
oder eines der folgenden Kräuter enthalten: Beifuß, Salbei und/oder Zeder. Wenn ihr bestimmte Elemente in eure Träume rufen wollt, dann 
füllt euer Traumkissen mit Lavendel, Beifuß, Kamille und/oder Rosenblättern. Zusätzlich solltet ihr etwas beigeben, was das Element der 
Schöpfung symbolisiert, mit dem ihr durch euren Traum Verbindung aufnehmen wollt. Wenn ihr beispielsweise Kontakt mit dem Geist desHirsches aufnehmen möchtet, dann könntet ihr die Afterklaue eines Hirsches mit in euer Traumkissen legen. (Siehe Anhang, 8. Übung) 


73 


Viele Menschen nehmen Steine oder Kristalle mit ins Bett, und behaupten, daß diese ihre Fähigkeit zu träumen steigern. Solche Gegenstände 
werden entweder unter das Kissen gelegt oder während des Einschlafens in der Hand gehalten. Eine weitverbreitete Annahme besagt, daß 
das Traumvermögen erhöht oder vergrößert wird, wenn man vor dem Einschlafen, wie Luke es vorschlug, einen Kristall in der Hand hält 
oder ihn unter das Kopfkissen legt. 
Etliche mir bekannte Menschen haben versucht, das Wachbewußtsein im Traumzustand aufrechtzuerhalten, indem sie einen besonderen Ring 
tragen oder beim Einschlafen einen speziellen Stein in der Hand halten. Sie schlafen mit dem Ziel, in ihren Träumen nach diesem Stein oder 
Ring zu suchen. Finden sie den Gegenstand, so wird dies zum Auslösemechanismus für die Bewußtheit des Träumers während des 
Traumzustands. 
Ich möchte euch berichten, was eine Frau der Salish-Indianer dazu erzählt hat. Ihre Mutter, eine Stammesälteste, übt eine Funktion aus, die 
man mit dem Begriff Medizinfrau umschreiben könnte. Im Alter entwickelte diese Frau eine verkrüppelnde Form von Arthritis, die sie daran 
hinderte, so viel zu reisen, wie sie es in der Vergangenheit getan hatte. Die gewohnten Reisen fehlten ihr jedoch sehr. Ihre Tochter, eine Frau 
Ende Dreißig, verreiste ebenfalls sehr gerne und oft. Die Mutter bat sie, von jedem besonderen Platz, den die Tochter besuchte, einen kleinen 
Stein oder Kiesel mitzubringen. Wenn die Tochter dieser Bitte nachkam, dann schlief die Älteste mit dem Stein oder Kiesel. Sie träumte, und 
in ihren Träumen sah sie nicht nur die Orte, die von ihrer Tochter aufgesucht worden waren, sondern auch alle Geschehnisse, die sich in der 
Zeit ihres Aufenthaltes dort ereignet hatten. Die Medizinfrau vermochte den Stein wie eine Art Traumzeit-Videorecorder zu benutzen. DieÄlteste konnte sogar der Tochter die Menschen beschreiben, denen sie auf ihrer Reise begegnet war, und auch die Gespräche schildern, die 
sie mit ihnen geführt hatte!« 
»Ich bin wirklich froh, daß meine Mutter diese Fähigkeit nicht hat«, platzt Erika, eine Studentin aus Wien, heraus. Viele in der Runde lachen 
zustimmend. »Sun Bear praktiziert eine ähnliche Methode, um Einzelheiten über die Kraft von Medizingegenständen zu erfahren«, fährt 
Shawnodese fort. »Willst du uns darüber etwas sagen, Sun Bear?« 
»Du machst das sehr gut, Bruder«, antwortet Sun Bear. »Also sprich nur weiter.« 
Shawnodese nimmt den Faden wieder auf. »Sun Bear setzt das Objekt und sich selbst einer Räucherung aus und schläft dann damit. In seinen 
Träumen erfährt er dann etwas über die Macht des Objekts und wie er sie einsetzen kann. Er ist recht viel in Mexiko und Mittelamerika 
herumgereist. Eines seiner Interessen gilt handgeschnitzten Masken, aber nicht irgendwelchen unter ihnen. Er sucht vielmehr nach solchen 
Masken, die aus Familien von Maskenschnitzern stammen, in denen die Tradition vom Vater an den Sohn weitergegeben wurde, und spricht 
mit den Kunsthandwerkern über ihre Begabung. 
Wenn Sun Bear solche Masken ausfindig machen kann, dann kauft er sie. Nachdem er sich und die Maske einer Räucherung unterzogen hat, 
setzt er die Maske auf und gestattet es sich, mit ihr einzuschlafen. Er hat einmal von einer Maske erzählt, die von ihm auf die zuvor 
beschriebene Weise erworben wurde, daß er, wann immer er sie vor dem Einschlafen aufsetzt, ganz und gar von einem grünen Licht 
umgeben wird. Dann träumt er von etwas, das ihm in der Zukunft zustoßen wird. Bei einer anderen Maske, die wie ein Pumagesicht aussieht, 
träumt er, daß er sich im tropischen Urwald aufhält und dort frei wie ein Puma herumläuft.« 
»So ist es, Bruder«, stimmt Sun Bear zu. »Nun laß uns diesen Leuten Bewegung verschaffen - vielleicht bis zu dem Holzstoß, damit sie für 
das Mittagessen Appetit und wir für den Winter ein wenig zusätzliches Brennholz bekommen.« 

Träumen 

Es ist ein sonniger, warmer und träger Nachmittag. Die Wolken, die noch heute morgen den Himmel bedeckten, sind davongezogen und 
haben die Kälte mitgenommen. Nach dem ersten Traumkreis des Tages haben sich die Teilnehmer ein wenig Bewegung verschafft, indem 
sie Holz hackten und dieses aufstapelten, und dann ein gutes Mittagessen eingenommen; danach wollten alle ein wenig Zeit für sich selbst. 
Luke entschloß sich dazu, für den Rest des Tages Besuche zu machen. 
Sun Bear ist auf dem Berg spazierengegangen. Wabun und Shawnodese sind bald zu dem gleichen Zweck aufgebrochen, gefolgt von einigen 
weiteren Teilnehmern. Als sich die Runde wieder zusammenfindet, scheinen alle frisch und fröhlich und bereit, um eines der schwierigeren 
Themen anzugehen: das Träumen an sich. 
Wabun nimmt das Redeholz auf und beginnt. »Ich glaube, den Vorgang des Träumens vom historischen und vom kulturellen Aspekt her zu 
verstehen. Ich weiß, wie ich einen Traum vorbereiten muß, ich habe eine Meinung dazu und bringe das Verständnis dafür auf, wie man mit 
Träumen arbeitet, unser Thema für morgen. Aber ich kann keinen wirklichen Zugang dahingehend bekommen, was das Träumen an sich 
eigentlich wirklich ist.« 
»Ich glaube, das vermag niemand«, gibt Shawnodese zu bedenken. »Wissenschaftler sagen, Träumen sei eine Funktion des geistigen 
Prozesses, der während des Schlafs abläuft. Manche Forscher sind davon überzeugt, daß Träume eine Bedeutung haben und Aufgaben für 
den Träumenden erfüllen, vielleicht sogar seine Gehirnzellen erneuern. Träume scheinen eine Möglichkeit für Menschen zu sein, die 
Probleme zu lösen, die sie im Wachzustand verdrängen. Sie unterstützen uns dabei, künstlich Informationen herzustellen. Sie gestatten es 
dem Menschen, die Energien freizusetzen, die er im Wachzustand zurückhält, wie zum Beispiel großen Zorn, Trauer oder Schmerz. Folglich 
heben Träume nicht nur Spannungen auf, sondern sie wirken wie ein Sicherheitsventil für Instinkte, die dem Träumenden oder den Personen 
seiner Umgebung gefährlich werden könnten. Träume wirken sich auf das Leben des Träumers ausgleichend aus.« 
»Dem stimme ich zu«, sagt Wabun. »Ich habe ein bißchen zu dem Thema geforscht. Es ist mir klar, daß einige von euch sich damit 
ausführlicher befaßt haben, also entschuldigt bitte, wenn ich mich zu einfach ausdrücke oder Dinge wiederhole, die ihr schon wißt. Es hilft 
mir manchmal, den Stoff besser zu verstehen, wenn ich ihn anderen gegenüber formulieren kann. 
Ich weiß, daß ein normaler, gesunder Mensch während des Schlafes physiologisch ungefähr alle neunzig Minuten in einen neuen 
Traumzyklus eintritt. Das bedeutet, daß man vier bis sieben Traumperioden pro Nacht durchleben kann. Normalerweise erreicht man 
während des ersten nächtlichen Zyklus die größte Schlaftiefe und gelangt vom Leichtschlaf (Stadium B) direkt zum Tiefschlaf (Stadium E). 
Stadium B bezeichnet die Schlaftiefe, in der man den Wachzustand (Stadium A) verläßt; Stadium E steht wie gesagt für den Tiefschlaf. All 
unsere Körperfunktionen sind spürbar stark vermindert. Nach etwa einer Stunde kommt man durch die übrigen Schlafebenen (Stadium D und 
Stadium C) zurück, bis man wieder den Leichtschlaf erreicht. Dann beginnt der Zyklus von neuem, obwohl der Tiefschlaf (Stadium E) jetzt 
normalerweise nicht mehr erreicht wird, sondern nur noch das Stadium D. Je mehr Zyklen verstreichen, desto mehr tritt in der 
Leichtschlafphase der sogenannte REM-Schlaf (Rapid Eye Movements) mit seinen raschen Augenbewegungen auf. Wenn wir jemanden in 
der REM-Phase beobachten, dann wirkt er beinahe so auf uns, als würde er einen inneren Spielfilm anschauen. Weckt man die Person in 
diesem Stadium auf, was gar nicht so einfach ist, so wird sie sich am häufigsten an einen Traum erinnern. Sun Bear, weißt du noch, wie wir 
Shasta beim Schlafen beobachtet haben? Dieser alte Hund bewegte deutlich wahrnehmbar Augen und Körper, während er schlief. Bei vielen 
Babys scheint es genauso zu sein. Für mich unterstützt eine solche Beobachtung die Theorie, daß alle Lebewesen, nicht nur die Menschen, 
träumen.« 
»Ich sehe jetzt noch das Gezappel von Shasta vor mir. Wir haben Witze darüber gemacht, daß er wahrscheinlich in seinen Träumen auf der 
Kaninchenjagd war«, wirft Shawnodese ein und fährt dann statt Wabun fort. »In der REM-Phase erhöht sich der Blutdruck, und die 
physiologische wie auch die sexuelle Reaktionsfähigkeit steigern sich. Doch der Muskeltonus ist schwächer, und deshalb fällt es mitunter 
schwerer, jemanden in der REM-Phase zu wecken als während des Tiefschlafs (Stadium E). Der REM-Schlaf wird auch der >paradoxe 
Schlaf< genannt. Zu Beginn der Schlafforschung ging man davon aus, daß die gesamte Traumaktivität in der REM-Phase stattfindet, aber 
spätere Forscher widerlegten diese Hypothese. Der Mensch kann in allen vier Schlafphasen träumen, aber die Träume des Non-REM-Schlafs 


74 


scheinen bei den meisten Menschen von anderer Qualität zu sein als die Träume der REM-Phase: weniger lebhaft, schattengleicher, nicht so 
intensiv sowohl auf emotionaler als auch auf körperlicher Ebene.« 
»Das ist alles sehr interessant«, gibt Sun Bear zu bedenken, »aber keiner dieser Forscher scheint zu wissen, was Träume tatsächlich sind oder 
tun.« 
»Dazu gibt es mehrere Theorien«, antwortete Shownodese. »Eine von ihnen legt nahe, daß der Hirnstamm Signale auslöst, welche die 
Sinneskanäle des Gehirns auf ähnliche Weise funktionieren lassen wie die Sinneseindrücke in der Wachphase. Dies bedeutet, daß das Gehirn 
dem Träumer vorgaukelt, er durchlebe eine tatsächliche Erfahrung, allerdings ohne äußere Anreize. Außerdem geht die Produktion der 
Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin im Schlaf stark zurück, was wiederum heißt, daß sich der Träumende seiner selbst weniger 
bewußt und auch unkritischer ist. Von Serotonin nimmt man an, daß es Sinnestäuschungen unterdrückt, und da es im Schlaf vermindert 
ausgeschüttet wird, fördert es die Halluzinationsfähigkeit. 
In einer anderen Theorie wird davon ausgegangen, daß die Hirnstammaktivität im REM-Schlaf den Menschen darin unterstützt, sich an den 
Stoff zu erinnern, den man im Wachzustand gelernt hat, indem sie >höhere< Bereiche des Gehirns aktiviert. Eine weitere Hypothese besagt, 
daß wir den REM-Schlaf dazu nutzen, um überflüssige Informationen abzustoßen, die uns sonst nur blockieren und verwirren würden. Dieser 
Theorie zufolge wird empfohlen, sich lieber nicht an Träume zu erinnern, weil sie sich ohnehin nur aus geistigem Abfall zusammensetzen.« 
»Keiner dieser theoretischen Ansätze scheint in Betracht zu ziehen, daß Träume Menschen aktiv darin unterstützen, ihre Probleme zu lösen 
und ihre Kreativität zu fördern«, sagt Wabun. 
»Das ist wahr, keiner von ihnen geht darauf ein«, stimmt Shawnodese zu, »aber das ist nur wenig erstaunlich. Die Forscher sind sich ja sogar 
darüber uneinig, warum wir überhaupt schlafen. Manche sagen, daß wir auf diese Weise Nahrung sparen, da unser Hunger zurückgeht. 
Andere behaupten, daß uns der Schlaf davor schützt, von nachtaktiven Raubtieren aufgefressen zu werden, die uns nicht so leicht finden 
können, weil im Schlaf unser Stoffwechsel zurückgeht und wir somit einen evolutionären Vorsprung haben. Wiederum andere vertreten die 
Ansicht, daß der Schlaf unserem Gehirn die Gelegenheit gibt, sich auszuruhen und zu erneuern; dann meinen welche, unser Körper würde in 
dieser Zeit besser heilen. Die nächste Forschergruppe weist auf den Rückgang von Serotonin während des REM-Schlafs und auf die 
Zunahme von halluzinativer Tätigkeit hin und kommt zu dem Ergebnis, daß der Schlaf eigens so angelegt ist, damit wir träumen, und zwar 
so lebhaft und intensiv, wie es uns nur möglich ist. >Zu schlafen und vielleicht zu träumen... < 
Eine Sache, welche die Zustimmung aller Wissenschaftler finden dürfte, ist die, daß die meisten Menschen - nicht alle - quengelig werden, 
wenn sie nicht eine Zeitlang schlafen können, und sei es für eine kurze Nacht. Wenn einem über längere Zeit der Schlaf entzogen wird, dann 
fängt man an zu halluzinieren, was dem Träumen ähnelt, bloß ohne den Vorzug des Schlafzustands«, fährt Shawnodese fort. 
»Ich weiß nicht, ob darin des Rätsels Lösung liegt, aber ich denke, es wird euch alle interessieren. Laßt mich mit euch ein Erklärungsmodell 
teilen, das mir geholfen hat, Träume allgemein besser zu verstehen und auf welche Weise jeder Traum - ob fragmentarisch, bizarr oder in 
sich abgeschlossen - dem Träumer zu Klarheit und Verständnis verhilft. Höchstwahrscheinlich habt ihr schon gehört, daß ich Träume als 
Hologramme bezeichne.« 
»Ja«, bestätigt Wabun, »aber ich zweifle daran, ob ich wirklich verstehe, was Laserlicht ist und wie Hologramme hergestellt werden.« 
»Laserlicht besteht aus sehr starken >kohärenten< Lichtstrahlen«, erklärt Shawnodese. »Das bedeutet, daß alle Lichtwellen in diesem 
Strahlenbündel die gleiche Energie und Frequenz aufweisen. Im Zusammenhang mit dem Wellencharakter des Lichts heißt das, alle Täler, 
Berge und Spitzen der Wellen sämtlicher Lichtstrahlen halten sich genau in gleicher Höhe zueinander. Das hält die Lichtstrahlen in einem 
sehr kompakten Bündel zusammen, das auf dem Weg durch den Raum nur sehr wenig Energie verliert. Je nachdem, wie dieser Laserstrahl 
hergestellt oder modifiziert wird, kann er für ein weites Spektrum von Funktionen eingesetzt werden, das von der Kommunikation über die 
Mikrochirurgie bis hin zu der Fähigkeit reicht, Löcher in Metalle zu brennen. 
Ein Gegenstand, von dem ein holographisches Foto gemacht werden soll, wird auf einen sehr sicheren und stabilen Untergrund gestellt. Ein 
kohärentes Laserlichtbündel, das energetisch nicht so stark ist, als daß es zerstörend wirken könnte, wird auf das Objekt fokussiert. Bevor der 
Laserstrahl das Objekt berührt, wird er in mindestens zwei Teile gespalten und mit Hilfe von Spiegeln wieder auf das Objekt gerichtet. Die 
Lichtmuster, die durch die von dem Objekt zurückprallenden Laserstrahlen auf einer speziellen fotografischen Platte entstehen, hinterlassen 
auf dieser einen Eindruck. Wenn die Platte entwickelt wird, dann erhält man das Hologramm des fotografierten Objekts. Betrachtet man das 
Hologramm aus einer bestimmten Perspektive mit ausreichend Licht, dann sieht man das Abbild des fotografierten Objekts. Mehr noch wenn 
man einen Laserstrahl auf einen beliebigen Punkt des Hologramms richtet oder sogar wenn es zerbrochen ist und man nur noch ein 
Fragment davon besitzt, dann wird das ursprüngliche Objekt in drei Dimensionen im gleichen Abstand vom Hologramm erscheinen, der 
ursprünglich zwischen dem Objekt und der fotografischen Platte lag. Es wird so aussehen, als ob das Hologramm frei im Raum schwebt, und 
man wird es aus verschiedenen Blickwinkeln als dreidimensionale, leicht ephemere Erscheinung betrachten können. 
Nun zurück zum Thema Träumen. Der sichere und stabile Untergrund, auf dem das Objekt steht, um fotografiert zu werden, ist unser 
unbewußter Traumzustand. Unsere eigene Lebenskraft ist die kohärente Energie, die in den Traumzustand hineinreicht und dort den Traum 
hervorbringt. Der Traumzustand selbst ist die Platte, die uns, wenn wir sie mit ausreichendem Licht aus unterschiedlichen Blickwinkeln 
betrachten, ein Abbild zeigt, das die Reflexion dessen ist, was in dem Moment in unserem Unbewußten und der Brennpunkt war, den unsere 
Lebenskraft dazu verwendet, um den ursprünglichen Traum zu erzeugen. 
Wenn man, ähnlich wie beim Hologramm, sein Bewußtsein so intensiv und gebündelt wie möglich auf den Traum fokussiert, dann entsteht 
das multidimensionale, detailreiche Abbild des Träumers. Das trifft sogar dann zu, wenn, wie im Beispiel des zerbrochenen Hologramm, nur 
ein Bruchstück des Traums vorhanden ist oder erinnert wird. Das Traumfragment gleicht dem Bruchstück des Hologramms. Richtet man den 
Laserstrahl nun auf das Fragment des Hologramms, so erhält man gleichwohl das vollständige dreidimensionale holographische Abbild. 
Fokussiert man intensiv auf das Traumfragment, dann produziert man ein multidimensionales Abbild des Träumers, welches das Bewußtsein 
über die Energie, die den Traum miterschaffen hat, in sich birgt.« 
Nach einer Pause von ein paar Minuten kehren alle an ihren Platz im Kreis zurück. 
Misty, eine Sekretärin aus Kanada fragt, ob vielleicht die beispielhafte Verwendung eines kurzen Traums, den sie in der vergangenen Nacht 
hatte, dazu beitragen könnte, Shawnodeses Vorstellung des Traums als Hologramm allen etwas mehr zu verdeutlichen. Shawnodese fragt sie, 
an was sie sich erinnert. 
»Ich sah lediglich eine Rose«, antwortet Misty. »Ich weiß, daß der Traum mehr enthielt als dies, aber mir fällt momentan nur die Rose ein.« 
Shawnodese sagt ihr, daß auch dieser kurze Traum sehr viel über ihre Persönlichkeit aufdecken könnte. Er fragt sie, ob es ihr recht ist, wenn 
das vor dem Kreis der übrigen Teilnehmer geschieht. 
»Natürlich«, entgegnet sie. »Ich habe das Gefühl, jeder hier im Raum gehört zu meiner Herzfamilie. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, 
daß ein so kurzer Traum so viel Persönliches enthalten kann.« 
»Du wirst dich wundern«, sagt Shawnodese. »Das Fragment deines Traums ist das Bruchstück unserer holographischen Platte«, erklärt er. 
»Wir beginnen den Prozeß, indem wir unser Bewußtsein so intensiv und gebündelt wie möglich auf dieses Fragment, die Rose, richten. 
Misty«, fragt er die Frau, »was im allgemeinen bedeutet eine Rose in deinem Leben?« 
Wie sie ihn das Wort laut aussprechen hört, meint sie, es könne sich um ein Wortspiel handeln, irgendwie darüber, wie sie sich erhebt, 
hervorbricht, nach oben strebt. Shawnodese bittet Misty dann, die Rose, die sie in ihrem Traum gesehen hat, deutlicher zu beschreiben. Sie 
antwortet, daß es sich um eine hellrosa, sehr einfaches Exemplar, gehandelt habe. Ja jetzt, wo sie gerade darüber nachdenkt, ist sie sich 
sicher, daß es eine Heckenrose gewesen sein muß. 
Sun Bear erkennt die Heckenrose als Pflanzentotem des Monds der kraftvollen Sonne im Medizinrad und sagt Misty dies. Dieser ist das 
Medizinrad vertraut, also bespricht die Runde die Möglichkeit, daß Misty mit der Energie des Monds der kraftvollen Sonne in irgendeinem 


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Aspekt ihres Lebens zu tun hat. Nachdem der Traum von einer Heckenrose handelte und deren Frucht für ihren hohen Vitamin-C-Gehalt 
bekannt ist, könnte es sein, daß der Traum einen heilenden Aspekt hatte, schlägt ein deutscher Arzt vor und fügt hinzu, daß Misty für die 
nächsten Tage vermehrt Vitamin C zu sich nehmen sollte. Shawnodese denkt über die Farbschattierung der Blüte nach und auf welche Weise 
sie vielleicht bestimmte Beziehungsmuster reflektiert, die Misty gerade durchlebt. 
Shawnodese fragt Misty, wie weit die Rose erblüht war - ob es sich noch um eine Knospe handelte oder um eine welkende, fast schon 
zerfallene Blüte -, und überträgt dies ebenfalls auf ihre Beziehungsmuster. Das hilft Misty dabei, die bestimmte Beziehung herauszulösen, 
auf die dieser Aspekt des Traums hindeutet. Shawnodese erkundigt sich nach der Farbe sowie dem Zustand des Stiels und der Blätter und ob 
Misty sich an eine vollständige Pflanze oder nur an die Blüte auf einem Stiel erinnert. Dies, so sagt er, vermittle ihm eine Vorstellung von 
einer existenten oder fehlenden Verwurzelung der Beziehung. War der Stiel abgerissen oder, wie es sich dann herausstellte, sauber 
abgeschnitten? Hatte der Stiel Dornen? Wenn ja, wie viele? Waren sie lang und spitz oder klein und stumpf? 
Shawnodeses Fragen helfen Misty, sich mehr und mehr an den Traum zu erinnern, wobei sie merkt, daß sich die Rose vor einem Hintergrund 
befand und sie selbst Teil einer Szene in dem Traum war. Diese Erinnerungen lösen weitere aus, und der Traum wird deutlicher. Als die 
Runde ihre Aufmerksamkeit auf die Farbe der Rosenblätter richtet, fällt Misty ein anderer Traum dieser Nacht ein, in dem der gleiche 
Farbton eine entscheidende Rolle gespielt hatte. Mit dem Traum, der die Aufmerksamkeit zuerst nur auf das Symbol einer einzelnen Rose 
zog, entwickelt Misty jetzt ein sehr klares Bild ihres Selbst und der Kräfte, die zum Zeitpunkt des Traums in ihrem Leben eine Rolle spielen. 
Mit ihrer körperlichen Kraft, so erzählt sie, sei es momentan tatsächlich zum Besten bestellt. Sie ist kürzlich eine Beziehung eingegangen, 
die derzeit gerade zu »erblühen beginnt«. Aber der Beziehungspartner ist nicht sehr gut geerdet, und er hat eine Reihe von 
Persönlichkeitszügen (Dornen), die Misty zu schaffen machen. Während sie sich das Umfeld des Traums ins Gedächtnis zurückruft, wird ihr 
bewußt, daß sie ihre Finger an den Dornen verletzt hat und ihr der Eindruck entsteht, daß sie mit der Blume (dem Beziehungspartner) 
vorsichtiger umgehen muß, um (seelische) Schäden zu vermeiden. Misty erkennt, daß sie auf einer recht tiefen emotionalen Ebene das 
Potential dieses Mannes als das eines lebenslangen Partners einschätzt. 
Shawnodese dankt Misty für ihre Bereitschaft, die anderen an ihr und ihrem Traum teilhaben zu lassen. 
»Ich habe diesen Traum dazu benutzt«, sagt er, »um euch eine Vorstellung davon zu geben, über wie viele Aspekte des Träumers die 
intensive Konzentration auf einen Traum Aufschluß gibt. So wie der Laserstrahl, der auf einen beliebigen Teil der holographischen Platte 
gerichtet ist, das ganze Hologramm mit seinen drei Dimensionen wiedergeben wird, so wird auch jeder Traum, den ihr sorgsam untersucht, 
euch viele Aspekte eurer Persönlichkeit zeigen.« 
»Das war wirklich interessant«, meint Wabun. »Ich bin mir nicht sicher, ob es mir recht wäre, wenn du deinen Laserstrahl auf einige meiner 
Traumfragmente richten würdest. 
Also lassen wir die Hologrammtheorie als einen Teil der Antwort auf das, was Träume wirklich sind, gelten. Eine wirkliche Antwort haben 
wir jedoch noch nicht.« 
»Bevor wir weitermachen«, wirft Sun Bear ein, »sollten wir zunächst eine Pause für das Abendbrot einlegen.« 
Alle stimmen zu und kommen zur Segnung der Speisen zusammen. Bis sie fertig gegessen haben, ist der Himmel dunkel. Die Sterne, die hell 
am Himmel stehen, versprechen eine klare Nacht. 
»Wie ich es bereits zuvor erwähnt habe«, sagt Shawnodese, das Redeholz aufnehmend, »glaube ich nicht, daß irgend jemand die Frage, was 
Träume wirklich sind, beantworten kann. Ein paar Einzelheiten sind mir jedoch klar. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die den Traumprozeß 
stören. Krankheiten jeder Art beeinflussen das Träumen. Etliche Drogen nehmen uns die Fähigkeit zu träumen. Ich habe vor allem 
beobachtet, daß Menschen, die häufig Marihuana konsumieren, die Gabe verlieren, sich an ihre Träume zu erinnern und mit ihnen zu 
arbeiten. Ich weiß, daß dies auch auf andere Drogen zutrifft, darunter einige verschreibungspflichtige Medikamente. Außerdem spielt die 
Zeit eine entscheidende Rolle. Wenn ich mir einen hektischen Zeitplan auferlegt habe, der mir nicht mehr als sechs Stunden Schlaf pro Nacht 
zubilligt, dann erinnere ich mich fast nie an meine Träume. Bin ich aber in der Lage, sieben oder mehr Stunden pro Nacht zu schlafen, dann 
bleiben auch meine Träume in meinem Gedächtnis. Es kann zur Erschwernis beitragen, sich seiner Träume zu entsinnen, wenn man 
regelmäßig mit jemandem das Bett teilt, der für zuviel Ablenkung sorgt. Wenn ihr also alles andere ohne Erfolg ausprobiert habt, um eure 
Träume im Gedächtnis zu behalten - versucht es einmal damit, eine Nacht allein zu schlafen. 
Auch den folgenden Aspekt vom Träumen finde ich sehr wichtig: Träume verurteilen niemals. Sie sagen einem nie, das ist falsch oder das ist 
richtig. Sie teilen einem mit, wie man tatsächlich und ehrlich auf einer tiefen Ebene seines Seins fühlt. Sie drücken nie aus: >Das machst du 
falsch< oder: >Das machst du richtig.< Sie bewerten moralisch in keiner Weise. Sie sagen uns nur, wie wir uns bezüglich einzelner Aspekte 
unseres Lebens und unseres Seins fühlen. Wenn ein unangenehmes Gefühl in euren Träumen vorherrscht, dann werden vielleicht 
Änderungen, die ihr in eurem Leben vornehmt, zu glücklicheren Träumen für euch führen. 
Es fällt den Menschen oft schwer, die volle Bedeutung dieser Aussagen zu erfassen, aber es handelt sich dabei um ein Konzept, das zu 
verstehen sehr wichtig ist. Wenn wir einsehen können, daß Träume Aussagen unseres Seins darstellen und nicht irgendwelche Verordnungen 
von oben, dann sind wir auch dazu in der Lage, unangenehmen Träumen und den Traumelementen, mit denen wir uns nicht wohlfühlen, aus 
einem inneren Gleichgewicht heraus zu begegnen. Träume verurteilen nicht, sie beschreiben lediglich einen Zustand.« 
Sun Bear nimmt das Redeholz auf: »Wenn es um Träume geht, dann darf man nicht vergessen, daß sie nicht sämtlich eine tiefere Bedeutung 
haben. Manche von ihnen sind nur Resultate des eigenen Verfolgungswahns oder der Arbeit, mit der man sich beschäftigt. Wenn man jeden 
Tag Holz hackt, dann träumt man vielleicht auch nachts von dieser Tätigkeit. Für mich handeln die starken Träume, die Medizinträume, von 
Tieren oder von Veränderungen auf der Erde. Solche Träume erscheinen mir sehr klar, und ich bete darum, daß sie kraftvoll sind. Ihrer 
entsinne ich mich für eine lange Zeit. 
Eure Traumzeit, wie auch immer Wissenschaftler sie erklären mögen, ist sehr wichtig, weil sie euch als Mittel dient, eine Verbindung zur 
Geistwelt herzustellen. Es ist eine Zeit, in der euer geschäftiges, kleines Gehirn sich vom Kreislauf gelöst hat und euch die Möglichkeit gibt, 
die Straßen der Kraft zu erforschen. Erinnert euch daran, daß die australischen Aborigines sagen, daß sie eine vierzigtausendjährige 
Geschichte der Traumzeit haben. Sie kennen auch einen sehr wirkungsvollen Heilungsprozeß, den sie im Traumzustand einsetzen. 
Tatsächlich träumen sie die Heilung herbei. Nun, das hört sich doch ganz anders an als Träume vom Holzhacken. 
Manchmal folgen meine Träume inhaltlich aufeinander: Der Traum einer Nacht ist die Fortsetzung eines vorangegangenen. Wenn ich mit all 
diesen zusammenhängenden Träumen arbeite, dann kann ich auf eine lange Folge von Wissen oder Informationen über ein einzelnes Thema 
zurückgreifen. Zu anderen Zeiten habe ich kleine kurze Träume zu lauter unterschiedlichen Themen. Nach und nach wird es leichter zu 
entscheiden, was ein spirituell relevanter Traum ist und was nicht. Und da wir jetzt gerade über Träume sprechen -ich hätte nun gerne 
welche. Ihr könnt für den Rest des Abends gut ohne mich weitermachen.« Alle wünschen Sun Bear gute Träume. Einige der Teilnehmer 
haben Fragen oder Probleme mit Träumen, die sie mit Shawnodese besprechen wollen. 
Nachdem wieder Ruhe eingetreten ist, sagt Uwe, ein Besucher aus Deutschland: »Shawnodese, deine Meditation mit dem Ziel der 
Traumerinnerung, von der mir ein Freund erzählte, noch bevor du sie hier beschrieben hast, hat bei mir gut angeschlagen. Bis dahin hatte ich 
seit meiner Kindheit keinen Traum mehr im Gedächtnis behalten können. Aus der letzten Nacht konnte ich mir sechs Träume merken. Ich 
war froh, einen Kassettenrecorder dabeizuhaben, sonst hätte ich den ganzen Morgen gebraucht, um sie aufzuschreiben.« 
»Das sind viele Träume«, sagt Shawnodese, »fast zu viele. Erinnert euch, ein normaler, gesunder Erwachsener beginnt etwa alle neunzig 
Minuten einen neuen Schlafzyklus. Das bedeutet, wie du selbst es eben erwähnt hast, Uwe, daß man jede Nacht fünf oder sechs Träume 
empfangen kann. Würde man sich die Zeit nehmen, sie alle aufzunehmen und mit ihnen zu arbeiten, so könnte man sein ganzes Leben damit 
zubringen. Wenn ihr fortwährend mehr Träume habt, als ihr zu verarbeiten oder aufzunehmen imstande seid, oder wenn der Prozeß des 


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Traumerinnerns euren Schlaf so beeinträchtigt, daß ihr euch am Morgen nicht richtig ausgeruht fühlt, dann möchtet ihr vielleicht die Zahl der 
erinnerten Träume pro Nacht beschränken. 
Normalerweise, jedoch keineswegs immer, werdet ihr euch, nachdem ihr die geführte Meditation angewendet habt, an einen oder zwei 
Träume in der ersten Nacht erinnern. Wenn ihr diese Träume aufschreibt und mit ihnen arbeitet, dann wird der Wunsch eures Unbewußten, 
mit euch über die Träume in Verbindung zu treten, noch zunehmen und euch helfen, euch in der nächsten Nacht vielleicht drei oder vier 
Träume ins Gedächtnis zurückzurufen. Als dies die ersten Male geschah, fand ich es sehr unterhaltsam, doch nach einer Weile merkte ich, 
daß ich zuviel Zeit damit verbrachte, mich auf meine Träume zu konzentrieren. Nachdem ich also zweifelsfrei Erfolg darin hatte, mir meine 
Träume für eine Weile zu merken, veränderte ich die Meditation dahingehend, daß sie die Zahl der erinnerten Träume pro Nacht begrenzte. 
Statt zu sagen: >Ich, Shawnodese, lasse nun los, was immer losgelassen werden muß, und nehme an, was immer angenommen werden muß, 
damit ich mich ab sofort an meine Träume erinnere<, formulierte ich nun neu: >Ich, Shawnodese, lasse nun los, was immer losgelassen 
werden muß, und nehme an, was immer angenommen werden muß, damit ich mich ab sofort an einen oder zwei Träume erinnere.< Wenn du 
dir also sicher bist, Uwe daß du dir ohne Unterbrechung für eine Woche oder länger deine Träume merken kannst, dann ändere deinen 
Meditationstext auf die gleiche Weise ab.« 
John, ein junger Mann aus North Carolina, berichtet, daß er nach einer Nacht voller lebhafter Träume oft wie erschlagen aufwacht. 
»Auch ich kenne diese Erfahrung, so aufzuwachen - im allgemeinen sehr plötzlich - und mich orientierungslos und irgendwie benommen zu 
fühlen«, pflichtet ihm Shawnodese bei. »Es kommt mir sogar so vor, als würde ich alles doppelt sehen oder verwirrt in den Tag blicken. Ich 
bezeichne diesen Zustand als >eine schlechte Landung<. Dagegen setze ich folgende beiden Mittel ein: entweder noch einmal einzuschlafen 
und neu zu erwachen oder aber mir in einer ruhigen, meditativen Sitzposition vorzustellen, daß mein Geist selbst meinen Körper verläßt und 
vollkommen neu ausgerichtet wieder in ihn eintritt. Beide Techniken beenden diesen leicht orientierungslosen Zustand ... nicht, wenn man 
wegen des vorangegangenen Abends alles doppelt wahrnimmt, aber wenn man nach der Traumzeit eine schlechte Landung im Wachzustand 
hatte.« 
»Was ist mit den schlechten Erfahrungen, die man während des Schlafs macht?« fragt Leah, eine Studentin von der University of 
Washington. 
»Was genau meinst du damit?« will Shawnodese wissen. 
»Alpträume«, antwortet Leah. »Ich erlebe nur selten eine Nacht, in der ich gut schlafe, weil ich so oft Alpträume habe, in denen ich ...« 
»Halt!« Shawnodese unterbricht sie mit einer abwehrenden Handbewegung. »Im allgemeinen ist es besser, Alpträume in einem 
Vier-Augen-Gespräch zu untersuchen. Laß mich deine Frage beantworten, indem ich die Alpträume einer hier nicht anwesenden Person als 
Beispiele benutze.
Ich habe drei Techniken, die ich gegen Alpträume anwende. (Siehe Anhang, 9. Übung) 
Jedoch möchte ich nicht, daß diese Methoden als Mittel gegen infolge posttraumatischer Streßstörungen auftretende Alpträume falsch 
verstanden werden. Wenn ihr tatsächlich wiederkehrende Alpträume habt, dann empfehle ich euch, professionelle Hilfe zu suchen. 
Für die erste Technik müssen der Alptraum und alle in ihm enthaltenen Elemente gründlich untersucht werden. Versucht insbesondere den 
beängstigenden Aspekten des Alptraums Beachtung zu schenken. Betrachtet einen solchen Aspekt als Symbol. Dann denkt ihr zurück und 
beschäftigt euch intensiv mit dem Alptraum vom vorangegangenen Tag; sucht nach irgendeiner Art unerfreulicher oder unglücklicher 
Situation, die als beängstigendes Symbol in den Traum hinein ausgestrahlt haben mag. 
Beispielsweise hatte John Smith eine Serie von Alpträumen, in denen er von einem wütenden bengalischen Tiger gejagt wurde. Nach einem 
besonders fürchterlichen Traum, aus dem er schreiend erwacht war, bat John mich um Hilfe. Als er den Trauminhalt das erste Mal erzählte, 
konnte John, wie auch später, keine richtige Beziehung zu dem Tiger herstellen, obwohl ein vages Gefühl ihm sagte, daß er etwas mit seinem 
älteren Bruder Bill zu tun haben mußte. Anhand dieses Anhaltspunkts überprüften John und ich seinen vorausgegangenen Tag auf der Suche 
nach Dingen, die ihn an seinen Bruder erinnert haben mochten. Nach sorgsamer Befragung fiel John ein, daß er am Tag vor dem Alptraum 
ein Telefongespräch mit Bill geführt hatte. Ich bat John, mir von dem Telefonat zu erzählen. Zunächst beschrieb er eine eher angenehme 
Unterhaltung. Nach weiteren Fragen erinnerte sich John jedoch daran, auf Bill wütend gewesen zu sein, weil dieser ein paar herablassende 
Bemerkungen über Johns Fähigkeiten als Vater gemacht hatte. Daran anknüpfende Fragen lockten die Erinnerung an einen Onkel hervor, 
den Johns Bruder Bill immer >Tiger< genannt hatte, als beide noch jünger waren. Ich schlug also vor, was nun klar ersichtlich wurde: Der 
Tiger, der John in seinem Traum bedrohte, war sein Bruder Bill, und als Auslöser für den Traum hatte der unerfreuliche Aspekt des 
Telefongesprächs zwischen beiden Brüdern gedient. Danach hat John nie wieder von Alpträumen berichtet, in denen Tiger ihm ans Leben 
wollten. 
Die zweite Technik, die ich gegen Alpträume anwende, besteht darin, daß ich entweder die Zeitspanne vor dem Einschlafen in der Nacht 
nach dem Alptraum oder, besser noch, die Phase am Morgen beim Aufwachen, direkt nach dem Alptraum, nutze. Nehmt euch einfach die 
Zeit, den Alptraum noch einmal in Gedanken durchzuspielen, laßt ihn dann aber ein gutes Ende nehmen. Wenn ich also einen Traum habe, in 
dem jemand mit Mordabsichten hinter mir her ist, dann kann ich in den Traum zurückgehen und träumen, daß diese Person festgenommen, 
entwaffnet und inhaftiert wird. Sollte mir ein solcher Ausgang nicht gefallen, so probiere ich halt einen anderen. Zum Beispiel könnte der 
rachsüchtige Mensch plötzlich erkennen, daß sich das an ihm begangene Unrecht, das ihn so in Wut versetzt hat, als Irrtum erweist. Deshalb 
gibt er seine Mordpläne auf. Ich mag sogar träumen, daß ich Freundschaft mit meinem Verfolger schließe.
Die dritte Technik gegen Alpträume ist die Medizinradmeditation (Siehe Anhang, 17. Übung), insbesondere dann, wenn man in seinem 
Traum von einer anderen Person verfolgt wird. Ruft das furchterregende Traumelement, das euch jagt, und fragt es, wer oder was es ist und 
was es will. Um zu meinem Beispiel mit John zurückzukehren: Die Medizinradmeditation kann von ihm verlangen, eine Räucherung 
durchzuführen, sich zu zentrieren und sich im Geiste in die Mitte des Medizinrads zu begeben und dort den Tiger zu sich zu rufen. Dann 
würde er den Tiger fragen: >Wer bist du?< Antwort des Tigers: >Ich bin dein Bruder Bill.< Worauf John wiederum fragt: >Was willst du 
von mir? Warum verfolgst du mich?< Bill könnte jetzt antworten: >Ich möchte, daß du meine Meinung bezüglich deiner Kindererziehung 
etwas mehr respektierst und sie nicht von dir weist, bevor du sie geprüft hast.< 
Ich habe diese Technik als geführte Meditation bei einer anderen Person angewendet, diese durch den Prozeß geführt und sie mit dem 
alptraumhaften Aspekt ihres Traums konfrontiert, um damit den Aspekt zu bewegen, seine wahre Natur und seine wahren Wünsche 
offenzulegen. Wenn es funktioniert, dann kommt der Alptraum nicht wieder.« 
Shawnodese hat kaum den letzten Satz beendet, als Richard schon fragt: »Was ist, wenn man einen Traum gehabt hat, den man sehr 
interessant findet oder einen Alptraum, den man verändern möchte, jedoch von diesem aufgewacht ist? Wie kann man in den Traum 
zurückkehren?« 
»Es gibt eine Methode, die es einem ermöglicht, den Traum dort aufzunehmen, wo er abgebrochen ist«, antwortet Shawnodese. »Sie 
funktioniert auch dann, wenn du einen Traum hattest, den du besonders unterhaltsam fandest. Ich nenne diese Methode >sich selbst neu in 
den Traum hüllen< (Siehe Anhang, 10. Übung ). Ich habe dabei tatsächlich das Gefühl, daß ich mich selbst beim Einschlafen in den Traum 
einwickle. Dabei spiele ich den Traum durch bis zu jener Stelle, an der er abbricht. Diesen Moment halte ich in meinem Geiste fest, während 
ich in den Schlaf hinübergleite. Insbesondere bei Träumen, die in der Nacht durch Anrufe oder das Weinen eines Kindes unterbrochen 
wurden, gelingt es mir erfolgreich, neu in sie einzutreten und sie fortzusetzen. Manchmal kehre ich in ein und denselben Traum mehrmals 
zurück.« 
»Manchmal«, sagte Tony, »habe ich Alpträume, die so merkwürdig sind, daß es mir beinahe vorkommt, als seien sie nicht meine eigenen. 
Ich habe mit einem guten Therapeuten über sie gesprochen, aber sie kehren dennoch wieder. Was könnte ich tun?« 


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»Ohne genau zu wissen, was sich tatsächlich in diesen Alpträumen ereignet hat, bin ich kaum in der Lage, dir Hinweise zu geben. Aber ich 
kann dir erzählen, was einer meiner Freundinnen, einem sehr sensiblen und übersinnlich begabten Menschen, geholfen hat. Sie litt unter sehr 
bedrückenden Träumen, die von einer Quelle außerhalb ihres Selbst zu stammen schienen. Zusammen arbeiteten wir sowohl am Inhalt als 
auch an jenen Traumelementen, die sie quälten. Es ist uns nicht gelungen, den Ursprung der Alpträume zu erhellen. Sie war weiterhin davon 
überzeugt, daß es sich um irgendwelche übersinnlichen Angriffe von außen handelte. Ich hatte kein Recht, die Quelle ihrer Träume 
anzuzweifeln, aber es stand eindeutig fest, daß sie sich in ihrem Schlaf und während ihrer Träume nicht mehr länger sicher und geschützt 
fühlte. Diese Person war mit dem Smudging-Ritual vertraut und reinigte vor dem Zubettgehen nicht nur sich selbst, sondern auch ihr 
Schlafzimmer und ihr gesamtes Haus. Trotzdem gelang es ihr nicht, den beunruhigenden Träumen Einhalt zu gebieten.
Ich schlug ihr die folgende Technik vor, die ich entwickelt hatte. (Siehe Anhang, 11. Übung) Ich empfahl ihr, wie an jedem Abend das 
Räucherungsritual vorzunehmen. Vor dem Einschlafen sollte sie sich in einen meditativen Zustand versetzen. In ihrer Meditation, so riet ich 
ihr, sollte sie nach Schutzgeistern rufen und sie bitten, in dieser Nacht an ihrem Bett Wache zu halten. Ich schlug ihr vor, vier Geister zu 
rufen: einen für jede Himmelsrichtung. Sie hatte ein Bett mit vier Eckpfosten, also sollten die Wächter mit dem Rücken zum Bett an diesen 
vier Pfosten stehen. 
Eine andere Form dieser Meditation bestünde darin, daß der Träumende sich vorstellt, mit dem Gesicht nach Osten gewandt zu stehen und 
im Geist und Herz zu sagen: >Ich bitte jetzt um einen Beschützer, der aus dem Osten kommt, einen Wächter, der im Osten meines Bettes 
steht und meine Träume in der Nacht beschützt.< Mit nach Süden gerichtetem Gesicht würde der Träumende wieder im Geist und Herz 
sagen: >Ich bitte um einen Beschützer, der aus dem Süden kommt, einen Wächter, der im Süden meines Bettes steht und meine Träume in 
der Nacht beschützt.< Der Träumende würde diesen Prozeß für Westen und Norden wiederholen und sich dann vorstellen, daß die Wächter 
tatsächlich an den vier Ecken seines Bettes Aufstellung nehmen. Nachdem er die vier Wächter gerufen hat, kommt der Träumende aus der 
Meditation und schläft ein. Meine übersinnliche Freundin berichtete, daß die beunruhigenden Träume nicht mehr wiederkehrten, nachdem 
sie diese Traumschutzmeditation angewendet hatte. 
Und mit der Beschreibung dieser Methode müssen auch die Fragen eingestellt werden, damit wir alle schlafen können und morgen, wenn wir 
uns damit befassen wollen, wie man Träume verstehen und mit ihnen arbeiten kann, von guten Träumen berichten können.« 

Träume verstehen 

Der Morgen des vierten Tages der Traumratsversammlung war klar, hell und strahlend auf dem Vision Mountain angebrochen. 
Offensichtlich haben die meisten Teilnehmer gute Träume gehabt. Es herrscht eine erwartungsvolle Stimmung, da alle wissen, daß sich der 
Rat heute damit beschäftigen will, Träume zu verstehen und zu deuten. 
Leonard, ein Mann aus Colorado, der andere bei ihrer Visionssuche unterstützt, hat sich freiwillig erboten, Steven Foster, der vom Besuch 
bei seiner Familie zurückkehrt, vom Flughafen abzuholen. Er freut sich schon darauf, eine Stunde mit Steven allein zu verbringen. Nach der 
Meinung vieler sind Steven und seine Frau und Partnerin Meredith Little mit ihrer School of Lost Border die Hauptverantwortlichen für die 
Wiederbegründung der Initiative, die modernen Menschen die Wildnis zugänglich macht. Steven und Meredith beschäftigen sich seit zwei 
Jahren mit dieser Thematik. 
Aus den Gesprächsfetzen am Frühstückstisch wird klar, daß sich viele Teilnehmer auch darauf freuen, das Gespräch zu hören, das Wabun 
mit Twylah Nitsch aufgezeichnet hat und der Gruppe im Laufe des Tages vorspielen wird. Twylah hätte sich wohl gerne dem Traumratangeschlossen, aber sie verreist nur noch selten. Andere Gruppenmitglieder sind gespannt auf die Äußerungen von Page Bryant, einem 
bekannten Autor und Sensitiven, der seit vielen Jahren mit dem Bear Tribe zusammenarbeitet und schon davor vielen Menschen geholfen 
hat, ihre Träume besser zu verstehen. 
Shawnodese gibt dem Traumrat das Zeichen, sich zu versammeln. Weil es so ein wunderschöner Tag ist, finden sich die Teilnehmer vor dem 
Langhaus zu einem Kreis zusammen und nutzen hierzu die Tische und Stühle, die sonst für die im Freien abgehaltenen Mahlzeiten benutzt 
werden. 
Nachdem jeder einen Platz gefunden hat, fragt Shawnodese Sun Bear, ob er beginnen möchte. Sun Bear antwortet: »Du bist wirklich gut 
darin, Bruder. Warum machst du nicht den Anfang? Ich weiß, daß du den Menschen eine Menge dazu zu sagen hast, wie man Träume richtig 
versteht.« 
Shawnodese holt sich das Redeholz. Nachdem er an seinen Platz zurückgekehrt ist, beginnt er. »Es ist für einen Menschen unmöglich, den 
Traum eines anderen richtig und vollständig auszulegen. Obwohl wir miteinander eine ganze Reihe ähnlicher Erfahrungen teilen und alle 
vergleichbare Entwicklungsschritte durchlaufen, so ist doch die Realität jedes Menschen individuell auf ihn bezogen. Nichts im Universum 
ist vollkommen gleich. Es kann unmöglich vorkommen, daß zwei Menschen ein und dieselbe Situation vollkommen gleich erfahren. Jeder 
Mensch hat seine ureigene Quelle der Lebenserfahrung. Und deshalb erscheinen uns die Zusammenhänge, Assoziationen und 
Interpretationen, mit denen wir Ereignissen begegnen, auch immer als einzigartig. 
Selbst wenn eine bestimmte Anzahl von Menschen ein und dasselbe Ereignis miterlebten, so nehmen diese Personen es in der Regel aus 
verschiedenen Blickrichtungen wahr und sehen es daher in unterschiedlichem Licht oder abhängig von ihrer individuellen Fähigkeit, ihre 
Aufmerksamkeit darauf zu konzentrieren. Weil das auf jedes beliebige Ereignis, mit dem wir uns in unserem Leben konfrontiert sehen, 
zutrifft, muß sich unsere gesamte Wahrnehmung der Realität von dem Moment an, in dem wir geboren werden, bis zu unserem Tod von der 
eines anderen Menschen unterscheiden. Obwohl wir uns einander aufgrund der vielen ähnlichen Erfahrungen durch Verständnis annähern 
können, bleibt doch immer ein Aspekt der Einzigartigkeit und Individualität. Es ist so, als ob jeder Mensch eine andere Brille trägt, jede in 
einer anderen Farbschattierung getönt und so geschliffen, daß sie einen ureigenen Brechungswinkel zuläßt.« 
Hans bittet um das Redeholz und sagt, als es ihm gereicht wird: »Ich bin nicht sicher, Shawnodese, ob ich deinen Ausführungen folgen kann. 
Ich glaube, viele Menschen haben die gleichen Erfahrungen und können einander wirklich verstehen.« Er gibt das Redeholz zurück. 
»Ich behaupte nicht, daß Verständnis unmöglich ist«, wendet Shawnodese ein. »Was ich meine ist, daß kein Mensch eine Sache exakt so 
sieht wie ein anderer. Wenn beispielsweise Misty jetzt aufstünde, ihre Kleider auszöge und nackt einmal im Kreis herumliefe und wieder an 
ihren Platz zurückkehrt und ich euch anschließend aufforderte, das aufzuschreiben, was ihr beobachtet habt, dann würden mir nicht zwei von 
euch die genau gleiche Beschreibung des Vorgefallenen geben. Ihr alle würdet das Ereignis durch verschiedene Brillen sehen, die durch die 
Erfahrungen, die ihr in eurem Leben gemacht habt, entstanden sind, durch die Vorstellungen, Philosophien und Gefühle, die sie in euch 
hervorgerufen haben. 
Wenn du dazu in der Lage bist, dich gut auszudrücken, und eine andere Person fähig ist, offen zuzuhören, dann wird sie zweifellos verstehen, 
was du gesehen oder gefühlt hast. Aber selbst ihr Verstehen wird unterschiedliche Elemente enthalten. Das ist ein Teil des Menschseins. 
Jeder Traum besteht aus Anteilen aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Selbst dann, wenn ihr euch nur an das Fragment 
eines Traumes erinnert, wird er Reste des vorangegangenen Tages enthalten, Elemente aus eurer eigenen Vergangenheit und, wenn die 
Traumsymbole zugleich archetypische Symbole sind, Elemente aus unserer lang zurückliegenden, gemeinsamen kulturellen Vergangenheit. 
Der Traum wird seinen Schatten auch nach vorne, in die Zukunft, werfen. Wenn wir etwas träumen, dann ist es doch wohl klar, daß das, was 
wir träumen, uns in irgendeiner Form, von absolut Unmöglichem einmal abgesehen, tatsächlich geschehen kann. Es ist durchaus möglich, 
daß sich ein Traum scheinbar auf nur einen Aspekt unseres Lebens konzentriert und doch zugleich auch viele andere Aspekte berührt. 
Ich hatte einmal einen Traum, in dem ich mich mit Suvy, einer Freundin unterhielt. Während ich auf sie einredete, bemerkte ich einen Herrn, 
der ein wenig hinter uns saß und eine Zeitung las. Im Traum wurde mein Interesse für einen Augenblick von dieser Person angezogen und 
ich fragte Suvy: >Wer ist das?< Sie antwortete: >Das ist Mr. John Doe, ein Absolvent von dem und dem Kurs.< Dann wachte ich auf. 


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Als ich erwachte, da war ich mir sicher, daß es sich um einen vorausschauenden Traum handelte. Ich war vollkommen überzeugt davon, daß 
Suvy und ich uns unterhalten würden und daß sie mich diesem vorstellen würde, dessen Namen ich durch die Gabe des Traums bereits 
kannte. Der Traum hatte Hinweise auf den Ort enthalten, und ich glaube sogar zu wissen, wann das Treffen stattfinden würde, obwohl der 
Traum darüber keine Angaben enthielt. 
Ich wußte, daß ich am folgenden Montagabend an dem Ort sein würde, von dem ich geträumt hatte, und daß Suvy mit großer 
Wahrscheinlichkeit ebenfalls dorthin käme. Deshalb ging ich davon aus, daß das Treffen an diesem Montag stattfände. 
Was die Elemente der Gegenwart betrifft, so hatte ich einen Teil des dem Traum vorangegangenen Tages mit Suvy zugebracht. Ein Element 
aus meiner etwas weiter entfernt liegenden Vergangenheit war die Tatsache, daß dieser Mr. Doe einen Kurs absolviert hatte, über den ich 
kurz zuvor nachgedacht und mich gefragt hatte, ob ich ihn belegen sollte. Die Art, wie das Gespräch ablief, die Indirektheit, mit der die 
Vorstellung des Unbekannten erfolgte, entsprach Mustern, die ich aus meiner Kindheit kenne. 
Der Montagabend kam heran, und ich betrat das Gebäude aus meinem Traum. Ich befand mich dort in einer Unterrichtsstunde, die ich 
regelmäßig zu diesem Termin besuchte, und hielt Ausschau nach Suvy, in der Gewißheit, daß ich ihr bald begegnen würde, damit sie mich 
mit dem Mann bekannt machen konnte. Zu meiner großen Enttäuschung verlief die Stunde, ohne daß Suvy auftauchte. Ich ging und strich 
mir im Geiste rot im Kalender an, daß ich nur einen Wunsch nach einem vorausschauenden Traum gehabt hatte. Der Traum jedoch war 
besonders lebendig gewesen und hatte eine Reihe von Qualitäten, die mir im Gedächtnis haften blieben. 
Am nächsten Sonntag besuchten Suvy und ich eine Vortragsveranstaltung. Ich fragte sie sofort, wo sie am vergangenen Montag gewesen sei. 
Sie antwortete, daß sie schon vorgehabt habe zu kommen, jedoch kurze Zeit, nachdem sie von zu Hause fortgefahren war, an ihrem Wagen 
eine Reifenpanne gehabt habe. Während der Zeit, die sie benötigte, um das Rad zu wechseln, hatte sie entschieden, daß es sich nun nicht 
mehr lohnen würde, zum Unterricht zu kommen. Also war sie wieder umgekehrt. 
Ich wollte gerade anfangen, ihr zu erklären, warum ich nach ihrem Verbleiben gefragt hatte, als ich aus dem Augenwinkel heraus schräg 
hinter mir genau den Mann aus meinem Traum sitzen sah. Ich war überrascht, und Suvy bemerkte meine Reaktion. Sie erkannte den Mann 
und stellte ihn mir als John Doe vor. In dem kurzen Gespräch, das ich daraufhin mit ihm führte, konnte ich mich davon überzeugen, daß John 
Doe tatsächlich am Montagabend im selben Gebäude gewesen war. Er hatte im Foyer gesessen und Zeitung gelesen. 
Aus dieser Erfahrung heraus erkannte ich einerseits, daß Träume die Zukunft vorhersagen können, und andererseits, daß die Zukunft nicht 
festgelegt ist. Nun könntet ihr den Schluß ziehen, wie ich es tat, daß diese Erfahrung die Existenz der Vorausschau beweist. Was ich gerade 
erzählte, fand in einer Zeit statt, in der ich einen Zugang zu den vorausschauenden Elementen meines Traumlebens zu finden versuchte, und 
es schien so, als hätte ich mich erfolgreich vom Traum in die Realität gewagt. Aber das war nur ein Aspekt dieser Erfahrung. 
Ich vertrete nicht nur die Auffassung, daß Träume Stoff aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft enthalten, sondern auch aus 
dem Physischen, Geistigen, Emotionalen und Spirituellen. Unter dem Begriff "physisch" fasse ich den körperlichen Gesundheitszustand mit 
der alltäglichen Lebenserfahrung und dem Tätigkeitsfeld eines Menschen zusammen, also ob er beispielsweise Student oder Angestellter ist. 
Zu den geistigen Aspekten gehören nicht nur unsere Gedanken, sondern dazu zählt auch, wie wir kommunizieren und was wir schreiben, 
sagen oder tun. Unter dem emotionalen Aspekt verstehe ich alles, was in den Bereich der Gefühle fällt, angefangen mit den mehrallgemeinen Empfindungen wie Liebe, Haß, Furcht, Trauer, Freude, Ängstlichkeit und so weiter bis hin zu der Art, wie eine Person sich auf 
der Gefühlsebene zu anderen Menschen oder Elementen der Schöpfung in Beziehung setzt. Die spirituellen Aspekte sind das, was 
übrigbleibt. Insbesondere gehört für mich dazu, was der wahre Sinn eines Menschen im Leben ist. 
Ein kritischer Bestandteil des Träumens, der beim Erzählen und bei der Interpretation oft fortgelassen wird, ist, wie sich der Träumende kurz 
vor, während und nach dem Traum gefühlt hat. Dies ist vor allem dann entscheidend, wenn der Traum den Träumenden aufgeweckt hat oder 
in die Gattung Alptraum gehört. 
Nachdem ich das erklärt habe, würde ich gerne den zuvor geschilderten Traum vor dem physischen, emotionalen, geistigen und spirituellen 
Hintergrund betrachten. Ich ging ein wenig besorgt zu Bett, weil ich mir Gedanken darüber machte, ob mir wohl mein Vorhaben gelingen 
würde, die vorausschauende Ebene meiner Träume anzuzapfen. Ansonsten fühlte ich mich im großen und ganzen entspannt und leidlich 
glücklich. Innerhalb des Traums fühlte ich mich, als ich mit Suvy in Kontakt trat, wohl und zufrieden. Dann wurde ich von Suvy John Doe 
vorgestellt, und mich überfiel das plötzliche Wissen, daß der Mensch vor mir vollkommen schal war. Ich konnte seinen Mangel an Leben in 
meinen Eingeweiden spüren. Ich war ziemlich überrascht - und dieses Gefühl ließ mich aus dem Traum erwachen. Ich will sagen, icherwachte im Zustand des Überraschtseins, der Neugier, der Aufregung und, wie ich schon vorher gesagt habe, mit dem klaren Wissen um 
den vorausschauenden Charakter des Traums. 
Was den physischen Aspekt meines Lebens betrifft, so ist festzustellen, daß ich mich im Traum recht deutlich wahrnahm - meinen ganzen 
Körper -, und es gab nichts Ungewöhnliches an mir. Das heißt, ich sah mich im Traum, wie ich mich auch im Alltag sehe, angemessen 
gesund und generell in Ordnung. Ein Teil des Traums bezog sich auf einen pädagogischen Kurs, mit dem ich zu diesem Zeitpunkt beschäftigt 
war, und ein anderer auf Unternehmungen. Beides hatte irgendwie mit meiner potentiellen Arbeit in der Welt zu tun und mit der Tätigkeit, 
die ich mit zu diesem Zeitpunkt als Lernender in Anspruch nahm. 
Auf der geistigen Ebene zeigte der Traum das Gespräch an, das ich mit Suvy führte. Wie ich ja bereits erwähnte, war der Kurs, der in den 
Traum hineinspielte, über den ich seit geraumer Zeit nachdachte und mir überlegte, ob ich ihn belegen sollte, derselbe, den Mr. Doe bereits 
abgeschlossen hatte. 
Emotional, auf einer unmittelbaren Ebene, verbildlichte der Traum sehr klar meine Beziehung zu Suvy. Wir haben uns in dem Traum nie 
berührt. Auch in der Wirklichkeit erblühte oder reifte die Beziehung nie; wir haben uns nie wirklich >berührt<. Dieser Aspekt unserer 
Beziehung wurde vom Traum also sehr deutlich dargestellt. 
Da ist noch das Element meiner körperlichen Reaktion auf die Leblosigkeit von Mr. Doe: Ich spürte sie in meinen Eingeweiden. Wie ihr 
euch vielleicht erinnert, war ich, als ich Herrn Doe später tatsächlich begegnete, überrascht - was der Traum bereits vorhergesehen hatte. In 
diesem Augenblick der Überraschung reagierte mein Magen wieder auf die gleiche Weise auf Mr. Doe. Am Tag des tatsächlichen 
Zusammentreffens schilderte ich Suvy meinen Traum und den größten Teil seines Inhalts, auch meinen Eindruck von Mr. Does Leblosigkeit. 
Doch Suvy versicherte mir, daß John Doe, obwohl er dem ersten Anschein nach fade wirken mochte, bei näherem Kennenlernen ein recht 
lebensfroher und unterhaltender Mensch sein konnte. Ich war davon nicht überzeugt, und es blieb ein Streitpunkt zwischen uns. Seither bin 
ich meines Wissens Mr. Doe auf meinem Lebenspfad nicht mehr wieder begegnet. 
Was ist nun mit der Bedeutung dieses Traumes auf der spirituellen Ebene, auf jener also, die sich auf meinen Lebenssinn, meinen Weg 
bezieht? Ihr müßt verstehen, daß der vorausschauende Charakter des Traums mir diesen über eine lange Zeit im Bewußtsein gehalten hat. 
Selbst heute noch, dreiundzwanzig Jahre später, mußte ich nicht in meinem Traumtagebuch nachschauen, um mir die entscheidenden 
Bestandteile des Traums in Erinnerung zu rufen. Ich sehe ihn so klar vor mir, als hätte ich ihn in der vergangenen Nacht geträumt. So 
betrachtet, mag man ihn für einen besonderen Traum halten. Und für mich ist er das auch im spirituellen Sinne. Er hat mir dazu gedient, mir 
etwas ganz Entscheidendes immer wieder bewußt zu machen, wenn ich meinen eigenen spirituellen Weg weiterfolgen will: Es muß Leben in 
ihm sein. Ohne Energie geht es nicht. Er muß vibrieren; er darf nicht leblos sein. 
Sechs Monate nach dem Traum sah ich mich in der Lage, den Kurs zu beginnen, den John Doe bereits abgeschlossen hätte. In Verbindung 
mit meinen Vorbereitungen auf den Kurs wurde mir schmerzhaft klar, daß die Personen, die mit der Durchführung des Kurses betraut waren, 
sich in keiner Weise ethisch verhielten. Davon beunruhigt, schob ich meine Pläne auf und setzte meinen regulären Studiengang an der 
University of California fort. Im Verlauf der nächsten Monate machte ich die Bekanntschaft mehrerer Personen, die den Kurs absolvierthatten. Ich gewann die Überzeugung, daß die Teilnehmer die Ziele, die der Kurs versprach, nicht erreicht hatten. Mehr noch, jeder von ihnen 
hatte durch den Kurs etwas verloren: eine Essenz, einen unbeschreiblichen, aber sehr wichtigen Teil seines Selbst. Dieser Verlust machte sie 


79 


leblos. Indem ich mich noch mehr von den beteiligten Personen zurückzog, fiel mir auf, daß die Leiter des Kurses eine goldene Karotte vor 
den Teilnehmern baumeln ließen, ohne ihnen jedoch jemals deren Genuß zu gestatten. Um die Wahrheit zu sagen: Je länger ich darübernachdachte, desto mehr kam ich zu der Überzeugung, daß die Karotte gar nicht aus Gold war, sondern nur aus in dieser Farbe überpinseltem 
Holz bestand. 
Was mir anfangs wie ein einfacher vorausschauender Traum erschienen war, hatte sich als etwas entpuppt, das mein Unbewußtes längst 
durchschaut hatte, das aber mein bewußtes Selbst noch nicht annehmen konnte: Der Kurs war nichts für mich. Ihm fehlte eine ganz 
entscheidende Energie. Er machte leblos. Indem ich von dem Traum und seinen Folgen erzähle, fällt mir auf, daß es bei allen 
Entscheidungen für meinen Lebensweg in den vergangenen zwanzig Jahren immer zentral bedeutend war, ob Leben, ob Vibration in der 
neuen Sache war oder nicht. Und das galt auch für die Menschen, mit denen ich zusammen war und von denen ich lernte: Sie mußten 
lebendig sein. 
Ich habe euch nun so viel Material präsentiert, daß es mir sinnvoll erscheint, es noch einmal zusammenzufassen. In den meisten Träumen 
werdet ihr also Elementen aus der Gegenwart, der unmittelbaren Vergangenheit, der ferneren Vergangenheit und der Zukunft begegnen. 
Zusätzlich versorgt euch euer Traum mit einem physischen, geistigen, emotionalen und einem spirituellen Selbstbild. 
Mit dem Einverständnis der anderen Lehrer hätte ich es jetzt gerne, wenn wir uns in Gruppen zu je vier Teilnehmern aufteilen könnten. 
Sobald dies geschehen ist, möchte ich, daß jeder von euch einen Traum aufschreibt, den er im Verlauf dieser Traumratsversammlung hatte, 
und festhält, wie sich in ihm die Gegenwart, eure Vergangenheit - die unmittelbare und die ferne - und eure Zukunft zeigt. Ihr sollt auch 
aufschreiben, wie der Traum euch physisch, geistig, emotional und spirituell spiegelt. Dann möchte ich, daß jene von euch, die sich damitwohl fühlen, mit den anderen Gruppenmitgliedern sowohl den Traum als auch seine Analyse teilen. (Siehe Anhang, 12. Übung) Wenn 
gefühlsmäßig alles stimmt, dann wäre es gut, wenn sie das hinzufügen, von dem sie sehen, daß ihr es vergessen habt.« 
Alle Lehrer scheinen damit einverstanden zu sein, die Teilnehmer auf diese Weise mit ihren Träumen arbeiten zu lassen, folglich werden die 
Kleingruppen gebildet. Etwa anderthalb Stunden später, nachdem alle ausreichend Gelegenheit gehabt hatten, an ihren Träumen zu arbeiten 
und anschließend eine kleine Pause einzulegen, setzt sich die große Runde wieder zusammen. Doch weil diesmal die Sonne schon hoch am 
Himmel steht, ist der Ort der Versammlung das Wohnzimmer des Langhauses. Shawnodese nimmt wieder das Redeholz auf und beginnt. 
»Wenn man einen Traum auf die Tiefe seiner Bedeutung bezogen deutet, dann ist es wichtig zu berücksichtigen, wie weit man sich vomTrauminhalt entfernt fühlt. (Siehe Anhang, 13. Übung) Je distanzierter ihr euch als träumende Personen von euch als geträumten Personen 
fühlt, desto tiefer und unterdrückter ist der Trauminhalt. 
Ich möchte das noch ein bißchen näher erläutern. Bei Träumen lassen sich drei verschiedene Perspektiven unterscheiden. In der ersten seid 
ihr eine Person, die an dem Traumgeschehen, um was auch immer es sich dabei handelt, beteiligt ist. Das Material in einem solchen Traum 
steht stellvertretend für etwas, was dem Bereich eures Bewußtseins sehr nahekommt. Je mehr sich das Traum-Ich vom realen Ich 
unterscheidet, desto weiter entfernt ist auch der Trauminhalt von eurem Wachbewußtsein. Wenn ich mich in einem Traum als Shawnodese 
befinde und meinem Alter entsprechend aussehe und handle, dann bezieht sich der Trauminhalt aller Wahrscheinlichkeit nach auf ein in 
meinem Leben augenblicklich aktuelles Thema. Erlebe ich mich jedoch im Traum als viel älter oder erheblich jünger, als ich es tatsächlich 
bin, so behandelt der Traum Aspekte meines Selbst, die mit meinem mir bewußten Leben weniger zu tun haben. 
Wenn ich also zum Beispiel in einem Traum die Person darstelle, die ich jetzt bin, und mir Kleidungsstücke kaufe, dann handelt der Traum 
von mir, wie ich jetzt bin oder bald hoffe zu sein. Und er handelt davon, was ich tue, um mich zu kleiden. Es ist ein sehr 
gegenwartsbezogener Traum. Aber wenn ich mich in dem Traum plötzlich zwanzig Jahre jünger sehe, dann weiß ich, daß die Elemente, die 
mir ins Bewußtsein gerückt werden, mit Dingen im Zusammenhang stehen, die seit mindestens zwanzig Jahren in meinem Leben eine Rolle 
spielen oder in jener Zeit ihren Ursprung haben, die durch mein Alter im Traum angedeutet wird. Das erste Mittel, mit dessen Hilfe wir uns 
vom Bewußten fort- und zum Unbewußten hinbewegen, ist also unsere Selbstwahrnehmung im Traum. Je mehr verändert und transformiert 
wir wirken, desto weiter entfernt ist der Trauminhalt von unserem Alltagsbewußtsein. 
Die zweite Traumperspektive nenne ich >Bewußtseinspunkt<. Bei solchen Träumen erleben wir uns nicht als am Traumgeschehen 
Beteiligte, sind uns aber auch unserer Unbeteiligtheit nicht bewußt. Wir scheinen nur eine Art Bewußtseinspunkt innerhalb des Traums zu 
sein, der beobachtet und die Ereignisse fast direkt erlebt, aber eben doch nicht ganz. Wenn wir uns in dieser Traumperspektive wiederfinden, 
dann handelt der Traum meist von etwas, mit dem wir uns auf der bewußten Ebene nicht so gerne konfrontieren. 
In der dritten Traumperspektive erleben wir uns als vom Traum getrennt. Wir scheinen den Traum zu verfolgen wie ein Theaterstück auf der 
Bühne oder einen Film auf der Leinwand. Statt daß der Traum um uns herum stattfindet wie beim >Bewußtseinspunkt<, spielt er sich 
irgendwo vor oder hinter uns ab. Wir halten den Traum auf Distanz von uns, wie wir auch seinen Inhalt von unserem Bewußtsein fernhalten. 
Dann gibt es natürlich noch das Phänomen, daß Menschen träumen, daß sie träumen. Sie haben einen Traum, in dem sie träumen, daß sie 
von einem Traum erwachen und erst von diesem zweiten Traum aus in das normale Tagesbewußtsein zurückkehren. Der im letzteren Traum 
verarbeitete Stoff ist ihnen viel zugänglicher. Die Symbole des Traums im Traum jedoch stehen für Gedanken, Gefühle, Handlungen, Teile 
des Seins, die zu erreichen ihnen auf alltäglicher Basis sehr viel schwerer fällt. 
Die umgekehrte Situation - wenn man einen Traum hat, nachdem man sich fragt, ob man überhaupt geschlafen hat - weist darauf hin, daß der 
Trauminhalt bereits dicht unter der Oberfläche des Bewußtseins lagert. Der Grad eurer Beteiligung an der Handlung eines Traumes zeigt 
euch also, wie weit von der bewußten Ebene entfernt sich jener Stoff befindet, der den Symbolismus des jeweiligen Traums hervorgebracht 
hat.« 
Shawnodese hält inne und läßt das Redeholz in der Runde herumgehen. Einige Teilnehmer berichten von ihren Träumen, die mit dem 
übereinstimmen, was Shawnodese gerade erzählt hat. Als das Redeholz bei Thelma angelangt, einer pensionierten Hauswirtschaftsleiterin, 
die mit ihrem Mann Jimmy hier ist, sagt sie: »Ich möchte sicher sein, daß ich das richtig verstanden habe. Wenn ich einen Traum habe, in 
dem ich selbstgedrehte Filme von mir als Kind anschaue, dann heißt das, daß ich etwas von meiner Kindheit wahrnehme, das ich eigentlich 
lieber nicht so deutlich betrachten möchte. Ist das richtig?« 
Shawnodese nickt. 
»Aber ich hatte erst vor kurzem einen solchen Traum«, fährt Thelma fort, »und in ihm zeigte der Film von mir als Baby ganz klare Bilder. 
Ich bin mir nicht sicher, was das zu bedeuten hat.« 
Shawnodese sagt: »Ich würde meinen, es bedeutet, daß du das, was sich in dem Film ereignet, beinahe in dein Bewußtsein heben willst, aber 
den Stoff eben doch lieber noch einen Schritt von dir fernhältst. Meinst du, diese Deutung könnte zutreffen?« 
»Ja«, stimmt Thelma zu. »In dem Film sieht es so aus, als weinte ich und die Menschen um mich herum lachen mich deswegen aus. Aber ich 
kann mich an diese Situation nicht erinnern und auch nicht erkennen, was mir eigentlich zugestoßen war, das mich in Tränen hatte 
ausbrechen lassen.« 
»Wenn du wirklich bereit dazu bist, das zu sehen«, sagt Shawnodese, »dann wirst du dich vielleicht als dieses Baby träumen und es nicht 
mehr nur in einem Film beobachten. Das wäre ein großer Schritt dahin, den Trauminhalt deinem Bewußtsein zugänglicher zu machen.« 
Das Redeholz wird von Hand zu Hand weitergereicht. Als es bei Luke anlangt, sammelt er sich einen Augenblick. Dann beginnt er zu 
sprechen. 
»Das sind alles sehr hilfreiche Gedanken, Shawnodese. Vielen Dank. Ich würde gerne einige meiner Vorstellungen hinzufügen, die durch 
meine Arbeit mit Menschen entstanden sind. Ich habe die Existenz mehrerer Traumarten oder Traumqualitäten festgestellt. (Siehe Anhang,

14. Übung) Auf der ersten Ebene gibt es nur verarbeitende Träume oder Träume, in denen etwas Körperliches geschieht oder verarbeitet 
wird. Dies sind Träume, in denen die Bilder absolut keine Bedeutung haben und keine bestimmte Aussage treffen. 

80 


Dann gibt es eine Art Träume, in denen man Dinge, die am Tage oder am vorangegangenen Tag geschehen sind, geistig verarbeitet. Auch sie 
sind nicht so wesentlich und erreichen keine Qualität, die es verlangt, daß man sich hinsetzt und mit ihnen arbeitet. Es ist nur Alltagskram, 
der nicht verarbeitet wurde, der aber bewältigt werden muß. Ihr wißt ja, wir leben in einer Zeit, in der wir mit Informationen überfüttert 
werden. Also müssen wir einen Großteil davon in der Nacht durchgehen. Es lohnt sich also auch bei diesen Träumen nicht, sich näher mit 
ihnen zu befassen. Aber wenn ihr wollt, könnt ihr an ihnen üben, euch an sie zu erinnern. 
Schließlich ist mir eine dritte Art von Träumen aufgefallen, und zwar solche, die etwas über die psychologische Situation eines Menschen 
aussagen. Sie haben eine spirituelle Qualität, die dem Träumenden in symbolischer Sprache mitteilt, wie er ist, was in seinem Leben 
geschieht, wie er reagiert und welche Eigenschaften er im allgemeinen hat. Solche Träume machen es einem leichter, sich zu entwickeln und 
zu vervollkommnen, wenn man sich darum bemüht, die Traumaussagen zu verstehen. Diese Traumart bietet nie Lösungen an, sie 
veranschaulicht einem nur in Symbolen, wie man sein Leben lebt. 
Wenn man derartige Träume näher betrachtet, so geben sie einem tiefen Einblick in das, was man ist, wie man daran arbeiten und sich darin 
verbessern kann, mit sich selbst und der Umwelt in Beziehung zu treten. 
Die nächste Traumqualität nenne ich >Vergnügungsträume<. Sie sind Träume, in denen ich Spaß habe; in vielen von ihnen fliege ich, was 
eine Erfahrung anzeigt, in der ich den Körper verlassen habe. Sie stehen mit Experimentieren in Zusammenhang und damit, etwas 
Vergnügliches zu tun -, aber das Ganze geschieht auf einer sehr spirituellen Ebene; es ist eine der höheren Traumebenen. 
Und endlich kommen wir zu der letzten Art von Träumen, von der ich bereits gesprochen habe: "le songe". Solche Träume sind sehr 
spezifisch, klar und umfassend. Man erinnert alles darin so deutlich, daß es wirklicher erscheint als das reale Leben, als das im 
Wachbewußtsein Wahrgenommene. Und diese Träume bleiben an einem haften, weil sie eine ungewöhnliche Botschaft aus der Geistwelt 
enthalten, die an andere Menschen weitergegeben und mit ihnen geteilt werden soll.« 
Luke hat seine Anmerkungen beendet und reicht das Redeholz weiter. Als es bei Marilee ankommt, einer Firmenberaterin aus New Jersey, 
sagt sie: »Ich bin nicht sicher, ob ich den Unterschied zwischen den verschiedenen Traumqualitäten verstanden habe.« 
Wabun deutet an, daß sie das Redeholz gerne hätte, und sagt, als sie es in der Hand hält: »Für jemanden, der gerade erst zu Lernen anfängt, 
mit seinen Träumen zu arbeiten, ist es wahrscheinlich mit am schwersten, die Unterschiede zwischen den möglichen Traumarten zu 
begreifen. Im Grunde ist der Träumende selbst der einzige, der bestimmen kann, um welche Art Traum es sich handelt: um einen 
psychologischen Traum, einen Vergnügungstraum, einen verarbeitenden Traum oder einen visionären Traum. Es ist anzunehmen, daß man 
am Anfang viele Fehler dabei macht, die Träume im Hinblick auf ihre Qualität zu deuten. Wir werden später noch über unterschiedliche 
Methoden der Traumdeutung sprechen, die euch als Hilfe dienen. Ich meine, am Anfang ist es am wichtigsten, die eigenen Träume 
festzuhalten und auch, wie man sie zu verstehen glaubt. Nachdem ihr das eine Zeitlang praktiziert habt, könnt ihr die begangenen Fehler aus 
früheren Deutungen erkennen und es wird euch allmählich leichtfallen festzustellen, mit welcher Art Traum ihr zu tun hattet. 
Die meisten begehen am Anfang den Fehler, jedem Traum einen entscheidenden transzendenten Charakter zuzuordnen, obwohl in Wahrheit 
nur sehr wenige Träume in diesen Bereich fallen. Vielleicht ist das aber auch gut so, denn wenn die Menschen meinen, daß ihre Träume 
wichtig waren, dann geben sie sich mehr Mühe damit, sie aufzuschreiben und sich mit ihnen zu befassen. Und außerdem ist auf einer 
bestimmten Ebene des Seins jeder Traum, den man hat, von Bedeutung.« 
Wabun gibt das Redeholz an Shawnodese weiter. 
»Es ist ganz normal, daß einen die eigenen Träume verwirren - nicht nur am Anfang, wenn man mit ihnen zu arbeiten beginnt, sondern auch 
dann noch, wenn man sich schon eine ganze Weile mit ihnen beschäftigt hat. Deshalb ist es gut, dann und wann eine Traumratsversammlung 
einzuberufen, um von anderen zu hören, wie sie die Bedeutung und die Qualität der Träume einschätzen, die man gehabt hat. Es sollte dabei 
allerdings nicht vergessen werden, daß solche Unterstützung zwar einen Nutzen bietet, daß jedoch die Verantwortung für die Deutung der 
eigenen Träume immer bei einem selbst liegt. Die Welt der Träume ist eine Welt der Symbole. Die Symbole jedes Träumenden enthalten 
Elemente, die nur er verstehen kann. Aber Symbole und Träume unterliegen bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Sie sind es, denen ich mich als 
erstes zuwende, wenn ich einen Traum zu deuten versuche. 
Eine Gesetzmäßigkeit, die ich erkannt habe, beruht darauf, daß sämtliche Träume, die in einer Nacht, manchmal auch alle, die in drei 
Nächten auftauchen, ein und dasselbe Thema behandeln. Wenn es mir also schwerfällt, einen Traum zu verstehen und ich aus dieser Nacht 
aber noch einen zweiten Traum habe, den ich begreife, dann durchschaue ich mit seiner Hilfe oft auch noch die Bedeutung des ersten. 
Dieses Muster, so haben wir herausgefunden, ist gang und gäbe, wenn Menschen in die Natur gehen, um durch Fasten und Beten eine 
Richtung für ihr Leben gewiesen zu bekommen. Manchmal beziehen sich alle Träume, die sie, wie Steven es nennt, an der Schwelle haben, 
auf das gleiche Thema, auch wenn sie anscheinend einen weit voneinander abweichenden Inhalt haben. 
Eine andere Gesetzmäßigkeit ist die, daß Träume grundsätzlich in Symbolen sprechen - es sei denn, daß es sich um die seltene Ausnahme 
eines wirklich vorausschauenden Traums handelt. Wie ich es bereits an dem zuvor geschilderten Traum gezeigt habe, enthalten selbst 
vorausschauende Träume Symbole, die ein Widerhall dessen sind, was noch jenseits der vorausgesehenen Ereignisse liegt. Wenn ihr also 
vom Tod eines Bekannten träumt, dann muß dieser Traum nicht unbedingt dessen tatsächlichen Tod beinhalten. Der in dem Traum 
verarbeitete Stoff ist Loslassen, Transformation, das Ende einer Sache oder was auch immer ihr mit dem Symbol >Tod< in Verbindung 
bringt.« 
Wabun bittet um das Redeholz. »Ein recht großer Anteil des Stoffs, den Page mir in unserem Interview anvertraute, handelt von Träumen 
über den Tod«, sagt sie. »Das scheint mir der geeignete Moment, um das Band anzuhören.« Wabun baut den Kassettenrecorder auf, drückt 
auf den Knopf, und Pages Stimme erklingt vom Band. 
»Ich erinnere die Menschen, die zu mir kommen, um zu lernen immer daran«, sagt Page, »daß der Traum eine Botschaft des Selbst an das 
Selbst ist; du sprichst zu dir selbst. Er hat wirklich nur wenig oder gar nichts mit anderen Personen zu tun. Träume sind intime und sehr 
persönliche Botschaften. Das ist es, wie ich Träume sehe: als Botschaften. Sie sagen mir etwas über mich selbst. Also, gerade weil ich so 
über Träume denke und auch meine übersinnlichen Fähigkeiten einsetze, wenn ich Träume für andere deute, betone ich die Wichtigkeit von 
Träumen und die Wichtigkeit, ein Traumtagebuch zu führen. 
Leute erzählen mir, daß sie von Personen in ihren Familien oder unter ihren Freunden träumen, die bereits verstorben sind. Sie sprechen zu 
diesen Personen oder erhalten Botschaften von ihnen. Es ist auch verbreitet, daß Menschen davon träumen, daß sie selbst oder wichtige 
Bezugspersonen aus ihrem Umfeld sterben. Solche Träume machen uns angst, weil wir glauben, daß wir tatsächlich sterben werden. Auch 
Träume, in denen man verfolgt wird, kommen häufig vor. Oder man versucht im Traum jemanden anzurufen oder eine Botschaft zu 
überbringen; und immer scheitert man in seinem Bemühen. Solche Träume kommen tatsächlich sehr häufig vor. Aber zu den Träumen, in 
denen es um den Tod geht, werde ich häufiger befragt als irgendwelchen anderen.« 
Die Runde hört Wabuns Stimme, die Page fragt: »Was sagst du den Menschen, die mit solchen Träumen zu dir kommen?« 
»Ich sage ihnen«, antwortet Page, »daß sie nach meinem Kenntnisstand eines von zwei Dingen bedeuten können. Es kann sich um eine 
Botschaft aus der Geistwelt handeln, die verstorbene Person hat tatsächlich eine Botschaft, oder aber es vollzieht sich eine kommunikative 
Beziehung. In einem solchen Fall rate ich dem Menschen, der zu mir gekommen ist, die Traumbotschaft wörtlich zu nehmen. In den meisten 
Fällen jedoch repräsentiert die verstorbene Person in dem Traum einen Persönlichkeitsaspekt des Träumenden. Wenn ich also zum Beispiel 
von meiner kürzlich verstorbenen Mutter träume und es handelt sich nicht um eine Botschaft aus der Geistwelt, dann träume ich 
wahrscheinlich von einem Teil von ihr, der sich auch in mir befindet, oder aber ich reagiere auf irgendwelche Fehler oder Gefühle, die sie 
hatte. Ich kann auch mit etwas konfrontiert werden, das in unserer Beziehung ungeklärt geblieben ist, das aber mit mir und nicht mit ihr zu 
tun hat. Ich gehe immer wieder zurück und versuche die Menschen daran zu erinnern, daß der Traum mit ihnen im Zusammenhang steht. 
Selbst wenn es in dem Traum um einen Ort geht, dann hat auch der mit dir zu tun; er bezieht sich in irgendeiner Weise auf dich.« 


81 


Wabun stoppt den Kassettenrecorder und reicht das Redeholz an Shawnodese zurück. Er nimmt es auf und sagt: »Ich stimme ohne Zweifel 
mit allem überein, was Page gesagt hat. Um ihre Meinung und das, was ich zuvor zur Symbolsprache von Träumen erläutert habe, noch zu 
unterstützen, möchte ich euch zur Illustration den Inhalt einiger meiner länger zurückliegenden Träume erzählen. 
Als ich 1972 einen Traum von einem mir bekannten Mann hatte, der in einen schwarzen Stuhl zurückfiel, selbst schwarz wurde und starb, 
gab mir mein Verständnis von Todessymbolik die Gewißheit, daß es sich nicht um einen voraussehenden Traum handelte, der den Tod 
dieses Mann weissagte. Vielmehr reflektierte der Traum eine emotionale Verbindung zwischen diesem Mann und mir, die zu Ende ging. Der 
Traum zeigte mir, wie ausgetrocknet die Beziehung war, und daß sie bald auseinandergehen würde. 
Acht Jahre später hatte ich eine Traumserie, die sich über drei Tage erstreckte. Erst am Ende des dritten Tages begriff ich, daß es sich um 
Träume handelte. Ich verbrachte damals einige Zeit in einem Wohnwagen in einem Schulungslager, das im Freien abgehalten wurde. Jeden 
Morgen ging ein Mann zwischen den Zelten, Hütten und Wohnwagen hindurch und läutete eine Glocke, um uns darauf hinzuweisen, daß es 
Zeit war, sich für die Verteilung der ersten Tagesaktivitäten zu versammeln Ich hörte die Glocke erst in weiter Ferne und dann allmählich 
näherkommend, bis sie direkt unter meinem Fenster erklang Schließlich entfernte sich das Geräusch wieder und dabei erwachte ich dann 
vollständig. Ich nahm an, daß die Glocke wirklich existierte. Am zweiten Tag lief der Traum vollkommen identisch ab, auch am dritten Tag allerdings 
war nun ein Element hinzugekommen. Diesmal hörte ich neben dem Läuten der Glocke eine Stimme, die zu mir sagte: >Frag 
nicht, für wen die Glocke schlägt, sie schlägt für dich.< 
Das hat natürlich mein Interesse geweckt! An diesem Morgen ging ich zu dem Mann, dessen Aufgabe es war, im Lager die Glocke zu läuten, 
und fragte ihn, wo er allmorgendlich damit begann. Er sagte: >Um dir die Wahrheit zu sagen, ich fange jeden Morgen unter deinem Fenster 
an.< 
In diesem Moment wurde mir klar, daß ich dreimal vom Läuten der Glocke geträumt und nicht etwa deren tatsächlichen Klang gehört hatte. 
Unter Hinzufügung der Stimme, die ich im dritten Traum vernahm, überkam mich plötzlich die völlige Gewißheit, daß mein Vater, der seit 
langer Zeit bei schlechter Gesundheit gewesen war, in diesem Moment im Sterben lag. Dies war mein letzter Tag in dem Lager, und ich 
beendete noch den Kurs, den ich übernommen hatte. Als ich endlich zu einer Telefonzelle kam und von dort zu Hause anrief, da wartete auf 
mich bereits die Botschaft, daß mein Vater inzwischen verstorben war. 
Der Traum, den ich Jahre davor von einem sterbenden Mann gehabt hatte, stellte nur den Wandel in der Beziehung zu ihm dar. Aber der 
hochsymbolische Traum, in dem ich eine Glocke läuten hörte, war wirklich eine Vorahnung vom Tod eines mir nahestehenden Menschen.« 
Sun Bear bittet um das Redeholz. »Meine Mutter hatte ähnlich machtvolle Träume«, sagt er. »Mindestens zweimal erinnere ich mich daran, 
daß sie vom Tod naher Familienangehöriger geträumt hat. Diese starben innerhalb von drei darauffolgenden Tagen. Sie fürchtete sich 
deshalb vor Träumen und wollte keine Träumerin mehr sein. Das kann auch anderen Menschen leicht geschehen; daß ihre Träume wahr 
werden, versetzt sie derart in Angst und Schrecken, daß sie sich lieber dafür entscheiden, nicht mehr zu träumen oder sich ihrer Träume nicht 
mehr zu entsinnen. Das war es, worüber Shawnodese gesprochen hat, als er erwähnte, daß euer erster Traum nach einer Phase des 
Nichterinnerns euch sagen wird, was es war, an das ihr euch, für wie lange auch immer, lieber nicht erinnern wolltet.« Sun Bear reicht das 
Redeholz zurück an Shawnodese und sagt: »Fahre nur in deiner guten Arbeit fort, Bruder.« 
»Der Tod ist nicht das einzige Thema, das aus unserer Traumsymbolik hervorsticht. Sexueller Ausdruck bietet der Traumwelt eindeutig 
ebenso häufig Nahrung. Ich habe oft festgestellt, daß Menschen verlegen werden, wenn sie bestimmte Elemente ihrer Träume mit mir 
besprechen. Doch angetrieben von dem Wunsch, diese Elemente zu begreifen, erzählen sie mir schließlich davon, welche bizarren sexuellen 
Eskapaden sie sich in ihren Träumen leisteten. Wenn wir solche Traumepisoden als symbolischen Ausdruck von Annahme und Abweisung 
verstehen, von Geben und Nehmen, dann wird uns klar, daß sie meist nicht für unbewußt erwünschte oder gefürchtete sexuelle Präferenzen 
und Perversionen stehen. Sie sind stark aufgeladene Symbole und von einer anderen Art Beziehung im Leben des Träumenden. 
Was ich euch als nächstes erzählen will, hat sich tatsächlich ereignet, doch möchte ich aus verständlichen Gründen die Namen der beteiligten 
Personen ändern. Ein Mann namens Harold hatte einen Traum, in dem er mit einem Strahlengewehr auf Maude Schoß und dann beobachtete, 
wie sie sich in einer Lichtexplosion auflöste. In Wirklichkeit träumte Harold davon, sich sexuell mit Maude zu vereinigen, und in seiner 
unbewußten Vorstellung war er mit einer Waffe ausgerüstet, die Maude einen Energiestoß geben oder in einen so starken Orgasmus 
versetzen würden, daß er sie im wahrsten Sinne des Wortes auslöschen würde. Gemeint ist damit, daß er ihren ganzen Körper beleben und 
zum Erglühen bringen würde. 
Zum Zeitpunkt des Traums war Harold ein sehr frustrierter junger Mann und Maude eine wunderschöne, feengleiche junge Frau. Harold war 
fest davon überzeugt, in Maude seine >Seelengefährtin< gefunden zu haben. Maude hingegen fühlte sich durch Harold zu sehr bedrängt. 
Schließlich gab sie ihm den Laufpaß, und Harold fand bei einer anderen Frau sein Glück. Vor dem Hintergrund dieses Wissens laßt uns noch 
einmal Harolds Traum betrachten und in ihm diesmal Maude nicht als die Frau sehen, die Harold kennt, sondern als den Teil von ihm, der 
wahrhaftig schön ist. In jenem Traum, in dem Harold dazu in der Lage war, seine Energie zu bündeln und sein Strahlengewehr auf den 
wahrhaftig schönen Teil seines Selbst abzufeuern, durchlebte Harold eine tiefe Erleuchtungserfahrung. Nachdem also Maude ihn 
zurückgewiesen hatte, mußte Harold seine Energie neu auf sich selbst ausrichten, auf sein eigenes Wachstum und seine Entwicklung. In dem 
Prozeß entdeckte er in sich selbst viele Qualitäten, die er auf Maude projiziert hatte. Auf seine eigene Weise wurde Harold belebt. Er fand 
sein neues Glück nicht deshalb, weil er mit Maude geschlafen hatte, sondern weil er sie verloren hatte. 
Ein anderer, häufig vorkommender Weg, über den Träume zu uns sprechen, ist das Wortspiel. Zum Beispiel könnte jemand von einem Bären 
träumen. Vielleicht glaubt diese Person, einen Medizintraum zu haben, in dem der Bär, ein Totemtier, im Mittelpunkt steht. Jedoch als der 
Träumende mit dem Traum spielt und arbeitet, stellt er fest, daß das Totemtier keine realen Konturen annimmt. Vielleicht erwägt er es auch 
gar nicht als wirkliche Möglichkeit. Während er aber mit dem Wort >Bär< herumexperimentiert, merkt er plötzlich, daß es ganz ähnlich: 
klingt wie >bar<, ohne etwas, und ebenso unvermittelt erkennte er, daß der Traum einen Teil von ihm beschreibt, der nackt und der Welt 
ausgeliefert ist. Ein Aha-Gefühl durchflutet ihn, und die Wahrheit, die in dieser Traumdeutung für ihn liegt, ergreift von ihm Besitz. Er 
begreift, daß sich der Traum eines Tricks, eines Wortspiels, bedient hat, um seine Botschaft zu übermitteln, und daß das Erkennen des 
Wortspiels die Voraussetzung für das Verstehen des Traums war.« 
Shawnodese hält das Redeholz nach oben, um anzuzeigen, daß er fertig ist und um zu sehen, ob jemand anderer es aufnehmen möchte. 
Wabun bittet darum und sagt dann, es sei ein langer und ausgefüllter Morgen gewesen. Vielleicht sollte die Runde, bevor sie über weitere 
Träume spricht, eine Pause einlegen und zu Mittag essen. Damit hätten die einzelnen Teilnehmer auch die Gelegenheit, die neuen 
Informationen zu verarbeiten. Alle nicken zustimmend. 
Nach dem Mittagessen nehmen sich die meisten ein wenig Zeit, um spazierenzugehen oder um sich zu unterhalten, bevor sie zum Langhaus 
zurückkehren und ihren Platz im Traumrat wieder aufsuchen. 
Sobald alle ihre Plätze eingenommen haben, greift Wabun zum Redeholz. »Ich meine, dies wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, damit ihr euch 
anhört, was Twylah zu all dem meint«, schlägt Wabun vor. Da die Runde ihr Einverständnis signalisiert, holt Wabun den Kassettenrecorder 
und drückt, nachdem sie sich gesetzt hatten, auf den Play-Knopf. 
»Wenn wir nachts träumen«, hören wir Twylahs Stimme sagen, »dann werden wir von all unseren Lehrern beraten. Deshalb sind Träume 
manchmal so reich. Jene Träume, an die man sich erinnert, sollte man auch aufzeichnen. Erinnert man sich nicht an sie, so hat man meist nur 
Energie abgelassen. Das ist es, was in Träumen geschieht. Wenn es aufgrund irgendeiner Ursache zu einem Gefühlsstau gekommen ist oder 
auch zur Energieansammlung aus anderem Grund, dann entläßt der Körper die überschüssige Energie, die ihn sonst nur krank machen 
würde. Schreibt man sie auf, so hat man einen wichtigen Zugang zu den eigenen unbewußten Vorstellungen. Man kann sie dann ebenfalls 
während des Tages einsetzen. Wir arbeiten auch tagsüber mit unseren Träumen, wir sind uns dessen nur nicht bewußt. 


82 


Wir empfangen unentwegt Eindrücke, und diese Eindrücke sind Nebenprodukte unserer Träume. Und wir denken ohne Unterbrechung; ganz 
egal was wir tun, unsere Gedanken sind immer in Bewegung. Diese Eindrücke fliegen die ganze Zeit durch unsere Köpfe. Manchmal sind 
wir uns ihrer bewußt, manchmal nicht. Die Eindrücke organisieren jeden Tag unseres Lebens. Wir entscheiden darüber, was wir tun wollen, 
und planen, wie wir es angehen. Die meisten von uns empfangen diese Richtungsangaben, die wir uns morgens geben, und sie kommen aus 
unseren Träumen. Wie wir sie verarbeiten, hängt davon ab, wie sehr wir auf unser inneres Wissen hören.« 
Die Zuhörer vernehmen jetzt, wie Wabun auf dem Band fragt: »Was kommt nach deiner Meinung zuerst, Twylah, die Eindrücke oder die 
Träume?« 
»Die Träume sind ohne Zweifel zuerst da, weil sie aus uns selbst kommen. Wir werden mit all diesen Träumen geboren, und wenn wir uns 
auf die Lebenswanderschaft begeben, dann haben wir eine Mission zu erfüllen. Sie hängt von unseren Fähigkeiten ab. Unsere Träume zapfen 
immerzu unsere Gaben an, damit wir im Laufe des Tages das verarbeiten können, das wirklich notwendig ist. Jeden Tag bewegen, sieben wir 
aus und sortieren wir. Auf diese Weise disziplinieren wir uns selbst. 
Aber unsere Gesellschaft ist von der Art, die es am liebsten sähe, wenn die Gedankenprozesse jedes einzelnen kontrolliert werden. Deshalb 
besteht diese Gesellschaft darauf, daß Kinder in die Schule geschickt werden müssen. Und dort bekommen sie beigebracht, wie sie lernen 
und was sie tun sollen. Und es wird ihnen Tag für Tag eingebleut. Sobald die Kinder nach Hause kommen, machen die Eltern dort das 
gleiche mit ihnen. Deshalb haben Kinder keine Gelegenheit, ihren eigenen Träumen zu folgen. Sie werden Formen angepaßt, die jemand 
anderer für sie gegossen hat.« 
Wabuns Stimme fragt Twylah: »Wie würdest du es Eltern vermitteln, daß sie ihren Kindern gestatten, ihren eigenen Träumen zu folgen?« 
»Sie müssen darauf hören, was die Kinder zu sagen haben« antwortet Twylah. »Die wenigsten Eltern können zuhören. Sie wollen, daß alle 
anderen auf sie hören, aber sie nehmen weder die eigene innere Stimme wahr noch die der anderen. In der Vergangenheit, beispielsweise zu 
Zeiten des Wolfclans, da lehrten wir die Kinder, ihre Umgebung aufmerksamer wahrzunehmen, indem wir sie fragten: >Was hast du heute 
gesehen, das dir gefallen hat?< oder: >Was hast du gehört, von dem du beeindruckt warst?< Wir fragten: >Bin ich glücklich mit dem, was 
ich tue? Was tue ich, um zur allgemeinen Verwirrung beizutragen? Was tue ich, um Frieden und Zufriedenheit zu vergrößern? Und wie wird 
man sich an mich erinnern, wenn ich nicht mehr bin?< Wir stellen diese Fragen die ganze Zeit, nicht nur den Kindern, sondern auch den 
Erwachsenen. 
Als ich noch mehr herumgereist bin, um zu unterrichten, da habe ich die Kinder immer dazu ermuntert, sich ihre Träume zu merken. Ich 
brachte die Kinder dazu, sich auf den Boden mit an den Seiten ausgestreckten Armen und dem Kopf zur Mitte des Raumes zu legen. So 
bildeten sie einen Kreis, und ich forderte sie auf, ihre Augen zu schließen und nur ihren Gedanken zu lauschen. Dann bat ich sie, die Bilder 
zu beobachten, die entstanden, als sich ihre Gedanken in ihren Köpfen materialisierten. Ich ließ sie dies fünf Minuten lang tun, und dann 
setzten sie sich auf und erzählten, was sie gesehen hatten. Ich machte daraus eine Art Spiel. 
Ich fragte sie auch zu unterschiedlichen Zeiten, ob sie sich an einen Traum erinnerten, der ihnen wichtig erschien. Und dann erzählten sie mir 
oft einige der furchtbaren Träume, die sie gehabt hatten. Und diese Träume sind pure Angst; sie werden von Ängsten genährt. 
Wenn ihr Kindern oder Erwachsenen helfen wollt, die unter Alpträumen leiden, dann bringt sie als erstes dazu, daß sie darauf verzichten, vor 
dem Schlafengehen zu essen. Wenn sie essen, dann sind ihre Körper noch nicht bereit für den Schlaf, weil ihr Körper arbeiten und die 
Nahrung verdauen muß, die zuvor verzehrt wurde. 
Ich rege die Leute auch dazu an, sich ein paar Minuten - vielleicht fünf Minuten am Tag - die Zeit zum Tagträumen zu nehmen. Wenn man 
es sich angewöhnt, sich auf diese Weise >auszuklinken<, dann hat man nachts keine Ängste mehr. Ein Alptraum ist ein Körper, der gegen 
etwas revoltiert, das im Verlauf des Tages geschehen ist. Manchmal sind möglicherweise Kinder von ihren Eltern für etwas bestraft worden, 
das sie angestellt haben. Vielleicht war das Kind im Unrecht, vielleicht hatten aber auch die Eltern keinen richtigen Grund für eineBestrafung. Das schafft Alpträume. Alpträume sind Ängste. Und die größte Angst ist die, nicht angenommen oder verlassen zu werden. Um 
mit dieser Angst arbeiten zu können, müssen die Menschen auf ihre eigenen Gaben blicken und die Person lieben, die sie sind. Es ist gut, 
wenn man einen Platz für sich allein findet, wo man sitzt und dankbar für alles ist, was man hat. Es ist gut, ohne Unterlaß für die eigenen 
Gaben dankbar zu sein. Es ist auch gut, sich daran zu erinnern, daß hinter jedem Traum und jeder Vision ein Grund steht und daß all diese 
Gründe den Gaben eines Menschen entstammen.« 
Wabun hält den Kassettenrecorder einen Augenblick an und sagt zu der Gruppe: »In diesem Interview wird Twylah als nächstes ihre eigene 
Methode erklären, wie sie Träume deutet. Ich denke also, jetzt wäre eine gute Gelegenheit für eine Pause. Danach kommen wir wieder in den 
kleinen Vierergruppen zusammen, die wir zuvor schon einmal gebildet hatten. Ich möchte, daß ihr in diesen Kleingruppen die Fragen 
besprecht, die ihr vielleicht zum Stoff, den wir am Morgen bearbeitet haben, stellen wollt. Die Lehrer werden von Gruppe zu Gruppe gehen, 
und ihr werdet die Gelegenheit haben, eure Fragen zu stellen, um auf diese vielleicht die Antworten zu erhalten, die ihr sucht. « 

Träume deuten 

Bis die Mitglieder der Kleingruppen ihre Diskussionen über das Verstehen von Träumen beendet haben, ist es später Nachmittag. Dennoch 
hat die Runde sich entschieden, sich noch für mehrere Stunden bis zum Abendbrot zusammenzusetzen. Alle brennen darauf, den Abschluß 
von Großmutter Twylahs Lehren zu hören, und sie wissen, daß noch eine große Menge Stoff zu bewältigen ist, bevor sie sich heute zum 
Schlafen und Träumen niederlegen können. 
Nachdem sie sich zu ihren Plätzen begeben haben, fragt Wabun, ob sie bereit seien, sich anzuhören, was Großmutter Twylah über das 
Deuten von Träumen zu sagen hat. Als sie die meisten Teilnehmer zustimmend nicken sieht, stellt die den Kassettenrecorder an. 
»Wie ich schon zuvor gesagt habe, Wabun, alles ist von den Gaben eines Menschen abhängig. Wenn ich mit Leuten an ihren Träumen zu 
arbeiten beginne, dann will ich als erstes ihren Geburtsmonat wissen. Der Monat, in dem sie geboren wurden, repräsentiert ihren Glauben, 
der Monat direkt gegenüber steht dafür, wie sie ihren Glauben ausdrücken. Laß uns dich als Beispiel nehmen, Wabun. In welchem Monat 
bist du geboren?« 
»Im April«, antwortet Wabun. 
»Als April-Mensch bist du ein Arbeiter«, fährt Twylah fort. »Du bist auch eine Seherin, und dich interessieren Prophetie und Philosophie. 
Das ist dein Geburtsgeschenk. Dem April gegenüber liegt der Oktober, der kreativ ist; also wärst du für etwas Kreatives geeignet. Bücher zu 
schreiben ist eine gute Sache für dich. Dein Geburtsmonat und dessen Gegenüber werden durch deine Linie der Wahrhaftigkeit miteinander 
verbunden. Ich sage den Leuten, sie sollen ihren Geburtsmonat in den Süden ihres persönlichen Medizinrads legen und sein Gegenüber in 
den Norden. Dann wird der Erdpfad von der Linie gebildet, die zwischen dem Osten und dem Westen verläuft. 
Das Wissen darum, wie man leben soll, das ist es, wofür der Erdpfad steht. Ganz egal, welcher dein Geburtsmonat ist - immer sitzt du im 
Süden und blickst auf deine Weisheit, die dir direkt gegenüber im Norden liegt. Rechts von dir ist Osten und links von dir Westen. Der Osten 
steht für deine Inspiration und der Westen für deine Zukunft. Darüber hinaus liegt im Osten auch das Verhalten und im Westen der Wille. 
Gemeinsam schenken sie dir den Willen, die Wahrheit zu leben. Wir nennen das unser >Rad der Weisheit<, denn das ist es, was es ist. In 
ihm enthalten ist das Medizinrad; aber manchmal verwirrt der Begriff >Medizin< die Leute nur. 
Da du im April geboren bist, wird dein Erdpfad von den Monaten Januar und Juli gebildet. Das bedeutet, daß du gern durch die Liebe lernst 
und daß du es liebst zu lernen. Auch das ist wiederum dein Erdpfad. 
Damit du träumen kannst, konzentrierst du dich auf deinen Süden und blickst auf deinen Norden, der deine Weisheit repräsentiert. Die 
Weisheit ist der Ratgeber des Träumenden.« 
Wabun bittet Twylah, die Gaben der übrigen Monate zu erklären. 


83 


Twylah antwortet: »Der Januar steht für das Lernen, der Februar für die Ehre, März für Wissen, April für Sehen, Mai für Hören, Juni für 
Sprechen, Juli für Lieben, August für Dienen, September für Leben, Oktober für Arbeiten, November für Teilen, und der Dezember 
symbolisiert das Danken. Das sind die zwölf Grundgaben, mit denen ein Mensch diese Welt betreten kann. Man kommt mit einer speziellen 
Gabe an und hat auch gleich die Gabe gegenüber, die einem hilft, die eigentliche Geburtsgabe zu nutzen. 
Ich glaube, am wichtigsten ist es mir, daß die Leute sich daran erinnern, daß hinter jeder Vision und jedem Traum ein Grund steht und alles 
auf der Gabe beruht, die ein Mensch mitbekommen hat. Deshalb ist es so wichtig, daß man seine Gabe kennt.« 
Wabun stellt das Gerät aus. Sie reicht das Redeholz herum, und die Teilnehmer drücken ihre Dankbarkeit dafür aus, daß Twylah auf diese 
Weise zum Traumrat beigetragen hat. 
Als das Redeholz wieder bei Wabun eintrifft, sagt sie zu Steven Foster: »Steven, ich weiß aus unseren Unterhaltungen, daß du ein Systemzum Traumverständnis entwickelt hast, bei dem du vier Schilde benutzt, und daß dieses System Teil der Ökopsychologie ist, über die du zur 
Zeit gerade schreibst. Ich würde sehr gerne mehr darüber hören.« 
Steven nimmt das Redeholz auf und verleiht zunächst seiner Freude Ausdruck, daß er wieder zurück auf dem Berg und im Traumrat ist.
Dann beginnt er über die vier Schilde und über Ökopsychologie zu reden. »Ich werde versuchen, es so einfach wie möglich zu halten. Die 
vier Schilde sind die vier Jahreszeiten im Leben des Menschen. Die Klimazonen der Erde kennen ebenfalls vier Jahreszeiten. Nicht anders 
verhält es sich mit den Menschen, die auf ihr leben. Die vier Jahreszeiten im menschlichen Dasein können im Verlauf eines ganzen Lebens, 
aber auch innerhalb eines Tages oder einer Stunde durchlebt werden. Wir durchmessen die Jahreszeiten unseres Lebens wieder und wieder. 
Stets von neuem begegnen wir entlang der Spirale des Lebens den vier Jahreszeiten. Das ist der Traum der Mutter-DNA. Der Frühling ist 
verpflichtet, uns zum Herbst zu führen, und der Sommer des Lebens muß uns zum Winter geleiten. Der Herbst des Lebens hat den Frühling 
zur Folge und der Winter den Sommer. Jetzt will ich dies auf die Ebene der menschlichen Erfahrungen übertragen. Frühling ist das, was 
neugeboren ist, was vom Tod kommt, was erleuchtet ist. Sommer ist das Kind, die Kinder, der Weg der Kinder. Herbst ist der Verlust der 
Unschuld und der Eintritt in die Adoleszenz (=Jugendalter), die innerliche Einschränkung des Sommers, das Einfahren des Lohns der 
Kindheit, die Vorbereitung auf den Winter. Winter ist der Erwachsene, der Mann oder die Frau, der oder die Verantwortung für dasÜberleben des Volks während des Sterbens des Winters trägt. Das sind die Dimensionen des menschlichen Traums von Leben und Tod, und 
sie formen die Basis einer Psychologie, die auf der menschlichen Natur beruht. Wie das Gleichgewicht der vier Jahreszeiten stellen auch sie 
ein System des Ausgleichs des menschlichen Selbst dar. 
Zusätzlich zu dem, was ihr hier bereits über das Erinnern von Träumen gelernt habt, bietet euch das Konzept der vier Schilde eine Grundlage 
zu ihrer Interpretation an. Im ersten Schild finden wir alles, was mit der Kindheit assoziiert werden kann. Im zweiten Schild begegnen wir 
allem, was wir mit dem Erwachsensein verbinden. Der dritte Schild enthält das, was dem psychologischen, dem inneren Weg zugehört. Im 
letzten Schild schließlich treffen wir auf alles, was mit dem Ausdruck oder dem Arbeiten von Träumen zusammenhängt, mit dem, was man 
Vision oder Imagination oder Erleuchtung nennen könnte. Es ist ein alles beeinhaltendes System; wir können beinahe alles in die vier 
Schilde legen. Als Resultat erhalten wir eine Vorstellung davon, welche Schilde in einem Menschen stark und welche schwach ausgeprägt 
sind und daher der Zuwendung bedürfen. Wir trainieren Menschen meist in Selbsthilfeaktionen, die sie darin unterstützen, ihre Fähigkeit, 
alle vier Schilde zu erfahren, zu stärken. Eine Person kann ihren Traum nehmen und dann das Vier- Schilde- System zu seinem Verständnis 
heranziehen, als einen Weg, um zu erfahren, was der Traum sie lehren will. Wenn zum Beispiel ein Traum eindeutig auf den Herbstschild 
oder auf die Persönlichkeit hinweist, dann ist es am besten, den Inhalt dieses Schildes zu untersuchen. Der Heranwachsende ist nach innen 
gewandt, psychologisch, erlebt sich selbst ganz bewußt, ist in einem Labyrinth der Schatten gefangen, ruft introspektiv in einem inneren 
Spiegel das Bild des anderen Geschlechts hervor, des Animus oder der Anima. Aber in jedem Schild ist auch sein Gegenteil impliziert. 
Daher ist das Gegenteil von Herbst die Ausweitung und Geburt des Frühlings. Auch die beiden anderen Schilde, Sommer und Winter, sind 
mit angedeutet. Ein Traum kann das Ungleichgewicht zwischen den Schilden offenlegen. « 
Steven macht für einen Augenblick eine Pause und Erika, die deutsche Medizinstudentin, bittet um das Redeholz. Sie fragt Steven, ob er 
etwas genauer definieren könnte, was er den einzelnen Schilden in seinem System zuordnet. Sie reicht das Redeholz an Steven zurück, und 
wenig später spricht er weiter. 
»Der Süden oder Sommer ist das Kind. In diesem Schild sind die Gefühle enthalten, die Instinkte und die erotische Natur. Das Kind ist 
irrational. Das Kind des Sommers ist der unschuldige Körper, der in einer Welt von Gewalt und Zerstörung überleben muß. Man kann es im 
Spiel der Kinder sehen. >Laßt uns Krieg spielen.< - >Laßt uns den Neuen in unserer Straße ärgern.< ->Peng, peng, du bist tot.< -Dinge 
dieser Art. Man sieht es auch an Tieren, an Fuchs- und Löwenjungen, wie sie sich in gespieltem Kampf aufeinanderstürzen. Junge Tierespielen das Überleben. Das ist der Schild, den wir mit Krieg assoziieren, mit Rache, mit todverbreitendem Spielzeug. Im Sommerschild ist 
Blut enthalten, reichlich Leben und reichlich Tod. Es ist Sommer; alles hat seinen Höhepunkt erreicht; alles rivalisiert im Raum. Es 
überleben nur die Fähigsten. 
Der Sommerschild ist die Wechselwirkung von Sinnlichkeit und Begehren. Das Kind braucht. Das Kind will den Gegenstand besitzen, der 
Bedürfnisse stillt - essen, trinken und sich vermehren. Es ist das Ich und all die primären Bedürfnisse und Reaktionsgefühle, das Bedürfnis 
des Ichs, zu besitzen. Wenn wir also viele von diesen Eigenschaften in einem Traum wiedererkennen, dann neigen wir dazu, ihn auf dem 
Südschild anzusiedeln. 
Damit der Sommer zum Winter werden kann, muß er sich immer erst dem Herbst unterwerfen. Der Herbstschild ist buchstäblich der Schild 
der Initiation. Aus der Unschuld wird Erfahrung, das Dunkle durchwandern müssen, geprüft werden, Unabhängigkeit gewinnen. Es ist eine 
schwere Prüfung, und ein Großteil von ihr erfolgt innerlich wie in der Adoleszenz. Die Adoleszenz, obwohl sie uns im Vergleich mit der 
Lebensdauer kurz erscheint, ist eine sehr bedeutsame Zeit. Darin liegt der Grund, warum alte Kulturen soviel Zeit darauf verwendet haben, 
ihre Kinder beim Einsetzen der Adoleszenz zu initiieren. Aus Kindern müssen Erwachsene werden. Ein Kind muß vernünftig werden, muß 
Selbstkontrolle lernen, Selbstdisziplin, muß einer Arbeit nachgehen und Verantwortlichkeit und ein Bewußtsein dafür entwickeln, was gut 
für das Volk ist. Und das kann es nur lernen, wenn es seine eigene Dunkelheit durchschreitet. Sie müssen fallen, müssen den Garten Eden 
verlassen. 
Im Herbst- oder West-Schild stoßen wir auf die Quelle der Träume und auf die Wunden, welche die >persönliche Medizin< ausmachen. Wir 
begegnen dort den Gefühlen, die im Gegensatz zu den Reaktionsgefühlen stehen, abhängigem Verhalten und Befangenheit. Die inneren 
Monster liegen hier verborgen, Schuldgefühle, Gewissensbisse und schmerzlicher Verlust. In diesem dunklen Schild treffen wir auch auf die 
Anima, die innere Frau, und auf den Animus, den inneren Mann. Während der Adoleszenz lernen wir, uns durch die Augen des anders 
Geschlechts zu sehen, vor allem durch die Augen des gegen geschlechtlichen Elternteils. 
Aber der Herbst-Schild hat dem Winter-, dem Nord-Schild zu weichen. Der Jugendliche muß in die Erwachsenenwelt initiiert werden. Wenn 
die Art den Winter überstehen soll, dann muß sie auf jene blicken, die reif sind: auf die initiierten Männer und Frauen, die Werkzeuge, 
Strategien und Sittenlehre formen und anwenden, die einem ganzen Stamm oder Volk dienen, insbesondere in Zeiten der Härte und Not. 
Heirat, Elternschaft, Beschäftigung, Gesetz und Ordnung, Pflicht, Verantwortlichkeit und all die Rechte und Privilegien der Erwachsenensind hier angesiedelt. Der Erwachsene erschafft, heilt, dient, fördert, schlichtet, lehrt, führt und nimmt die Rolle des Ältesten an. Der 
Erwachsenen-Schild ist der Geist des Winters, die Starrheit des gefrorenen Saatkorns, das Leben unter dem Stern von Betrachtung, Disziplin 
und Nachdenken. 
Der Winter-Schild ist zuständig für die Übergangsrituale, für die Wissenschaft, Technologie, Logik, Mathematik, medizinische 
Wissenschaft, Philosophie, Theologie und alle anderen >-logien<. Er stellt somit so ziemlich das Gegenteil des irrationalen Kindes-oder 
Sommer-Schilds dar, der außerdem von Gefühlen, Instinkten und körperlichen Bedürfnissen bestimmt wird. Winter ist das Leben des 
Geistes, dessen, der weiß: Ohne Fleiß, kein Preis. Das Sterben findet ebenfalls unter dem Einfluß des WinterSchilds statt. Der Winter muß 


84 


sterben, um dem Frühling Platz zu machen. Also muß auch der Erwachsene in die mächtigen Fähigkeiten der Ältesten initiiert werden, 
wovon die größte das Wissen darum ist, daß das Selbst sterben muß. 
Der Frühlings- oder Ost-Schild liegt am Ende der Winterreise. Mit dem Frühling kommen die Ausdehnung, die Öffnung, ein wogendes 
Potential, Transformation und Erleuchtung. Hier lassen sich das Wunder, die Göttlichkeit, die Götter und Göttinnen, der Geist lokalisieren. 
Der dunkle Herbst hat die Winterreise angetreten und ist in das Licht des Frühlings verwandelt worden. Alte Formen sind zerbrochen, damit 
die Ganzheit des neuen Wachstums hervordringen kann. Das neu Geborene kommt ans Licht, auf der Spur von Wolken der Herrlichkeit. 
Hier beginnt die Vision. 
Die Stufen des Wildnisübergangsrituales entsprechen den vier Schilden. Die Trennung ist der Auszug aus der Kindheit -Sommer. Die 
Schwelle ist die heilige Zeit und der heilige Ort der Initiation - Herbst. Die Aufnahme ist die Einbeziehung der Reife, der Beginn eines neuen 
Lebensabschnitts - Winter. Auf die ersten drei Stufen folgt die vierte mit neuem Leben, neuem Wachstum, Erweiterung, Erleuchtung Frühling. 
Woraufhin wir wieder zum Sommer zurückgeführt werden und zum Bedürfnis des Kindes, immer wieder von neuem in die 
Mysterien der Erwachsenenwelt und die sich daraus ergebende Erweiterung initiiert zu werden. 
Man kann die gleiche Initiationsbewegung auch in einem Traum erkennen. Das Kind, das Ich -Sommer -, wird mit einem Weg, einem 
dunklen Wald, einem Monster, einer Aufgabe konfrontiert -Herbst. Das Hindernis muß aufgenommen werden, denn in ihm liegt die 
>Medizin< verborgen. Diese Medizin wird dann zum Beglaubigungsschreiben des reifen Erwachsenen -Winter -, der, wenn der 
Lebenswandel herbeigeführt und die Arbeit getan ist, der Empfänger des neuen Lebens oder der Erleuchtung ist - Frühling.« 
Lucy, eine der Therapeutinnen, bittet kurz um das Redeholz. Als sie es in den Händen hält, sagt sie: »Steven, ich glaube, ich würde das ein 
bißchen besser verstehen, wenn ich ein Beispiel hätte. Ich würde dir gerne einen wiederkehrenden Traum erzählen, von dem eine meiner 
Klientinnen mir berichtet hat, um zu sehen, wie du ihn den vier Schilden zuordnest.« 
Steven nickt zustimmend, und Lucy fährt fort. »In diesem Traum steht meine Klientin am Meer und beobachtet, wie die Wogen in 
zunehmender Höhe heranrollen. Sie hat immer die Ahnung, daß eine große Welle kommen wird. Manchmal versucht sie, vor ihr 
davonzulaufen, und dann wiederum wird ihr bewußt, daß ihr dies nicht möglich ist. Wie würdest du die vier Schilde auf diesen Traum 
anwenden?« 
Sie gibt das Redeholz an Steven zurück. »Der Traum ist ein Initiationstraum«, antwortet er. »Das Vorwärtskommen wird von etwas 
Verschlingendem blockiert; es ist schattig, dunkel, überwältigend. Das Kind steht am Rande des Ozeans und betrachtet die Bedrohung, die 
große Flut des Lebens, die es verschlingen wird. Das kleine Mädchen weiß, daß dieses Verschlingende einen Gezeitenwandel, etwas Neues 
und Reiches, eine neue Geburt, mit sich bringen wird. Die Träumende verspürt hin und wieder zwiespältige Gefühle bezüglich der 
Notwendigkeit, sich zum Wohle der Gemeinschaft erneut der dunklen Flut des Lebens stellen zu müssen. In diesem Fall handelt es sich um 
eine Art schamanistischen Traum. Der Schamane begibt sich hinunter in die Dunkelheit, um ein Heilmittel zu finden. Diese Träumerin muß 
also die Dunkelheit ertragen, um erwachsen und erleuchtet zu werden und damit die Gemeinschaft erblüht. 
Bei unserer Lehrmethode des Fastens und der Initiation geht der Initiant in die Wildnis, und das kleinste, unbedeutendste Ding, auf das er 
dort stößt, ist ein Teil seines Traums und von großer Bedeutung. Wenn man das berücksichtigt, dann begegnet man zwangsläufig zahlreichen 
natürlichen Entitäten (= das Dasein eines Dinges), mächtigen Symbolen: angefangen bei den vier Elementen und ihren unterschiedlichen 
Verkörperungen bis hin zur vollkommenen Stille, Spuren, Schatten, Nacktheit, der Sonne und dem Mond, dem Rhythmus von Tag und 
Nacht, dem Konflikt zwischen Psyche und Seele. Der Kraftplatz des Suchenden, all die verschiedenen Tiere, Pflanzen, 
Zeremoniengegenstände, sie alle sind wichtig, - selbst das Wasserlassen und die Darmentleerung. Für sehr viele Menschen bilden diese 
Symbole den entscheidenden Kern ihrer Erfahrungen im Verlauf der Schwellenphase. Solche besonderen Symbole benutzen wir oft, um die 
Lebensführung der Menschen und die Art, wie sie mit derartigen Verkörperungen in ihrem Leben umgehen, zu bewerten. 
Nichts ist zu klein, um nicht Beachtung zu finden. Und sehr oft übersehen die Menschen gerade das Offensichtliche.« 
Als Steven zu Ende gesprochen hat, stehen die Teilnehmer der Runde auf, um eine fünfzehnminütige Pause einzulegen, um sich zu Strecken, 
ihre Zimmer aufzusuchen, einen kleinen Spaziergang zu machen und sich zu unterhalten. Nach der Unterbrechung nimmt Shawnodese das 
Redeholz auf und macht den Anfang. 
»Steven, mir hat besonders gefallen, wie du gesagt hast, daß nichts zu klein und alles wert ist, als Teil eines Traums oder einer Vision in 
Betracht gezogen zu werden. Ich bin der Meinung, daß alles, was wir im Wachzustand und während unserer Tagträume durchleben, es wert 
ist, so gedeutet zu werden, als sei es ein Traum. Zum Beispiel war ich vor vielen Jahren mit einer Gruppe von Leuten zusammen, die sich 
regelmäßig trafen, um spirituelle Studien zu betreiben und um zu meditieren. Ein weibliches Mitglied dieser Gruppe - ich möchte sie Regina 
nennen - machte eine Bemerkung darüber, daß innerhalb weniger Monate dreimal die Windschutzscheibe ihres Autos zu Bruch gegangen 
war. Sie war sehr frustriert über den Verdruß und die Kosten, die ihr dadurch entstanden, und fragte sich, ob womöglich irgendeine 
Bedeutung hinter dieser Serie zerbrochener Windschutzscheiben stecken könnte. 
Ich schlug ihr vor, diese Vorfälle als wiederkehrenden Alptraum zu betrachten und so zu untersuchen, als ob das Zerbrechen der 
Windschutzscheiben einen symbolischen Charakter haben könnte. Regina und die Gruppe stimmten zu, es zu versuchen. Wir begannen 
damit, indem Regina jeden Vorfall, bei dem die Windschutzscheibe zerbrochen war, so beschrieb, als handle es sich um einen Traum. Ich bat 
Regina und die übrigen Anwesenden, Vorschläge zur Interpretation zu machen. Indem sie die Vorfälle als Träume betrachtete, deckte Regina 
auf, daß sie eine wachsende Unzufriedenheit darüber entwickelt hatte, wie sie damals durchs Leben ging. 
Es wurde offensichtlich, daß der Stein, der die Windschutzscheibe durchschlug und zerbrach, für Regina mindestens zwei Botschaften 
transportierte. Sie war sich vollkommen sicher, daß ihre Sicht auf die Welt, die durch die Windschutzscheibe repräsentiert wurde, verzerrt 
war - wobei die Verzerrung durch den Stein, der ihre Windschutzscheibe traf und zerbrach, dargestellt wurde. Der Stein stand für eine äußere 
Kraft oder einen äußeren Einfluß, der ihr zum einen eine verzerrte Weltsicht bescherte und sie zum anderen dazu zwang, sich eine neue, 
möglicherweise klarere Weltsicht anzuschaffen - beziehungsweise eine neue Windschutzscheibe. Regina war nach dieser Deutung dazu inder Lage, die Serie von zerbrochenen Windschutzscheiben als Anstoß zu begreifen, um tiefgreifende Änderungen in ihrem Leben 
vorzunehmen. Als ich zuletzt mit ihr sprach, war ihr seither keine Windschutzscheibe mehr zu Bruch gegangen. 
Für mich war es sehr interessant, Träume und Ereignisse des Wachbewußtseins so zu betrachten und zu erkennen, daß sie gar nicht so weit 
auseinanderliegen, wie die Leute immer meinen. 
Nun möchte ich darangehen, euch ein paar Techniken zur Traumdeutung zu erklären, die ich entwickelt habe. Die erste nenne ich denTraumrat (Siehe Anhang, 15. Übung). Der Traumrat ist eine Gruppe, in der eine Familie beziehungsweise ein anderer Personenverband 
zusammenlebt, oder eine Gruppe von Einzelpersonen, die sich regelmäßig treffen, um an ihrem persönlichen Wachstum zu arbeiten und um 
ihre Träume zu besprechen. 
Die Zusammenkunft würde mit einem Smudging, einer Räucherung, beginnen, in der die Teilnehmer sich von Negativität befreien, positive 
Energie anziehen und ihre Aufmerksamkeit ausrichten. Nachdem sich jeder im Kreis der Räucherung unterzogen hat, wird das Redeholz 
durch den Rauch der glimmenden Kräuter der Person gereicht, auf deren Traum sich die Runde konzentrieren will. Diese Person erzählt den 
Versammelten mit dem Redeholz in der Hand ihren Traum. Danach reicht sie das Redeholz ihrem zur Linken sitzenden Nachbarn. Jeder der 
Anwesenden darf der Reihe nach den Träumenden über Details seines Traums befragen: über Farben, Qualitäten, Gefühle, Nuancen, die 
vielleicht beim ersten Erzählen zu kurz gekommen sind. Das Redeholz kann bis zu dreimal im Kreis des Traumrats herumgereicht werden 
oder so lange, bis niemand mehr Fragen zum Inhalt des Traums hat. Dann berichtet der Träumende dem Rat von der Bedeutung, die er 
seinem Traum zumißt. Nacheinander trägt jedes Mitglied des Traumrats, wenn das Redeholz bei ihm angelangt ist, seine Meinung zur 
Deutung des Traums bei. Nachdem das Redeholz einmal die Runde gemacht hat, kann der Träumende sich noch einmal zur Bedeutung 
seines Traums äußern, wenn er der Meinung ist, daß sich seine Interpretation nach all den Beiträgen vielleicht verändert hat. 


85 


Es ist wichtig, sich darüber im klaren zu sein, daß die Auslegung jedes einzelnen richtig und wahr ist, aber eben nicht unbedingt für den 
Träumenden. Sie stimmt für den Menschen, dem der Traum erzählt wurde und der ihn deutet. Jeder Mensch deutet einen Traum auf der 
Basis seiner eigenen Lebenserfahrung, selbst dann, wenn er detailreiche Kenntnisse über den Träumer besitzt. Deshalb ist die Interpretation, 
welche die einzelnen Mitglieder des Traumrats dem Traum geben, eigentlich nur für sie selbst zutreffend und nicht unbedingt für die Person, 
die den Traum hatte. Außerdem hört der Träumende ebenfalls nur das, was er durch seinen Filter in sich hineinläßt. Indem der Traum mit 
dem Traumrat geteilt wird, wird er zum Traum des Traumrats. Jeder, der einem Traumrat angehört, profitiert außerdem von einer regeren 
Traumtätigkeit.« 
Es ist schon dunkel, als alle vom Abendbrot in das Wohnzimmer des Langhauses zurückkehren. 
Shawnodese nimmt das Redeholz auf und fährt da fort, wo er sich zuvor unterbrochen hatte. »Ich empfehle euch, nach eurer Rückkehr, die 
Methode des Traumrats auszuprobieren, wenn ihr zu Hause eine Gruppe habt, mit der sich so etwas durchführen läßt. Besteht eine solche 
Gruppe bisher nicht, dann ist der Traumrat ein guter Grund dafür, eine ins Leben zu rufen und mit neuen Menschen zusammenzukommen.
Die nächste Technik, von der ich euch erzählen möchte, nenne ich >einen Traum in Besitz nehmen< (Siehe Anhang, 16. Übung). Man hat 
mir berichtet, daß diese Technik jener ähneln soll, die Joyce und John Weir, die ich persönlich leider nicht kenne, in ihren 
Entwicklungsworkshops benutzen. Zunächst schreibt der Träumende seinen Traum so detailgetreu wie möglich auf. Als Beispiel möchte ich 
hier einen Traum vorstellen, den ich vor einundzwanzig Jahren hatte. Darin spiele ich die Rolle des Beobachters. Ich bin mir meines Körpers 
nicht bewußt. Nach unten blickend sehe ich eine gelbe Rose. Sie ist sehr groß und füllt mein gesamtes Gesichtsfeld aus. Die Blüte ist 
vollkommen offen. In dem Traum weiß ich, daß sie irgendwie mit einer befreundeten Künstlerin in Zusammenhang steht, einer Frau, die ich 
Karma nennen möchte. Karma war eine berühmte Künstlerin, die in der Zeit, als ich diesen Traum hatte, unter einer tödlichen Krankheit litt. 
Nachdem man den Traum niedergeschrieben hat, läßt man sich beim nächsten Schritt am besten von zwei oder drei Leuten helfen, die einen 
auf der richtigen Spur halten und darin unterstützen, wirklich alle Teile des Traums zu verstehen. Außerdem ist es leichter, einen Traum in 
Besitz zu nehmen, wenn man sich laut darüber äußert. Die Inbesitznahme des Traums beginnt immer damit, daß man sagt: >Ich träume, und 
der träumende Anteil von mir ist ...< Von jedem Aspekt des Traumgeschehens wird in der Gegenwart und in der ersten Person erzählt, und er 
ist ein Teil des Träumers. 
Zum Beispiel würde ich bei meinem Rosen-Traum sagen: >Ich träume, und der träumende Teil von mir ist ein beobachtender Teil von mir. 
Dieser beobachtende Teil von mir ist sich meines Körpers nicht bewußt. Dieser beobachtende, unbewußte Teil von mir sieht unterhalb einen 
Teil von mir. Dieser unterhalb liegende Teil von mir ist ein gelber Teil von mir, ein Rosen-Teil von mir, ein Gelbe-Rosen-Teil von mir. 
Dieser Gelbe-Rosen-Teil von mir ist ein sehr großer Teil von mir. Er füllt den ganzen Teil von mir, den Raum-Teil von mir, den Sicht-Teil 
von mir, den Sichtfeld-Teil von mir. Er ist vollkommen ein Teil von mir, er ist ein offener Teil von mir, er ist ein voll erblühter Teil von mir. 
Er ist ein künstlerischer Teil von mir, ein Freundin-Teil von mir, ein Künstlerfreundin-Teil von mir. Er ist der Karma-Teil von mir. Und ich 
bin wach.< 
Ich benutze den Satz >Und ich bin wach, um anzuzeigen, daß dieser Arbeitsabschnitt abgeschlossen ist. Sich zu seinem Traum zu bekennen 
beginnt immer mit den Worten >Ich träume< und endet mit >Ich bin wach<. Nun kann es leicht passieren, daß allein das Erzählen des 
Traums auf die beschriebene Weise das nötige Verständnis auslöst und daß Bedeutung und Richtung des Traums der sprechenden Person 
klarwerden. 
Wenn dies jedoch nicht der Fall ist oder wenn einzelne Teile des Traums verwirrend oder schwer zu verstehen sind oder wenn man auf ein 
anderes Deutungsniveau des Traums gelangen will, dann erstellen der Träumende und, wenn vorhanden, seine Helfer, eine Liste der Wörter, 
die sie mit den Wörtern in Verbindung bringen, die benutzt wurden, um den Traum zu beschreiben. Zum Beispiel nehmen sie die Wörter 
>gelbe Rose< und der Träumende sagt: >Ich träume, und der träumende Teil von mir ist ein gelber Teil von mir, ist ein feiger Teil von mir, 
ist ein hoffnungsvoller Teil von mir, ist ein ängstlicher Teil von mir, ist ein leugnender Teil von mir, ist ein spirituell kräftiger Teil von mir< 
Ich fahre fort, indem ich alle Dinge, die ich mit der Farbe Gelb assoziiere, mit mir in Verbindung bringe. 
Dann nehme ich mir das Wort >Rose< vor. >Der Rosen-Teil von mir ist der Blumen-Teil von mir, ist der voll erblühte Teil von mir, ist ein 
geschenkt bekommener Teil von mir, ist ein möglicherweise dorniger Teil von mir, ist ein wachsender Teil von mir.< 
Als ich jeden Teil des Traums so durchspielte, wurde mir klar, daß der Traum eine Aussage über meine eigene Verleugnung des Todes 
macht, über meine Hoffnung, daß der kranke Mensch seine Krankheit überleben würde, über meinen Sinn für die Schönheit und 
Vollkommenheit der Kunstwerke, die Karma geschaffen hatte, mein intuitives Gefühl, daß ihr Werk abgeschlossen war, daß sie nichts Neues 
schaffen würde. Ich habe noch mehr über den Traum herausgefunden, aber ich kann ihn nur bis hierher mit gutem Gefühl mit euch teilen.« 
Luke Blue Eagle bittet um das Redeholz. Als es bei ihm angelangt ist, sagt er: »Es ist mir wichtig, daß ihr den Trick kennt, wie man jedes 
Element in einem Traum wahrnimmt und schnell, ohne nachzudenken, das erste niederschreibt, was einem in den Sinn kommt. Das ist sehr 
nützlich, denn es kann euch den Zugang zu eurem persönlichen Symbolismus verschaffen. Entscheidend ist es, es frei hinausfließen zu 
lassen. Manchmal können die Analogien sehr überraschend sein, weil wir alle aufgrund unserer Lebensführung und unserer Erfahrungen 
einen eigenen Symbolismus haben. Das folgende ist ein möglicher Zugang dazu: Schreibt die Elemente des Traums nieder und gleich danach 
sehr rasch und ohne zu denken die Analogien, die euch dazu einfallen.« Er reicht das Redeholz zurück an Shawnodese, der ihm für seinen 
Vorschlag dankt und fortfährt. 
»Eine andere sehr kraftvolle Art, einen Traum zu verstehen, besteht darin, ihn zu spielen. Eine sehr gute Beschreibung dessen, wie dieser 
Prozeß ablaufen kann, findet sich in dem Buch Black Elk Speaks von John Neihardt. Das Buch beschreibt, wie sich der ganze Stamm 
versammelte, um den Traum des jungen Black Elk dramatisch darzustellen. Ich selbst habe noch nie einen vollständigen Traum gespielt. 
Aber ich entwickelte für manche Teile von Träumen ein sehr tiefes Verständnis, weil ich sie mit einem oder zwei Mitspielern in Szene setzte. 
Einen weiteren Weg bietet die Neuinterpretation der Symbolsprache durch eine andere Symbolsprache. Dies kann durch den Träumenden 
selbst geschehen, indem er wichtige Szenen malt, sie in einem Lied, einem Gedicht, einer Melodie oder in einer Skulptur ausdrückt. 
Habt ihr erst einmal damit begonnen, euren eigenen Träumen und ihrer Interpretation Beachtung zu schenken, so werdet ihr sehr schnell 
lernen, dieses zarte Gefühl von >Aha!< zu erkennen, das in euch aufsteigt, wenn ihr auf die richtige Deutung gestoßen seid. Es wird keinen 
Zweifel in euch über die Bedeutung des Traums geben. Ihr werdet es aus einem tiefen Gefühl des Wissens, eines, daß ihr in eurem Körper 
spüren könnt, heraus wissen. 
Ich weiß, daß ihr alle darauf brennt, die eine oder andere Technik auszuprobieren, die ich bisher vorgeschlagen habe, und das wird noch 
heute abend geschehen. Aber zunächst gibt es noch einige andere Methoden, mit denen ich euch vertraut machen möchte. Und Lucy, ichhabe den Traum, von dem du erzählt hast, nicht vergessen. Ich würde euch jetzt gerne eine Übung zur Traumarbeit präsentieren, die imweitesten Sinne auf Evelyn >Mahadjuni< Eatons Arbeit mit dem Medizinrad basiert. (Siehe Anhang, 17. Übung) Wenn ihr ein Medizinrad 
errichtet habt, egal ob klein oder groß, dann geht zu ihm und setzt euch mit dem Gesicht in die Richtung, die euch angenehm ist. Habt ihr 
keine Erfahrung in der Arbeit mit dem Medizinrad, dann ist es am besten, wenn ihr als erstes euer Gesicht der Richtung zuwendet, die mit 
eurer Geburt in Verbindung steht. Bestimmt erinnert ihr euch daran, daß der Frühling mit dem Osten, der Sommer mit dem Süden, der 
Herbst mit dem Westen und der Winter mit dem Norden korrespondiert. 
Wenn ihr kein Medizinrad habt oder es euch aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, bei einem solchen zu sitzen, dann sucht euch 
einen ruhigen Platz für die Meditation. Sobald ihr euren Platz eingenommen habt, richtet ihr euren Geist mittels einer Smudging-Zeremonie 
aus. Ihr könnt auch eine Weile chanten oder trommeln, um euch zu zentrieren. Die gesamte Meditation kann von Trommelmusik begleitet 
sein, die ihr entweder selbst macht oder abspielt. Einige Leute haben dies als eine sehr kraftvolle Methode empfunden. Nachdem ihr die 
Räucherung beendet und euch zentriert habt, schließt ihr die Augen und stellt euch das Medizinrad vor euch vor. 


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Vor euerem inneren Auge steht ihr auf und betretet die Mitte des Medizinrads. Während ihr dort in der Mitte steht, sagt ihr etwas wie: 
>Schöpfer, ich komme mit Achtung und Respekt für jene, die vor mir gegangen sind, mit Achtung und Respekt für jene, die auf diesem 
Erdpfad neben mir schreiten, und mit Achtung und Respekt für jene, die noch kommen werden, die Ururenkel meiner Kinder Urenkel. Ich 
bin gekommen, um die Wahrheit und das Verständnis für meinen Traum zu suchen. Ich bitte nur um das, was Licht und Liebe und Wahrheit 
und Leben ist. Alles andere, jede Negativität sei aus diesem Kreis ausgeschlossen. Und dies ist mein Traum.< 
Nun erzählt ihr euren vollständigen Traum im inneren Kreis. Ihr endet damit, indem ihr euren eigenen inneren Traumrat einladet, den Traum 
mit euch zu teilen. Ihr könntet dies mit den folgenden Worten tun: >Jetzt lade ich die Mitglieder meines heiligen Traumrats ein, zu mir zu 
kommen und bei mir im Kreis des alten Medizinrads zu sitzen. Ich rufe mein Kind, männlich und weiblich, aus dem Osten; ich rufe meinen 
Jugendlichen, weiblich und männlich, aus dem Süden; ich rufe meinen Erwachsenen, männlich und weiblich, aus dem Westen; ich rufemeinen Ältesten, weiblich und männlich, aus dem Norden.< Stellt euch vor, wie diese acht Gestalten in das Medizinrad treten und sich in 
eurem Kreis niedersetzen. Sprecht jeden einzeln an. Beginnt mit dem Kind gleichen Geschlechts und sagt etwas wie: >Ich erbitte von dir die 
Gabe des Verständnisses für diesen Traum. Sag mir >was er dir bedeutet.< Seid friedlich, ruhig und hört auf die Antwort dieser leisen, 
kleinen Stimme in euch. Nachdem jedes Mitglied eures Traumrats zu euch gesprochen hat, dankt ihr ihm für die Gabe, die es mit euch geteilt 
hat. Dazu könntet ihr die folgenden Worte verwenden: >Ich danke dir für die Weisheit, die du mit mir geteilt hast. Ich bitte darum, daß ich 
diese Weisheit gut und weise einsetze.< 
Nachdem der letzte dieser acht Lehrer zu euch gesprochen hat und ihr ihm gedankt habt, dankt ihnen noch einmal allen zusammen als 
Gruppe, bevor ihr den Kreis verlaßt. Dabei könntet ihr etwa folgendes sagen: >Ich danke dir, mein Traumrat. Dank euch und all meinen 
Verwandten. Es ist gut.< Dann stellt ihr euch vor - wenn ihr es nicht schon vorher getan habt -, wie eure Lehrer den Traumrat verlassen. Vor 
eurem inneren Auge seht ihr, wie auch ihr euch erhebt und aus der Mitte des Medizinrads an den Platz zurückkehrt, an dem ihr sitzt. Nun 
werdet euch langsam eurer Umgebung bewußt. Streckt euch, öffnet die Augen, fühlt die Erde unter und den Himmel über euch. Dankt noch 
einmal für die Weisheit, die euch zuteil geworden ist. 
Nun möchte ich euch mit noch einer weiteren Technik bekannt machen, die ich anwende, wenn ich in einem Traum auf ein Symbol stoße, 
dessen Sinn ich nicht finden kann, egal, wie ich es betrachte, mit ihm arbeite oder über es spreche. Ich benutze diese Technik, um Licht auf 
das Symbol zu werfen. Diese Form der Meditation wurde mir von einer Frau namens Betty Bethards beigebracht, die an der Bucht von San 
Francisco lebt. Sie nennt sie Konzentrationsmeditation. (Siehe Anhang, 18. Übung) Sie besteht, wie der Name es bereits ausdrückt, aus zwei 
Phasen: der Konzentrations-und der Meditationsphase. Erstere kann eine bis zehn Minuten dauern, letztere bis zu viermal länger. Also 
beispielsweise fünf Minuten Konzentration und fünf bis zwanzig Minuten Meditation. 
Als erstes setzt ihr euch auf einen bequemen Stuhl. Eure Körperhaltung sollte eher geschlossen sein. Ich schlage vor, ihr sitzt im lockeren 
Schneidersitz mit im Schoß gefalteten oder auf den Oberschenkeln ruhenden Händen. In dieser Position beginnt ihr, euch auf etwas 
Beliebiges zu konzentrieren. 
Man kann beispielsweise eine der Sinneswahrnehmungen nutzen, um der Konzentration eine Richtung zu geben. So ist es möglich, mit den 
Augen eine brennende Kerze oder ein Bild, das für euch eine besondere spirituelle Bedeutung hat, zu fixieren. Es gibt eine ganze Reihe von 
Meditationen, in deren Mittelpunkt die Visualisation einer bestimmten Abbildung steht. Ihr könnt euch auch auf einen Klang konzentrieren: 
entweder auf ein Mantra, also ein Wort oder mehrere, die ihr in eurem Kopf immer wieder still wiederholt, oder auf einen Chant. Für mich 
habe ich herausgefunden, daß das Wort >Liebe< in mir einen sehr angenehmen, ausgerichteten und konzentrierten Zustand fördert. Ihr könnt 
auch eine tibetische Klangschale, Glocken oder Zimbeln zum Einsatz bringen. Ihr würdet das Instrument einmal anschlagen und dann eure 
ganze Aufmerksamkeit und Konzentration auf den langsam in die Stille verschwindenden Ton richten. Ihr müßt das Instrument in eurer 
Konzentrationsphase vielleicht mehrmals anschlagen, um den Ton, auf den ihr euch konzentriert, zu erneuern. Möglicherweise trägt euch 
aber auch das einmalige Anschlagen durch die ganze erste Phase. Düfte und Räucherungen können auch die Konzentration über den 
Geruchssinn ermöglichen. 
Einige >Mystikerschulen< lehren eine Methode, bei der man die Zunge in den Rachenraum zurückfaltet, um dort zu schmecken und auf 
diese Weise den Geschmackssinn als Ausrichtung für die Konzentration zu nutzen. Oder man kann sich auf den Fluß des Atems 
konzentrieren, auf den Energiefluß, der jedes Ein- und Ausatmen begleitet. Es spielt wirklich keine Rolle, worauf ihr euch konzentriert. 
Diese Konzentration mag euch einfach erscheinen, aber versucht es nur erst einmal. Euer Kopf ist fähig, allen möglichen Abfall zu 
produzieren, um euren Konzentrationsprozeß zu stören. Die richtige Art, einer solchen >Gedankenverirrung< entgegenzuwirken, beruht 
darauf, daß man sie bemerkt und die Konzentration sanft und ohne Anklage wieder auf den gewünschten Punkt hin ausrichtet. Ganz egal, 
wie oft ihr feststellen müßt, daß euer Geist abgeschweift ist -bringt ihn sanft wieder zurück. Es ist wichtig, daß ihr während eurer 
Konzentration den fokussierten Gegenstand nicht wechselt. Bleibt bei ihm für den Verlauf einer ganzen Konzentrationsperiode und wenn 
möglich für fünf weitere, bevor ihr einen neuen auswählt. 
Ich empfehle euch fünf Minuten für euren ersten Durchgang. Sorgt dafür, daß irgendeine Uhr in euerer Nähe steht, damit ihr ab und zu die 
Augen öffnen und feststellen könnt, wie weit die Zeit fortgeschritten ist. Es gibt nichts Unangenehmeres in einer Konzentrationsübung als 
einen schrillenden Wecker. Am Ende der ersten Phase streckt ihr eure Beine aus und dreht die Handflächen und das Gesicht nach oben zum 
Himmel. Anschließend fragt ihr mit eurer inneren Stimme: >Was ist die Bedeutung dieses Symbols?< Dann meditiert ihr oder beobachtet, 
und diese Phase ist ebenso schwierig wie die Konzentration. 
Ihr werdet feststellen, daß ihr in Tagträume abgleitet und euch in irgendwelche Gedankenmuster verirrt. Solltet ihr so etwas an euch 
feststellen, so entfernt euch sanft davon und widmet nun eure Konzentration dem Tagtraum oder dem Gedankenmuster. Begebt euch zurück 
in die Position des Beobachters, in die Position eines Menschen, der zusieht, wie die Gedanken vorüberfliegen, und langsam werdet ihr ein 
Gefühl des Wissens entwickeln. Es bedarf vielleicht mehr als eines oder zweier Versuche mit dieser Technik, aber ich kann euch versichern: 
Wenn ihr die Konzentrationstechnik fünf Minuten lang praktiziert, die Frage stellt: >Was bedeutet dieses Symbol?< und dann für die Dauer 
der nächsten fünf Minuten, ohne Tagträumen und Gedankenmustern nachzuhängen, offen seid für eine Antwort auf eure Frage, dann werdet 
ihr die Antwort darauf finden. 
Es ist sehr wichtig, daß ihr nicht nach einem anderen Symbol fragt, bevor ihr über das erste Bescheid wißt. Die Antwort muß auch nicht 
unbedingt im Verlauf der zweiten, der Meditationsphase, kommen. Es kann sein, daß ihr sie erst später, im Verlauf des Tages, empfangt. Sie 
könnte in den Worten eines Freundes enthalten sein oder in einem Buch, in dem ihr zufällig oder absichtlich blättert. Ich habe vielen 
Menschen geholfen, sich dieser Technik zu bedienen, und ich kenne etliche, die damit arbeiten. Ich habe auch Geschichten von Büchern 
gehört, die aus Regalen fallen und an genau der Stelle offen liegen bleiben, wo die gesuchten Antworten geschrieben stehen. 
Meine merkwürdigste Erfahrung mit dieser Technik stand mit einer Frage im Zusammenhang, die ich an einem Dienstag als Beobachter 
gestellt hatte. Der Samstag kam, und ich dachte eigentlich nicht mehr an die Frage. Ich hatte den Tag mit Freunden beim Sporttauchen 
zugebracht. Wir fuhren zu zweit im Wagen von der Tauchstation zurück, beide körperlich ziemlich müde. Mein Gefährte, der das Auto 
steuerte, erzählte von seiner Magisterarbeit über theoretische Physik, ein Thema, das ich nicht übermäßig interessant fand. Mit einemmal, 
wie aus dem Nichts gab mir dieser Mann eine detaillierte Antwort auf die Frage, die ich vier Tage zuvor in der Meditation gestellt hatte. 
Dann setzte er seinen Monolog über theoretische Physik fort, ohne zu ahnen, daß er mir soeben meine Frage beantwortet hatte. 
Mit der Zeit, wenn ihr in dieser Technik über mehr Erfahrung verfügt, werden die Antworten auf eure Fragen schneller kommen, bis ihr an 
den Punkt gelangt, wo ihr nur noch daran zu denken braucht: >Was bedeutet dieses Symbol?<, und die Antwort wird klar in eurem Geist 
auftauchen, ohne daß ihr euch deshalb besonders konzentrieren oder meditieren müßt. Auch diese Technik hat letztlich wieder damit zu tun, 
daß euer Unbewußtes erst davon überzeugt werden will, daß es euch mit eurer Suche nach dem Verstehen ernst ist. Ich lernte sogar einmal 
eine Frau, Abby, kennen, die in ihrem Wunsch und in ihrer Konzentration darauf, ihre Träume zu erinnern und zu verstehen so abgeklärt 


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war, daß sie in ihrem Geist eine geschriebene Interpretation der Symbole ihres Traums sah, wenn sie nach einem Traum aufwachte. Wir 
sollten alle so ein Glück haben. 
Nun, Lucy, was den Traum deiner Klientin betrifft, so denke ich, daß Steven dir eine wunderbare Auslegung für ihn gegeben hat. Meinerseits 
habe ich dir einige Methoden zugänglich gemacht, mit denen du für sie und für dich den Traum deuten könntest. Ich meine, wir haben für 
heute genug Theorie gehört, und deshalb schlage ich vor, daß wir uns noch einmal in den kleinen Vierergruppen zusammenfinden und soviel 
Zeit, wie die Teilnehmer es für angemessen halten, dafür aufwenden, auf die eine oder andere Methode der Deutung, von der wir heute 
erfahren haben, zurückzugreifen. Ich werde gerne dabeisein. Wie ist es mit dir, Steven?« 
Als Steven zustimmend nickt, sagt Shawnodese: »Auch Steven wird also hierbleiben, und vielleicht werden auch noch einige der anderen 
Lehrer euch darin unterstützen, die Methoden der Trauminterpretation einzusetzen. Gibt es noch irgendwelche Fragen, bevor wir beginnen 
können?« 
John fragt, ob jede Gruppe jede vorgestellte Methode anwenden müsse, und Shawnodese antwortet, daß die Gruppe selbst darüber 
entscheiden könne. 
Ein anderer Teilnehmer stellt mit dem Blick auf die Uhr fest, daß es schon neun Uhr abends ist, und will wissen, wie lange sie denn noch 
aufbleiben sollen, um Träume zu deuten. 
Diesmal antwortet Sun Bear: »Auch das ist eine Entscheidung, die ihr selbständig treffen könnt. Was mich betrifft, so werde ich nur noch ein 
paar Minuten hier sein, denn ich möchte mir ein paar neue Träume holen, damit ich selbst an ihnen arbeiten kann. Ich habe vor, morgen früh 
aufzustehen, und wenn irgendwer von euch Fragen an mich hat, dann kann er sie morgen stellen. Ich danke euch, Brüder und Schwestern, für 
all die Informationen, die ihr mit den Leuten hier geteilt habt. Und jetzt, gute Nacht.« 
Da die Sterne am Himmel strahlen, entscheiden sich einige der Kleingruppen, draußen in der frischen, klaren Herbstluft zu arbeiten, während 
sich die Verbliebenen im Wohnzimmer in unterschiedlichen Entfernungen vom Feuer niederlassen. Eine Eule schreit in der Dunkelheit, als 
ob sie ihre Zustimmung zur heutigen Traumarbeit bekunden wolle. 

Mit Träumen arbeiten 

Der fünfte und letzte Tag der Traumratsversammlung ist zunächst klar, doch kurz nach dem Sonnenaufgang ziehen vom Westen her Wolken 
auf. Den meisten Teilnehmern steht die Aufregung über die Traumarbeit des vorangegangenen Abends noch ins Gesicht geschrieben, einige 
wenige wirken verstört. Schon vor dem Frühstück sind die meisten Lehrer anwesend, um den Teilnehmern, die das wünschen, die 
Gelegenheit zu geben, über Probleme zu sprechen, die sich möglicherweise aufgrund der gestrigen Arbeit an ihren Träumen ergeben haben. 
Nachdem alle ihr Frühstück genossen und bei dieser Gelegenheit über ihre Träume der vergangenen, aber auch anderer Nächte gesprochen 
haben, versammelt sich die Runde vor dem Langhaus und erfreut sich an der dann und wann durchbrechenden Sonne und dem Anblick der 
wunderschönen Kiefern, die das Gebäude überragen. 
Luke Blue Eagle nimmt an diesem Morgen das Redeholz auf und beginnt darüber zu sprechen, wie man mit seinen Träumen arbeiten kann: 
»Nachdem ihr angefangen habt, euch an eure Träume zu erinnern, und gelernt habt, zwischen den einzelnen Traumarten oder -qualitäten zu 
unterscheiden, könnt ihr euch neuen Bereichen zuwenden. Da gibt es zum Beispiel eine Methode, bei der man versucht, während des Traums 
zu erwachen - das heißt, man versucht, indem man seinen Traum weiterträumt, bewußt dabeizusein. Hat man das erreicht, so wird man sich 
vielleicht dahingehend bemühen, in der Traumarbeit bewußt zu handeln. Ein weiterer Schritt könnte sein, daß ihr während des Traums 
bewußt an einen anderen Ort geht. Normalerweise wählen wir zu Beginn unserer Traumarbeit Kraftplätze, weil wir von ihnen leicht 
angezogen werden. Schließlich könntet ihr auch auf einer Bühne während eurer Traumzeit bewußt Heilungen vollbringen. 
Weil ich meine Traumarbeit vervollkommnen wollte, habe ich daran gearbeitet, in der Traumzeit nach einem Geistwesen zu rufen, das mich 
unterstützt. Irgendwann manifestierte sich ein Geistwesen vor mir, und zwar eines, das seine Gestalt verändern konnte. Ich nannte es meinen 
Traumzauberer. Beim erstenmal war er ein Drache und dann ein Hund -ich wußte schon durch Anzeichen, die er mir in seinem 
Drachenaspekt vermittelt hatte, daß er die Gestalt wechselte. Er war da, dieselbe Wesenheit, nur in unterschiedlichen Formen. 
Dann baute ich mir etwas, was man einen Traumaltar nennen könnte, auf dem ein Fetisch liegt, der den Traumzauberer repräsentiert, und 
Herkimer-Diamanten, die auf einem mit Beifuß gefüllten Kissen liegen. Man sagt, daß Beifuß dazu beiträgt, daß Träume im Gedächtnis 
haftenbleiben. Das Kraut hält den Traum fest. Wenn ich also besondere Dinge oder Träume zu bearbeiten habe, dann benutze ich meinen 
Traumaltar und versuche, Verbindung mit meinem Traumzauberer aufzunehmen, damit er mir bei der Traumarbeit behilflich ist. Für mich 
und für viele andere Menschen ist das Träumen ein sehr wichtiger Teil des Lebens und ein sehr machtvoller Weg, um herauszufinden, wer 
wir wirklich sind, weil es alle Menschen auf die gleiche Ebene bringt. Jeder kann für seinen Anteil in der spirituellen Lebensschöpfung durch 
die Traumzeit gleichermaßen gewürdigt werden. 
Das ist auch der Grund, warum den Träumen von bestimmten Leuten immer Aufmerksamkeit geschenkt wurde, wie zum Beispiel jenen der 
Frauen, die sich in der Mondhütte aufhielten. Von diesen Frauen meinte man, daß sie eine besonders spirituelle Zeit durchlebten, und deshalb 
hörten die Leute auf ihre Träume, wenn sie welche hatten. Einmal wurden Häuptling Joseph und sein Stamm von einer Frau gerettet, die aus 
der Mondhütte kam und ihm erzählte, sie habe geträumt, daß viele, viele Pferde mit Schuhen aus Eisen sich ihnen näherten. Er wußte, daß es 
sich nur um Pferde der Weißen handeln konnte, und brach sofort mit seinem Stamm auf. Wenige Stunden später erreichte die Kavallerie den 
Platz, wo zuvor die Zelte gestanden hatten, aber die Nez Perce waren fort. Das ist nur ein Beispiel dafür, welche Bedeutung die 
amerikanischen Ureinwohner den Träumen beimaßen.« 
Als ersichtlich wird, daß Luke fertig ist, bittet Wabun um das Redeholz. »Ich denke, dies ist ein guter Augenblick für mich, um euch einen 
Teil des Gesprächs vorzuspielen, das ich mit Brooke Medicine Eagle geführt habe. Sehr wichtige Bestandteile ihrer Medizin sind die 
Mondhütte und die Unterweisung moderner Frauen in diesem Aspekt des Lebens. Sie hat darüber gesprochen, als ich sie im Zusammenhang 
mit unserer Traumratsversammlung befragte, und ich würde euch auch gerne an allgemeineren Dingen, die sie zu Träumen und Visionen 
gesagt hat, teilhaben lassen. Wenn ihr euch inzwischen in einer kleinen Pause erfrischen wollt, dann werde ich den Kassettenrecorder 
aufbauen, damit alles vorbereitet ist, wenn ihr zurückkommt.« 
Nachdem das Gerät bereit ist und alle an ihre Plätze zurückgekehrt sind, stellt Wabun den Recorder an, und Brookes Stimme ertönt. »Wenn 
ihr wirklich mit euren Träumen arbeitet -sie erinnert und aufschreibt -, dann ist das ein machtvoller Weg, um die Informationen der 
Geistwelt in euren Alltag zurückzubringen. Ich denke, viele von uns hatten Träume und Visionen, die vielleicht wichtig für uns gewesen 
wären, aber wir wußten nicht, wie man sie im Gedächtnis behält und durch den sehr fremdartigen Schleier führt, auf den man trifft, wenn 
man aus der Traumwelt ins Wachbewußtsein zurückkehrt. Wir alle haben schon die Erfahrung gemacht, daß wir etwas Lebhaftes, 
Wunderbares träumen - und dann auf einmal wummmm ... Recht bald wachen wir auf, und wir erinnern uns an nichts mehr. 
Permanente Arbeit mit unseren Träumen hilft uns, unsere Träume mit ihren Informationen aus dem Bereich des Geists und der Erleuchtung 
mit in den Alltag zurückzubringen und unterstützt darüber hinaus auch Wachträume und -visionen. Je besser wir darin werden, Dinge aus 
dieser unkörperlichen Welt ohne Zeit und Raum hinüberzutransportieren, desto leichter öffnet sich uns der Zugang zu ihr in vielerlei Formen. 
Dann wird sie zu einer wichtigen Führung in unserem Leben. 
Ich selbst führe ein sehr visionsreiches Leben. Es hat den Anschein, als ob mein ganzes Leben nur darauf ausgerichtet ist. Visionen tauchen 
ununterbrochen vor mir auf, und sie scheinen es zu sein, denen ich in meinem Leben folge. Sie kommen oft in Einzelbildern zu mir, die 
Details einer größeren Vision sind. Es ist so, als ob die eine und andere kleine Vision mir hilft, meine große Lebensvision zu verstehen und 
zu erarbeiten. Ich habe eine Serie von vier Visionssuchen absolviert, die sehr formal waren, und dies schien einen Ball ins Rollen gebracht zu 


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haben. Seither war es für mich nicht mehr nötig, an irgendeinen besonderen Platz zu gehen, um dort auf sie zu warten, vielmehr scheinen sie 
ganz frei nach ihrem eigenen Willen zu mir zu kommen. 
Was Träume betrifft, so ist mir etwas sehr Interessantes passiert, als ich herumreiste und lehrte: Vielen, die mich sprechen hörten, erschienen 
anschließend innere Bilder von White Buffalo Woman, einer mystischen indianischen Frau, die mit dem weißen Büffel in Verbindung 
gebracht wird, der vor langer Zeit zum Stamm der Lakota gekommen ist. Am meisten faszinierte mich dabei, daß manche diese inneren 
Bilder sahen, bevor ich ihnen etwas von White Buffalo Woman erzählen konnte, und es hätte für sie eigentlich unmöglich sein müssen, die 
Frau in der weißen Wildlederbekleidung, die sie in ihren Träumen aufsuchte, zu identifizieren! 
White Buffalo Woman war eine Lehrende, die dem Volk der Lakota die heilige Pfeife gebracht hat, die für eine Unterweisung in Einheit und 
Einssein und Heiligkeit steht, für eine Unterweisung über die heilige Natur. Ich glaube, sie kommt heute wieder zu den Menschen, weil ihre 
Botschaft, die sie vor langer Zeit übermittelt hat, gerade in unserer Zeit und in unserer Welt wieder dringend benötigt wird. Ihre Botschaft ist 
eine urweibliche von der nährenden Erneuerung der Welt, von globaler Harmonie und Gemeinschaft aller Lebewesen. Sie ist absolut 
lebensnotwendig in Anbetracht der Krise, in der wir uns befinden, weil wir nicht auf das Einssein mit all unseren Verwandten geachtet haben 
und nun in solcher Disharmonie leben. 
Ich habe noch ein anderes Symbol, das wirklich sehr präsent in mir ist: einen Jaguar, den ich als Versinnbildlichung des Femininen, des 
tiefen, unbewußten Reiches der Dunkelheit und des Reichtums der Nacht empfinde.« 
Auf der Kassette hört man, wie Brooke von Wabun über ihre Arbeit mit Frauen befragt wird, über die Mondzeit und wie sie mit der 
Traumzeit in Verbindung steht. »Die Mondzeit, wenn sie richtig abläuft, kann einer Visionssuche gleichkommen«, antwortet Brooke. »Wenn 
du dir diese vier Tage nimmst, sie wirklich in Ruhe verbringst und daran arbeitest, dich für Visionen zu öffnen, dann ist das die gleiche Zeit 
und auf gewisse Weise auch Energie, wie man sie bei einer Visionssuche einsetzt. Deshalb kann die Mondzeit spirituell sehr bedeutsam sein 
und die gleiche große oder numinose Vision herbeiführen, die kommt, wenn man zur Visionssuche allein in die Berge geht. Sie ist nur eine 
etwas andere, weiblichere Abart davon.« 
Wabun berichtet Brooke über ihre Arbeit mit Frauen sowie über die Mondzeit und stellt fest, daß vielen Frauen nicht verborgen geblieben ist, 
daß sie während ihrer Mondzeit lebhafter und bedeutsamer träumen als sonst. 
Brooke stimmt zu, »Ja, das genau, so hat man mich gelehrt, ist die Funktion dieser Zeit für Frauen. In der Mondzeit herrscht eine besondere 
Offenheit für das Reich der Träume und Visionen, und deshalb sollte man diese Zeit auch entsprechend für sich nutzen. Eine Frau hat, wenn 
sie sich dieser Zeit der Offenheit nur richtig zu bedienen weiß, dann viel leichter als sonst Zugang zu ihren Träumen, und kann tiefer in sie 
eindringen, als es der anderen Hälfte der Menschheit möglich ist. Ich rate Frauen, sich während der Mondzeit weitgehend von 
Verpflichtungen zu befreien, sich Ruhe und Zeit zu gönnen. Wenn es möglich ist, dann sollten Frauen jeden Monat eine Visionssuche aus 
ihrer Mondzeit machen! So war es früher der Brauch. Heutzutage fällt es nicht mehr so leicht, sich jeden Monat vier Tage für sich zu 
nehmen, doch alles, was dazu beiträgt, daß wir zur Ruhe kommen, ist meiner Meinung nach gut. 
Der erste Tag der Mondzeit ist ein spirituell besonders bedeutsamer Abschnitt. Wenn wir Frauen uns nur diesen oder den zweiten Tagnehmen könnten, um ihn ruhig zu verbringen, ohne irgend etwas Äußeres zu tun - also nur Leichtes zu essen oder Säfte zu trinken, damit wir 
in einen ruhigen Raum ohne Anforderungen an uns gelangen können -, dann wäre uns die Öffnung hin zu unserer visionären Seite wirklich 
möglich. Reagieren Frauen solcherart auf ihre Mondzeit, so stellen sie bald fest, wie gut sich diese paar Tage dazu eignen, um sich wieder 
auf sich selbst einzustimmen, um sich zu zentrieren und sich mit dem tieferen Selbst und den tieferen Mysterien im Inneren zu verbinden. 
Außerdem, wenn die Augen einer Frau an das Mondlich gewöhnt sind, dann wird ihr das helfen, zu einem natürliche Zyklus zurückzufinden, 
in dem ihre Blutung bei Neumond statt findet. Wenn das Mondblut mit dem Neumond zusammentrifft ist dies die beste Zeit für Visionen. 
Es ist sehr wichtig, mit den Träumen zu arbeiten und ihnen einen Einfluß auf das eigene Leben zuzugestehen«, fährt Brook fort, »mit den 
Figuren in ihnen zu sprechen, mit den Objekten und Wesenheiten in ihnen so in Verbindung zu treten, daß du verstehst, was jedes Symbol 
und Ereignis in diesem Augenblick und zu dieser Zeit in deinem Leben bedeutet. Ein und dasselbe Symbol kann in zwei Träumen 
verschiedene Bedeutungen annehmen. Es ist sehr wirkungsvoll, wenn man aus dem eigene inneren Selbst heraus begreift, welche 
Bedeutungen möglich sind, denn erst dann kann man seine Traumerfahrung entsprechend bereichern und vertiefen. Es ist ohne Belang, eine 
allgemeingültige Bedeutung zu finden, denn das Unbewußte lehrt gerne auf einer individuellen Basis, von Moment zu Moment verschieden. 
Es gleicht dem Unterschied, in einer belebten Stadt ein Auto an sich vorbeifahren zu sehen oder aber in der Wüste in halbverdurstetem 
Zustand. Es ist das gleiche Objekt, aber es hat unterschiedliche Bedeutungen und läßt je nach der Situation voneinander abweichende 
Folgerungen zu. Das gleiche gilt auch für die Symbole in den Träumen. 
Ein Großteil der Führung, die wir durch das Große Mysterium und unser innerstes Selbst erhalten, kann aus Träumen stammen, wenn wir es 
nur einladen und uns der Arbeit mit den Träumen verschreiben. Und ich bin auch fest davon überzeugt, daß Mutter Erde ein schreckliches 
Bedürfnis nach dieser Art der Führung hat, die zu diesem Zeitpunkt der Evolution direkt vom Großen Geist kommt.« 
Wabun stellt den Recorder aus, nachdem das Gespräch mit Brooke beendet ist. Sie fragt die Frauen des Traumrats, ob sie dazu bereit seien, 
von Träumen oder visionären Erfahrungen zu berichten, die sie im Verlauf ihrer Mondzeit hatten. Es stellt sich heraus, daß diese Zeit 
tatsächlich für viele der anwesenden Frauen eine spirituell bedeutsame Phase ist und daß sich die Träume, die sie in dieser Zeit haben, 
qualitativ sehr stark von denen des restlichen Monats unterscheiden. 
Wabun ermutigt die Frauen, die bei sich bisher keinen Unterschied zwischen Mondzeitträumen und den übrigen feststellen konnten, in 
Zukunft darauf zu achten und es entsprechend in ihrem Traumtagebuch festzuhalten. Zu den anwesenden Männern sagt Wabun, daß es für 
sie interessant sein könnte, darauf zu achten, ob es auf ihre Träume einen Einfluß hat, wenn ihre Partnerin sich in der Mondzeit befindet. 
»Eine Frau in ihrer Mondzeit macht einen tatsächlichen Energiewandel durch«, erklärt Wabun, »und manchmal wächst ihre Energie so an, 
daß diese sich spürbar auf die Menschen in ihrer direkten Umgebung auswirken kann. Mir sind des weiteren Studien bekannt, in denen 
festgestellt wurde, daß Kinder ganz genau spüren, wann ihre Mutter ihre Mondzeit hat, weil der energetische Unterschied für sie so deutlich 
wahrnehmbar ist. Manchmal soll dies sogar die Träume der Kinder beeinflussen. Wie bei vielen Dingen, die mit Frauen und ihrem 
Reproduktionszyklus in Zusammenhang stehen, ist auch dieser Bereich bisher nicht ausreichend erforscht worden. Ich möchte euch alle dazu 
ermutigen, sich selbst als Forscher zu betätigen und zu beobachten, welche Unterschiede die verschiedenen Abschnitte des Zyklus für eine 
Frau und für die Menschen, mit denen sie in direkter Beziehung steht, mit sich bringen. Erwartet jedoch nicht automatisch, daß es sich um 
schlechte Einflüsse handelt, nur weil ihr wie ich mit den üblichen Klischees aufgewachsen seid. Es ist durchaus möglich, daß die 
energetischen Wandlungen, die eine Frau in ihrem Zyklus durchläuft, positiver Natur sein und sie selbst und euch nicht nur in der Arbeit mit 
eurer Traumzeit, sondern auch allgemein in eurem Leben unterstützen können.« 
Weil inzwischen einige Stunden seit dem Frühstück vergangen sind, schlägt Wabun vor, daß sich die Teilnehmer jetzt mit Tee, Wasser oder 
Kaffee versorgen, sich strecken und miteinander über den bisher vermittelten Lernstoff sprechen. 
Nach der Pause nimmt Shawnodese das Redeholz auf und beginnt. »Sun Bear, ich hoffe, daß du heute morgen darüber reden wirst, wie du in 
den Träumen anderer Menschen erscheinen kannst. Ich möchte hier nur so viel sagen, Leute, daß ich schon viele Berichte darüber gehört 
habe, daß Sun Bear regelmäßig in den Träumen anderer Personen auftaucht, manchmal sogar bei solchen, die noch nie von ihm gehört oder 
ihn noch nie getroffen haben. In den acht Jahren, in denen ich nun mit Sun Bear reise, ist es fast zu einer Alltäglichkeit geworden, daß, an 
einem neuen Ort angelangt, ein Fremder auf ihn zugeht und ihm aufgeregt zu verstehen gibt, Sun Bears Gesicht im Traum gesehen oder 
gehört zu haben, wie dieser ihn aufforderte, zum Vortrag zu kommen, um von ihm zu lernen. Oft erzählten sie, daß sie erst später auf Sun 
Bears Bild in einem Buch gestoßen seien und schriftlich um zusätzliche Informationen gebeten hatten. Nun, ich kenne Sun Bear und weiß, 
daß er nicht jeden Abend hingeht und sagt: >Also, heute nacht werde ich mal die Runde machen und das Unbewußte von ein paar Leuten 


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kitzeln, damit sie in meinen nächsten Workshop kommen.< Es muß etwas sein, das Teil seiner Energie ist und deshalb die Menschen zu ihm 
zieht. 
Also, Bruder, bist du bereit, uns mehr darüber zu sagen?« 
Sun Bear nickt, und Shawnodese reicht ihm das Redeholz. Nachdem er es ein paarmal in den Händen hin- und hergedreht hat, sagt Sun Bear: 
»Manchmal suche ich Menschen tatsächlich in ihren Träumen auf, wenn ich das Gefühl habe, mit ihnen reden zu müssen. Wenn es mir 
schwerfällt, mit einer Person auf normale Weise in Verbindung zu treten, dann bete ich an dem entsprechenden Abend um einen Traum, in 
dem ich sie erreichen kann. Vielleicht weiß ich nur nicht, wo ich auf sie treffen kann. Manchmal habe ich einen spirituell sehr bedeutsamen 
Traum, dann hole ich die betreffende Person in diesen Traum, spreche zu ihr und teile Dinge mit ihr. Nach ein paar Tagen oder nach einer 
Woche erhalte ich einen Anruf von dieser Person, in dem sie mir sagt, daß sie einen unheimlich wichtigen Traum hatte, in dem ich mit ihr 
zusammen war. Das ist etwas, was mir wirklich ein gutes Gefühl bezüglich meiner Traumkraft gibt. 
Eines Tages rief mich eine Freundin an und erzählte mir ihren Traum aus der vorhergegangenen Nacht, in dem wir uns bei einer Farm 
getroffen und über wichtige Dinge im Zusammenhang mit ihrem Wachstum gesprochen hatten. Als sie zum Ende gekommen war, sagte ich: 
>Ich kenne diese Farm sehr gut, auch ich war dort.< Ich mache das, indem ich mich in der Nacht an den gewünschten Ort projiziere. Ich 
kann jedoch Anfängern im Bereich der Traumarbeit nicht raten, so etwas ohne Unterstützung durch einen Lehrer oder Traumführer zu 
versuchen. 
Ich möchte noch ein paar weitere Geschichten dieser Art an euch weitergeben. Da war zum Beispiel ein Mann, den ich bei 
Kunsthandwerkerbasaren traf und der dort unser Magazin kaufte, das damals Many Smokes hieß und heute den Namen Wildfire trägt. Er 
sagte zu mir, daß er die Hefte niemals lese; er kaufe sie nur, um sie bei sich unter den Tresen zu legen. Nach einiger Zeit hatte er einen 
Vorrat von mehreren Jahrgängen. 
Etwa zu diesem Zeitpunkt bekam er ernste Schwierigkeiten mit seiner Gesundheit und spürte den Drang, aus der Luftverschmutzung und 
dem Streß der Stadt zu flüchten. Aber er hatte keine Vorstellung davon, wie er auf dem Land leben sollte, also tat er nichts, um seine 
Situation zu verbessern, und sein Gesundheitszustand verschlechterte sich. Schließlich, so erzählte er mir später, sei ich ihm im Traum 
erschienen. Vier Nächte nacheinander sei ich bei dem Stoß Hefte gestanden und hätte ihm mit meinem Zeigefinger gedroht. 
Es hat noch eine ganze Weile gedauert, bis ich ihn wiedersah. Als es dann soweit war, da sagte er zu mir, er müsse mir erzählen, was sich in 
seinem Leben ereignet habe. Er ließ mich wissen, wie es um seine Gesundheit bestellt war. Er sagte, daß er, obwohl es ihm klar sei, daß er 
die Stadt verlassen müsse, sich nicht sicher sei, ob er das zum Landleben erforderliche Wissen besitze. Dann berichtete er von den Träumen. 
Offensichtlich hatten ihn die Träume so sehr aus der Fassung gebracht, daß er all die alten Nummern des Many Smokes las. Nun, in Many 
Smokes war eine Menge Information darüber enthalten, wie man außerhalb der Stadt lebt, und durch das Lesen der Magazine wurde ihm 
jenes Selbstvertrauen vermittelt, das er für seinen Schritt brauchte. Nachdem er aus der Stadt fortgezogen war, erlangte er allmählich seine 
Gesundheit zurück. Er blieb auch ein treuer Leser unserer Hefte. Also kann bei Traumreisen für beide Seiten etwas Gutes herauskommen. 
Nun, ich bin auch dazu in der Lage, im Schlaf mein Abbild in den Traum anderer Menschen hineinzuprojizieren. Vor einiger Zeit war da 
eine Frau, die unter fortdauernder Migräne litt. Ich kam im Traum zu ihr, legte meine Hände auf ihren Kopf und heilte sie. Jetzt ist sie eine 
meiner Schülerinnen. 
Ich selbst hatte einmal einen ähnlichen Traum. Mein Auge schmerzte mich schon seit etwa einer Woche. Es war angeschwollen und 
entzündet, und ich wußte nicht, was ich dagegen tun konnte. Dann hatte ich einen Traum, in dem Rolling Thunder, ein Medizinmann, zu mir 
kam. Er spuckte auf seine Finger und fuhr mit ihnen über mein Auge. Am nächsten Tag war mein Auge gesund. Es war geheilt. 
Ein anderer Mann träumte, daß ich zu ihm gekommen sei und ihm gesagt hätte, er solle mein Schüler werden. Er hatte noch nie zuvor von 
mir gehört. Am nächsten Tag fuhr er nach Berkeley in die Buchhandlung, und als er sie betrat, da fiel mein Buch "Der Pfad der Kraft" vor 
ihm aus dem Regal. Seit dieser Zeit ist er mein Schüler. 
Vor einiger Zeit habe ich einen Workshop in Florida abgehalten, und drei der Teilnehmer waren gekommen, weil sie von mir geträumt 
hatten, und fünf weitere, weil sie bei einem Medium waren, das ihnen geraten hatte, bei mir zu lernen. Viele Male sind nach Workshops und 
Seminaren Menschen zu mir gekommen, denen ich in für sie bedeutsamen Träumen erschienen bin, um ihnen zu helfen oder sie zu heilen. 
Manchmal, wenn ich einen Traum habe und ich mich in ihm in Schwierigkeiten sehe oder in ihm vorkommende Personen mich bedrängen, 
dann wache ich auf, bete über den Traum, bringe mich wieder in ihn ein und versuche, ihm eine Wendung zum Besseren zu geben. 
Wenn ihr etwas träumt, das fragmentarischen Charakter hat, oder euch an eure Träume gar nicht erinnern könnt, dann möchte ich euch 
empfehlen, euch ein Traumobjekt anzueignen und mit ihm zu beten, bevor ihr einschlaft. Sammelt euch und betet um gute, starke Träume, 
die euch eure Mitte finden lassen. Ich habe immer sehr viele Träume in einer Nacht und kann ihre Zahl sogar noch steigern. Wie ich euch ja 
schon gesagt habe, trinke ich vor dem Zubettgehen sehr viel Wasser oder Tee. Wenn ich im Bett liege, schlafe ich ein paar Stunden und muß 
dann die Toilette benutzen. Lege ich mich danach wieder hin, so habe ich einen Traum. Auf diese Weise gelingt es mir, vier oder fünf 
Träume pro Nacht zu unterschiedlichen Themen zu produzieren. 
Traumreisen können zu einer normalen Erscheinung werden. Wenn ich eine Traumreise anstrebe, dann bete ich und fokussiere ich 
entsprechend vor dem Einschlafen. Am häufigsten begebe ich mich in Gestalt eines Adlers oder als Teil des Bruders Wind auf die Reise. Der 
Himmel ist die Straße, auf der ich mich im Traum fortbewege. Es ist eine spirituell sehr bedeutsame Erfahrung, die Mutter Erde so unter sich 
liegen zu sehen oder sich als Teil des Windes zu fühlen. 
Der Wind zu sein, kann ein wildes und aufregendes Gefühl erschaffen, wie der unendliche Fluß kraftvoller Emotionen. Oder es fühlt sich so 
zärtlich an wie die Berührung zwischen Liebenden. 
Der Wind war schon in vielen Situationen mein starker Verbündeter. Weil ich in meinem Traum mit dem Wind reise, ist ein Teil von mir der 
Wind, und manchmal, wenn ich ihn auf einem heiligen Weg herbeibete, gelingt es mir, ihn zu rufen. Solche Vorkommnisse waren mir immer 
hilfreich, um die Aufmerksamkeit einiger Teilnehmer auf bestimmte Ereignisse zu lenken, welche die Macht und Wirklichkeit des 
Medizinpfads bisher nur allmählich begriffen. Nach einem kleinen Wirbelsturm sind sie im allgemeinen davon überzeugt, daß es doch auch 
andere Realitäten gibt. Manchmal glauben sie dann sogar daran, daß die Traumzeit existiert, und es gelingt ihnen, damit zu arbeiten. Und das 
ist gut so. Das ist gute Medizin.« Als Sun Bear das Redeholz niederlegt, melden sich mehrere Teilnehmer in der Runde zu Wort und erzählen 
von Begegnungen mit Sun Bear in ihren Träumen. Ihre Berichte untermauern das, worüber Sun Bear und Shawnodese zuvor gesprochen 
haben. Nachdem alle zum Ende gekommen sind, bittet Shawnodese um das Redeholz.
»Ich möchte über ein paar gezielte Methoden reden, mit deren Hilfe man an seinen Träumen arbeiten kann. (Siehe Anhang. 19. Übung) Ich 
will damit beginnen, euch klarzumachen, daß es zwei Menschen, die zusammenleben, möglich ist, Träume zu haben, welche als 
Hauptelement das gleiche Symbol enthalten. Ich habe von Paaren gehört, die oft bemerkenswert ähnliche Träume haben. Meine Frau und ich 
haben manchmal Träume gehabt, in deren Mittelpunkt das gleiche Element stand, und auch die Träume ähnelten sich so sehr, daß sie 
Bestandteile eines dritten Traums zu sein schienen. 
Ich weiß von Gruppen, die eine Zeremonie zusammen begangen und dann darum gebetet haben, daß die Gruppe einen Traum erhalten möge, 
der für sie insgesamt Gültigkeit hat. Ich selbst habe mit solchen Gruppen gearbeitet und kann es bezeugen, daß mehrere Mitglieder Träume 
hatten, die zumindest die wesentlichen gemeinsamen Elemente beinhalteten. Ein Weg, um dies zu erreichen, besteht darin, daß die Gruppe 
sich zusammensetzt und darum betet. Eine andere Möglichkeit ist die, daß jeder in der Runde ein Traumkissen herstellt, es im Kreis 
herumreicht, wo es von jedem der übrigen Teilnehmer einen Moment lang gehalten und dann weitergegeben wird, bis es wieder zu seinem 
Besitzer zurückkehrt. Jeder schläft danach in der folgenden Nacht mit seinem Traumkissen unter seinem Kopfkissen. 


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Ich habe auch von Gruppen erfahren, deren Mitglieder alle zusammen mit den Köpfen zur Mitte ausgerichtet in einem Raum schlafen, als ob 
jeder einzelne das Blütenblatt eines Gänseblümchens sei. Ich habe erlebt, daß diese Schlafsituation dazu führte, daß mehrere Teilnehmer in 
ihren Träumen ähnliche Elemente erkannten. 
Zusammen zu träumen kann sehr interessant sein, wenn alle sich darauf einigen, dieses Ziel zu verfolgen, aber ich muß euch dazu erzählen, 
was geschieht, wenn ihr ohne die Erlaubnis und das Mitwirken dieser Person oder Personen versucht, mit ihr oder ihnen zu träumen. 
Meine Frau und ich hielten uns ein paar Tage im Haus eines von Sun Bears Schülern auf, der Azakir hieß und mich darum bat, ihm 
beizubringen, wie man in den Traum eines anderen Menschen eindringen kann. Da ich jung, arrogant und von mir überzeugt war, fühlte ich 
mich geschmeichelt, daß Azakir mich darum ersuchte. Ich nahm mir die Zeit, um ihn zu lehren, wie man in den Traum eines anderen 
gelangt, warnte ihn jedoch bei jedem Schritt, daß man die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen und schon gar nicht zur Anwendung 
bringen dürfe, ohne zuvor die Erlaubnis der Person einzuholen, in deren Traum man erscheinen wollte. 
Er versprach mir, sich an meine Vorgaben zu halten, wenn er sich tatsächlich auf solch eine Reise begeben sollte. Intuitiv jedoch spürte ich, 
daß Azakir das Wissen zum falschen Zweck einsetzen würde. Doch in meiner Selbstbezogenheit brachte ich die Unterweisung zum 
Abschluß. In der folgenden Nacht quälten mich Ruhelosigkeit und ein ungutes Gefühl. Auch meine Frau spürte es. Wir lagen eine ganze 
Weile im Bett, ohne zu schlafen, und machten uns Gedanken über den verstrichenen Tag. Wir beide hörten, wie sich die Eingangstür öffnete 
und wieder schloß, und wir nahmen auch die Schritte wahr, die das Haus von einem Ende bis zum anderen durchmaßen. 
Im vorderen Teil war das Haus dunkel, aber in Azakirs Schlafzimmer brannte Licht. Wir klopften an die Tür und eine krächzende Stimme 
forderte uns auf hereinzukommen. Wir trafen Azakir in großen körperlichen Qualen an. Seine Augen waren groß und geschwollen, seine 
Lippen dick wie Würstchen, und das Atmen fiel ihm schwer. Wir befanden uns irgendwo auf dem Land, bestimmt eine Stunde entfernt vom 
nächsten Arzt. Es war eindeutig, daß Azakir sofort ärztlicher Hilfe bedurfte. Zum Glück für uns alle hatte meine Frau Benadryl, ein 
Heufiebermittel dabei, das wir Azakir verabreichten. Dies und eine Zeremonie mit der Heilpfeife linderten recht bald die Symptome einer 
offensichtlich ernsten allergischen Reaktion, die auf dem Weg war, sich zu einem anaphylaktischen Schock zu entwickeln. 
Zufällig hatte Azakir am Abend alle nötigen Vorbereitungen getroffen, um des Nachts in den Traum eines anderen Menschen einzudringen. 
Aus der Illusion heraus, er sei in sie verliebt, hatte er es sich zum Ziel gesetzt, sich des Traumraums einer Frau zu bemächtigen, die ich als 
Medizinfrau bezeichnen möchte. Diese Frau ist in ihrer eigenen kulturellen Umgebung dafür anerkannt, daß sie eine besondere Gabe und 
Fähigkeit besitzt, mit Träumen und mit der Traumzeit zu arbeiten. Da diese Begabung bereits in ihren Kindertagen erkannt worden war, hatte 
man sie bestimmten Zeremonien unterzogen, die sie in der Traumzeit schützen sollten. Man hatte Wächter um sie herum aufgebaut, die sie 
vor Eindringlingen bewahrten, damit ihre Träume klar und rein blieben. Ich kannte diese Medizinfrau. Meine Frau und ich gingen am 
nächsten Tag zu ihr, um sie zu fragen, ob irgend etwas Merkwürdiges sich in der vergangenen Nacht während ihrer Traumzeit ereignet habe. 
Sie sagte, daß sie sich vage einer Energie entsinnen könne, die auf ihre Wächter eindrang, aber diese erwehrten sich ihrer problemlos, als 
gälte es, eine Fliege zu zerdrücken. Sonst hatte sie nicht weiter darüber nachgedacht. Ich habe niemandem mehr beigebracht, wie man in den 
Traum eines anderen eindringt, es sei denn durch die Meditation, die ich nun mit euch teilen will. (Siehe Anhang, 20. Übung) 
Das erste und wichtigste, was man über diese Meditation wissen muß, ist, daß man sie nur mit der bewußten Erlaubnis der anderen Person 
oder der beteiligten Menschen anwenden kann. Da ich voraussetze, daß ihr das begriffen habt, stelle ich euch im folgenden ein Mittel vor, 
wie zwei Menschen zusammen träumen, einen gemeinsamen Traum oder zumindest Traumelemente miteinander teilen können. Ich empfehle 
auch, daß ihr zuvor euren Wunsch, miteinander zu träumen, gemeinsam besprecht, damit ihr euch über die Gründe völlig im klaren seid. Je 
ersichtlicher euch der Grund ist, desto mehr besteht die Wahrscheinlichkeit, daß euch eine angenehme und erfolgreiche Erfahrung zuteil 
wird. Nachdem ihr euch beide darüber einig seid, daß und warum ihr zusammen träumen wollt, stellt als nächstes jeder von euch ein 
Traumkissen her. Richtet euren Geist während dieser Handarbeit so konzentriert wie möglich auf euer Ziel aus. Ihr tut all dies mit dem 
Gedanken, daß ihr das Kissen eurem Traumpartner schenken werdet, damit ihr Träume miteinander teilen könnt. Geht zu einem Medizinrad 
oder zu einem anderen Ort, wo ihr beide in stiller Meditation sitzen könnt. Ein wichtiger Bestandteil dieser Meditation ist es, daß ihr euch 
dabei an den Händen haltet. Ihr fangt an, indem ihr euch an die Position des Medizin- Rads setzt, die ihr gemeinsam gewählt habt, oder auf 
einen anderen sicheren Platz. Sitzt Seite an Seite an einer Stelle des Medizinrads, die euch beiden angenehm ist. Zentriert euch, indem ihr 
entweder ruhig meditiert, chantet oder trommelt. Wenn ihr das Gefühl habt, in eurer Mitte angelangt zu sein, dann streckt die Hand aus, die 
eurem Partner jeweils am nächsten ist. Fügt eure Hände, Handfläche an Handfläche, zusammen. Ihr könnt danach auch in Form einer 
geführten Meditation fortfahren, in der einer von euch der Führer ist oder in der jeder für sich in seinem Herzen und Geist die folgende 
Visualisation durchführt. In eurem Herzen und vor eurem inneren Auge steht ihr, einander an der Hand haltend, auf und geht in die Mitte des 
Medizinrads. Sobald ihr sie erreicht habt, bittet ihr die Lebenskraft, die kreativen Energien, darum, euch miteinander in Harmonie zu 
bringen, damit ihr zusammen durch die Traumzeit schreiten könnt. Stellt euch vor, daß euch die Kräfte im Zentrum des Kreises 
durchdringen, daß sie Ausgleichungen in der Frequenz eurer Vibrationen vornehmen, damit zwischen euch von Kopf bis Fuß Harmonie 
entstehen kann. 
Sobald ihr spürt, daß die Harmonie erreicht ist, geht zurück zu dem Platz, an dem eure Körper in Meditation verharren. Drückt sanft die 
Hand eures Partners, laßt sie los und streckt euch. Macht euch langsam eure Umgebung wieder bewußt. Wenn ihr die Meditation schweigend 
ausübt, dann könntet ihr euch durch Handdruck gegenseitig kleine Zeichen geben. Ein erster Druck würde bedeuten, daß ihr soweit seid, um 
in die Mitte des Kreises zu gehen. Der zweite Druck hieße, daß ihr bereit seid, den Kreis wieder zu verlassen und darauf wartet, daß euer 
Partner seinerseits seine Bereitschaft dazu anzeigt. 
Wenn ihr in die normale Zeit zurückgekehrt seid, dann gebt einander die Traumkissen, die ihr angefertigt habt, und einigt euch auf einen Tag 
und eine Uhrzeit, wann der Traum, den ihr miteinander teilen wollt, stattfinden soll. Am Vorabend des Ereignisses bereitet ihr euch so vor, 
wie ihr es immer tut, um euch an eure Träume erinnern zu können. Vergewissert euch dessen, daß ihr Papier und Stift oder einen 
Kassettenrecorder mit einer bespielbaren Kassette in Reichweite habt, damit ihr, wenn ihr mitten in der Nacht nach einem Traum aufwacht, 
diesen aufzeichnen könnt. Legt euer Traumkissen unter euer Kopfkissen, neben oder unter euren Kopf und gestattet es euch, in den Schlaf zu 
gleiten. Achtet darauf, daß ihr alle Träume dieser Nacht aufzeichnet. Setzt euch, wenn möglich, am nächsten Tag mit eurem Traumgefährten 
zusammen und vergleicht eure Träume. 
Es können mehrere Anläufe nötig sein, bis euch euer erster gemeinsamer Traum gelingt. Ich empfehle euch, täglich mit der beschriebenen 
geleiteten Meditation fortzufahren, bis ihr in euren Bemühungen erfolgreich seid. Nach eurem ersten Erfolg; solltet ihr die geführte 
Meditation so lange weiterpraktizieren, bis das Muster des gemeinsamen Träumens sicher verankert ist. Sobald dies eintrifft, braucht ihr, um 
einen gemeinsamen Traum zu erleben, lediglich in der betreffenden Nacht mit eurem Traumkissen zu schlafen. Aufgrund der Erfahrung aus 
meinen jungen Jahren, die ich anfangs beschrieben habe, bin ich der Ansicht, daß Menschen nicht auf Warnungen hören. Aber ich muß 
dennoch eine im Zusammenhang mit dem Vorgang des gemeinsamen Träumens aussprechen. Ich rate den Menschen, die sich auf 
emotionaler Ebene nicht tief miteinander verbinden wollen, von dieser Technik ab. Als ich Mitte Zwanzig war, da benutzte ich diese Technik 
mit einem guten Freund unter dem Einvernehmen, daß wir sie lediglich zusammen ausprobieren wollten. Obwohl wir uns in der Anwendung 
der Technik schnell verbessern konnten, hat der Schmerz, der aus der emotionalen Verstrickung resultierte, die durch das gemeinsame 
Träumen entstand, schließlich dazu geführt, daß unsere Freundschaft zerbrach und bei mir Narben zurückließ, die ich noch heute spüren 
kann. 
Das erinnert mich an Piktogramme, von denen Sun Bear mir und anderen häufig erzählt. Sie beschreiben die Entwicklung, die Menschen 
durchlaufen, wenn sie höher und höher liegende Reiche spiritueller Kraft erreichen. Sie warnen jedoch auch vor den Konsequenzen, die zu 
erwarten sind, wenn man sein eigenes Bereitschaftspotential überschreitet. Eines dieser Piktogramme zeigt einen Mann, dessen eine 
Kopfhälfte kahl und dessen andere dicht mit Haaren bewachsen ist. Damit wird ein sehr großes Ungleichgewicht versinnbildlicht, das darauf 


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hinweist, daß der Suchende bei seinem Streben nach Wissen und Macht den Verstand verloren hat. Daher rate ich euch im Zusammenhang 
mit Träumen, aber auch in allen anderen Belangen, in denen ihr euch übertreffen wollt, auf ein natürliches Wachstum zu achten und einen 
Schritt nach dem anderen zu machen. Dann werdet ihr auf ein wenig Schwierigkeiten stoßen. Wer zu schnell und zu weit vorankommen will, 
wie ich es in der Vergangenheit getan habe und wie auch Azakir es wollte, der muß sich den Konsequenzen stellen.« 
Die Wolken ziehen sich dichter zusammen und lassen, wenn vielleicht auch nicht den Besuch der Donnerwesen, so doch auf jeden Fall 
Regen erwarten. Der Zeitpunkt ist gekommen, um eine Mittagspause einzulegen und um den Teilnehmern die Gelegenheit zu geben, all die 
Informationen, die sie an diesem Morgen erhielten, zu verarbeiten. Am Nachmittag soll die Runde dann erfahren, wie die Lehrer all dies 
Wissen in ihrem Leben in die Tat umgesetzt haben und wie auch die Teilnehmer ihre Traumzeit zu einem wichtigeren Teil ihres 
Tagesablaufs machen können. 

Mit Träumen leben 

Die Donnerwesen ziehen in Richtung Berge. Bis jetzt hört man weder den Donner brüllen noch sind Blitze zu sehen; doch aus den schwarzen 
Wolken am Himmel läßt sich leicht schließen, daß es sich nur um eine Frage der Zeit handeln kann. Alle sind froh darüber, daß sie einen Teil 
des Morgens draußen verbracht haben, da das Wetter keinen Zweifel daran zuläßt, daß die Nachmittagssitzung im Wohnzimmer des 
Langhauses stattfinden wird. 
»Wie angemessen«, bemerkt Tony. »Wir haben unsere Traumratsversammlung im Wohnzimmer des Langhauses im Beisein der 
Donnerwesen begonnen, und nun sieht es ganz danach aus, daß wir sie auf die gleiche Weise abschließen werden.« 
Wabun lächelt Shawnodese zu. Sie beide wissen, wie oft die Donnerwesen sich Gehör verschaffen, wenn Sun Bear spricht. Für Wabun und 
Shawnodese ist es weniger überraschend, daß die Donnerwesen am letzten Abend zugegen sind als vielmehr, daß sie es im Verlauf der 
Traumratsversammlung nicht jeden Abend waren. 
Wabun nimmt das Redeholz auf. »Ich fühle mich ohne Frage sehr bereichert von allem, was ich im Verlauf unserer Traumratsversammlung 
gelernt habe«, sagt sie. »Doch es gibt noch immer einige Dinge, die manche der Lehrer laut eigenem Bekunden noch einmal hervorheben 
möchten, und dazu haben sie heute Nachmittag Gelegenheit. Ich meine, daß ihr bei dem neuen Wissen, welches euch im Verlauf des 
Nachmittags vermittelt werden soll, einen Satz den Steven Foster gestern geäußert hat, im Hinterkopf behalten solltet. Dieser Satz lautet: 
Was wirklich zählt, sind nicht so sehr eure Träume, als vielmehr eure Bereitschaft und Fähigkeit, sie zu einem wirklichen und wichtigen Teil 
eures Lebens zu machen. Einer der Hauptunterschiede zwischen der erdverbundenen und der westlichen Gesellschaft beruht darauf, daß 
Träume und Visionen für erdverbundene Völker die leitende Kraft des Lebens sind. Bei ihnen wird ein Traum nicht einfach nur empfangen, 
aufgeschrieben und interpretiert, um dann auf einen neuen zu warten. Wenn einer von ihnen einen Traum hatte, von dem er wußte, daß er 
seinem Volk oder Stamm dienen würde, dann fühlte er sich dazu verpflichtet, die Mission zu erfüllen, die ihm der Traum zur Aufgabe 
gemacht hat. Ich hoffe, ihr habt bereits über Mittel und Wege nachgedacht, wie ihr diese Haltung für euer eigenes Leben übernehmen 
könntet. Was wir heute Nachmittag ansprechen wollen, soll euch darin unterstützen und euch ein Antrieb sein.« 
Wabun teilt der Runde mit, daß ihr noch einiges Material von Page Bryant zur Verfügung steht, mit dem sie beginnen möchte. Wabun stellt 
den Kassettenrecorder an. Pages Stimme läßt sich vernehmen, sie sagt: »Alte einheimische Stämme und Völker haben schon lange von der 
besonderen Kraft heiliger Orte gewußt. Obwohl sich ihre Legenden und Beschreibungen der Kraft, die diese verschiedenen Orte auf 
menschliches Leben und Bewußtsein ausüben, voneinander unterscheiden, ist doch die Grundlage immer die gleiche. Heilige Stätten sind das 
Zuhause der Götter, sind Plätze, an denen die natürliche, rohe Erdenergie am intensivsten auftritt. 
Doch es ist insbesondere eine solchen heiligen Stätten zugesprochene Kraft, die dem Menschen am besten weiterhilft - vor allem im 
praktischen Sinn -, denn sie ermöglicht es ihm, mit den Geistwesen Kontakt aufzunehmen. Zu diesen Geistwesen gehören auch der Schöpfer, 
Engel und ähnliche Wesenheiten, die Geisteskräfte der Natur und sogar die Geister menschlicher Vorfahren, deren Existenz, Rat und 
Führung eine wesentliche Rolle spielen für die psychische Gesundheit sowie das spirituelle Wachstum und Wohlergehen eines Menschen. 
Ein ziemlich großer Anteil erdverbundener Kulturen, darunter auch die amerikanischen Indianer, erachtet es als vollkommen normal, an 
solchen heiligen Orten zu schlafen. Das mag einer Visionssuche vorangehen, kann ein Teil von ihr oder einer Initiation sein oder von einem 
anderen besonderen oder heiligen Ritual. Ein Mensch würde natürlich deshalb an einem Kraftplatz schlafen, weil er dort einen Traum sucht, 
der ihn mit dem Großen Geist und anderen höheren Mächten verbindet, einen Traum, der vielleicht eine besondere Führung oder 
Richtungsweisung schenkt oder eine nützliche Botschaft enthält. 
Die alten Kelten kannten ebenfalls den Brauch, neben heiligen Stätten zu schlafen oder anderen Plätzen, an denen starke Erdkräfte 
vorherrschen, oder auf den Gitternetzlinien, den Leylines, die solche Orte miteinander verbinden. Hatten Angehörige von erdverbundenen 
Stämmen an solchen Plätzen einen Traum, dann kann man wohl mit Sicherheit davon ausgehen, daß er als Offenbarung betrachtet und 
entsprechend gedeutet wurde.« 
Als Wabun den Kassettenrecorder abstellt, erbittet Shawnodese von ihr das Redeholz. »Ich meine, es ist wichtig für euch zu begreifen, daß 
ihr, außer ihr schlaft an einem Kraftplatz, manchmal auch auf anderem Wege die Situation herstellen könnt, die einen besonderen oder 
spirituell bedeutsamen Traum möglich macht, denn das ist es, was ein Kraftplatz vermag: Er stellt eine besondere, traumförderliche Situation 
her. Das gleiche geschieht auch bei einem >Mini-Walkabout< (Siehe Anhang, 21. Übung). Zu diesem Zweck würdet ihr euch ein wenig Zeit 
vorbehalten, um hinaus aufs Land zu gehen, im Idealfall in die Wildnis - aber da die nicht überall zur Verfügung steht, wenigstens in einen 
Naturpark, wo sich immerhin ein paar wilde Tiere und Vögel aufhalten. Im Idealfall wäre es ein Tag, an dem ihr fastet oder wenigstens keine 
feste Nahrung zu euch nehmt. Ihr würdet ein Gebiet aufsuchen, das ihr schon vorher erforscht habt, und in dem ihr euch wohl und sicher 
fühlt. 
Ihr könntet beginnen, indem ihr euch reinigt, wenn euch eine Sauna oder eine Schwitzhütte zugänglich ist. Trifft dies nicht zu, so könntet ihr 
euch einem Smudging unterziehen, das wir im Verlauf dieser Versammlung ja schon mehrmals erwähnt und beschrieben haben. 
Ihr kommt also an einem Fastentag gereinigt in der Gegend eurer Wahl an. Dann beginnt ihr zu gehen. Ihr öffnet euch bewußt, indem ihr 
jeden Aspekt der Natur um euch wahrnehmt. Ihr achtet auf eure Umgebung, auf die Pflanzen und Tiere, auf die Veränderungen am Himmel, 
auf den Wind, die Temperatur, auf alles. 
Wenn ihr euch zum erstenmal auf einen Mini-Walkabout begebt, dann sollte er nicht länger als eine oder vielleicht zwei Stunden dauern. Ist 
eure vorgesehene Zeit abgelaufen, so nehmt euer Tagebuch zur Hand und schreibt alles auf, was ihr gesehen habt, alles, was geschehen ist, 
als ob es sich um einen Traum handelte. Dies ähnelt sehr dem, was Steven den Menschen beibringt, die von einer Visionssuche in der 
Wildnis zurückkommen. Wenn ihr mit euren Notizen fertig seid, arbeitet ihr damit. Ihr widmet euch all den Einzelheiten wie 
Traumsymbolen, die aus eurem Unbewußten kommen und zu euch sprechen. 
Wenn ihr die Sache ernsthaft angeht, dann werdet ihr sie als wirklich bemerkenswerte Erfahrung erkennen, deren Kraft sich 
lebensverändernd auswirken kann. Und sollte es euch bisher schwergefallen sein, euch an eure Träume zu erinnern, so könnte euch diese 
Methode darin unterstützen, die Blockaden, die ihr bisher aus eurem Unbewußten noch nicht habt entlassen können, zu erkennen und 
durchzuarbeiten. Im Rahmen meiner Zusammenarbeit mit Menschen, die in der Wildnis nach einer Neuausrichtung für ihr Leben suchten, ist 
mir aufgefallen, daß den Teilnehmern die Ereignisse, die sich in der Natur zutrugen, zumindest genauso wichtig waren wie die Visionen, die 
sie bis dahin hatten. Ich habe auch festgestellt, daß solche Ereignisse so interpretiert werden müssen, als seien sie visionäre Träume. 
Eine derartige Auslegungsweise fördert eindeutig die Person und den Weg, den sie in ihrem Leben geht, die Oberfläche. Wenn ihr wirklich 
ernsthaft mit euren Träumen arbeitet, die Sprache der Träume versteht und die Art und Weise, wie sich Träume an euch richten, dann nehmt 
diese Methode und wendet sie auf die Walkabout-Tradition an, und ihr werdet ohne den Schatten eines Zweifels die tiefe Wahrheit erkennen, 


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daß alles, was ihr erlebt und erfahrt, ein Abbild eures wahren Selbst ist. Zugleich habt ihr damit die Gelegenheit, die ebenso tiefe Wahrheit in 
euch aufzunehmen, daß ihr ein wichtiger und mit dem Netz des Lebens verbundener Teil seid.« 
Misty bittet um das Redeholz und fragt Shawnodese: »Hast du, wenn du in die Wälder gehst, schon einmal das Gefühl gehabt, daß du dort 
nicht zum erstenmal bist? Mir ist es schon ein paarmal so ergangen, und ich weiß einfach nicht, was ich davon halten soll.« 
Shawnodese nimmt das Redeholz zurück und sagt: »Ich bin davon überzeugt, daß jene Erfahrungen, die wir als Deja-vu-Erlebnisse 
bezeichnen - dieses unheimliche Gefühl, schon einmal an einem Ort gewesen zu sein oder etwas schon einmal gesehen oder getan zu haben größtenteils 
mit vorausschauenden Träumen verwandt sind. Mir war es bisher meistens möglich - vor allem, wenn das Deja-vu-Erlebnis über 
einen längeren Zeitraum wiederkehrt -, in meinen Traumtagebüchern den Traum zu finden, der voraussah, daß sich das betreffende Ereignis 
zutragen würde. Ob es nun richtig oder falsch -, ich jedenfalls habe diesen Umstand als Anzeichen dafür gedeutet, ob ich mich noch auf dem 
für mich richtigen Weg befinde. In manchen Fällen stand das Deja-vu-Erlebnis mit einem Traum in Zusammenhang, den ich fünf Jahre 
zuvor gehabt hatte. Damit wird noch einmal deutlich, warum es sich empfiehlt, ein Traumtagebuch zu führen. Hätte ich es nicht getan, dann 
wäre es mir auch nicht möglich gewesen festzustellen, daß es tatsächlich ein Traum gewesen war, der mich zu dem Deja-vu-Erlebnis 
veranlaßte.« 
Marilyn bittet Shawnodese um einen Rat, wie man einen schamanischen von einem normalen Traum unterscheiden kann. 
»Der Träumende muß zunächst einmal begreifen«, antwortet Shawnodese, »daß es nicht das Traumsymbol ist, sondern daß dessen Energie 
und Qualität den Unterschied zwischen einem schamanischen beziehungsweise Medizintraum und einem normalen Traum festlegen. 
Erdverbundene Völker erachteten es als natürlich, daß sich ihre Träume mit Elementen der Natur füllten, weil sie so sehr ein Teil ihres 
Alltags waren. 
Jene von euch, die über Lame Deer, Black Elk oder über andere berühmte Indianer gelesen haben, wissen bestimmt auch etwas, vielleicht 
verbunden mit einer gewissen Sehnsucht, über deren spirituell bedeutsame Träume, in denen Adler am Himmel schweben und Büffel- oder 
Pferdeherden über die Prärie donnern. 
Es waren nicht die Adler, Pferde oder Büffel, die diese Träume zu Kraftträumen machten. In jedem dieser Traumbilder reflektierten die Tiere 
einen Teil der Lebensgeschichte der Menschen, die den Traum hatten. Es waren die Energie des Traums und das sichere Wissen des 
Träumenden nach dem Aufwachen um die besondere Qualität des Traums, die diesen zu einem schamanischen oder Medizintraum werden 
ließen. Weil die meisten von uns in der westlichen Gesellschaft so weit der Natur entrückt sind, ist es mehr als wahrscheinlich, daß ein 
Traum, in dem Elemente aus der Natur eine Rolle spielen, eine tiefere Bedeutung hat als einer, der Alltagsgegenstände als Symbole einsetzt. 
Und doch kann auch ein Alltagsgegenstand, den richtigen Traum vorausgesetzt, ein entscheidendes Element eines schamanischen Traums 
sein. 
Ich möchte hier noch einmal etwas betonen, das ich schon zu Beginn unserer Traumratsversammlung einmal erwähnte. Nur dann, wenn man 
ein psychisch ausgeglichener Mensch ist, wird der emotionale Abfall die Traumabläufe nicht verfärben und es nicht verhindern, 
Wunscherfüllungen von schamanischen Träumen zu unterscheiden. Erst wenn man sich selbst gut kennt, ist man dazu fähig, die Eigenschaft 
eines Traums als Geistgeschenk von den einfach nur merkwürdigen psychologischen Aspekten zu unterscheiden. Denkt daran, es kann 
durchaus vorkommen, daß ein und derselbe Traum kraftvolle Elemente sowohl psychischer als auch spiritueller Natur enthält. Nur das 
Wissen, das ihr über euch selbst erlangt habt, gibt euch das Mittel in die Hand, das eine vom anderen zu unterscheiden und entsprechend zu 
reagieren. 
Sun Bear sagt oft: >Wenn deine Philosophie keinen Mais anbaut, dann will ich nichts davon wissen.< Ein schamanischer Traum ist nichts als 
ein Traum, es sei denn, ihr handelt entsprechend der schamanischen Kraft, mit der er euch versieht. Wenn euer emotionales und euer 
körperliches Handeln schon in Unordnung ist, dann werdet ihr auch nicht angemessen auf einen visionären Traum reagieren können. 
Der Traum, den Sun Bear über die Rückkehr des Medizinrads hatte, war nur ein Traum. Ein Hügel, zwei Steinkreise, ein paar Tiere, die den 
Hügel hinaufkamen, die Wahrnehmung, daß es sich bei den Tieren eigentlich um Menschen handelte, daß sie sangen und tanzten und daß 
eine Stimme sagte: >Jetzt ist der Zeitpunkt für die Rückkehr des Medizinrads, für die Heilung der Mutter Erde gekommen.< 
Es war ein Traum, ein schöner zwar, aber ein Traum. Hätte Sun Bear mit seinem Kopf in den Wolken gelebt und seinen beiden Füßen auf 
der Erde, oder hätte er immer wieder die Konflikte seiner Kindheit wiederholt, dann wäre auch sein Traum vom Medizinrad zu nichts nutze 
gewesen. Da aber Sun Bear seinen Weg auf der Mutter Erde im Gleichgewicht geht, war er dazu in der Lage, sowohl die Kraft des Traums 
zu erkennen als auch, sich von dieser Kraft in Bewegung setzen zu lassen. Mit diesem Traum und dank der Unterstützung durch ihm 
nahestehende Menschen war es ihm möglich, eine kraftvolle Lehre ins Leben zu rufen, die in der ganzen Welt Verbreitung gefunden und das 
Leben von Hunderttausenden beeinflußt hat. Wenn ihr also euren Weg mit Kraft gehen wollt, dann geht ihn zuerst im Gleichgewicht.« 
Sun Bear bittet um das Redeholz. »Und mein guter Bruder, sowie diese gute Schwester hier, waren auch sehr verantwortlich dafür, daß der 
Traum vom Medizinrad wahr wurde«, sagt er. »Wenn die Schwester Wabun nicht über die Gabe des Schreibens verfügte, wie es nun einmal 
der Fall ist, dann glaube ich nicht, daß sich meine Vision auch nur annähernd so weit verbreitet hätte, wie es tatsächlich geschehen ist. Und 
hätte Bruder Shawnodese nicht sein Talent, Menschen und Programme zu organisieren, beigesteuert - ich glaube kaum, daß jene Menge von 
Schülern und Lehrlingen zu mir gekommen wären, die heute bei mir sind. Es war ein wunderbares Geschenk, das mir der Schöpfer mit 
meiner Vision gemacht hat, und es ist ein wunderbares Geschenk des Schöpfers, solch guten Menschen begegnet zu sein, die mir helfen, die 
Vision in die Tat umzusetzen.« 
Wegen seines Lobes ein wenig peinlich berührt, bittet Wabun um das Redeholz und schlägt vor, die Sitzung für eine halbe Stunde zu 
unterbrechen, damit sich jeder strecken und entspannen kann. 
Nach der Pause ist es wieder Wabun, die das Redeholz aufnimmt. »Worüber ich jetzt gerne sprechen würde«, beginnt sie, »ist der Begriff 
>transzendentes Träumen<. Ihn benutze ich für jene Art von Träumen, deren Beschreibung uns in diesem Traumrat bisher schwergefallen ist. 
Das Wort >Transzendent< hat laut Lexikon eine Reihe von Bedeutungen, die es im Zusammenhang mit unserem Thema zum richtigen 
Begriff machen. Es definiert eine Sache >jenseits des materiellen Universums<, womit normalerweise Gott gemeint ist, und die >sich 
vollkommen außerhalb menschlichen Wissens und Denkens befindet<. Ich finde, beide Definitionen treffen gerade auf die Art von Träumen 
zu, der etwas höchst Besonderes zu eigen ist. Sie beziehen sich auf jene Art von Traum, die einen den ganzen Tag oder auch manchmal das 
ganze Leben lang nicht mehr loslassen. Sie beschreiben die Träume, die dich führen, heilen, dir Einsicht, Offenbarungen und Ausblicke auf 
deine eigene Zukunft schenken können. Ich glaube, es ist die Art Träume damit gemeint, von denen die Huichol-Indianer sagen, daß sie 
einem das Gefühl vermitteln, man sei ein Gott. Es handelt sich um solche Träume, von denen jeder sich wünscht, daß sie zu ihm kommen 
mögen und er sich dann, wenn sie da sind, fragt, auf was er sich da nur eingelassen hat. Prophetische, schamanische und Medizinträume 
würden unter die Kategorie der transzendenten Träume fallen. Ich habe gehört, daß Sun Bear nachher ein paar seiner transzendenten Träume 
mit uns teilen will. Und als ich mit Page Bryant sprach, erzählte auch sie von transzendenten Träumen, von denen ich meine, daß ihr sie 
vielleicht hören wollt. Ich reiche also das Redeholz nun an Page weiter, die uns über den Kassettenrecorder ein Beispiel für einen 
transzendenten Traum geben wird.« 
Wabun stellt den Kassettenrecorder an, und wieder ist Pages kraftvolle Stimme zu hören. »Anfang 1989 habe ich eine Pilgerreise zum 
Vulkan auf Big Island of Hawaii unternommen, um dort mit der Göttin Pele in Verbindung zu treten. Ich hatte mich schon seit einiger Zeit 
mit diesem Vorhaben beschäftigt, um auf diese Weise ein besseres Verständnis für die Energie der Göttin und für die konstruktiven wie 
destruktiven Kräfte in mir selbst zu entwickeln. Ich war schon lange zu der Erkenntnis gekommen, daß es sich bei Peles Energie eindeutig 
um die Manifestation der Schöpferkraft handelte. Peles Zuhause bezeugt auf starre und leblose Weise die Zerstörung, die Vulkanausbrüche 
immer wieder mit heißen Lavaströmen über die Landschaft ausgegossen haben. Doch inmitten der Verwüstung sind kleine Zweige neuer 


93 


Pflanzen zu sehen, deren Samen eine halbe Stunde nach Abkühlen der Lava aufzugehen begannen. Auch gibt es dort unendlich lange 
Strände, die mit schwarzen Kieselsteinen, die das Meer noch nicht zu Pulver zermahlen hat, bedeckt sind. 
In der Nacht nach einem ersten Aufenthalt auf dem Kilauea erlebte ich den Anfang dessen, was ich jetzt meine Pele-Träume nenne. Im ersten 
Traum sah ich einen langen Höhenzug, der sich über mehrere Kilometer auszudehnen schien und über den sich ein Strom heißer Lava ergoß. 
Am nächsten Tag entdeckte ich in einem Bildband, den ich im Besucherzentrum gekauft hatte, ein Foto, worauf genau das zu sehen war, 
wovon ich in der Nacht geträumt hatte. Es war die Dokumentation eines kurze Zeit zurückliegenden Vulkanausbruchs, der in seiner 
Zerstörung mehr als achtzig Hektar neues Land geschaffen hatte. 
Seit dieser Zeit habe ich viele Pele-Träume gehabt. Sie beinhalten immer Bilder von heißer, fließender Lava. Manchmal zeigen mir die 
Traumbilder auf spektakuläre Weise die Macht der Natur. Manchmal bedroht die Lava Menschen, die ich kenne, und ich breche auf, um sie 
zu retten. Diese Träume hinterlassen in mir immer das paradoxe Gefühl, daß ich in meinem Leben eine Pause einlegen und mich zugleich 
aber auch mutiger, stärker und aggressiver geben muß. Am meisten sticht bei solchen Träumen jedoch hervor, daß sie mich immer, wenn sie 
kommen - egal ob ich mich danach unruhig oder überwältigt fühle - mit dem inneren Wissen erwachen lassen, daß die Bilder archetypische 
Kräfte aus den tiefsten Winkeln meiner Seele berührt und freigesetzt haben.« 
Nachdem Page die Beschreibung ihrer Pele-Träume beendet hat, gibt Sun Bear ein Zeichen, daß er bereit ist zu sprechen. Das Redeholz wird 
im Kreis bis zu ihm weitergereicht. »Ich denke von mir selbst als von einem Träumer«, sagte Sun Bear. »Ich hatte viele Träume, die mir und 
meinem Stamm auf die unterschiedlichste Weise geholfen haben. Manchmal haben mir meine Träume Geld oder Nahrungsmittel gebracht,
die ich zum Überleben brauchte. Als ich in Reno, Nevada, lebte, hatte ich einen Traum über die Zahlen eines Lottospiels und sogar darüber, 
in welchem Kasino ich meinen Einsatz machen sollte. Ich ging hinein und kreuzte die Zahlen an, von denen ich geträumt hatte. Sechsmal 
habe ich auf diesem Weg Geld gewonnen: viermal 1100 Dollar, einmal 535 Dollar und einmal 112 Dollar - alles mit den Zahlen, von denen 
ich geträumt habe. Zu jeder anderen Zeit konnte ich in dasselbe Kasino gehen und Lottoscheine ausfüllen, ohne jemals etwas zu gewinnen. 
Aber immer, wenn ich einen starken Traum hatte, der mir die richtigen Zahlen nannte, ging ich hin und war erfolgreich. 
Ich erinnere mich auch an eine Zeit, als ich einen Heißhunger auf Fleisch hatte. Ich bin kein Vegetarier, also betete ich zum Schöpfer um 
Fleisch. Ich ging im Supermarkt zur Fleischtheke und begutachtete das Fleisch, das dort auslag. Es sah so aus, als ob es für den nächsten Tag 
gerade frisch mit roter Farbe angestrichen worden sei, und es roch nicht einmal gut. Also ging ich wieder, und auf dem Nachhauseweg betete 
ich wieder zum Schöpfer. Ich sagte: >Bitte, Schöpfer, ich möchte Fleisch, richtiges Fleisch, Hirschfleisch.< 
In der folgenden Nacht hatte ich einen Traum, in dem ich zwei Hirsche tot auf einem mir bekannten Highway nördlich von Reno liegen sah. 
Tags darauf setzte ich mich in mein Auto und fuhr in nördlicher Richtung auf dem Highway entlang -und tatsächlich, gleich hinter der 
Grenze zu Kalifornien lag ein frisch getöteter Hirsch auf der Fahrbahn. Also legte ich ihn in den Kofferraum meines Wagens und fuhr weiter. 
Drei Kilometer weiter sah ich einen anderen Hirsch am gegenüberliegenden Straßenrand liegen. Ich überquerte die Fahrbahn, um auch dieses 
Tier zum Auto zu schleppen. Als ich noch dabei war, kam ein kalifornischer Streifenpolizist auf dem Motorrad um die Kurve -er war in 
meinem Traum nicht vorgekommen. Er fragte mich: >Was tun Sie da?< Ich erklärte ihm, daß dieses Tier hier nur in der Sonne verderben 
würde und daß ich es mit nach Hause nehmen wollte, um es zu zerlegen und das Fleisch zu nutzen und um etwas aus dem Fell zu machen. 
Er meinte: >Nun, die Leute von California Fish and Game werden das nicht mögen, aber ich gehöre nicht zu denen. Also nehmen Sie den 
Hirsch mit.< Innerlich sagte ich: >Vielen Dank, großer Geist. Das ist gute Medizin.<
Neben den Träumen, die mir beim Überleben helfen, habe ich auch viele, die prophetischer Natur sind. 1978 hatte ich einen Traum, in dem 
ich eine Karte des Iran sah und auf der das Wort >Iran< langsam verblaßte, bis es ganz verschwunden war. Der Große Geist sagte mir, daß 
der Iran von Erdbeben und von seinen Nachbarn zerstört werden würde. Bald darauf entbrannte ein vernichtender Krieg zwischen dem Iran 
und dem Irak, der große Zerstörungen verursachte. Seither haben auch einige größere Erdbeben den Iran heimgesucht. 
1983 hatte ich einen Traum, in dem ich Rußland durch ein großes Erdbeben erschüttert sah. Auch das hat sich seither ereignet. Rußland hat 
drei Erdbeben erlitten, und ich sehe bis zum Jahr 2000 noch drei weitere auf das Land zukommen. 
Ich hatte Träume, in denen ich sah, wie Städte in den Vereinigten Staaten durch gewaltige Erdbeben zum Einsturz gebracht wurden. Die 
Stromkabel lagen offen auf den Straßen. Die Menschen versuchten aus den Städten zu fliehen. Viele ähnliche Szenarien sind mir so in 
Träumen gezeigt worden. 
Ich träumte auch von großen Raumschiffen, die über unserer Erde schwebten. Sie konnten Laserstrahlen abfeuern und ganze Landstriche in 
Brand setzen. Die Raumschiffe waren mit allen nur denkbaren Waffen ausgerüstet. Sie wurden jedoch vor allem zur Erforschung des Alls 
eingesetzt. Erst später begann ich zu begreifen, daß es die Weltraum-Fähren >Challenger< und >Columbia< waren, die ich sah. 
Manchmal träume ich von Flugzeugabstürzen. Mitunter kann ich dabei sogar den Schriftzug der Fluglinie auf der Maschine erkennen. Ich 
habe Angst davor, irgend jemandem davon zu erzählen, weil ich fürchte, daß die Menschen in Panik geraten. 
Am 1. Dezember 1988 hatte ich einen Traum, von dem ich meiner Frau Jaya erzählte. In ihm sah ich zwei Flugzeuge am Himmel Feuer 
fangen und explodieren. Innerhalb von drei Wochen ereilte dieses Schicksal zunächst ein Flugzeug über England und dann ein weiteres über 
Schottland. Der Absturz über Schottland sorgte weltweit für Schlagzeilen, weil es sich um einen terroristischen Akt gehandelt hatte. Das sind 
einige der Dinge, die ich vorausgesehen habe. Ich glaube, daß die Geistwesen uns auf vielen Wegen erreichen, um uns zu lehren. 
Mitunter sind meine prophetischen Träume auch sehr persönlich. Ich träumte davon, daß ich mich darauf vorbereitete, in Rochester, New 
York, einen Workshop zu halten, wobei ich vier Klapperschlangen begegnen sollte. Am nächsten Tag, während meines Workshops, kam 
einer meiner Lehrlinge zu mir und überreicht mir vier silberne Klapperschlangen, die mir jemand zum Geschenk gemacht hatte und die ich 
jetzt zusammen mit meiner Kraftkette um den Hals trage. Damit war die Botschaft des Traums erfüllt. 
Ein andermal träumte ich, daß ein Mitglied des Bear Tribe in die Stadt gefahren war und dabei einen Strafzettel wegen 
Geschwindigkeitsüberschreitung bekommen hatte. Unglücklicherweise hatte ich vergessen, die Frau zuvor zu warnen. Und tatsächlich kam 
sie mit dem Strafzettel zurück. 
Ich glaube, daß die Gabe zu prophetischen Träumen vielleicht in der Familie liegt. Meine Mutter hatte 1932, als wir noch in Idaho lebten, 
einen sehr lebhaften Traum. Sie sah ein großes zweistöckiges weißes Haus, aus dem jemand offenbar ein Kind entführte. An der Außenwand 
des Gebäudes lehnte eine Leiter. Die Leute in dem Traum sprachen Deutsch. Meine Mutter ängstigte der Traum so sehr, daß sie aufstand, um 
nachzusehen, ob es meinem Bruder und mir gutging. Natürlich war mit uns alles in Ordnung. Aber am nächsten Tag ging mein Vater in die 
Stadt, kam mit der Zeitung zurück und sagte: >Hier ist dein Traum.< Die Zeitung berichtete in großer Aufmachung von der Entführung des 
Lindbergh-Babys. 
Ich träume aber auch noch auf eine andere Art. Diese ist zum Teil prophetischer Natur, aber das ist nicht alles. Dabei sagt mir der Große 
Geist, was ich wissen muß. Manche Leute nennen solche Träume schamanische oder Medizinträume. Wabun hat euch gerade gesagt, daß sie 
sie als >transzendente Träume< bezeichnet. Hier folgen nun ein paar von ihnen. 
Einen dieser Träume hatte ich, als ich in Deutschland war. In ihm fand ich einen Wolfsschädel im Wald. Es waren noch Haare und 
verwesende Fleischfetzen an ihm. Ich entfernte beides mit meinen Fingern. Ich fragte den Großen Geist, was dies zu bedeuten habe, und er 
antwortete mir, daß der Wolfsschädel den alten Geist Deutschlands repräsentierte und die Haare und das verwesende Fleisch die politischen 
Aktivitäten symbolisierten, mit denen einige Leute die Vergangenheit heraufzubeschwören versuchten. Aber, so sagte mir der Große Geist, 
das deutsche Volk würde sich dadurch nicht beeindrucken lassen. 
Im Jahr darauf war ich in Berlin, und eine Frau kam zu mir, die erzählte, daß sie einen Traum gehabt hatte, in dem sie einen Wolfsschädel in 
den Händen hielt. Der Große Geist habe ihr hierzu gesagt, daß es sich dabei um den ursprünglichen Geist Deutschlands handle. Später fand 
ich heraus, daß die alten Germanen tatsächlich den Wolf als ihr Schutz- und Wachtier betrachtet hatten. Deshalb sind Vor- und Nachnamen 
mit dem Bestandteil >Wolf< so häufig in Deutschland. 


94 


Als ich mich in England aufhielt, träumte ich von einem wunderschönen weißen Pferd, einem Hengst, der frei über das Land lief. Ich fragte 
die englischen Kursteilnehmer danach und erfuhr, daß der Geist Englands in der Sage die Gestalt eines weißen Hengstes habe. Später 
brachten sie mich an einen Ort nördlich von London, der Ridgeway heißt. Dort zeigten sie mir die Umrisse eines Pferdes, die in den Hügel 
gegraben waren. Ich habe gehört, daß es in ganz England sechs dieser Pferde gibt. Früher einmal hatte es eine Geheimgesellschaft gegeben, 
der weiße Pferde heilig waren. 
Bei meinem Aufenthalt in Australien bat mich eine Gruppe australischer Aborigines, für sie zu träumen. Ich hatte einen Traum, in dem ich 
eine große Düne am Meer sah. Hinter ihr dehnte sich eine Tiefebene aus. Dann stieg das Wasser an und überschwemmte das Land. Ich 
berichtete den Aborigines von meinem Traum. Sie sagten: >Wir wissen genau, wo dieser Ort ist. Viele unserer Alten habe schon ähnliche 
Träume gehabt, die ihnen sagen, daß dies in der Zukunft geschehen wird.< 
In einem anderen Traum, den ich einmal in London hatte, führte mich eine Frau in einen Raum und zeigte mir eine Büchersammlung. Sie 
erzählte mir, daß dies vierzig von zweihundertvierzig Büchern waren, die das Wissen der Nationen enthielten. Sie sagte: >Diese gehören 
dem Löwen und dem Drachen. Es gibt auch Bücher für den Wolf und für den Adler und andere.< Sie nannte weitere und darunter einige, von 
denen ich wußte, daß sie die alten Hüter des Geistes der Nationen waren. Sie sagte in dem Traum auch, daß der siebte und der elfte Graf 
Magier waren. Das war das Ende des Traums. 
Am nächsten Tag hielt ich einen Vortrag und schilderte dabei meinen Zuhörern den Traum. In einer der hinteren Reihen saß ein Mann, der 
von dem, was ich sagte, sehr beeindruckt zu sein, schien. Während der Mittagspause kam er zu mir und sagte: >Du hast sehr starke Träume, 
und du besitzt große Weisheit.< Er erklärte mir, daß der siebte und der elfte Graf tatsächlich Magier und darüber hinaus seine Onkel waren. 
Er erwähnte, daß er ein Mitglied der Königsfamilie sei. 
Ein andermal kam mein Schutztier, der große Grizzlybär, in einem Traum zu mir. Da stand ein Käfig unter einem Baum, und er war an 
diesem mit einer Kette befestigt. Der Käfig war aus jungen Baumstämmen angefertigt. Ich war auf einer Seite des Käfigs und der Bär auf der 
anderen. Im Inneren des Käfigs befanden sich fünf Menschen. Der Bär und ich rüttelten an dem Käfig. Und im Traum sagte ich: >Das ist es, 
was ich mit meiner Bärenmedizinkraft tue. Ich schüttle den Käfig dieser Leute, um sie aufzuwecken.< 
Ein anderer Traum kündigte mir die Ankunft eines neuen Lehrers an. In dem Traum kam ein Bär zu mir und teilte mir mit, daß er mir 
beibringen würde, wie man mit der Traumwelt arbeitet. Er sagte, schließlich würde mir der lange Schlaf der Bären offenstehen - mit anderen 
Worten, ich würde Winterschlaf halten. Ich könne so lange in den Winterschlaf gehen, wie es mir recht sei, und dann wiederkommen, um 
erneut mit Menschen zu arbeiten. Auf diese Weise würde ich die Existenz meiner Vision verlängern. Ich fühlte mich sehr gut und stark mit 
diesem Traum.« 
Es überrascht nicht, daß die Donnerwesen in diesem Moment direkt über dem Langhaus grollen. Die Wolken haben den Himmel lange vor 
dem Sonnenuntergang verdunkelt. Ab und zu wird die Dunkelheit von niedergehenden Blitzen erleuchtet. Als Sun Bear seinen letzten Satz 
über den Bären sagt, der ihm mitteilt, daß er in den langen Schlaf gehen und dann wieder mit Menschen arbeiten könnte, da ertönt gleichsam 
als Zustimmung ein besonders lauter Donnerschlag direkt über dem Haus. 
Alle sitzen einige Minuten schweigend da, als ob sie, ohne es auszusprechen, fühlen, daß niemand weder Sun Bears Worten noch der 
lautstarken Wortmeldung der Donnerwesen eine weitere Geschichte hinzuzufügen vermag. 

Die Traumsprache der Erde 

Einführung 

Am fünften Abend der Traumratsversammlung bleiben mehr Menschen auf dem Vision Mountain zurück als ursprünglich geplant. Die 
Donnerwesen sind mit Macht über die Landschaft hereingebrochen. Der Flughafen von Spokane ist wegen eines Unwetters geschlossen 
worden, und etliche der Teilnehmer entscheiden sich, ihre Wartezeit lieber hier zu verbringen als in irgendeinem Hotel in Spokane. Da die 
Vorräte an Nahrungsmitteln ausreichen, haben auch die Köche nichts dagegen einzuwenden, zum Abendbrot ein paar Menschen mehr als 
vorgesehen durchzufüttern. Die Gäste wandern im Haus umher, unterhalten sich in kleinen Gruppen, sind entspannt. 
Nach dem Essen setzen sich Wabun, Shawnodese und Luke im Wohnzimmer zusammen und besprechen das Konzept eines Traumlexikons. 
»Obwohl ich mich anfangs mit der Vorstellung von einem Traumlexikon nicht anfreunden konnte«, beginnt Wabun, »scheint es doch 
wirklich so zu sein, daß die Leute irgendeine Art Führer zu den natürlichen Traumsymbolen brauchen, von denen viele dem Medizinrad 
entstammen und im Verlauf der letzten paar Jahre in ihre Traumwelt Eingang gefunden haben. Es haben mich schon derart viele Menschen 
nach einem solchen Buch gefragt, daß ich denke, seine Realisierung könnte eine wirkliche Hilfe darstellen. Jedoch möchte ich auch wieder 
nicht; daß die Leute glauben, Symbole müßten für jeden, in dessen Träumen sie vorkommen, die gleiche Bedeutung haben. Meine Meinung 
nach würde ich, sollte dies der Fall sein, den Symbolen und dem, was sie für die Träumer repräsentieren, einen schlechten Dienst erweisen.« 
»Ich glaube, jeder Mensch pflegt seinen individuellen Symbolismus«, sagte Luke. »So ist zum Beispiel für die meisten Leute der Adler eine 
besonders spirituelle Versinnbildlichung, andere Menschen aber können ihm eine vollkommen entgegengesetzt Bedeutung verleihen. Der 
Adler kann ein Zeichen für Gier sein und alles Grausame und Wilde repräsentieren. Das ist abhängig vom Leben des Träumers und vom 
Traum selbst. Natürlich gibt es eine Reihe von universellen Symbolen, die, wie Jung sagte aus dem kollektiven Unbewußten stammen, und 
sie werden sich in transzendenten Träumen oder in jenen, die ich "les songe" nenne, immer gleich ausdrücken. Darüber hinaus hat jedoch 
jeder Mensch seine eigene Beziehung zu Symbolen und Archetypen. 
Jedoch unterweisen die Tiere den Menschen tatsächlich, und ein Teil ihres Lehrens geschieht durch den Symbolismus, der seinen Ursprung 
in ihrer Lebensweise hat. Sie zeigen uns ihre Verantwortung auf der physischen Ebene, die es von ihnen verlangt, die Anordnungen ihres 
Schöpfers auszuführen. Menschen können durchaus eine Menge lernen, weil man niemals ein Tier sieht, das sich diesen ursprünglichen 
Anordnungen widersetzt. Darin besteht der große Unterschied zwischen Tieren und Menschen. 
Menschen sind dazu in der Lage, sich den ursprünglichen Anordnungen ihres Schöpfers zu widersetzen. 
Die Tiere können uns also mit ganz grundlegenden Unterweisungen dienen und uns helfen, zu dem zurückzufinden, was unsere Aufgabe ist. 
Deshalb müssen wir, wenn wir Tiere in unseren Träumen sehen, darüber nachdenken, welches ihre Verantwortungen und ihre Lehren für uns 
sein könnten.« 
»Das ist eines der Dinge, die ich in dem Traumlexikon, das ich schreibe, betonen will«, meint Wabun. »Wir haben diesen Aspekt bereits in 
allen anderen Medizinradbüchern immer wieder hervorgehoben. Ich glaube, es ist von großer Bedeutung, daß die Leute nicht nur auf die 
Tiere als ihre Ratgeber schauen, sondern auch auf die Pflanzen und Mineralien, die mit dem Medizinrad in Verbindung stehen. Damit 
möchte ich jedoch nicht ausdrücken, daß sie sich das alles nur in den Büchern ansehen sollen. Am allerbesten läßt sich die Lehre des 
Medizinrads umsetzen, indem man hinaus in die Natur geht und diese Lebewesen in ihrem eigenen Umfeld beobachtet. Wenn ich über das 
Medizinrad rede, dann rate ich den Leuten immer, auch nur ein Tier oder eine Pflanze oder einen Stein in der Natur zu beobachten, wirklich 
zu beobachten, um einen tiefgreifenden Wandel in der Sichtweise ihres eigenen Lebens herbeizuführen. Ich glaube fest daran. 
Außerdem vertrete ich die Ansicht, daß ein Großteil des Symbolismus von erdverbundenen Völkern Eingang in das kollektive Unbewußte 
der Menschen auf der ganzen Welt gefunden hat. Für mich ist das logisch. Ganz egal, zu welcher Rasse wir gehören - wir stammen alle von 
Menschen ab, die zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte ein erdverbundenes Dasein führten. Ich glaube, viele Menschen fühlen sich 
vom Symbolismus der nordamerikanischen Indianer angezogen, weil die Indianer bis vor relativ kurzer Zeit noch in größerer Nähe zur Erde 
gelebt haben, als die meisten Völker überall sonst auf der Welt.« 


95 


»Ich meine, das Traumlexikon wird den Menschen zugute kommen, wenn du es sehr sorgsam schreibst«, überlegte Shawnodese laut. »Du 
mußt betonen, daß niemand, absolut niemand außer dem Träumer selbst seinen Traum richtig interpretieren kann. Folglich scheint ein 
lexikalischer Teil in einem Buch über Traumarbeit auf den ersten Blick unlogisch. Aber aus einer Reihe von Gründen denke ich, daß ein 
Abschnitt über die Traumsprache ein sehr wertvolles und nützliches Werkzeug zum Verständnis des Traumsymbolismus sein kann. 
Der erste Grund ist der, daß unsere Sprachen auf ähnlichen kulturellen Grundlagen fußen und wir daher im weitesten Sinne im 
Einvernehmen über die Bedeutung vieler Wörter sind. Unsere Traumerfahrung ruft unsere gemeinsame Sprache und die Bedeutung der 
Wörter in uns hervor. 
Der zweite Grund, den zu beweisen schwerer fällt, beruht auf der Existenz des kollektiven Unbewußten, in dem Symbolen unabhängig von 
Raum, Zeit und Kultur die gleiche Bedeutung zukommt. Am leichtesten läßt sich das an Symbolen erkennen, die Elternschaft und Kindheit 
betreffen. 
Ganz egal, wer wir sind - wir alle haben uns einmal in der Gebärmutter unserer Mütter befunden. Also verbindet uns das Symbol Wasser auf 
einer sehr tiefen Ebene unseres Seins mit unserer Quelle -selbst dann, wenn wir Wüstenbewohner sind: C. G. Jung hat noch weitere 
Symbole beschrieben, die wir über das kollektive Unbewußte miteinander teilen. Ich bin der Meinung, daß man in diesem Zusammenhang 
auch die Symbole von erdverbundenen Völkern betrachten sollte. 
Außerdem, wenn man daran glaubt, daß der Gedanke Energie transportiert, um auf diese Weise Neues zu erschaffen, dann stell dir die 
Vielzahl der Gedanken vor, die eingeborene Kulturen über Jahrtausende hinweg auf Symbole konzentriert haben. Vergegenwärtige dir, daß 
auf einer bestimmten Ebene diese Symbole bereits entstanden sind und existiert haben. 
Ein dritter Grund, der für ein Traumlexikon spricht, ergibt sich logisch aus meiner Behauptung, daß das Unbewußte fortwährend verzweifelt 
versucht, mit uns in Verbindung zu treten. Indem man unter solchen Umständen ein Traumlexikon liest, programmiert man sein Unbewußtes 
nicht nur mit einer großen Zahl von Symbolen, sondern auch gleich mit den relevanten Erklärungen. Auf diese Weise gibst du deinem 
Unbewußten ein Sprache, durch die es mit dir in Verbindung treten kann. Ich erinnere mich recht gut daran, daß ich, als ich anfing, mich 
ernsthaft mit meinen Traumprozessen zu befassen, dieses oder jenes Buch über das Träumen las und in der Folgezeit Träume hatte, die sich 
der Symbole in diesen Büchern bedient hatten. Hier fand ich eine Unterstützung, die es mir leichter machte, meine Träume zu verstehen. 
Als ich mich beispielsweise mit Astrologie befaßte, da kreisten meine Traummuster und -symbole um jene Symbole, die mit der Astrologie 
in Zusammenhang stehen. Nachdem ich "Der Mensch und seine Symbole" von C. G. Junge gelesen hatte, träumte ich erfreulicherweise in 
epischen Proportionen unter Verwendung des Symbolismus sämtliche der dort beschriebenen antiken Kulturen. 
Wenn du also dieses Buch über Traumsprache abgeschlossen hast, Wabun, dann sollten wir nach meiner Meinung den Menschen empfehlen, 
es ganz durchzulesen, bevor sie den Versuch unternehmen, damit ihre Träume zu deuten. Auf diese Weise, indem sie zu ihnen sprechen, 
werden sie ihren Träumen eine große Hilfestellung geben. Das soll aber nicht heißen, daß das Lesen einzelner Passagen nach einem 
betreffenden Traum nicht ebenfalls das Verständnis des Traums erleichtern kann. Dies genau könnte der Auslöser für das Bedürfnis sein, 
sich die Bedeutung des Traumsymbols bewußt zu machen. Aber es wird leichter, wenn man den lexikalischen Abschnitt zuerst im Ganzen 
liest, denn dann wird man dem Unbewußten eine neue Sprache gegeben haben. Und je mehr Symbolsprache man seinem Unbewußten zur 
Verfügung stellen kann, desto besser ist es, weil dieser Teil des eigenen Selbst sehr viel eher durch Symbole als durch Worte kommuniziert. 
Wenn es jedoch Worte benutzt, dann ebenfalls nur als Symbole.« 
»Als ersten Schritt in diesem Glossar«, sagte Wabun, »habe ich sämtliche Symbole, die mit dem Medizinrad in Verbindung stehen, 
aufgegriffen und definiert. Dann habe ich all jene Symbole - Mineralien, Pflanzen, Tiere - hinzugefügt, nach denen mich die Menschen im 
Laufe der Jahre gefragt haben. Diese Wesen aus den anderen Schöpfungsreichen waren diesen fragenden Menschen sehr wichtig. Schon oft 
verspürte ich den Wunsch, wir hätten ein Vielfaches der Positionen auf dem Medizinrad, damit wir eine größere Zahl der Brüder und 
Schwestern aus den Mineralien-, dem Pflanzen und dem Tierreich Achtung erweisen können. Mit dem Traumlexikon habe ich genau das 
getan. 
Ich habe jede Eintragung nicht nur mit Schlüsselworten versehen, sondern auch mit einer Beschreibung des Wesens als einem Teil der Natur. 
Dann habe ich die, wie ich meine, gängigste Traumbedeutung dargestellt und, wo es möglich war, gleichfalls die Assoziation - Wortspiele, 
Spiele mit Gedanken und Gefühlen. Auch die transzendente Bedeutung jedes Symbols habe ich hinzugefügt. Die transzendente Bedeutung 
ist die Gabe, die Offenbarung oder das tiefe Verständnis, welches das Träumen, dieses besonderen Symbols einem Menschen schenken kann. 
Für mich hat es den Anschein, daß mit diesen verschiedenen Bedeutungskategorien zahlreiche Bilder im Träumer ausgelöst; werden können, 
und wenn meine Deutung der jeweiligen Symbole individuell auch vielleicht nicht zutreffen mag, so kann das Lesen der Beschreibung 
möglicherweise doch zum Verständnis des Traums beitragen.« 
»Ich träume seit kurzem oft vom Seeadler«, bemerkt Richard.; »Hast du seine Bedeutung in dem Glossar, an dem du arbeitest, erfaßt?« 
»Aber natürlich«, erwidert Wabun. »Der Seeadler ist einer meiner Lieblingsvögel.« 
»Fliegen spielen seit neuestem eine große Rolle in meinen Träumen«, sagte Pete. »Kannst du mir etwas über ihre Bedeutung sagen?« 
»Uff«, macht Wabun. 
»Einer meiner Visionssucher ist letztlich, als er in der Wildnis war, auf eine ganze Ansammlung von Pilzen gestoßen«, bemerkt Leonard. 
»Hast du dafür eine Erklärung?« 
»Selbstverständlich«, sagt Wabun. 
»Ich habe eine Idee«, läßt sich Shawnodese vernehme »Wenn du doch schon einiges davon auf Papier hast, warum holst du es dann nicht 
und läßt die Leute selbst das nachsehen was sie interessiert. Auf diese Weise erfahren wir gleich, wie der lexikalische Teil des Buches auf die 
Mitglieder des Traumrats hier wirkt.« 

Anhang: Übungen 

1. Übung: Wie man das Redeholz und die Schale anwendet 

96 


Was du benötigen wirst: Einen Stock, welcher Art auch immer, entweder wie die Natur ihn dir in die Hand gibt oder dekoriert mit Perlen, 
Fell, Leder oder Federn. Darüber hinaus brauchst du natürlich auch zwei oder mehr Menschen, die bereit sind, wahrhaftig zu sprechen und 
einander zuzuhören. 
Erforderliche Zeit: Eine Minute bis zu mehreren Stunden. 


01. Nimm entweder einen Stock aus der Natur, für den du ein Dankgebet oder ein kleines Dankopfer zurückläßt, oder schaffe dir ein extra 
für seinen Zweck geschmücktes Redeholz bei einem entsprechenden Kunsthandwerker an. Du kannst natürlich auch einen Stock aus der 
Natur nehmen und ihn dann selbst schmücken, indem du ihn mit Fell oder Leder umwickelst, Glasperlen an seinem Griff oder Federn an 
seinem Ende befestigst. Du kannst deine ganze Schöpferkraft für die Ausschmückung deines Redeholzes einsetzen, aber vergiß nicht, 
daß er an einem Ende leicht zu halten sein muß. Menschen, die in näheren Kontakt mit ihrer weiblichen Energie zu treten wünschen, 
sollten besser eine Schale als einen Stock benutzen. Es ist leicht nachzuvollziehen, daß die Schale für das Weibliche und die Gebärmutter 
steht. Die Schale kann wie das Redeholz entweder schmucklos oder dekoriert sein und aus jedem geeigneten Naturmaterial bestehen. 
Die Schale sollte in einem ausgesprochenen Frauenkreis oder in einer Ratsversammlung, deren Mitglieder das Bedürfnis haben, eine tiefe 
Verbindung mit der weiblichen Energie herzustellen, dem Redeholz vorgezogen werden. 
02. Die Aufgabe des Redeholzes ist es, demjenigen, der es hält, den Mut zu verleihen, seinem Herzen so lange, wie er das Redeholz in den 
Händen hat, in freiem Ausdruck Luft zu verschaffen. 
03. Nur die Person, in deren Händen das Redeholz liegt, hat das Recht zu sprechen. 
04. Alle anderen Anwesenden sollten der sprechenden Person mit weit geöffnetem Herzen und aufnahmebereitem Verstand zuhören. 
05. Die Anwendung eines Redeholzes stellt eine gute Methode dar, um ansonsten schüchterne Menschen dazu zu bewegen, das 
auszusprechen, was für sie Wahrheit ist. Es ist auch eine gute Übung für gesprächige Menschen, die es noch nicht gelernt haben, 
anderen aktiv zuzuhören. 
2. Übung: Wie man die Senoi- Traumarbeitsmethode bei Kindern anwendet 
Was du benötigen wirst: Dich selbst, ein Kind oder mehrere Kinder, Zeit, Geduld und eine freundliche, nicht wertende Art. 
Erforderliche Zeit: Fünf Minuten bis zu einer halben Stunde. 

01. Ermutige dein Kind oder deine Kinder dazu, sich an seine beziehungsweise ihre Träume zu erinnern. Am leichtesten ist dies, wenn du 
selbst ein Beispiel gibst, indem du dir deine eigenen Träume ins Gedächtnis zurückrufst, sie wichtig nimmst und sie jeden Morgen 
sowohl mit den Kindern als auch mit anderen erwachsenen Mitgliedern deines Haushalts besprichst. 
02. Unterweise dein Kind darin, seinen Traum zum Abschluß zu bringen. 
03. Wenn deine Kinder Träume haben, die sie ängstigen, dann hilf ihnen zu entspannen und sich der Traumsituation, der sie begegnet sind, 
zu erfreuen. Mache ihnen klar, daß am Ende einer jeden Traumsituation eine Gabe auf sie oder ihre Familie wartet. Ein weitverbreitetes 
Beispiel für angstmachende Träume sind solche, in denen man fällt und fällt. Haben deine Kinder derartige Träume, dann sorge dafür, 
daß sie sich entspannen und Freude an ihrem Fall haben im Wissen darum, daß sie unten mit einer Gabe rechnen können. 
04. Oder aber du ermutigst deine Kinder dazu, bei Träumen, in denen sie fallen, einfach die Arme auszubreiten und so lange zu fliegen, 
bis sie eine Person oder einen Gegenstand erreichen, der eine Gabe für sie oder für ihre Familie bereithält. 
05. Wenn Kinder von Monstern oder anderen beängstigenden Gestalten träumen, dann rate ihnen, nicht fortzulaufen, sondern 
stehenzubleiben, das Wesen anzuschauen und es nach einer Gabe für sich oder ihre Familie zu fragen. Bekannte haben uns berichtet, 
daß ihre Kinder von den Monstern ihrer Träume immer ein Geschenk, eine Süßigkeit oder etwas anderes Schönes bekommen. 
06. Sei bereit, die Gaben oder Anweisungen, die deine Kinder im Traumzustand erhalten, spielerisch mit ihnen darzustellen. Wenn also zum 
Beispiel das Monster ein Lied singt, ermutige die Kinder, es vorzusingen und stimme mit ihnen ein. Oder wenn sie einen Tanz lernen, 
dann bitte sie, dir diesen Tanz beizubringen. 
3. Übung: Sun Bears Vorschlag, wie man gute Träume herbeirufen kann 
1. Technik 
Was du benötigen wirst: Ein Traumobjekt wie zum Beispiel einen Kristall, einen Stein, eine Maske oder ein Traumnetz. 
Erforderliche Zeit: Um das Traumobjekt an die richtige Stelle zu legen, fünf Minuten. Um es zu aktivieren, die normale Länge deines 
Schlafbedarfs. 
01. Beschaffe dir einen Kristall, einen Stein, eine Maske oder irgendein anderes persönliches Kraftobjekt, das du nur für deine Träume 
benutzen wirst. Versichere dich dessen, daß es sich um ein Kraftobjekt handelt, mit dem du dich wohl und sicher fühlst, und reinige es,
bevor du es zum erstenmal anwendest. (Siehe hierzu die folgende 4. Übung.) 
02. Plaziere das Traumobjekt in der Nähe deines Bettes, halte es in deinen Händen oder lege es unter dein Kopfkissen. 
03. Nimm dir ein paar Minuten Zeit, um über den verstrichenen Tag nachzudenken. Bete, während du dein Traumobjekt berührst, um einen 
starken und bedeutsamen Traum. Bitte den Schöpfer und die Geistwesen in diesem Gebet darum, dich zu unterstützen, indem sie dich 
alles über deinen Lebensweg und über die richtige Richtung deines Weges wissen lassen. 
04. Gleite in den Schlaf hinüber und erfreue dich deiner guten Träume. 
2. Technik 
Was du benötigen wirst: Ein Traumnetz, bestehend aus einem kleinen Weidenrahmen, der mit einem beliebigen Garn überwoben wurde. 
Traumnetze haben in der Mitte ein Loch, durch das die schlechten Träume entweichen können. Das Netz fängt nur die guten Träume ein. 
Erforderliche Zeit: Die Zeit, die du benötigst, um dir ein Traumnetz anzuschaffen, um ihm einen Platz in deinem Zimmer zu geben und um 
so viel Schlaf zu bekommen, daß du am nächsten Tag ausgeruht bist. 
01. Schaffe dir ein Traumnetz an und versichere dich dessen, daß du dich mit ihm gut und sicher fühlst. 
02. Reinige dein Traumnetz. 
03. Setze dich damit so lange in dein Schlafzimmer, bis du entschieden hast, wo in der Nähe deines Bettes du das Traumnetz plazieren 
kannst. Im allgemeinen legte oder hängte man Traumnetze früher über die Wiege eines Babys oder über das Bett eines Kindes. 
04. Nimm dir jeden Abend vor dem Einschlafen einen Moment Zeit, um über dein Traumnetz nachzudenken, um es zu betrachten oder zu 
berühren. Tue dies in dem Wissen, daß es dir gute Träume herbeirufen und schlechte vertreiben wird. 
05. Erfreue dich deines Schlafes und deiner Träume, deren Erscheinen dein Traumnetz unterstützt. 
3. Technik 
Was du benötigen wirst: Einen Liter Wasser vorzugsweise von einer klaren und guten Quelle oder einen Liter Kräutertee. 
Erforderliche Zeit: Zehn Minuten vor dem Einschlafen. 
01. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, an dem du normalerweise zu Bett gehst, dann hole dir einen Literkrug von gutem Quellwasser oder 

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 mit einem beruhigenden Tee. 

02. Nimm ihn mit in dein Schlafzimmer. 
03. Setze dich hin, trinke, denke dabei über den vergangene Tag nach und bete um gute Träume für die kommende Nacht. 
04. Hast du das Wasser oder den Tee ausgetrunken, so lege dich hin und gleite langsam in den Schlaf hinüber. 
05. Sehr wahrscheinlich wird dich wegen all der Flüssigkeit, die du zu dir genommen hast, deine Blase im Laufe der Nacht wecken. Weil du 
aufwachst, wird dein Traumzyklus beeinträchtigt und es ist jetzt eher möglich, daß du in eine Schlafebene eintauchst, in der du mehr als 
nur einen bedeutsamen Traum hast. 
06. Diese Methode ist im allgemeinen besonders bei Menschen erfolgreich, die bisher Schwierigkeiten damit hatten, sich an ihre Träume zu 
erinnern. 
4. Übung: Eine Person oder einen Ort reinigen 
01. Technik: Smudging 
Was du benötigen wirst: Salbei, Mariengras, Zeder, Wacholder oder Tabak, entweder einzeln oder alle zusammen; eine Muschel oder eine 
hitzebeständige Schale; einen Fächer oder eine Feder von einem Haustier, entweder von Hühnern, Enten, Gänsen oder Puten; Streichhölzer. 
Erforderliche Zeit: Fünf Minuten, wenn du allein bist, länger, wenn ihr zu mehreren seid. 
01. Lege die Kräuter in eine Muschel oder in eine feuerfeste Schale. Zünde die Kräuter mit den Streichhölzern an, bis sie richtig brennen. 
02. Schlagen aus den Kräutern an der Oberfläche Flammen, so benutze deinen Fächer oder die Feder, um sie zu löschen. Es kann sein, 
daß du sie im Verlauf der Zeremonie immer wieder neu anfachen mußt, damit die Kräuter nicht aufhören zu glimmen und ihren Rauch 
weiterhin freisetzen. 
03. Sobald die Kräuter Rauch entwickeln, ziehe diesen zu deinem Herzen, über deinen Kopf, deine Arme entlang, über die Vorderseite und 
die Rückseite deines Körpers. Sollte irgendein Teil deines Körpers besonderer Heilung bedürfen, so »bade« ihn ausführlich im Rauch. 
04. Im allgemeinen liegt es in deiner Verantwortung, dein Energiefeld selbst zu reinigen. Denke also daran, daß der Rauch von den Pflanzen 
dich zwar darin unterstützen, dir jedoch die Aufgabe nicht zur Gänze abnehmen kann. 
05. Du könntest den sechs Himmelsrichtungen Rauch anbieten: zunächst nach oben oder dem Schöpfer, dann nach unten oder der Mutter 
Erde, schließlich nordwärts, ostwärts, südwärts und westwärts. 
06. Nachdem du dich selbst der Räucherung unterzogen und den Rauch als Opfer dargeboten hast, kannst du das Räuchergefäß halten, 
während andere den Prozeß an sich wiederholen. 
07. Oder es bietet sich dir die Möglichkeit, mit der Räucherung in deinem Schlafzimmer herumzugehen, den Rauch in alle Richtungen zu 
verteilen und dabei insbesondere darauf zu achten, daß er in die vier Zimmerecken gelangt. 
08. Auch deinen Traumkristall, -stein, -kissen oder -netz, die du benutzt, um deinen Traumprozeß zu unterstützen, kannst du dem Smudging 
aussetzen. 
2. Technik: Reinigung durch Wasser 
Was du benötigen wirst: Eine Schale oder Muschel mit Wasser. Auch eine Feder könnte dir nützlich sein. 
Erforderliche Zeit: Fünf Minuten, wenn du allein bist, länger wenn du in einer Gruppe mehrerer Personen bist. 
01. Du kannst dich mit einer kleinen Menge Wasser auf ähnlich Weise waschen, wie du es in der Smudging- Zeremonie mit dem Rauch 
getan hast. 
02. Du beginnst damit, indem du deine Finger in das Wasser tauchst und deine Hände wäschst. Dann bringst du ein Paar Wassertropfen über 
dein Herz, über deinen Kopf, entlang deiner Arme, über die Vorder- und über die Rückseite deines Körpers. Bedarf eine deiner 
Körperpartien besonders der Heilung, so laß sie ebenfalls zu ihrem Recht kommen. 
03. Dann bietest du den sechs Himmelsrichtungen etwas Wasser dar, indem du die Fingerspitzen eintauchst und das Wasser in die jeweilige 
Richtung versprühst. 
04. Erinnere dich daran, daß es wie beim Smudging auch hier in deiner Verantwortung liegt, für deine Reinigung selbst zu sorgen. 
Das Wasser hilft, aber es vermag dir die Aufgabe nicht abzunehmen. 
05. Nachdem du selbst dich mit dem Wasser gereinigt hast, kannst du für andere Anwesende die Schale halten, während sie den Prozeß an 
sich wiederholen. Danach kannst du mit der Schale in deinem Schlafzimmer herumgehen und auch dort ein wenig Wasser verspritzen. 
Wieder widmest du den Zimmerecken deine besondere Aufmerksamkeit. 
06. Statt der Fingerspitzen ist es auch möglich, eine Feder in das Wasser einzutauchen und damit dich selbst, andere oder einen Raum zu 
reinigen. 
07. Vergiß nicht, auch alle Traumobjekte, die du vielleicht benutzen möchtest, zu reinigen. 
3. Technik: Reinigung durch Salz 
Was du benötigen wirst: Eine Muschel oder Schale, die mit Salz gefüllt ist; Meerwasser oder Salzwasser. 
Erforderliche Zeit: Fünf Minuten, wenn du allein bist, länger, wenn du dich in einer Gruppe befindest.
01. Du benutzt Salz, Salzwasser oder Meerwasser auf die gleiche Weise, wie du Rauch oder Wasser bei den vorangegangenen Übungen 
eingesetzt hast. 
02. Folge der Reihenfolge, wie sie schon zuvor beschrieben wurde: Reinige zunächst dich selbst, biete Salz oder Salzwasser dann den sechs 
Himmelsrichtungen an, reinige alle anderen an der Zeremonie Beteiligten, den Raum, in dem du dich befindest, und schließlich auch die 
Traumobjekte, die du benutzen willst. 
4. Technik: Reinigung durch den Klang 
Was du benötigen wirst: Eine Rassel oder eine Trommel. 
Erforderliche Zeit: Fünf Minuten, wenn du allein bist, länger, wenn du dich in einer Gruppe befindest. 
01. Schüttle die Rassel oder schlage die Trommel so lange, bis du das Gefühl hast, daß du einen reinigenden Rhythmus gefunden hast. 
02. Richte den Klang deiner Rassel oder deiner Trommel auf dich, um dich damit zu reinigen; beginne beim Kopf und gehe von dort langsam 
bis zu den Füßen hinunter. 
03. Dann bietest du den Klang deiner Rassel oder deiner Trommel den sechs Himmelsrichtungen an. 
04. Nachdem dies geschehen ist, kannst du daran gehen, die übrigen Anwesenden zu reinigen. 
05. Sodann schreitest du mit deiner Trommel oder deiner Rassel den Bereich ab, in dem du später schlafen wirst, und widmest dich dabei 
wieder besonders den Ecken. 
06. Danach könntest du die Traumobjekte, die du zu benutzen gedenkst, reinigen. 
5. Technik: Reinigung durch das Gebet 
Was du benötigen wirst: Deine gesammelte Aufmerksamkeit und einen ruhigen Platz, an dem du beten kannst. 
Erforderliche Zeit: Von einer Minute bis hin zu einer Stunde. 
01. Zentriere dich selbst; im allgemeinen geht dies gut, indem du dich auf deinen Atem konzentrierst. 

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02. Wenn du meinst, deinen Mittelpunkt gefunden zu haben, so bitte den Schöpfer, daß er dich darin unterstützt, dich zu reinigen, 
zu konzentrieren und zu zentrieren. 
03. Bitte den Schöpfer darum, daß er den Raum, in dem du dich aufhältst, und die Traumobjekte, die du benutzen willst, reinigt. 
04. Bitte den Schöpfer darum, daß er dir hilft zu träumen und daß er dir die Botschaften schickt, die du benötigst, um durch deine 
Träume zu lernen. 
05. Danke dem Schöpfer für den vergangenen Tag und nimm dir dabei Zeit, all die Tagesereignisse durchzugehen. 
06. Beende dein Gebet, indem du dich bei deinem Schöpfer für die vielen Segnungen bedankst, die du erhalten hast. Sei dabei so 
genau, wie es sich für dich gut anfühlt. 
5. Übung: Was Luke Blue Eagle über die Arbeit mit dem Herkimer- Diamanten sagt 
Was du benötigen wirst: Einen Herkimer- Diamanten, ein Kristall, der aus Herkimer County im oberen Teil des US-Bundesstaates New York 
stammt; Salzwasser. 
Erforderliche Zeit: Fünf bis fünfzehn Minuten, um dich vorzubereiten; die Dauer deiner normalen Nachtruhe. 


01. Luke Blue Eagle empfiehlt den Herkimer- Diamanten als Traumstein, weil er dich in der Traumzeit beschützt und dir hilft, dich klar an 
deine Träume zu erinnern. 
02. Er gibt zu bedenken, daß es anfangs schwer sein kann, mit ihm zu arbeiten, weil er dich zunächst in die entgegengesetzte Richtung deiner 
normalen Gewohnheiten schickt. Das bedeutet, wenn es dir leichtfällt, dich deiner Träume zu entsinnen, dann wirst du zu Beginn deiner 
Arbeit mit dem Herkimer- Diamanten deine Träume wahrscheinlich leicht vergessen. Solltest du jedoch deine Träume im allgemeinen 
nicht im Gedächtnis behalten können, so wird dir der Herkimer- Diamant dabei helfen. 
03. Reinige deinen Herkimer- Diamanten eine Woche lang täglich in Salz- oder Meerwasser. 
04. Nach dieser Anfangsreinigung säuberst du ihn nur noch nach jeder Benutzung. 
05. Während du auf das Einschlafen wartest, hältst du den Herkimer- Diamanten in der Hand. Dies geschieht, um dem Stein einen direkten 
Einfluß auf dein Gehirn zu ermöglichen. Sollte dir das Mineral während der Nacht aus der Hand fallen, so ist das nicht wichtig. 
06. Während du auf diese Weise mit dem Herkimer- Diamanten in der Hand einschläfst, sagst du dir, daß du es dem Stein gestattest, 
dir jeden beliebigen guten Traum zu bringen, den er in dieser Nacht anziehen kann. 
07. Solltest du den Herkimer- Diamanten in der Nacht aus der Hand verloren haben, so suche ihn am Morgen nach dem Erwachen. 
08. Erinnere dich daran, den Stein zu reinigen, damit er für seinen nächsten Einsatz vorbereitet ist. 
6. Übung: Meditation, die beim Erinnern der Träume hilft 
Was du benötigen wirst: Reinigungsmaterialien; eine Kladde und ein Schreibgerät oder ein Aufzeichnungsgerät. 
Erforderliche Zeit: Vor dem Einschlafen dreißig Minuten; die Dauer deiner normalen Nachtruhe; fünfzehn bis dreißig Minuten, um deinen 
Traum am nächsten Morgen aufzuschreiben oder aufzuzeichnen. 


01. Lege dir einen Block und Schreibgerät an einen Platz neben dein Bett, wo du beides leicht erreichen kannst. Wenn du vorziehst, deine 
Träume auf Band aufzunehmen, dann stell dir einen Kassettenrecorder, der bereits eine Leerkassette enthält, neben dein Bett. 
02. Sorge für eine bereitstehende Lichtquelle, damit du jederzeit genug siehst, um zu schreiben oder um den Kassettenrecorder in Betrieb zu 
nehmen. 
03. Bereite dich auf den Schlaf vor und gehe zu Bett. Begib dich in eine Position, die zwar bequem ist, jedoch nicht zu sehr. Um diese Übung 
erfolgreich abschließen zu können, mußt du dich in einem Zustand entspannter Aufmerksamkeit befinden, ohne aber zu früh 
einzuschlafen. Ist deine Position zu unbequem, so wird es dir nicht gelingen, dich zu entspannen. Ist sie jedoch zu bequem, dann schläfst 
du vielleicht zu schnell ein. 
04. Solltest du bereits entspannt sein, so kannst du diesen Schritt überspringen. Verspürst du jedoch irgendwelche Spannungen in deinemKörper, so bediene dich einer Übung zur fortschreitenden Entspannung wie der folgenden. Spanne und entspanne die Muskulatur in 
deinen Füßen, atme Entspannung in sie hinein; dann spanne und entspanne deine Beine, atme Entspannung in sie hinein und so fort. 
Arbeite dich deinen Körper hinauf, denke dabei an deine Hände, deine Arme und an die Muskeln in deinem Gesicht. Es ist vor allem 
wichtig, daß die Muskeln in deinen Füßen, Händen, in deinem Bauch und Gesicht, insbesondere die des Unterkiefers, entspannt sind. 
Sobald du einen ausreichenden Grad der Entspannung erreicht hast, wende dich dem nächsten Schritt zu. 
05. Du kannst die folgende Visualisation entweder als selbstgeführte oder aber als geleitete Meditation einsetzen. Entscheidest du dich für 
die zweite Möglichkeit, so sollte ein Freund oder Partner sie dir vorlesen oder aber du kannst sie dir auf Kassette aufnehmen und dann 
abspielen, bevor du einschläfst. 
06. Stelle dir einen alten Steinbrunnen in einer Wiese vor. Es ist ein wunderschöner Tag, und du ruhst dich neben dem Brunnen aus. 
07. Auf dem Rand des Steinbrunnens siehst du die Inschrift: »Die Quelle des Unbewußten von (Name).« Setze deinen Namen an die 
freigelassene Stelle. 
08. Nimm dir ein paar Augenblicke Zeit, um dich zu entspannen und die Wiese, den Brunnen und die Schönheit des Tages auf dich wirken 
zu lassen. 
09. Stelle dir vor, daß du einen Block Papier und etwas zum Schreiben hast. 
10. Schreibe die folgende Aussage nieder: »Ich, (Name), lasse nun los, was immer ich loslassen muß, damit ich empfangen kann, was ich 
empfangen muß, um mich hinfort an meine Träume zu erinnern. Du, (Name), läßt nun los, was immer du loslassen mußt, damit du 
empfangen kannst, was du empfangen mußt, um dich hinfort an deine Träume zu erinnern. Er oder sie, (Name), läßt nun los, was immer 
er oder sie loslassen muß, damit er oder sie empfangen kann, was er oder sie empfangen muß, um sich hinfort an seine Träume zu 
erinnern.« 
11. Unterschreibe die Aussagen, die du eben gemacht hast, so, als würdest du einen Scheck abzeichnen, und versieh sie zusätzlich mit dem 
Datum. Achte darauf, daß du auch wirklich das richtige Datum kennst, was bedeutet, daß du es wissen mußt, bevor du dich zu Bett 
begibst. 
12. Falte deine Notiz in ein kleines Rechteck und wirf es in die Quelle deines Unbewußten. 
13. Beobachte, wie das Stück Papier langsam zum Grund des Brunnens gleitet, wie es kleiner und kleiner wird, bis es im Dunkel deines 
Unbewußten versinkt. 
14. Nachdem deine Notiz verschwunden ist, stellst du dir vor, wie du im Bett liegst und schläfst. Deine Nacht war friedlich und erholsam. 
Stelle dir vor, wie du schläfst und dann, wie du den Anfang eines Traums erlebst. Stelle dir einen einfachen Traum vor, vielleicht einen 
Regenbogen nach einem Sommergewitter. 
15. Mache dir die Lebendigkeit der Farben dieses Regenbogen und der Umgebung gründlich bewußt. Laß den Geruch der Luft nach diesem 
Gewitter in dein Bewußtsein steigen. Hör wie die Vögel singen. Fahre mit der Hand durch das nasse Gras. Vergegenwärtige dir seine 
Struktur und seine übrige Eigenschaften. Benutze jeden deiner Sinne innerhalb des Traums so lebendig wie möglich. 
16. Stelle dir nun vor, wie du nach dem Traum erwachst, wie du deine Aufregung spürst, weil du dich mit Erfolg an einen Traum erinnert 

99


 hast. 

17. Stelle dir vor, wie du den Traum sofort nach dem Aufwachen in so vielen Details wie möglich aufzeichnest. Sieh dich dabei, wie du dich 
an Formen, Strukturen und Farben der Regenbogenszene erinnerst. Rufe dir den Geruch der Luft und das Gefühl des nassen Grases ins 
Gedächtnis zurück. 
18. Nachdem du vor deinem inneren Auge die Aufzeichnung des Traums beobachtet hast, kannst du nun dem Gefühl von Stolz und Freude 
über das Erreichen des selbstgesteckten Ziels Raum geben. 
19. Laß dieses Gefühl durch dich hindurchfließen und gestatte dir dann einzuschlafen. 
20. Wenn es dir schwerfällt, die Visualisation abzuschließen ohne dabei einzuschlafen, so solltest du sie lieber in einem Stuhl sitzend 
durchführen. Verfolge die gesamte Visualisation bis zu der Stelle, an der du Stolz und Freude über die geglückte Aufzeichnung des 
Traums verspürst, und geh dann zu Bett. 
7. Übung: Wie man seine Schlafmuster verändert 
Was du benötigen wirst: Anfangs einen Wecker. 
Erforderliche Zeit: Fünfzehn Minuten vor dem Einschlafen; die Dauer deiner normalen Nachtruhe; fünf bis fünfzehn Minuten nach dem 
Erwachen. 


01. Es ist möglich, die Meditation, die beim Erinnern der Träume hilft, so zu verändern, daß sie dich darin unterstützt, zu jeder beliebigen 
Zeit ohne die Hilfe eines Weckers zu erwachen. 
02. Deine übliche Aufstehzeit ist zwar um sechs Uhr, doch du hast dich dazu entschlossen, zehn Minuten vorher zu nutzen, um dich dem 
halbwachen Zustand zu widmen. 
03. Führe die Entspannungsübung aus, wie sie in der Meditation, die beim Erinnern der Träume hilft, beschrieben ist. 
04. Nutze die Visualisation, wie sie in dieser Meditation beschrieben ist, und sieh dich in der Wiese bei der Quelle deines Unterbewußten. 
05. Statt jedoch etwas über das Erinnern deiner Träume aufzuschreiben, formulierst du das folgende: »Ich, (Name), werde morgen um zehn 
vor sechs erwachen. Du, (Name), wirst morgen um zehn vor sechs erwachen. Sie/er, (Name), wird morgen um zehn vor sechs erwachen.« 
06. Unterschreibe das Papier so, wie du es bei einem Scheck tun würdest, füge das korrekte Datum hinzu, laß es in den Brunnen deines 
Unbewußten fallen und beobachte, wie es verschwindet, so wie es schon zuvor mit dem anderen Zettel geschah. 
07. Stelle dir nun vor, daß du einschläfst. 
08. Stelle dir vor, daß es zehn vor sechs am nächsten Morgen ist und daß du friedlich und vollkommen natürlich erwachst. 
09. Du blickst auf deinen Wecker und siehst, daß es zehn vor sechs ist. 
10. Du bist glücklich darüber, früh genug wach geworden zu sein, um noch wertvolle Zeit allein im Bett zu verbringen, bevor der Wecker 
klingelt. 
11. Nachdem du einige Wochen lang mit dieser Methode gearbeitet hast, wirst du feststellen, daß dein Körperrhythmus dich ganz natürlich 
zum von dir gewünschten Zeitpunkt erwachen läßt.
12. Zu diesem Zeitpunkt könntest du die Weckzeit an deinem Wecker um nur eine Minute vorstellen. Übe jetzt, aufzustehen und den Wecker 
abzustellen, bevor er klingelt. Auf diese Weise kannst du dir den nervtötenden Effekt des Weckers vollkommen sparen. 
13. Stelle die Weckzeit jedoch wirklich nur eine Minute vor. So wirst du dich auf keinen Fall verspäten, selbst wenn du verschlafen solltest, 
während dein Körper sich seinem neuen Rhythmus anpaßt. 
8. Übung: Wie man ein Traumkissen herstellt 
Was du benötigen wirst: Materialien, die sich für eine Reinigung eignen; Stoff (weiche Baumwolle, Kaliko, Samt oder jedes andere Material, 
das weich ist und sich angenehm anfühlt, kommt für Traumkissen in Frage), Schere, Stecknadeln, Nadel, Faden und getrocknete Kräuter. 
Erforderliche Zeit: Die Zeit, um die Kräuter zu beschaffen, und eine Stunde, um das Kissen herzustellen. 

01. Reinige dich selbst und alle Materialien, die du benutzen willst. 
02. Falte den Stoff zusammen, kennzeichne ein Rechteck von etwa 20 x 12,5 Zentimetern und schneide es aus. Wenn es der Stoff zuläßt, 
dann schneide beide Lagen gleichzeitig. 
03. Kehre das Innere nach außen und hefte den Stoff mit Stecknadeln zusammen. 
04. Nähe dann drei Seiten zusammen und laß die vierte noch offen. 
05. Lege dir die Kräuter und mit was immer sonst du noch das Traumkissen füllen möchtest, zurecht. Wenn es dir darum geht, dich deiner 
Träume besser zu entsinnen, dann sollte dein Traumkissen die folgenden Kräuter enthalten: Beifuß, Lavendel, Rosenblütenblätter 
und/oder Kamillenblüten. Möchtest du dich während des Traumzustands besser schützen, so solltest du eines oder mehrere der folgenden 
Kräuter bereithalten: Beifuß, Salbei, Zeder. Wenn es dein Ziel ist, ganz besondere Elemente in deine Träume zu rufen, dann wähle aus 
den folgenden Kräutern aus oder nimm alle: Lavendel, Beifuß, Kamille und/oder Rosenblütenblätter. 
06. Zusätzlich kannst du etwas beifügen, was für dich das Element der Schöpfung symbolisiert, mit dem du durch deine Träume in 
Verbindung zu treten wünschst. Wenn du zum Beispiel in Kontakt mit dem Geist des Hirsches treten möchtest, so kannst du den Inhalt 
deines Traumkissens durch eine kleine Afterklaue des Hirsches ergänzen. 
07. Fülle das Kissen mit den Kräutern und den anderen hierzu von dir bestimmten Materialien, bis es schön locker ist. 
08. Nähe die letzte Öffnung zu. 
09. Bevor du dich schlafen legst, reinige dich selbst und dein Traumkissen. Dann plaziere es unter deinem normalen Kopfkissen und sprich 
ein Gebet, um dich an deine Träume zu erinnern. 
9. Übung: Die Arbeit mit Alpträumen 
Anmerkung: Diese Techniken bieten kein Heilmittel für die Art von Alpträumen, die infolge von posttraumatischen Streßstörungen auftreten 
und ein fester Bestandteil von ihnen sind. Solltest du unter wiederkehrenden Alpträumen leiden, so raten wir dir, professionelle Hilfe in 
Anspruch zu nehmen. 

1. Technik 
Was du benötigen wirst: Zeit nach dem Aufwachen, um deine Traumerfahrung zu untersuchen. 
Erforderliche Zeit: Fünfzehn Minuten bis zu einer Stunde. 
01. Wenn du aufwachst, entweder durch den Alptraum oder weil der Morgen angebrochen ist, dann untersuche den Alptraum gründlich. 
Achte auf alle Details, die in ihm enthalten sind, insbesondere auf die angstmachenden Aspekte. 
02. Betrachte diese furchterregenden Aspekte wie Symbole. 
03. Durchforsche den Tag, der dem Alptraum vorausgegangen ist. 
04. Suche nach möglichen unangenehmen oder unerfreulichen Situationen, die vielleicht als beängstigendes Symbol in die Traumwelt 
hineingespiegelt worden sind. 
05. Versuche die Erfahrung zu verstehen und wie und warum sie sich in deiner Traumzeit Ausdruck verschafft hat. 

100 


06. Wann immer dies möglich ist, korrigiere die Traumsituation im Wachzustand. 
2. Technik 
Was du benötigen wirst: Zeit, entweder unmittelbar bevor du dich in der Nacht nach dem Alptraum schlafen legst, oder die ersten Minuten, 
nachdem du von einem Alptraum erwacht bist. 
Erforderliche Zeit: Fünf Minuten. 
01. Der Idealfall wäre, daß du dir in den ersten Minuten, nachdem du am Morgen nach dem Alptraum erwachst, die Zeit nimmst, um deinen 
Alptraum durchzuspielen und ihn mit einem guten Ausgang zu versehen. 
02. Wenn dir dies am Morgen nicht möglich ist, dann nutze die Zeit vor dem Einschlafen am folgenden Abend, um deinen Alptraum zu 
rekapitulieren und um ihm ein gutes Ende zu geben. Wenn du zum Beispiel davon träumst, von jemandem mit Mordabsichten verfolgt 
zu werden, dann kehre in den Traum zurück und »träume«, daß diese Person verhaftet, entwaffnet und ins Gefängnis gebracht wird. 
Sollte dir ein solcher Ausgang nicht gefallen, so suche nach einem geeigneteren. Beispielsweise könnte der rachsüchtige Mensch 
plötzlich erkennen, daß der Schaden, der ihm vermeintlich zugefügt wurde, sich als Irrtum erweist, und seine Mord Pläne daher grundlos 
sind und sich auflösen können. Du kannst sogar »träumen«, daß du Freundschaft mit deinem Verfolger schließt. 
3. Technik 
Was du benötigen wirst: Material für eine Reinigung; das Wissen um die Medizinradmeditation, die in der 17. Übung beschrieben wird. 
Erforderliche Zeit: Fünfzehn bis dreißig Minuten. 
01. Indem du die in der 17. Übung beschriebene Medizinradmeditation anwendest, rufst du das beängstigende Element, das dich in dem 
Alptraum verfolgt, und fragst es, wer es und was es von dir will. 
02. Höre seiner Antwort aufmerksam zu. 
03. Wenn es möglich ist, dann korrigiere die Situationen im Wachzustand. 
Um Johns Beispiel aufzugreifen: Eine Medizinradmeditation würde beinhalten, daß er sich reinigt, zentriert und dann im Geiste in die 
Mitte des Medizinrads tritt. Sobald er dort ist, würde er den Tiger aus seinem Traum zu sich rufen und ihn fragen: »Wer bist du?« 
Der Tiger würde antwort »Ich bin dein Bruder Bill.« John würde von ihm wissen wollen: »Was willst du von mir? Warum jagst du 
mich?«, Bill könnte antworten: »Ich möchte gerne, daß du meinen Anregungen bezüglich deiner Kindererziehung etwas mehr Respekt 
schenkst.« 
04. Nutze diese Technik auch als geführte Meditation, indem du einen anderen Menschen durch den Prozeß begleitest, der den 
beängstigenden Aspekt des Alptraums dieses Menschen freilegt und das gefürchtete Traumelement dazu ermuntert, seine wahre Natur 
und seine Wünsche offenzulegen. 
05. Wenn du die wahre Natur und die Wünsche des beängstigenden Aspekts eines Alptraums kennenlernst, dann verschwindet der Alptraum 
im allgemeinen. 
10. Übung: Wie man sich von seinem Traum einhüllen läßt 
Was du benötigen wirst: Einen gesammelten Bewußtseinszustand, bevor du in den Schlaf gleitest. 
Erforderliche Zeit: Eine bis fünf Minuten. 

01. Wenn du einen Traum hattest, den du gerne fortführen oder beenden würdest, dann versuche in dir einen Zustand zu erzeugen, der dir ein 
Gefühl gibt, als würde dich der Traum einhüllen, bevor du wieder in den Schlaf gleitest. 
02. Um diesen Zustand herzustellen, spiele den Traum bis zu der Stelle durch, an der du erwacht bist und an der der Traum abbrach. 
03. Halte diese Stelle in deinem Geist fest, während du in den Schlaf hinübergleitest. 
04. Insbesondere bei einem Traum, der etwa durch das Schrillen des Telefons, das Weinen eines Kindes oder andere Geräusche unterbrochen 
wurde, sind die Aussichten gut, ihn dort aufzunehmen, wo er abgebrochen wurde, und ihn bis zu seinem Ende zu träumen. Es ist auch 
möglich mehr als nur einmal in ein und denselben Traum zurückzukehren. 
11. Übung: Wie man seinen Traumraum schützen kann 
Was du benötigen wirst: Materialien für die Reinigung. 
Erforderliche Zeit: Fünfzehn bis dreißig Minuten. 

01. Reinige deinen Schlafplatz, bevor du zu Bett gehst. 
02. Bevor du einschläfst, begib dich in einen meditativen Zustand. 
03. Rufe ein Geistwesen, damit es kommt, neben deinem Bett Wache hält und dich schützt. Du kannst vier Geistwesen rufen, eines für jede 
Himmelsrichtung. 
04. Stelle dir vor, wie diese Wachen sich mit von dir abgewandtem Gesicht an den vier Ecken deines Bettes aufbauen. 
05. Oder stelle dir vor, daß du selbst mit dem Blick nach Osten gerichtet im Geiste und in deinem Herzen sagst: »Ich bitte um einen 
Beschützer aus dem Osten, um einen Wächter, der im Osten meines Bettes steht und meine Träume in der Nacht bewacht und schützt.« 
06. Mit dem Blick gen Süden rufst du im Geiste und in deinem Herzen: »Ich bitte um einen Beschützer aus dem Süden, um einen Wächter, 
der im Süden meines Bettes steht und meine Träume in der Nacht bewacht und schützt.« 
07. Wiederhole den Vorgang auch für den Westen und Norden. 
08. Stelle dir vor, wie diese Wächter an den vier Seiten deines Bettes Position beziehen. 
09. Nachdem du die vier Wächter gerufen hast, verlasse den meditativen Zustand und gleite in den Schlaf hinüber. 
12. Übung: Traumarbeit 
Was du benötigen wirst: Eine Kladde oder Pier und Schreibgerät und/oder einen Kassettenrecorder; Zeit nach dem Aufwachen, um den 
Traum aufzuzeichnen und mit den in ihm enthaltenen Elementen zu arbeiten. 
Erforderliche Zeit: Dreißig Minuten. 


01. Schreibe einen kurzen Traum, den du während der Nacht gehabt hast, auf. 
02. Schreibe auf, wie sich für dich dieser Traum in deiner Gegenwart widerspiegelt. 
03. Schreibe auf, wie sich für dich dieser Traum in deiner nahen Vergangenheit widerspiegelt. 
04. Schreibe auf, wie sich für dich dieser Traum in deiner Vergangenheit widerspiegelt. 
05. Schreibe auf, wie sich für dich dieser Traum in deiner Zukunft widerspiegelt. 
06. Schreibe auf, wie sich für dich dieser Traum in deinem körperlichen Zustand widerspiegelt. 
07. Schreibe auf, wie sich für dich dieser Traum in deinem geistigen Zustand widerspiegelt. 
08. Schreibe auf, wie sich für dich dieser Traum in deinem emotionalen Zustand widerspiegelt. 
09. Schreibe auf, wie sich für dich dieser Traum in deinem spirituellen Zustand widerspiegelt. 
10. Wenn es Menschen deines Vertrauens in deiner Umgebung gibt, dann wird sich dir manchmal ein größeres Wissen über dich 

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 und deinen Traum eröffnen, wenn du deinen Traum und was du über ihn aufgeschrieben hast, mit einem solchen Menschen 
teilst und ihn zu Anmerkungen aufforderst. 


13. Übung: Traumperspektiven 
Was du benötigen wirst: Papier und Bleistift oder einen Kassettenrekorder. 
Erforderliche Zeit: Dreißig Minuten 

01. Bei der Interpretation eines Traums ist es wichtig, daß du dir bewußt machst, wie weit du dich vom Trauminhalt entfernt fühlst. 
Je weiter entfernt du dich von dem Trauminhalt fühlst, desto unterdrückter ist er. 
02. In Träumen kommen drei Perspektiven besonders häufig vor. In der ersten nimmst du selbst an den Ereignissen des Traums teil. 
Ein solcher Traum steht für etwas, was deinem Bewußtsein nahe ist. Je unähnlicher das Traum-Ich deinem wirklichen Ich ist, desto 
weiter entfernt ist der Trauminhalt von deinem Wachbewußtsein. Wenn du dich beispielsweise als sehr viel älter oder jünger träumst, 
als du tatsächlich bist, dann ist der Trauminhalt von deinem realen Leben weit entfernt. 
03. In der zweiten Traumperspektive erlebst du dich selbst weder als Handelnder noch als Zuschauer der Traumsituation. Du existierst in 
dem Traum wie eine Art Bewußtseinspunkt, der beobachtet, aber die Dinge nicht an sich selbst erfährt. Solche Träume behandeln 
Themen, die wir noch nicht wirklich in unser Bewußtsein holen wollen. 
04. In der dritten Traumperspektive erleben wir uns selbst als vom Traum abgetrennt. Du beobachtest den Traum so, wie du dir einen Film 
im Fernsehen anschaust; er spielt sich also vor oder hinter dir ab. Du hältst den Traum in einer gewissen Entfernung von dir - so wie 
du auch seinen Inhalt aus deinem Bewußtsein heraushältst. Solches Traummaterial ist sehr weit entfernt von deinem Bewußtsein. 
05. Manche Menschen träumen sogar, daß sie träumen. Das Material in dem Traum, den du kurz vor dem Aufwachen hast, ist für dich 
sehr viel zugänglicher als jenes in einem Traum, in dem du träumtest, einen Traum gehabt zu haben. 
06. Hast du einen Traum, nach dem du dir nicht mehr sicher bist, tatsächlich geschlafen zu haben, so ist der Inhalt dieses Traums der 
bewußten Ebene deines Verstandes sehr nahe. 
07. Um das Unterscheiden zwischen den unterschiedlichen Traumperspektiven zu lernen, ist es entscheidend, daß du deine Träume 
regelmäßig aufzeichnest und dir dann die Zeit nimmst, um sie mit verschiedenen Traumperspektiven, denen du bereits begegnet bist, 
zu vergleichen. 
14. Übung: Was Luke Blue Eagle über die Traumarten sagt 
Was du benötigen wirst: Material, um deine Träume aufzuzeichnen und um mit ihnen zu arbeiten. 
Erforderliche Zeit: Fünfzehn bis dreißig Minuten nach dem Aufwachen und dreißig bis sechzig Minuten oder mehr einmal pro Woche, um 
die Träume der vergangenen Woche durchzusehen. 


01. Auf der ersten Traumebene hat Luke Blue Eagle die verarbeiteten Träume identifiziert oder solche, in denen etwas Körperliches 
geschieht oder verarbeitet wird. Dies sind Träume, in denen die Bilder von keiner großen Bedeutung sind und keine bestimmte Aussage 
treffen. 
02. Auf der zweiten Ebene sind die Träume, in denen man Dinge, die tagsüber oder am vorangegangenen Tag geschehen sind, geistig 
verarbeitet. Auch sie haben keine besondere Bedeutung. Sie erreichen nicht eine Qualität, die es verlangt, daß man sich hinsetzt und 
mit ihnen arbeitet. Es ist nur Alltägliches, das nicht verarbeitet wurde, was deshalb in der Traumzeit nachgeholt werden muß.
03. Die Ursache für das Zustandekommen der eben genannten Traumart beruht auf der Überfütterung unserer Gesellschaft mit 
Informationen. Also müssen wir einen Großteil davon in der Nacht durcharbeiten. Auf dieser Ebene bieten die Träume jedoch eine 
gute Gelegenheit, um sich an ihnen im Erinnern zu üben. 
04. Auf der dritten Ebene sind die Träume, die etwas über die psychologische Situation eines Menschen aussagen. Sie sind von einer 
spirituellen Qualität und teilen dem Träumenden in symbolischer Sprache mit, wie er ist, was in seinem Leben geschieht, wie er reagiert 
und welche Eigenschaften er im allgemeinen hat. Solche Träume machen es einem leichter, sich zu entwickeln und zu vervollkommnen. 
Sie bieten jedoch niemals Lösungen an, sondern zeigen nur in Symbolen auf, wie man sein Leben lebt. 
05. Auf der vierten Ebene der Träume befinden sich die »Vergnügungsträume«. In ihnen fliegt man durch die Luft, experimentiert und hat 
einfach eine gute Zeit - allerdings auf einer sehr spirituellen Ebene. Luke meint, dies sei eine der höheren Traumebenen. 
06. Die letzte Traumebene schließlich enthält das, was auf Französisch "le songe" heißt. Solche Träume sind sehr besonders, klar und 
umfassend. Man entsinnt sich ihres Inhalts so deutlich, daß es wirklicher erscheint als das reale Leben, als das im Wachbewußtsein 
Wahrgenommene. Diese Träume bleiben an einem haften, weil sie eine Botschaft enthalten die auf geradem Wege aus der Geistwelt 
kommt und mit anderen Menschen geteilt werden soll. 
07. Die einzige Möglichkeit, das Unterscheiden zwischen den einzelnen Traumebenen zu lernen, besteht darin, sich Zeit zum Aufschreiben 
zu nehmen und dann über sie nachzudenken, wenn man eine gewisse Anzahl hat, die man miteinander vergleichen kann. 
15. Übung: Die Arbeit mit dem Traumrat 
Was du benötigen wirst: Eine Gruppe, die willens ist, sich regelmäßig zu treffen, und deren Mitglieder bereit sind, ihre Träume als Beitrag zu 
ihrem persönlichen Wachstum ernsthaft miteinander zu besprechen. 
Erforderliche Zeit: Eine bis drei Stunden, je nach Größe der Gruppe. 


01. Du kannst dich mit den Mitgliedern deiner Familie, mit einer anderen Personengruppe, die zusammenlebt, oder mit einer Gruppe von 
Einzelpersonen, die sich regelmäßig treffen, um an ihrem persönlichen Wachstum zu arbeiten und um ihre Träume zu besprechen, in 
einem Traumrat zusammenfinden. 
02. Die Zusammenkunft würde mit einer beliebigen Reinigung beginnen. 
03. Auch das Redeholz wird der Reinigung unterzogen und dann der Person gereicht, auf deren Traum sich die Runde konzentrieren will. 
04. Diese Person erzählt den Versammelten mit dem Redeholz in der Hand ihren Traum. 
05. Danach reicht sie das Redeholz ihrem auf der Linken sitzenden Nachbar. 
06. Diese Person und jeder weitere Anwesende darf der Reihe nach den Träumenden nach den Details seines Traums befragen, nach Farben, 
Qualitäten, Gefühlen, Nuancen, die vielleicht beim ersten Erzählen zu kurz gekommen sind. 
07. Das Redeholz kann bis zu dreimal im Kreis des Traumrats herumgereicht werden oder so lange, bis niemand mehr Fragen zum Inhalt 
des Traums hat. 
8. Dann berichtet der Träumende dem Rat von der Bedeutung, die er seinem Traum zumißt. 
9. Eines nach dem anderen trägt jedes Mitglied des Traumrats, wenn das Redeholz zu ihm gekommen ist, seine Meinung zur Deutung des 
Traums bei. 
10. Wenn das Redeholz einmal herumgegangen ist, dann kann der Träumende sich noch einmal zur Bedeutung seines Traums äußern, wenn 
er der Meinung ist, daß sich seine Auffassung nach all den Beiträgen vielleicht verändert hat. 
11. Man sollte sich genau darüber im klaren sein, daß die Interpretation jedes einzelnen richtig und wahr ist, aber eben nicht unbedingt für 
den Träumenden. Jeder Mensch deutet einen Traum auf der Basis seiner eigenen Lebenserfahrung, selbst dann, wenn er detailreiche 

102


 Kenntnisse über den Träumer besitzt. 

12. Indem der Traum mit dem Traumrat geteilt wird, wird er zum Traum des Traumrats. Jeder, der einem Traumrat angehört, profitiert 
außerdem von einer regeren Traumtätigkeit. 
16. Übung: Wie man einen Traum in Besitz nimmt 
Was du benötigen wirst: Materialien, um deinen Traum aufzuzeichnen und zu bearbeiten. Diese Übung kann allein, mit einer oder mit 
mehreren zusätzlichen Personen durchgeführt werden. Erforderliche Zeit: Dreißig Minuten bis zu zwei Stunden, je nach der Größe der 
beteiligten Gruppe. 

01. Diese Technik funktioniert, zumindest anfangs, besser, wenn der Traum kurz ist. 
02. Der Träumende schreibt den Traum so detailgetreu wie möglich auf. 
03. Dann nimmt der Träumende jedes Element des Traums in Besitz. 
04. Die Inbesitznahme eines Traums beginnt immer damit, daß man sagt: »Ich träume, und der träumende Anteil von mir ist ...« Von jedem 
Aspekt des Traumgeschehens wird in der Gegenwart und in der ersten Person erzählt, und er wird als Teil des Träumers beschrieben. 
05. Ist die erste Runde der Inbesitznahme abgeschlossen, so sagt der Träumende: »Und ich bin wach«, um anzuzeigen, daß dieser 
Arbeitsabschnitt abgeschlossen ist. 
06. Allein das Erzählen des Traums auf die beschriebene Weise kann möglicherweise das nötige Verständnis auslösen und der berichtenden 
Person Bedeutung und Richtung des Traums klarmachen. 
07. Wenn dies jedoch nicht der Fall ist, einzelne Teile des Traums schwer zu verstehen sind oder wenn man auf ein anderes Deutungsniveau 
gelangen will, dann erstellt der Träumende eine Liste jener Wörter, die er mit den Wörtern in Verbindung bringt, die er benutzte, um den 
Traum zu beschreiben. 
08. Wird der Träumende von Helfern unterstützt, so können sie sich ebenfalls die Zeit nehmen, um eine solche Liste aufzustellen. Wenn zum 
Beispiel der Begriff »gelbe Rose« wäre, dann würdest du sagen: »Ich träume, und der träumende Teil von mir ist ein gelber Teil von mir, 
ist ein feiger Teil von mir, ist ein hoffnungsvoller Teil von mir, ist ein ängstlicher Teil von mir, ist ein leugnender Teil von mir, ist ein 
spirituell kräftiger Teil von mir.« An dieser Stelle würdest du damit fortfahren, indem du alle Dinge, die du mit der Farbe Gelb assoziiert, 
mit dir in Verbindung bringst. Danach würdest du dir das Wort »Rose« vornehmen und auf die gleiche Weise verfahren. 
09. Wenn du so jeden Teil des Traums durchspielst, wirst du zusätzliche Einsichten gewinnen. 
10. Immer, wenn du einen Arbeitsschritt beendet hast, sagst du: »Und ich bin wach.« 
11. Achte darauf, alle Einsichten, die du durch diese Methode der Inbesitznahme deiner Träume gewinnst, schriftlich oder auf Kassette 
festzuhalten. 
17. Übung: Die Medizinradmeditation 
Was du benötigen wirst: Wenn möglich, den Zugang zu einem Medizinrad oder sonst einen ruhigen, energetisch offenen Platz, wo du 
meditieren kannst; Reinigungsmaterialien; eine Trommel oder Rassel; Schreibmaterial oder einen Kassettenrecorder, um deinen Traum 
aufzuzeichnen; wahlweise eine Kassette mit Trommelmusik. 
Erforderliche Zeit: Dreißig Minuten. 


01. Wenn du ein Medizinrad errichtet hast, egal ob klein oder groß, dann geh zu ihm und setze dich dort hin, wo es dir angenehm ist. Hast 
du keine Erfahrung in der Arbeit mit dem Medizinrad, so ist es am besten, wenn du als erstes mit der Position beginnst, die mit deiner 
Geburt in Verbindung steht. Wenn du im Frühling geboren wurdest, dann sitze im Osten; ist der Sommer deine Geburtsjahreszeit, so 
sitze im Süden; ist es der Herbst, so gehört zu ihm der Westen; und war es der Winter, dann korrespondiert mit ihm der Norden. 
02. Wenn du kein Medizinrad hast oder wenn es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, bei einem solchen zu sitzen, dann suche dir 
einen ruhigen Platz, der die Meditation fördert. 
03. Sobald du bequem sitzt, reinige dich. 
04. Wenn du es wünschst, dann kannst du auch eine Weile chanten oder trommeln, um dich zu zentrieren. 
05. Es ist auch möglich, die gesamte Meditation mit Trommelmusik, die du entweder selbst machst oder abspielst, zu begleiten. Einige Leute 
haben dies als eine sehr kraftvolle Methode empfunden. 
06. Nachdem du dich gereinigt und zentriert hast, schließe die Augen und stelle dir das Medizinrad vor dir vor. 
07. Vor deinem inneren Auge stehe auf, gehe in die Mitte des Medizinrads. 
08. Während du dort stehst, sage etwas wie: »Schöpfer, ich komme mit Achtung und Respekt für jene, die auf diesem Erdpfad neben mir 
gehen, und mit Achtung und Respekt für jene, die noch kommen werden, die Ururenkel meiner Kinder Urenkel. Ich bin gekommen, 
um Wahrheit und Verstehen für meinen Traum zu suchen. Ich bitte nur um das, was Licht und Liebe und Wahrheit und Leben ist. 
Alles andere, alle Negativität, sei aus diesem Kreis ausgeschlossen.« 
09. Nun erzählst du deinen vollständigen Traum im inneren Kreis. 
10. Du endest damit, indem du einen eigenen inneren Traumrat einlädst, den Traum mit dir zu teilen. Du könntest dies mit den folgenden 
Worten tun: »Jetzt lade ich die Mitglieder meines heiligen Traumrats ein, zu mir zu kommen und bei mir im Kreis des alten Medizinrads 
zu sitzen. Ich rufe mein Kind, männlich und weiblich, aus dem Osten; ich rufe meinen Jugendlichen, weiblich und männlich, aus dem 
Süden; ich rufe meinen Erwachsenen, männlich und weiblich, aus dem Westen; ich rufe meinen Ältesten, weiblich und männlich, aus 
dem Norden.« 
11. Stelle dir vor, wie diese acht Gestalten in das Medizinrad treten und sich in deinem Kreis niedersetzen. 
12. Sprich jeden einzeln an. Beginne mit dem Kind gleichen Geschlechts und sage etwas wie: »Ich erbitte von dir die Gabe des 
Verständnisses für diesen Traum. Sag mir, was er dir bedeutet.« 
13. Sei friedlich, ruhig und höre auf die Antwort dieser leisen, kleinen Stimme in dir. 
14. Nachdem jedes Mitglied deines Traumrats zu dir gesprochen hat, danke ihm für die Gabe, die es mit dir geteilt hat. Dazu kannst du die 
folgenden Worte verwenden. »Ich danke dir für die Weisheit, die du mit mir geteilt hast. Ich bitte darum, daß ich diese Weisheit gut 
und weise einsetzen möge.« 
15. Nachdem der letzte dieser acht Lehrer zu dir gesprochen hat und du ihm gedankt hast, danke ihnen noch einmal allen zusammen als 
Gruppe, bevor du den Kreis verläßt. Das könntest du dabei sagen: »Ich danke dir, mein Traumrat. Dank euch und all meinen 
Verwandten. Es ist gut.« 
16. Wenn du es nicht bereits getan hast, dann stelle dir jetzt vor, wie deine Lehrer den Traumrat verlassen. 
17. Vor deinem inneren Auge siehst du, wie auch du dich erhebst und aus der Mitte des Medizinrads an deinen ursprünglichen Platz 
zurückkehrst. 
18. Dann wirst du dir langsam deiner Umgebung bewußt. 
19. Strecke dich, öffne die Augen, fühle die Erde unter den Himmel über dir. 
20. Danke noch einmal für die Weisheit, die dir zuteil geworden ist. 
21. Es ist gut, wenn du dir dann die Zeit nimmst, um festzuhalten, was dein Traumrat dir gesagt hat.
18. Übung: Konzentrationsmeditation 

103 


Was du benötigen wirst: Einen Ort, an dem du bequem sitzen kannst; eine Uhr, die in deinem Blickfeld ist; wahlweise eine tibetische 
Klangschale, Glocken oder Zimblen. 
Erforderliche Zeit: Fünf Minuten bis zu einer Stunde. 


01. Diese Technik, welche die Aufgabe hat, dir zu helfen, wenn du in einem Traum auf ein Symbol stößt, dessen Sinn du trotz allen 
Bemühens nicht finden kannst, besteht aus zwei Phasen: der Konzentrations- und der Meditationsphase. Erstere kann bis zehn Minuten 
dauern, letztere bis zu viermal länger. 
02. Setze dich mit einer eher geschlossenen Körperhaltung in eine bequeme Position - deine Beine überkreuzen sich auf der Höhe der 
Knöchel, deine Hände sind im Schoß gefaltet oder ruhen mit den Handflächen nach unten auf den Oberschenkeln. 
03. Beginne dich auf etwas Beliebiges zu konzentrieren. Du kannst beispielsweise eine der Sinneswahrnehmungen nutzen, um der 
Konzentration eine Richtung zu geben. So ist es möglich, mit den Augen eine brennende Kerze oder ein Bild zu fixieren. Du könntest 
dich auch auf einen Klang konzentrieren, entweder auf ein Mantra oder auf eine einmal angeschlagene tibetische Klangschale, auf 
Glocken oder Zimbeln. Richte deine ganze Aufmerksamkeit und Konzentration auf den langsam in der Stille verschwindenden Ton. 
Du muß, das Instrument in deiner Konzentrationsphase vielleicht mehrmals anschlagen, um den Ton, auf den du dich konzentrierst, 
zu erneuern. Schließlich aber wird dich auch das einmalige Anschlagen durch die ganze erste Phase tragen. Düfte und Räucherungen 
können dir die Konzentration über den Geruchssinn ermöglichen. Auch der Geschmackssinn eignet sich oder die Konzentration auf 
den Atemfluß. Es spielt wirklich keine Rolle, auf was man sich konzentriert. 
04. Obwohl diese Aufgabe leicht erscheinen mag, könnte sie dir doch schwerer fallen, als du es erwartest. Beginnt dein Verstand zu 
wandern, so richte ihn sanft und ohne Anklage wieder auf den gewünschten Punkt hin aus. Es ist wichtig daß du den Gegenstand deiner 
Konzentration während des Prozesses nicht wechselst. Bleib bei ihm für den Verlauf einer ganzen Konzentrationsperiode und wenn 
möglich, für fünf weitere, bevor du einen neuen auswählst. 
05. Ich empfehle dir fünf Minuten für die ersten paar Versuche in der Konzentrationsmeditation. Achte darauf, daß irgendeine Uhr in deiner 
Nähe steht, damit du ab und zu die Augen öffnen und feststellen kannst, wie weit die Zeit fortgeschritten ist. 
06. Am Ende der Konzentrationsphase öffnest du deine Beine und drehst die Handflächen nach oben zum Himmel. 
07. In diesem Moment frage mit deiner inneren Stimme: »Was ist die Bedeutung dieses Symbols?« 
08. Dann meditierst du oder beobachtest. Und diese Phase wird dir vielleicht ebenso schwerfallen wie die erste. 
09. Wenn du in Tagträume und Gedankenmuster abgleitest, dann entferne dich sanft von ihnen und begib dich zurück in die Position des 
Beobachters. 
10. Für diese Technik bedarf es vielleicht mehr als eines oder zweier Versuche, aber wenn du die Konzentrationstechnik fünf Minuten lang 
durchhältst, die Frage stellst: »Was bedeutet dieses Symbol?« und dann weitere fünf Minuten lang, ohne Tagträumen und 
Gedankenmustern nachzuhängen, offen bist für eine Antwort auf deine Frage, dann wird die Antwort schließlich zu dir kommen. 
11. Es ist sehr wichtig, daß du nicht nach einem anderen Symbol fragst, bevor du nicht über das erste Bescheid weißt. 
12. Die Antwort muß auch nicht unbedingt während der Meditationsphase kommen. Sie kann später, im Verlauf des Tages, oder in einem 
neuen Traum erscheinen. Sie könnte in den Worten eines Freundes enthalten sein oder in einem Buch, in dem du zufällig oder absichtlich 
blätterst. 
13. Im Laufe der Zeit, wenn du mehr Erfahrung mit dieser Technik erworben hast, werden die Antworten auf deine Fragen schneller 
kommen, bis du an den Punkt gelangst, wo du nur noch an die Frage: »Was bedeutet dieses Symbol?« zu denken brauchst und die 
Antwort in deinem Geist klare Konturen annimmt. 
19. Übung: Gemeinsames Träumen 
1. Technik 
Was du benötigen wirst: Eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam träumen wollen; wahlweise Traumkissen für jeden in der Gruppe. 
Erforderliche Zeit: Für die Vorbereitungen dreißig Minuten. 
01. Es ist einer Gruppe von Menschen möglich, gemeinsam zu träumen, indem sie sich einfach zuvor zusammensetzen und miteinander 
beten. 
02. Die geistige Sammlung und das Gebet sollten etwa dreißig Minuten dauern. 
03. Der Vorsatz einer Gruppe, zusammen zu träumen, kann dadurch unterstützt werden, indem jeder in der Runde ein Traumkissen herstellt, 
es im Kreis herumreicht, wo es von allen anderen Teilnehmern jeweils einen Moment lang gehalten und dann weitergegeben wird, bis 
es wieder zu seinem Besitzer zurückkehrt. 
04. Jeder schläft danach in der folgenden Nacht mit seine eigenen Traumkissen unter seinem Kopfkissen oder neben seinem Bett und 
konzentriert sich beim Einschlafen auf den Gruppentraum. 
2. Technik 
Was du benötigen wirst: Einen großen Raum und eine Gruppe von Menschen, die miteinander träumen wollen. 
Erforderliche Zeit: Acht bis zehn Stunden. 
01. Jeder in der Gruppe reinigt sich, konzentriert sich und fokussiert das gemeinsame Ziel. 
02. Die Gruppenmitglieder bilden einen großen Kreis und legen sich mit dem Kopf zur Mitte des Raumes, als ob jeder einzelne das 
Blütenblatt eines Gänseblümchens sei, zum Schlafen nieder. 
03. Am nächsten Morgen besprechen die Gruppenmitglieder gemeinsam ihre Träume, um zu prüfen, ob das gewünschte Resultat erzielt 
wurde. 
20. Übung: Meditation für gemeinsames Träumen 
Was du benötigen wirst: Den tiefen Wunsch beider Beteiligten; das Wissen darum, daß gemeinsames Träumen eine Beziehung verändern 
kann; ein Traumkissen; die Zeit für eine Meditation; Trommeln, Rasseln oder Kassetten mit Chant-Musik. 
Erforderliche Zeit: Eine Stunde für die Vorbereitungsphase (Herstellung der Traumkissen); eine bis zwei Stunden für die gemeinsame 
Meditation; eine bis zwei Stunden für das Besprechen der Ergebnisse. 


01. Denke daran, daß diese Meditation nur mit der bewußten Erlaubnis der anderen beziehungsweise beteiligten Personen erfolgen kann. 
Besprecht zuvor gemeinsam euren Wunsch, miteinander zu träumen, damit ihr euch über die Gründe ganz und gar im klaren seid. 
Je klarer euch die Gründe sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß ihr eine angenehme und erfolgreiche Erfahrung macht. 
02. Jeder der beiden Beteiligten stellt dann ein Traumkissen her. Richtet euren Geist während dieser Handarbeit so konzentriert wie möglich 
auf euer Ziel aus. Nutzt die Anweisungen zur Herstellung von Traumkissen, wie sie in der 8. Übung gegeben werden. Gebt eines oder 
alle der folgenden Kräuter in euer Kissen: Beifuß, Lavendel, Rosenblütenblätter und Kamille. Legt euch ein Foto von euch selbst mit 
hinein oder ein Stück Papier, auf das ihr handschriftlich euren Namen, Geburtsdatum, Geburtsort und eure augenblickliche Adresse 

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 geschrieben habt. Ihr tut all dies mit dem Gedanken, daß ihr das Kissen eurem Traumpartner schenken werdet, damit ihr Träume 
miteinander teilen könnt. Näht das Traumkissen zu. 


03. Geht zu einem Medizinrad oder zu einem anderen Ort, wo ihr beide in stiller Meditation sitzen könnt. 
04. Reinigt euch und eure Traumkissen. 
05. Sitzt Seite an Seite an einer Stelle des Medizinrads, die euch beiden angenehm ist. Zentriert euch, indem ihr entweder ruhig meditiert, 
chantet oder trommelt. 
06. Wenn ihr das Gefühl habt, in eurer Mitte angelangt zu sein, dann streckt die Hand aus, die eurem Partner jeweils am nächsten ist. 
Fügt eure Hände, Handfläche an Handfläche, zusammen und behaltet diese Position während der Meditation bei. 
07. Ihr könnt danach auch in Form einer geführten Meditation fortfahren, in der einer von euch der Führer ist oder in der jeder für sich in 
seinem Herzen und Geist die folgende Visualisation macht. 
08. In euren Herzen und vor eurem inneren Auge steht ihr, einander an der Hand haltend, auf und geht in die Mitte des Medizinrads. Sobald 
ihr sie erreicht habt, bittet ihr den Schöpfer darum, euch miteinander in Harmonie zu bringen, damit ihr zusammen durch die Traumwelt 
schreiten könnt. 
09. Stellt euch vor, daß euch der Schöpfer und die Kräfte im Zentrum des Kreises durchdringen, daß sie Ausgleichungen in der Frequenz 
eurer Vibrationen vornehmen, damit zwischen euch, von Kopf bis Fuß, Harmonie entstehen kann. 
10. Sobald ihr spürt, daß die Harmonie erreicht ist, begebt euch zurück zu dem Platz, wo eure Körper meditierend sitzen. 
11. Drückt sanft die Hand eures Partners, laßt sie los und streckt euch. 
12. Macht euch langsam eure Umgebung wieder bewußt. 
13. Wenn ihr die Meditation schweigend durchführt, dann könntet ihr euch durch Handdruck gegenseitig kleine Zeichen geben. Ein erster 
Druck würde bedeuten, daß ihr bereit seid, um in die Mitte des Kreises zu gehen. Der zweite Druck hieße, daß ihr bereit seid, den Kreis 
wieder zu verlassen da, und darauf wartet, daß euer Partner seinerseits seine Bereitschaft dazu anzeigt. 
14. Wenn ihr in die normale Zeit zurückgekehrt seid, dann gebt einander die Traumkissen, die ihr angefertigt habt, und einigt euch auf einen 
Tag und eine Uhrzeit, wann der Traum, den ihr miteinander teilen wollt, stattfinden soll. 
15. Am Vorabend des Ereignisses bereitet ihr euch so vor, wie ihr es immer tut, um euch an eure Träume erinnern zu können. Vergewissert 
euch dessen, daß ihr Papier und Stift oder einen Kassettenrecorder mit einer bespielbaren Kassette in Reichweite habt. 
16. Legt euer Traumkissen unter euer Kopfkissen, neben oder unter euren Kopf, und gestattet es euch, in den Schlaf zu gleiten. 
17. Achtet darauf, daß ihr alle Träume dieser Nacht aufzeichnet. 
18. Setzt euch, wenn möglich am nächsten Tag, mit eurem Traumgefährten zusammen und vergleicht eure Träume. 
19. Es könnten mehrere Anläufe nötig sein, bis ihr euren ersten gemeinsamen Traum habt. Fahrt täglich mit der beschriebenen Meditation 
fort, bis ihr in euren Bemühungen erfolgreich seid. 
20. Nach eurem ersten Erfolg solltet ihr mit der geführten Meditation so lange fortfahren, bis das Muster des gemeinsamen Träumens sicher 
verankert ist. Sobald dies zutrifft, ist es, wenn ihr einen gemeinsamen Traum erleben wollt, lediglich erforderlich, in der betreffenden 
Nacht mit eurem Traumkissen zu schlafen. 
21. Übung: Einen Mini-Walkabout unternehmen 
Was du benötigen wirst: Eine urwüchsige Landschaft oder einen Naturpark; einen Tag, an dem du fastest oder aber zumindest auf feste 
Nahrung verzichtest; eine Methode, um dich selbst zu reinigen; eine Kladde oder ein Tagebuch und etwas zum Schreiben oder einen 
Kassettenrecorder. 
Erforderliche Zeit: Eine bis vier Stunden. 


01. Behalte dir ein wenig Zeit vor, um hinaus aufs Land oder in einen Naturpark zu gehen. 
02. Faste vor und während des Walkabouts oder nimm wenigstens keine feste Nahrung zu dir. 
03. Suche eine Gegend auf, die du schon vorher erforscht hast und in der du dich wohl und sicher fühlst. 
04. Beginne, indem du dich reinigst, wenn dir eine Sauna oder eine Schwitzhütte zugänglich ist. Ist dies nicht der Fall, dann unterziehe dich 
einem Smudging oder einer anderen Reinigung. 
05. Wenn du in dem Gebiet deiner Wahl ankommst, dann beginne zu gehen.
06. Öffne dich bewußt, indem du jeden Aspekt der Natur um dich herum wahrnimmst. 
07. Achte auf deine Umgebung, auf die Pflanzen und Tiere, auf die Veränderungen am Himmel, auf den Wind, die Temperatur – auf jede 
Einzelheit. 
08. Ist die Zeit, die du veranschlagt hast abgelaufen, so nimm dein Tagebuch zur Hand und schreibe alles auf, was du gesehen hast, alles was 
geschehen ist, als ob es sich um einen Traum handelt. 
09. Nachdem du alles schriftlich festgehalten hast, arbeite damit. Arbeite mit all den Einzelheiten wie mit Traumsymbolen, die aus deinem 
Unbewußten kommen und zu dir sprechen. Die Ereignisse des Mini- Walkabout müssen genauso interpretiert werden, als seien sie 
visionäre Träume. 
10. Sie auf diese Weise zu deuten, eröffnet dir einen klaren Blick auf deine Persönlichkeit und auf den Weg, den du im Leben gehst. Diese 
Arbeit wird dir auch helfen, deine Traumsprache besser zu verstehen. 

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